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Der Radweg als Stolperfalle der Lüneburger Verkehrspolitik

Lüneburg, 29. Juli 2014

Es gibt Radwege aus Mineralgemisch oder Beton, aus Verbund- oder Naturstein, aus Bitumen oder Asphalt. Und in Lüneburg natürlich auch aus historischem Kopfsteinpflaster. Das ist bei Regen schön glitschig und rüttelt immer an den Nerven. Es gibt schöne Radwege und hässliche. Und es gibt den Radweg an der Dahlenburger Landstraße stadtauswärts in Höhe des Vogelparks, eine Stolperfalle.

 

Radweg Dahlenburger Landstraße mit Lochfraß.
Radweg Dahlenburger Landstraße mit Lochfraß.

Dieser Radweg, der vermutlich das letzte Mal in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts geflickt wurde, sieht aus, als wäre er von einem Meteoritenschauer getroffen worden. Lauter kleine Krater, die nur auf außerirdischen Einfluss zurückgeführt werden können –  oder aber auf sehr irdische Vernachlässigung. Wer auf dieser Holperpiste stürzt, dem spricht jedes Gericht der Welt Schmerzensgeld zu.

Dieser Radweg spiegelt eine halbherzige Rad-Politik in Lüneburg wider. Es fehlt nicht an gutem Willen, aber leider wird Verkehrspolitik zu oft noch mit der Hand am Autolenkrad betrieben. Radfahren ist auf vielen Wegen noch eine Zumutung , wie an der Dahlenburger. Wären Straßen in dem Zustand, Autofahrer hätten längst die „Asphalt für Lüneburg“-Partei gegründet.

Abgesenkte Bordsteine, Radspuren auf Straßen, Leihräder, Abstellplätze. Alles richtig. Aber mehr als 20 Jahre nach Umsetzung des Verkehrsentwicklungsplans der Stadt, nach ungezählten Fensterreden der Ratspolitiker und Wahlprogrammen der Parteien, die das Rad hochleben lassen – auf dem Papier – doch Stückwerk.

So ist der Radweg an der Dahlenburger Abschreckung, Abenteuer-Meile fürs Survival-Training oder eben Weckruf.

 

Neuer Radweg durchs Lüner Holz. Fotos: jj
Neuer Radweg durchs Lüner Holz.
Fotos: jj

Dass es ganz anders geht, zeigt der Radweg durchs Lüner Holz nach Adendorf. Diese reiche Kommune möchte Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge gerne eingemeinden, um die wachsende Hansestadt Lüneburg durch den Status „Großstadt“ oder zumindest das Privileg „kreisfreie Stadt“ zu adeln. Der Radweg durchs Lüner Holz ist ein Meisterwerk. Er kann nur gedeutet werden als Signal für Adendorfer: ,,Lieber nach Lüneburg“

Tatsächlich genießt auch die Dahlenburger Landstraße bei Lüneburgs General-Radwege-Beauftragtem Michael Thöring höchste Priorität. Er würde am liebsten morgen den Asphalt anrühren. Der Radweg ist förderwürdig, als Klimaschutzprojekt angemeldet. 40 Prozent Zuschuss. Die Frage ist nur, wann Geld fließt. Das aber wieder reicht nur für einen kleinen Laborversuch auf dem schlimmsten Abschnitt dieses Radweges. Egal, was passiert und wie viel guter Wille da ist: Der Ruf als Flickenteppich scheint der Dahlenburger auf  Jahre gesichert. Und nicht nur ihr. An Thöring, lange Einzelkämpfer auf verlorenem Posten, liegt die Halbherzigkeit nicht, sondern an alten Denkmustern in Rat und Verwaltung. Und natürlich ist nie genug Geld da. Das Totschlag-Argument par exellence.

Die Treiber für „Mehr Rad wagen“ sind wie in anderen Uni-Städten auch in Lüneburg die Studenten. Sie sorgen nicht nur für ein gut gebuchtes Leihrad-System, sie schaffen sich wie im Kurpark durch hartnäckiges Missachten von Fahrverboten ihr eigenes Radnetz.

Erst wenn Lüneburgs Rat zum Beispiel die Lüner Straße zum Test  zwischen Stint und Bardowicker Straße komplett zur Radfahrerstraße erklärt, wenn ein innerstädtischer Rad-Stadtring präsentiert wird, der nicht wie an der Schießgrabenstraße notgedrungen aus Umwegen besteht, wurde der Weckruf auch gehört. Dass Lüneburg historisch gewachsen, die Umsetzung an einigen Ecken deswegen schwierig ist, das weiß jeder. Aber ob Göttingen, Münster oder Heidelberg, alles Uni-Städte mit historischem Kern, sie machen es vor. Abkupfern ist in diesem Fall nicht peinlich, sondern erwünscht.

