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Das Pols’sche Paradoxon zum Untergang des Wendlands

Lüneburg, 3. September

Der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols hat zum Besuch der Umweltministerin Dr. Hendricks diese Woche in Gorleben, sicher in bester Absicht, einen offenen Brief verfasst. Eigentlich möchte er, wenn schon kein Endlager mehr erkundet wird und deswegen Arbeitsplätze verschwinden, das Wendland entschädigt wissen für die Wirren der Atompolitik.

Der Brief gibt den Blick frei auf eine Politikerseele, die nach der Sommerpause erst wieder auf Betriebstemperatur kommen muss.

Pols, dessen Parteifreund und Regierungschef Albrecht den Endlagerstandort Gorleben mit auf die politische Landkarte gesetzt hat, bedauert nun, dass auf dem Rücken der Menschen aus Lüchow-Dannenberg ,,seit mehr als 35 Jahren Entsorgungspolitik ausgetragen wird“.  Er darf dieses Mitgefühl an den Tag legen, den Christdemokraten Pols schützt die Gnade der späten Berufung als Politiker.

Wer aber glaubt, er sei nun froh, dass das Wendland das Stigma Atommüllkippe der Nation für die Ewigkeit abstreift, täuscht sich womöglich. In der Depesche an die Ministerin heißt es: ,,Mir geht es nicht darum, hier ein mögliches Endlager offen zu halten, ich bin weder ein Befürworter noch ein Gegner des Standortes. Ich befürchte aber, dass durch die derzeitigen Pläne sehr viel Know-how verloren gehen wird, die Fachkräfte mit ihren gewonnenen Erkenntnissen abwandern und nicht zuletzt eine Region aufgrund der Symbolik Gorlebens hinten runter fällt.“

Was will Herr Pols damit sagen? Dass der Ruf eh ruiniert ist? Der Niedergang der Region, das schreibt der Abgeordnete an anderer Stelle, sei sowieso nicht aufzuhalten, nur zu verzögern. Zitat: ,,Jetzt lassen wir als Politik ohne Not auch noch einen großen Arbeitgeber in dieser Region sterben und verstärken den Niedergang dieses Landkreises weiter.“  Und weil das Image ramponiert ist, kann man ruhig weiter forschen, um den Untergang des Kreises hinauszuschieben. Frei nach dem Motto: Ein Leben ohne Endlager-Forschung wäre möglich, aber sinnlos.

Also weiter erkunden, ein Endlager-Museum gründen, ein Salzstock-Forschungslabor unter Tage, um Arbeitsplätze zu sichern? Dann würde der Standort wenigstens nicht ganz wie Wackersdorf eine milliardenschwere, sinnlose Episode in den Atommüll-Annalen. Und es wäre ein Signal für die alten Widerstands-Kämpen im Wendland. Manche fühlen sich ohne Endlager-Salzstock ihres Lebenssinns beraubt. Auf Entzug machen sie schon gegen Windräder mobil. Ist Pols ihr Steigbügelhalter für eine Neuauflage light?

Der offene Brief des Abgeordneten muss eher als  Pols’sches Paradoxon durchgehen – nicht dafür, nicht dagegen, sondern konsequent irgendwo daneben.

Hans-Herbert Jenckel

18 Kommentare

  1. man sollte nicht alles bloggen , oder kommentieren, es lohnt nicht.

    • Aber es lohnt den Kommentar zu lesen, um am Ende zu einem leicht hämischen und zugleich mitleidigem grinsen zu kommen.

      • Es muss kein Paradoxon sein. Man kann in dieser Fragestellung weder dagegen noch dafür sein. Die schlauen Leute hier in den Kommentarspalten insbesondere auch Rosie Henrichsen sollte mal darüber Nachdenken, was es heißt wenn man die dafür oder dagegen Frage nicht selbst beantworten kann, z.B. aus technischer Unkenntnis oder anderen Gründen und dann diese Frage von Fachleuten beantworten lässt. Dann ist das kein Paradoxon sondern schlau, denn die Frage sollte wirklich technisch bzw. wissenschaftlich getroffen werden und nicht emotional.
        Meine Meinung zu Gorleben lass ich jetzt mal außen vor.

