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Die Lüneburg Marketing GmbH scheitert an Eitelkeit und Werbe-Spagat zwischen Tourismus und Kaufhaus Innenstadt

Lüneburg, 23. Dezember
Die Lüneburg Marketing GmbH, die Werbetrommel der Hansestadt, 1998 gegründet, seit ’99 aktiv, könnte eigentlich eine Art Jubiläum feiern. Nur feiert keiner, es gibt auch nichts zu feiern, sondern nur eine Misere zu beklagen. Wenn der Geschäftsführer, der Aufsichtsratsvorsitzende und der City-Manager innerhalb weniger Wochen von Bord gehen, dann droht die Katastrophe. Diese Schieflage kann in diesem Fall nur drei Gründe haben: Fehlbesetzungen, irrlichternde Gesellschafter oder ein Webfehler in den hochgesteckten Zielen der GmbH.

Es war vor gut 15 Jahren eine gute Idee, die Eitelkeiten und Einzelinitiativen von Verkehrsamt der Stadt, Kulturverein, Schaustellern, Kaufleuten oder Marktbeschickern unter einen Hut zu bringen – als Idee. Leider ist Eitelkeit zwar eine Todsünde, aber kaum zu bändigen. So einen bunten Haufen in Schach zu halten, in dem jeder gerne mal als Libero glänzen will ob bei Hansetagen oder Modenschauen, bedarf eines charakterstarken Geschäftsführers.

Die goldene Zeit der Marketing GmbH brach mit Dr. Jan-Peter Halves an und hörte auch mit seinem Weggang nach Bremen vor einem Jahrzehnt auf. Seither zerfällt das Marketing mehr und mehr in Einzelinteressen, suchen die Geschäftsführer nach kurzer Zeit wieder das Weite, die GmbH flackert auf Sparflamme.

Das schadet zurzeit nicht so, weil Lüneburg sich von alleine vermarktet, ob bundesweit über die Erfolgs-Telenovela Roten Rosen, über Hunderte Baudenkmäler und Sehenswürdigkeit oder eine großartige Einkaufsatmosphäre.

Lüneburg hat deswegen die große Chance, das Feld neu zu bestellen. Es ist eine Überlegung wert, Tourismus und City-Management, also externe und interne Werbung zu trennen.

Tausendsassa Heiko Meyer mit seiner Kaufmanns-Truppe LCM könnte durchaus selber das Kaufhaus Innenstadt bespielen. Er hat genug Geschick, Kräfte dafür zu bündeln. Ein Tourismus-Manager könnte sich auf neue Gäste-Schichten für Lüneburg konzentrieren. Das wäre das Ende des Spagats, mit wenig Geld beide Werbefelder zu spielen. Und angesichts der nicht enden wollenden Geschäftsführer-Misere in Lüneburg ein Versuch wert.
Hans-Herbert Jenckel

6 Kommentare

  1. Eitelkeit, was ist das ?http://www.duden.de/rechtschreibung/Eitelkeit . diese ,, eigenschaft,, gehört zu den zwittern. eine mutter findet es gut, wenn der sohn eitel ist. dumm wird es immer nur, wenn der sohn erwachsen geworden ist und er ist es geblieben. besteht werbung nicht aus eitelkeit? früher sagte man mir immer: ein gutes produkt spricht für sich und hat keine werbung nötig. die zeiten haben sich geändert. viel mist wird beworben und lenkt von gutem ab. man sollte die bürger mal fragen, was sie meinen, womit lüneburg werben sollte. schließlich ist es ihre stadt. und wer soll sich mit den drohenden touristenströmen auseinandersetzen? es ist der bürger und nicht nur der händler allein. man stelle sich vor, am sande stehen touristen in dreierreihen vor dem eingang der lz? nicht nur, dass es zum stau kommt, der lüneburger bürger bekommt probleme, seine lieblings-journalisten zu sehen.

  2. Das Stadtmarketing-Problem (nicht nur in Lüneburg, aber hier besonders, d. h. bis zu grotesker Lächerlichkeit ausgeprägt) ist, dass man meint, mit dem Geschäftsführer des unifizierten Reklametrommel-Corps einen Messias anheuern und präsentieren zu müssen, als habe Gott in diesem angeblich gesalbten Tambourmajor seinen endgültigen Heilswillen offenbart und ihn befähigt, die prophetischen Verheißungen (Frieden, Freude und unermeßliche Wohlfahrt für alle) nicht allein zu artikulieren (Konzept), sondern auch zu erfüllen (Umsetzung). Und was ist einfacher, aber auch lustvoller (und das eigene Versagen effektvoller verschleiernd), als alle zwei, drei Jahre einen falschen Erlöser (plus aufrührerischer Zeloten rechts und links) zu kreuzigen, der vom Aufsichtsrat enttäuschter Hohepriester, welche blindwütig bis zum Autismus rigide Interessenpolitik für ihre jeweiligen Anspruchsgruppen betreiben, tempelintern zuerst zum Hampelmann gemacht und dann in aller Öffentlichkeit zum windigen Hochstapler gestempelt wurde?

