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Lüneburger Ratsdebatten können Schwielen am Hintern und an Hirnwindungen verursachen

Lüneburg, 6. Januar 2015
„Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“
Die verblasene Mahnung erzkonservativer Handwerksmeister wird heute noch an einem Ort in Lüneburg gelebt: im Rathaus, genauer im Rat.

Wer dort nicht mit Lust durch das Schlammbad der Schmähungen und Mobbing-Attacken watet, wer nicht Schwielen am Hintern von Dauer-Debatten und an den Hirnwindungen dank verabreichter Verbalinjurien hat, ist vermutlich ein ,,Weichei“, wird niemals ein Ratsfuchs und ergreift besser mit Notlügen die Flucht zurück ins Private.

Dass der Rat dank regelmäßiger Wort-Scharmützel à la ,,Hornberger Schießen“ Gefahr läuft, nicht nur unter Nachwuchssorgen zu leiden, sondern vor allem unter Zuhörer-Notstand, ist eine traurige Gewissheit. Ein Dutzend Zuhörer bei fast 76 000 Einwohnern ist schon eine gute Quote.

Es wird aber auch alles getan, um die Bürger auf Distanz zu halten. Neugierige Lüneburger, die ein Tagesordnungspunkt doch reizt, verlassen oft genug vorzeitig gemürbt und gefrustet die Sitzungen, weil die Ratsherren sich solange an einem anderen Punkt festgebissen haben, dass TOP-Stau im Rat herrscht. Eilanträge und Resolution zu ,,Lüneburg gegen die Sommerzeit“ oder „Keine Brötchenteiglinge aus China an Lüneburger Schulkiosken“ vertreiben Zeit und Zuschauer.

Hoffnung auf bessere Zeiten versprechen nur junge Talente, die den Ballast über Bord werfen. Das wäre noch ein Wunsch fürs neue Jahr.

Aber wo sind die Talente, von denen OB Mädge sagen würde, sie hätten „den Marschallstab im Gepäck“? Forsche Jungpolitiker, die verkrustete Strukturen aufbrechen und Feinbilder abbauen? Vielleicht Friedrich von Mansberg bei der SPD, Björn Adam bei den Grünen, Niels Webersinn bei der CDU oder doch Michel Pauly von der Linken.

Der Pauly sieht immer noch ausgesprochen freundlich aus, obwohl er im Rat schon viel Prügel hat einstecken müssen. Weiche Hülle, harter Kern. Er funkt auf allen Kanälen, und das nachhaltig. Und er steht im Stoff. Seine tiefrote Überzeugung könnte vielleicht sein einziger Karriere-Blocker werden. Er hat eine Überzeugung. Das hat bei windschnittigen Politikern, wie heute erwünscht, Seltenheitswert.

Mal sehen, was aus den Talenten wird, wenn die Jung-Lokalpolitiker sich im Rat verpuppen, eine Made oder ein Schmetterling oder doch wieder ein träges Krokodil mit einer dicken Hornhaut, das nur auf Beute lauert.

Hans-Herbert Jenckel

55 Kommentare

  1. Schwielen am Hintern und an Hirnwindungen verursachen
    letzteres ist schlimmer. pauly ist ein sozialdemokrat der alten schule. er tut mir etwas leid. ihm wird wohl öfters seine jugend vorgeworfen. und sogenannte liberale stoßen sich gern daran, ob er für die marktwirtschaft auch das richtige an der uni gelernt hat. an der leuphaner nichts für die wirtschaft zu lernen, ist nicht einfach. da müsste man glatt einen herrn keller übersehen lernen. das kann nicht mal die lz.

  2. Konrad Möller

    »Aber wo sind die Talente, von den[EN] OB Mädge sagen würde, ,,sie hätten den Marschallsstab im Gepäck“?«

    Kann sein, es handelt sich nicht um ein Talent (und um jemanden, mit dem man lieber nicht zu rechnen haben würde), aber den Marschallstab [ohne zweites „s“ (!) ] wird ab Herbst 2016 ganz sicher Ernst-August Röttger im Gepäck tragen, wenn man sich im Rat nicht endlich entschieden um überzeugende Argumente und verständliche Antworten in sozialpolitischen Angelegenheiten bemüht, sondern weiter über „Brötchenteiglinge aus China an Lüneburger Schulkiosken“ philosophiert oder über „kommunikative“ Akzente im verblödenden Reklamegeschwafel, mit denen man meint, den Unsinn kostspieliger „Leuchtturmprojekte“ bis zur „Konsensfähigkeit“ aufhübschen zu können. Vor der Tür stehen Leute, die unverfrorener lügen als man selbst, weil sie ahnen, dass viele an ihre simplifizierenden Bauernfängerphrasen einfach glauben möchten. Daher ist es Zeit, der Vernunft und der demokratischen Courage wieder eine Gasse zu bahnen, der Wirklichkeit ins schmallippige Antlitz zu blicken und den Lüneburgern mit Festigkeit und Klarheit zu sagen, wofür man steht, worauf es ankommt, welche Möglichkeiten man hat und was man aus ihnen zu machen gedenkt, — um es dann auch zu tun.

    • Wow! Das klingt ja wie die Einleitung zu einer Wahlkampfrede. Ich habe in dem langen Kommentar nur drei Punkte zählen können. Jetzt würde mich der weitere Teil interessieren.

      • Heidi, da sind Sie ja wieder. Und wie immer kann man bei Ihnen nicht einen einzigen Punkt zählen. Dafür hinterlassen Sie erneut eine bedrückende Duftnote. Ist es möglich, dass Sie das gleiche Rasierwasser wie Frau Ketteler benutzen?

  3. Ob je ein Mitglied des Lüneburger Stadtrates (denke da auch an Elferrat) in diesen Spiegel schauen und sich erkennen wird? Wohl kaum. Das wird schlicht geleugnet oder übersehen.

    Aber die Schilderung ist fantastisch gelungen. Nicht nur das Gebälk im Rathaus ist alt und bedarf einer Renovierung, bzw. Sanierung. Es ist dieser typisch politische Kleingeist einer Kleinstadt in der man teils glaubt große Weltpolitik betreiben zu können. Als gebürtiger Lüneburger kennt man das aber und nimmt es lange schon nicht mehr ernst. Eher mit einem mitleidsvollen Lächeln. Denn ändern kann man eh nichts daran. Egal wo oder vielleicht gar kein Kreuz bei der nächsten Wahl gemacht wird. Alte verknöcherte Strukturen sind schwer auf zu brechen, und Fanatiker und pragmatische Ideologen nahezu nicht zum nachdenken und ggf. einer Korrektur ihres Denkens zu bewegen.

    Aber Respekt und Lob für einen so mutigen Artikel Hans-Herbert! Bin gespannt wie lange Dir Ratsmitglieder noch ein Interview geben werden. Mach weiter so!

    • oscar, auf bla bla kann man gut verzichten. vorsicht ist angesagt, wenn die sitzungen nicht mehr öffentlich sind. wenn ich bei so einer sitzung erscheine, werden diese ratsherren bei der sogenannten bürgerfragestunde regelmäßig nervös. ich erscheine nicht sehr oft, weil die bürgerfragestunde nur als alibi benutzt wird. entschieden ist eh schon alles. hat immer was mit mehrheiten zutun. dem bürger wird demokratie vorgespielt. parteien wollen herrschen.

      • Klaus, warum nehmen Sie sich nicht einmal eine Viertelstunde Zeit und analysieren für uns die supermodern aufgestellte Talentschmiede der Lüneburger CDU? Einen hübschen Aufhänger, um dort gezogene „forsche Jungpolitiker in Augenschein zu nehmen, die verkrustete Strukturen aufbrechen und Feinbilder abbauen“ und mit ganz frischen Ideen deutlich zu zeigen versuchen, „was ein christlich-konservatives Profil für uns in Lüneburg bedeutet“, finden Sie hier: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/193244-der-westen-soll-gruen-bleiben

      • Liebet Kläusegen

        nich imma so eschoffian! Denk an die schdrabbazihrde Pumpe. Warum schiebsde dein Rollator nich morgens inne schöne kühle frühe Wintaluft von Reppensted nachn Clamart-Park hin inne Rote Straße (he, he!) und steichst auf dat olle Sockele fonem janz früsch rannowürten Dragoonareuterschdandbüld drauf? Trittlaiderle mitnehm un Paraplüh! Von da kannsde den janzen lieben Tach lang uff all die anonyme Spießers un fakappte Loppyisten inne Pateis un innen Stattraat drinne runtaschümpfen, wat dat Zeuch hält (un spaast ochh noch oddendlich Strohm vonnen Kommpjuhta). Wie dunnemols inne siepzicher inne Bäckerstraße wär dat, vor Schibo auf dat Blümchenkasdnmeuerle aus Kiesbedonpladdn, beim Arbeiddakampf verteiln, weeßde noch? „Geet doch rüba inne Soffjetunjon iah ungewaschne Haschköbbe!“ So eenlich liefn die Dialoogdingens midde uffgekleerte aggedierte Einkauffußgängas! Dilli Dillmann, Frieder Kern, Peter Asmussen, Irmgard Hilmer, Ernst Bögershausen, Birte Schellmann, Friedrich von Mansberg, Renate Rudolph und Siegfried Berneis würn dat bestümmt och gut fünden. Aktiehwe Rauhmumnudsung auffm Ainnerungsfad un pragdischa Beitrach zu die Födarung vonne Ainnerunkskulltua! Faschdeesde? Un unten machense dann n Schülld dran wo druff steht: „Glücklich, wem im Siegesglanze Dragoners lust´gen Lorbeer um die Stirne wünden“.

        • Köstlich!

          Reppenstedt kreischt vor Lachen über seinen derzeit bedeutendsten Schriftsteller.

          • sie solten mal mit ihrem talent auf einen parteitag der cdu auftreten. dann hätten die auch mal was zu lachen. der billigste witz, ist übrigens immer der auf kosten der anderen.

