Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Verlässt die Lüneburger CDU die Komfortzone?

Lüneburg, 15. Juli

Die Not als Tugend zu kaschieren, diese Maskerade hat in der Lüneburger CDU nach der vermasselten Oberbürgermeisterwahl keine Zukunft. Und die Zeichen stehen gut, dass die Botschaft angekommen ist. Die Union hat einen neuen Fraktionsvorstand gewählt, der OB-Wahlverlierer Eckhard Pols ist nicht wieder als Chef angetreten. Ein richtiger Schritt.

Die Versuche der Jüngeren in der Union, mehr Macht in der Partei zu erlangen, mündeten in der Vergangenheit oft in eine Machtdemonstration alter Seilschaften und enttäuschten Rückzug oder innere Emigration. Susanne Schumacher, Lars Klockmann, da fallen einem einige Namen ein, auch von aktuellen Ratsmitgliedern. Dass die Stadtratsfraktion eine neue Spitze hat, eine moderat verjüngte, ist ein Signal für einen Neustart.

Die Christdemokraten müssen, wollen sie wieder eine größere Rolle spielen, in Stadt und Kreis eine breite Führungsbasis schaffen, die zusammenarbeitet und sich nicht in Kabale versucht. Und sie müssen die Zuspitzung auf eine Lichtgestalt aufgeben, damit hat die Union in Lüneburg keine guten Erfahrungen gesammelt.

Das fing vor einem Vierteljahrhundert mit Bernd Althusmann an, der erst zögerlich, dann aber mit dem Willen zur und dem Gespür für Macht und der Einsicht, dass es in der Partei weit und breit keinen Konkurrenten gibt, zur unangefochtenen Nr. 1 der Lüneburger CDU aufstieg. Gleich, welcher Posten zu vergeben war, die Patentlösung hieß Althusmann. Doch so eine Anhäufung von Macht und Ämtern war selbst für einen so fleißigen Politiker eine Schippe zu viel. Denn Althusmann kümmerte sich nicht nur um Partei und Fraktion in Lüneburg, sondern auch intensiv um seine Karriere im Landtag. Das lange mit großem Erfolg. Weniger Erfolg war schon ihm beschieden, in Lüneburg weitsichtig für eine Nachfolge zu sorgen. Ob es an ihm lag, an der benebelnden Gemütlichkeit in der Komfortzone – Geschichte.

Nicht viel besser ist es der Lüneburger Union mit Eckhard Pols ergangen. Was es an wichtigen Ämtern gibt, wurde bisher fast alles bei Pols abgeladen oder hat Pols an sich gezogen. Alles eine Frage der Interpretation. Das Ergebnis war ein Déjà-vu: Pols Karriere als CDU-Bundestagsabgeordneter läuft, aber Berlin ist weit weg. Die Fraktion in Lüneburg und vor allem die Oberbürgermeister-Kandidaten-Suche litten schwer. Und damit die Partei. Denn das Wahlresultat war schockierend schlecht.

Einige Christdemokraten müssen noch erkennen, dass die Union nicht mehr die zweitstärkste Kraft in Lüneburg ist und dass die Zeit, sich bis zur nächsten Kommunalwahl mit Themen und Personen zu profilieren, knapp, aber eben noch ausreichend ist, wenn man sich aus der Komfortzone bewegt.

Keine Patentlösungen mehr, sich nicht mehr selbstverschuldet in Notlagen bringen – das ist ein guter Anfang. Und eine starke und kreative Union im Rat, also eine starke Opposition, das ist gut für den Rat, und das ist auch gut für Lüneburg.
Hans-Herbert Jenckel

8 Kommentare

  1. warum müssen bei uns unbedingt parteien das sagen haben? sie vertreten nur 0,5% der bevölkerung. diese vereine bestimmen über 99,5% der bevölkerung. das ganze nennt man dann auch noch demokratie. wann wurde in deutschland jemals eine regierung von der mehrzahl der bevölkerung aktiv gewählt?

    • Der andere Klaus

      Grundsätzlich ist ihre Frage/Überlegung gerechtfertigt. An Demokratie durch Kreuze für eine Partei oder einen Kandidaten bei Wahlen zu glauben, ist fast gleichzusetzen mit dem Glauben an den Weihnachtsmann.

      In Parteien gibt es interne Machtkämpfe, Seilschaften und äußere Einflüsse auf Entscheidungsträger. Das Problem ist, dass sich nur wenige Bürger wirklich für Politik interessieren, darüber ernsthaft informieren und damit auseinandersetzen. Fragen sie doch mal ihren Nachbarn was im Schengen-Abkommen vereinbart wurde, welche Funktion ein Staatssekretär hat oder was der Unterschied zwischen Bundestag und Bundesrat ist und ähnliches.

