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Windiger Widerstand im Lüneburger Land

Lüneburg, 11. Juli

 Energiepolitik ist zwischen Luhe und Jeetzel auch immer Protestpolitik. In dieser Debatte sind Heidjer und Wendländer sturmfest. Früher wehrten sich die Bürger nur gegen den Atomstandort Gorleben. Dann kam die Energiewende. Heute kämpfen sie allerorten gegen Windräder. In Raven wie in Lemgow, in Häcklingen wie jetzt auch in Artlenburg. In der Energie-Frage gibt es eben kein ruhiges Hinterland, keine verschlafenen Dörfer mehr.

Erst kam für die umweltfreundliche Energie die Vermaisung der Äcker, die Futter für die grünen Biogas-Blasen liefern, groß wie Tennishallen, die heute die Dorfeinfahrten prägen wie einst Gewerbegebiete und Einkaufszentren. Zugleich wurden die Dächer mit Sonnenkollektoren gepanzert. Jetzt werden mehr und mehr Windräder gepflanzt. Wenn man denn will, die optische Kehrseite unseres guten Gewissens.

Windräder konturieren die Landschaft selten hässlich, Windräder lärmen bei Sturm, Windräder werfen Schlagschatten und, warnen viele, gefährden auch die Gesundheit.

Der Landkreis Lüneburg hat das Ziel, energieautark zu werden, und die Bürger möchten das auch gerne, weil auch sie umweltbewusst mitziehen. „Bürgerwindpark“ klingt ja auch gut. Nur auf so einen rotierenden Riesen von 200 Metern Höhe will keiner blicken, wenn er auf der Terrasse sitzt. In Artlenburg, wo sich nun auch Widerstand regt, reden wir von einem Kilometer Abstand.

Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht hat geurteilt, dass von Windkraftanlagen eine „optisch bedrängende Wirkung“ ausgehe, wenn der Abstand zwischen Häusern und geplanter Windkraftanlage weniger als das Dreifache der Gesamthöhe der Anlage beträgt. Und: Sonderfälle bestätigen sowohl bei Betreibern als auch Betroffenen diese Regel.

Es lohnt vielleicht einmal eine Fahrt an die Küste, nach Nord- oder Ostfriesland, um zu spüren, was Nähe zu Windrädern ist. Dass sich Anwohner wehren, ist ihr gutes Recht. Dass die Politiker im Dialog aber die Umweltziele weiter hartnäckig verfolgen, nicht nur reden, dafür wurden sie gewählt.

Letztlich passt hier das Wort eines Generals des Dreißigjährigen Krieges, der, als man sich über das feindselige Betragen seiner Truppen in Freundesland beschwerte, die Antwort gab: »Ich kann meine Armee nicht im Sack transportieren.«

Ungefähr so verhält es sich auch mit den Windrädern und der sauberen Energie. Unsichtbare, lautlose Windquirle wären schön, aber sind nur eine Illusion.

Hans-Herbert Jenckel

2 Kommentare

  1. DANKE Herr Jenckel,
    für Ihre wertfreie Positionierung.
    Meines Erachtens kann das ganze Thema jedoch noch wesentlich differenzierter betrachten, z. B. die Frage stellen: Was ist denn „ein Haus“, wie Sie es nennen? Gem. Kreisverwaltung ist nämlich ein Haus nicht gleich ein Haus; zynisch formuliert ist ein Mensch, der ein Einzelhaus hat, weniger wert, als ein Bewohner in einer Splittersiedlung oder gar in einem Wohnort! Der Kreis plant Windkraftanlagen bis 350 m an vom Ort abgelegene Einzelhäuser, ist das jedem klar?
    Herr Seehofer aus dem schönen Bayern sagt, in seinem Bundesland kommt definitiv keine 200m hohe Windkraftanlage dichter als 2km eines Hauses (10-H Regelung, Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/windraeder-in-bayern-aerger-um-abstand-zu-wohnhaeusern-a-979758.html ). DANKE! Also ist das Haus / der Mensch in Bayern noch mehr wert als im LK Lüneburg, O.K.!

    So, das ist nur ein kleiner Punkt zu Ihrem Artikel. Intensiver könnte man auf vielen weiteren Ebenen einsteigen, so sollten z. B. die Kreispolitiker des Ausschusses, der letztlich beschließt, genauestens die Definitionen „Vorrangfläche“ und „Vorbehaltsfläche Forstwirtschaft“ kennen und entsprechend berücksichtigen. Denn einige BI und Bürger haben sich inzwischen so intensiv in das Thema eingelesen, das eine Klage vor dem Verwaltungsgericht ein nicht unerheblicher Bumerang für Politik und Verwaltung werden könnte – auch Fachanwälte sehen bereits jetzt diverse Fehlverhalten in der Vergangenheit (s. zum Beispiel Oerzen die Genehmigung zur Waldabholzung für ein Blaubeerfeld bei gleichzeitigem vehementen Schutz einer Forst-Vorbehaltsfläche von anno dazumal…)
    mfg.
    Stefan Koch

  2. der gute herr jenckel. klug reden und schreiben können die unbetroffenen immer. wehe sie werden irgend wann mal betroffen sein. die hochspannungsleitung von krümmel ist in 200 meter sichtweite auch nicht der bringer. dieses hätte auch unterirdisch funktioniert. stromkonzerne wollen aber gern kosten sparen. und zwar die eigenen. von den anderen wollen wir lieber nicht reden. die wundertüte strombörse wird es uns schon allen zeigen.