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Lüneburgs Pawlowsche Hunde in der Zwickmühle zwischen Kirchturmpolitik und Visionen

Lüneburg, 17. Februar
blogjj
(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ. Er schreibt an dieser Stelle regelmäßig über politische Themen aus Stadt und Landkreis Lüneburg. Der Blog heißt jj, weil das sein Kürzel in der LZ ist.)

Lokalpolitiker stecken in der Zwickmühle: Betreiben sie Kirchturmpolitik, schrauben nur ein bisschen an Hunde- und Gewerbesteuer, kauen das Graubrot der Mandatsträger, mosern die Bürger: Was für Lahmtüten. Denkt einer aber groß und laut, weil gerade ein Förderprogramm lockt und dem Abgeordneten wie einem Pawlowschen Hund das Wasser im Mund zusammenläuft, erreicht ihn im Handumdrehen das Geschrei der kritischen Masse: Der hat Visionen, der muss zum Arzt.

Manchmal ist es aber auch nur eine Frage des richtigen Zeitpunktes. Also nicht immer gleich Sturmläuten. Ein Beispiel: Landrat Manfred Nahrstedt. Der möchte Teile des Standort-Übungsplatzes bei Wendisch Evern in Gewerbefläche umwidmen. Grundsätzlich muss er solche Überlegungen anstellen dürfen, nachdem die Bundeswehr in Lüneburg von 6000 auf 800 Soldaten geschrumpft ist. Der prompte Protest der Stabsfeldwebel a.D. und aktiven Offiziere (Reflex in Uniform) ist dem Umstand geschuldet, dass der Landrat, solange er nur ventiliert, sich nicht an Victor von Hase hielt („…ich weiß von nichts.“). Und gerade jetzt, wo Europa ein einziger Krisenherd ist, scheint kaum der richtige Augenblick für Sandkastenspiele mit der Truppe.

Oder die Forderung der Sozialdemokratin Andrea Schröder-Ehlers, das 3. Gleis weiter Richtung Uelzen zu treiben. Jahrzehnte wurde für das 3. Gleis von Maschen nach Lüneburg gekämpft. Aber hat ernsthaft jemand geglaubt, in Lüneburg ende der Güterstrom auf dem Gleis wie von Geisterhand? Lüneburg sei ein Sackbahnhof? Nein, hier werden keine Container auf Lkw verladen, damit der ICE freie Fahrt hat. Es war nur nicht mehr Geld im Fördertopf als für den Abschnitt bis Lüneburg, es wurde nur das Nadelöhr auf der Nord-Süd-Strecke Richtung Uelzen verschoben. Insofern ist Schröder-Ehlers Vorstoß berechtigt, das sehen nur die Menschen in Deutsch Evern aus ganz persönlichen Gründen anders. Und eventuell hat der Vorschlag schon sein Verfallsdatum überschritten, weil die Rahmenbedingungen sich verändert haben.

Für den goldenen Mittelweg (möglichst viel Vision, möglichst wenig Bürgerzorn) empfiehlt sich eine Anleihe bei Altkanzler Adenauers, der 1959 das Wort an die CDU/CSU-Fraktion richtete: „Wissen Sie, meine lieben Parteifreunde, mein Freund Pferdmenges hat drei verschiedene Bezeichnungen der Wahrheit. Er sagt: ‚Das ist die Wahrheit‘, dem gegenüber steht der Ausdruck, ‚das ist die reine Wahrheit‘, und wenn es ganz hoch geht, sagt er, ‚das ist die lautere Wahrheit‘. Ich verspreche Ihnen, die reine Wahrheit zu sagen. Ich entnehme Ihren Mienen, dass Sie damit ganz zufrieden sind.“

Mit der Wahrheit ist es eben vertrackt, Politiker treffen fast nie das richtige Maß: Sagen sie zu wenig, sind sie wahlweise Lügner oder Verharmloser, tischen sie alles auf, verbreiten sie Visionen und müssen dringend zum Arzt.

Hans-Herbert Jenckel

24 Kommentare

  1. Die Wahrheit und andere Lügen

    heißt der im letzten Jahr bei C. Bertelsmann erschienene Krimi zum Artikel von Hans-Herbert Jenckel über „das richtige Maß“ an Aufrichtigkeit in vertrackten Lagen. Geschrieben hat ihn Sascha Arango, der als Drehbuchautor (Tatort) bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.

    Das Lebensmotto von Arangos Held, einem Landrat aus dem niederbayerischen Kreis Freyung-Grafenau, wird schon im ersten Absatz verraten: „Was sollte er sagen? Die Sache war schon schlimm genug und wenn Henry etwas gelernt hatte, dann, nichts preiszugeben, was besser ungesagt bleibt.“ Auf den folgenden fast 300 Seiten passieren noch eine Menge schlimmer Sachen und Henry wird immer besser darin, nichts preiszugeben, was ihn belasten könnte. Ganz oft sagt er in brenzligen Situationen einfach: nichts.

    Es ist eine Kunst, wie es Arango gelingt, dass man für Landrat Henry mit der Zeit sogar so etwas wie Sympathie empfindet. Der Mann ist eigentlich ein Miststück. Ein brutaler Kerl und Lügner, immer auf seinen Vorteil bedacht, immer daran interessiert, auch jene Parteifreunde im Unklaren zu lassen, die glauben, ihm nahe zu stehen. Er hat sich für den Hausgebrauch genügend Eleganz und Weltläufigkeit (und einen Maserati) angeeignet, damit das Lügengebäude nicht auffliegt, mit dem er zu Ruhm, Amt und Geld gekommen ist. Und er weiß, dass die meisten Frauen eher auf kantige Ekelpakete und nicht auf sanfte Apfelkistenhochträger stehen. Das sichert ihm die Zuneigung so gut wie jeder Dame, die auch nur in seine Nähe kommt.

    Großartig sind die Annäherungen an die Wahrheit, die der Autor seinen Helden immer wieder versuchen lässt. Mal will Henry seiner Frau, mal der Geliebten, mal seinen Wählern, mal seinen Parteifreunden reinen Wein einschenken. „Er würde jetzt nach Hause fahren und Lüge durch Wahrheit ersetzen. Endlich alles erzählen, schonungslos, samt all der hässlichen Details, na, vielleicht nicht aller, aber doch das Wesentliche.“

    Es ist herrlich, Zeuge dieser männlichen Rechtfertigungsrituale und Schönrederei zu werden. Während ‚die ganze Wahrheit‘ zur ‚kleinen Wahrheit‘ und die wiederum zum ‚lauteren Betrug‘ zerbröselt, ist aus dem reuigen Sünder schon der argwöhnisch abwartende Beobachter geworden, bevor er überhaupt den Mund aufgemacht hat. Aber man muss ja auch nicht über alles reden.