      Wählen zu dürfen empfinden die meisten Bürger (nicht nur in Deutschland) als ein Privileg, nahezu als Pflicht. Auch wenn sie nicht wissen was sie wirklich tun. Oder doch? Ja. Die Deutschen wollen eine Leitfigur. Und so lange es ihnen gut geht, ertragen sie diese. Wenn auch manchmal mit Unmut und murren, weil sie im Kern nicht mit allem einverstanden sind. Doch der Deutsche ist allgemein geduldig und leidensfähig. Aufregung gibt es nur am Stammtisch oder im Gespräch mit Arbeitskollegen. Doch bei der nächsten Wahl wird das Kreuz selten an einer anderen Stelle gemacht. Es würde auch nicht viel ändern, denn man fällt immer wieder auf dieselben alten Versprechen rein, die hinterher wieder gebrochen werden.

      Ein beliebtes Gegenargument ist dann immer: Werden sie doch selbst politisch aktiv und treten in eine Partei ein oder gründen eine. Au verdammt Klaus. Dann werden sie aber sehr schnell spüren, dass sie nicht nach ihrem Gewissen und ihrer Meinung entscheiden dürfen, sondern dass es einen strengen und engen Parteizwang gibt. Und wenn sie sich daran nicht halten, werden sie auch keine politische Karriere machen. So ist das Leben. Und besonders das (politische) Leben eines Politikers kann sehr schnell zu Ende sein.

  2. soll ihre aussage als bankrotterklärung gesehen werden? meine erfahrungen mit parteien sind so wie sie es beschrieben haben. wären direktwahlen die lösung? listenplätze abschaffen? kungelei würde somit wohl erschwert , oder? unser problem sehe ich im wohlstand. wohlstand macht träge und faul. die gier nach noch mehr wohlstand sorgt für bestechlichkeit und egoismus. die gier ist bei unseren sogenannten eliten weiter ausgebreitet als bei der sogenannten unterschicht. zufall ist das nicht.

    • Der eine Klaus

      Haben wir uns, lieber Klaus, Klaus und Klaus, eigentlich schon einmal gefragt, was alle Leute gemeinsam haben, die zu den besten gehören und kontinuierlich Spitzenleistungen als LZ-Kommentatoren abliefern? Die Antwort lautet nicht: Gute Gene. Auch wenn es sicher schön ist, solche zu haben. Entscheidend ist der Wille, täglich die eigenen Grenzen zu überwinden und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Es geht darum, andere Formen der sofortigen Befriedigung zu ignorieren. Dazu gehört auch die Unsicherheit, ob die Anstrengungen belohnt werden.

      Auch versteinerte, weil jahrelang gepflegte Vorurteile – etwa über politische Parteien und in ihnen engagierte Menschen – können eine Art Komfortzone sein. Das ist nicht unproblematisch, denn das Leben in der geistigen Hängematte privater Vergeblichkeitsannahmen mit der Tendenz zum nörgelmaskierten Nichtstun kann überaus ernste körperliche Folgen haben.

      Mentalaktiv zurückgenommene Komfortzonenexistenzen leiden beispielsweise häufig nicht nur unter fortrückender Gedankenschwere, sondern außerdem unter heranschleichender Fettleibigkeit (Adipositas Comforzonatis). Diese erhöht das Risiko für arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes, Zuckerkrankheit), Reflux, Herzinfarkte, Arteriosklerose, Schlaganfälle, Brustkrebs, Arthrose, degenerative Wirbelsäulenerkrankungen, Gallenblasenerkrankungen, Gicht und das Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Adipositas ist darüber hinaus auch ein Risikofaktor für eine Verminderung der kognitiven Leistungsfähigkeit und für Demenzerkrankungen, einschließlich der Alzheimer-Krankheit. Neuere Untersuchungen zeigen, dass mit zunehmendem BMI das Risiko für eine Atrophie (Gewebsschwund) bestimmter Hirnareale steigt. Betroffen von der Schrumpfung des Gehirngewebes sind vor allem der Frontallappen, Teile des Scheitellappens und der Hippocampus.

      Auch die seelischen Folgen der Adipositas Comforzonatis sind gravierend. Die Betroffenen fühlen sich oft als Versager und Außenseiter. Sehr häufig treten psychische und sogar wirtschaftliche Schäden für die Betroffenen auf, weil Fettleibigkeit gesellschaftlich nicht toleriert wird und Betroffene oft sozial und beruflich ausgegrenzt werden. Adipositas Comforzonatis kann beispielsweise einer Einstellung in den öffentlichen Dienst oder einer Verbeamtung entgegenstehen.

      Was kann man tun?

      Entwickle Deinen Webersinn und folge Deinem Pols: Ich zum Beispiel wollte mir schon seit über fünf Monaten eine Yoga-Schule suchen. Und letzte Woche habe ich es endlich geschafft zu einer Einführungsstunde im Yoga Vidya Zentrum Lüneburg zu gehen.

      Ständig habe ich mir eingeredet, dass ich erst alleine üben müsse, um bereit zu sein für eine offizielle Stunde. Ich hatte Angst, dass alle viel besser und weiter sein würden als ich.

      Letzte Woche habe ich es nun endlich geschafft und bin zu meiner ersten offiziellen Stunde gegangen. Es war super gut und ich habe eine Menge gelernt – und nicht verstanden, warum es so schwer war diesen ersten Schritt zu machen…

      Nun, nachdem ich es einmal gemacht habe wird es mir viel viel leichter fallen auch ein zweites Mal hinzugehen.

