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Die A39 und die Valentin-XXL-Variante

Lüneburg, 21. Juli 2014

A39
Es gibt in der Lüneburger Verkehrspolitik kein größeres Schimpfwort für Fehlplanung oder Geldverschwendung und keine größere Verheißung auf den Einzug ins Wirtschaftsparadies zugleich. Autobahngegner und Autobahnbefürworter wiederholen sich in diesem Punkt gerne und oft. Seit Jahren scharmützeln die Kombattanten über jedes A39-Detail, über Kosten, über Nutzen oder die Folgen für Umwelt und Natur.

Denn Karl Valentins: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen“, ist in dieser Frage eben nicht genug, für den Autobahn-Prolog gilt die Valentin-XXL- oder auch Cato-Variante: „Und nicht oft genug.“ Also verfassen die unversöhnlichen Parteien Presseerklärungen, offene Briefe oder eben Resolutionen im Schweinsgalopp wie jetzt gerade wieder Landräte und besorgte Bürgermeister der Region, die auf die Segnungen der A39 warten.

Auch die Industrie- und Handelskammer-Chefs wiederholen die Formel von der „Lebensader“ in jeder Festrede so sicher als wären sie Wiedergänger des großen Römers Cato, der im Senat jede Rede mit dem Ausspruch beendet haben soll: „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss.“ Zum Sommerfest war jetzt wieder die A39-Formel fällig. Denn die Gegner interpretieren es als sicheres Ende der ,,Nonsensautobahn“, wenn bei der Kammer der Hinweis auf die Bedeutung dieser Autobahn in einer Rede fehlt. Die Gefahr, irgendwann auf taube Ohren zu stoßen, muss ignoriert werden.

Doch Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt schert aus der Papageien-Phalanx aus, bei ihm macht sich vordergründig Erschöpfung breit: „Was soll jetzt eine weitere Erklärung, zumal es keinen neuen Sachstand gibt?“ Er zeichnete die jüngste Resolution nicht mit. Oberbürgermeister Ulrich Mädge darf sich in der LZ sogar befremdet zeigen, weil er gar nicht gefragt worden ist. Obwohl er die A39-,,Unverzichtbar“-Sentenz liebt, sagt er nun: „Es kann sich auch abnutzen, etwas permanent zu wiederholen.“

Es wäre, ehrlich gesagt, erfrischend, wenn es keine weiteren Erklärungen mehr gäbe zu Projekten, die bereits rundum mit Resolutionen versorgt sind, das gilt nicht nur für die A39, auch für die Elbbrücke, eine neue Schleuse am Schiffshebewerk Scharnebeck oder ein Container-Logistikzentrum am Hafen. Aber was machen dann die Politiker?

Keine Sorge, die nächste Resolution kommt. Denn Lüneburgs Landrat und Oberbürgermeister hatten vermutlich keinen Erkenntnisgewinn. Nur der Koaltionsfrieden mit den grünen Partnern und erklärten A39-Gegnern in Rat und Kreistag ist wichtiger als eine Statistenrolle im A39-Sommertheater.
Hans-Herbert Jenckel

8 Kommentare

  1. nicht oft genug

    Es gibt in Lüneburg „kein größeres Schimpfwort für Fehlplanung oder Geldverschwendung“ als „A39“?

    Was ist mit „Libeskind-Bau“ oder „Leuphana-Audimax“?

    Oder kommt nur noch als „Schimpf“, aber nicht mehr als „Schimpfwort“ in Frage, was als Monument von „Fehlplanung und Geldverschwendung“ plötzlich „in Beton gegossen“ dasteht?

    Im Übrigen ist Cato Censorius ein problematischer Gewährsmann für immobile Bewegungshysteriker wie Nahrstedt oder Mädge. Keineswegs hätte der Emporkömmling, der seinen Aufstieg zu konsularischen Würden der römischen Senatorial-Aristokratie mit einem überkompensatorischen „Konservatismus“ entgalt, die Zerstörung Lüneburgs durch den Bau einer weiteren, die Stadt in den Würgegriff nehmenden Autobahn befürwortet. In Catos legendärer Option für die Zerstörung Karthagos ertönte nicht der Schlachtruf eines „innovations“-trunkenen Bellizisten, der vielspurige infrastrukturelle Massenvernichtungswaffen in „Lebensadern“ umlog; es war vielmehr das Kennwort der konservativ-utopischen Hoffnung, Rom möge nach dem Sieg über den nordafrikanischen Feind zu der ruhigen und wirtschaftlich vernünftigen Stabilität des bewährten modus vivendi zurückkehren: in statu quo res erant ante bellum „in den Zustand, in dem die Dinge vor dem Krieg waren“.

    • tja, karthargo und lüneburg haben eins gemeinsam. sie besaßen / besitzen elefanten. die einen hatten vierbeinige, die anderen zweibeinige. diese werden/wurden ständig angetrieben zu siegen, egal was es kostet. und wie ging es aus? man ging pleite.

