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Ratsherr Björn Adam bloggt: Was ist eigentlich gute Kommunalpolitik und was macht ein gutes Ratsmitglied aus?

Ratsherr Björn Adam
Ratsherr Björn Adam
(Die einen pflegen Rituale im Rat,  junge Talente aber reflektieren ihre Rolle. Vergangene Woche hat im „Blog.jj“ Michel Pauly einen Gastbeitrag geschrieben, der oft kommentiert und diskutiert wurde, auch auf anderen Seiten. Anlass war ein Blog von Hans-Herbert Jenckel: “ Lüneburger Ratsdebatten können Schwielen am Hintern und an Hirnwindungen verursachen“ über die harte Schule in Kommunalgremien. Diese Woche nun noch ein Gastbeitrag, diesmal von Björn Adam. Der Grüne hatte schon den ersten Blog zum Rat kommentiert, er sei ein „Brückenbauer“. Er war aufgefordert worden, selber zur Feder zu greifen. Er hat geliefert.)

 

Lüneburg, 19. Januar 
Wenn wir uns diese Frage stellen, auch fernab von den Versuchungen, die gesetzlichen Definitionen oder die Wortherkunft heranzuziehen, würde es zeigen, wie unterschiedlich die Antworten ausfallen.

Letztlich würde wahrscheinlich die Mehrzahl der Antworten eine Eigenschaft verbinden, es ist die Interessensvertretung der Bürger_innen der Stadt, also ein Handeln zum Wohle der Gemeinschaft. Ebenso vielfältig wie die Antworten auf diese Fragen ausfallen würden, stellt sich auch die Gemeinschaft unserer Stadt dar und folglich auch die Zusammensetzung unseres Stadtrates.

Vollkommen unbedarft in der Kommunalpolitik und als Wahl-Lüneburger erst vor kurzem zugezogen, waren gerade die ersten Monate meiner Zeit im Rat der Hansestadt für mich von vielen spannenden Erkenntnissen und Beobachtungen geprägt. Eines verband die Menschen, die ich kennenlernte, egal von welcher Partei, welchen Alters, Geschlechts oder anderer Unterschiede – das Interesse an unserer Stadt, den Menschen und der Wille, die Gemeinschaft positiv zu gestalten oder an dieser Gestaltung mitzuwirken.

Dass diese Vielfalt, wenn sie ein gemeinsames Ziel verfolgt, unheimliche positive Kräfte freisetzen kann, war aber selten zu beobachten. In meiner Wahrnehmung wurde und wird viel Energie verbraucht, um sich abzugrenzen, zu verteidigen, zu rechtfertigen und zu profilieren. Vielleicht ist es eine immanente Eigenschaft unserer Gesellschaft? Können wir dieses Verhalten nicht auch außerhalb des Rates beobachten, an unserem Arbeitsplatz, in unseren Unternehmen, Organisationen und sogar unseren Familien? Ich selbst kann mich davon nicht ausnehmen und ertappe mich nicht selten dabei.

Miteinander und nicht übereinander reden – auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt, wäre das nicht die Idealvorstellung? Würde nicht dann das Beste für uns als Gemeinschaft dieser Stadt entstehen? Vielleicht. Selbst wenn wir als Ratsmitglieder, Bürger_innen, Engagierte, Menschen dieser Stadt diesen Idealzustand nie erreichen würden und das Ergebnis nicht das sein würde, welches man sich blumig vorstellt, ist doch zumindest das Bewusstmachen dieser Möglichkeit ein wichtiger Schritt, auch mit Vielfalt und unterschiedlichen Meinungen konstruktiv umzugehen.

Jedes Ratsmitglied, genauso wie jeder Mensch der Gemeinschaft dieser Stadt, ist geprägt von seiner Vergangenheit, der Herkunft und seinem Umfeld, also Teil eines Systems, wir alle sind Teil dieser Stadt. Ausgehend von diesem systemischen Gedanken, können wir als einzelne Ratsmitglieder zwar immer noch versuchen den Mief, der vielleicht wirklich über der Ratspolitik hängt, beiseite zu schieben, doch wie erfolgreich kann das sein?

Eines musste ich leider auch teilweise selbst schmerzlich erfahren: Wir können zwar Einfluss auf die Prozesse haben, wir können inhaltlich gut argumentieren, doch die Menschen selbst können wir nicht von außen verändern. Was ich verändern kann, ist mich selbst, und ausgehend vom systemischen Gedanken verändert sich auch das Verhalten oder die Einstellung der Anderen. Das heißt nicht, dass ich still und teilnahmslos die Art der Ratspolitik hinnehmen muss, sondern, dass ich dort anfange, wo ich selbst die größte Wirkung erziele. Bei mir selbst.

Was die Kommunalpolitik von vielen anderen politischen Kontexten unterscheidet, ist die Tatsache, dass wir gewählten Mandatsträger_innen auch stark in anderen Rollen in dieser Stadt wirken. Wir sind Bürger_innen, Ehrenamtliche, Unternehmer_innen, Mitglieder der Verwaltung und Arbeitnehmer_innen. Schlussendlich gelingt es in diesem Rahmen auch nicht wirkungsvoll, wie auf anderen Ebenen der Politik, den Schein der Professionalität oder die Projektion eines Politikers, der über den Dingen steht, zu errichten, wie wir sie tagtäglich weltweit in den Medien erleben.

Die Vielfalt ist dadurch im Rat offensichtlicher aber vielleicht auch deshalb das positive Potential dieses Zustandes umso größer. Ich persönlich glaube auch, dass es in einem Rat unterschiedliche Rollen gibt, die alle nötig sind. Würden wir uns alle gleich verhalten, wäre die Vielfalt der unterschiedlichen Charaktere und Hintergründe der Ratsmitglieder negiert und damit jegliches Potential für eine Entwicklung.

Die Wertschätzung dieser unterschiedlichen Rollen und dem Handeln der Ratsmitglieder ist aber etwas, dass ich mir selbst immer wieder bewusst machen muss. Einhergehend damit entsteht jedoch die Möglichkeit, auf einander zuzugehen und auf Augenhöhe miteinander zu sprechen, anstatt im Rat, in der Partei, in der Fraktion, der Presse und in Onlinemedien übereinander herzufallen, sich lustig zu machen und die Menschen aufgrund ihrer unterschiedlichen Rollen zu diskreditieren. Damit nähren wir den Kreislauf des „Übereinander Redens“ und verhindern letztlich eine gemeinsame Entwicklung trotz unserer Unterschiede.

Ich persönlich versuche durch mein Verhalten und mein Handeln, in Partei, Fraktion und auch im Rat dazu beizutragen, dass ich dabei häufig hinter meinen eigenen Ansprüchen und Erwartungen zurückbleibe, gehört leider auch zur Wahrheit. Nicht aufgeben, an sich selbst zu arbeiten und damit für die gemeinsame Sache, ist etwas, dass ich aber zumindest für mich selbst entschieden habe. Um schlussendlich den Kreis zu schließen, bleibt die Frage: “Was macht gute Kommunalpolitik aus? Ich glaube jede Bürgerin und jeder Bürger dieser Stadt macht Kommunalpolitik im eigenen Kontext und mit den eigenen Möglichkeiten. Ratspolitik und die Mitglieder des Rates eben nur mit entsprechenden Rechten und Pflichten aus dem Kommunalverfassungsgesetz. Nur wenn wir Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt Lüneburg es schaffen die vielen Ebenen zu verbinden, Brücken zu schlagen, zwischen der Vielfalt der Erwartungen und Meinungen der Gemeinschaft, können wir gemeinsam gute Kommunalpolitik machen.

Diese Verbindungen zu bauen und Brücken zu schlagen, miteinander anstatt übereinander zu reden, dass können wir alle in dieser Stadt, egal in welchen Rollen oder Kontexten wir uns bewegen. Als Mitglied des Rates nehme ich für mich da keine Sonderstellung ein, sondern versuche in meinem Kontext nach diesem Selbstverständnis zu handeln.

Björn Adam

68 Kommentare

  1. Herr Adam ,warum sind Sie Grüner geworden? Mir kommt diese Partei immer beliebiger vor. Sie will sich sogar gelbe Punkte anschaffen .

  2. Marlies Michels-Honrichsen

    Lieber Herr Adam,

    finde ich super, dass auch Sie sich doch noch entschlossen haben, couragiert auf Herrn Jenckels kleines Zank-und Stichelgeschoss vom 6. Januar zu reagieren, mit dem er röhrend ratzende Platzhirsche im Lüneburger Stadtrat aufmüden und wieder zur Besinnung bringen wollte. („Und der HERR erschien ihnen, da die Selbstgerechten schwerfällig schlummertrunken darniederlagen an den Toren ihres Palastes, da der Tag am heißesten war und siehe, da sie ihre Augen aufhoben, da zürnte ER mit den eitlen Priestern gar bitterlich.“ Wie Jenckel übte ER zum Teil harte Kritik daran, dass sich die Angehörigen der klerikal-aristokratischen Geistlichkeit, die sich auch als eine gesellschaftlich-administrative Elite verstanden wissen wollten, zwar den genauen WORTLAUT des Gesetzes erfüllten und auf dessen strenge Einhaltung sahen, aber den SINN hinter den Gesetzen nicht beachteten oder ihn nach ihren Zwecken zurechtbogen: „Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“(Mt 5,20)) Sie, Herr Adam verwenden in Ihrer Einleitungszeile die lutherische Vokabel „Versuchung“, sprechen also von Sirenengesang, der Verführung, der Anfechtung oder Verlockung, und intonieren damit die christlich-theologischen Leitmotive, die sich im bildungsterminologischen Gewand der sogenannten „systemischen“ Psychologie durch den gesamten Text Ihres „Statements“ ziehen. Wussten Sie, dass Epiphanias bzw. Epiphanie (von altgriechisch Ἐπιφάνεια Epiphaneia „Erscheinung“), Theophanie (Θεοφάνια oder Θεοφάνεια „Erscheinen Gottes“) oder „Erscheinung des Herrn“ der ursprüngliche und heute noch meist gebrauchte Name des am 6. Januar begangenen Festes im Christentum ist? Im Volksmund und in vielen Kalendern heißt es auch „Dreikönigsfest“, „Dreikönigstag“, „Heilige Drei Könige“, regional vereinzelt bis heute u. a. auch „Groß-Neujahr“, „Hoch-Neujahr“ oder „Oberster“. Die Österreicher nennen diesen Tag auch „Weihnachtszwölfer“ (zwölfter Sonnenaufgang nach der Geburtsfeier Christi).

    Hält man sich außerdem vor Augen, dass zahlreiche demokratische Volksvereine, gleichsam der organisatorische Unterbau der am 27. Dezember 1864 von Julius Hausmann, Karl Mayer und Ludwig Pfau in Esslingen am Neckar gegründeten Demokratischen Volkspartei, am Dreikönigstag 1866 zur ersten Landesvertreterkonferenz in Stuttgart zusammentrafen, und damit eine liberale Tradition begründeten, die heute leider zu einem ziemlich erbärmlichen Ritual des mediengerechten Auftrumpfens und der lärmenden Selbstfeier von großmäuligen Provinzkarrieristen einer nahezu bedeutungslosen Klientel- und Splitterpartei ohne Profil und Ansehen verkommen ist, dann erhält das Datum, an dem der LZ-Online-Chef seinen Pfeil von der Sehne schnellen ließ, einen Resonanzraum, in dem viel Sinnreiches nachhallt. Menschliche Ansprüche auf Glück, Liebe und Barmherzigkeit, bürgerliches Trachten nach Einigkeit, aber auch nach Chancen, nach Demokratie und Liberalität, nach Achtung, Anstand und Rechten (zuerst Abwehrrechten gegen die Anmaßungen des Staates, dann Leistungs-, Teilhabe- und Schutzrechten sowie Teilnahme- und Gestaltungsrechten), aber auch nach Sinn, nach Aufgaben und dem Gefühl gebraucht zu werden, etc. Wie sagte Winston Churchill? „Alle großen Dinge, alle auf die es letztlich ankommt, sind einfach und viele können mit einem einzigen Wort ausgedrückt werden: Freiheit, Gerechtigkeit, Ehre, Pflicht, Gnade, Hoffnung.“

    Mir scheint, darum geht es Ihnen.

    Konnte man bei Herrn Pauly (http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/210626-das-selbstverstaendnis-des-linken-ratsherrn-michel-pauly), der die Rückkehr zur Sacharbeit im Stadtrat anmahnte und Gemeinwohllösungen dort durch ideologiefreie, fraktionsübergreifende Aufgabenbewältigung, beispielsweise durch wechselnde Mehrheiten bei Abstimmungen erreichen möchte, noch von „Idealismus“ als Triebfeder seines Handelns sprechen, einem Idealismus, der zwischen ernüchternden, manchmal niederschmetternden „Usancen“ und seinen hehren Wunschvorstellungen eingeklemmt ist, so scheint Sie das christlich-romantische Projekt von Selbstvervollkommnung durch praktizierten Edelmut und Ritterlichkeit zu befeuern. Sie möchten „gegenseitige Wertschätzung persönlicher Ansichten und Eigenarten“ bzw. „Respekt“, Umgang „auf Augenhöhe“, „miteinander Reden“ statt „übereinander Herfallen“, etc. in und außerhalb der politischen Gremien in unserer Stadt. Klingt das nicht alles sehr nach dem Ethos und den Tugendkatalogen der spätmittelalterlichen Arthusromane, in denen viel von diemüete (Demut), êre (Sittlichkeit), gürte (Freundlichkeit), hôher muot (Entschlossenheit), höveschkeit (Höflichkeit), manheit (Tapferkeit), mâze (Maß und Zurückhaltung), milde (Großzügigkeit), staete (Festigkeit und Beständigkeit), triuwe (Grundsatzreue), werdekeit (Würde) und zuht (Anstand bzw. Wohlerzogenheit) die Rede war?

    Sie schreiben: „Was ich verändern kann, ist mich selbst [,] und ausgehend vom systemischen Gedanke[n] verändert sich [dann] auch das Verhalten oder die Einstellung der Anderen. Das heißt nicht, dass ich still und teilnahmslos die Art der Ratspolitik hinnehmen muss, sondern, dass ich dort anfange, wo ich selbst die größte Wirkung erziele. Bei mir selbst.“

    Die âventiure des Stadtrat- UND Bürgerlebens ist für Sie folglich nicht mehr willkürliches Geschick, das den Helden des Alltags zustößt oder auferlegt wird, wie bei den Griechen des Altertums, sondern eine von ihnen aus eigenem Antrieb gesuchte und durch wunderbare Fügung für jeweils sie allein bestimmte Belastungs- und Bewährungsprobe, die ihnen zugleich große persönliche Lern- und Entwicklungschancen mit heilsamer, weil vorbildhafter Ausstrahlung auf andere bietet.