  2. Rosie Henrischsen

    Was Pols da in seinem offenen „Brief zur Zukunft des Salzstockes Gorleben“ an die „Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Frau Dr. Barbara Hendricks in der Stresemannstraße 128 – 130 in 10117 Berlin“ – deren „Besuch am 4. September 2014 im Erkundungsbergwerk“ (also heute) betreffend – rausgehauen hat, ist auf einem Mist gewachsen, dessen Duft Oscar – anders als Klaus – für riechenswert hält. Ich bin mit Oscar und Herrn Jenckel der Überzeugung, das ein „Schnupperkursus“ lohnt.

    Was wollte Pols sagen, als er sich „weder ein[en] Befürworter noch ein[en] Gegner des Standortes“ Wendland als Experimentallabor für ein nationales Atommüll-Endlager nannte? Das ist die Frage, die unseren LZ-Glossisten bewegt. Bei Wikipedia kann man nachlesen, „ein Paradox(on) (auch Paradoxie, Plural Paradoxien oder Paradoxa; von altgriechisch παράδοξον, von παρά para ‚neben‘, ‚außer‘, ‚daran vorbei‘ und δόξα doxa ‚Meinung‘, ‚Ansicht‘) ist eine Aussage, die scheinbar oder tatsächlich einen unauflösbaren Widerspruch enthält.“

    Scheinbar oder tatsächlich!

    „Dark Pools“ heißt die dunkle Nebenwelt der Aktienmärkte. „Dark Pols“ könnte man die dunkle Nebenwelt der Eckhard´schen Antriebsmärkte nennen.

    Wer Pols kennt, wird auch die impetuose Art kennen, mit der er sich seinem Publikum zuwendet. Denn sind mehr als zwei Leute in seiner Nähe, schaltet er stets sofort den Polit-Darsteller ein. Der stapelt seine Textbausteine dann ohne jeden Rückhalt vor einem auf und die großen Augen treten ihm beinahe aus dem Kopfe, wenn er sagt, was er auswendig gelernt hat. Und er liefert seinen Kunden immer ohne Vorbehalt, was er hat vorfabrizieren lassen. Im Sinne der „Markenidentität Eckhard Pols MdB“ ist, was er sagt, folglich immer „klug“. Aber leider ist es nicht immer klug, dass er es sagt.

    Kann der pathetische Hinweis auf den Wegfall von Arbeitsplätzen für „70 Menschen“, das Unterbleiben der „Ausbildung junger Menschen“, das Abwandern von „Know-how“, die Strukturschwäche einer Region, die „über fast keine Wirtschaftskraft“ verfügt, in der es dafür aber „eine hohe Arbeitslosenquote und gleichzeitig eine Überalterung der Bevölkerung“ gibt, die Emigration „der Jugendlichen und jungen Familien“, „die hohen Kosten, die letztlich auf den Steuerzahler zukommen können“, weil Standortrückbau und „Entwicklungshilfe“ nach 35 Jahren verfehlter Atompolitik bezahlt werden müssen, die „auf dem Rücken der Menschen aus Lüchow-Dannenberg augetragen“ wurde, das „Sterben eines großen Arbeitgebers ohne Not „, der „Niedergang dieses Landkreises“, etwas anderes als die Meldung sein: „Ich, Eckhard Pols, MdB, ich bin noch da. Und ich verfüge über eine laute Stimme“ ?

    Ist diese ganze humanitätstümelnde Suada, dieses plakativ „an den Tag gelegte Mitgefühl“ (Jenckel) ohne den Hauch eines konstruktiven Vorschlags etwas anderes als der unappetitliche Versuch, nun Aufmersamkeits- und Positionierungskrieg „auf dem Rücken der Menschen aus Lüchow-Dannenberg“ zu führen und einer „sehr geehrte[n] Frau Ministerin“ aus dem anderen politischen Stall Ignoranz (die lange Überfälligkeit ihres Besuchs in Gorleben) und Leichtfertigkeit („Diese für die Region und die gesamte Bundesrepublik so bedeutende energiepolitische Entscheidung kann man aber meiner Meinung nach nicht im Rahmen einer ‚Sommertour‘ abhandeln und sich für Gespräche mit Mitarbeitern und Lokalpolitikern nur eine halbe Stunde bzw. eine Stunde Zeit nehmen.“) zu bescheinigen?