        • Der Philosoph

          In einer dämmerigen Gaststube der Wetzlarer Altstadt. Ein Einsamer an einem Tisch vor einem Glas Äppelwoi, dem soundsovielten. Der Mann brubbelt nachdenklich vor sich hin: „Also ich mecht doch wisse, was denn die Sonn überhaupt zu schaffe hat. Jetzt in der Nacht, wenn mer se brauche dät, läßt se sich net blicke, un am Dag is es sowieso hell…“

  4. Claudia Schmidt

    Die Zukunft im Lüneburger Rat scheint aus Sicht von Hans-Herbert Jenckel auf jeden Fall nicht weiblich zu sein. Was für eine Brille wurde denn da aufgesetzt? Nur die jüngeren MÄNNER auf dem Schirm (…Friedrich von Mansberg bei der SPD, Björn Adam bei den Grünen, Niels Webersinn bei der CDU oder doch Michel Pauly von der Linken…)

    Den Frauen ist die Form der beschriebenen Auseinandersetzung übrigens schon heute schlicht zu dumm.

    • Marlies Michels-Honrichsen

      Liebe Frau Schmidt,

      das Thema von Herrn Jenckel war der Umgang mit „politischen Begabungen im Stadtrat“, nicht die Frage nach Sinn und Unsinn von Geschlechterquoten für hansestädtische Spitzenämter und nicht der Umgang mit politischen Begabungen außerhalb des Stadtrates.

      Über Meinungen, sofern man eine hat und sich traut, sie zu äußern, kann man streiten, besonders auf dem sehr dünnen Eis der Talentbewertung. (Als die Bundesministerin für Frauen und Jugend im Januar 1991 ihr kleines Restministerium mit wenig Kompetenzen übernahm, hätte niemand auch nur einen Pfifferling darauf gewettet, dass Frau Merkel einmal einen Marschallstab aus dem Gepäck nehmen könnte.) Herr Jenckel ist der Meinung, es gebe nur die Begabungen, die er genannt hat. Was soll er machen? Eine „Quotilda“ (Nicola Leibinger-Kammüller) um des lieben Friedens willen hinzudichten, wo er kein weibliches Talent im Rat sieht?

      Kennen Sie eines oder mehrere, nennen Sie bitte den oder die Namen.

      Nicht nur mich, sondern sicher auch Herrn Jenckel und ganz gewiss den jovial und altersmilde auf die ambitioniert vorandrängende Jugend hinunterschmunzelnden Marschall Mädge – um von Ihrem Bürgermeister Herrn Andreas Meihsies zu schweigen, der vermutlich sofort eine juvenile Freudenpirouette extra zu kreiseln begönne, – würde es, da bin ich mehr als überzeugt, vorbehaltlos freuen, von solchen Hoffnungsträgerinnen zu hören.

      Mit freundlichen Grüßen

      Ihre Marlies Michels-Honrichsen

      • Claudia Schmidt

        Liebe Frau Michels-Honrichsen,

        Ihre Beiträge gefallen mir sehr. Warum kommen Sie nicht in den Stadtrat? Ich würde mich freuen dort mit jemandem zu sitzen, der offensichtlich ein gutes Auge hat. Ich beabsichtige nämlich länger als eine Legislaturperiode im Stadtrat zu bleiben.

        Talente? Ich vermisse auf jeden Fall meine talentierten ehemaligen jungen Ratskolleginnen Katharina Guhl und Sonja Hollstein.

        LG
        Claudia Schmidt

    • „Talent“ ist doch sächlich, ein Neutrum. Aber Sie können jetzt sogleich die Frauen hinzufügen. Danke.

    • Hallihallo, Frauen!

      Ihr hofft, daß die Zukunft weiblicher wird und freut Euch, daß jetzt bald die Frauenquote kommt? Aber warum? Habt Ihr die Heike Göbel in der FAZ nicht gelesen? (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/frauenquote-reservierte-plaetze-13288092.html) »Wer glaubt, daß das Land dadurch ›moderner‹ wird, wie der Bundesjustizminister behauptet, glaubt vermutlich auch, daß der Storch die Kinder bringt. Fakt ist, daß die Frauenquote ein Verstoß gegen die Prinzipien einer Marktwirtschaft ist, in der es nach Leistung gehen sollte, nicht nach Geschlecht – und in der diejenigen über das Personal entscheiden sollten, die das wirtschaftliche Risiko tragen.« Nämlich die Männer! Die ja eben deshalb an der Stelle sitzen, an der über Personal, Politik, Wirtschaftsrisiken – und Antworten auf Leserkommentare – entschieden wird, weil sie viel mehr leisten als Ihr! Und darum auch lieber Männer protegieren, einstellen bzw. befördern, weil die nicht immer bloß Nägel lackieren, Käffchen trinken und den Storch kommen lassen.

      Ist nur logisch. Aber von Logik versteht Ihr als Frauen eben nicht so viel.

      Stößchen!

  5. Andreas meihsies

    Liebe Frau Michels-Honrichsen

    gerne will ich íhnen 2 Hoffnungsträgerinnen mit Talent aus dem Stadtrat nennen:
    Frau Jule Grunau und Frau Susanne Puschmann -beides Mitglieder unserer Grünen Ratsfraktion.

    Herzliche Grüße

    Andreas Meihsies

    • Marlies Michels-Honrichsen

      Lieber Herr Meihsies,

      ich danke Ihnen für die Auskunft, wundere mich aber doch ein wenig, dass der Fraktionsvorsitzende an die Stelle seiner Parteikollegin Schmidt tritt (der ich meine Interpretation des Jenckel´schen Textes, nicht meine eigene Beurteilung der in diesem umrissenen Situation angeboten hatte) und höchstselbst die Namen übermittelt. Wo bleibt die Frauenpower in einer Partei, in der Gleichberechtigung, Mandatsfreiheit und intellektuelle Unabhängigkeit einen sehr hohen Stellenwert genießen? Selbstverständlich kenne ich die von Ihnen genannten Damen und würde insbesondere Frau Jule Grunau ebenfalls als „junges Talent“ bezeichnen, das allerdings deutlich an Farbe und Profil, an nach außen signalisiertem Vertrauen in sein Vermögen, Verantwortung zu übernehmen, also an sichtbarem Rückhalt und damit an Format, Selbstbewusstsein, Gewicht und Entwicklungschancen gewinnen würde, wenn es aus der Assistentenecke der bloß stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden herausträte, in den einen oder anderen Aufsichtsrat gelangte und eine (auch medien- und wählerrelevante) Sprecherrolle (etwa für Bildungs- oder Sozialpolitik) übernähme. Meiner Erfahrung nach ist das stolze Reden über nachwachsende Begabungen in den eigenen Reihen solange nicht von Lippenbekenntnissen zur schmückenden Herausstellung der eigenen Um- und Weitsicht zu unterscheiden, bis sich die öffentlich gelobten Hoffnungsträger(innen) in Positionen wiederfinden, in denen sie nach und nach Gestaltungs- und Entscheidungsbefugnisse erlangen, deren Ergebnisse nicht unbedingt immer mit den Vorstellungen ihrer Mentoren oder Förderer übereinstimmen müssen. Um es brutal zu sagen: Nur wer Macht abgibt, zeigt, dass er bereit ist, die Zukunft seiner Partei von seiner Person zu lösen, sie in jüngere Hände zu legen, sich zurückzunehmen und den notwendigen Wandel mit Zutrauen einzuleiten und – falls gewünscht – mit Rat zu begleiten und uneigennützig zu unterstützen.

      Herzlich

      Ihre Marlies Michels-Honrichsen

      • mein lieber andreas, was machen die beiden hoffnungsträger, wenn sie von einem choleriker angebrüllt werden? haben sie talent, dem standzuhalten? wie machst du das eigentlich?

        • Wussten Sie, Klaus

          Choleriker (komisches Wort, welches nicht aus dem Griechischen kommt; nicht zu verwechseln mit Cholericore) ist ursprünglich eine Bezeichnung für einen Cholera-Kranken.

          Aufgrund mangelnder medizinischer Kenntnisse über diese Krankheit und dementsprechenden begrenzten Behandlungsmöglichkeiten wuchs der Ärger der Betroffenen darüber ab 1820 oft über deren physische Leistungskapazität hinaus und entwickelte eine Eigendynamik, so dass Cholerik schließlich zu einem Synonym für rasende Wut wurde, und das überhaupt unabhängig von einer bestehenden Krankheit.

          Der Name wurde 1869 an einen gewissen Herrn Konrad Duden verkauft, welcher gerade ein deutschsprachiges Wörterbuch namens „Konrad“ veröffentlichen wollte. Leider war Konrad Duden, nach einem schweren Seifenkistenunfall, bereits seit einiger Zeit gehandicapt, so dass er auf äußeres Zutun anwiesen war, sein Wörterbuch zu füllen.

          Im Herbst 1869 umfasste das Werk erst zwei Wörter und daher kam das neue Wort „Choleriker“ dem Duden Konrad sehr gelegen. Und so schrieb er: „Choleriker (der) – Leicht reizbarer Mensch, welcher bei plötzlichen Stimmungsschwankungen in sofortige Raserei verfallen kann.“

          Diese Interpretation hat die Gesellschaft exakt in die heutige Zeit übernommen und aus der so genannten „Choleriker-Raserei“ eine Sportart gemacht. Bei dieser Raserei erreicht der Choleriker bei Meisterschaften bis zu 60 Kilometer in der Stunde und bekam deshalb während dieses Zustandes das Recht auf Benutzung der Autobahn ohne Verkehrsmittel innerhalb der EU.

          Oft müssen Choleriker während ihrer Choleriken jedoch gar nicht weg, und so äußert sich die Raserei in wilden Wutausbrüchen, die bis zu orgasmusartigen Zuständen führen können, so dass sie schon mal aus einer konvulsivischen Schleuderverrenkung heraus mit Briefbeschwerern oder Keksdosen nach Personal und mit Personal nach Möbeln werfen.

          Was der Choleriker sich selbst abverlangt, fordert er auch von anderen. Wer heult, muss am Wochenende das Parkett im Huldigungssaal bohnern. In der Jugend musste er auf alles verzichten: Seine erste Cola trank er erst mit 18, seine erste Flasche Nagellackentferner mit Magenschmerzen. Härte gegen sich selbst und gegen andere ist sein Credo. Aus neuen Oberhemden nimmt er die Nadeln nicht raus, er trägt Schuhe, die zwei Nummern zu klein sind, und im Rathaus sitzt er statt auf einem Bürostuhl auf einer Erbse.