    Bei den Frauen und den Wählern ist sowieso unklar, was sie wollen. Das Buch eignet sich ideal für die lokalpolitische Ratgeberecke, denn es enthält viele feine Lügen zum Selberbasteln. Falsche Wahrheiten gibt es schließlich schon genug.

    In einer Nebenrolle zeigt es auch den Hund endlich so, wie er ist: dumm, treu und von keiner Menschenkenntnis getrübt.

  2. You Don’t Own Me

    Es lohnt nicht, sich über die kleinen Dinge des Lebens aufzuregen. Aber manchmal müssen die Dinge gesagt werden. Nicht vorrangig um sich Luft zu machen, sondern weil in ihnen etwas durchscheint, was grundsätzlich in eine falsche Richtung läuft.

    „Landrat Manfred Nahrstedt möchte Teile des Standort-Übungsplatzes bei Wendisch Evern in Gewerbeflächen umwidmen“. Klar, „grundsätzlich muss er solche Überlegungen anstellen dürfen, nachdem die Bundeswehr in Lüneburg von 6000 auf 800 Soldaten geschrumpft ist“. Und ja, es ist „eine Frage des richtigen Zeitpunktes“! Denn hätte Landrat Nahrstedt sich nicht, bevor er sein Konzept laut und öffentlichwirksam „ventilierte“, mit dem „Bürger in Uniform“ zusammensetzen und über Meinungen, Möglichkeiten und Machbarkeit sprechen können? Dann hätte ein Herr gesch.-f. Chefredakteur Hans-Herbert Jenckel sich nicht über Stabsfeldwebel a.D. und aktive Offiziere lustig zu machen brauchen und sich sparen können, ihre nur zu berechtigten Einwände und Überlegungen als eifernden Pawlowschen Sabberreflex zu verhohnepiepeln.

    „Oder die überraschend laute Forderung der Sozialdemokratin Andrea Schröder-Ehlers, das 3. Gleis weiter Richtung Uelzen zu treiben.“ Musste sie unbedingt während eines Ortstermins in Westergellersen für Irritationen in Deutsch Evern sorgen? Gewiss, niemand „hat ernsthaft jemand geglaubt, in Lüneburg ende der Güterstrom auf dem Gleis wie von Geisterhand“. Aber ist es guter Stil, sich über Betroffene einfach hinwegzusetzen und die Fortführung des dreigleisigen Ausbaus von Lüneburg nach Uelzen „als einen gangbaren Kompromiss“ per Megaphon aus der Nachbargemeinde zu dekretieren? Was ist gegen Hubert Ringes Hinweis einzuwenden, die Sache hätte gravierende Auswirkungen auf Deutsch Evern und würde ohne den Abriss von Häusern im Ort wohl kaum funktionieren? Muss man unseren Bürgermeister als bürgerzornigen Kirchtumspolitiker abqualifizieren, weil er die Interessen seiner Gemeinde vertritt? Selbst die Deutsche Bahn AG räumt ein: Vom Ausbau der vorhandenen Strecke wären über Bad Bevensen und Bienenbüttel inklusive Deutsch Evern bis zu 35.000 Wohneinheiten betroffen. So viele, wie bei keiner anderen Ausbau-Variante. Und selbst die “Verlegung” ganzer Gewerbegebiete und Autobahnen ist für die Bahn-Planer nach eigenem Bekunden kein Tabu.

    Sind „Vorstöße“ wie die von Landrat Manfred Nahrstedt und der Abgeordneten des niedersächsischen Landtags Andrea Schröder-Ehlers wirklich „berechtigt“. Oder sind es einfach Überrumpelungsversuche, die für ein verbreitetes eklatantes Missverhältnis in der politischen Kultur des Miteinanderredens stehen? Jedem, der einen Augenblick in sich geht, fallen wahrscheinlich ganz ähnliche Beispiele ein. Und gerade in Ihrem Forum für „Lokalpolitik und Stadtkultur“, Herr Jenckel, ist doch zu sehen, wie wenige Lüneburger Politiker sich die Zeit nehmen, mit ihren Bürgern (und Wählern) zu sprechen. Rühmliche Ausnahmen bisher: Adam, Pauly und Webersinn.

    Ja klar, Politiker machen nur ihren Job. Auf Punkt und Komma erfüllen sie, was sie gelernt haben. Dienst nach Vorschrift – soweit so schlecht. Mal abgesehen von dem miserablen Verhältnis zum Wähler, das es auf die ein oder andere Weise schon immer gegeben hat, stehen die beiden Beispiele für etwas anderes: die fortschreitende Entmenschlichung in der Beziehung zwischen Politikern und Wählern, die sich in einer Sprachlosigkeit und in einem Vertrauensverlust zwischen beiden manifestiert.

    Unseren Politikern fehlen die richtigen Worte, um ihrer doch wohl noch vorhandenen Empathie für den Bürger, den Wähler Ausdruck zu verleihen und dieses Gefühl dann in einen Akt der wahrhaftigen und rechtzeitigen Gesprächsbereitschaft umzumünzen. So etwas scheint nicht mehr vorgesehen zu sein. Es gibt da eine unsichtbare Blockade, die dafür sorgt, dass intuitives Handeln in der Beziehung zum Bürger, oder besser im Verhältnis zum Wähler, abhanden kommt.

    Es ist nicht wahr, Herr Jenckel, wir halten Politiker nicht für Lahmtüten oder Großkotze, nicht „wahlweise für Lügner oder für Verharmloser“! Wir wollen aber auch nicht für dumm verkauft werden. Wähler sind kein Stimmvieh! Und Bürger keine Verfügungsmasse! Redet mit uns! Redet rechtzeitig mit uns. Redet aufrichtig mit uns! Es gibt keine DREI Wahrheiten. Es gibt nur eine. Wir wollen sie kennen!

    Sicher, es lassen sich auch positive Beispiele finden (Adam, Pauly, Webersinn), aber der Trend geht in diese Richtung. Mann muss kein Romantiker sein, und sich die Zeit von Adenauer und Pferdmenges zurückwünschen, in der man am Markt mit Namen von seinem Oberbürgermeister oder seinem Stadtrat begrüßt wurde und auch mal sein Herz ausschütten konnte. Die Professionalisierung in den Abläufen und in der Kommunikation hat viele Vorteile und hat viele Wählerwünsche wahr werden lassen, aber es gibt auch einen Preis, der dafür gezahlt werden muss.