    Der schöne Gedanke von der Wechselwirkung zwischen persönlichkeitsbildendem Streben bzw. geistigem Fortkommen und dem Anstecken bzw. Mitreißen anderer durch die emotionale Ansprache des heroischen Beispiels von Beharrlichkeit und Überzeugungstreue, den Sie „systemisch“ nennen, ist ein religiöses Erbstück. Ihm liegt das Glaubensschema zugrunde, welches etwa die Christen „Erweckung“ oder „Erleuchtung“ nannten und die sie, da sie nicht sagen konnten, wie sie zustande kommen, einem „Ausfluss göttlicher Gnade“ zuschrieben. Für den Realisten – ohne esoterische „systemische“ Vernetzungskenntnisse – käme, meine ich, aber nur der Name „Zufallsresultat“ in Frage.

    Doch man braucht das unabhängige Urteilen gar nicht solch geheimnisvollen „psychosozialen“ Prozessen zu überantworten. Man muss nur lesen können. Was unsere Gemeinderepräsentanten angeht, so heißt es im „Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG)“ vom 17. Dezember 2010, hier in der aktuellsten verfügbaren Fassung vom 20. Januar 2015, in § 54, Absatz 1, Satz 1 und 2, über die „Rechtsstellung der Mitglieder der Vertretung“ ganz unzweideutig: „Die Mitglieder der Vertretung üben ihre Tätigkeit im Rahmen der Gesetze nach ihrer freien, nur durch Rücksicht auf das öffentliche Wohl geleiteten Überzeugung aus. Sie sind nicht an Verpflichtungen gebunden, durch die die Freiheit ihrer Entschließung als Mitglieder der Vertretung beschränkt wird.“

    Wie Sie sehen, ist in diesen Formulierungen „das Interesse an unserer Stadt, [an] den Menschen“ genauso schon enthalten, wie „der Wille[,] die Gemeinschaft positiv zu gestalten oder an dieser Gestaltung mitzuwirken“.

    Erinnern Sie Ihre Kollegen in unserem Stadtparlament einfach gelegentlich an den SINN dieser Passage (nicht bloß an den WORTLAUT). Dann werden Sie bereits sehr viel getan haben, um „zwischen der Vielfalt der Erwartungen und Meinungen der Gemeinschaft“ Ihre „Brücken zu schlagen“ und um „ gemeinsam gute Kommunalpolitik machen“ zu können.“

    DANN, wenn SIE „gemeinsam gute Kommunalpolitik machen“ und „ miteinander anstatt übereinander reden“, werden Sie vielleicht keinen garantierten Anspruch auf einen Platz im „Himmelreich“ erworben haben, aber DANN, da bin ich sicher, werden auch WIR die „Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt Lüneburg es schaffen [,] die vielen Ebenen zu verbinden“ und zwar, glauben Sie mir, intellektuell wie praktisch — „egal in welchen Rollen oder Kontexten wir uns bewegen“.

    Fangen Sie am besten gleich HEUTE damit an!

    „Die“ Lüneburger bitten darum.

    Mit herzlichen Grüßen

    Ihre Marlies Michels-Honrichsen

    • Frau Marlies Michels-Honrichsen,bedenken Sie, die Ritter der Tafelrunde haben auch mal klein angefangen.

      • Richtig Klaus. Frau Michels-Honrichsens Gewährsmann Churchill, der vermutlich für die „lebenstüchtige“, sport- und gesundheitsfixierte Self-Tracking-Obsession unserer weithin unpolitischen „digital“ (Leuphana-)Jeunesse dorée nur Spott übrig gehabt hätte, war sogar der Meinung, es sei „ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen“. So könne man sogar im Rat der Kommune reüssieren, ohne dem lange schon siechen und lahmen Fischerkönig die richtigen Fragen gestellt zu haben, wie Wolframs Parzival beweist. (Anfortas, jener waidwunde Herr, kann „nicht mehr reiten noch gehen […] nicht liegen noch stehen“ [„Er mac gerîten noch gegên […] noch geligen noch gestên“ 491,1f.], war allerdings vor seiner „Entmannung“ ein weit bekannter Draufgänger und Herzensangler, der insbesondere durch seine „Rittertaten aus Liebe“ [„mit rîterschaft durch minne“, 815,13] große Berühmtheit erlangt hatte.)

        Doch wenn man dann über die Brücke des ausgleichenden Allesverstehens geschritten und mit allen höfischen Ehren in die Tafelrunde aufgenommen worden ist – und damit den weltlichen Gipfel der ritterlichen Karriereleiter erklommen hat -, sind vielleicht alle zuvor beobachteten, aber weiter schwelenden Widersprüche, Verfehlungen und internen Rivalitäten nur scheinbar vergeben und bewältigt.

        Und es kann vorkommen, dass genau im Moment höchster Prachtentfaltung und Selbstbestätigung des sich für vorbildlich haltenden adligen Verwaltungszirkels die hässliche Gralsbotin Cundrie la Surziere (heute als Pegida, AfD, etc. bekannt) vor die festliche Versammlung hintritt, die heitere Stimmung zerstört und mit bitteren Verwünschungen und Vorwürfen gegen die Ritterehre Parzival verflucht, sein Versagen auf der Gralsburg beklagt und seine Anwesenheit am Artushof als Schande für die höfische Gesellschaft insgesamt bezeichnet. Weiterhin könnte sie die Runde darauf aufmerksam machen, dass die ritterlich-stadträtliche Welt bzw. Umwelt (neudeutsch: der Kontext) keineswegs so wohlgeordnet ist, wie es die fröhlich sich unentwegt selbst bestätigende Geselligkeit glauben machen möchte.

        Kann sein, dass sich die bisher „demokratisch“ noch einigermaßen gezügelte Irrfahrt unserer „sinnreichen Junker“, dann bruchlos in eine große, kopflos aktionistisch dahintaumelnde Don Quijoterie verwandelt.

        • „Die hässliche Gralsbotin Cundrie la Surziere (heute als Pegida, AfD, etc. bekannt)“ verflucht Parzival, den reisenden Ritter?

          „Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.“ (Alexander von Humboldt)

  3. Hinrich Hüttmann

    Hi Björn,

    Brücken schlagen und alle Menschen werden Brüder? Geht´s ´n büschen konkreter?

    Willkommenskultur, Migranten, Flüchtlinge und Asyl, Rotes Feld (Stadtvillenpest), Finanzierung des Klinik-Neubaus, Stadtfestgestaltung, Sportflächen, Finanzierung des Audimax, Bildungsfonds, Regenerative Energie Lüneburg GmbH (Stadtwerke Lüneburg), Qualität Sozial- und Jugendhilfe, Schulrenovierung, Kosten für Ausbau von KITA- und Krippenplätzen, Stadtmobilität (Parkraum, Radwege, Bahnhofvorplatzchaos), Grün-Gürtel Lüneburg, Autobahnausbau, Gelände ‚Alte Post’, Windräder, Bezahlbarer Wohnraum für Studis, Sozialer Wohnraum generell (Hanseviertel,Wittenberger Bahn, Am Weißen Turm, Baumschutzsatzung, Flugplatzerhalt, LSK, Erbpachtgrundstücke der Stiftung Hospital zum Großen Heiligen Geist, Freihandelsabkommen und kommunale Selbstverwaltung, Digitale Sicherheit, Pegida …

    Wofür stehst du?

    • Wat is nu, Björn? Kommt da noch was?

      • Hallo Björn Adam, jetzt tun Sie uns doch bitte den Gefallen und geben etwas Nahrhaftes in das Wassersüppchen, das Sie hier ausgeteilt haben.

  4. Konrad Grothuysen

    Ik ben akkoord, mijnheer Adam. Sachlichkeit und gegenseitiger Respekt sind im menschlichen Miteinander schon viel wert. Auch unter Gemeindevertretern oder Amtspersonen. Von einem Postboten erwarte ich ja auch, dass er mir Nachrichten zustellt oder übermittelt, aber bestimmt nicht, dass er mich unversehens auszankt, beleidigt und auf meinem Treppenabsatz schamfudernd juvenile Pirouetten dreht.

  5. Marlies Michels-Honrichsen

    Liebe Frau Stadträtin Schmidt,

    ich beziehe mich auf Ihren freundlichen Blog.JJ-Kommentar vom 18. Januar 2015, um 23:21 Uhr (http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/209214-lehrjahre-im-lueneburger-rat-fuer-junge-talente#comment-32668), für den ich mich herzlich bedanke.

    Warum ich nicht in den Stadtrat komme? Zunächst habe ich kein Mandat, dann hat es mit wenig anspruchsvollen, mich aber beanspruchenden mathematischen Exerzitien zu tun und mit der Analyse von Mobilitätskonzepten (Auf eine andere Weise allerdings als sie Ihr „themenfreund“ Marcus Schröder aus Deutsch Evern betreibt) und außerdem werde ich im Herbst diesen Jahres von Lüneburg nach Berlin umziehen müssen. Aber vielleicht bin ich ja gelegentlich trotzdem schon im Huldigungssaal zugegen, ohne dass Sie mich bemerkten, und sitze dort mit Ihnen, deren „gutes Auge“ ich ebenfalls schätze? Ich konnte und kann mir vorstellen, Sie wären eine gute Oberbürgermeisterin geworden. 2021 wird an dem unabhängigen Kandidaten Pauly wohl kein Weg mehr vorbeiführen. Insbesondere Frau Hollsteins Ausscheiden bedauere auch ich.

    Eventuell finden Sie beide (und andere Ihrer Kolleg(inn)en Gefallen daran, mir hier im neuen LZ-Forum ab und an zur (oder in die) Seite (oder gar voran) zu springen, wenn (oder bevor oder ohne dass) ich mich unter „die Herren“ mische? Dafür muss immer Zeit sein. Denn dieses erstaunlich gut besuchte und bemerkenswert seriös gepflegte Jenckel-Angebot zum belebenden Fechten und Auffüllen von Gewürztem, meine ich, sollten wir uns durch regelmäßige Teilnahme mit Florett und Schöpflöffel (nicht nur durch kicherndes Goutieren) erhalten.

    Die LGe retourniere ich gerne

    Ihre Marlies Michels-Honrichsen

    • Marlies Michels-Honrichsen, lassen sie sich nicht den bären aufbinden, wenn sie in berlin angekommen sind. was meinen sie wohl, wie viele dort schon mit ihm auf dem rücken herumlaufen?

  6. „In meiner Wahrnehmung wurde und wird viel Energie verbraucht, um sich abzugrenzen, zu verteidigen, zu rechtfertigen und zu profilieren.“

    Nicht nur in Ihrer „Wahrnehmung“, Herr Adam.

    „Würden wir uns alle gleich verhalten, wäre die Vielfalt der unterschiedlichen Charaktere und Hintergründe der Ratsmitglieder negiert und damit jegliches Potential für eine Entwicklung.“

    Richtig! Doch würden Sie sich wenigstens in der Beachtung von Prinzipien der konstruktiven Aufgabenbewältigung „alle gleich verhalten“ und sich damit untereinander in die Lage versetzen, Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen und verschiedene gangbare und zu Ergebnissen führende Wege durchzuspielen, damit sich jeder ein begründetes EIGENES Urteil über die bestmögliche GEMEINSAME Lösung bilden kann, dann „wäre die Vielfalt der unterschiedlichen Charaktere und Hintergründe der Ratsmitglieder NICHT negiert und damit AUCH NICHT jegliches Potential für eine Entwicklung“, sondern es würde auf gesittete Weise das zustande kommen, was man unter allen Umständen als das beste Resultat demokratischer Willensbildung ansehen muss (mag es in persönlicher Sichtweise auch nur das Zweitbeste sein): der durch Argumente begründete politische Kompromiss, also die gegenseitige freiwillige Übereinkunft, unter allseitigem Verzicht auf Teile der jeweils gestellten Maximalforderungen.

    Schließlich bekommen wir meistens nicht genau das, was wir wollen und wie wir es wollen. An die Stelle der Priorität tritt ein Zweitbestes. Wir müssen uns mit weniger zufriedengeben, so ist das Leben. Darum sollten wir viel stärker anhand unserer Kompromisse beurteilt werden als anhand unserer Ideale oder Werte. „Ideale können uns etwas Wichtiges darüber sagen, was wir gern wären. Kompromisse aber verraten uns, wer wir sind.“ ((Avishai Margalit: „On Compromise and Rotten Compromise“. Princeton University Press, Princeton und Oxford 2009. S. 73)

    Was unterscheidet einen faulen Kompromiss von einem bloß schlechten, schlampigen oder schäbigen? Die Antwort lässt sich in einer knappen Definition auf den Punkt bringen. Ein fauler politischer Kompromiss ist einer, der ein unmenschliches Regime etabliert oder aufrechterhält, eine Herrschaft der Grausamkeit und Erniedrigung. Kurz: ein Regime, das Menschen nicht als Menschen behandelt. Wo Menschen nicht menschlich behandelt werden, brechen die Fundamente des Moralischen weg, sind menschliche Beziehungen nicht mehr möglich.

    In allen anderen Fällen ist aber der unnachgiebige, an letzten Werten oder absoluten „Inhalten“ orientierte „Idealismus“ problematisch. Das zeigen – um zwei grelle, aber auch für kommunale Sturköpfe instruktive Beispiele zu nehmen – von vermeintlichen „Gewissheiten“ genährte „Volksbewegungen“ wie „Pegida“ genauso wie der islamistische Fanatismus: Wenn in der Politik keine Zugeständnisse mehr möglich sind, wird es brandgefährlich.

    „Manchmal schleicht sich ‚das Heilige‘ oder die ‚fundamentale weltanschauliche – parteiliche oder private – Überzeugung‘ als taktische Verpflichtung in die profane Politik ein, aber die Sprache des Heiligen ist nicht taktisch; sie hat ein Eigenleben. Das macht es sehr schwierig, eine Verpflichtungszusage zurückzunehmen. Wenn ‚das Heilige‘ auf dem Spiel steht, ist der Preis eines Zugeständnisses schnell zu hoch, so hoch, dass es womöglich zu Krampf, Kampf oder Krieg führt statt zum Kompromiss. Das Spiel mit der Sprache des ‚Heiligen‘ ist ein Spiel mit dem Feuer.“ (Margalit, S. 187)

  7. Björn und Michel

    Ich habe Fragen an euch. Bei der denkwürdigen Sitzung des Rates der Hansestadt Lüneburg am 17. Dezember des gerade vergangenen Jahres 2014 habt ihr unter vielem anderen über die Haushaltssatzung, das Investitionsprogramm, den Stellenplan, die Haushaltsplanentwürfe für 2015 und die modifizierte „Satzung der Hansestadt Lüneburg über die Erhebung der Vergnügungssteuer vom 12.12.1985 in der Fassung der 9. Änderungssatzung vom 27.01.2012“ reflektieren, beraten und entscheiden müssen.

    Gegenstand der Beschlussvorlage „VO/6020/14“ aber war die „Fristverlängerung des Zuwendungsbescheides der Hansestadt Lüneburg an die Siftung Universität Lüneburg zur Errichtung des Zentralgebäudes (Audimax)“. (http://www.stadt.lueneburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=5937)

    Ich kann daher davon ausgehen, dass ihr mit diesem Problemkomplex bis in alle Einzelheiten vertraut seid.