Hans-Herbert Jenckel

 

13 Kommentare

  1. herr leutnant, herr leutnant, ich weiß was. immer keller brennt licht. nur so kann man einen goldenen lenker bekommen.

  2. herr jenckel, waren sie soldat? wenn ja, wüßten sie, worauf ich anspiele.

    • Herr Leutnant in Keller brennt noch Licht, ich habe es ausgemacht, aber auch wieder angemacht, damit Sie es sehen können.

  3. Ein herzlicher Gruß geht an einen diskreten Freund der deutschen Sprache.

  4. … , Sie wissen doch, der Journalismus ist ein Terminhandel, bei dem das Getreide auch in der Idee nicht vorhanden ist, aber an der Meinungsbörse trotzdem als effektives Stroh gedroschen wird.

    Dabei kommt es gar nicht darauf an, keinen Gedanken gehabt, sondern bloß darauf, im Nachhinein alles vorher gewusst zu haben.

    Entscheidend ist nicht, was, sondern wann und wie Sie es sagen.

    Erinnern Sie sich noch, was Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Montag, den 21. Februar 2011, fünf Tage nachdem man ihn öffentlich als Lügenbaron geoutet hatte, am Rande der CDU-Veranstaltung im euphorisch brodelnden und brechend vollbesetzten Festzelt des hessischen Örtchens Kelkheim geäußert hat:

    „Ich verpflichte mich, einen Mann an den Galgen zu bringen, wenn ich auf der Straße mit ganz bestimmtem Tonfall ausrufe: »Aha, und ein farbiges Hemd hat er auch noch!« Es würde ein Schrei der Entrüstung durch die Menge gehen. Durch dieselbe Menge, auf die man jetzt mit Bildungsangeboten und Nachhaltigkeitsgequatsche zu wirken sucht.“

    Aber mal was anderes.

    Haben Sie gelesen: http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/joggen-schon-eine-stunde-pro-woche-schuetzt-vorm-tod-a-983280.html

    Wer sich nicht aufraffen kann, drei Stunden pro Woche in alberner Laufkleidung durch den Wald zu hetzen, den wird diese Nachricht freuen: Schon fünf Minuten Joggen täglich sorgen für Herzgesundheit, Wohlbefinden im Körper drin, Glückshormone – und verlängern das Leben um mehrere Jahrzehnte. Das haben US-amerikanische Forscher jetzt beim „Galileo“-Gucken herausgefunden. „Sport“ sei demnach besser als „kein Sport“, so Professor C. Potato vom Idle-Institute Idaho: Um die Durchblutung der Beine anzuregen, genüge oft auch schon ein „etwas kräftigeres Bremsen und Gasgeben bei der 200 Meter langen Autofahrt zum Drive-in“. Wer selbst dafür zu wenig Energie hat, dem empfiehlt das Forscherteam einen gelegentlichen kurzen Spaziergang zum Kühlschrank, anstatt sich die Familienpizza direkt an die Couch liefern zu lassen. Besser als Garnixtun sei es auch, hin und wieder den Fernsehkanal zu wechseln, dann sei immerhin ein Fingermuskel in Bewegung, oder wenigstens das Essen vorm Runterwürgen ein bißchen kauen – das stärkt die Freßmuskulatur. Wer sich mit keinem dieser Fitneßprogramme anfreunden kann, der sollte sich zweimal pro Woche von einem sportlichen Mitmenschen wenden lassen, um Wundliegen zu vermeiden. Get active!

    • „Wir Ärzte sollten praktizieren, was wir predigen, und selbst wenigstens 15 Minuten am Tag Sport treiben. Wir müssen keine Athleten sein, aber Bewegung sollte ein Teil unserer Tagesablaufs sein.“
      he he, wehe man sieht ärzte mit einem bauch , oder mit einer zigarette, schon ist die schulmedizin im eimer. wir haben einen bundespräsidenten, dessen begabung das predigen ist. wir hatten mal einen, dessen begabung das schnäppchen jagen war. wo war da noch mal der unterschied? guttenberg hat damals schon verstanden, wofür das c steht. und der journalismus kämpft nur noch ums überleben. bobbycars lassen grüßen.