    Bedrohlich ist die Entwicklung vor allem für die Kommunalpolitiker selbst. Denn mit ihrem unmündigen (Ich darf nur sagen oder machen, was Herr Meihsies abgesegnet hat.), bürgerfernen (Rufen Sie mich im nächsten Sommer doch mal im Rathaus an.) Bullerjanverhalten, sägen sie am eigenen Ast. Wer sich verhält wie eine Maschine, die Beschlussvorlagen abhakt und bei Terminen „performt“, muss sich nicht wundern, wenn bald eine Maschine, seinen Job erledigt. Wer nur konformistisch seine Stadtratpflichten erfüllt, macht sich berechen- und austauschbar. Wer gelernte Regeln und Routinen als unaufknüpfbares Korsett und nicht als Handlungsleitfaden ansieht, der wird nie eigene Wege gehen und für Innovationen in seiner Kommune sorgen. Das ist im Stadtrat nicht anders als im Kreistag, im Landtag nicht anders als im Bundestag. Man muss nicht einmal ein Rebell sein, um Vorschriften und Usancen etwas dehnbarer zu interpretieren, man muss dafür nur den gesunden Menschenverstand benutzen.

    Es ist unfair, wenn unsere Stadträte all das abbekommen. Sie stehen in vorderster Front und müssen sich mit den häufig nicht weniger unkooperativen Bürgern auseinandersetzen. Aber was ist mit den Verwaltungschefs und Dienstherren in der Führungsetage des Rathauses und der Hannoverschen Staatskanzlei? Leben Sie eine Kultur vor, in der Fehler erlaubt sind und Mitarbeiter nicht zu Erfüllungsgehilfen degradiert werden? Gibt es überhaupt ein Gespür dafür, dass den politischen Parteien und Institutionen mit dieser Mentalität mehr verloren geht als sie gewinnen?

    Wenn Politiker Bürger wie Menschen behandeln, behandeln Menschen Politiker auch wie Bürger.

    Redet mit uns!

    Hans-Georg Hartpeng, Oberstlt. a.D. (z. Zt. Old Saybrook, Connecticut, USA)

    • Man muss auch mal zustimmen können.
      Herr Hartpeng – ich bin voll und ganz ihrer Meinung!

  3. Mosernde Bürger? Schreiende Masse? Sturmläuter? Reflexautomaten in Uniform? Kirchtumdenker? Politikerbeschimpfer? Und alles zusammengenommen wohl: „Ihr Pawlowschen Hunde !“

    Was haben Sie eigentlich für ein Bild der Menschen, unter denen Sie leben, Herr Jenckel ?

    Sehen Sie Ihre Leser auch so?

    Wie schaffen Sie es unter den Umständen überhaupt noch, morgens das Bett zu verlassen? Das Korsett der Routinen und Automatismen?

    • ich finde das bild von herrn jenckel gelungen. warum? wer macht es sich am einfachsten? der bürger, der meckert, oder der bürger, der bereit ist was zu tun? politik ist ein schmutziges geschäft. wer macht sich aber gern die hände schmutzig? die jugend darf es gern mal versuchen. dass parteien sich dämlich verhalten und somit die jugend vergraulen, ist kein argument. dieses verhalten gibt es in der wirtschaft auch, aber deswegen können nicht alle von hartz iv leben wollen.

      • Fragen eines lesenden Arbeiters

        Wer macht es sich am einfachsten? Der, der Fragen in anderen Fragen ertränkt, aber nicht eine davon beantwortet? Der, der den Bürger, der meckert, von dem Bürger unterscheiden kann, der bereit ist etwas zu tun? Der, der nicht weiß, dass auch Meckern nicht einfach zu sein braucht (http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/217625-nachbarschaftsstreit-um-lueftungsrohr), und der der nicht weiß, dass man Bereitschaft nicht mit ausgeübter Tatkraft und praktizierter Mithilfe gleichsetzen sollte, dass man sein Leben in Bereitschaft verbringen kann, ohne einmal Hand angelegt zu haben? Macht es sich der einfach, der Politik zu einem schmutzigen Geschäft erklärt, aber nicht erklärt, warum sein Leben, das doch eingebettet ist in diese Politik, trotzdem leidlich sauber und ordentlich funktioniert, und wie man Politik zu einem weniger schmutzigen Geschäft machen könnte? Wie einfach ist es, das Verhalten von Parteien als dämlich zu bezeichnen und nicht zu beachten, dass es Parteien gar nicht gibt, sondern nur Menschen, die sich parteilich organisieren und engagieren? Macht es sich der einfach, der nicht darauf achtet, dass niemand nachvollziehen kann, was seine Fragen mit dem Bild von Herrn Jenckel zu tun haben, dessen Beschaffenheit und Eigenart zu beschreiben er einfach vergisst? Wie einfach macht es sich der, der den Unterschied zwischen Parteiaustritt und Arbeitsplatzverlust nicht beachtet? Der nicht berücksichtigt, dass die Differenz zwischen einem politisch Gescheiterten und einem Arbeitslosen die Differenz zwischen einem in seinen Ambitionen Enttäuschten und einem in seiner Existenz Gefährdeten ist? Ist es nicht sehr einfach, uns vorzuenthalten, worin sich die Leute gleichen, die politisch abstinent bleiben, und die Leute, die angeblich von Hartz IV leben „wollen“? Ich finde, am einfachsten macht es sich der, der all diesen vom Straßenrand unreflektiert in sich hineingesogenen haltlos verallgemeinerten Unfug in der aufgeplusterten Pose des fragenden Besserwissers Lesern vor die Füße speit, die sich gar nicht an ihn, sondern mit sehr genauen eigenen Fragen an den Redakteur Jenckel gewendet haben, an genau den Redakteur Jenckel, den der rechthaberische Besserwisser ohne Antworten bei jeder sich bietenden Gelegenheit versuchte und versucht, als „ehemaligen Stadtsprecher“ in ehrabschneidender Weise zum unglaubwürdigen Fürstendiener und zum Meißel in der Hand ihn nach wie vor nach Belieben gebrauchender Steinmetze aus Politik und Wirtschaft herabzusetzen und dadurch öffentlich in Verruf zu bringen. (Nur drei von ungezählten: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/213379-die-archillesferse-des-lueneburger-oberbuergermeisters#comment-33883 und http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/214659-lueneburgs-steuer-pirouetten-auf-hotelbetten#comment-34620 und http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/174438-lueneburgs-gruene-hofdiener-rebellieren#comment-4853)

        • Der, der Fragen in anderen Fragen ertränkt, aber nicht eine davon beantwortet?
          fällt ihnen was auf? das parteien aus menschen bestehen, ist mir mehr als bekannt. es sind nur sehr wenige menschen, die in diesen parteien das sagen haben. wenn alle stricke reißen, werden schnell seilschaften gegründet. die parteien leiden unter nachwuchs. zufall? ich schreibe ungern romane. ich betrachte diese spezies, die es gern macht als überkorrekte ,die sonst angst haben, man könnte in der kürze eine zu große flanke für eine kritik geben. immer schön um den heißen brei fabulieren ist auch keine lösung. herr jenckel kommt mit seiner leicht spöttischen argumentationsweise dem kern schnell nahe. sowas mag ich. da weiß ich, woran ich bin. was hartz iv angeht, bitte nicht aussuchen, wie man es gern verstehen möchte. die wenigsten sind mit einem hartz iv -leben zufrieden. wer unreflektiert seine meinung äußert, muss deswegen nicht unrecht haben. er ist eben kein freund von langen sätzen. er könnte ,wenn er wollte, sieht aber darin zumindest hier keinen sinn. mein gott, wo sind wir hier denn? wer hier nur ein gespräch mit herrn jenckel sucht, sollte es so tun, dass ihm sonst niemand ein kommentar schickt. hier ist es zumindest dank der anonymität schwierig, jemandem, der kein gespräch wünscht, nicht zu antworten. mit freundl. grüßen