    Hätte Pols sich nicht ebenso gut einen Kübel Eiswasser über den Schädel gießen und mit dem Fuß aufstampfen können, um die Szene anschließend bei YouTube zu „posten“?

    Handelt es sich bei „diesem kurzatmigen sich den lange übersehenen Tatsachendynamiken Hinterdreinwerfen“ von Eckhard Pols nicht genau um die „Fusion von auftrumpfendem Schaustellergeschäft und nacheilendem Illusionstheater“ von der Leserkommentarschreiber „Bernhard Brammer“ sprach? (http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/186894-gruene-gewaechse-und-spasskultur)

    Zwei Sachverhalte nämlich sollte man im Hinterkopf haben, wenn man der Lösung dieses „paradoxen“ Verlautbarungsrätsels auf die Spur kommen möchte:

    1) Die Gemeinde Gorleben profitierte 35 Jahre lang finanziell massiv von der Ansiedlung atomrechtlicher Einrichtungen und gehört zu den reichsten Gemeinden Niedersachsens.

    2) Nach der Doppel-Demontage des CDU-Mann Pols zu Sommerbeginn dieses Jahres, nachdem er nicht nur den Fraktionsvorsitz im Stadtrat an Niels Webersinn hat abgeben müssen, sondern auch das Amt des Kreisvorsitzenden an Günter Dubber losgeworden ist, antwortete eine christdemokratische Parteifreundin des Glasermeisters am 16. Juli 2014 gegen Ende des CDU-Kreisparteitags in Erbstorf auf die Frage, ob Pols auch bei der Bundestagswahl 2017 als Kandidat aufgestellt werde: ,,Ehrlich gesagt, glaube ich das nicht…” (LZ vom 18. Juli 2014)

    „Das Pols’sche Paradoxon zum Untergang des Wendlands“ ist die durchsichtige „Fusion“ eines geschmacklosen Appells an berechtigte Abstiegsängste von Menschen im Wendland mit der auf affektive Publikumseffekte setzenden „Profilbildungsabsicht“ eines Politikers aus Lüneburg, den ebenso berechtigte persönliche Abstiegssorgen plagen. Was er uns mit seinem „öffentlichen Brief“ unfreiwillig ermöglicht, ist die Betrachtung jener Technik, die Bernhard Brammer so hervorragend anschaulich als “Sturzflucht nach vorne” bezeichnet hat.

    • Mechthild Schlüter

      Donnerwetter, der Pols-Brief, der jj-Blog und Ihr langer Kommentar zusammengenommen geben wirklich „den Blick frei auf eine Politikerseele“, die sich beeilen sollte, „nach der Sommerpause wieder auf Betriebstemperatur“, ich würde sagen, herunterzukommen. Den vollständigen offenen Brief gibt es hier zum Nachlesen: http://wendland-net.de/post/offener-brief-cdu-abgeordneter-pols-kritisiert-gorleben-politik-33249

    • Nur mal als geschichtliche Nachhilfe: Geschockt von der Ölkrise beschloss die SPD-geführte Bundesregierung von Helmut Schmidt bereits 1973 ein Atomprogramm. Darin hieß es unter anderem auch, dass ein deutsches Atommüll-Lager in einem Salzstock gebaut werden sollte. 1974/75 gab der niedersächsische Ministerpräsident Alfred Kubel (SPD) der Bundesregierung die Zusage, ein „nukleares Entsorgungszentrum“ in Niedersachsen bauen zu lassen. Albrecht setzte nur die politische Verantwortung der Zusage Niedersachsen um. Aber letztlich hat das mit Pols nichts zu tun. So what Frau Henrischsen?

      • Frau oder Herrn Falk

        Sie haben in vielem Recht, Helmut Schmidt begründete die Notwendigkeit von Atomkraftwerken mit dem Argument, dass nach der Energiekrise von 1973 Energieknappheit drohe und man sich unabhängiger von Erdöl machen müsse. In der hitzigen Debatte um das norddeutsche AKW-Projekt Brokdorf, wo später ein niedersächsischer Juso namens Gerhard Schröder demonstrierte, bemühte Schmidt sogar die Mär vom Strommangel. „In meinem Sommerhaus am Brahmsee“ werde die Stromlieferung für die Nachtspeicherheizung „für das Winterhalbjahr gesperrt“, warnte er 1976. Das stimmte zwar nicht. Es ging um die Erhöhung der Grundgebühr. Aber Schmidt folgerte: „Brokdorf muss gebaut werden.“

