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Lüneburgs weihnachtliche Superlative und der Neidfaktor

Lüneburg, 9. Dezember 2014
Superlative wecken Neid und rufen Nachahmer auf den Plan. Lüneburg ist da in großer Gefahr. Denn Stadt und Land schmücken sich zum Fest gleich mit einigen Superlativen.

Lüneburg hievt nicht nur den größten Adventskranz, natürlich für einen guten Zweck, auf den Wasserturm. Nein, dieses Jahr reüssieren wir auch am Boden: In Erbstorf ist ein Adventskranz zu bestaunen, einer fürs Guinnessbuch der Rekorde, so groß, als hätte Gulliver den Kranz geflochten, und Erbstorf läge in Liliput.

Und jetzt trägt auch noch die Litfaßsäule am Artlenburger Pegelhaus eine Weihnachtsmütze XXL, die leicht von Schiffern auf dem Strom als Leuchtturmspitze missdeutet werden könnte. Das sind alles gut gemeinte ,,Events“, aber es darf nicht ausufern.

Sonst erleiden die Weihnachts-Superlative das Schicksal der Tage der offenen Tür oder der Welttage. Die waren mal sinnvoll und neu, heute aber werden sie so inflationär gefeiert, dass der Reiz verpufft ist.

Kein Verein in Stadt und Land ohne Tag der offenen Tür, kein Tag im Jahr, der nicht auch ein Tag für irgendwas ist. Beispielsweise der 21. Januar als Weltknuddel- und wahlweise Welttag der Jogginghose oder der 23. Februar, er ist den Schwertschluckern gewidmet. Zwischen diesen ganzen Spaßtagen mischen sich dann welche mit ernstem Hintergrund wie der Welt-Aids-Tag. Grausam und traurig.

Es lohnt sich, darauf zu achten, dass die Vorweihnachtszeit mehr der Besinnung als nur der Belustigung und, wenn es ausufert, am Ende der Belanglosigkeit dient.
Hans-Herbert Jenckel

9 Kommentare

  1. Es lohnt sich, darauf zu achten, dass die Vorweihnachtszeit mehr der Besinnung als nur der Belustigung und, wenn es ausufert, am Ende der Belanglosigkeit dient.
    dem kann ich nur zustimmen. ich frage mich aber dabei, warum nur zur vorweihnachtszeit? oberflächlichkeiten sind das ganze jahr zu beobachten. ob die meisten noch wissen, warum wir weihnachten feiern? von kommerz war eigentlich nie die rede in diesem zusammenhang gewesen. man sollte seinen nächsten von sich selbst etwas schenken, was er zum beispiel selbst gebastelt hat. vom kaufen und weitergeben war nie die rede. seltsam, warum merken die menschen eigentlich nicht, wenn sie dem goldenen kalb hinterher laufen? gerade in dieser zeit sollte man sich doch an die warnung erinnern, oder?

  2. Es gibt auch große Gartenzwerge.

    Und hier noch der Ruth-Maria-Kubi-Check: „missdeuten“ ist ein untrennbar schwaches Verb. Man sollte es nicht misshandeln, indem man es mit sich entzweit und einen Ge-Stock dazwischen zwängt. Wird das missachtet, fühlt sich das kleine Ding vielleicht missbraucht. Das missfällt dann eifernden Kettelern, die sich missleitet wähnen, und dann wird erst missbilligt, anschließend misstraut und zuletzt missgönnt.

  3. Nachdem die Leuphana, KENUP und Holm Keller, „kenup’s designated CEO“ (Leuphana Website), mit ihrer KIC-Bewerbung gestern eine krachende Bauchlandung in Budapest hingelegt haben und die 1,6 Milliarden Euro nun – ohne Zwischenstopp in Lüneburg – in andere Kanäle (InnoLife und RawMatTERS) fließen und folglich auch eine „mit vielen EU-Millionen gut gepolsterte eigenständige Gesellschaft mit Holm Keller als Chef“ bloßes, heißluftgetriebenes Wunschballonieren bleibt („Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder.“), lauten die nächsten beiden spannenden Fragen wohl: Als welch superlativisch-gigantomaner Erfolg wird uns das vollständige Scheitern des Hoch-hinaus-Ensembles von gestern auf internationaler Bühne demnächst wohl vom Leuphana-Marketing verkauft und wie groß wird im nächsten Jahr der sicher „achtsam“ und „nachhaltig“ gefertigte Projekt-Adventskranz auf der noch sehr lange nicht zu Ende finanzierten Neubauruine am Bockelberg?