        • An Fragen eines lesenden Arbeiters

          was wollen sie? ihre ruhe? dieses forum zum akademischen viertel verkommen lassen? mit überheblichkeit punkten? ich könnte noch mehr unangenehme fragen stellen, eine spezialität von mir. rosinenpicken scheint hier sehr verbreitet zu sein.
          die lz muss geldverdienen. klingt komisch, man möchte hier aber nicht darüber reden. politiker reden ungern über das geldverdienen, mehr über das ausgeben, was sie nicht haben. sind ihnen die überschriften bei ihren hier zitierten links eigentlich aufgefallen? ich verstehe ja den versuch , ausssagen aus dem kontext zu nehmen, um gewisse stimmungen zu erzeugen. es erinnert mich an mediale meinungs-mathematik. für meinen geschmack zu billig.

        • Lieber Klaus Bruns

          Vermutlich noch im Laufe dieses Jahres wird der hundertmilliardste LZ-Kommentar von Ihnen veröffentlicht werden. Dieser Meilenstein taugt als Monolith modernen Moserns für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts wie auch als Wahnmal der Lüneburger Webwirrnis neuen Typs. Allein durch die schiere Masse Ihrer Wortmeldungen wird die nächste Entwicklungsstufe der Blog.jj-Kommentarkultur erklommen.

          Aus den Erfolgsrezepten Ihrer Hartnäckigkeit ist nun die Klaus Bruns´sche Kommentarverfassung entstanden, erstmals für Sie niedergelegt, der Sache angemessen in forderndem Ton.

          1. Nehmen Sie keine Rücksicht, nicht auf die Frage, ob Sie etwas zu sagen haben, noch auf irgendjemanden oder irgendetwas anderes. Der Maßstab sind Sie allein.

          2. Wenn es irgend möglich ist, verschweigen Sie in Ihren Kommentaren nicht die Wahrheit, und also auch nicht Ihre Funktion als Zentrum des belebten Universums sowie Ihre allein ausschlaggebende Meinung zu Themen.

          3. Ihre LZ-Kommentare sind nichts weniger als ein Dienst an der Demokratie selbst. Weniger fachlich firme Figuren mögen nur eine aus der Empörung geronnene Buchstabenfolge sehen. Aber genau dagegen müssen Sie mit der Beharrlichkeit der Kontinentaldrift Ihre Überzeugung setzen, mit jedem einzelnen Wort die Zivilisation ihrer finalen Rettung entgegenzukommentieren.

          4. Sollte sich die höchst unwahrscheinliche Situation ergeben, dass im Verlauf einer Diskussion Spuren von Selbstzweifel in Ihr Bewusstsein dringen: Dagegen hilft meist, das eigene Argument leicht umformuliert erneut zu posten. Wiederholen Sie dies aber nicht häufiger als acht oder neun, im Ausnahmefall vielleicht zwölf bis dreißig, maximal jedoch zweihundertneun Mal. In Fällen hartnäckigen Selbstzweifels trainieren Sie selbstsicheres Kommentieren unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf Google Plus.

          5. Lassen Sie Ihre digitale Umwelt nie vergessen, dass Ihr Job die Beurteilung von allem ist. Ihr Tenor ist tendenziell negativ – aber sparen Sie auch nicht an verkapptem Eigenlob für Dritte. Benutzen Sie dabei Wendungen wie „Gut geschrieben“, „Sehr witzig“, „Intelligent!“ oder andere Umschreibungen für „ganz meine Meinung.“

          6. Kämpfen Sie gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und die allgegenwärtige Zensur, die Ihr verfassungsgarantiertes Recht auf alles aushöhlen und das Ziel verfolgen, die von Putins Mossad bezahlte Chemtrail-Diktatur der Echsenmenschen in der Hohlwelt zu vertuschen.

          7. Lassen Sie sich nichts einreden! Niemals! Hören Sie einfach weg. Bleiben Sie bei sich. Denken Sie daran: Ignorieren ist die Selbstverteidigung Gottes!

          8. Niemand darf Sie gleich als Nervensäge beschimpfen, bloß weil Sie eine Nervensäge sind.

          9. Schwer widerlegbare Argumente sind auch bloß Worte, die Ihre Überlegenheit angreifen sollen. Halten Sie dagegen, indem Sie eine Reihe von Artikeln auf info-Domains verlinken. Geben Sie Ihrem eigenen Bauchgefühl den ihm zustehenden Rang zwischen intellektuellem Fundament des Abendlandes und päpstlicher Unfehlbarkeit und kommunizieren Sie diesen Umstand subtil.

          10. Kraft souveräner Willkür sind Sie jederzeit in der Lage, zwei nicht miteinander zusammenhängende Sätze kausal miteinander zu verbinden, indem Sie das Wort „weil“ dazwischensetzen. Intensivieren Sie bei Bedarf die Kausalität mit einem „weil nämlich“.

          11. Merken: „Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate von verstorbenen Personen kommen einem Beweis für die eigene These gleich!“ (Winston Churchill)

          12. Schauen Sie ganz, ganz genau hin: Ihr Kommentar besteht aus dunklen Pixeln auf hellem Grund, ist also faktisch vollkommen unbestreitbar schwarz-weiß. Zufall? Nein – ein Zeichen. Warum also sollte in eindeutig schwarz-weißen Kommentaren die Welt anders dargestellt werden als schwarz-weiß? Eben.

          • ich habe da noch eine frage. sehen sie, ich mag mich und ich habe humor, sonst würde ich es nicht mit mir aushalten können. wie ist es bei ihnen?