          • Choleriker
            Im Griechischen heißt das Adjektiv cholerikos „gallig“, abgeleitet von griech. chole „Galle“. Die Bezeichnung Choleriker für eine aufbrausende Person hat mit der von der Antike bis ins Mittelalter verbreiteten Säftelehre zu tun, die dem Menschen bestimmte Temperamente zuschreibt, je nachdem, welcher der vier Körpersäfte in ihm vorherrscht. Den Jähzorn des Cholerikers bewirkt der Lehre zufolge die Dominanz der gelben Galle (chole). Die schwarze Galle ist es, die dem Melancholiker seine Schwermut gibt (aus melas „schwarz“ und chole „Galle“). Der dritte der vier Körpersäfte, das Phlegma „zäher Schleim“, bestimmt den Phlegmatiker, den nichts aus der Ruhe bringt. Der Sanguiniker (von lat. sanguis „Blut“) schließlich ist jemand, den der rascher fließende Saft leichter ansprechbar, aber auch oberflächlicher macht.

      • ihre zeilen, an andreas gerichtet, hätten sie auch gleich an einen ullrich richten können, finden sie nicht?

        • Marlies Michels-Honrichsen

          Nein, Herr Klaus,

          das finde ich nicht.

          Denn erstens hat nicht „ein ullrich“ an mich geschrieben, sondern ein Herr Meihsies, sofern der Ullrich sich nicht das Späßchen erlaubt hat, unter der Maske seines Bürgermeisters zu intervenieren, und zweitens sind die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in Lüneburg gedanklich und konzeptionell derart unbeweglich, dass ich von „Talenten“ im Zusammenhang mit ihnen gar nichts zu sagen wüsste. Auch Herrn Jenckels Kandidat („vielleicht Friedrich von Mansberg“) scheint mir als Sänger, Gesangspädagoge und Dramaturg am Musiktheater weit mehr darzustellen, als er als Politikbegabung (von „jung“ kann ohnehin keine Rede sein) zu versprechen vermag. Werfen Sie nur einen Blick auf das erste kommunalpolitische „Statement“ auf seiner persönlichen „Homepage“ (http://www.friedrichvonmansberg.de/politik.php, „Universitätsstandort Lüneburg stärken“), das von ebensoviel konfirmandenhaftem, kulturmissionarisch eiferndem Enthusiasmus zeugt, dessen Motive sich in „irgendwie oder so“ romantizistischer Mystik verlieren, wie es Wunschdenken, Ignoranz und inhaltliche Leere dokumentiert, die in einer blubbernden Pampe wabernder Marketinglyrismen verzweifelt nach der dünnen Luft eines Aufbruchs schnappen, von dessen Notwendigkeit oder Zielen man nicht mehr erfährt, als etwa in den Werbebroschüren der Deutschen Bahn immer dann zu lesen ist, wenn sie Fahrpreiserhöhungen mit Gefasel über „emotionale Mobilitätserlebnisse und spannende Abenteuer im modernen Reiseambiente“ zu kaschieren versucht.

          Mit freundlichen Grüßen

          Ihre Marlies Michels-Honrichsen

  6. Herr Jenckel,

    wenn Sie Interesse an einem differenziertem Bild von Ratspolitik haben und welche verschiedenen Persönlichkeiten sich hinter den Gesichtern verbergen, lade ich Sie gerne auf einen Kaffee ein. Nach der Lektüre habe ich nämlich die Vermutung es herscht bei Ihnen ein sehr einseitiges Bild was einen guten Kommunalpolitiker ausmacht und welches Alter oder Geschlecht dieser haben sollte und vor allem, dass damit direkt politische Karriere Ambitionen verbunden sind…würde man dann noch im Stadtrat sitzen?

    Ich für meinen Teil, sehe mich schon lange nicht mehr als Kommunalpolitiker, sondern als Brückenbauer in die Gesellschaft, deren Teil ich bin. Als reiner Politiker hätte ich dem Stadtrat bereits vor Monaten den Rücken gekehrt.

    Ich freue mich jedenfalls auf das Gespräch, vielleicht ist ja bald mal Platz in der LZ über ein farbenfrohes Bild was kommunale Politik außerhalb von Ratssitzungen wirklich ist und was für unterschiedliche Verständnisse von Kommunalpolitik es geben kann.

    Beste Grüße Björn A.

    • Dann treffen wir uns, ich habe Ihnen ja auch schon per Mail angeboten, hier zu bloggen. Nur zu.
      LG HHJenckel

    • Lieber Herr Björn Adam

      …, warum nehmen Sie Herrn Jenckels Angebot zum Bloggen nicht an und lassen UNS ALLE teilhaben, wenn Sie Ihr vielseitiges bzw. vielschichtiges Gruppenportrait realer Ratsdamen und -herren gegen die phänotypische Konturskizze des idealen Mandatsträgers halten, wie er (oder sie) Ihnen vorschwebt? Immerhin bezeichnen Sie sich doch als „Brückenbauer in die GESELLSCHAFT“. Man versteht zwar nicht gleich ganz genau, von wo nach wo die von Ihnen projektierte Einrichtung zum Überspannen von natürlichen oder künstlichen Hindernissen verlaufen soll, aber dass sie „die Gesellschaft“ mit einer vertraulichen Herrenzweisamkeit verwechseln und „die Brücke“ mit einem schummerlichtumflossenen Kaffeehaustisch, über den hinweg ein Gemeinderepräsentant der Lüneburger Bündnis 90 Grünen und ein leitender LZ-Redakteur die Köpfe verschwörerisch zusammenstecken wie Ulrich von Huttens Dunkelmänner hinter meterdicken Klostermauern und sich Geheimnisse über „Alter, Geschlecht oder direkte politische Karriereambitionen“ von abwesenden Kollegen zuzischeln, kann ich mir nicht vorstellen.

      Ich jedenfalls – und ich nehme an, das geht vielen anderen Lüneburgern ebenso – habe auch „Interesse an einem differenzierten Bild von Ratspolitik“. Und „welche verschiedenen Persönlichkeiten sich hinter den Gesichtern verbergen“, wüsste außer Herrn Jenckel sicher auch manch anderer gerne. Außerdem wäre es gewiss aufschlussreich und unter Umständen sogar lehrreich zu erfahren, wie Sie an so eine Darstellung herangehen. Das wäre schon alleine darum spannend zu beobachten, weil einige Volksvertreter im Stadtparlament ja noch nicht einmal „Gesichter“ zu haben scheinen. Übrigens, dass bei Herrn Jenckel – Ihrer Ansicht nach – „ein sehr einseitiges Bild“ davon „herrscht“ (!), „was einen guten Kommunalpolitiker ausmacht“, sollte man ihm, finde ich, nicht vorhalten. Denn erstens könnte Ihr Eindruck durchaus unzutreffend sein und zweitens, hätte er andernfalls immerhin überhaupt ein Bild davon, „was einen guten Kommunalpolitiker ausmacht“. Das kann beileibe nicht jeder von sich sagen.

      Lieber Herr Adam, mich und – wie ich glaube – viele andere Leser würde es sehr freuen, wenn Sie die Gelegenheit ergriffen und sogleich Ernst machten mit dem von Ihnen – wenn ich Sie richtig verstehe – gewünschten Ende von Arkanflüstereien zwischen Presse und Politikern in entlegenen Hinterzimmern und AN DIESER STELLE ein Beispiel gäben, indem Sie wenigstens versuchten, HIER – bei Blog.JJ – „Ihr farbenfrohes Bild“ zu entwerfen, das uns zu einem näherungsweise angemessenen Verständnis davon verhilft, „was kommunale Politik außerhalb von Ratssitzungen“ Ihrer Meinung nach „wirklich ist und was für unterschiedliche Verständnisse von Kommunalpolitik es geben kann.“

      Mit Zuversicht, mit gespannter Erwartung Ihrer ganz ohne Zweifel differenzierten und gehaltvollen Ausführungen und mit den herzlichsten Grüßen

      Ihre (von Schlaflosigkeit und seniler Bettflucht geplagte)

      Rita Böttjer

      • Ich jedenfalls – und ich nehme an, das geht vielen anderen Lüneburgern ebenso – habe auch “Interesse an einem differenzierten Bild von Ratspolitik”.
        nicht nur lüneburger. mich würde interessieren, wo der fortschritt im umgang miteinander zusehen ist? es soll doch angeblich immer nur um die sache gehen. und die sache sollte doch sein, dass bürgervertreter mit dafür sorgen, dass es den bürgern besser geht und sonst nichts. kümmerlinge und selbstdarsteller betrachte ich als überflüssig. lobbyisten sollte man das handwerk legen. wie sagt man doch immer so schön?:es geht doch nur um das große ganze. ein beispiel: wer für rentner eintritt ,sollte es auch für die jugend tun. nur aus beidem wird ein schuh daraus.

    • Hallo Herr Adam, seien sie nicht schüchtern, ich hatte auch schon mal das vergnügen bei dem akademischen viertel mitglied zu sein. ihr diskutiert doch so gern. ihr behauptet sogar, die bürgernähe zu suchen. sie dürfen mir sehr gern nahe kommen. aber bitte nur mit argumenten. warum seit ihr zum beispiel eigentlich in das bett von ulli gekrabbelt? geschenke macht er doch nur sehr selten. und dieses immer nur dann, wenn er sich selbst dabei beschenken kann.

    • Marlies Michels-Honrichsen

      Lieber Herr Stadtrat Adam,

      ich schließe mich der Bitte von Frau Dr. Böttjer an.

      Aber zunächst: Ein Salut auf die wahrhaft einzigartige Rita!