        Aber die Standortentscheidung – ursprünglich für die Einrichtung eines „Nuklearen Entsorgungszentrums (NEZ)“ – in Gorleben war erst im Jahr 1977 unter der SPD-Bundesregierung von Bundeskanzler Helmut Schmidt und der CDU-Landesregierung von Ministerpräsident Ernst Albrecht gefallen: Am 22. Februar 1977 votierte die niedersächsische Landesregierung (CDU) für den Standort, und die Bundesregierung stimmte im folgenden Juli trotz Großdemonstrationen der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg zu. Ziel war, eine Wiederaufarbeitungsanlage, eine Brennelementefabrik, ein Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente, eine Verpackungsanlage für atomare Abfälle und ein unterdirdisches Endlager an einem Standort zu integrieren. Die niedersächsiche Landesregierung versprach sich davon die Schaffung vieler Arbeitskräft in der strukurschwachen Region(!). Erst am 16. Mai 1979 gab der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht bekannt, dass das NEZ aus „politischen Gründen“ nicht durchgesetzt werden könne. Auch die später im Rahmen des sogenannten „Integrierten Entsorgungskonzepts“ geplanten Anlagen, die räumlich voneinander getrennt werden sollten, wurden nicht umgesetzt.

        Auch sollte man nicht vergessen: Die Festlegung war im innerdeutschen Kalten Krieg maßgeblich nach politischen Kriterien erfolgt – insbesondere in Hinblick auf die allgemein dünne Besiedlung der Gegend im damaligen Zonenrandgebiet zur DDR und wegen der Nähe zu Morsleben und dem dort im Aufbau befindlichen Endlager Morsleben. Vorausgegangen war eine erste Standortsuche ab 1972, bei der zunächst Weesen-Lutterloh, Lichtenhorst und Wahn vorgeschlagen wurden. Nach Protesten in allen drei Standorten wurden die Erkundungsarbeiten jedoch 1976 beendet.

        Das und weiteres über die damalige Diskussion kann man immer noch sehr schön in dem wichtigen Spiegel-Artikel vom 26. März 1979 nachlesen: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351902.html

        Worin Sie NICHT Recht haben, ist, dass es HIER um diese Dinge geht. Hier geht es nicht darum, dass all das „letztlich (…) mit Pols nichts zu tun“ hat, und auch nicht darum, dass Pols-Kritiker geowissenschaftliche und nuklearphysikalische „Frage[n] nicht selbst beantworten (…) [können], z.B. aus technischer Unkenntnis oder anderen Gründen“, und es geht auch nicht darum, ob man in solchem Fall eine derartige „Frage von Fachleuten beantworten lässt“ bzw. lassen sollte.

        Hier geht es darum, dass ein von seinen Lüneburger Indianerfreunden ausgemusterter Häuptling der Lokalpolitik plötzlich in voller Kriegsbemalung hinter einem Busch, hinter dem er lange nicht zu vermuten war, hervorgesprungen kommt und mit einem gewissen Aufwand an mekwürdig sinnlos menschelnder Betroffenheitrhetorik eine Tür einrennen möchte, die für jeden sichtbar sperrangelweit offen steht, ohne den verdatterten Anwesenden zunächst verständlich machen zu können, was er mit seinem atonalen Kampfgeheul eigentlich mitteilen möchte.

        Seit Inkrafttreten des Standortauswahlgesetzes am 27. Juli 2013 war jedem klar, die Erkundung im Bergwerk Gorleben wird gemäß § 29 Ab s . 2 Satz 1 StandAG beendet, das Bergwerk aber gemäß § 29 Ab s . 2 Satz 3 StandAG bis zu einer Standortentscheidung nach dem StandAG unter Gewährleistung aller rechtlichen Erfordernisse und der notwendigen Erhaltungsarbeiten offen gehalten – unter Beibehalt der Veränderungssperre! Das haben der Bund und das Land Niedersachen am 29. Juli noch einmal bestätigt und damit ein klares Signal für den Neubeginn bei der Suche nach einem Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle gegeben. KEIN Standort sollte gesetzt, aber auch keiner von vornherein ausgenommen sein. Die Auswahl sollte einzig und allein nach wissenschaftlichen Kriterien erfolgen, die noch festgelegt werden müssen.

