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Für zu leicht befunden

Sonntag, 22. Juni 2014

Das Lüneburger Stadtfest leidet unter Magersucht. Es hat sich gefährlich verschlankt auf Markt, Bäckerstraße, Sand und wenige Satellitenörtchen. Schon in den Parallelstraßen zur Bäckerstraße ist fast nichts mehr von der Party zu spüren. Und trotzdem wirken die Budenzeilen löchrig wie Schweizer Käse und das Programm eigenartig dünn und zusammengeleimt.

Das Fest startet mit einer TV-Aufzeichnung mit Hits aus der Konserve, das ist ein Ereignis, weil viele Stars auf der Bühne stehen. Aber weil da nur eine Sendung aufgezeichnet wird, muss sich dem alles unterordnen. Gute Laune auf Befehl eben. Und vor allem, schlechte Sicht auf den hinteren Rängen. Den Markt beherrschen nicht die Zuschauer, sondern in der Mitte macht sich ein Monolith breit, der dem aus Stanley Kubricks Kultfilm „2001“ ähnelt. Eine Art Regie-Thron. Platzgreifend, schwarz und fremd. In der Summe für ein Stadtfest der stolzen Hansestadt zu dünn. Es sei denn, man muss sparen. Ansonsten hätte es genügend große Lüneburger Bands gegeben, die mühelos den Eröffnungs-Abend auf dem Markt zu einem echten Stadtfest-Abend gemacht hätten. nite club und Skaramanga bewiesen es am Sand.

Dann die Planung: Dass das Fan-Fest der Roten-Rosen in dieses Stadtfest integriert wurde, die Menschen nicht in die City strömen, sondern davon weg. Und dass gleichzeitig auch noch das Flugplatz-Fest läuft, das den Effekt verstärkt, kann man zwar als Absicht verkaufen, könnte aber auch als Fehlplanung durchgehen. PS: Die Sommerferien fangen dieses Jahr in Niedersachsen verdammt spät an, da wäre Luft gewesen.

Dass schließlich Public Viewing der Publikumsrenner bei einer WM ist und dass Deutschland nicht gewinnt, also kein besonderer Grund besteht, die Sau raus zu lassen, dafür kann wieder nur Jogi Löw was.

Und es ist ein Glück, dass mit dem beliebten Karaoke-Finale ein versöhnlicher Schlussakkord gesetzt wird.

In der Summe liegt das Dilemma dieses Festes entweder darin begründet, dass die Stadt zu wenig Geld hat für ein Stadtfest, das seinen Namen verdient, oder dass es an Ideen mangelt.

Sollte es an Geld fehlen, reichen die Sülfmeistertage als Stadtfest mit einem echten Lüneburg-Bezug voll und ganz. Sollte es an Spirit fehlen, muss die Stadt Ursachenforschung betreiben, damit die Magersucht kuriert wird, bevor es lebensbedrohlich wird.

Hans-Herbert Jenckel

 

10 Kommentare

  1. Es ist jedes Jahr derselbe Rummel. Ein einfallsloses Krach- und Sauffest mit überzogenen Preisen, die sicher auch ebenso überzogenen Standmieten zu schulden sind. Aber die provinzialischen „Macher“ finden sich dennoch andauernd immer gaaanz toll. Aber darüber kann man nur schmunzeln.