    • Hallo, Frau Tennhoff
      Ich stehe gerne auf und freue mich auf die Arbeit, weil jeder Tag spannend ist und ich ungemein neugierig bin. Und ohne Mitmenschen, denen ich erzählen oder aufschreiben kann, was ich recherchiert habe, möchte ich gar nicht auf der Erde sein.
      Und wenn es jemanden gibt, den ich besonders gerne unterrichte und unterhalte, dann ist es der Leser, hier online dazu noch umsonst. Den Leser kann man gar nicht weich genug halten.
      Zuletzt noch zum Politiker mit Fördergeld-Trieb, den kann ich sehr wohl vom Menschen unterscheiden, der dahinter steckt. Die meisten sind mir ausgesprochen sympathisch. Was sie tun, muss ich deswegen nicht immer mögen.
      Liebe Grüße
      Hans-Herbert Jenckel

    • Hallo Herr Jenckel,

      ich bin froh, dass es Ihnen bei dem, was Sie tun, gut geht. Eigentlich war das auch immer mein Bild von Ihnen. Mir gefällt Ihre schmissige, bei aller kargen Klarheit immer mehrdimensionale Schreibe und ich mag Ihre kleinen Spitzen und Ihren Sinn und Ihre Beobachtungsgabe für die unfreiwillig schrulligen Verrenkungen der Mimen auf den Improvisationsbühnen unseres hanseatischen Tausendspartenbetriebs „Stadttheater“. Was mir nicht so gut gefällt, ist das neue Blog-Bild von Ihnen. Das alte, das mit dem dynamischen Zeigefinger „Du bist gemeint!“ fand ich besser, weil daraus Schwung und verschmitzt herausfordernde Geistesgegenwart gleichermaßen gesprochen haben. Da war man sozusagen gleich optisch präpariert, für das, was einen hier erwartet. Auf dem jetzigen Foto ist das nicht mehr so gut zu erkennen. Was ich auch nicht mag, aber schon das zweite Mal lese, ist die vorsichtig angedeutete Beschwerde über „das Umsonst“. Ein Mann wie Sie wird sehr genau darüber nachgedacht haben, warum er so ein Forum einrichtet und pflegt. Sie sollten sich also nicht zum „Bruns“ machen lassen und hier über Geld reden. Wenn Herr Claassen eine Promi-Party im Bergström schmeißt, bittet er Sie auch nicht, den Schampus zu bezahlen, und doch weiß er, dass er die horrenden Ausgaben in eine wirtschaftlich gesunde Zukunft investiert hat. Letzter Punkt: Den Politiker vom Menschen unterscheiden ist das eine, das andere ist, den Menschen im Bürger, Leser und Wähler nicht zu übersehen. Politiker, solange sie noch nicht den Boden unter den Füßen verloren haben (Auch dafür gab und gibt es Beispiele in Lüneburg!), sind Funktionsträger, Rollenspieler UND Menschen. Bürger, Leser und Wähler sind NUR Menschen, jeder einzelne von ihnen auf seine unwiederholbar einzigartige Weise. Rollenspieler wissen, dass der Theaterkritiker mit gespitztem Bleistift irgendwo in der ersten Reihe sitzt. Das führt dann oft zu den köstlich decouvrierenden Verrenkungen, die Ihnen Gelegenheit für saftige Poträtskizzen und gesalzene Spielbewertungen bieten. Bürger, Leser und Wähler aber rechnen nicht mit Haltungsnoten und „Performance-Evaluations“. Sie werden böse, wenn man sie zu typisieren und mit Figurenmustern zu vergleichen versucht. Die Soziologie hat 150 Jahre feinadrigster scholastischer Grübeleien hinter sich und konnte noch immer nicht dartun, warum sie sich den Titel einer „Wissenschaft“ sollte anmaßen dürfen. Das gleiche gilt für Pädagogik und alle Treibhauspflanzen aus den Inkubatoren der ökonomischen Astrologie. Alle diese sogenannten „Disziplinen“ zeigen auf winzige Lichtpunkte am nächtlichen Firmament und ermuntern uns, etwas hineinzudeuten: „Sieh den Himmel, heißt kein Sternbild Reiter?“ Und am Ende wird beschwichtigt: Freilich, „auch die sternische Verbindung trügt. / Doch uns freue eine Weile nun / der Figur zu glauben. Das genügt.“ Kunden mögen sich über sowas „freuen“, denen die bestärkende Transformation ihrer eigenen „Deutungen“ in von ihnen bestellte und bezahlte „Studien“ auf Hochglanzpapier „genügt“, die z. B. an der Leuphana zu erhalten sind, — aber niemals Menschen. Wer sie nicht ernst nimmt, weil er der Mühe entgehen möchte, sie als betroffene Einzelne zu sehen und anzuhören, und sie stattdessen nur als irgendwie beteiligter Pulk von „sozialen Typen“ meint, handhaben zu können, der wird sie abstoßen, der wird sie empören und der wird auf die ziemlich unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeit bauen müssen, dass sie ihn lesen oder wählen, weil es keine Alternative gibt. Doch wir alle wissen, es gibt immer mindestens eine, machmal sogar mehr als eine Alternative. Also aufgepasst: Redet man über oder spricht man mit den Menschen, die Bürger, Leser und Wähler sind? Dieser Unterschied bedingt die Verschiedenheit von Gewinnen und Verlieren.

  4. Herr Adam, Pauly und Webersinn

    jetzt sind politische Talente gefragt. Nehmen Sie noch Anteil? Haben Sie sich ein Bild gemacht? Haben Sie eine Meinung?

    1. Was sagen Sie zu den Vorgehensweisen Ihrer SPD-Kollegen Nahrstedt und Schröder-Ehlers?

    2. Was sagen Sie (den betroffenen Bürgern und Wählern – in und ohne Uniform) zu den Themen Standort-Übungsplatz Wendisch Evern und Weiterbau des 3. Bahngleises Richtung Uelzen ?

    3. Was sagen Sie zu dem Bild des Landrates, wie es Herr Sascha Arango entwirft (siehe den ersten Kommentar oben)? Ist so eine Politikergestalt auch in, um oder um Lüneburg herum denkbar – oder vorhanden?

    4. Was sagen Sie zu Herrn Hartpengs Lagebeurteilung? Glauben Sie, dass das von ihm diagnostizierte wechselseitige Misstrauensverhältnis Gründe hat und Konsequenzen haben wird? Was tun?

    5. Und vor allem: Was halten Sie von Herrn Jenckels unspezifischen Invektiven gegen die angeblich nach Pawlowscher Art immerzu unzufriedene, nörgelnde, lamentierende, mosernde, aburteilende, schreiende, sturmläutende Lüneburger Stadt- und Kreisbürgerschaft vor dem Hintergrund der eben geführten „Wutbürger“-Debatte, die hier beginnt (http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/215967-kalter-rauch-vom-netten-nachbarn-als-hallo-wach#comment-35954) und sich fortlaufend nach unten bis ans Ende des Blogs von letzter Woche fortsetzt?

    Mit Dank

    Tobias Günther

  5. Bürger und Politiker

    Gerade hat die grün-rote Koalition in Baden-Württemberg eines ihrer zentralen Vorhaben auf den Weg gebracht: die Erleichterung der Bürgerbeteiligung auf kommunaler Ebene. In der vorigen Woche beschloss das Kabinett einen Gesetzentwurf: Damit ein Bürgerentscheid auf kommunaler Ebene gültig ist, müssen sich künftig an ihm nur noch ein Fünftel der Abstimmungsberechtigten beteiligen und nicht mehr – wie bislang – ein Viertel.