    Mich würde eure Meinung zu folgenden Punkten interessieren:

    Wie findet ihr die Debatte? Könnt ihr die vorgetragenen Einwände nachvollziehen?

    Was haltet ihr vom „Finanzierungskonzept“ für den Libeskind-Bau, soweit bekannt?

    Bekanntlich will die Stadt das Audimax mit seinen 1200 Plätzen auch als Stadthalle nutzen. Ihr habt am 17. Dezember 2014 zugestimmt, „die abzuschließende Mietordnung für die Hansestadt Lüneburg um 2 Jahre auf den 31.12.2015 zu verschieben“. Müssen die vielbeschworene „Strahl- und Anziehungskraft“ des neuen städtischen „Leuchtturms“ — oder das von Dr. Volker Meyer-Guckel vor drei Tagen wiederholte Verbalgefriemel, „das beeindruckende neue Gebäude“ sei „auch ein Ort, an dem ein Austausch zwischen Universität und Gesellschaft stattfinden werde“ –, sofern solche autohypnotischen Floskeln überhaupt etwas anderes bedeuten als sinnfreies schwülstiges Wortgeklingel, nicht als Wunsch verstanden werden, möglichst viele Veranstaltungs- und Kongresstouristen ins Zentralgebäude und damit auch in die Hotels, Restaurants und Ladengeschäfte Lüneburgs zu ziehen? Wie verträgt sich eurer Ansicht nach dieses Streben nach Immobilen- und Standortvermarktungsgewinnen mit den Bildungs- und Ausbildungsaufgaben einer Hochschule? Lauern hier nicht ganz erhebliche und sehr „nachhaltige“ Interessenkonflikte?

    Dank vorab schon mal für eure Antworten.

    Tobias Günther

    • >Lieber Tobias Günther,

      die Linksfraktion im Rat hat nicht für die Vorlage zum Audimax (Auszahlung auch kommendes Jahr möglich, spätere Mietordnung) gestimmt, sondern sich enthalten. Dafür musste ich im Übrigen auch erst einmal einer geplanten Blockabstimmung über mehrere Tagesordnungspunkte entgegentreten, die nichts miteinander zu tun hatten. Ja, ich kann die Kritik daran vollständig verstehen. Zum einen wurde durch das gewagte Finanzierungskonzept und die auf viele Gebietskörperschaften verteilten Lasten nie geklärt, wer für sämtliche Mehrkosten aufkommen wird. Das Land wird sich erwartungsgemäß nicht zu 100% Kostenübernahme bereit erklären – jedenfalls nicht, ohne der Universität an anderer Stelle Mittel für die Lehre zu nehmen. Zum anderen setzt die Leuphana bereits jetzt Mittel ein, die auch zur Verbesserung der Lehre verwendet werden könnten oder sollten. Also Prestigebau statt Bildung. Wir wissen außerdem, dass die Europäische Union, wenn sie ihren Anteil überhaupt trotz aller Probleme und Untersuchungen bezahlt, keinesfalls ihre Mittel aufstocken wird. Das Gleiche haben Stadt und Landkreis erklärt. Gleichwohl wird diese Erklärung, wenn es zum Schwur kommt, nichts mehr wert sein. Wenn ich vor die Frage gestellt werde, ob die Stadt noch mehr Millionen beim Audimax nachschießt oder eine Zerstörung der Institution der Universität wegen mangelnder finanzieller Mittel zulässt, dann werde ich als größter Kritiker des Audimax’ im Rat dennoch meine Hand für eine Nachfinanzierung heben. Warum? Weil wir einen “Point of no Return” im Bau überschritten haben, der jedes andere Handeln als die Nachfinanzierung unwirtschaftlich werden lässt. Darum habe ich mich auch bei der Vorlagenabstimmung nur enthalten. Das Problem begann zu Beginn des Baus, als die Warnungen vor einem teureren Bau, vor unklaren Nachfinanzierungsregeln und andere Warnungen einfach nicht beachtet wurden, als Bedenken vom Tisch gewischt wurden, die heute Realität werden. Ich werde aber, das habe ich im Übrigen immer erklärt, nicht verbrannte Erde hinterlassen, nur um des Rechthabens willen. Es mögen sich aber jene erklären, die 7 Millionen Euro kommunaler Mittel in eine gemischt genutzte Halle gegeben haben, ohne zu wissen, mit welcher Nutzungsmöglichkeit oder mit welchem Nutzungsumfang sie rechnen dürfen und ab wann diese Halle denn auch der Kommune zur Verfügung gestellt werden kann. Diese Fragen sind bis heute nicht beantwortet.

      • Sehr ehrenhafte Haltung, Herr Pauly! Sie wollen, um größeren Schaden abzuwenden, die Suppe mit auslöffeln, die Sie nicht bestellt haben.

        Drei Fragen:

        1. Glauben Sie, dass es sich bei Planungsversäumnissen um Inkompetenz auf allen Seiten handelt – oder um eine konzertierte Aktion, bis dieser Point-of-no-Return erreicht war, der im Grunde das Stadium der Erpressbarkeit darstellt?

        2. Wie stehen Sie zum Konflikt von Vermarktungszwängen und Bildungsauftrag?

        3. Denken Sie nicht, dass schleunigst ein Untersuchungsausschuss im Landtag eingerichtet werden müsste, in dem Herr Dr. Spoun, Herr Keller, Herr Dr. Libeskind, Herr Dr. Mädge, Herr Meihsies, Herr Althusmann und Frau Dr. Wanka als Zeugen geladen werden sollten?

        • Untersuchungsausschuss

          Sollte Frau Gabriele Heinen-Kljajić den beantragen? Sie attackierte zwar vor dem 20. Januar 2013 das „Luftschloss“ vehement, hat aber gerade den „spektakulären“ Bau gelobt. LZ vom 20. Januar: Die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur „sicherte der Universität mit Blick auf die weiteren Schritte bis zur Fertigstellung des Gebäudes die Unterstützung ihres Ministeriums zu.“

          Nach Artikel 27 der Niedersächsischen Verfassung kann und muss der Landtag auf Antrag eines Fünftels seiner Mitglieder einen Untersuchungsausschuss (PUA) einsetzen. Dieser prüft hauptsächlich mögliche Missstände in Regierung und Verwaltung und mögliches Fehlverhalten von Politikern.

          Wo sollte dieses Fünftel herkommen? 28 Stimmen wären für so einen Antrag nötig. SPD, Grüne, CDU und FDP, die alle auf die eine oder andere Weise für die momentane Lage mitverantwortlich sind, haben 137 Sitze. Das sind 100%. Die werden doch keinen Untersuchungsausschuss einrichten, in dem sie sich selbst verantworten müssten.

          Träumen Sie weiter.

          • @ Untersuchungsausschuss

            Vielleicht Bernd Althusmann? Vielleicht organisiert der die brutalstmögliche Aufklärung von Namibia aus zusammen mit Johanna Wanka als örtlicher Assistentin? Das wäre mal ein Paukenschlag in der persönlichen Öffentlichkeitsarbeit, mit der er, ohne dass jemand aus Potsdam ihm über das Zäunchen hilft, zum überzeugenden Bundestagskandidaten der CDU im Wahlkreises Lüchow-Dannenberg – Lüneburg im Wahljahr 2017 avancieren könnte.

        • Sehr geehrter Herr Strampe. Kurz zu ihren Fragen:

          „1. Glauben Sie, dass es sich bei Planungsversäumnissen um Inkompetenz auf allen Seiten handelt – oder um eine konzertierte Aktion, bis dieser Point-of-no-Return erreicht war, der im Grunde das Stadium der Erpressbarkeit darstellt?“

          Nein, weder glaube ich dass es ganz besondere Planungsversäumnisse noch ein überhohes Maß an Inkompetenz gab. Vielmehr gibt es systematische Gründe, die sich u.A. im Baurecht wiederfinden, die zu höheren Kosten und Risiken führen, etwa die Regel dass die öffentliche Hand keine Vertragsstrafen vereinbaren darf. Das gehört abgeändert. Und bei allen Großbauten gibt es eine gewisse Varianz hinsichtlich der Baukostenentwicklung und des Fertigstellungszeitraumes. Die Baukostenentwicklung beim Audimax ist bitter, ist teuer, bei Projekten dieser Größe aber beinahe als „üblich“ zu bezeichnen. Die Frage aus meiner Sicht ist viel eher, warum hat man ein Projekt dieser Größe unter den gegebenen Umständen überhaupt geplant? Unter Einbeziehung der Risiken wären andere Umbauten oder funktionalere Neubauten sicherlich aus Sicht der Studierenden von größerem Nutzen gewesen.

          Die Finanzierungsannahmen indes, die finde ich in der Tat fraglich. Etwa die eingeplanten Verkaufserlöse für die Außenstandorte in Volgershall und im Roten Feld. Diese scheinen mir systematisch und weithin unbegründet zu hoch angesetzt. Wenn ein Untersuchungsgegenstand aufgearbeitet werden müsste, dann die Gegenfinanzierungen, denke ich.

          „2. Wie stehen Sie zum Konflikt von Vermarktungszwängen und Bildungsauftrag?“

          Das widerspricht dem humboldtschen Universitätsideal, das Forschung um seiner selbst willen als eigentliches Ziel ansieht. Davon weicht meiner Meinung nach das aktuelle Präsisidium der Universität ab – in Richtung eines Verwertungs- und Vermarktungsinteresses bei Forschung und Lehre. Bildung und Forschung sind nicht mehr die Suche nach der Wahrheit, sondern die Suche nach der wirtschaftlichen Nützlichkeit. Damit entspricht die Leuphana leider unserem Zeitgeist. In ihrer Selbstdarstellung nennt sich das glaube ich „Anwendungsorientierung“. Etwas, das Humboldt vermutlich nicht als Zielstellung einer Universität gesehen hätte.

          „3. Denken Sie nicht, dass schleunigst ein Untersuchungsausschuss im Landtag eingerichtet werden müsste, in dem Herr Dr. Spoun, Herr Keller, Herr Dr. Libeskind, Herr Dr. Mädge, Herr Meihsies, Herr Althusmann und Frau Dr. Wanka als Zeugen geladen werden sollten?“

          Nein, das hielte ich für übertrieben. Lediglich die Gegenfinanzierung erschient immer auf tönernen Füßen und die kann mit „normalen“ Mitteln gut untersucht werden. Dass eine solche Entscheidung für einen Libeskind-Prestigebau getroffen worden ist, kann man ja politisch kritisieren. Ob das dann immer eine so weitreichende quasijuristische Aufarbeitung brauch, wage ich zu bezweifeln. Eine Entscheidung die man falsch findet, mag vielleicht einfach auch nicht für alle gut sein, zulässig finde ich eine solche Abwägung dennoch. Und ob ich nun als Bedenkenträger gegen Großbauten immer richtig liege, weiß selbst ich nicht. Man stelle sich einen Moment Lüneburg ohne prestigeträchtige Gebäude vor. Wir wären wohl niemals über den Status als kleiner Nachbar Bardowicks hinausgekommen.

          • «Man stelle sich einen Moment Lüneburg ohne prestigeträchtige Gebäude vor. Wir wären wohl niemals über den Status als kleiner Nachbar Bardowicks hinausgekommen.»

            Bis 2006 sind wir damit doch ganz ordentlich gefahren. Wo hinaus soll es denn bitteschön gehen? Wäre das Streben nach echter Qualität in Lehre und Forschung nicht das weit «nachhaltigere» Rezept, als das kostspielige Dekorieren von Schaufenstern, hinter denen sich außer einer Armee von «Networkern» und Marketingmitarbeitern wenig verbirgt? Glaubt man wirklich, eine schöne Stube ersetzt das Studieren? Und das Innovation vortäuschende Umbenennen von «Geistes-» in «Kulturwissenschaften» ersetzt Lateinkenntnisse? Und «Managementtechniken» und solcher Unfug wie die «kooperative Zusammenarbeit (!)» die Grundlagen der Mathematik und der Molekularbiologie? Auf der einen Seite haben wir die «Transformation der Hochschule in eine sozialpädagogische Anstalt», die unter der Flagge des Erwerbs sogenannter «kultureller» Kompetenzen(«Handlungskompetenz», «Sozialkompetenz», gar «Selbstkompetenz») dahergesegelt kommt, sich ihren Unterricht immer mehr vom Vertrieb irgendwelcher Produkte der Power-Point-Industrie bestimmen lässt und den Weg zum Verzicht auf das Vermitteln bzw. Erlernen von schwierigen, aber dauerhaft lohnenden «Inhalten» bereitet, auf der andere Seite eine Annäherung an den Dienstleistungs- und Beratermarkt, nach dessen Muster großspurig zu «wissenschaftlichen Studien» hochgeredete Umfrage- und Statistik-Banalitäten auf «Folien» oder Hochglanzpapier für «wirtschaftsnahe Partner» und «forschungsfinanzierende Investoren» zu Verkaufszwecken und zum Auspolieren von «Imagedefiziten» angefertigt werden. Was sollen «prestigeträchtige Gebäude» wenn man die qualifizierten Professoren nicht bezahlen und ihre Lehrstühle nicht angemessen ausstatten kann, um für Klasse statt für Masse zu sorgen? Klaus Bruns hat es auf den Punkt gebracht: «in diesem schiefen bau wird niemand automatisch schlauer, aber die steuerzahler ärmer.» (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/212209-es-gibt-immer-einen-kritischen-punkt-interview-mit-daniel-libeskind#comment-33089)

        • Hallo Stadtrat Pauly

          Vielen Dank für deine sehr guten Antworten.

          Ich hatte bei meinen Fragen auch daran gedacht, was im Zusammenhang mit dem Richtfest am 19. Januar bei LZ-Online auf den Nebengeleisen von Blog.JJ diskutiert wurde, nicht ohne Polemik zwar, aber doch zu 95% sehr klar und sehr gut überlegt.

          Siehe: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/212209-es-gibt-immer-einen-kritischen-punkt-interview-mit-daniel-libeskind

          und: http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/211084-ministerin-zu-richtfest-fuer-libeskind-bau-spektakulaeres-gebaeude-kritscher-Zeitplan

          Was du über die Problematik des Leuphana-„Finanzierungskonzepts“ für den Libeskind-Bau, sagst (Kalkulierte Veräußerungsgewinne für Liegenschaften, veranschlagte Mieteinnahmen für Veranstaltungsflächen und Volgershall Neubau, erhoffte Umsatzsteuerfreiheit von Vorsteuerabzügen, Nutzung von Zinsgewinnen aus Uni-Rücklagen zum Zwecke der Bauzwischenfinanzierung, Finanzierungsrisiko Fahrzeugstellplätze, Finanzierungsrisiko anderer Maßnahmen außerhalb des Zentralgebäudes zur Energieoptimierung, wahrscheinliche Nutzungs-, Unterhalts- und Pflegekosten, etc.) finde ich richtig. Darüber wundern sich auch viele Leute, mit denen ich darüber manchmal rede.