        Die vom jj.Blogger, Herrn Hans-Herbert Jenckel, und seinen Kommentatoren, insbesondere Frau „Rosie Henrischsen“, Frau „Mechthild Schlüter“, Frau „Heidi“, Herrn „Hans-Joachim Hertzer“ und Herrn „Oscar“ wahrgenommene und mit einiger – aus verständlichen Gründen spekulierender – Vehemenz diskutierte Irritation betraf die INTENTION des öffentlichen Briefes von Herrn Pols, der vor dem Hintergrund der sattsam bekannten Fakten äußerte: „Mir geht es nicht darum, hier ein mögliches Endlager offen zu halten, ich bin weder ein Befürworter noch ein Gegner des Standortes.“ Wie wollen Sie eine solche Aussage nennen? Ist es nicht unausweichlich, dass sich hier wie in einem Paradox zwei Deutungen aufdrängen – und zugleich einander ausschließen? Anders als das Standortauswahlgesetz vorschreibt und die Bundes- und die Landesregierung wollen, will Herr Pols 1.) nicht einmal DIE MÖGLICHKEIT des Endlagers offenhalten, was doch wohl logisch die NOTWENDIGKEIT des Nicht-Offenhaltens nach sich zieht, und zugleich will er 2.) den Standort weder befürworten noch ablehnen, was zumindest in der Praxis mittelfristig nicht ohne Schwierigkeiten zu machen sein wird. Auf jeden Fall schließen sich 1) und 2) sowohl theoretisch als auch praktisch aus. Nimmt man dann „diese ganze humanitätstümelnde Suada, dieses plakativ “an den Tag gelegte Mitgefühl” (Jenckel) ohne den Hauch eines konstruktiven Vorschlags“ („Henrischsen“) hinzu, die auf diese Aporie folgt und im Grunde das Offenhalten verlangt, das ohnehin seit über einem Jahr beschlossene Sache ist, ist die Verwirrung nicht mehr zu entknoten.

        Wenn sich die Interpreten also – jenseits der Unausdeutbarkeit des Schreibens auf semantischer (inhaltlicher) Ebene – bemühen, nach seinem Sinn auf pragmatischer (handlungsbezogener) Ebene zu suchen (Welches Signal wollte Eckard Pols durch die Veröffentlichung eines in sich widersprüchlichen und an sich sinnlosen Briefes absetzen?), wer könnte es ihnen verdenken?

  3. Vielen Dank für den obigen Link Frau Schlüter und den dann auf den Originalbrief weiterführenden. Der Brief des MdB Pols ist dermaßen widersprüchlich, das sich er sich nach Strich und Faden zerreissen ließe. Aber auf dies alberne Spiel will ich mich nicht einlassen und muß hier doch mal dem Kommentator „Klaus“ zustimmen. Bis auf einen Punkt in dem Brief von Herrn Pols. Ein wirklicher Besuchermagnet des Wendlandes ist die alljährliche kulturelle Landpartie und nicht das Erkundungsbergwerk Gorleben. Ich wünsche den Wendländern, dass sie noch mehr Ideen wie die Veranstaltung zwischen Himmelfahrt und Pfingsten haben. Denn ein Besuch dieser schönen noch nicht so verbauten Region lohnt sich immer. Wer wirklich mal abschalten und entspannen will, ist dort genau richtig.

    • Mechthild Schlüter

      Gern geschehen, „Heidi“. Interessant ist ja auch, wie schnell das „öffentliche“ Schreiben vom öffentlichen Schreiber von seiner Homepage genommen oder erst gar nicht mehr darauf veröffentlicht wurde, nachdem sich herumgesprochen hatte, wie „konsequent irgendwo daneben“ der Schlägel an der Pauke vorbeisauste.