    Außerdem reicht es künftig, um ein Bürgerbegehren per Bürgerentscheid herbeizuführen, wenn sieben Prozent – sieben ( !) – der Wahlberechtigten einer Kommune für die Abstimmung unterschreiben. Des weiteren sind Bürgerbegehren gegen Gemeinderatsbeschlüsse noch drei Monate nach der Beschlussfassung möglich.

    Doch gibt es unter Kommunalpolitikern von Grünen und SPD auch heftige Kritik an der Reform. Der eine warnt vor einer „Aufzehrung sozialen Kapitals“ durch Bürgerentscheide, der andere hält die Senkung der Quoren schlicht für „Quatsch“.

    So heißt es von SPD-Seite etwa, die Hoffnung, dass mit einem Bürgerentscheid eine Debatte abgeschlossen werden könnte und eine höhere Legitimation eintritt, habe sich noch nie erfüllt. Ein Bürgerentscheid führe keineswegs zu größerer Sachlichkeit. Im Gegenteil. Die Auseinandersetzungen würden und wären härter als das, was für Wahlkämpfe üblich ist. Man habe die Erfahrung gemacht, dass mit Bürgerentscheiden das Gegenteil von dem erreicht werde, was gewünscht ist: Soziales Kapital werde nicht vermehrt, sondern aufgezehrt.

    Man könne die Senkung der Quoren zur Initiierung von Bürgerentscheiden daher nicht befürworten. Direktdemokratische Verfahren sorgten noch stärker dafür, einen Teil der Bevölkerung auszuschließen. Keineswegs führe mehr Transparenz zu sachlicheren Diskussionen. Im Gegenteil dienten Informationen, Datenbanken und Gutachten teilweise als Steinbruch für haarsträubende Unterstellungen. Ein gutes Bürgerbeteiligungsverfahren zur Vorbereitung einer parlamentarischen Entscheidung sei darum gegenüber einem Bürgerentscheid zu bevorzugen.

    Der Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) wurde noch deutlicher: Bürgerentscheide gingen nur dann im Sinne der Regierenden aus, wenn es sich z. B. um einen Stadionbau für einen „sympathischen Fußballclub“ und eine „populäre Sache“ handle. Er sprach sich gegen die Pläne zur Absenkung des Quorums für Bürgerentscheide auf kommunaler Ebene aus. Ihm gehe das zu weit. Es entscheide dann eine Minderheit über eine Mehrheit, und der Gemeinderat werde über die Hintertür entmachtet.

    Die Grünen, so Salomon, sollten ihren „Gründungsmythos“ überdenken, der besage, dass das Volk immer alles besser wisse. Der Protest von Bürgerinitiativen sei heute „alt, oft verbittert und manchmal richtig böse“. Die Kampagnen seien häufig geprägt von „extremer Regellosigkeit“. Außer der eigenen Betroffenheit wollten Initiativen heute keine Regeln mehr kennen. Auch nach klaren Ergebnissen gebe es keine Befriedung.
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    Bürgerentscheide gehen also nur, wenn sie das von der Kommunalpolitik gewollte Ergebnis bringen. Andernfalls sind eingeforderte Mitspracherechte von renitenten und schlecht informierten „Wutbürgern“ inszenierte Tricks, um den Stadt- oder Gemeinderat durch die Hintertür zu entmachten?

    Wer denkt da nicht an Bertolt Brecht:

    „Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“ – (Aus dem Gedicht: Die Lösung. In: Buckower Elegien, 1953. In: Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Dritter Band: Gedichte 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1997. S. 404)

    (Original: Nach dem Aufstand des 17. Juni [1953 in der DDR] // Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands // In der Stalinallee Flugblätter verteilen // Auf denen zu lesen war, daß das Volk // Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe // Und es nur durch verdoppelte Arbeit // Zurückerobern könne. Wäre es da // Nicht doch einfacher, die Regierung // Löste das Volk auf und // Wählte ein anderes?)

    • Keine Bettensteuer

      Das plant Lüneburg nun, um den Haushalt zu konsolidieren und die wachsende Armut zu bekämpfen:

      Erhöhung des Flaschenpfands von 25 auf 30 Cent +++ Einführung der Zwangsehe für Alleinerziehende +++ Jobprogramm „75+“ für Armutsrentner +++ Dispozinsbremse (nur für diejenigen, die kein Girokonto haben) +++ Absenkung der Einkommensgrenze, ab der man als arm gilt +++ Vorstellung der neuen „Leuphana-Armutsstudie“ durch Alexander von Schönburg („Die Kunst des stillvollen Verarmens“)

      • @ Keine Bettensteuer

        „Alles wird schlimm, aber nicht ganz so schlimm. Viele Menschen werden materiell ärmer – damit jedoch nicht unglücklicher. Definiert euren Lebenssinn neu, eine Wohnung im Roten Feld ist einfach nicht mehr drin. Genießt die Verschuldung eurer Stadt! Aber nach Maß. Bleibt nicht dauernd an der Jobsuche dran – schaltet auch mal ab. Und neidet nichts denen im Hanseviertel. Habt Mitleid mit ihnen. Auch Reiche haben Sinnkrisen. Es geht euch besser! Es geht immer denen besser, die materiell nicht alles haben, denn dort besteht noch Luft nach oben. Könnt ihr eure Miete nicht bezahlen, wird euch das schlagartig klar. Es besteht Luft nach oben für vielleicht drei- oder vierhundert fehlende Euros im Monat. Ich sage: Verdient euch eure Lebensqualität! Und ruft Herrn Bernd Passier auf den Fluren der ‚Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen‘ frohgemut zu: Die Wohlstandswende kommt! Denn das ist auch meine Prognose zur Entwicklung der Lüneburger Gesellschaft bis zum Jahr 2035. Sie stimmt! Ich weiß das ganz sicher, ich habe heute Vormittag mit GOTT telefoniert.“

        So oder sehr ähnlich: „Zukunftsforscher“ Prof. Dr. Horst Opaschow­ski am 7. Oktober 2014 im Leuphana Gesundheitsforum

        Vgl.: http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/193643-die-wohlstandswende-kommt

  6. Till Eulenspiegel

    Mit der Wahrheit ist es eben vertrackt, Politiker treffen fast nie das richtige Maß: Sagen sie zu wenig, sind sie wahlweise Lügner oder Verharmloser, tischen sie alles auf, verbreiten sie Visionen und müssen dringend zum Arzt.

    eigentlich könnte man ja mitleid mit dieser spezies haben, wenn da die bösen lobbyisten nicht wären. da kauft sich einer ein sahnestück am sande und fährt gleichzeitig so viel kies ab, dass andere entweder auf dem trockenen sitzen, oder wasser im keller haben. es sind eben wahre volksvertreter.

