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Lüneburgs grüne Hofdiener rebellieren

26. Juni 2014

Die Grünen und die SPD, diese Beziehung hat in Lüneburg  oft manische Züge –  mal Siebter Himmel, mal Hölle. In den 90er-Jahren folgte nach einer Liebeshochzeit eine schmutzige Scheidung.  Die Liebe schlug in Hass um. Diese tiefe Abneigung wurde über Jahre mit Inbrunst gepflegt, vor mancher Wahl kurz durch Minnegesang unterbrochen. Ohne zu verfangen. Meistens zierten sich die Roten, manchmal auch die Grünen.

Profitiert hat von diesem Spiel nur eine Partei, die Grünen.  Ihre Sympathiewerte in Lüneburg schlugen bei Wahlen deutlich nach oben aus. Das Gesicht der Grünen war Andreas Meihsies, der erst seinen Ziehvater Helmut Dammann kaltgestellt hatte und der nach dem Zerwürfnis mit der SPD angetrieben war auch von dem Anspruch, die Sozialdemokraten vorzuführen. Er tanzte  dafür auf dem politischen Parkett erstaunliche Pirouetten.  Und gerade wegen dieser Pirouetten war er für die bodenständigen Sozialdemokraten ein unsicherer Kantonist, nicht koalitionsfähig.

Doch dieser Umstand machte auch bei Wahlen den Unterschied und führte die Grünen zur zweitstärksten Macht im Rat.

Nach den Kommunalwahlen vor fast drei Jahren verführte der Duft der Macht die Grünen zu einer neuen Ehe mit der SPD und zugleich wurde die Frage aufgeworfen: Cui bono? Natürlich der SPD.  Die Grünen wurden handzahm, ja geradezu liebedienerisch, im Rat spielten sie oft genug die Rolle des Claqueurs am Hofe des Oberbürgermeisters. Vergessen und Vergeben waren Anfeindungen, Verwünschungen und Schmähungen.

In der Folge verloren die Grünen Kontur, und genau die wollen sie jetzt zurück. Statt brav im Beiboot der Sozialdemokraten zu rudern, springen sie ein ums andere Mal auf, das Boot schaukelt: Erst wollte Bürgermeister Andreas Meihsies als Kandidat gegen den gerade noch hochgelobten Oberbürgermeister Mädge antreten. Das wurde parteiintern vereitelt.

Jetzt also wollen sich die Grünen im Alleingang bei der Planung fürs alte Postgelände profilieren. Die Soloeinlage der Grünen hat SPD-Oberbürgermeister Mädge jetzt als Tanz im Tal der Ahnungslosen abqualifiziert, die  ,,Planung“ der Ökos als ,,handgemalte Skizzen“. Viel weniger geht nicht. Und nicht vergessen werden darf die Petitesse: Die Grünen waren nicht die Ersten, die opponiert haben gegen die Postgelände-Pläne mit dem Fachmarktzentrum, sondern Umwelt- und Naturschutzverbände mit der alten grünen Galionsfigur Helmut Dammann an der Spitze.

Sind wir wieder an einem Wendepunkt der Beziehung SPD-Grüne? Man führt den Partner öffentlich vor und wird in der Replik als Stümper abgetan?

Im Grunde könnte die Art des Agierens bei den Grünen auch als Versuch gesehen werden, ein Ablenkungsmanöver zu fahren: Aktionismus anstelle des fälligen Generationswechsels. Denn auch die Pirouetten eines Andreas Meihsies wirken nicht mehr so juvenil. Aber wer lässt schon gerne los. Der legendäre große französische Staatsmann Talleyrand wusste es:

Kein Abschied auf der Welt fällt schwerer als der Abschied von der Macht.

Hans-Herbert Jenckel

9 Kommentare

  1. Herr Meihsies hat offensichtlich noch nicht erkannt oder erfahren dass es eine edle Tat ist, anderen Menschen eine Freude zu bereiten. Das würde er mit einem Rückzug aus der Politik sicher bei vielen Lüneburgern erreichen und könnte somit in die Geschichte eingehen. Aber so ein Edelmann ist er scheinbar nicht.

  2. Hmm,
    schon komisch, da haben wir in Lüneburg eine der nachhaltigsten Universitäten Deutschlands, und in der Partei, die sich am ehesten mit Nachhaltigkeit identifiziert, finden sich kaum Universitätsangehörige…
    Dabei schliessen an der Leuphana doch jedes Jahr viele junge, handlungsorientiert und nachhaltig ausgebildete Menschen ihr Studium ab, von denen doch recht viele auch nach dem Studium in Lüneburg bleiben.
    Stattdessen finden sich immer dieselben Personen, die doch eher allesamt -nicht böse sein- alle etwas älter sind.
    Schade eigentlich…

    • Die Grünen haben im Stadtrat 3 Personen von der Uni: Björn Adam, Katharina Guhl und Sebastian Heilmann. Nun weiß ich nicht, was älter ist, aber das 1. Semester haben die 3 hinter sich.
      Die große Gruppe der Rentner ist bei uns übrigens nur mit 2 Personen vertreten. Da helfen dann aber die anderen Parteien 😉

      Ansonsten: Vorbeikommen und mitmachen.

    • Eine berechtigte Frage von ihnen „Lüneburger“. Ich vermute zwei Ursachen/Gründe hinter diesem Umstand.

      Möglichkeit 1: Der vom Autor des Artikels angemahnte „fällige Generationswechsel“ steht den studierten jungen Menschen im Wege.