      Ich finde nicht, dass die Analyse der peinlichen Pols´schen Selbstentblößung nicht lohnt. „Rosie Henrischsen“ hat das gut gezeigt. Das Anliegen der Bloggerei von Herrn Hans-Herbert Jenckel ist doch gerade, wenn ich das richtig verstehe, vom rein Nachrichtlichen weg zum eher Exemplarischen zu kommen. Er möchte, scheint mir, anhand von ausgesuchten Miniaturen aus dem Lüneburger Polit-Bestiarium den allgemeinen Irrsinn im Besonderen begreifbar machen, Irrsinn, der beispielsweise auch hinter dem treuherzigsten Augenaufschlag stecken kann. Auf diese Weise weckt er unsere Aufmerksamkeit dafür, dass sich individuelle Ereignisse durchsichtig machen lassen und den Blick auf die verrückten Muster freigeben, die ihnen zugrunde liegen. Meines Erachtens ist ihm das auch mit dieser Geschichte gut gelungen. Pols als vor allem um sich selbst besorgte Zappelfigur, die zurück auf den Bildschirm strebt, da gebe ich Ihnen recht, ist ganz belanglos. Aber „Pols“ als ein Repräsentant für hundert andere Schlaumeier, die mit ähnlichen oder genau den gleichen Mitteln versuchen, ihre persönliche Absicht so darzustellen, als handle es sich um ein allgemeines Interesse, ist eben ein dankbares Studienobjekt.

  4. Hans-Joachim Hertzer

    Die eigenwilligen Publikationen von Herrn Pols – auch im Wahlkampf gegen Herrn OB Mädge negativ spürbar – helfen, seine politische Zukunft sanft auslaufen zu lassen. Seine christliche Partei hat ja bereits den Sinkflug eingeleitet. Das Gebiet an der Wittenberger Bahn mit seinen Blindgängern zeigt eine gewisse Affinität zu einigen Aktivitäten von Herrn Pols (z.B. Flugplatz etc.). Im Gegensatz zu den teilweise gesprengten Blindgängern hat sich Herr Pols mit hoher Eigendynamik selbst entschärft. Möge ihm eine sanfte Landung gelingen, ohne einen
    „strahlenden“ Scherbenhaufen zu hinterlassen

  5. Da sieht man mal, es riecht nicht alles gut, was kracht !

  6. »Eckhard Pols, Mitglied des Deutschen Bundestages Platz der Republik 1, 11011 Berlin, Telefon 030227–73880, Fax 030227–76881, E-Mail: eckhard.pols@bundestag.de« unterrichtet am 8. September 2014 in einer Pressemitteilung:

    »„Gorleben bleibt im Suchverfahren im Standortauswahlgesetz als möglicher Endlagerstandort“

    Berlin/Gorleben. Nach ihrem Besuch in Gorleben am vergange- nen Donnerstag nahm Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks heute an der Sitzung der Standortauswahlkommission in Berlin teil. Diese Standortauswahlkommission soll Kriterien zur Benennung eines möglichen Endlagerstandortes erarbeiten.

    Ministerin Hendricks forderte, wie auch schon in Gorleben, eine „ehrliche und kreative Debatte ohne Denkblockaden und ohne Vorfestlegungen“ bei der Suche nach einem möglichen Standort, der dann die erarbeiteten Kriterien erfüllen soll. Für Gorleben bedeutet das, dass es bei der Veränderungssperre vor Ort und bei einem, wenn auch verringertem, Offenhaltungsbetrieb bleibt. Dies ist auch im Hinblick auf den Erhalt von Arbeitsplätzen wichtig.

    „Das Erkundungsbergwerk bleibt somit im Topf möglicher Standorte“, betonte die Ministerin in der Kommission nochmals. „Eine komplette Schließung und die Verfüllung der Schächte in Gorleben stehen somit überhaupt nicht zur Debatte“, erklärte der Lüchow-Dannenberger/Lüneburger Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols nach dem Besuch der Ministerin. „Zur viel geforderten Transparenz gehört aber auch, dass der Besucherverkehr aufrecht erhalten bleibt“, so Pols abschließend.«

    Quelle: http://www.pols-cdu.de/pm_mdb.html (Meldung vom 08.09.2014)

    Was will Eckhard Pols uns mit dieser „Pressemitteilung“ sagen?

    • Lösungsvorschlag

      Vielleicht will Eckhard Pols sagen, dass das, was vor der Veröffentlichung seines öffentlichen Briefes schon felsenfest feststand, auch nach der Veröffentlichung dieses öffentlichen Briefes immer noch genauso felsenfest feststeht? Er ist weder dafür noch dagegen, aber das sowohl als auch und er will sich nicht „festlegen“, aber auch nicht „nicht festlegen“. Sprich: prokrastinativer Dezisionismus zweiter Ordnung.