      Gewöhnlich schadet zuviel Hellsichtigkeit ja im Gespräch genauso wie im engeren Umgang miteinander. Und nur großherzige Personen, darunter viele Mütter, vermögen Nächstenliebe und Illusionslosigkeit wirklich zu vereinen. Diese Fähigkeit und die vitale Aufmerksamkeit, die Wissbegierde und die Wahrnehmungsschärfe der klugen alten Dame erstaunen mich stets aufs Neue. Soviel Urteilsvermögen, und geistesgegenwärtigen Takt würde ich mir wünschen, sollte ich tatsächlich einmal wie sie auf beinahe ein ganzes Jahrhundert zurückblicken können. Obwohl ihr Laster, Leichtsinn und Leidenschaften anderer keineswegs entgehen, lässt sie sich nie dazu hinreißen, über menschliche Unzulänglichkeiten unfreundlich zu sprechen. Vorgespielte Offenheit aus Überlegung oder aufgrund von mangelhafter Selbsteinschätzung ist nicht selten, aber Frau Dr. Böttjer braucht nichts zu scheinen und braucht nicht zu posieren. Selbst so fehlerlos, wie es unsere eigenwillige Natur erlaubt, sucht sie doch bei den offensichtlichen Makeln anderer immer nach Gründen für Entschuldigung, Verzeihung und Versöhnung. Wo Beschönigung unmöglich ist, findet sie Zuflucht im Schweigen. Regelmäßig vermeidet sie, jemanden zu beschämen, lässt einen anderen nie das Gesicht verlieren oder zeigt, dass sie ihn in einer Sackgasse gefunden oder seine Blamage registriert hat. Nie spricht sie ein unüberlegtes, leichtfertiges oder strenges Wort und macht doch in jeder einzelnen Äußerung mit diskreter Ironie deutlich, dass ihr keine Gedankenlosigkeit entgeht. Kurz, Frau Dr. Böttjer ist ebenso kultiviert wie geistreich. Schade, dass sie mit ihren 94 Jahren nicht mehr als „junges“ Talent gelten kann. Eine Bereicherung wäre jemand wie sie in jeder Organisation, deren Mitglieder bei der politischen Willensbildung „des ganzen Volkes“ mitwirken oder als deren Vertreter – an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen – stellvertretend für die Bürgerinnen und Bürger Gesetze verabschieden und in ihrem Namen die „regierende“ – nicht bloß reagierende und ansonsten verwaltende – Administration wählen und kontrollieren.

      Nun zurück zu Ihnen, Herr Adam. Einer Meinung bin ich mit Frau Dr. Böttjer auch im Hinblick auf Ihre Selbstcharakterisierung. Sie sagen, Sie sähen sich „schon lange nicht mehr als Kommunalpolitiker, sondern als Brückenbauer in die Gesellschaft, deren Teil“ Sie seien. Frau Böttjer schrieb, man verstehe „zwar nicht gleich ganz genau, von wo nach wo die von Ihnen projektierte Einrichtung zum Überspannen von natürlichen oder künstlichen Hindernissen verlaufen“ solle, hob aber hervor, dass sie sich einen solchen „Brückenbauer“ nicht als „Hinterzimmerdunkelmann“ (Ich raffe!) vorstellen könne. Das sehe ich genauso, habe aber weitere Bedenken. Zunächst ist ein gewählter Mandatsträger ein gewählter Mandatsträger mit genau den Aufgaben und Pflichten, die ihm als Organ der Gemeinde und als die politische Vertretung der Gemeindebürger vom Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) als der „Gemeindeverfassung“ der niedersächsischen Städte, Landkreise und Gemeinden sowie der Region Hannover zuerkannt, aber auch auferlegt werden. Wollen Sie das nicht mehr sein, müssen Sie zurücktreten und den Stadtrat verlassen. Wollen Sie aber mehr sein, nämlich zusätzlich noch ein „Brückenbauer in die Gesellschaft“, sollten Sie erklären können, was Sie darunter verstehen. Sie sagen sehr richtig, als Kommunalpolitiker, der sich als „Brückenbauer“ sieht, sind Sie zugleich ein Teil der Gesellschaft. Wie hat man sich eine „Brücke“ vorzustellen, die „ein Teil“ zum „Ganzen“ – also logischer Weise auch zu sich selbst – baut? Setzt sich hier nicht mit gedanklicher Notwendigkeit ein Teil außerhalb des Ganzen (das dann natürlich auch kein Ganzes mehr sein kann – aber das lassen wir wohl besser beiseite)? Mein Punkt ist: In dieser Brückenbauer-Idee ist bereits der komplette faktische Widerspruch enthalten, den Ihr brieflicher Vorschlag an den Redakteur Hans-Herbert Jenckel auf so eklatante – und leider auch ein wenig peinliche – Weise offenbart. „Die Gesellschaft“, lieber Herr Adam, ist nicht eine Ansammlung unvollkommen informierter Schafe, zu denen ein wohlwollender Hirte über eine selbsgebastelte Leiter auf die andere Seite des Grabens klettert. „Die Gesellschaft“ ist der Stoff, aus dem der eine wie die anderen bestehen, aus dem heraus sie leben und in welchem alle einigen besondere Aufgaben übertragen in der Überzeugung, sie würden ihnen zum Wohle des Ganzen gerecht. Vergessen Sie die – anmaßende – Metapher vom Brückenbauen! Reden Sie mit uns wie mit Ihresgleichen! Wir sind nicht die Verfügungsmasse von gutwilligen, aber nachlässig denkenden Sozialingenieuren, die meinen, es bedürfe spezieller komplizierter Verkehrskonstruktionen, um vorsichtig und in homöopathischen Dosen die kommunale Selbstverwaltung mit dem kommunalen Selbst in „kommunikative“ Verbindung zu bringen. Αὐτοῦ γὰρ καὶ Ῥόδος καὶ πήδημα oder HIC RHODUS, HIC SALTA ! („Hier ist Rhodos, hier tanze!“ bedeutet: Zeige es hier, beweise, dass du es kannst — nicht bloß möchtest !) Schreiben Sie bei Blog.JJ, was Ihnen auf dem Herzen liegt! Dann kommen Sie auch nicht auf solche absurden Handlungsweisen wie die, in einem öffentlichen Schreiben zu einem privaten Treffen einzuladen, um im isolierten Dialog über Dinge zu sprechen, die Ihrer eigenen Auskunft nach alle angehen und die Sie angeblich erreichen möchten. Oder geht es Ihnen am Ende doch nur darum, Herrn Jenckel als eine Art kurzfristig von Ihnen angemieteten und mit Off-the-Record Messagings bezahlten Pressesprecher dazu zu bringen, in der LZ Ihr „farbenfrohes Bild“ in seinen Worten zu vermitteln? Wo wäre dann noch der Unterschied zu den mainstream-verträglich getunten Verlautbarungsmitteilungen, den die „Kommunikationsabteilungen“ der Parteiapparate und Amtsbürokratien lancieren, von denen Sie sich fremdbestimmt und gegängelt fühlen?

      In den Worten von Frau Dr. Böttjer: Bitte lassen Sie uns alle teilhaben, Herr Adam, an dem, was Sie zu sagen haben! Denn es sind doch letztlich wohl wir – oder zumindest ein nicht unerheblicher Teil von uns -, in deren Namen Sie sprechen, wenn Sie als von uns gewählter Deputierter sprechen – ganz gleich wie Sie persönlich sich „verstehen“.

      Mit herzlichen Grüßen

      Ihre Marlies Michels-Honrichsen

    • Ein Auszug aus ihrem Beitrag Herr Adam: „… vielleicht ist ja bald mal Platz in der LZ über ein farbenfrohes Bild was kommunale Politik außerhalb von Ratssitzungen wirklich ist…“ .

      Diese farbigen Bilder kennen wir doch von den ersten Spatenstichen neuer Bauvorhaben auf Pump, der symbolischen Überreichung von überdimensionalen Schlüsseln oder dem durchschneiden eines roten Bandes als feierliche Freigabe. Da wird doch jedesmal in die Kamera um die Wette gelächelt. Oder meinten Sie etwas anderes?

  7. Claudia Schmidt war bisher das einzige Ratsmitglied, das mit offenem Visier aufs Thema eingegangen ist und bei der ein Aufflackern von Gesprächsbereitschaft zu erkennen war. Sie hat einen wichtigen Einwand vorgebracht. Ist dann aber wieder abgetaucht. Alles noch´n büschen unbeholfen und flügellahm, aber es könnt was in Richtung Wechselrede draus werden. Bei Björn Adam muss abgewartet werden, ob er nochmal zu Worten findet und den avisierten Brückenschlag hinbekommt oder sich mit seinen iPhone-Apps direkt ins solipsistische Verpuppungsstadium rüberträumt. Und doch wundert mich, dass offenbar nur die Grünen es wagen, unter den vielen lustigen Leuten hier in einem Social Media-Format mitzuplaudern, das Austausch und nicht nur Einbahnstraßen- (Twitter) oder Peergroup-Kommunikation (Facebook) erlaubt. Wo bleiben die jungen Talente der anderen Parteien? Furcht mit Fragen konfrontiert zu werden, die Antworten verlangen, über die man womöglich nachdenken müsste? Oder arbeitet die verbandssoldatische Schere im Kopf bereits so zuverlässig, dass kaustischer Humor, agonale Diskussionslust und argumentierende Beweglichkeit für die juvenile Arrièregarde schon nicht mehr handhabbar sind? Schade eigentlich. Denn hier tummeln sich doch auch Wähler, die noch echte Debattenerwartungen zu haben scheinen.

  8. Die anderen Talente lesen es durchaus. Allerdings beschäftigen mich kommunal die Themen sozial gerechte Bodennutzung (gemischter Wohnraum in neuen Quartieren wie dem Hanseviertel) und das Thema MRSA mehr als eine „Karriereplanung“ in der Kommunalpolitik. Wer was wird und wann ist eine reine Selbstbeschäftigung. Im Übrigen bin ich Fraktionsvorsitzender und in vielen Punkten (leider) einzige Opposition. Das ist das Höchste was ich zu 99% Wahrscheinlichkeit in der Kommunalpolitik je sein kann und es ist eine wie ich finde ganz wichtige Aufgabe, die auch hinter keiner anderen im Rat zurücksteht.

  9. Kein Schmetterling mit Zutrauen in die eigene Artikulationsbegabung weit und breit.

    Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre.