    (RE: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/193557-die-leuphana-gibt-das-stueck-hoch-hinaus)

  4. Leuphana, da war doch was? ach ja, dass von ihr unterstützte interview, was die lz-online- seite betrifft. was ist da eigentlich von geworden? welche erkenntnisse wurden gewonnen? war die beteiligung ein renner? oder war man doch schon zu sehr dem weihnachtsfeeling erlegen?

  5. Aus dem Weihnachts-KIC-Lexikon

    → Superlativ, der:

    Kraftwort, römisch-altitalisch. Eine echte Steigerung (Komparation), ergo Verbesserung des ehemals beliebten Lativs (nicht zu verwechseln mit dem Dativ!), den aber heute keiner mehr kennt, weil alles Überdurchschnittliche nur noch mega-, terra- oder gigageil ist.

    Als Folge dessen ist der Superlativ akut vom Aussterben bedroht. Um die Schwundgeschwindigkeit der Wortqualität etwas zu bremsen, möchte die „Leuphana Universitätsgesellschaft für german spreching“ (Dr. Klaus Bergmann, Kommunikationstroubleshooter) die beiden nächsthöheren Stufen „Duper“ und „Mega“ überspringen und gleich mit dem Gigalativ weitermachen, trifft aber auf petaschweren Widerstand der „altbackenen Kindergärtnerinnen im NDR“ denen es genügen würde, die Redewendung „ganz ganz“ oder „ganz ganz ganz“ (-viel, -toll, -geil) zu legalisieren.

    → Advent, der

    bezeichnet den Zeitraum zwischen 1. Dezember und Weihnachten. Diese Zeit bekommt einen eigenen Namen, weil sie außergewöhnliche Zustände in Menschen auslöst. Die beginnen dann auf einmal, Kekse zu backen, Geschenke zu kaufen, das Haus zu dekorieren, und andere Verrücktheiten. Vor allem steigt das Konsumverhalten um 573,48%, was die Inkassobüros freut. Advent stammt nicht von dem Wort Adventure ab, wie oft vermutet wird.

    → Adventskranz, der (in Egestorf auch: das)

    ist ein runder, aus piksenden Zweigen zusammengebastelter Kreis. Dieser Kreis enthält in der Regel ein Loch (schwarzes). Meistens ist er Grün, es gibt aber auch Ausgaben in Blau, Rot oder Gelb. Auf dem Adventskranz stehen entweder Lampen oder Kerzen (immer(!) fünf). Im oder auf dem Adventskranz gibt es meistens hässliche Deko, etwa geschrumpfte Nikoläuse oder Engel. Man könnte den Adventskranz als so etwas wie einen Tannenbaum für arme Leute bezeichnen.

    → Neid, der:

    Abstinkgefühl, (die Wortwurzel wurde in den 1970er Jahren bei Lopausee-Grabungen in Amelinghausen zusammen mit ersten Spuren von Jenny Elvers-Elbertzhagen freigelegt). „Neid ist die Eifersucht darüber, dass sich Gott/Buddha/Allah/Ganesha/Gabriele Heinen-Kljajić auch mit anderen niedersächsischen Fachhochschulen außer uns beschäftigt“. (Sascha Ratzinger)

    Der Neid soll außerdem der geheime Herrscher einer Paralelldimension sein, bekannt als die Gefühlswelt die sich angeblich nur für Alt-Adendorfer alle 28 Tage öffnet. Frei erfundenen Gerüchten zufolge sollen dort alle Gefühle wild durcheinander gewürfelt leben und sich gegenseitig bekämpfen, wobei der Neid immer die Wut anstachelt ordentlich auf das Leid einzuschlagen. Dies gilt auch als der Grund warum die Stimmung der Alt-Adendorfer in gewissen periodischen Abständen zwischen Leid (vor allem Selbstmitleid), Neid (auf Neu-Adendorfer) und Wut (auf XXL-Adventskranzgemeinden und Grundstückverkäufer) schwankt – je nachdem wer gerade in der Gefühlswelt am Drücker ist.