      Er ist „weder ein Befürworter noch ein Gegner des Standortes“, aber sowohl für dessen „Offenhaltung“ als auch für dessen „Offenhaltungsbetrieb“.

      Was in der Konsequenz ja wohl heißt, dass er sich nicht auf ein Dafür oder Dagegen festlegen will, aber auch nicht darauf, nicht doch dafür oder dagegen sein zu können.

      In den sechs Tagen zwischen Pols „öffentlichem Brief“ und Pols „Pressemitteilung“ reiste eine Ministerin hin und her, es wurden viele Fragen gestellt und ebenso viele nicht beantwortet und eine Kommission tagte, um genau dasselbe festzustellen: Das Festlegen geht nicht, das nicht-Festlegen geht auch nicht.

      In diese entschiedene Unentschiedenheit hinein spricht Pols nun mit schlüssigster Unschlüssigkeit ein Schlusswort von entscheidender Entscheidungslosigkeit.

      Das aber in der allerentschlossensten Unentschlossenheit.

      Ein Dafür oder Dagegen werden wir von Eckhard Pols nicht hören, ein Für oder Gegen für – oder gegen – ein Dafür oder Dagegen aber auch nicht.

  7. Über wie viele Arbeitsplätze die in direktem Zusammenhang mit dem Erkundungsbergwerk Gorleben stehen wird hier eigentlich gesprochen? Ich habe keine Vorstellung davon. Und wie viele der dort Beschäftigten stammen tatsächlich aus Gorleben und der näheren Umgebung. Diese Zahlen interessieren mich, um zu wissen, wovon Herr Pols überhaupt spricht. Aushilfskräfte in der Gastronomie wegen eines möglichen Atomtourismus wird er doch wohl nicht einbeziehen. Denn den kenne ich nicht. Vielleicht Tagesausflügler, die es „einmal gesehen“ haben wollen und sich dabei den ihnen auf Schritt und Tritt folgenden Videokameras präsentieren.

    Ich kann mir gut vorstellen dass es den Bewohnern im Wendland wichtiger ist Strahlungsfrei leben zu können, als (behaupte ich ungeprüft) ein paar Arbeitsplätze zu erhalten, deren Aufgabe es letztlich ist den Standort als geeignetes Endlager zu erklären. Ich fürchte Herr Pols versucht hier etwas zusammen zu mischen, das nicht zusammen passt. Dabei sollte er als Glasermeister doch eigentlich den „Durchblick“ haben.

    • strahlungsfrei leben? hmm, bei dem kunstdünger? kaufen sie mal rindenmulch. abends braucht man im garten kein licht mehr. der kann strahlen. ha ha.

  8. hat hier eigentlich schon jemand sich gefragt, warum die politik heutzutage mehr probleme schafft, als sie löst? ich könnte ja gründe nennen, bin aber kein akademiker und somit schüchtern.

    • Eckhard Pols ist auch kein Akademiker. Und dass Sie schüchtern sind, können Sie vielleicht Ihrem alterstattrigen Grundschullehrer erzählen, der Ihnen seinerzeit auch geglaubt hat, dass Sie Ihre Hausaufgaben nicht anfertigen konnten, weil Sie einfach noch nicht genügend Selbstbewusstsein für das Publikmachen von Besinnungsaufsätzen über schönste Ferienerlebnisse besitzen.

      Also los, Klaus ! Geizen Sie nicht so mit Ihrem Wissen. Erklären Sie Eckhard und seinen Freunden, wie das Universum funktioniert !

      Ich für meinen Teil wüsste zunächst gerne, ob die Ruppigkeit, mit der mir der Fahrkartenautomat in Bienenbüttel (Gleis 1 im Unterstand) den 5-Euro-Schein aus der Hand reißt, schon ein erster Vorgeschmack darauf ist, wie die Maschinen in Zukunft einmal mit uns umspringen werden.

      • Anton, diese ruppigkeit von der maschine hat einen grund, sie musste sich noch mit geld abgeben. in der zukunft geht auch dieses bargeldlos. ihre zahnbürste wird dann mit diesem automaten kommunizieren und ihr klar machen, dass sie ohne fahrkarte trotzdem fahren dürfen.