  7. Henning Graubmann

    Als einen, dessen Familienangehörige und dessen Familienbesitz direkt von der „Variante reduzierter Bestandsstreckenausbau“ betroffen sind, hat auch mich der plump polternde „Richtungsschwenk“ unserer medienaffinen SPD-Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers in der vorigen Woche „irritiert“ — um nicht zu sagen: schockiert bzw. erzürnt. Herrn Hartpengs Ausführungen (oben, zweiter Kommentar) stimme ich vollumfänglich zu. Herrn Jenckels Verständnis für die armen Lokal- und Regionalpolitiker „mit Fördergeld-Trieb“, die er als „Lüneburgs Pawlowsche Hunde in der Zwickmühle zwischen Kirchturmpolitik und Visionen“ beschreibt und die er gleichwohl immer noch von dem „Menschen unterscheiden kann, der dahinter steckt“, kann ich dagegen nur sehr bedingt teilen. Bedingt vor allem dehalb, weil das Verständnis des Lz-Redakteurs für die betroffenen Bürger nur sehr begrenzt scheint; für die Bürger, die mit den „reinen“ Wahrheiten als Ausfluss solcher Zwickmühlenqualen abgespeist werden. Da empfehle ich nicht nur diesen Politikern, sondern dringend auch ihm, dem Herrn Redakteur, die wiederholte Lektüre des glänzenden Leserbriefs von Frau Tennhoff (oben): Wer die Menschen, z. B. die in Deutsch Evern, „nicht ernst nimmt, weil er der Mühe entgehen möchte, sie als betroffene Einzelne zu sehen und anzuhören, und sie stattdessen nur als irgendwie beteiligter Pulk von “sozialen Typen” meint, handhaben zu können, der wird sie abstoßen, der wird sie empören und der wird auf die ziemlich unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeit bauen müssen, dass sie ihn lesen oder wählen, weil es keine Alternative gibt.“ So ist es!

    Die Erweiterung der „Eisenbahninfrastruktur im Korridor Hamburg / Bremen – Hannover“, die im Raumordnungsverfahren der Jahre 2000/2001 einmal als Neubau einer Hochgeschwindigkeitstrasse für den schnellen Schienenpersonenfernverkehr konzipiert wurde, fokussiert heute den Schienengüterverkehr auf auszubauenden bestehenden Strecken.

    Für den nach Schröder-Ehlers angeblich „gangbaren Kompromiss“ wird im Rahmen der „Machbarkeitsstudie der Deutschen Bahn“ (Stand 3. Dezember 2014) zunächst „zusätzlich eine verkürzte Untervariante von Uelzen bis Ashausen mit nachfolgenden Abschnitten“ vorgesehen: „Uelzen – Lüneburg von zwei auf vier Gleise, Lüneburg – Ashausen von drei auf vier Gleise und Überwerfungsbauwerk in Celle“.

    Bei diesem reduzierten Bestandsstreckenausbau (RBSB) ist mit einer Geschwindigkeit von maximal 250 km/h zu rechnen. Auf allen Streckenabschnitten, also auch in Ortschaften wird eine Geschwindigkeit von mindestens 160 km/h vorgesehen!

    Was ist für die Menschen in Deutsch Evern und für unsere Gäste aus Luneray, unserer Partnerstadt in Frankreich, der wunderschön gelegene Grillplatz „Am Hagenacker“ in unserer Gemeinde wohl noch wert, was der Kindergartenn und das Jugendzentrum im Moorfeld, was der Schützenverein, der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr, der Sportverein und der Volkstanzkreis, wenn sich, wie Pastor Dr. Frank Mertin vor ein paar Tagen ganz richtig sagte, in Zukunft Tag und Nacht riesige donnernde Containerraupen durch unser Dorf wälzen?

    Auch Bürgermeister Hubert Ringe stellte sich daher durchaus zu Recht die Frage: ,,Wäre es nicht besser, wenn künftig der Güterverkehr über eine neue Trasse rollen würde, an den Orten vorbei und nicht mittendurch?” (Lz vom 14. Februar 2015)

    Anstatt uns über unsere Köpfe hinweg teure „gangbare“ Horrorwege dieser Art zu verordnen, sollten sich Landrat Manfred Nahrstedt und die Landtagsabgeordnete Schröder-Ehlers lieber darüber Gedanken machen, wie die Pro-Kopf-Verschuldung je Einwohner in der Samtgemeinde Ilmenau von derzeit sage und schreibe 1.076,11 € verringert werden kann.

    Wie wäre es außerdem mit einem erkennbaren Schritt in Richtung flächendeckender Versorgung mit schnellen Internetanschlüssen für die Samtgemeinde Ilmenau, damit auch die umliegenden Ortschaften rund um Lüneburg wie Bardowick, Vögelsen, Adendorf, Reppenstedt, Wendisch Evern und Deutsch Evern bald einmal von Breitbandanschlüssen und Netzzugängen mit bis zu 100 MBit/s im Downstream sowie bis zu 6 MBit/s im Upstream profitieren?

    Herrn Nahrstedt würde ich zudem gerne fragen, welche finanziellen und baulichen Optionen es für die dringend erforderliche Ganztagsschule Deutsch Evern gibt.

    Bei uns sind 21 Prozent der Menschen mit der öffentlichen Anbindung unseres Ortes an Lüneburg nicht zufrieden und siebzig Prozent überhaupt nicht zufrieden (öffentliches Voting von 12/2011 bis 11/2014).

    Vielleicht könnten sich Frau Schröder-Ehlers, Herr Nahrstedt und Herr Mädge ja zunächst einmal um den Ausbau der Bustouren zwischen Lüneburg und Deutsch Evern kümmern, bevor sie uns via Landeszeitung mit ihren Zukunftsvisionen von durch unseren Ort tosenden Stahlmonstrositäten unterhalten, für deren „Umsetzung“ Häuser und Grundstücke in Privatbesitz sowie ganze Teile des Wohngebietes Hauskoppel, der Wildgarten und das Haus Niedersachsen oder das Feuerwehrhaus, der Netto-Markt und die Kreisstraße „verlegt“ werden” müssten?

    Was die „Stadtratstalente“ Grunau, Schmidt, Adam, Pauly, von Mansberg und Webersinn eigentlich zu alledem zu sagen haben, würde auch mich sehr interessieren.

  8. Friederike Danckwardt

    Also jetzt muss ich Herrn Jenckel doch einmal in Schutz nehmen. Er füttert immerhin den Blog.jj und damit auch lesefähige Lüneburger Sturmläute-Waldis, von denen es oben, am Ende des ersten Kommentars heißt, sie seien „dumm, treu und von keiner Menschenkenntnis getrübt“. Und es mag ja stimmen, dass er es sich mit den „Mandatsträgern“ manchmal etwas zu leicht macht, wenn er schnell darüber hinweggeht, dass diese sich mit den Reformen zuhause schwertun und es mit der hansestädtischen Wohnraumpolitik und Haushaltssanierung etwas langsam angehen lassen.