    • Es ging um „Lüneburger Verkehrspolitik“… Ich bin auch ein Kritiker des Libeskindbaus, aber in Bezug auf den Artikel sollte man doch bei der ganzen Wahrheit bleiben….

  2. Klotzen, nicht kleckern!

    Auf Antrag des Kreistages Lüchow-Dannenberg haben die Vereinten Nationen gestern Abend überraschend in einer außerordentlichen Dringlichkeitssitzung das Recht zum Abfassen und Publizieren von Autobahn-Resolutionen (also auch von Pro-Autobahn-Resolutionen) in unbegrenzter Zahl und zu jeder Zeit als ein völkerrechtlich bindendes Menschenrecht zur Erreichung und Erhaltung des Weltfriedens zwischen Lüneburg und Wolfsburg anerkannt. In einer ersten größeren Resolutionskaskade wurde spät in der Nacht zusätzlich beschlossen, UN-Soldaten künftig überall dorthin zu entsenden, wo mutwillig öffentliche Deklarationen und Stellungsnahmen zu vierstreifigen Bundesfernstraßen mit zwei Fahrstreifen plus Standstreifen pro Fahrtrichtung in eklige Rohrkrepierer verwandelt werden. Ende Juni wurden bereits – vorläufig und ohne offizielles Mandat – von Moorfelder Blauhelmen scharfe Lückenschlüsse auf die A-39-Erklärung des Kreistags Uelzen erwogen, brauchten jedoch nicht abgegeben zu werden, da sich, „was als Leuchtfeuer im Diskussions-Nebel gedacht war, als Rakete mit Fehlzündung“ erwiesen hatte, so AZ-Redakteur Norman Reuter von der C. Beckers Buchdruckerei GmbH & Co. KG aus der Groß Liederner Straße 45 in 29525 Uelzen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg fordert gleichwohl, dass sich der Landkreis Uelzen übermorgen auf Initiative von Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume (,Die Mehrzahl der einen vorliegenden Rückmeldung ist positiv.‘) erneut sofort für den A-39-Ausbau stark macht und der Kreistag noch in dieser Woche drei weitere (,Jetzt bloß nicht zu wenige Signale nach Berlin senden.‘) Resolutionen verabschiedet und darin andere Landkreise und kreisfreie Städte ultimativ bis Sonnabend um Unterstützung in Sachen „A 39-ist-ohne-Alternativle“ auffordert. Ziel ist, dass der Autobahnausbau auf jeden Fall bis zum kommenden Wochenende als unbedingt „Vordringlicher Bedarf“ in den neuen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird. Dafür setzt sich auch IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert ein. Er betont: „Vor allem im Hinblick auf die positiven regionalkomischen Effekte ist es essentiell, dass Kommunalsatiriker aus allen Landkreisen die Tiefen- und die Breitenwirkung der drei neuen und unverzichbaren A-39-Ausbau-Resolutionen unmittelbar jetzt durch unverstelltes Lachen oder konspiratives Zwinkern unisono und vorbehaltlos fördern.“ Man darf gespannt sein, wie und mit wieviel Humor der Umweltverein Gellersen e. V. auf diese gezielte und sorgsam durchdachte Entschließungs-Offensive reagieren wird.

    • Klotzen, nicht kleckern! sie können auf eine passende antwort hoffen. dieser unfug geht schon viel zu lange. das vw werk wäre schon längst pleite, wenn die aussagen der ihk stimmen würden. leider haben wir in der spd und in der cdu leidenschaftliche bodenversiegeler . wie sagt man doch: wer gut schmiert, der gut fährt.

  3. Die aktuelle Neubewertung der A39 für den BVWP 2015, ein immenser prioritärer Sanierungsbedarf der vorhandenen Infrastruktur sowie eine sich bereits im Bau befindliche A14, die auch den Verkehr Skandinavien-Osteuropa wird aufnehmen können, werden der A39 hoffentlich den Platz zuweisen, der ihr zusteht. Dieses ist ein nachrangiges Projekt, denn unsere Region ist sehr gut angebunden und Wessis können durchaus auch über Autobahnen fahren, die im Osten unseres Landes liegen. Es gibt Regionen die einer verbesserten Anbindung bedürfen, unsere ist es ganz sicher nicht. Auch, der oftmals angeführte demografische Wandel und die drohende Entvölkerung von Regionen kann durch die A39 nicht aufgehalten werden. Neue Unternehmen siedeln sich in aller Regel leider auch nicht an den Autobahnen an, vielmehr sind dies Unternehmen, die aus dem Hinterland an die Autobahnen umziehen. Dadurch erfolgt ebenfalls eine Entvölkerung des Hinterlandes und die Arbeitsplätze ziehen weg. Ich hoffe immer noch, dass letztendlich die Vernunft bei den Politikern siegen wird.
    Die regelmäßigen Resolutionen der IHK kann ich wirklich nur noch als verzweifelten Versuch bewerten, den seit Jahren laufenden Abgesang der A39 aufzuhalten.