    Unsere „Jung-Lokalpolitiker(innen)“ tragen vielleicht Ideen mit sich herum, sind aber nicht bereit, sie vorzuzeigen. Stattdessen üben sie sich brav im Backen der vier, fünf Parteiprosaziegel, die bei öffentlichen Anlässen immer wieder neu übereinandergestapelt werden können. Darin haben es vor allem „Niels Webersinn bei der CDU“ und „Friedrich von Mansberg bei der SPD“ schon weit gebracht. „Björn Adam bei den Grünen“ ringt noch mit der gedanklichen Anverwandlung von einigen nachhaltig warmluftgepolsterten Versatzstücken, die er aus der Propagandafassade des Leuphana-Speak herausgebrochen hat und „Michèl Pauly von der Linken“ schweigt einfach. Aber immerhin kann er sich einbilden, auf intelligente Weise zu schweigen.

    Wenn sich im Spätsommer 2016 Norbert Meiburg und Gunter Runkel von der AfD über 20 % der Stimmen bei der Kommunalwahl in Lüneburg freuen, wird sich bestimmt manches Talent im Stadtrat (und bei der LZ) fragen, ob „Jugend“ tatsächlich „die einzige Quelle von Hoffnung auf bessere Zeiten“ ist — oder ob man (unangesehen des Geschlechts oder des Alters) nicht besser, solange noch Zeit war, auf Vernunft, Mut und den ehrlichen Austausch von Gründen und Begründungen mit dem Bürger hätte setzen sollen.

    • Nicht so pessimistisch, bis zum Herbst 2016 bleibt noch genug Zeit. Die AfD wird sich weiterhin gegenseitig dezimieren. So lange Männer wie Norbert Meiburg dabei sind, der schon bei der Rentner Partei und den
      freien Wählern für reichlich Ärger gesorgt hat, mache ich mir über die keine Sorgen.

      • Meine Befürchtung ist, dass im Herbst 2016 weder Personen noch Programme eine große Rolle mehr spielen werden, sondern Ressentiments und schamlose Stimmungsmache. Eine Ursache für deren Gefährlichkeit liegt in der Gesprächsverweigerung der etablierten Parteipolitiker, die wähnen, das ungute emotionale Moment zu ihren Gunsten kanalisieren zu können, anstatt – zum Beispiel in diesem Forum – der Vernunft zu Stimme und Argumenten zu verhelfen.

  10. Das ganze Thema wer wann was wird und in irgendeiner Form „Macht“ erlangt, wird im englischen Sprachgebrauch von politischen Inhalten unterschieden. Politische Inhalte werden als „Policy“ beschrieben, das oben genannte politische Spiel sind „Politics“. Vielleicht sollten wir auch mit so einer Form der Differenzierung beginnen, dann könnten wir zusammenfassend sagen, dass im Rat viel „Politics“ passiert, aber fast nie „Policy“.

    • Michel, willkommen im club. ich hoffe, es ist keine eintagsfliege.

    • Zitat aus Herrn Paulys Beitrag: „Vielleicht sollten wir auch mit so einer Form der Differenzierung beginnen, dann könnten wir zusammenfassend sagen, dass im Rat viel “Politics” passiert, aber fast nie “Policy”.“

      Ich denke das dies auch die Wahrnehmung vieler Bürger ist. Und zwar nicht nur in Lüneburg. Es ist ein Phänomen das überall zu beobachten und zu verfolgen ist, wo es angeblich um „Policy“ gehen sollte.

      • Vielleicht sollten wir auch mit so einer Form der Differenzierung beginnen.
        ich bitte darum. nur durch polasierung findet politik statt und es werden sogar erkenntnisse dadurch gewonnen. man muss sich natürlich darum bemühen.

  11. Lieber Herr Pauly

    …, toll, dass Sie dabei sind! Und fabelhaft, dass Sie keine Schwierigkeiten damit haben, das große Lob, das aus den auf Sie gemünzten Formulierungen von Hans-Herbert Jenckel herausklingt, ohne falsche Bescheidenheit und quasi en passant zu akzeptieren. Darf ich sagen, dass ich – obgleich nicht aus Ihrem Lager – mich der überaus positiven Einschätzung Ihrer Person und Ihrer Rolle durch unseren Blog.JJ-Wart ohne Vorbehalt anschließe? Sogar Ihr „leider“ sehe ich bereits darin enthalten. Denn der Satz, Ihre „tiefrote Überzeugung“ könne vielleicht Ihr „einziger Karriere-Blocker werden“, drückt ein Bedauern aus, das ich mit dem LZ-Redakteur und mit vielen anderen teile, weil Sie die richtige Art von Politik auf die richtige Weise und zumeist auch aus den richtigen Gründen betreiben (Ich rede über Stil, nicht über Inhalte!), doch fatalerweise als Angehöriger einer Kirche, die im Wettbewerb der Konfessionen nur noch wenig Kredit genießt. Allein, da stehen Sie und können nicht anders. Das nötigt Respekt ab. Und diesen Respekt („Er hat eine Überzeugung. Das hat bei windschnittigen Politikern, wie heute erwünscht, Seltenheitswert.“) zollt Ihnen Jenckel ebenfalls. Was er dagegen nicht macht und was Sie vielleicht in den falschen Hals bekommen haben (Als Leser von Theaterkritiken ist eben kein Ensemblemitglied frei von – unfreiwillig informativen – Fixierungen.), ist über „eine ‚Karriereplanung‘ in der Kommunalpolitik“ zu reden. Zwar kommt das Wort „Karriere“ einmal vor und wahrhaftig im Zusammenhang mit Ihnen, aber doch wohl im schwachen, vergleichenden Sinne von „Aussichten“ oder „Perspektiven“ der ins Auge gefassten Riege stadträtlicher Begabungen. Verstehe ich den Artikel oben einigermaßen, geht es dort um Bürgerfremdheit, Selbstgefälligkeit und eingeschliffene Routinen beim Abspulen grobianischer Tischzuchten im hansestädtischen Gemeinderat, dessen öffentliche Sitzungen den unvorbereiteten Besucher denn auch eher an bösartig lauernde Stellungskriege ohne Aussicht auf Geländegewinne in den Wohnstuben von entsetzlich zerütteten Zwangsehehöllen denken lassen als an das konstruktiv wägende und sachlich am Gemeinwohl orientierte Abarbeiten dringlicher Aufgaben und Fragen. „Wer was wird und wann“ bzw. „wer wann was wird und in irgendeiner Form ‚Macht‘ erlangt“, war also gar nicht die Kernfrage Jenckels. Im Grunde ging es nicht einmal um eine Frage, sondern um einen Appell: „die verkrustete Strukturen aufbrechen und Feinbilder abbauen“! Kurz: zur Vernunft kommen! Und sich wieder als „Diener“ begreifen, als Diener auf Zeit, als Diener der Kommune, die ihm – dem Diener – in jedem Sitzungsbesucher als Herr (oder Herrin) und Souverän entgegentritt. Und aus der Bitterkeit über die unbelehrbar hartleibigen Verteidiger ihrer vermeintlichen Beutereviere kam der Ruf: „Hoffnung auf bessere Zeiten versprechen nur junge Talente, die den Ballast über Bord werfen.“ Folglich lautet der „Wunsch fürs Neue Jahr“ gerade nicht, wie Sie anzunehmen scheinen, dass mit Marschallstäben aufeinander eingedroschen wird, um voran oder nach oben zu gelangen, sondern das Umstände und Umgangsweisen einkehren, die dem Benehmen von Marschällen, d.h. Dienstpersonen, entsprechen (mittelhochdeutsch marschalc, althochdeutsch marahscalc = Pferdeknecht oder Diener [!]). Irgendwie beruhigend finde ich übrigens, wie Sie mit Ihrem Urteil über „99% Wahrscheinlichkeiten in der Kommunalpolitik“ demonstrieren, dass Ihnen der Sinn für Höhenunterschiede nicht zu Gänze fehlt. Und leider ja, Herr Pauly: in vielen Situationen, um nicht in nahezu allen zu sagen, sind Sie und Ihr Kollege Petroll die einzige echte Opposition im Lüneburger Rat und damit auch das einzige Korrektiv und die einzige Gewähr, das nicht jede Kungelei als „alternativlose“ Notwendigkeit durchgschunkelt wird, während es Ihren CDU-Freunden meist um lärmende mediale Aufmerksamkeitsgewinne und in Tauschgeschäften erzwingbare Klientelbefriedigung zu gehen scheint. Genau wie Sie sehe ich in einer kritischen, sachkundigen und unbeirrbarr hartnäckig auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit dringenden Kontrollinstanz eine „ganz wichtige Aufgabe“ einer politischen Opposition, die diesen Namen verdient, und eine Aufgabe „die auch hinter keiner anderen im Rat zurücksteht.“ Wie Sie dieser Aufgabe nachkommen, finde ich vorbildlich.

    Abschließend ganz kurz zu Ihrer weitgehend zutreffenden sprachlichen Differenzierung des Politikbegriffs: Die erste Dimension haben Sie weggelassen, weil als selbstverständlich vorausgesetzt. „Polity“ bezeichnet die Form, also das institutionelle (z. B. verfassungsrechtlich geschaffene) Normengefüge und die sich hieraus ergebenden Ordnungen, politischen Verfahren etc. (z. B. grundgesetzliche Regelungen zum Schutz von Minderheiten). „Policy“ bezeichnet den Inhalt, also den materiellen Teil von Politik, wie er im Deutschen üblicherweise durch verschiedene Politikbereiche und deren besondere Ziele und Werte angegeben wird (z. B. Wirtschafts-, Umwelt-, Verkehrspolitik). „Politics“ bezeichnet den Prozess, also den aktiven, durch Verhandlung und Tausch, durch Konflikt, Kompromiss und Konsens gekennzeichneten Vorgang der politischen Realisierung (z. B. die Politik der Parteien, der Interessenverbände, ec). Alle drei Dimensionen polity (Form), policy (Inhalt) und politics (Prozess) gehören meines Erachtens eng zusammen: innerhalb des rechtlichen Rahmens (polity) wird über Inhalte gestritten (policy) und ein Interessenausgleich (politics) gesucht. Wer gestalten will, muss auch durchsetzen können. Gespielt muss also werden, das ist Politik. Ich finde, einen Unterschied macht, wie man spielt. Ist es eine polternde Schlamperei von lächerlich ineinander verkeilten Egozentrikern? Oder ist es eine gewissenhaft durchgeführte Vorstellung von Akteuren, denen an Selbstachtung ebenso liegt wie an der Achtung ihres Publikums?