      Hier sieben einfache Methoden, die Dir ebenso helfen werden, deine Komfortzone zu verlassen:

      1. Worst-Case-Szenario

      Überlege Dir das Worst-Case-Szenario. Was kann schlimmstenfalls passieren und ist es wirklich so schlimm?

      Natürlich hätten mich die anderen Leute im Yoga-Studio auslachen können, oder mich komisch angucken können, wenn ich bei einer Übung mal wieder umfalle…

      Geht die Welt davon unter?

      Nein, geht sie nicht – und die meisten Menschen sind sich dessen bewusst, dass auch sie mal klein angefangen haben.

      2. Best-Case-Szenario

      Stelle Dir vor was Großartiges passieren kann, wenn Du Dich doch traust und den Schritt noch heute machst.

      Vielleicht fühlst Du Dich danach glücklich – oder erholt. Versuche genau hineinzufühlen wie Du Dich fühlst in deinem Best-Case-Szenario.

      3. Schreib es auf!

      Notiere Dir genau, was Du machen willst. Schreib es auf, lass es aus Deinem Kopf heraus. Wenn Du es einmal schrifltich hast, dann vergisst du es nicht und entlastest Deinen Kopf dadurch.

      Zudem hast Du es dann schwarz auf weiß vor Dir. Du weißt was zu tun ist 😉

      Du kannst es Dir den Zettel auch an eine Stelle hängen, wo Du immer wieder daran erinnert wirst. Ich führe mittlerweile eine Bucket-List, wo all die Dinge drauf stehen, die ich noch machen möchte. So vergesse ich sie nicht und habe sie alle an einem Ort.

      4. Setze Dir eine Deadline

      Lege genau fest, bis wann Du diese Sache gemacht haben willst.

      Mein Yoga-Studio-Besuch war eine meiner Top-Priorities für den Monat Juli.

      Eine konkrete Deadline zu setzen hilft Dir nicht wieder Ausreden zu finden und andere (unwichtigere) Dinge vorzuziehen.

      Du kannst wie ich einen Zeitraum definieren oder auch einfach ein konkretes Datum festsetzen und es in Deinen Kalender eintragen.

      5. Erzähle einem Freund davon

      Erzähle einem Freund davon, was Du vorhast und bis wann Du die Sache angehen willst. Vielleicht hat auch er oder sie eine Sache, vor der er sich drückt.

      Macht einen Deal und motiviert euch gegenseitig. Gerne kannst Du es auch einfach hier in die Kommentare schreiben – dann kontrolliere ich 🙂 Dich (oder Eckhard oder Niels).

      6. Belohne Dich

      Überlege Dir im vorhinein schon eine kleine Belohnung für Dich, wenn Du Dein Vorhaben wirklich in die Tat umgesetzt hast.

      Klar ist die Tatsache, dass Du es machst eigentlich schon Belohnung genug, aber ein wenig zusätzliche Motivation schadet ja nie.

      Belohne Dich mit einem Kino-Abend mit Freunden, mit einem leckeren Essen oder auch einer kleinen Tafel Schokolade. Das ist durchaus in Ordnung, denn es geht hier ja um Deine persönliche Weiterentwicklung.

      7. Taste Dich langsam heran

      Wenn es eine sehr große Sache ist, die Du vorhast, dann taste Dich langsam heran.

      Überlege Dir Zwischenschritte und schreibe sie auf. Setze Dir für die Zwischenschritte Deadlines und belohne Dich dafür.

      Was schiebst Du die ganze Zeit vor Dir her und welche Methoden helfen Dir, Deine Komfortzone auszutricksen?

  3. komfortzonen sind sehr beliebt. der glaube gehört auch dazu. der glaube alles besser zu wissen auch. dass problem ist, komfortzonen sind in ihrem ausmaß begrenzt. nicht alle passen hinein. die meisten wollen aber. was tun? in die politik gehen? sollte man das nicht erst dann tun, wenn die eigene ehe gescheitert ist? fragen über fragen. ich habe mir sagen lassen, dicke werden gar nicht automatisch krank. ob das auch wieder so eine komfortzone ist? ob ärzte diese zone gern verlassen würden? ob ritter -sport die richtige schokolade ist?

  4. Oder kann selbst ein stickiges, bei hohen Lufttemperaturen stark mit Wasserdampf gesättigtes Stechmückenparadies dem hyperaktiven Fluchtsäuger ein Betäubungsreservat sein?
    ja, der altersdurchschnitt von parteien belegt es. der mensch ist ein gewohnheitstier. und genau so wählt er auch.

  5. Manchmal drängt sich mir die Frage auf, wo kommen bloß alle diese Leute her? (Anm.: hey ihr Klausis, euch meine ich) Aber dann sage ich mir immer wieder, wen interessierts?

    Zum Glück wird für derlei Ergüsse nicht noch Papier verschwendet.

    So meine Lieben, und jetzt dürft ihr euch echauvieren. Mir egal. Ich schau hier eh nicht mehr vorbei 🙂