    Doch der Geschäftsbereich Standortmarketing, wenn er funktionieren soll, kann niemals etwas anderes sein, als ein DIENSTLEISTER für Moderation, Koordination und Kommunikation im Rahmen integrierter Inhalte, die aber zum allergrößten Teil von den Vermarktungsinteressenten selber kommen müssen und für deren Ge- oder Misslingen eben diese Auftraggeber oder Initiatoren (Verbände, Vereine, Zusammenschlüsse, Gruppen) – und NICHT die kommunale Stadtmarketingagentur – die volle Verantwortung tragen (auch die finanzielle). Der Geschäftsführer einer solchen Agentur, wenn er etwas taugt, wird niemals mit dem betörenden Glanz fertig ausgearbeiteter Konzepte antreten, in denen bereits der alles und jeden rettende Weg ins Gelobte Land minutiös beschrieben ist, sondern er wird seine Professionalität durch Urteilsfähigkeit, Vermittlungsgeschick und die Qualität seiner Hinweise, Anregungen und Ratschläge im Prozess des Aushandelns und Vereinbarens unter Beweis stellen, an dessen ENDE ein alle befriedigender, machbarer und konzertierter Plan von Maßnahmen steht – UND er wird durch regelmäßige Abstimmung mit dem Chef der Stadtverwaltung, welcher den Gesellschaftern vorsitzt, den uneingeschränkten Rückhalt bekommen, ohne den nichts geht.

    Das Stadtmarketing ist für die verschiedenen Marketingakteure also bloß beratender und steuernder Auftragnehmer und vernetzt allenfalls deren Aktivitäten in einer gemeinsamen Markenstrategie. Es führt öffentliche und private Mittel in überregional ausstrahlende Schwerpunktprojekte zusammen, auf die sich die Akteure geeinigt haben und die sie deshalb (auch finanziell angemessen) unterstützen und verfolgt dabei immer drei allen gemeinsame Hauptziele: die Zahl der Besucher und Gäste zu erhöhen, die Bekanntheit der Stadt zu steigern und ihr Image zu pflegen. Doch für die LEISTUNGEN, die diesen Zielen korrespondieren müssen, kann nicht das Stadtmarketing geradestehen. Folglich auch nicht für das Erreichen der Ziele.

    Ausschließlich für Behörden und städtische Einrichtungen fungiert das Stadtmarketing als eigenständige Werbe- und Konzeptagentur, die Markenaktivitäten harmonisiert, unter dem Dachmarkensystem der Kommune koordiniert, überregional bedeutende Kultur- und Sportveranstaltungen fördert und leitet, Projekte begleitet und sogar in Eigenregie Konzepte erarbeitet und Ideen zur Diskussion stellt.

    Wer auf den nächsten sich selbst überfordernden „Retter“ mit den ganz großen Lüneburg-Rezepten im Diplomatenkoffer wartet, anstatt einem organisatorisch versierten, gebildeten und gelassen und überzeugend argumentierenden Pragmatiker zu vertrauen, der außer fachlichem Know-how und einem dicken Fell auch noch Sinn für Kultur (jenseits von lärmumbrandeten Massenabfütterungen à la Stadtfest und Weihnachtsmarktkitsch), Bürgernähe und regionale Eigenarten mitbringt, der wartet auf den nächten „Event“-Evangelisten, dem er die Verantwortung dafür aufbürden kann, dass die eigenen, in Coffe Shops und Wurstbuden ausgebrüteten „innovativen“ Querschläge und inszenatorischen Alleingänge sich als der billige, abstoßende Unsinn erwiesen haben, der sie, seitdem „die Werbetrommel (…) gegründet (!)“ wurde, leider schon viel zu häufig gewesen sind.

  3. Ich verstehe den „Witz“ noch nicht: „1998 gegründet, seit 99 aktiv“ … und dann liest man etwas von „vor einem Vierteljahrhundert“? Irgend etwas passt da nicht. 25 ist doch nicht 15, oder?

    • Es ist auch nicht witzig, es zeigt sich immer wieder mal, dass Journalisten nicht rechnen können. Danke. Geändert.

  4. Das Thema scheitert schon an der falschen Struktur. Jeder Stamm hat einen Häuptling, hier hat der Stamm 50 Häuptlinge. Und jeder vertritt nur seine Meinung. Will sagen: es braucht eine neue Gesellschafterstruktur. Die Stadt soll das Tourismusmarketing vollständig übernehmen und die Wirtschaft das Kaufhaus Innenstadt.

  5. Schon in der Antike gab es erste Formen des Stadtmarketings in Lüneburg. Damals verstand man sich jedoch mehr auf Trickbetrügerei und das Wahrsagen aus Fischeingeweiden. Im Mittelalter wurden erstmals Ansätze des modernen Lüneburger Stadtmarketings von der katholischen Kirche in Rom erfolgreich praktiziert. Sie verkaufte die Vergebung der Sünden. Noch heute kann dies urbi et orbi als die beste Stadtmarketing-Aktion aller Zeiten angesehen werden. Namensgebend für Marketing als Wissenschaft war insbesondere Mark Etting, ein ewiger, unterbezahler und nichtsnutziger Praktikant aus der Rübenkuhle, der auf pinke Polo-Hemden mit aufgestellten Krägen, weiße 3/4-Capri-Hosen und schwarze Sonnenbrillen stand, aber von Tuten und Blasen keinen Ahnung hatte. Stattdessen verkaufte er Lüneburgern etwas, das sie nicht brauchten, wofür sie mit Geld bezahlten, das sie nicht hatten, um anderen Menschen, die sie nicht mochten, zu imponieren. Was das war, ist heute leider in Vergessenheit geraten. Doch wird fieberhaft in leerstehenden Einzelhandelsgeschäften in der Innenstadt danach gesucht. Stadtmarketing ist deshalb auch als proaktive Schaufensteritis, als diarrhötische Ladenlokal-Angeberei oder als kommunale Anwendung der reinen Leere des Leuphanatismus bekannt. Im 20. Jahrhundert führten Stadtmarketing-Strategien sogar zur Schaffung neuer Feiertage. Beispiele hierfür sind der Muttertag, der Hansetag und der Geburtstag des Weihtagsmannes.