  12. nur mal so am rande, warum gibt es hier die anonymität? sie ist nur teilweise vorhanden. kotzbrocken können hier kotzen und wenn sie es besonders elegant tun, erscheint es hier. das leben ist doch nun wirklich zu kurz, um sich mit kotzbrocken zu beschäftigen. wenn sich jemand diesen schuh anzieht, er darf es gern tun. ich streite mich gern um die sache, andere werden gern persönlich. und dieses alles unter dem schirm der anonymität? was soll das bringen? ich habe in zig jahren hier erfahren, argumente werden dann mangelware , wenn es persönlich wird. ich werde den kotzbrocken niemals den weg freigeben, egal wie persönlich sie werden.

    • Ihr Niveau wird immer unterirdischer. Ich finde Ihren Wortgebrauch völlig unakzeptabel ! Man sollte Ihnen eine Auszeit gönnen.

    • Oh, lieber, lieber Herr Klaus!

      Schimpfen Sie mit mir? Ich habe am Ende meines viel zu langen Briefes an Herrn Pauly tatsächlich vergessen, meinen Namen hinzusetzen. Dafür bitte ich Herrn Pauly und Sie um Verzeihung. Wenn Ihnen an meinen Worten irgendetwas nicht gefallen hat, Herr Klaus, sagen Sie bitte ganz deutlich, was es war. Aber mäßigen Sie sich im Ausdruck, mein guter, fleißiger, aufrichtiger, strenger Freund. Es war spät, mein Schreibautomat ist für mich noch immer nicht ganz einfach zu bedienen und ich konnte meine Lesebrille nicht finden. So kam es zu der kleinen Nachlässigkeit und zu den unentschuldbar vielen Tippfehlern. Die Anonymität angehend: Sie sagen ja selbst, Sie seien hier auf den Kommentarseiten der Landeszeitung während ungezählter Jahre unermüdlichen Schaffens, Ergänzens und Richtigstellens zum durch Erfahrung und durch eiserne Disziplin geschulten Meisterschreiber und zu einer echten Autorität des geistigen Lüneburgs gereift. Dann wird Ihnen doch nicht entgangen sein, dass das zuspitzende Spiel der humorvoll crayonierenden Masken einerseits und der rollenbewusst Ziseliertes niederlegenden Persönlichkeiten andererseits ganz wesentlich zum Reiz dieser Form des Durcheinandermeinens beiträgt, dessen Niveau mindestens bei Bog.JJ ein, wie ich denke, erstaunliches argumentatives Niveau erreicht hat und grosso modo auch hält.

      Ich, sehr verehrter Herr Klaus, bin jetzt ein wenig persönlich geworden. Werden Sie mir verzeihen und mir den Weg zu weiteren Beiträgen freigeben? Oder muss ich mich nun für alle Zeit als ausgeschlossen und exkommuniziert ansehen?

      In der Hoffnung auf ein gnädiges Einlenken

      in Demut und mit herzlichen Grüßen

      Ihre

      Rita Böttjer

      • liebe rita, sie waren garnicht gemeint, seltsam, warum hatten sie das gefühl? ich selbst habe nichts gegen nett verpackten spott. wir sind ja hier im blog, da darf man alles, was der blogwart zulässt. und wenn es auch in platt sein sollte. platte wiederholungen aber , finde ich persönlich langweilig. sie werden dadurch nur immer platter.

    • Kotzen, Kotzbrocken…. Ich finde es toll, dass Sie hier Sachlichkeit vorleben und davon absehen, persönlich oder gar beleidigend zu werden. Großes Kino, wirklich !

    • Hallo, warum darf „Klaus“ sich hier auf diese beleidigende Art „auskotzen“ ? Und warum werden meine kritischen Einwände dazu nicht berücksichtigt ?

  13. wollen sie hier vielleicht undemokratische lobbyistenzensur üben? nur weil man nicht ständig positives über Oscars anbiedernde Hans-Herbert-himmeleien schreibt, ist man noch lange kein kotzbrocken! es gibt auch themen, die näher an einem dran sind, die unter die haut gehen und menschen beschäftigen. ich zum beispiel nehme blog-foren nicht ernst, weil sie anonym sind. ich schreibe aber trotzdem recht viel in ihnen, weil ich als linkshänder so aufgestaute kreative energie abbauen kann. ich tue dann vor mir selber so, als ob ich das von mir geschriebene ernst nähme und tue auch anderen (anonymen) gegenüber so. für nicht in meine geheime ironiestrategie eingeweihte ist der unterschied zum tatsächlichen ernstnehmen oft gar nicht zu erkennen. daran sehen sie, wie raffiniert ich vorgehe. ich bin ein so dermaßen ausgefuchster trickser im doppel-, was sag ich, im multipelbödigen absichtenverschleiern, dass ich oft selber nicht mehr weiß, ob ich nun gerade rasend unernst oder bis in die letzte faser meines aufgeregten engagement- und mitteilungsherzens hinein verzweifelt wutphiliströs ernst bin. aber: ich bin nicht unverschämt, weil ich sage, was ich denke. ich bin nicht arrogant, weil ich manche leute nicht mag. ich bin nicht verbissen, weil ich stur bin. ich bin nicht ignorant, weil mir manches egal ist. ich bin nicht intolerant, weil ich abneigungen habe. ich bin nicht depressiv, weil ich viel nachdenke. ich bin nicht naiv, weil ich mich um menschen sorge. ich bin nicht kindisch, weil ich manchmal albern bin. ich bin nicht schlecht erzogen, weil ich manchmal laut bin. ich bin nicht anders, weil ich manches alleine mache. ich bin nicht verschlossen, weil ich nicht jedem alles erzähle. ich bin nicht unwirklich, weil ich meine eigenen ansichten habe. ich bin nicht schlecht, weil ich macken habe oder feeler mache. ich bin nicht fanatisch, weil ich recht habe. mein gott ist die erregung. nicht, WAS man sagt, ist wichtig, sondern WIE man es sagt. laut, intensiv und vor allem häufig und praktisch überall und jederzeit, darauf kommt es an. allen kämpfern gegen antidemokratischen lobbyismus und antisoziale anonyme falschmünzerei rufe ich in den worten unseres bundespräsidenten zu: „Schließet die Reih´n, treu lasst uns sein, trifft uns auch Spott, treu unserm Gott!“ so kann auch ein gefühl der selbstsicherheit und überlegenheit entstehen.

  14. Ein Hoch auf Blog.JJ !

    Hallo Klaus,

    Sie fragen, „warum gibt es hier die anonymität?“ Genausogut könnten Sie fragen, warum beispielsweise das Wahlgeheimnis verpflichtend, die anonyme Information, Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit verfassungsrechtlich garantiert werden oder warum eine Identifizierung von Internetanschlussinhabern über die „Zuordnung von dynamischen IP-Adressen“ laut Bundesverfassungsgericht einen schwerwiegenden Eingriff in Art. 10 Abs. 1 GG darstellt, so dass eine Zuordnungsabfrage nur bei „begrenzenden Straftaten oder Rechtsgüterkatalogen“, „für die Verfolgung von Straftaten, für die Gefahrenabwehr und die Aufgabenwahrnehmung der Nachrichtendienste auf der Grundlage der allgemeinen fachrechtlichen Eingriffsermächtigungen“ zulässig ist und nur aufgrund eines „Anfangsverdachts oder einer konkreten Gefahr auf einzelfallbezogener Tatsachenbasis“ erfolgen kann, welche besonders gewichtig sein und explizit vom Gesetzgeber im Gesetz aufgezählt werden müssen.

    Kurz: Anonymität, also das Fehlen der Zuordnung der handelnden Person zu einer Handlung bis hin zur absichtlichen Geheimhaltung, dient (sofern sie nicht zu illegalen Zwecken missbraucht wird) dem Schutz der Freiheit des Einzelnen.

    Das ist die – ideale – gesetzliche Seite. Nun zur moralisch-praktischen, um die es Ihnen wohl geht.

    Das globale Datennetz, in dem wir beide, Sie Klaus und ich, uns hier bewegen, hat Informationsmöglichkeiten geschaffen wie kein anderes Medium zuvor. Erstmals in der Menschheitsgeschichte ist das Weltwissen per Tastendruck abrufbar – eine unglaubliche Kulturleistung. Die Möglichkeit für jeden, zum Wissenschaftler, ja, gar zum Weisen zu werden, ist größer denn je.

    Doch in der Praxis zeigt sich, dass die Erreichbarkeit von Wissen nicht unbedingt in Wissen mündet. Das Internet hat sich in den vergangenen Jahren auch zu einer gewaltigen Empörungsmaschine entwickelt, einer Gerüchteschleuder, zu einem Propagandavehikel für jede noch so obskure Theorie. Die eingebildete Wahrheit verdrängt die Fakten, eine scheinbare Welt die Realität. Und deshalb fragen sich so viele Menschen verunsichert: Wo eigentlich geht’s hier zur Wahrheit?

    Das Netz droht von einem Medium der Information zu einem Vehikel der Desinformation zu werden. Wer sucht, der findet für jede noch so abwegige Ansicht eine Theorie. Es gibt Zehntausende, die glauben, dass die Mondlandung inszeniert worden sei. Es gibt Zehntausende, die glauben, dass die klaffenden Einschlaglöcher im World Trade Center zu schmal für die Flugzeuge gewesen seien, die sie aufgerissen haben. Und es gibt Zehntausende, die glauben, dass die Täter von Paris nicht radikale Islamisten gewesen seien, sondern westliche Islam-Hasser.

    Doch Glaube, Liebe, Hoffnung sind die Feinde der nüchternen Fakten. Ausgerechnet in einer Zeit, in der es das Publikum besser wissen müsste, gewinnen allerorten Bewegungen der Unvernunft an Einfluss, die ohne ihre eigenen, selbstbestätigenden Informationskanäle im Netz kaum denkbar wären. Parallel zur Informationsrevolution ist die politische Landschaft in der westlichen Welt zerfurcht worden. Pegida ist eine riesige politische Facebook-Party, angetrieben nicht etwa durch besseres Wissen, sondern durch den in sektenähnlichen Netzzirkeln geschürten Glauben, eine Gemeinschaft der Wahrhaftigen zu sein.