  2. Stadtfest? Das war früher mal ein gut besuchtes, ja meist überfülltest Fest, wo man gerne hinging, weil man Freunde traf. Da waren die Aktionen und Attraktionen, der lokalen Geschäfte, z.B. Das Backschinkenbrötchen vom Schlachter in der kleinen Bäckerstraße. Oder kostenlose Gewinnspiele bei vielen örtlichen Geschäften, wo diese sich dadurch aber auch präsentieren konnten. Wo sind die Präsentationen der lokalen Vereine und Gruppen auf der Marktbühne? Da ging man hin weil dort Bekannte auf der Bühne Ihr Hobby präsentierten und man danach mit Freunden einen bezahlbaren schönen Abend an den vielzähligen Ständen verbringen konnte.
    Inzwischen ist dieser lokale Flair komplett verloren gegangen. Da können scheinbar nur noch angereiste professionelle Standbetreiber sich einen Stand leisten, mit entsprechenden Preisen für den Endkunden, aber eben selbiger kommt dadurch irgendwann nicht mehr. Wozu auch, teuer schlecht essen und trinken lockt halt keinen an.
    Vielleicht sollte die „Marketing GmbH“ auf der Suche nach Attraktionen um Menschen in die City suchen, mal Grundlagenforschung machen und klären was die Leute wirklich wollen. Dann kann man sich mal darüber Gedanken machen, ob hier das Stadtfest nicht eher wieder ein „Fest für die Stadt“ werden sollte, mit einer regionalen Ausrichtung, mit Ausstellern aus der Region und Preisen die sich auch der „kleine Mann“ leisten kann, wo man sich wohl fühlt und auch im Onlinezeitalter mal wieder persönlich ins Gespräch kommt mit den Ladenbesitzern und alten und neuen Freunden.

    • Stefanie Ellinger

      Ich war selbst alle 3 Tage auf dem Marktplatz vor Ort! Ja, es stimmt…..der Freitag stand im Zeichen der SAT 1 Gold Übertragung, mit den Proben am Nachmittag und der Aufzeichnung am Abend! Aber am Samstag und Sonntag präsentierten viele Vereine und Gruppen ihr Programm, ich erinnere mich an den Shanty Chor, Standard Tanzen, Tango, Jazz Dance, Pantomime, diverse Kindertanzgruppen, Bauchtanz, Rope Skipping etc. Leider leider war das Interesse wohl nicht so groß, da sich nur wenige Zuschauer vor der Bühne eingefunden haben! Ich persönlich finde das auch sehr schade, aber dafür kann ja der Veranstalter nichts! Komischerweise fanden ja viele das Schlagerprogramm schrecklich und im Vorfeld wurde ja auch genug Stimmung gegen die Veranstaltung gemacht (siehe diverse facebook Gruppen und auch hier in der LZ), aber ……… der Marktplatz war brechend voll, die Stimmung, so weit ich das beobachten konnte, war super!!! Genauso am Samstag Abend zum Public Viewing und zur anschließenden After Show Party…………

      Und noch kurz zu den Ständen…… auf dem Marktplatz waren mindesten 5 Stände lokaler Gastronomen und Vereinen vertreten, leider sind die Standgebühren kein „Schnäppchen“, sodass mancher es sich schlicht und ergreifend gar nicht mehr leisten kann!!!!

  3. von horstlstein

    hallo, damit es nicht immer ausschliesslich zu meckernissen kommt, möchte ich durchaus
    den vorschlag machen, im nächsten stadtfestjahr eine bühne für die lüneburger live clubs
    bereit zu stellen! auf der könnten 2-3 tage „the best of live clubs“ draussen für die
    fans spielen. simpel eine bierbude anbei und die vegane wurst platzt aus allen nähten!

  4. Claudia Schmidt

    Lieber JJ,

    Einspruch!

    „Und natürlich fragen sich Besucher auf dem Marktplatz angesichts der Phalanx von schneeweißen Neuwagen an der Waagestraße am Rathaus, ob sie sich auf eine Automeile verirrt haben. Nein. Aber so viel Sponsoring-Gegenleistung muss erlaubt sein.“

    So viel Sponsoring-Gegenleistung muss NICHT erlaubt sein. Da werden alle Fahrradständer in der Waagestraße abgebaut, um Platz zu machen für die „…Phalanx von schneeweißen Neuwagen…“

    Wie das mit dem Ziel einer Stadt zu vereinbaren istl, die in Richtung Nachhaltigkeit gehen will, muss mir erstmal einer erklären.

    Oder waren das etwa alles Elektroautos?