      Möglichkeit 2: Den jungen Menschen mit einem qualifizierten Studiumsabschluß ist die enge Programmatik der betroffenen Partei zu eng und unflexibel. Denn wirkliche Diskussionen und die Meinung anders Denkender ist in dieser Partei nicht unbedingt erwünscht.

      Die persönlichen Grabenkämpfe um Posten und Personen ist in dieser Partei erheblich ausgeweiteter, als in anderen politischen Parteien. Das haben wir auch und gerade in Lüneburg verfolgen dürfen. Das schafft natürlich nicht gerade Vertrauen. Das wirkt doch oft etwas kleinkariert. In einem Studium soll jedoch auch gelernt werden über den Tellerrand hinaus zu schauen und andere Meinungen gelten zu lassen, bzw. sich mit diesen auf einem Niveau der gegenseitigen Achtung auseinander zu setzen. Das kann ich bei den Grünen leider selten erkennen.

  3. Meihsies und Talleyrand? Nicht schlecht. Das lachhafte Herstellen grotesker Beziehungen ist ja ein legitimes Mittel der Satire. Auch wenn die Nähe zwischen dem einstmaligen Bischof von Autun und dem früheren Beamten im Zustelldienst der Deutschen Bundespost nicht allzu groß sein dürfte, gibt es Parallelen. Der ewige „Wendehals“ Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord diente nacheinander sechs französischen Regimes: der katholischen Kirche, der Revolution, dem Direktorium, Napoleon, den Bourbonen und schließlich dem Bürgerkönig Louis Philippe. Und weder einem seiner Dienstherren, noch einer seiner Überzeugungen hat er auf Dauer die Treue gehalten. („Verrat, Sire, ist nur eine Frage des Datums.“ – zu Zar Alexander I. auf dem Wiener Kongress)

    Doch wenn der 1960 geborene Meihsies mit dem Inbegriff des politischen Opportunisten, der sein letztes Amt übrigens erst mit 82 aufgab, in einem Atemzug genannt und als „Claqueur am Hofe des Oberbürgermeisters“ bezeichnet wird, mit wem sollen wir den 1950 geborenen
    Elektroinstallateur, Bürokaufmann, Dipl.-Verwaltungswirt und ewigen Lüneburger „Bürgerkönigsimprovisateur“ Ulrich vergleichen? Mit Ludwig XVI, der 1793 von Talleyrands revolutionären „Brüdern“ enthauptet wurde? Oder mit Napoleon, der bekanntlich über seinen Minister gesagt haben soll: Er sei ein Haufen „Scheiße in Seidenstrümpfen“?

    Ich glaube, nicht nur „bei den Grünen“, sondern auch bei der SPD „könnte die Art des Agierens“ – und das „im Grunde“ schon während der letzten zwanzig Jahre – „als Versuch gesehen werden, ein Ablenkungsmanöver zu fahren: Aktionismus anstelle des fälligen Generationswechsels“.

    Denn seien wir ehrlich, „juvenil“ waren die „Pirouetten“ von Meihsies, aber auch die von Mädge nie. Spätestens seit 1991 beobachten wir zwei Frühvergreiste im Rathaus, die mittlerweile so alt aussehen, wie sie schon immer gewesen sind, und deren persönliches Streben und Hauptinteresse im Katalog ihrer „politischen Ziele“ ganz unverblümt ausgesprochen ist:

    „Gibt es ausreichende Hilfen für ein selbstbestimmtes und würdiges Leben im Alter?“

    „Für unsere Gesundheit sorgen mit einer umfassenden und leistungsstarken medizinischen Versorgung.“

    • Herrlich?

      Na ja, aber nicht ohne Bosheit.

      Was das prekäre Konnubium von Grünverblühten und Sozialgerontokraten betrifft, könnte man allerdings nochmal den Franzosen zitieren:

      „Die Ehe ist das Zusammenleben zweier schlechter Launen am Tage und zweier schlechter Gerüche in der Nacht.“

      Auf die gravierenden städtebaulichen Fehlentwicklungen, die mit dem Vorentwurf des vorhabenbezogenen B-Plans Nr. 149 „Alte Post“ und der 75. Änderung als Berichtigung des Flächennutzungsplans der Hansestadt Lüneburg (d. h. mit der Einschränkung bzw. Aufgabe von Erweiterungsmöglichkeiten des Deutschen Salzmuseums im Gebäude der ehemaligen Saline zugunsten von ausschließlich privaten Investoreninteressen) drohen, ist in der Vergangenheit von verschiedensten Seiten mehrfach hingewiesen worden.

      Die extrem einseitige – und damit unangenehm tendenziöse – Grünen-Schelte von Herrn Dr. Jenckel kann ich jedoch nicht nachvollziehen. Gesichtsloses Immermitdabeiseinwollen ist ja nicht allein das Problem dieser Partei. Dass Dauerkrötenschlucker- und Hinterherregierer-SPD, Kuschelmoser-Linke, der Tarnkappen-Pirat, der Schrumpfgespenst-FDPler und die Hinterbühnen-CDU auch nicht immer „bella figura“ gemacht haben oder machen, hätte zumindest mal angedeutet werden müssen.

      Und lässt sich denn nicht auch auf Journalisten und ihre oft unfeinen Mesalliancen beziehen, was Talleyrand angeblich nur über Politiker sagte?

      „In einem Roman muß die Hauptperson ein ‚Charakter‘ sein; im wirklichen Leben waltet oft ein glücklicher Zufall und drängt mittelmäßige Menschen in den Vordergrund, die kein anderes Verdienst haben, als daß sie eben im richtigen Augenblick zur Hand waren.“

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