    Warum ist das so? Im Internet wurden in den vergangenen Jahren die alten Wegweiser zu verlässlichen Informationen abgebaut und durch neue ersetzt. Doch deren Sprache ist für die meisten noch kaum zu entziffern. Wir alle müssen sie erst lernen. Über Jahrhunderte war es üblich, dass Informationen einen Absender hatten. Um etwas zu erfahren, musste sich jeder zu einer Informationsinstitution begeben. Das kann die griechische Agora gewesen sein, der Marktplatz, später die Zeitung, ein Radiosender, das Fernsehen, die Website oder ein Blogger.

    Seit Facebook für Millionen das Betriebssystem des Internets geworden ist, haben sich die Verhältnisse grundsätzlich gewandelt. Ein Drittel der Amerikaner informiert sich primär über soziale Medien, auch in Deutschland wird es bald ähnliche Zahlen geben. Statt Informationen gezielt abzurufen, warten Millionen darauf, dass sie bei ihnen vorbeisegeln, in ihrer Timeline auftauchen oder in ihrer Inbox. Infofetzen fliegen heute vor den Netznutzern entlang wie Herbstlaub im Sturm. Woher sie eigentlich kommen, von welchem Baum sie stammen, ob sie authentisch oder manipuliert sind, ob sie sauber recherchiert oder mehr oder weniger geschickte Propaganda sind, lässt sich immer weniger feststellen. Und es scheint auch eine immer geringere Rolle zu spielen.

    Wichtiger als der Absender einer Information ist für viele der Übermittler geworden – der Freund, ein bei Facebook bekanntermaßen eher flüchtiger Geselle. Er ist in kürzester Zeit zum wichtigsten Kuraten geworden. Was der Freund weiterreicht, bekommt Gewicht: Es wird ja wohl stimmen. Kettenmails mit geschickt verdrehten Tatsachen prägen das vermeintliche Faktenwissen von Millionen – und werden umgehend weitergeleitet. Etliche Websites haben sich zwar der akribischen Aufklärung dieser „Urban Legends“ verschrieben. Doch großen Zulauf finden diese Orte der Wahrheit nicht.

    Die Algorithmen der Suchmaschinen verstärken den Effekt. Google passt seine Ergebnisse den Interessen des Suchenden an. Wer nach der Weltverschwörung sucht, der landet schnell in einem Schwarm der Weltverschwörer, der sich auf der richtigen Seite angeblicher Gewissheiten wähnt, während der Rest der Welt vermeintlich in Unwissen dahindämmert. Was eine alte Weisheit bestätigt: Das Medium an sich hat keine Qualität. Es kommt darauf an, wie es genutzt wird. Das Internet schützt nicht Freiheit, gebiert nicht Wahrheit. Freiheit muss im Netz genauso verteidigt werden wie in der realen Welt.

    Als einen Versuch, Freiheit zu verteidigen, Wahrheitsfindung zu ermöglichen und Orientierung zu geben, sehe ich – was Sie vielleicht lachhaft finden – dieses Forum hier. Hans-Herbert Jenckel bietet mit seiner Blog.JJ-Plattform genau das, was heute notwendig ist: eine Adresse, bei der man als Lüneburger weiß, woran man ist, pointierte, manchmal bis zur Provokation pointierte Meinungen zu wichtigen aktuellen lokalen Themen, mit deren Hintergründen jeder Leser der LZ-Printausgabe einigermaßen vertraut ist, und einen Bereich, der große Beachtung in fast allen Schichten der Leserschaft findet und in dem jeder sich äußern und zum Gesagten Stellung nehmen kann.

    Man mag einwenden, manches, was Jenckel vorbringt, sei einseitig, unvollständig oder nicht ganz ohne persönliche Voreingenommenheiten ausgewählt. Der eine oder andere hält vielleicht anderes für wichtiger oder stört sich am Ton, an der Richtung oder an der Gewichtung der Gedankengänge. Es soll sogar LZ-Liebhaber geben, die sich einen Spaß daraus machen, Tendenz und Abhängigkeiten der Berichterstattungspolitik ihres Heimatblattes zu analysieren und eine kritische Lektürehaltung zu kultivieren. Alles richtig, alles legitim und alles unbedingt erforderlich. Aber genausowenig wie es rein objektive, von allen subjektiven Einflüssen freie Darstellungen geben kann, so wenig kann es von Fehlern oder Interessen vollkommen freie Zeitungen geben. Zeitungen, wenn sie, wie die Landeszeitung, ihrer Aufgabe gerecht werden, sind Informationsmedien, die das Sichzurechtfinden im Nachrichtenchaos gewährleisten. Und wenn sie Ihren Lesern darüberhinaus die Chance bieten, Ergänzendes, Korrigierendes, Kritisches oder Kontroverses auf Kommentarseiten im Netz zur Diskussion zu stellen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass beide Seiten voneinander Lernen.

    Blog.JJ, indem dort einmal pro Woche ein über die Tagesaktualität hinausreichender Aufreger aufs Korn genommen und zur Debatte freigegeben werden, hat das Zeug sich zur politisch-pädagogischen Anstalt zu entwickeln, in der nicht Lehrauffassungen vorgetragen, sondern Gesprächsangebote gemacht werden. Freilich, Klaus, auch „kotzbrocken können hier kotzen“. Doch ist es nicht erstaunlich, wie wenige „kotzbrocken“ unter Jenckels Kommentatoren zu finden sind? Aber nicht nur, „wenn sie es [das „kotzen“] besonders elegant tun, erscheint es hier“. Manche Ihrer eigenen Einlassungen bezeugen gerade das Gegenteil. Es wäre, glaube ich, an Ihnen, einmal zu überlegen, ob vielleicht nicht gerade die, die unerbittlich austeilen, besonders empfindlich sind, wenn es ums Einstecken geht.

    Am Donnerstag letzter Woche, dem Tag nach den Morden von Paris, hat Tim Wolff, der Chefredakteur des Satiremagazins TITANIC, in einem bewegenden Editorial den Witz verteidigt und gesagt, selbst der dümmste „nimmt schlicht für einen Moment dem Ernst die Macht. Und das dürfte der Grund sein, weswegen Fanatiker, speziell religiöse, Komik verachten. Sie vertreten eine todernste, einzige ewige Wahrheit, und der Witz – egal wie klug oder lustig er im Einzelfalle sein mag – bedroht diese Wahrheit. Religion (und so manch andere Weltanschauung) ist Wahnsinn im Kleide der Rationalität, Satire und Komik Rationalität im Kleide des Wahnsinns. Das eine muß das andere mißverstehen. Deshalb werden Vertreter des heiligen Ernstes der Komik stets mit Zorn begegnen. Und es ist ihr gutes Recht. Solange sie dies mit denselben Waffen wie Satiriker tun: mit Wort und Bild. Und nicht mit Maschinenpistolen. Seit gestern [seit Mittwoch, den 7. Januar 2015 an dem bei einem Terroranschlag auf das Redaktionsbüro von Charlie Hebdo zwölf Menschen ermordet wurden] gilt mehr denn je: Es lebe der Witz. Der kluge. Der platte. Jeder, der genügend Menschen findet, die über ihn lachen. Und für alle, die ihn nicht mögen, sollte mehr denn je gelten: Ertragt ihn oder ignoriert ihn. Ihr werdet der Komik nicht Herr!“

    Religion, steht hier, „ist Wahnsinn im Kleide der Rationalität“. Das gleiche, steht hier, gilt für „manch andere Weltanschauung“. Die Worte „Fanatismus“, „Religion“ und „Weltanschauung“ sind für Tim Wolff demnach Platzhalter, die für jede Art von geschlossenem Weltbild stehen. Das kleinste ihrer Art, Klaus, ist die Selbstgerechtigkeit. Auch sie ist „Wahnsinn im Kleide der Rationalität“. Auch der Selbstgerechte ist „ein Vertreter des heiligen Ernstes“, der Komik, wenn sie sich gegen ihn richtet, „stets mit Zorn begegnet.“

    Großartig scheint mir, dass Blog.JJ allen, den Komikern und den Selbstgerechten, den Schwaflern und den Nachdenklichen, den Kostümierten und denen in Alltagskleidern, in Amtstracht oder im Businessdress, eine Gelegenheit zum Räsonieren offeriert. Großartiger noch, dass es unter den öffentlichen Personen in Lüneburg immer mehr gibt, die erkennen, dass sich das Mitmachen lohnt, und die den Mumm haben, ihre Anliegen und Positionen im freien Spiel der frechen Argumente darzulegen, zu erläutern und zu verteidigen.

    „ich streite mich gern um die sache“ sagt Klaus. Ich auch.

    Und „dieses alles unter dem schirm der anonymität“ rufe ich:

    Ein Hoch auf Blog.JJ !

    • ich habe nichts gegen die anonymität, wurde ich falsch verstanden? nur so trauen sich auch mal ein paar ängstliche , sich in der öffentlichkeit zu äußern. mir geht es in der tat nur um die sache. meine ausdrucksweise war bewußt so gewählt, jeder , der sich getroffen fühlt, sollte mal darüber nachdenken, warum er so fühlt.
      Zitat:
      Ich finde, einen Unterschied macht, wie man spielt. Ist es eine polternde Schlamperei von lächerlich ineinander verkeilten Egozentrikern? Oder ist es eine gewissenhaft durchgeführte Vorstellung von Akteuren, denen an Selbstachtung ebenso liegt wie an der Achtung ihres Publikums?
      genau so sehe ich es auch. warum haben die anderen anwesenden hier kein protest eingelegt? besonders die, die sich jetzt über mich aufregen? ist deren verhalten hier nicht genau das gegenteil von dem , was sie geschrieben haben?

    • Es wäre, glaube ich, an Ihnen, einmal zu überlegen, ob vielleicht nicht gerade die, die unerbittlich austeilen, besonders empfindlich sind, wenn es ums Einstecken geht.
      nett gemeinter rat, sie dürfen mir aber glauben, ich bin nicht empfindlich. können sie sich noch an Ausleser erinnern, der einen beitrag über ratsherren ,leberbriefschreiber usw. geschrieben hat? Zitat:Er sucht ihn zu verführen, zu amüsieren, zu provozieren, zu beleben. was meinen sie, was ich hier gerade gemacht habe?