          Dass formale Anforderungen an die Planungsunterlagen nicht eingehalten wurden und dass keine „nachvollziehbare Kostenberechnung“ in ihnen enthalten sei, hatten die Oberfinanzdirektion Niedersachsen (OFD) am 31.01.2014 und der der niedersächsische Landesrechnungshof (LRH) Ende März 2014 kritisiert.

          Beide bemängelten auch den Terminplan, dessen Angaben sich nicht dazu eigneten „eine Gesamtbauzeit abzubilden bzw. einen Fertigstellungstermin zu identifizieren.“ Auch Zeitpunkt und Dauer einzelner Baumaßnahmen seien nicht nachvollziehbar.

          Im LRH-Bericht heißt es außerdem, die Mittel-Zuwendung der EU sei daran geknüpft, „dass das Zentralgebäude als NetZero-Emission-Building gebaut“ werde. Der Begriff sei gesetzlich nicht geregelt, moniert der LRH, und auch sei auf Grund fehlender Nachweise unklar, „ob und inwieweit das Gebäude als ‚Net-Zero-Emission-Building‘ konzipiert wurde, und wie ggf. der Nachweis gegenüber dem Zuwendungsgeber geführt werden soll“. So seien z.B. keine Angaben zur CO2Emission im Energieausweis des Gebäudes enthalten. Der „hauptberufliche Leuphana-Vizepräsident Holm Keller“ wies jedoch in seiner Begrüßungsansprache wieder einmal „darauf hin, dass das neue Zentralgebäude bei seiner Fertigstellung wohl eines der nachhaltigsten öffentlichen Gebäude Europas sein werde.“ (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/212003-audimax-ein-ort-der-begegnung-und-des-austausches-mit-fotogalerie)

          Was sagst du dazu?

          Und was sagst du zu der im LRH-Bericht ebenfalls geäußerten Annahme, dass die besondere Ausgestaltung des Gebäudes – entgegen wiederholten Beteuerungen der Univerwaltung – seiner Zweckmäßigkeit (also seiner Nachhaltigkeit, Rationalität und Praktikabilität) übergeordnet wurde? (Mangelhafte Anpassung an die benötigten Flächen, zweifelhafte Energieeffizienz, Verbleib der Maschinenhalle, etc.) ?

          (Quellen:

          – 2014-02-20 AStA Stellungnahme zum Pruefbericht des OFD zu den Kosten des Zentralgebaeudes.pdf
          – 2014-03-28 AStA Stellungnahme zum Landesrechnungshofbericht – Zentralgebaeude.pdf
          – 2014-04-06 AStA-StuPa-Stellungnahme zum Zentralgebaeude.pdf
          – 2014-04-06 AStA – StuPa – Umfassende Stellungnahme zum Zentralgebaeude Ruecktrittsforderung 06.04.14.pdf
          – 2014-05-14 Landesrechnungshofbericht 2014 Zusammenfassung.pdf

          auf der Seite: http://muster.asta-lg.de/materialien.html)

          Erneuter Dank vorab schon mal für deine Antworten.

          Tobias Günther

          • Lieber Tobias Günther,

            das mit den Planungsunterlagen ist so eine Sache. Eine Universitätsverwaltung wird, bevor sie sich personell einmal komplett durchtauscht, ein Projekt dieser Größe genau einmal planen. Damit ist fast jeder Schritt für alle Beteiligten eine Premiere und alle Fehler passieren, die einem „nur einmal passieren“. Es ist halt dieses eine, erste und einzige Mal, dass man eine solche Planung zum Ende führt. Dass man sich bestimmte Finanzierungsbausteine hingerechnet habe, das mögen dann andere final beantworten. Wer aber ein Projekt will, wird immer zu einer subjektiven, beschönigenden Ansicht neigen. Wie gesagt, am kritikwürdigsten weil offensichtlich kaum haltbar fand ich die Annahme bezüglich der Verkaufserlöse der Außenliegenschaften. Ansonsten ist das wohl eine „normale“ Schönrechnerei und einem Baurecht geschuldet, das die öffentliche Hand gegenüber privaten unnötig diskriminiert.

            Zum Prestigebau, auch an den Vor-Vorredner gerichtet: Natürlich sind extravagante Bauten teurer. Das waren sie immer und bleiben sie immer. Wenn wir aber aufgrund einer scheinbar stetigen Finanzknappheit nur noch funktional bauen, verlieren wir jedwede architektonische Ästhetik, die in Lüneburg über die Jahrhunderte gewachsen ist. Es ist doch diese Architektur, die Lüneburg besonders macht, die wir aber nur konservieren und uns fast nie trauen, auch mal extravagant, bzw. „pompös“ neu zu bauen – jedenfalls nicht als öffentliche Hand. Das ist „in Zeiten knapper Kassen“ zwar plausibel, aber diese „knappen Kassen“ sind ja ein Dauerzustand und zwar ein Selbstverschuldeter des Staates, der niedrige Steuern, eine geringe Staatsquote und eine hohe Wettbewerbsfähigkeit zur Quasireligion erklärt hat. Ich sage, wir müssen an Orten des Zusammenkommens auch extravagant denken, auch Prestige ein stückweit zulassen. Aber wir sollten das ehrlich tun, es zulassen dass dies in ein Konzept mit einfließt. Und wir sollten die entsprechenden Mittel dafür aktiv sammeln, durch eine gerechte Besteuerung. Und wenn dann eine Universität mehr Geld ausgibt, fließt dies ja widerum zurück in diverse Wirtschaftszweige. Ich gebe gerne zu, dass ich als Student lange reflexartig gegen jedwedes „Prestige“ gewettert habe. Aber ich will nicht extravaganz als Domäne von privaten Investoren, Bestverdienenden und Kirchen sehen. Darum: Ein bisschen Mut zum Prestige bei öffentlichen Bauten. Das macht die Finanzierung zwar nicht solider, lässt mich aber eine bloße Kritik an dem Prinzip Audimax relativieren. Dass ich die Architektur an dieser Stelle für nicht schön halte, ist rein subjektiv und wer weiß? Vielleicht sieht es am Ende ja ganz gut aus.

            Als Ratsherr indes hätte ich andere Prioritäten gesetzt als ein Audimax. Und als Studierender hätte ich etwas anderes geplant als einen für Vorlesungen zu großen Hörsaal. Ein Gebäude mit mehr Arbeitsräumen, Gruppenräumen, vielleicht eine Verbindung zwischen den Gebäuden auf dem Campus. Aber auch das hätte ein bisschen extravagant sein dürfen.

          • Lieber Herr Pauly

            Weil´s alle nur einmal machen, dürfen sie üben, auch wenn´s teuer wird?

            Das sollten Sie mal meiner Oma Trude erzählen. „Wenn du die Himbeeren beim Pflücken zerdrückst, wirst du in den Keller gesperrt“, hat sie zu mir gesagt, als ich fünf war. Ich hab die Zerdrückten gegessen.

            Sie sagen, Sie hielten das Gebäude nicht für schön. Die Frage nach der Schönheit ist schwierig zu beantworten und wohl immer spielen subjektive Geschmacksurteile hinein. Letztlich muss man dran glauben. Was ich aber entsetzlich finde, ist, wie A) dieser Frage ausgewichen wird, indem man einerseits mit den quantitativen Aspekten des „spektakulären“ Imponierens hausieren geht und andererseits immer wieder die angeblich kontrastierende Wirkung einer nebulösen „Modernität“ gegen die angeblich in sich hineingeduckte „Gewalt“ der gleichförmigen Kasernenvergangenheit ausspielt, ohne dabei genau sagen zu können, worüber man eigentlich redet (dazu die guten Kommentare hier: sieht: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/212209-es-gibt-immer-einen-kritischen-punkt-interview-mit-daniel-libeskind). Bauwerke „bewältigen“ keine historischen Untaten. Dazu bedarf es des Wissens, des Lesens, des Nachdenkens und des Miteinandersprechens. Und es stößt ab, wenn man dauernd augenrollend großspurig wabernde Phrasen über „Reflexionskultur“ und „Brechungseffekte“ vorgesetzt bekommt, hinter denen sich nichts als der erbärmliche Wille zur Durchsetzung einer Meinungshoheit verbirgt, die gar nicht begründen kann, worin ihre Berechtigung eigentlich besteht. Ebenso furchtbar ist, wie B) unbeweisbare Floskeln über „Prestige“ und „Standortaufwertung“ benutzt werden, um eine nicht unwahrscheinliche Kostensteigerung von weit über 100 % zu marginalisieren. Ist mein Eindruck falsch, dass Sie sich auch in diese Richtung zu bewegen beginnen? Wenn´s schon teuer wird, dann darf´s auch richtig teuer werden?

            Extravaganz und Pomp, Herr Pauly, sind kein Ausweis von Stadt- oder Architekturqualität. Sperrige „Signature Buildings“ ermöglichen keine Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt. Das Primäre ist, dass man sich geborgen und gut aufgehoben fühlt, dass man auf dem Bürgersteig spazierengehen kann, um am öffentlichen Leben im Stadtraum zu partizipieren, und anschließend in ein Haus zurückkehrt, das man als sein Zuhause, seinen „Wohnsitz“ schätzt — und in dem man seinen Wohnraum bezahlen kann. Wenn die Menschen durch Lüneburg gehen und sagen: „Es ist verdammt schön hier. Wir haben individuelle Vielfalt, alte und junge Leute, alte und neue Häuser, die auch unsere Zeit im Stadtbild erfahrbar machen auch ohne dieses stumpfsinnige Kontrastprinzip. Hier bin ich sesshaft. Dies ist eine Stadt in der ich gerne, in der ich selbstverständlich wohne“, dann haben Sie „Attraktivität“. Denn der Wohnsitz – nicht der „Leuchtturm“ oder das Zirkuszelt – ist die primäre Voraussetzung für eine Identifikation mit der Stadt.

      • Hallo Michel, Zitat:Wenn ich vor die Frage gestellt werde, ob die Stadt noch mehr Millionen beim Audimax nachschießt oder eine Zerstörung der Institution der Universität wegen mangelnder finanzieller Mittel zulässt, dann werde ich als größter Kritiker des Audimax’ im Rat dennoch meine Hand für eine Nachfinanzierung heben.

        ich gönne mir dazu eine andere meinung. warum brauchen sogenannte planer, bei ihrem vorhaben wohl nicht mehr bis zum ende planen? es reicht nur bis zur etappe. sie wissen, die anderen werden ab einem bestimmten punkt einen kleinen beigeben und die machenschaft bis zum ende mittragen. es ist immer der mittelstand , der sowas verantstaltet. und es sind immer die ,,kleinen leute,, die deren katastrophen am ende bezahlen müssen.

    • Vergnügungssteuer

      Herr Günther, Sie sprechen da in Ihrer Nebenbemerkung doch nicht etwa von Stadtkultur? „Und sie gingen auf den Köpfen und redeten mit den Füßen“. Einige, mehrere oder viele Mitglieder des Lüneburger Stadtrats erkennen eine Möglichkeit, sich lächerlich zu machen, und nutzen sie. Sie reden von Kultur, von Feier-, Fest-, Trink- und Partykultur. (Haben Sie sich die „Debatte“ am 17. 12. 2014 auch angehört? Zu: http://www.stadt.lueneburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=5860) Der exzessive Gebrauch des Wortes „Kultur“, dessen Bedeutung die Räte und Rätinnen offenbar nicht kennen, erinnert an manisch-depressives Irresein. Sollte die manische Phase unserer Gemeindevertreter anhalten, werden wir wohl bald auch von einer Zapf-, Bestell- und Bedienungskultur hören.

      Wenn es in der Innenstadt, der Altstadt und im Hafenviertel nachts tatsächlich um ein Phänomen der Kultur ginge – wozu dann dieses Wort? Wozu dann irgendwelche Regeln? Wer einmal ein wenig Latein gelernt hat, wird sich erinnern, daß „cultura“ ursprünglich Pflege des Bodens, der Pflanzen und der Tiere, später, als ob eine Pflege auch beim Menschen gelingen könnte, „geistige Pflege“ und „sittliche Veredelung“ bedeutete (Haas / Kienle, 1952, S. 126). Wer die Grundbedeutung nicht kennt oder kennend missachtet, dem wird sie bei seiner Verwendung des Wortes auch niemals hinderlich sein, d.h. er taugt als Ratsherr in Lüneburg.

      Anders: Warum pflegen gewisse Ratspersönlichkeiten nicht ihren Verstand, bevor sie mit einem ungepflegten Politik machen? Das, worüber gestritten wurde und wird, ist doch das gerade Gegenteil, nämlich ein Rückfall in tierisches Verhalten, das massenhaft zu werden droht. Nicht bedienen Wirte kultivierte Gäste, die sich auf den Gassen kultiviert verhalten, sondern: mit bekannten, auch von mir geschätzten Mitteln versetzen Wirte Menschen, die immer schon ein Unbehagen in der Kultur verspürt haben, in einen peinlichen Zustand: Wo auch immer sie gerade taumeln oder torkeln, brüllen und blöken sie und, wenn dringend geboten, pissen und kacken sie in die Gassen, in denen sich einmal, wenn es Nacht wurde, der Duft des Waldes ausbreitete.

      Die Forderung vieler oder weniger Wirte – ich hoffe, es sind wenige, weil ich dann glauben dürfte, es seien mehr bei Verstand – ist drollig: Bekanntlich schreiben 40% aller deutschen Kliniken rote Zahlen – mit frivolen Folgen: Nirgendwo auf der Welt wird so viel Metall in den menschlichen Körper eingebaut wie in Deutschland. Ähnliches versuchen die Wirte unserer Hansestadt. Anstatt sich daran zu erinnern, daß sie Unternehmer sind, daß ihr Unternehmen ein Wagnis ist, daß sie die Gewinne ihres Unternehmens mit niemand teilen müssen und es ja auch mit denen nicht tun, denen sie die Nachtruhe rauben, lecken sie nun den Boden vor dem Rathaus. Sie fordern, sie bitten, sie betteln um die Erlaubnis, in der Innenstadt jeden Menschen, den sie anzulocken vermögen, möglichst 24 Stunden am Tag mit Alkohol füllen und dazu möglichst laute Musik machen zu dürfen. Wäre es nicht geistig gesünder, wenn sie sich der Frage stellten, ob es ihrer vielleicht zuviele sind? ob es für 30, 40 oder 50% ihrer Unternehmen keinen Bedarf gibt, vielleicht nie gegeben hat?