  5. Tempolimit auf der gesamten B216

    Die klaren Worte von Herrn Jenckel sind zu begrüßen. Seit vielen Jahren bewegt mich der schlechte Zustand der Radwege an der Dahlenburger Landstraße. Ich habe körbeweise Briefe geschrieben und bei der Verwaltung nachgehakt – wie viele Bürger. Aber passiert ist nichts. Die Verbindung Hagen/ Dahlenburger Landstraße ist wegen der beidseits dichten Bebauung bis zur Walter-Böttcher- Straße (danach aufgelockerter mit Kleingartenkolonie auf der Südseite) und der vielfältigen, wichtigen Zwischenziele eine Hauptroute für Radfahrer, weil sie trotz hoher Verkehrsbelastung alternativlos die schnellste und direkteste Verbindung in Richtung Innenstadt darstellt. Über die Dahlenburger Landstraße erreicht man nicht nur den Bahnhof, sondern es sind daneben auch das Berufsbildungszentrum, die Nahversorgungsbereiche an der Kastanienallee und am Wacholderweg, zwei Schulen sowie die Gewerbe- und Industriegebiete Stadtkoppel, Hafen und Bilmer Berg (mit Märkten und Discothek) angeschlossen. Zur Entschärfung des Unfallschwerpunktes an der Einmündung Pulverweg ist erst vor kurzem von der Stadt an der Einmündung eine Verkehrsinsel gebaut worden, um eine sicherere Überquerung des Pulverweges zu ermöglichen. Langfristig soll in dem Bereich die Führung des Radverkehrs geändert werden, hat es schon vor Jahren von Stadtseite geheißen, das Wie hänge aber von der Weiterentwicklung des Lucia-Geländes ab. Wie lange wird das noch dauern? Auf der Südseite hat in einem ersten Bauabschnitt der Radverkehr vom dem maroden Radweg zwischen Theodor-Heuss-Straße und dem Toten Weg bei der KVG als Radfahrstreifen auf die Fahrbahn verlegt werden sollen. „Die getroffene Verkehrsinselmaßnahme ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch der Gefahrenherd ist noch nicht beseitigt. Erst kürzlich ist wieder ein Radfahrer so schwer verunglückt, dass er vor Ort reanimiert werden musste. Diese Unfälle müssen ein Ende haben!“, sagte neulich Steffen Gärtner von der Jungen Union Lüneburg. Aus Gesprächen mit Berufsschülern, die am Schwalbenberg zur Schule gehen, weiß der JU-Vorsitzende zu berichten, dass für sie die Verkehrssituation vor Ort ein Problem darstellt. Gärtner sagt: „Vorsichtig ausgedrückt, haben die Berufsschüler großen ‚Respekt‘ vor der insgesamt unübersichtlichen Verkehrslage“. Um den Unfallschwerpunkt zu entschärfen, schlägt Gärtner vor, die Geschwindigkeit der Autofahrer deutlich zu drosseln. Diese Aufgabe sollten serielle Geschwindigkeitsbremsen wie Aufpflasterungen oder Bodenschwellen erfüllen, die weit vor der Ortseinfahrt beginnen. Dadurch sollen vor allem die Autofahrer aus Richtung Dahlenburg zum Abbremsen bewogen werden. „Oftmals sind diese Autofahrer so schnell unterwegs, dass die Radfahrer sie nur schwer angemessen reagieren können. Das ist ein gravierendes Problem!“, sagt der JU-Vorsitzende. Alternativ könnten die Radwege über den Pulverweg geführt werden. „Wenn die Radfahrer nur aus dem Pulverweg kämen, hätte man auf jeden Fall das Problem beseitigt, dass die heranrasenden Autofahrer die Räder nur schwer oder gar zu spät sehen“, meint Gärtner. Der Vorteil dieser Lösung: Die Radfahrer müssten nicht absteigen. Allgemein stelle die zu hohe Fahrgeschwindigkeit von Kraftfahrzeugen überall im Landkreis ein Grundproblem der Verkehrssicherheit – besonders in Ortsgebieten – dar. Dies wurde in den letzten Jahrzehnten durch bis vor kurzem geltende Querschnittsrichtlinien unterstützt: Der Querschnitt der Fahrbahn im Freilandbereich wurde mit unverminderter Breite durch den Ort gezogen und so in zunehmendem Maße Fahrraum für den motorisierten Kraftfahrzeugverkehr zur Verfügung gestellt. Straßenausbauten und zunehmende Motorisierung führten ganz allgemein zu einer beträchtlichen Anhebung der Verkehrsgeschwindigkeit. Geschwindigkeitsmessungen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit zeigen im ganzen Landkreis Lüneburg den gleichen Trend. Daraus geht hervor, dass Tempo 50 von rund 70% der PKW-Lenker und von rund 50% der LKW-Lenker überschritten wird. Selbst dort, wo Tempo 30 vorgeschrieben ist, fahren 50% der PKW-Lenker und 30% der LKW-Lenker schneller als erlaubt. Diese hohen Fahrgeschwindigkeiten zeigen deutlich die Notwendigkeit einer zeitgemäßen Straßengestaltung, um die damit verbundenen Gefahren für andere, vor allem für die nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer, zu reduzieren. Entschleunigung und Verkehrsberuhigung auch außerhalb der Ortschaften laute die Devise. Die Lösung, bei der an der Dahlenburger Landstraße stadtauswärts ein Hochbord und stadteinwärts ein Radfahrstreifen entstehen könnte, würde die Fahrbahn für den Autoverkehr auf 6,50 Meter reduzieren. Stadtauswärts ein Hochbord-Radweg plus Sicherheitsstreifen, stadteinwärts ein Radfahrstreifen plus Breitstrich würden 1,9 Millionen Euro kosten. Die Verengung der Fahrbahn für den Autoverkehr würde auch dazu führen, dass weniger gerast wird. Diskutiert werden müsste im Weiteren noch, ob der Fußweg in Richtung Stadt – an vielen Stellen eine enge Schlaglochpiste – erhalten bleiben soll oder entsiegelt wird, damit die Bäume Luft bekommen. Zu begrüßen ist jedenfalls, dass die Fahrbahn “zugunsten der Radwege verengt werden soll”, das entschleunigt den Autoverkehr erheblich. Ein generelles Tempolimit von 70 Kmh auf der gesamten B216 (50 Kmh 5Km vor und 5 Km nach und überall 30 Kmh in Ortschaften) wäre das beste für alle Verkehrsteilnehmer.