    • christliche Freiheit, die ich meine

      Wenn du töricht handelst,
      indem du dich überhebst,
      oder wenn du Böses ersinnst:
      die Hand auf den Mund!

      Denn das Pressen der Milch ergibt Butter,
      und das Pressen der Nase ergibt Blut,
      und das Pressen des Zornes ergibt Hader.
      Worte Argurs, Spr. 30,32.33

      Und das Pressen unbeschränkter Meinungen ergibt …
      Meinungsbildung? Terrorismus? Anarchie der Strasse?
      Peinlich egozentrisch gottlos impertinent dümmliche Angstmache
      von und nach allen Seiten?

      Darauf laufen die jetzt sichtbaren Schatten hinaus:
      … Gott wird ihnen eine wirksame Kraft des Irrwahns senden,
      so dass sie der Lüge glauben … 2. Thess. 3,11
      … ihm wurde gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen … Offb. 6,4

      Christ, vertraue auf den HERRN:
      … habe nicht teil an fremden Sünden … 1. Tim.5,22
      … wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen … Jes. 28,16
      … er wird nicht schreien und nicht rufen,
      noch seine Stimme hören lassen auf der Straße … Jes. 42,2
      … jetzt ist unsere Errettung näher, als da wir geglaubt haben … Röm.13,11

      Herbert Brotzki
      Bibellehrer zu Dahlenburg

  15. Vielen Dank für die netten Komplimente an den anonymen Vor-Vorredner oder die anonyme Vor-Vorrednerin. Sie sind zum Teil berechtigt. Tatsache ist, dass Teile des Lobes sich auch nur auf den Prozess und die Darstellung von Politik und nicht auf die eigentlichen Inhalte beziehen und ein stückweit ärgert mich das, bzw. macht mir Sorge. Wenn jemand mit keinen oder mit fatal falschen politischen Vorstellungen aufgrund einer guten „Performance“ wie man neudeutsch sagen würde, Erfolg hat (Erfolg meint hier Popularitätsgewinn und Zustimmungsgewinn mit der Folge einer Mehrheit näher zu kommen) dann steht die Richtigkeit politischer Inhalte hinter der Art und Weise der Darstellung zurück. Im Rat gibt es ein, als „politisch“ relativ erfolgreich geltendes, weil bei Wahlen und in der öffentlichen Wahrnehmung zumindest präsentes Ratsmitglied, das es geschafft hat eine 20minütige Haushaltsrede beinahe vollständig mit Floskeln zu füllen, mit Angriffen auf den politischen Gegner und einer Belobigung der „eigenen“ Politik ohne auch nur in Grundzügen zu erklären worin diese besteht oder bestehen soll. In der politischen Währung „Wahlerfolge“ wird er weiterhin als erfolgreich gelten. Meinem Empfinden nach betreibt er aber keine Politik sondern Darstellung und die Suche nach einem Erfolg. Erfolg kann man aber auch beim Fußball haben. Das macht die eigene Mannschaft aber nicht zur „richtigen“ Mannschaft, sondern im Zweifel nur zur gewinnenden Mannschaft.

    Ich hatte einmal die Ehre mit einem ehemaligen Kanzlerkandidaten 2 Stunden Auto zu fahren im Vorfeld einer Wahlveranstaltung. Er galt als Kanzlerkandidat seinerzeit als wenig erfolgreich, da er aufgrund unpopulärer Ankündigungen und schon damals bitterer Wahrheiten ein sehr mäßiges Wahlergebnis einfuhr. In den Folgejahren und zwei Jahrzehnten nannten fast alle namhaften Ökonomen ex-post seine Analysen als richtig, die Warnung etwa vor Massenarbeitslosigkeit bei einer bestimmten Politik hatte sich Bewahrheitet. Später hat er eine weitere Kanzlerkandidatur, die er sich als Parteivorsitzender hätte holen können, einem jungen niedersächsischen Ministerpräsidenten überlassen, da dieser in der Prozesshaftigkeit erfolgreich war. Er hatte eine sehr gute Presse, wirkte jung, charmant, erfolgreich, sportlich und hatte aufgrund einer gewonnenen Landtagswahl das sogenannte „Momentum“ (auf deutsch würde wohl „einen Lauf haben“ die beste Übersetzung sein). Dieser wurde Kanzlerkandidat und dann Kanzler. Ihm die Kanzlerkandidatur zu überlassen und damit den Prozesshaften Erfolg (hohe Stimmenzahl, sehr starke Fraktion, Kanzlerpartei) über den inhaltlichen Erfolg einer sozialeren Politik zu stellen, nannte er den größten Fehler seiner politischen Karriere. Später hat er, nachdem er mit seinen inhaltlichen Vorstellungen nicht durchgedrungen ist, aufgehört für diejenige Sache mit seinem Namen und seinem Wirken mit einzustehen, die er für falsch hielt (Deregulierung der Finanzmärkte etwa). Er galt fortan in politischer Währung (Politics) als „Verlierer“, da er eine schlechte Presse hatte, später eine Partei mitbegründete die trotz Wahlerfolgen weit von der Kanzlerpartei entfernt sein würde und weil er ein „mächtiges“ Amt aufgab. Und er sagte mir, er sei ja in keinem Verein. Zu einem steht man und hofft auf dessen Erfolg um des Erfolges willen. Er sei aber in einer Partei, also eine Organisation die Partei ergreife und dafür streite, ganz gleich ob erfolgreich oder nicht. Und er wollte nicht zu einem bloßen Vereinsmenschen werden, der Politik um des Wahlerfolgwillens macht. Heute ist er übrigens Fraktionsvorsitzender einer Oppositionspartei im Saarland, ein Amt das weit unter vielen anderen Posten angesiedelt sein dürfte als die die er schon hatte oder heute hätte bekleiden können. Aber dort kann er Politik gestalten und nicht nur „mitmischen“. Er macht Policy und nicht „Politics“, nach wie vor.
    Oft erwische ich mich dabei in den politischen Kleinkrieg mit hinein zu geraten und damit gegen all das oben genannte zu verstoßen. Was mich aber anders macht, und darum nehme ich das Lob auch ganz eitel an, ist, dass ich mir dieses Verhalten und das Procedere immer wieder bewusst mache und dass mir die Entscheidungen nicht durch die Aufstellung im politischen Teamspiel diktieren lasse. Wenn eine andere Fraktion etwas einbringt, von dem ich zutiefst überzeugt bin, dann werde ich dafür reden und dafür stimmen auch wenn ich keinerlei „politisches Kapital“ (Politics) daraus schlagen kann oder im Gegenteil meinem politischen Gegner (der dies auf der Policy-Ebene ja gar nicht ist, denn dann ist er in der Situation mein Mitstreiter) einen medialen Erfolg beschere.

    Zur Polite-Ebene: Auch das gibt es vereinzelt im Rat der Stadt, etwa wenn es um die (Aus-)Gründung von Ausschüssen oder Arbeitsgruppen geht, wenn es um Redezeiten oder die Geschäftsordnungsauslegungen geht. Meiner Erfahrung nach dienen aber Ratsdebatten über solche Regelungen hin und wieder weniger der Optimierung des Verfahrens, sondern der politischen Selbstdarstellung. Eine größere Rolle spielt Polite bei uns aber nicht.

    Was ihre Analyse über Herrn Jenckels Text angeht, kann ich Ihnen nicht ganz zustimmen. Er schrieb „Seine tiefrote Überzeugung könnte vielleicht sein einziger Karriere-Blocker werden.“ Was er hier als „Karriere“ beschreibt bezog sich aus meiner Sicht auf andere, scheinbar „wichtigere“ Positionen. Aber innerhalb des Rates halte ich etwa die Rolle des Mehrheitsgruppenvorsitzenden für weitaus weniger wichtig, wenn man zulässt dass andere einem dafür die von einem zu vertretenden politischen Inhalte vorgeben. Nicht selten habe ich das Gefühl durch Oppositionsarbeit und schon der Suche nach Alternativen mehr zu bewegen als Politiker der Mehrheitsgruppe, die sich nicht daran erfreuen können dass sie ETWAS VERÄNDERT haben, sondern dass SIE etwas verändert haben.

    Was andere Positonen angeht: ich hege keine größeren Ambitionen als die Kommunalpolitik, in der man, wie ich glaube, das Leben von Menschen viel stärker beeinflussen kann als in der sogenannten „großen“ Politik.

  16. Quelle Wickipedia
    Spaß ist eine im Deutschen seit dem 16./17. Jahrhundert belegte Substantivbildung aus dem italienischen spasso „Zerstreuung, Zeitvertreib, Vergnügen“. Das Wort wurde, angelehnt an das italienische Original, zunächst auch als Spasso geschrieben. Heute wird mit etwas macht Spaß eine Tätigkeit beschrieben, die gerne gemacht wird, die Freude, wobei diese meist nachhaltiger ist, bereitet. Mit jemandem einen Spaß treiben bezeichnet, dass dieser Person ein Streich gespielt wird. Der Spaß ist eine Äußerung, über die gelacht werden kann, ja soll, und gilt als Bestandteil des Humors. Das Wort wird auch synonym zu Jux, Scherz und Witz verwendet. Zugehörige Adjektive sind spaßig und spaßhaft. Als Gegenbegriff gilt der Ernst.
    ich habe spaß
    Provozieren Quelle Duden
    sich so äußern, verhalten, dass sich ein anderer angegriffen fühlt und entsprechend reagiert; herausfordern
    bewirken, dass etwas ausgelöst wird, hervorrufen.
    es hat prima geklappt.

  17. toleranz kommt nicht von toll. toll ist es , wenn man jeden toleriert, egal welche hautfarbe, welche bildung. und bevor man sich das recht rausnimmt, andere zu verurteilen, oder zu beurteilen, sollte man sich zeit nehmen ihn kennenzulernen. schwielen an den hirnwindungen können dabei sehr hinderlich sein. anonym ist das eine herausforderung. nicht jeder wird es geschaffen. ein kluger blogwart kann dabei sehr behilflich sein.