      Auch mit meinem Verhalten und dem meiner Nachbarn bin ich nicht zufrieden. Seit wievielen Jahren nehmen wir den immer lauter werdenden Lärm hin? Wer erinnert sich noch, wie ruhig die Schröderstraße, in der ich seit 1982 wohne, selbst in den Sommermonaten war, bevor es den Wirten erlaubt wurde, auf der Straße Tische aufzustellen und bis 1 Uhr nachts und länger ihre immer lauter werdenden Gäste zu bedienen? Welchen Sinn kann ein Gesetz noch haben, das uns Mieter zur Einhaltung der Nachtruhe zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens verpflichtet, wenn den Wirten und ihren Gäste die Mißachtung eben dieses Gesetzes nachgesehen wird? Was ist das für eine Stadt, die auf unserer Pflicht besteht, indem sie unser Recht verschenkt? Ist die Stadt krank? Leidet sie an Schizophrenie? Ist sie durch eigene Schuld so pathisch verschuldet, daß sie, um an dringend benötigte Steuergelder zu gelangen, uns in den Zustand der Rechtlosigkeit versetzen muß?

      Den jungen Befürwortern der Gröl- und Kotzkultur, die in ihrem Übermut glauben, Lüneburg habe schon immer den Ruf einer vormenschlichen Saufzentrale gehabt, ja, die Ilmenau sei eigentlich aus dem Erbrochenen des homo alcoholensis entstanden – ihnen darf ich versichern, daß Lüneburg tatsächlich einmal einen anderen, einen wirklich kultivierten Charakter hatte:

      Man redete lange im Heidkrug, im Schallander, im Alten Brauhaus , in der Tee- und in der Kutscherstube, bei Illert und in einigen anderen Lokalen, die alle eines gemeinsam hatten: Man konnte in ihnen reden. Da, am Nebentisch, in der Krone, saß Professor Schweppenhäuser, und auch er redete. Und warum konnte auch er das? Weil es in den genannten Lokalen – ich greife mir ungläubig an den ergrauenden Kopf – nicht einen einzigen Ton einer irgendwie gearteten Musik gab. „O tempora, o mores!“ Das übersetzte, vor mehr als 50 Jahren, ein Klassenkamerad mit „Ach, du liebe Zeit!“.

      Damals lachte ich, heute erkenne ich den Doppelsinn.

      • O tempora, o mores

        Liebe Frau oder lieber Herr Unbekannt aus der Schröderstraße,

        Ihre Schilderung der Lüneburger „Party-, Zapf-, Bestell- und Bedienungskultur“ ist großartig geschrieben. Ein Gemälde, das wahrhaftig das Allgemeine im Besonderen enthüllt. Ich habe beim Durchlesen auch gelacht und vieles wieder erkannt. Sie haben recht, heute wird mit dem Wort „Kultur“ viel dummes Zeug getrieben. Wenn an der Leuphana demnächst ein Seminar über die „Kultur des Nasebohrens“ angeboten wird, würde ich mich nicht wundern. Aber ob die kernige Heike (Beitrag unten vom 23. Januar 2015 um 16:18) an derartiger „Reflexionskultur“ Spaß hätte, bezweifle ich.

        Nein, die „Debatte“ am 17. 12. 2014 über die „Vergnügungssteuer“ habe ich mir nicht angehört. Ich habe sie nur erwähnt, weil ich den überfordernden Irrwitz aufzeigen wollte, dass an einem einzigen Tag im Stadtrat über einen tausende Posten und schwer verständliche, aber folgenreiche Einzelheiten umfassenden Haushaltsplan genauso beschlossen wird wie über ein groteskes Detail.

        Was Sie als Anwohner beschäftigt kann ich nachvollziehen. Ein Aspekt ist wohl auch die hiesige „Feierkultur“ wie sie in der Lüneburger „Stadtfestkultur“ ihren bizarrsten Ausdruck findet.

        Darüber hatte Blog.JJ mit seinen Kommentatoren ja schon einiges sehr Kritisches zu sagen:

        http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/207021-das-lueneburg-marketing-scheitert-eitelkeit-und-werbe-spagat-zwischen-tourismus-und-kaufhaus-innenstadt#comment-31013

        und zum Hintergrund:

        http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/205489-der-naechste-geht-von-bord

        Aber ich bin noch Student. Und obwohl ich mir ab und an auch „ungläubig an meinen (hoffentlich noch nicht so bald) ergrauenden Kopf greife“, wenn ich dem „homo alcoholensis“ begegne, muss ich doch sagen, dass auch die Menschen meiner Generation miteinander reden. Wenn es uns zu laut ist, gehen wir einfach dahin, wo das Reden möglich ist. Das ist dann meistens natürlich nicht das Stadtzentrum im „Kaufhaus Lüneburg“.

        Fragen Sie Herrn Adam und Herrn Pauly, unter dem Pflaster liegt der Strand !

        Aber danke, für Ihre schöne Aufnahme von Lüneburgs Innenstadt bei Nacht.

        Mit mitfühlenden, manchmal mitleidenden Grüßen

        Tobias Günther

  8. Eine irrige Meinung kann da geduldet werden, wo die Vernunft frei ist, sie zu bekämpfen.

    Thomas Jefferson

  9. Herr Adam, Herr Pauly. Ich hätt da auch mal ne Frage: Was halten Sie von der Neuaufstellung des Bebauungsplanes „Lübecker Straße“, mit welcher u. a. die Ansiedlung eines „Vollsortimenters“ im Hanseviertel erreicht werden soll und davon, wie dieses „Entwicklungsprojekt“ eingetütet wird?

    Hintergrund:

    Im Bog.JJ vom 8. August 2014 „Erst kommt der Gutachter, dann der Supermarkt“ hat Herr Hans-Herbert Jenckel beschrieben, wie sich mancherorts Lokalpolitiker „Gutachten“ bestellen und einkaufen, um sich vorab gefasste Absichten und bereits getroffene Abreden nachträglich „fachmännisch“ absegnen zu lassen: Wo immer etwa „Konsum-Konglomerate entstehen“, so Jenckel, „sind als Herolde die bezahlten Gutachter am Werk. Und deswegen sind nicht nur Supermärkte eine sichere Sache, schließlich ist der Bedarf per Expertise belegt, sondern auch das Planen verspricht über Gutachten prima Renditen“. Aus eigener Erfahrung weiß ich, die Praxis der „Kick-Back-Bewertungen“, die ihrem Auftraggeber die gewünschten Ergebnisse mit dem Qualitätssiegel „wissenschaftlicher“ Objektivität „rückerstatten“, ist in vielen Gemeinden Usus. Übrigens versuchen auch Universitäten in den lukrativen Markt der zirkulären Selbstbestätigung zu gelangen, um den wachsenden Bedarf an „nützlichen“ sogenannten „Studien“ zu decken.

    Ein(e) Kommentator(in) Jenckels hat unter dem Titel „Gutachtersupermarkt“ die „CIMA“ unter die Lupe genommen (http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/182277-erst-kommt-der-gutachter-dann-der-supermarkt#comment-7814). Das gelungene Röntgenbild dieser „Evaluationsfabrik“ für bestellte, maßgeschneiderte Gutachten, deren Dienste auch von „der Stadt“ Lüneburg in Anspruch genommen werden, ist erschütternd.

    Gestern nun, nachdem der Bauausschuss sich am Vortag getroffen hatte, um das unter Bürgern und Anwohnern, aber auch unter Stadträten kontroverse Vorhaben zu erörtern, war in der LZ zu lesen: „Stadtbaurätin Heike Gundermann erinnerte eingangs daran, dass der Ausweisung von Einzelhandelsflächen im Zentrum des Hanseviertels ein Gutachten zugrunde liegt. Das hatte die Stadt im vergangenen Jahr (Bei der „CIMA“ natürlich !) in Auftrag gegeben“ — und dafür nach Fertigstellung eine ordentliche Summe Geldes bezahlt. Der Stadtrat hat die „Ergebnisse“ und „Empfehlungen“ dieses „Gutachtens“ Ende November akzeptiert.

    Was halten Sie von Rainer Petrolls (Linke) Einwurf, dass die Sparkasse bzw. ihre Tochter, die „idb Grundstücksentwicklung Immobilien“, offenbar schon vor der ja noch ausstehenden Änderung des Bebauungsplanes eine Entscheidung zugunsten von Rewe getroffen habe? Was halten Sie von seiner Kritik, „dass das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten ein Gefälligkeitsgutachten für die Sparkasse sei“?

    Was halten Sie davon, dass es „auf die Frage von Stadtrat Andreas Meihsies (Grüne), ob es bereits einen oder mehrere Investoren gebe, die für das Projekt Interesse bekundet hätten, seitens der Verwaltung hieß“, dies würde „im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung des Bauausschusses beantwortet“.

    Halten Sie es für einen guten, offenen, um konstruktive Zusammenarbeit des Rates bemühten Stil, wenn der Ausschussvorsitzende Heiko Dörbaum (SPD) solche Fragen abschmettert, indem er „untermauert“, “Wir planen hier für die Bürger“, und sein Fraktionskollege Klaus-Dieter Salewski mit der Bemerkung sekundiert, „von einer Rückwärtsdiskussion“ halte er nichts?

    (Bezug: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/212400-ausschuss-ebnet-weg-fuer-einkaufszentrum-im-hanseviertel#comment-33260)

    • Was mich ein bisschen wundert: Dass Herr Andreas Meihsies (Grüne) gezwungen ist, 1.) öffentlich zu fragen, „ob es bereits einen oder mehrere Investoren gebe, die für das Projekt Interesse bekundet hätten“ und 2.) sich „seitens der Verwaltung” Bescheid abholen muss, dies würde “im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung des Bauausschusses beantwortet”.

      Ist Herr Meihsies denn nicht seit dem 1. November 2011 Bürgermeister in Lüneburg sowie Beigeordneter im Verwaltungsausschuss und bei Finanzberatungen des Verwaltungsausschusses — und damit Teil „der Verwaltung“? Und ist er nicht außerdem seit dem 1. November 2011 Mitglied im Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung und Mitglied im Aufsichtsrat der Lüneburger Wohnungsbau GmbH?

      Wie kann er dann nicht wissen, „ob es bereits einen oder mehrere Investoren gebe, die für das Projekt“ im Hanseviertel „Interesse bekundet“ haben?

      • Sehr geehrte Frau Tröger,

        als Andreas Meihsies die Frage im Bauausschuss stellte, dürfte ihm die Antwort bereits bewusst gewesen sein, da der Investor (IDB/Sparkasse) bereits in einem Journal berichtet haben, dass sich ein REWE-Markt mit ca. 1300m² Verkaufsfläche ansiedeln wird. Das bezeugt, wie wenig ernst andere den Rat und wie wenig ernst der Rat sich selbst nimmt, denn der Stand war, dass 800m² Verkaufsfläche erlaubt waren und die Änderung auf deutlich größere zugelassene Verkaufsflächen eigentlich erst noch abgestimmt werden musste. Ein sich ernst nehmender Rat würde darauf bestehen erst über das Zulassen eines höchst strittigen weil zu großen Marktes zu entscheiden und dann die Suche nach Investoren zulassen und nicht erst Investoren Fakten schaffen lassen und die Änderungserwartungen dann nur noch nachzuvollziehen.

    • An Luise Tröger

      Andreas Meihsies?

      Dass „nämlich Politiker und in politischen Rollen agierende Personen, soweit wir die historischen Zeugnisse kennen, zu allen Zeiten versucht haben, ihre Absichten oder Leistungen, ihre Person oder die Gruppe, für die sie standen, durch vorbedachte Inszenierungen für ein Publikum ins rechte Licht zu rücken, kann als eine triviale Einsicht gelten. Als Pontius Pilatus sich nach dem Urteilsspruch über Jesus ostentativ in der Öffentlichkeit die Hände wusch, um seine Unschuld symbolisch sinnfällig zu zelebrieren, erbrachte er eine wohlkalkulierte, in ihren Wirkungen nicht nur das anwesende Publikum, sondern das Publikum der Jahrtausende beeindruckende politische Performance ersten Ranges, der nichts fehlte, was zu einer “Glanzleistung” dieser Gattung gehört.“

      Zitiert aus: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/210626-das-selbstverstaendnis-des-linken-ratsherrn-michel-pauly#comment-32218

      lg

      Volker Borchardt

    • Sehr geehrte Frau Kästner,

      in der Tat könnte man schnell den Eindruck gewinnen, dass einige Gutachter und ihre Gutachten mit einem klar definierten Ziel der Auftraggeber in Auftrag gegeben werden und diesem regelmäßig dem Wunsch des Auftraggebers auch entsprechen. Solche Gutachten klären teilweise rechtlich Zulässiges, treffen mehr oder weniger plausible Annahmen und entheben ein stückweit Ratspolitiker ihrer Abwägungsfunktion. Denn welcher Ratspolitiker stemmt sich schon gegen eine so „objektive Bewertung“? Das Vorschieben einer tatsächlichen oder oft nur scheinbaren Expertise vor eine eigene Abwägung ist aus meiner Sicht Flucht vor dem, was Kommunalpolitik machen muss. Sie muss Interessen abwägen. Und ich beharre darauf, es gibt fast nie eine „richtige“ oder „falsche“ Entscheidung. Es gibt nur eine Entscheidung die einige Gruppen von Menschen besser oder schlechter stellt gegen andere Gruppen.

      Das Einzelhandelsgutachten wird als Monstranz von Seiten der Mehrheit vor sich hergetragen und erklärt, man könne sich nicht dagegen stemmen und im Endeffekt verschwände ja auch kein Markt. Das mag kurzfristig und im Einzelfall sogar stimmen. Der Markt an der Bleckeder Landstraße soll ja zum Lucia-Gelände umziehen, Penny an der Dahlenburger bleiben. Insofern verschwindet (zunächst) kein Markt durch das Zulassen eines größeren Einzelhandels im Hanseviertel. Wenn wir aber alle diese Entscheidungen für Erweiterungen von Einzelhandel (Lebensmittelvollsortimenter und Discounter) zusammennehmen, dann werden wir schnell sehen, dass pro Markt die verkauften Produkte steigen und bei nahezu gleich bleibender Gesamtkaufkraft damit andere, kleinere Standorte, unattraktiver werden. Wie einstmals „Tante Emma“-Läden von Supermärkten vertrieben werden, werden mittelgroße Supermärkte heute von Supermärkten mit 1200m² Verkaufsfläche und mehr vertrieben. Und da einige große Märkte den Großteil der Kundschaft aufgrund ihrer Größenvorteile und ihrer schöneren Präsentationsmöglichkeiten „einsammeln“, können sich kleinere Märkte als Konkurrenz nicht halten. Das führt zu weniger aber dafür größeren Einkaufsmöglichkeiten, zu längeren Wegen zum Supermarkt, zu längeren Fahrstrecken mit Autos, einem höheren Mobilitätsbedarf, etc. Für die Hansestadt Lüneburg halte ich diese Richtung für falsch. Und ich lasse mir auch nicht erklären, dass es ja am Ende Kunden wären, die über den Fortbestand eines Einzelhändlers entschieden. Wenn wir als Kommunalpolitik große Märkte zulassen, die aufgrund von Skaleneffekten für das Individuum einen großen Nutzen versprühen (ich sage jetzt mal: Kaufland), dann werden dort Kunden hingehen, so funktioniert unsere Wirtschaft. Das andere Kunden dann vor bald verschlossenen Türen kleinerer Märkte stehen, ist die Folge und führt gesamtökonomisch zu mutmaßlich schlechteren Ergebnissen. Gerade ganz junge Menschen und weniger mobile Menschen im hohen Alter können eben nicht nach der Arbeit bei Kaufland vorbeifahren (wie ich das selbst 2-3 Mal getan habe in letzter Zeit). Für einen kleinen Vorteil vieler Kunden wird ein großer Nachteil für eine kleine Klientel in Kauf genommen.