  6. Danke, „Tempolimit auf der gesamten B216“, für Ihren langen Kommentar, der hier in seiner Sachlichkeit hervorsticht. Wie lang ist die LZ noch gewillt, all die hirnverbrannten Ausdünstungen eines „Klaus“ u.ä. noch als Kommentare anzuerkennen ? Ich hoffe, nicht mehr allzu lang….

    • hoffnungen können trügen. besonders dann, wenn sie aus unwissen nicht verstanden werden. der hoffnungsträger kann einem nur leid tun. er glaubt zu verstehen ,tut es aber nicht. aber ich bin guter hoffnung, dass die dummheit nicht obsiegt.

    • Edouard Louis Joseph Baron Merckx

      Hallo Rudi, warum nicht gleich die gesamte Dahlenburger Landstraße in voller Länge durch „serielle Geschwindigkeitsbremsen wie Aufpflasterungen oder Bodenschwellen“ verkehrsberuhigen? Oder die Bundesstraße 216 zwischen Dahlenburg und Lüneburg gleich ganz zur Fußgängerzone machen? Die Berufspendler wären Herrn Gärtner und seinen Liebedienern unter den LZ-Kommentatoren sicher dankbar.

      Außerdem ziehe ich persönlich „die hirnverbrannten Ausdünstungen eines “Klaus” u.ä.“ den lupenrein „hirnlosen Ausdünstungen“ mancher anderer Beiträger, die in humorlosem Zensorenfuror auf ihren kekstrockenen Sachlichkeits-Vegi-Würstchen-Räucherlis bestehen, durchaus vor. Den dritten Leserbrief oben zum Beispiel mit den beiden verhuschten Gedichtchen finde ich ausgesprochen witzig, weil er den kommunalpolitischen Hintergrund des „Weckrufartikels“ von Herrn Jenckel mit geistvoll zugespitzter Bosheit ausleuchtet.

  7. Wo ist das Problem? Das Radweg-Rudiment an der Dahlenburger ist nicht nur unbequem, sondern lebensgefährlich und damit trotz blauem „Lolli“ nicht benutzungspflichtig. Die Fahrbahn daneben ist super asphaltiert, Schlaglöcher oder andere Stolperfallen findet man keine. Jeder Radfahrer sollte wissen, wo er auf der Dahlenburger am sichersten fährt (gilt übrigens auch für die Killer-Kreuzung Pulverweg). Falls nicht: die Lüneburger Critical Mass jeden ersten Freitag im Monat zeigt, wie es geht.

  8. nur mal so am rande.
    dass radwege bei uns so aussehen, wie sie aussehen ist kein zufall. mit strassen und brücken ist mehr zu verdienen. und die diese bauen, haben einen direkten draht zu den baumeistern der cdu und der spd.

  9. leider waren wir heute nur zu zweit, lag es an den Ferien? Aber nun mal ernst, nicht die maroden Radwege sind das Problem sondern die Radwege selbst, denn Fahrzeuge (das sind auch Fahrräder) gehören auf die Straße, allerdings muss man dabei schon eine gewisse Toleranz gegenüber aggressiven Autofahrern aufbringen und sich auch durch Nötigung und drängeln nicht aus der Ruhe bringen lassen. Aber wir sind der Verkehr…….. wir treffen uns am 05.09. um 18:00 h CM am CP