    Andere Quellen besagen dass der Neid eigentlich eine Krankheit ist, die aus den Neiderlanden kommt und von Neidhammeln übertragen wird. Aus dieser Theorie ist auch Jogi Löws bekannter Ausspruch „Das Gras ist immer grüner in Holland“ entstanden, das den Neid der Neiderländer auf andere Staaten beschreiben soll – schließlich sagt man ja auch jemand sei grün vor Neid, was als Hauptsymptom der Krankheit Neid gilt. Der Neid der Neiderländer soll aus den Tatsachen resultieren, dass die Bewohner anderer Länder nicht bis zum Bauchnabel im Wasser stehen, auf Dämmen oder in Windmühlen leben, Holzschuhe tragen und als Hauptnahrungsmittel Tulpen verzehren müssen. Um den Neid der Neiderländer einzudämmen wurde eine strenge Therapie auf pflanzlicher Basis eingeführt, welche verhindern soll, dass demnächst Neiderländer auf dem Weg nach Bienenbüttel ihre Wohnwagen randalierend übers Melbecker Campingplatzgelände ziehen.

    Neid kann aber auch künstlich in einem höcht komplexen Verfahren gezüchtet werden, welches sich aus einem altem, mystischem Ritual entwickelt hat und das seit Urzeiten als pimpen bekannt ist (Nein, das hat nichts mit Sex zu tun. Nun gut, ein wenig. Vor allem wenn man sich verschreibt.) Ein Klingelton-Werbesender hat sogar eine Fernsehserie mit dem Titel „Pimp my Neid“ ausgestrahlt. In dieser dokumentarisch hochwertigen Sendung versuchen bekannte Forscher, Leuten, die immer Neid empfinden, etwas zu schenken, um das andere sie dann beneiden können, so dass selbst die ärmsten Würstchen ein einziges Mal auf der anderen Seite des Neids stehen.

    „Dien“ ist „Neid“ rückwärts geschrieben. Wie man sieht hat man damit beinahe „Dein“. Da beim Neid der Grundsatz „Was dein ist, soll mein sein“ gilt, kann man sehen, dass dieses Wort bedeutungsschwerer ist als man zunächst denken könnte. Faszinierend ist übrigens, dass man nur zwei Buchstaben vertauschen muss um „Bier“ zu erhalten. Und wie alle echten Studienräte wissen, führt der Besitz von Bier bei Bierlosen zu großem Neid. (Aldi Werbeplakat: Mitleid bekommt man geschenkt, sechs mal Neid kostet € 2,80) Eine Abwandlung davon ist Oma Trudes Gewohnheit, jeden Sonntag einen Schnaps mehr zu trinken (Man kennt ja das Lied „Advent, Advent, der Schnaps der brennt“).

  6. und andere Verrücktheiten.
    was soll eigentlich ein tannenbaum mitten in einer wohnung? will man ihm nahe sein, wenn er stirbt? tannennadeln werden tageweise beerdigt. zum schluss lauert ein grüner stock. auch dieser wird dann achtlos der abfuhr vor die füße geworfen. der mohr hat seine schuldigkeit getan usw. so ist dass , wenn man nur benutzt wird. und dass alles zu weihnachten. man stelle sich vor, man ist ein tannenbaum. sind tannenbäume nicht auch geschöpfe des herrn? oder haben gänse es bei uns da besser? die haben es zu weihnachten am ende besonders kuschelig und warm.