      Ich muss übrigens sagen, das ist nicht gegen ALDI, LIDL oder REWE gerichtet. Sie verfolgen ihre berechtigten betriebswirtschaftlichen Interessen. Wir aber als kollektive Entscheider müssen zumindest eine volkswirtschaftliche Perspektive einnehmen. Und da können sich Interessen widersprechen.

      • @ Michèl Pauly

        Sie haben vergessen, dass hinter der „Monstranz [, die] von Seiten der [Rats-]Mehrheit vor sich hergetragen und [von der] erklärt [wird], man könne sich nicht dagegen stemmen“, ein sehr handfestes wirtschaftlich-finanzielles Interesse steht, nämlich das des „Investors“ (IDB/Sparkasse), der ja eigentlich ein Geldverdienevehikel ist, und in dem wiederum sehr merkwürdige kleine Geldverdienemänner eine noch sehr viel merkwürdigere personelle Positionierungs- und Teilhabe-Scharade aufführen.

        Ludwig Dittmer

        • Das „wirtschaftlich-finanzielle Interesse“ habe ich als bekannt vorausgesetzt.

          Dieses ist übrigens legitim. Ich erwarte von Wirtschaftssubjekten, seien es Konsumenten oder Unternehmen, kein mildtätiges, dem Allgemeinwohl dienendes Verhalten. Ich erwarte aber von Politik diese gleichsam egoistischen wie legitimen Verhaltensweisen zu verstehen, anzuerkennen und Ihnen politische Grenzen zu setzen im Sinne des Allgemeinwohls – etwa durch das Ausweisen kleinerer maximal zulässiger Verkaufsflächen für Lebensmittel.

      • „Das Vorschieben einer tatsächlichen oder oft nur scheinbaren Expertise vor eine eigene Abwägung ist aus meiner Sicht Flucht vor dem, was Kommunalpolitik machen muss.“

        Ich halte das Einkaufen gewünschter „Beweise“ von instruierten „Gutachtern“, mit denen man „den Bürgern“ Unausweichlichkeiten vorgaukeln will, schlicht für eine Bevorteilung der „Investoren“, deren Interessen den Inhalt jener „Instruktionen“ ausmachen.

        „Ich beharre darauf, es gibt fast nie eine “richtige” oder “falsche” Entscheidung. Es gibt nur eine Entscheidung die einige Gruppen von Menschen besser oder schlechter stellt gegen andere Gruppen.“

        Da stimmen Sie ja zu hundert Prozent mit Herrn Johndreieck („Fragen“, 23. Januar 2015 um 20:41) zusammen, der geschrieben hat, „die konkrete inhaltliche Bestimmung des Gemeinwohls“ sei „immer von den Interessen und Zielen derjenigen abhängig (…), die sich auf das Gemeinwohl berufen und das Gemeinwohl bestimmen bzw. definieren (wollen) und/oder derjenigen, denen die Verwirklichung des Gemeinwohl nutzt.“ Ich bin da nicht so pessimistisch. Wie Sie selber ausführen, kann man durch volkswirtschaftliche Gesamtbetrachtungen, die von unvoreingenommenen breiten Umfragen flankiert werden, sehr wohl die mittel- und längerfristigen Folgen von „Investoren-Vorschlägen“ ermitteln und so echte Gemeinwohldienlichkeit näherungsweise ebenfalls eruieren. Zu diesen Folgen gehören aber eben nicht nur die Gewinnerwartungen dieser „Investoren“, selbst dann nicht, wenn eine Kommune sie sich als Kreditgeber gewogen stimmen und erhalten möchte oder sogar Anteilseigner ist, und zu den Folgen gehören auch nicht nur die Gewinnerwartungen der assoziierten Entwicklungsgesellschaften und Bauunternehmen, genauso wenig allein der Komfort der künftigen Hanseviertel-Bewohner und schon überhaupt gar nicht die „Erfolge“ von Ratsherren, die mit dem Finger auf eine künstliche Glanzwelt zeigen möchten, um behaupten zu können, die hätten sie „für die Bürger geplant“, sondern eben auch, wie Sie schreiben, das Wegbrechen fußnaher Einkaufmöglichkeiten für Kinder, Senioren und weniger „mobile“ Menschen sowie die drohende strukturelle Verödung ganzer umliegender Quartiere, in denen es dann eben kein nachbarschaftliches Straßenleben mit kleineren Geschäften, Cafés und Dienstleistern wie Friseuren, Buchhändlern oder Blumenläden mehr gibt — und natürlich dann später auch keinen „Anspruch“ mehr auf besondere Pflege, Begrünung oder das „Fördern“ sozialer Freizeiteinrichtungen wie von Parkbänken oder Spielplätzen, etc.

        MfG

        Jens Uwe Segert

  10. Björn

    Du schreibst: „Ich glaube jede Bürgerin und jeder Bürger dieser Stadt macht Kommunalpolitik im eigenen Kontext und mit den eigenen Möglichkeiten. Ratspolitik und die Mitglieder des Rates eben nur mit entsprechenden Rechten und Pflichten aus dem Kommunalverfassungsgesetz.“

    Das hört sich sehr nach dem Ausspruch von Joseph Beuys an: „Jeder ist ein Künstler … im ursprünglichen Kontext“. Die Beuys´sche Theorie der „Sozialen Plastik“ besagt, jeder Mensch könne durch kreatives Handeln zum Wohl der Gemeinschaft beitragen und dadurch plastizierend auf die Gesellschaft einwirken und das sei natürlich immer auch eine politische Aktion, so Beuys, 1967: „Und zum Beispiel »jeder Mensch ist ein Künstler« ist ja nichts anderes als das Entstehen einer neuen Kunstdisziplin, die jeder Mensch potentiell kann: nämlich am sozialen Leben gestaltend mitzuwirken. Wenn ich sage »Jeder Mensch ist ein Künstler« wird ja nicht behauptet, jeder Mensch sei ein Maler, Bildhauer oder Musiker, also solche traditionellen, bereits existierenden Disziplinen…, sondern hier ist auch ein ganz anderes Feld angesprochen, nämlich die Partizipation aller an der Zukunft der Gesellschaft, der verschiedenen Bereiche, nach ihren wünschen und Möglichkeiten … Also das ist insofern selbstverständlich eine, in Klammern, politische Aktion, weil es sich auf die Kernfrage unserer Gesellschaft bezieht, methodisch.“

    Was ich mich frage: Bezeichnen wir den Bereich, in dem alles und jedes auf irgendeine schwer durchschaubare Weise mit jedem und allem anderen zusammenhängt und aufeinander einwirkt nicht gewöhnlich als „unser Leben“? Warum sollten wir „das Leben“ aber nun „Kommunalpolitik“ nennen, wenn es nach dir — oder „Kunst“, wenn es nach Beuys geht? Hat es denn keinen Sinn, das „gewöhnliche“ Leben und unsere sozialen Rollen und Funktionen auseinander zu halten? Wenn ich an einem lauen Frühlingsabend in meiner Hängematte döse und beim Betrachten des Mondes versonnen in der Nase bohre, will ich weder Kommunalpolitiker noch Künstler sein. Das will ich sogar die meiste Zeit nicht sein. Ich habe schon genug mit dem Melken und Viehfüttern zu tun. Ich bin „Bürgerin dieser Stadt“, versuche, mich nicht aufzuspielen und Mensch und Tier respektvoll zu behandeln, und helfe und packe mit an, wo Not am Mann ist, und stehe am Wochenende auf dem Markt. Ich bin neugierig, klöne viel und tratsche gern, aber ich falle über niemanden her (bis auf meinen Günter, manchmal), disse andere nicht, aber ich liebe Nudeln mit Hirschgulasch, Salsa und Discofox und trinke an manchen Samstagen zwei, drei Bier zuviel. Sogar als Frau! Was ich mache? Ich lebe. Was ich, indem ich so lebe, nicht mache und auch nicht machen will, ist „Kommunalpolitik im eigenen Kontext und mit den eigenen Möglichkeiten“. Demnächst kommt einer und sagt, irgendwie sei ja alles menschliche Miteinander Therapie — und im Grunde jeder auf seine Weise und in seinem Kontext Psychoanalytiker. Igitt!

  11. Björn Adam, Sie legen sich zwei Fragen vor. 1.) Was ist eigentlich gute Kommunalpolitik? 2.) Was macht ein gutes Ratsmitglied aus?

    Ihr Aufsatz ist lang und gewunden. Sie beginnen mit Frage zwei und widmen ihr 80 % Ihres Textes. Ich habe beim Lesen versucht, die Essenz ihrer Sätze abschnittsweise auf einen Begriff zu bringen und komme zu folgenden Antwortlisten:

    Zu 2.) Was ein gutes Ratsmitglied ausmacht:

    Gemeinwohlhandeln; Uneigennützigkeit; Bescheidenheit; Kooperationsbereitschaft; die Fähigkeit zur Selbstreflexion, Selbstprüfung und Selbstveränderung; Konsensorientierung; das Vermögen, die Perspektive anderer in die eigenen Überlegungen einzubeziehen; Bodenständigkeit und Bürger- bzw. Lebensnähe; Überzeugungstreue; Geradlinigkeit und Charakterfestigkeit; Duldsamkeit und Achtung für abweichende Meinungen; Frustrationstoleranz; Selbstdisziplin und Harnäckigkeit.

    Zu 1.) Was gute Kommunalpolitik eigentlich ist:

    Eine durch gesetzlichen Explikation spezieller Rechte und Pflichten geregelte, besonders bewusste Form des Dienstes am Gemeinwohl, welcher sich an der unparteiisch ausgleichenden Berücksichtigung oder Überbrückung von Individual- oder Gruppeninteressen (nach dem Vorbild uneingeschränkt gutwilligen nachbarschaftlichen Miteinanders) orientiert.
    _____________________________

    Ihre Antwort zu 2.) bietet eine nahezu ideale Aufstellung menschlicher Tugenden und damit einen anspruchsvollen normativen Maßstab. Irrtum, Schwäche und Fehlbarkeit stellen Sie zwar in Rechnung, sehen Sie aber als minimierbar bzw. überwindbar an. Dummheit, Sturheit, Bequemlichkeit, Rücksichtslosigkeit, Zynismus oder Bösartigkeit kommen bei Ihnen nicht vor. Was fehlt: Wohlwollen, Takt, Höflichkeit, Großzügigkeit, Menschlichkeit, Gelassenheit, Wahrheitsliebe, Fleiß, Lernwilligkeit, Mut und vor allem — Humor.

    Ihre Antwort zu 1.) übersieht meines Erachtens, dass in pluralistischen, offenen Gesellschaften die konkrete inhaltliche Bestimmung des Gemeinwohls immer von den Interessen und Zielen derjenigen abhängig ist, die sich auf das Gemeinwohl berufen und das Gemeinwohl bestimmen bzw. definieren (wollen) und/oder derjenigen, denen die Verwirklichung des „Gemeinwohl“ nutzt. Obwohl es das gemeinsame Gute als regulative Idee geben muss, bleibt im praktischen Einzelfall meistens strittig, a) ob sich das jeweils konkrete Gemeinwohl lediglich als Summe der partikularen Interessen ergibt oder ob es eine eigene spezifische Qualität hat und b) ob erst rückblickend (ex post) oder bereits vorher (ex ante) festgestellt werden kann, ob ein bestimmtes Vorhaben dem Gemeinwohl tatsächlich dient.

    Meine Fragen:

    A) Trifft diese Zusammenfassung in etwa das, was sie sagen wollten?

    B) Treffen meine Einwände? Was würden Sie entgegnen?

    MfG

    Helmut Johndreieck

  12. Wenn Sie geschwollen daherreden, sind Sie schon böse. Ein Mensch, der sich erbost, bläst sich auf, damit er nicht so gering und wertlos wirkt. Wie ist es beim schreiben?

    • Wie´s mit dem bösen sich Aufblasen beim Schreiben ist, um nicht so gering und wertlos zu wirken, müssten Sie doch besser wissen als jeder andere Mensch in Lüneburg und seinen Randortschaften.