  4. Sehr geehrtes Frollein Redaktion und sehrr geehrter Herr Chefredaktor Hans-Herbert Jenckel (geschäftsführender Redakteur und Online-Chef Anm. d. Red.)! Ihre sprach- und benimmkritischen Einmischungen im Gewande von launigen Grundsatzüberlegungen zur Behandlung suppender lokalpolitischer Blessuren lese ich (59, pensionierter Rentner a.D. mit Germanismus-Studium) stets mit einem schmunzelnden Auge. Besonders gut gefallen mir die vielen eingestreuten Weltliteraturzitate, die Sie sich beim Blättern durch die Werke von Wolf Schneider gemerkt haben. Ihnen fällt auch zu jedem heißen Eisen immer stets was extrabesonders Schönes ein. Und da sie als kunstsinnig und stilbewußter Feingeist auf das Hansestadtgewese blicken, unterlassen Sie es vornehm, entschieden zu urteilen, und beschränken sich auf das Konstatieren (nicht „Konterkarieren“) von Phänomenen des weniger geschmackvollen Auftretens: Das Stadtfest ist zu schlank, die Abscheider benutzen zu viele Zahlen, der Meihsies kreiselt zu wenig juvenil, der Job-Motor lebt zu ungesund, die Windräder sind zu da, die CDU ist zu weg, der Eckhard ist zu viel und die A39er sind zu resolut. Nur zu Dragoner und Pferd auf dem Sockel im Clamartpark wollten Sie etwas sagen, haben es denn aber während des Essayierens vergessen hinzuschreiben. Apropos, leider endet Ihr Mut, Roß und Reiter zu benennen, anscheinend spätestens dort, wo persönliche Vorteile berührt werden. Ich spreche von der „Journalisten-BahnCard“ (sic!). Die kriegen Sie wohl ermäßigt? (Oh ja! So was hätte ich gerne. Gibt es nicht mehr. Anm. jj) Wie sonst ist es zu erklären, daß der Unsitte des falschen Sprechens von Englisch seitens der Metronom- und DB-Durchsagen in Ihrem Forum kaum je Kritik angedeiht?

    Wenn den „dier Pässendschas“ das „Ärreifing“ in der „näckst Schdäijschen“ angekündigt wird, etwa in „Wörrtsbörg, Börrlinn, Fränkförrt Slash Mäjn oder Hennöwer“, dann rollt es jedem sprachempfindlichen „Linnebörger“ den Magen auf. Eine Schande ….(Hier musste leider gekürzt werden – Ausfälle. Anm. jj) 100 000 Stunden Nachsitzen scheinen mir für solche „Geistesriesen“ noch eine milde Strafe. Angemessener wäre Kielholen am eigenen Zug, 1x pro Aussprachefehler.

    Am wütendsten auflachen muß ich freilich über: „Senk jo vor träwelling wisse doidsche baaan“. Liebe „Block.DschottDschott-Ridägdschen“, das ist doch eine Steilvorlage! Aber da trauen sich die Herren Satiriker natürlich nicht ran (Ausnahme: Carlo Eggeling, „Bahnfahren kann billiger, aber auch komplizierter werden“, etc.). Ob derlei tolpatschige Anbetung des Götzen „Weltläufigkeit“ für Nordheidscher überhaupt zielführend ist, steht in einem anderen Stern. (Notabene: Nein, gegen Ausländer habe ich nichts. Die meisten von diesen sind nämlich reizende Leutchen, die mir höflich die Einkaufstasche aufhalten oder die Tür raufbringen.) So lange aber dieser Mißstand fortbesteht, bleibt mir nur, mich vor Fremdscham durch das geschlossene Waggonfenster zu werfen, wenn im Zuge wieder „Uncle Sam“ gehuldigt wird. Der Tod möge mir leicht werden. Vielleicht wird er nicht umsonst gewesen sein.

    Heinz Peter Müller-Ritzer (59)

    • Zu Ihren in der Deutschen Bahn des Lebens dickgefütterten Aversionen, Herr Müller-Ritzer:

      Wer mit dem Regionalexpress zwischen Uelzen und Hamburg unterwegs ist, für Umstehende gut hörbar telefoniert und dem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung mitteilt, die anderen Fahrgäste inklusive Zugbegleiter und Zeitungsleute seien ganz sicher alle »Dorftrottel«, »Provinzdeppen« und »Hinterwäldler«, wirkt glaubwürdiger, wenn er nicht in Bienenbüttel zusteigt, in Meckelfeld wieder raus muss und die ganze übrige Zeit ziemlich weit am Thema vorbei nur dütt un dat in Bornsen-Platt schimpt un schamfudert as ’n ool Fischwief.