  5. Noch mal etwas Kritik am Lüneburger Stadtfest … Die Prägung des Festcharakters durch kommerzielle Buden vornehmlich der Ess- und Trinkkultur ist ja nicht mehr wegzudenken – aber müssen jetzt auch noch Autohändler komplette Straßen in prominenter Lage (Rathaus) mit ihren Produkten vollstellen …? Ich finde, das passt nicht zu einem Stadtfest in unserer Hansestadt – ich will hier nun wirklich keine Automobilmesse vorfinden. Und wozu führt das? Beim nächsten Mal kommen vielleicht noch weitere Autohändler oder ganz andere Produktpräsentationen dazu? Das hat dann nichts mehr mit Stadtfest zu tun!

  6. Gretel Möller

    Anfang letzten Jahres gab es bei LZ-Online zu diesem Thema eine ausführliche Debatte. Geändert hat sie leider gar nichts. Nur die Buchhandlung Perl hat inzwischen aufgegeben. Ungezählte andere charmante kleine Geschäfte sind ihr vorangegangen und weitere werden ihr folgen. Liegt das daran, dass ermüdend geistlose Abfütterbrüllorgien dieser Art den Einzelhandel in Lüneburg fördern? Wen könnte man danach fragen? Martin Aude vom Verein Lüneburger Kaufleute? Dirk Michael Habor vom Lüneburg City Management? Benno Fabricius vom Verband der Schausteller? Den wohl am ehesten. Seine Antwort und die seiner Zielkundschaft wird vermutlich auch im nächsten Jahr wieder lauten: DEUTSCHLAND! DEUTSCHLAND! DEUTSCHLAND! OLÉ, OLÉ, OLÉ! SCHALALALALAAAAAAAAAAAA… OLÉ, OLÉ, OOOLEEEEEEEEEEEEEEEEEE… SCHLAAAAND, O SCHLAAAAND … OLEEEE, OOOLEEEEEEEEEEEEEEEEEE…

  7. Es gibt in Lüneburg ein richtig gutes Stadtfest – das Altstadtfest.
    Das Stadtfest „Stadtfest“ befindet sich wohl im Produktlebenszyklus „Schrumpfung/Degeneration“.
    Wen der Kunde nicht interessiert, der darf sich nicht wundern, wenn der Kunde sich nicht für sein Produkt interessiert.
    Für den Kaufmann ist die Wahrheit in der Kasse.

  8. Ich kann das nur bestätigen. Ich war auch an allen 3 Tagen auf dem Stadtfest. Die Stimmung auf dem Marktplatz während der Schlagershow war super und auch beim Public Viewing konnte man nicht nach links oder rechts fallen. So voll war es. Hat einfach Spaß gemacht. Die Karaoke Show auf dem Marktplatz war noch nie mein Ding, wird aber jedes Jahr als Highlight angekündigt. Für mich war am Sonntag das Highlight Saint Lu auf der Bühne am Sande. Die sympathische Frau mit der wahnsinnigen Stimme hätte mehr Zuschauer verdient. Was lokale Stände angeht, waren diese auch zu finden. Das beste Bier gibt es bei Nolte und die beste Bratwurst bei Meier. Mir hat das Stadttest gefallen. Und die ewigen Nörgler sollen es doch einfach besser machen und Vorschläge für das kommende Stadtfest an die Zuständigen weiterreichen. Man sollte nicht vergessen, dass wir an 3 Tagen ein unterschiedliches Musik- und Unterhaltungprogramm geboten bekommen haben, für welches wir kein Konzertticket kaufen mussten. Also, wer mit dem Programm an einer Bühne nicht zufrieden ist, kann weiter zur nächsten Bühne gehen. Es war für jeden etwas dabei. Ein Lob und Dank auch an die Helfer im Hintergrund, die dafür gesorgt haben, dass die Bühnen abgebaut wurden und heute früh der Sande für den Busverkehr wieder frei war.

  9. Sollte hier ein Kommentar von Ihnen fehlen, rufen Sie gerne an, wir schalten ihn frei.
    Leider haben wir von Fake-Adressen sehr viel Spam empfangen. Danke
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