  13. >Ja, Herr Bruns, ich rede „geschwollen daher“, aber ich kann nicht anders. Meine Eltern haben mich vernachlässigt, als noch Zeit zum Einschreiten gewesen wäre. Und meine Erzieher waren ohne Geduld mit mir und haben mich mit der Eselskappe über den Ohren in der Papierkorbecke des Klassenzimmers stehen lassen, während meine Mitschüler lernten und zu ordentlichen Menschen heranwuchsen.Mag sein, dass „ein Mensch, der sich erbost, sich auch aufbläst“. Daraus folgt aber nicht, dass ein Mensch, der sich aufbläst, sich auch erbost. Es gibt Beispiele: PR-Autoren, die ihren Anliegen Geltung und Gehör verschaffen möchten, blasen sich (sprachlich) und ihre Sache (werbetechnisch) gerne auf, ohne deshalb „böse“ zu sein. Im besten Fall sind sie überzeugt von dem, was sie durch Übergehen des Nachteiligen und Hervorheben des für vorteilhaft Gehaltenen dichterisch „erfinden“, im Normalfall werden sie für ihr Geschick des preisenden Präsentierens bezahlt und im ungünstigsten Fall sind sie gezwungen, das „Glück zu korrigieren“, wie es bei Lessing heißt („Corriger la fortune“, Minna von Barnhelm, 2. Auftritt) , weil sie sonst in eine unerquickliche berufliche Lage gerieten.Es gibt aber auch Menschen wie Sie, Herr Bruns. Das sind von den Göttern gesegnete Naturen, die es nicht nötig haben, sich „aufzublasen“, weil sie mit der Begabung des schriftstellerischen Könnens und des immer treffenden und von jedermann sofort verstehbaren nadelspitzen Ausdrucks beschenkt wurden. Doch meine ich, wer der Gnade teilhaftig ist, seine Dinge in der gesalzenen Knappheit und der geballten Wucht pfeilschlanker attischer Prosa vortragen zu können, wie Sie, der sollte mit seinem Genie die weitaus Geringeren und meilenweit unter ihm Stehenden nicht beschämen. Er sollte seine große geistige und rhetorische Überlegenheit nicht jenen unschuldigen Leser spüren lassen, dessen ganzes Bestreben – so wie das meine oben – dahin ging, etwas mehr Klarheit in einen Text zu bringen, der zwar durch Leidenschaft, Herzensfülle und Aufrichtigkeit anspricht, aber von einem essayistisch überbordenden Vorstellungsreichtum zeugt (indem er dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gibt, so romantisiert er es und konzentriert es in einem Aufsatz), welcher nach behutsam sortierender Auslegung förmlich schreit. Ich gebe es zu. Ich habe mich in grässlicher, unentschuldbarer Oberlehrermanier vorgedrängelt und mich auf die lächerlichste Weise selbst überschätzend daran gewagt, Herrn Adam auf seinen – für mich – auf den ersten Blick nicht in Gänze zu erfassenden Gedankenbahnen zu folgen, um aus der Komplexität des durcheilten Panoramas ein – freilich völlig unzureichendes – Destillat zu ziehen. Doch war dies nicht als Bosheit gemeint, sondern, das können Sie meinen beiden Schlussfragen entnehmen, als Angebot, wenigstens einige seiner unzähligen wertvollen Anregungen für einen so beschränkten Kopf, wie ich einer bin, festzuhalten und sie – in meiner Interpretation – an ihn – an Herrn Adam – zur Begutachtung und Selbstverständigung zurückzuspielen. Sollte ich damit die Schwelle des Takts und des Angängigen überschritten haben, wird Herr Adam mich mit ewigem Schweigen strafen. Sollte ich mich mit meinem schüchternen Versuch, ein paar Sichtachsen durch das gewaltige Adam´sche Ideen-Eden mit seiner berauschenden Blütenvielfalt zu ziehen, jedoch derart „aufgeblasen“ haben, dass die Grenzen des irgend Hinnehmbaren überhaupt missachtet wurden, so wird die Blog.JJ-Redaktion sicherlich einschreiten und die Löschtaste drücken.Einer wie Sie, Herr Bruns, der wie Hegels Weltgeist „der Zeit das Kommandowort zu avancieren“ gibt und dem klar ist, dass inferiore Kreaturen wie ich „gar von nichts wissen, um was es sich handelt, und nur Stöße durch den Kopf kriegen wie von einer unsichtbaren Hand“, — Sie werden einfach über mich hinwegsehen, mich keines Ihrer erlösenden oder zernichtenden Zauberworte mehr würdigen und sich – im Stillen – vorsprechen: „All sein verweilerisches Geflunkere und seine weisemacherische Luftstreicherei hilft nichts dagegen – ein Wicht mit Namen Johndreieck kann einem Koloss wie mir, Klaus Bruns aus Reppenstedt, vielleicht etwa bis an die Schuhriemen reichen und ein bisschen Schuhwichse oder Straßenkot daran schmieren, aber er vermag dieselben nicht zu lösen oder gar die Siebenmeilenstiefel, wenn ich diese angelegt, auszuziehen.“Seien Sie milde mit einem armen Gnom, der sich an Herrn Adam wandte, ohne Ihre Erlaubnis zu erbitten, üben Sie Nachsicht mit dem Zwerg, ich flehe Sie an.MfGHelmut Johndreieck

    • schuhe passen immer denen, die bereit sind, sie anzuziehen. ich empfehle das buch
      Du bist, was du sagst.Von Joachim Schaffer-Suchomel und Klaus Krebs

      • Das mag in Reppenstedt so sein, bei Aschenputtel war das anders. Und von Herrn Mädge liest man sogar, er trage seine Mephistos, die Marschall-Stiefel für schnelle Ratsfüchse mit extradicken Minister-Imponierdekonähten auf den Stahlkappen, immer zwei Nummern zu klein, um sich zum ganz vorne Mitdabeisein zu motivieren. Heike oben, 23. Januar 2015 um 16:18, wollte sich die von Herrn Adam entworfenen Schuhe nicht anziehen, obwohl sie doch angeblich jedem in Lüneburg passen, während Herr Spoun und Herr Keller ihre medialen Schauläufe nur in spektakulären handgearbeiteten Premium-Budapestern aufführen, die eine Gesamtnutzfläche von mindestens 13.200 Quadratmetern haben, 37 Meter hoch sind und manchmal bis zu 125 Millionen Euro kosten. Die passen ihnen zwar auch nicht, aber das kennt man ja von Zirkusclowns. Die ziehen prinzipiell solche riesigen glänzenden Galoschen an, wenn sie ins Jackpot Casino gehen, weil sie darin beim EU-Roulette-Spielen einfach die elegantere Figur machen.

    • http://sciencefiles.org/tag/karl-r-popper/

      Diese Reaktion zeigt einen erschreckenden Mangel an kritischer Kultur, an Fähigkeit, andere Meinungen zu akzeptieren und an der Bereitschaft, Respekt für das jeweilige Gegenüber aufzubringen. Diese vor allem bei deutschen Intellektuellen verbreitete Unfähigkeit ist nicht neu. Sir Karl R. Popper hat sie bereits 1958 in einem Vortrag beschrieben,

      • Marlies Michels-Honrichsen

        Lieber Herr Bruns,

        ich möchte einen Versuch machen, ernsthaft mit Ihnen zu sprechen und möchte Sie bitten, über meine gleich folgenden Ausführungen für einige Minuten sorgfältig nachzudenken, bevor Sie darauf reagieren.

        Ich habe mir den Blog-Eintrag bei ScienceFiles vom 23. August 2011 (http://sciencefiles.org/tag/karl-r-popper/), auf den Sie sich beziehen, durchgelesen. Er trägt den Titel „Deutsche Diskussionskultur!?“. Ausrufe- und Fragezeichen am Ende sollen wohl besagen, dass es um etwas Wertvolles geht, das irgendwie problematisch gehandhabt wird.

        Im Zentrum einer Debatte, deren Gegenstand und Einzelheiten hier nicht von Belang sind, stand die Frage, „wo die Grenzen der Meinungsfreiheit, wenn es sie überhaupt gibt, verlaufen“.

        Der anonyme (!) Autor stellt fest, dass das öffentliche Gespräch „schon nach kurzer Zeit zum Austausch emotionaler und affektiv besetzter Inhalte wurde und alle vernünftige Diskussion der offensichtlich befriedigenderen verbalen und unbegründeten Diskreditierung des Gegenüber gewichen ist“ und zwar bei Leuten, ich zitiere:

        „die sich im sicheren Hafen eines aus ihrer Sicht ideologisch gleichgeschalteten Blogs wähnen, zu affektiven Abwehrreaktionen wie sie die Behavioristen in den 1930er und 1940er Jahren beschrieben haben. An die Stelle einer sachlichen Auseinandersetzung mit einer Position, die man weder teilt noch ‚gut findet‘, tritt eine emotionale Abwehrreaktion, die alle von Festinger in seiner Theorie kognitiver Dissonanz beschriebenen Stadien durchläuft, von der aggressiven Abwehr ungeliebter Inhalte, über den Versuch, die ungeliebten Inhalt durch Labeling oder Diskreditierung des Gegenüber aus der ‚eigenen Welt‘ zu schaffen, bis zum Rückzug in die Schmollecke, wenn die ungeliebten Inhalte auch nach wiederholter Aufforderung nicht weggehen.“

        Derartige Verhaltensweisen, heißt es, seien, ich zitiere erneut:

        „einerseits infantil, andererseits basieren sie auf exakt denselben Prämissen, auf denen auch die Politik der Bundesregierung basiert: auf dem Versuch, anderen die eigene Weltsicht zu oktroyieren, auf dem Versuch, alle Meinungen, die nicht in den engen Meinungsrahmen passen, den man selbst für den richtigen hält, mundtot zu machen, die entsprechenden ‚Meiner‘ umzuerziehen und in jedem Fall ihrer Rechte auf freie Meinungsäußerung zu berauben.“

        Dann kommt Ihr Zitat:

        „Diese Reaktion [da uns der Inhalt der vergangenen Auseinandersetzung hier im Moment nichts angeht, wohl besser: dieses Benehmen) zeigt einen erschreckenden Mangel an kritischer Kultur, an Fähigkeit, andere Meinungen zu akzeptieren und an der Bereitschaft, Respekt für das jeweilige Gegenüber aufzubringen. Diese vor allem bei deutschen Intellektuellen verbreitete Unfähigkeit ist nicht neu. Sir Karl R. Popper hat sie bereits 1958 in einem Vortrag beschrieben“.

        Anschließend werden ein paar Auszüge aus einem Aufsatz des Philosophen Sir Karl Raimund Popper (* 28. Juli 1902 in Wien; † 17. September 1994 in London) wiedergegeben:

        “Ich möchte mich … zuallererst als einen ganz altmodischen Philosophen vorstellen – als einen Anhänger jener längst überwundenen und verschwundenen Bewegung, die Kant ‘Aufklärung’ nannte. … Das bedeutet aber, dass ich ein Rationalist bin und an die Wahrheit und die Vernunft glaube. … Was ich meine, wenn ich von der Vernunft spreche oder vom Rationalismus, ist weiter nichts als die Überzeugung, dass wir durch Kritik lernen können – durch kritische Diskussion mit anderen und durch Selbstkritik. … Der rechte Rationalist glaubt nicht, dass er selbst oder sonst jemand die Weisheit mit dem großen Löffel gegessen habe. … Aber nur die kritische Diskussion kann uns helfen, eine Idee von mehr und mehr Seiten zu sehen und sie gerecht zu beurteilen. … Denn ein Rationalist wird sich leicht darüber klar, dass er seine Vernunft anderen Menschen verdankt. Er wird leicht einsehen, dass die kritische Einstellung nur das Ergebnis der Kritik anderer sein kann. und dass man nur durch die Kritik anderer selbstkritisch sein kann. … Das ist in Kürze, was ich meine, wenn ich mich als einen Rationalisten deklariere. … Ich denke dann an die Hoffnung einer Selbstbefreiung durch das Wissen … Und ich denke an die Pflicht jedes Intellektuellen, die leider die meisten Intellektuellen, insbesondere seit den Philosophen Fichte, Schelling und Hegel, vergessen haben. Es ist die Pflicht, nicht als Prophet zu posieren. Gegen diese Pflicht haben insbesondere die Denker Deutschlands schwer gesündigt, zweifellos weil es von ihnen erwartet wurde, dass sie als Propheten auftreten – als Religionsstifter, als Offenbarer der Geheimnisse der Welt und des Lebens.“ (Aus: Popper, Karl R. (1990) Auf der Suche nach einer besseren Welt. München: Piper, S.213-231)

        Popper, Herr Bruns, war von der grundsätzlichen Fehlbarkeit menschlicher Erkenntnis überzeugt. Ihm zufolge kann es keine absolute Gewissheit geben und lassen sich Irrtümer niemals ausschließen. Eine Strategie der Begründung oder Rechtfertigung mit dem obersten Ziel, eine Letztbegründung zu geben, kann niemals zum Erfolg führen. Daher verbleibt nur, Überzeugungen, Meinungen oder Hypothesen immer wieder auf Irrtümer hin zu überprüfen und nach Möglichkeit durch bessere zu ersetzen. JEDE „Wahrheit“ ist immer nur vorläufig und gilt nur so lange, bis sie widerlegt ist. Der Satz „alle Schwäne sind weiß“ ist nur solange „wahr“, bis einer mir einen schwarzen zeigt. Daraus ergibt sich, dass man mit generellen Aussagen sehr behutsam umgehen sollte. Man soll sie prüfen und SELBST nach den STÄRKSTEN Gründen suchen, die GEGEN sie sprechen, BEVOR man sie öffentlich zur Diskussion stellt.

        Das halte ich für eine gute und gesunde Einstellung — gegen die aber 1.) von dem hier zitierten anonymen Autor, 2.) von Sir Raimund selbst und 3.) von Ihnen, Herr Bruns, verstoßen wird.

        Zu 1.) Dass „DIE“ Politik der Bundesregierung „auf dem Versuch basiert, anderen die eigene Weltsicht zu oktroyieren“ und „auf dem Versuch, ALLE Meinungen, die nicht in den engen Meinungsrahmen passen, den man selbst für den richtigen hält, mundtot zu machen, die entsprechenden ‚Meiner‘ umzuerziehen und IN JEDEM FALL ihrer Rechte auf freie Meinungsäußerung zu berauben“, halte ich für eine dumme, durch nichts und niemanden zu beweisende verallgemeinernde Anklage, welche im Beitrag des anonymen Bloggers an KEINER Stelle auch nur im Ansatz belegt wird. Insgesamt scheint mir, dass der Autor den Vorwurf der mangelnden Meinungsftreiheit gerade dazu BENUTZT, um sich durch generelle Diskreditierung ins Recht zu setzen und sich damit auf eine Weise zu verbarrikadieren und zu immunisieren, die IHN unangreifbar macht. Sie sehen, dass Kritik, die in konkreten Einzelfällen durchaus zutreffen kann, in die Isolierzelle der Selbstgerechtigkeit führt, wenn man ihre universelle Berechtigung behauptet.

        Zu 2.) Popper hat das Problem, dass sein Satz von der allgemeinen Fehlbarkeit JEDER Behauptung auch auf SEINE BEHAUPTUNG der allgemeinen Fehlbarkeit zutreffen muss. Aber das ist eine komplizierte logische Schwierigkeit, die wir hier außen vor lassen müssen. Dass die „Philosophen Fichte, Schelling und Hegel“ und „insbesondere ‚DIE‘ Denker Deutschlands“, wie Popper meint, „schwer gegen die Pflicht gesündigt haben, nicht als Prophet zu posieren“, ist dagegen ein geradezu ungeheurer Verstoß gegen seine eigene Regel, nur Hypothesen aufzustellen, die sich im Prinzip widerlegen lassen. Eine solche Aussage, abgesehen von der Mühe auch nur IM EINZEFALL Stützendes vorzubringen (was sicher aber möglich wäre), in ihrer – ja, man muss es sagen – dummen und herabsetzenden ALLGEMEINHEIT bietet jedoch weder Angriffsfläche für Gründe, die DAFÜR noch DAGEGEN sprechen. Es handelt sich einfach um eine absurde Meinungsäußerung, die eklatant gegen die Pflicht verstößt, sich NICHT als PROPHET aufzuspielen, der einen priviligierten Zugang zur Wahrheit besitzt.

        Zu 3.) Sie, Herr Bruns, indem Sie sich A) die Rede von dem „erschreckenden Mangel an kritischer Kultur, an Fähigkeit, andere Meinungen zu akzeptieren und an der Bereitschaft, Respekt für das jeweilige Gegenüber aufzubringen“ zu eigen machen und B) „diese vor allem bei deutschen Intellektuellen verbreitete Unfähigkeit“ anführen, um Blog.JJ-Kommentatoren zur Räson zu bringen, beanspruchen ebenfalls eine Position der UNFEHLBARKEIT , indem Sie anderen — wem genau eigentlich, kann ich nicht sagen, — diese Anmaßung UNTERSTELLEN. Wenn Sie Mangel an „kritischer Kultur“, an „Respekt für das jeweilige Gegenüber“ und an Bereitschaft „andere Meinungen zu akzeptieren“ feststellen, sollten Sie, finde ich, das Symptom oder die Verfehlung GANZ KONKRET adressieren, was Sie ja durchaus gut können, wie man z. B. hier sieht: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/212209-es-gibt-immer-einen-kritischen-punkt-interview-mit-daniel-libeskind. Aber einfach mal so einen windigen Satz wie in Ihren Kommentaren vom 25. Januar 2015 um 09:14 und vom 25. Januar 2015 um 14:14 herauszuhauen, halte ich für wenig produktiv. Blog.JJ hat sich als eine sehr gute Debattenplattform etabliert, auf der sehr viele ausgezeichnete Wortmeldungen – nicht zuletzt von Ihnen – zu finden sind. Hier sind die Gespräche weitgehend frei von ausschließlich „emotional und affektiv besetzten Inhalten“ und es gibt sehr wenig „verbale und unbegründete Diskreditierung“ von Personen. Machen wir das nicht gleich wieder kaputt ! Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung in launigen, auch abstrusen oder leicht verrückten Beiträgen sind in Ordnung, direkte Angriffe sind in Ordnung, saftige Kritik und entschiedene Meinungen sind in Ordnung, Entlarvung von Vorurteilen, Schwafeleien und Verschleierungen ist in Ordnung. Doch immer genau, bitte. Und das Ziel, den Satz, das Wort, den Sachverhalt nennen. — Aber verallgemeinernde, unhaltbare und durch nichts belegte, ja nicht einmal belegbare Vorwürfe an – angeblich – im Hintergrund wirkende Bösewichte à la „Lügenpresse“ oder „Politikheuchler“, „falsche Propheten“ oder „Meinungsunterdrücker“ etc. sollten wir den armen desorientierten Populisten in Dresden, Leipzig und andernorts, (Was weiß ich, wo noch?) überlassen. Wir, die wir nicht Steigbügelhalter eines „deutschen Front National“ oder anderer verführerischen Luftfechter der diffusen Unzufriedenheit mit uns selbst sein wollen, bleiben ganz nah an der – zuweilen recht betrüblichen – Sache. Vielleich wäre das sogar ein Kriterium für „gute Kommunalpolitik“? Was denken Sie?

        In diesem Punkt gebe ich übrigens Ihrem Gewährsmann von ScienceFiles recht:

        „Eben hier verläuft der Rubicon: Wer nicht in der Lage ist, seine eigene Meinung zu BEGRÜNDEN [oder wenigstens literarisch anschaulich PLAUSIBEL zu machen], hat keine Meinung, er hat Affekte, über die er nie hinausgekommen ist, und er hat somit das Ziel der Aufklärung, nämlich die Entwicklung kritischer Persönlichkeiten zu fördern, verfehlt.“

        Mit besten Grüßen

        Marlies Michels-Honrichsen

        • Liebe Frau Michels-Honrichsen
          von Ihnen, Herr Bruns, verstoßen wird.
          ich möchte mich erstmal dafür bedanken, dass sie antworten. dann dafür, wie sie es tun. ihnen müsste aufgefallen sein, dass ich nur dann direkt werde, wenn man versucht, jemanden hier lächerlich zu machen. ob dieses meine person betrifft, oder eine andere, ist für mich zweitrangig. wer genau hinschaut , erkennt, ob ich direkt geantwortet habe, oder ob ich hier nur ein hinweis gegeben habe. auch ein sir popper ist nicht gott. es allen recht machen, schafft nicht mal hier herr jenckel, kleiner scherz. sie haben völlig recht, ich bin rationalist und für klare sätze und ein freund der gern ross und reiter nennt. ich tu es immer dann, wenn ich der meinung bin, es würde sich lohnen. einen anonymen zu benennen, betrachte ich als überflüssig. es soll hier menschen geben, die sich unter verschiedene namen selbst unterhalten. dieses wird hier auch zugelassen. man muss geld verdienen. ihre art gefällt mir, vieles ihrer aussagen kann ich auch unterschreiben, aber eines dürfen sie mir glauben, hier tu ich nichts ohne hintergedanken. mein ziel ist, dass menschen sich ernsthaft unterhalten, damit sie sich näher kommen. mit ihnen hat es doch schon mal geklappt. ich werde mich in der zukunft hier etwas zurückhalten und mehr beobachten. menschen sind ein hobby von mir.

        • Beobachten und Urteilen: das sind zwei sich
          gegenseitig ausschließende Perspektiven. Je
          nach dem, welche Perspektive wir einnehmen,
          stellen wir die Weichen unserer Kommunikation.
          Entweder in Richtung Lösung oder in Richtung
          Konfliktprogrammierung.
          Von Jiddu Krishnamurti stammt das Zitat: „Die
          höchste Form der Intelligenz ist es, zu beobachten,
          ohne zu urteilen.”
          Das beinhaltet auch die Intelligenz, uns
          zunächst einmal dabei zu beobachten, wie wir
          urteilen, ohne uns zu verurteilen…

  14. Leseprobe aus: Du bist, was du sagst von Joachim Schaffer-Suchomel und Klaus Krebs.
    Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

    „Am Anfang war das Wort“ – dieser Spruch
    aus dem Neuen Testament ist aktueller denn je.
    Mit Worten können wir uns orten und mit klaren,
    guten Sätzen schaffen wir die Voraussetzung
    für kräftige Sprünge in unserer Entwicklung.
    Sprache schöpft Wirklichkeit! „Du bist,
    was du sagst“ ist ein Sprachbuch, das Bilder und
    Gefühlsräume sichtbar macht, die hinter gedachten
    und gesprochenen Worten wirken. Es weckt auf,
    Wirklichkeit selbst und verantwortungsvoll
    zu gestalten, statt über „fremde“ Realitäten
    zu stolpern. Es stößt an, die eigenen Worte
    zu überdenken und seinen Sprach-Schatz
    mit wahren Reichtümern und guten Begriffen
    zu füllen. Sprache macht mächtig
    oder schmächtig – uns selbst und andere!
    Fassungslosigkeit geht oft mit Sprachlosigkeit
    einher. Und der Versager versagt es sich,
    über seine Probleme zu sprechen. Doch Menschen,
    die das Sagen haben und führen, bedienen sich
    einer klaren Sprache. Positive Worte
    verleihen Kraft und ziehen positive Menschen
    und Situationen an. Negative Worte bannen
    unsere Kraft, verketten und verzehren uns.

  15. Herrn Adam und Herrn Pauly kennt man nun in Lüneburg. Zwei junge, sympathische Stadträte haben quasi über Nacht ein Gesicht bekommen. Auch im Landkreis. Wir wohnen in Tosterglope. Ich bewundere den unverstellten Ernst, mit dem die beiden Einblick in ihre politische Gedankenwerkstatt gegeben haben. Gestern waren wir in Soderstorf bei meinen Verwandten mütterlicherseits. Sogar die zweiundachtzigjährige Schwester meines Großvaters hatte sich vom Enkel Lukas über Björn Adam („Das Krispinkerli mit das fesche Boartbeserl.“ Sie stammt aus Troppau in Österreichisch-Schlesien.) und Michael Pauly („Die ganz heutig ausgfeanzte Ruth Fischer aus das Lüneburger Altstadtgasslwerk.“) vorlesen lassen. Weiter so! Wir sind gespannt auf die anderen Talente.

    Ingeborg Losert

    • Ich finde das rürig wie Sie über ihre Verwandtschaftsverhältnisse und die Informationsvermittlung in dieser schreiben. Auch der Ausflug von Tosterglope in die Heide nach Soderstorf ist so spannend beschrieben. Und selbst die zweiundachtzigjährige Schwester ihres Großvaters interessiert sich noch für Lokalpolitik. Stammt auch noch aus Österreich und spricht so einen schönen Dialekt. Also wenn das alles nichts für das Sonntagabend-Programm im ZDF ist – dann verstehe ich die Welt nicht mehr.

      • Finde ich auch Heidi

        Schon der Volksmund sagt: »Wes‘ das Herz voll ist, des‘ geht der Mund über.«

        Mit diesem in vielen Sprachen bekannten Sprichwort verdeutschte Luther die Bibelstelle Matthäus 12, 34, die im Lateinischen »ex abundantia cordis os loquitur« lautet. Wörtlich würde es heißen: »Aus dem Überfluss des Herzens spricht der Mund«. In seinem »Sendbrief vom Dolmetschen« (1530) gab Luther unter anderem diese Stelle als Beispiel für sein Bemühen um eine volkstümliche Übersetzung der Bibel an. Er gebrauchte so eine den Menschen geläufige Wendung, die den Sinngehalt des Ausgangstextes prägnant wiedergibt. — Mit dem Sprichwort kommentiert man jemandes Äußerungen, die erkennen lassen, dass ihn etwas so sehr begeistert oder bewegt hat, dass er einfach darüber sprechen musste.

        Es gibt noch ein anderes nützliches Sprichwort:

        »Wer zur Sache nichts zu sagen hat, der sollte seinen Mund halten«.

        Es stammt, soweit ich weiß, von dem passionierten Protestanten und Schriftsteller Klaus Bruns aus Reppenstedt, der es der Werkausgabe seiner demnächst bei Suhrkamp erscheinenden gesammelten Denkwürdigkeiten als Motto voranstellte und sich damit auch an Leute wie Sie wendet, die immer bloß maulen und es offenbar nicht vertragen, wenn eine liebenswürdig offenherzige Ingeborg Losert aus Tosterglope ihre »unverstellte« Freude über »zwei junge, sympathische Stadträte « zum Ausdruck bringt.

        P.S.: Über den Unterschied von »rührig« und »rührend« sollten Sie vielleicht noch einmal nachdenken.

        Mit freundlichen Grüßen

        Hannes Jachmann

        • in Deutschland trugen bisher 23 Päpste den Namen Johannes
          und wie wir ja alle wissen, sind päpste unfehlbar.

        • ich muss mich korrigieren, es waren nur 23 päpste. mit brille wäre es nicht passiert.

  16. da ich rationalist bin, nur soviel: es ist erfreulich , wie herr pauly auf fragen reagiert, reagiert er auch auf meinungen? erlaubt es die zeit?

  17. Tolles Beispiel Michèl Pauly! Über die Sprachlosigkeit Ihrer Kollegen von der SPD, der CDU, der FDP und den Piraten staune ich bloß. Wie kann man so eine Chance auslassen, unter der wachen, politisch interessierten Jugend Lüneburgs Stellung zu beziehen oder wenigsten an dem einen oder anderen Punkt argumentierend einzugreifen? Ob der Mund bei einigen vielleicht von den Schlagworten der Parteireklame verklebt ist?

  18. Kostenlose Weissagung

    „Der Pauly sieht immer noch ausgesprochen freundlich aus, obwohl er im Rat schon viel Prügel hat einstecken müssen. Weiche Hülle, harter Kern. Er funkt auf allen Kanälen, und das nachhaltig. Und er steht im Stoff. (…) Er hat eine Überzeugung. Das hat bei windschnittigen Politikern, wie heute erwünscht, Seltenheitswert. “

    Aus: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/209214-lehrjahre-im-lueneburger-rat-fuer-junge-talente

    So ist es!

    Zwei bis drei Paulys in jeder Fraktion und der Stadtrat von Lüneburg wäre ein „Leuchtturm“ und eine kommunalpolitische „Modelluniversität“ für die ganze Republik — und mit einer Strahlkraft dazu, deren Energiekosten weit unter denen des neue Audimax blieben.

  19. ich halte nichts von geister-debatten. jeder, der mich direkt anspricht, sollte mal überlegen, ob er es nicht mit seinem ehrlichen namen versucht. die namen, die beim standesamt zugelassen sind, sind auch begrenzt. anonym ist zwar ganz nett, aber nicht immer sehr hilfreich. wie soll man sich niveaumäßig anpassen und verhalten, wenn man nicht weiß, ob der,,andere ,, weiß , was niveau ist?

  20. es wäre doch schön, wenn man sich in diesem gepflegten blog sich ehrlich machen würde. dieses fängt schon mal mit dem eigenen namen an. na, wer traut sich?

    • Schirm der Anonymität

      Klaus, ich dachte Sie hätten meine Überlegungen (siehe Verweis) bestätigt, gelobt und für richtig befunden:

      http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/209214-lehrjahre-im-lueneburger-rat-fuer-junge-talente#comment-32045

      Wechseln Sie je nach Laune und Tagesform Ihre Meinung ins genaue Gegenteil des vorher Gesagten?

      • Wechseln Sie je nach Laune und Tagesform Ihre Meinung ins genaue Gegenteil des vorher Gesagten?
        nein. wer genau liest und versteht, stellt diese frage nicht. ich mache aber gern kleine, aber feine unterschiede. wer mich direkt anspricht, sollte sich vorher vorstellen. bei jeder öffentlichen diskussion ist dieses auch üblich. wer es ernst meint, braucht keine anonymität. wer nur einen plausch möchte , darf es gern auch anonym tun.

        • Einfach nur schrecklich. Was täten Sie eigentlich den ganzen Tag, gäbe es all die Lerserbrief- und Kommentarspalten nicht ?

  21. herr adam, was ist los, nehmen sie ihren ehrenamtlichen job eigentlich ernst? niemand wird ihnen hier den kopf abreißen, wenn sie antworten. mindestens zwei werden dafür aufpassen.

  22. Wo warst du, Björn?

    Hat dir jemand verboten, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen?

    Für Heidi:

    „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ (hebr. עץ הדעת טוב ורע °ez had-da°at tôb wâ-râ, griech. τὸ ξύλον τοῦ εἰδέναι γνωστὸν καλοῦ καὶ πονηροῦ, lat. lignum sapientiae boni et mali) siehe: Gen 2,9 EU, vgl. Koh 3,16-21; Gen 2,17 EU, vgl. Gen 3,19 EU; Gen 3,23 EU, vgl. Offb 1,17; 22,13; Weish 9,1-3, vgl. 2,23 und Weish 3,1-4 bzw. Spr 1,7; Sir 1,11.21; Ijob 28,28, vgl. Mt 5,21-26, Eph 5,31f, Dtn 8,8 und Röm 8,4f; Gal 5,16.

    MfG

    nein, nicht Heinrich Böll,

    sondern noch einmal

    Helmut Johndreieck

  23. Lieber Björn Adam

    Du möchtest Brückenbauer in die Gesellschaft sein.

    Deine Absicht hast du erläutert.

    Umgesetzt hast du sie nicht. Jedenfalls hier nicht, wo es ganz leicht wäre, damit anzufangen.

    Warum fängst du nicht hier an, wenigstens die Brücken zu betreten, die sich dir aus der Gesellschaft bereits verlangend entgegen strecken?

    Warum gehst du nicht auf die vielen an dich gerichteten Briefe ein? Durch dein Statement oben hast du sie doch veranlasst.

    Warum überlässt du dem Michel das Brückenschlagen?

    fragt Katja Schlöteburg

  24. Blick zurück aus der Zukunft

    Berlin, Herbst 2015. Es läutete, der Ozean stand vor der Tür:

    „Ich heiße Marlies Michels-Honrichsen.“