    Doch womit hat Herr Hans-Herbert Jenckel es nicht alles zu tun?

    In Lüneburg gibt es schließlich nicht nur „Magersüchtige Stadtfestimitate“, „Verölte Zahlenabscheider“ und „Frischgebadete Erinnerungsdragoner“, nicht nur „Rebellierende Wechseltänzer“, „Stickluftgeschwängerte Diskomfortzonen“ und „Pointenverwaiste Prusch-Sitze“, sondern auch noch „Stotternde Jobmotoren“, „Fallenstellende Radwege“ und „Umzingelte Vizepräsidenten“ neben „Gutachtenggezauberten Supermarkterfordernissen“, „Mürbediskutierten Autobahnpetitionen“, „Terroristischen Servicementalitäten“ und „Wilden Kommentator-Tieren“, welche von „Absurden Hecken-Petitessen“, „Windigen Widerständen“, „Pols’schen Wendland-Paradoxa“ und „Alt-alternativen Neu-Mainstreamern“ begleitet werden, nein, es gibt auch „Spaßhanfige Eiszwänge“, „Untergehende Präferenzfelder“, „Umwegige Pedalisten-Paradiese“ und „Germanisch fluchende Waldängste“ sowie „Weihnachtliche Superlative“, „Interkommunale Neiderzeuger“ und „Abhebende Leuphanatiker“ in Gesellschaft von “ Upper-Zeit-Classigen Tagestouristen“, „Heißluftgetriebenen Leserbriefschreibern“ und „Prokrastinierenden Wahlkabinen“ und außerdem sind da die „Verhornten Hirnwindungen“, die „Bettenpirouettierenden Steuerfinder“, die „Kettenrauchenden Kaltatmer“ und — eben — „Lüneburgs Pawlowsche Hunde“.

    Diese von Fördermillionären und Pressefotografen konditionierten Selbsteinspeichler firmieren beim geschäftsführenden Redakteur und Online-Chef der LZ auch als „Schwarze Nullen“, „Grüne Hofdiener“, „Tiefrote Karriereblocker“, „Gelbe Neidfaktoren“ — und als „Achillesferse“ mit angewachsenem Graubart und Parteimaschine, hinter welchen beiden sich ein Verwaltungsheros der feinnervigsten Spitzenerregbarkeit verbirgt. Womit wir beim Thema wären.

    Herr Jenckel hat den Oberuli als Schulden-Peliden ohne Grexit-Option geoutet. Und Griechen sind eben Griechen! Papa Portokalos aus dem Erfolgsfilm „My Big Fat Greek Wedding“ (2002) kannte sein Erfolgsrezept: „Nenn mir ein Wort, ein beliebiges Wort, und ich beweise dir, dass es aus dem Griechischen stammt.“ Papa Ulrich Oberbürgermeister könnte uns bestimmt genauso überzeugend erklären, dass das Sprichwort „Eile mit Weile“ Lüneburger Wurzeln hat. Aber auf Eingemeindungsebene, da ist der Drang unseres hanseatischen Achilleus, Neues zu schaffen, kaum zu bremsen. Niemand arbeitet so eifrig an der Vertiefung der interkommunalen Einigung hin zur Schuldenunion wie die seit dem 15. Juni 2014 wiedergeborene hansegriechische Führung. Und keiner hat so klar erkannt wie die in dieser Hinsicht ziemlich hellen Hellenen, dass dafür als Erstes die Begriffe geändert werden müssen, denn die bestimmen mindestens seit Aristoteles unser Denken. (Das haben wir davon, dass wir die Wiege des Abendlands unbedingt auf der Akropolis aufstellen mussten.)

    Auf Drängen der Mehrheitsfraktionen – alles lupenreine Aristoteliker, wie man schon an den meist fehlenden Krawatten erkennen kann – wurde jetzt das „Triumvirat“ (Meihsies, Mädge, Koch) umbenannt in „Troika“ (Lukoschek, Meihsies, Mädge). Das ist auch uns lieber, weil uns bei Troika immer noch gern die Szene mit Schröder, Scharping und Lafontaine einfällt, in der sie im Wahlkampf so fröhlich an diesen korinthischen (!) Säulen vorbeischlendern, als wären sie die besten Freunde. (Wie heißt eigentlich der Pawlowsche Pedantenreflex?) Doch warum beim Marsch durch den Landkreis bei den Begriffsinstitutionen haltmachen? Das Wort „Eingemeindung“ klingt ja noch hässlicher: nach oberzentralem Einnahmen- und Geländesuperhunger, fast schon nach Kassen- und Baulandokkupation. „Ewiger Freund und Helfer der Adendorfer, Scharnebecker und Gellersenesen“ wäre da doch viel netter. Wenn wir dann auch noch das unschöne Wort „Zwangslage“ durch „Hansetitel-Geschenk“ ersetzten, wären die Probleme mit einem Federstrich gelöst und wir der „reinen“ Wahrheit wieder ein ganzes Stück näher. Denn weg ist unser aller Knete ja ohnehin.

    Leute, wir müssen nur die Begriffe tauschen, und alles ist in Olivenöl, in jeder Krise! Unser Lösungsvorschlag für Steuerfindung und Abgabenerhöhung I bis XXV lautet daher: Akzeptieren wir doch endlich die Neubenennung der Welt durch den Lüneburger Stadtrat. Also etwa: Bettentaxe = rechtliche Notwendigkeit, Hoteliers = Infrastrukturprofiteure, Touristen = Cash Cows, VHS-Entlassungen = Haushaltskonsolidierung, Unterfinanzierte Prestigebauten = Standortaufwertung, Nachverdichtungsspekulation = Stadtvilla, Anwohnerüberrumplung = gangbarer Kompromiss, Ratsopposition = Vereinigung der Bedenkenträger, Bürger = Meckerbande. Die Umetikettierung fällt uns in vielen Fällen bereits gar nicht mehr schwer. Eine Fachhochschule nennen wir ja auch schon Modelluniversität neuen Typs. Wenn Paulus das noch erlebt hätte! Das Business-Speak (ehemals „Neusprech“) des großen leuphanatischen Bruders siegt sogar schon im LZ-Deutsch auf breiter Front. „Mit der Wahrheit ist es eben vertrackt“! Widerstand ist da zwecklos. Wenn Herr Mädge eines Tages den ganzen Landkreis geeint hat (bisheriger Begriff: „eingemeindet“) und zusammen mit Sascha Spoun vom Libeskind-Leuchtturm aus wohlgefällig auf sein durchkommerzialisiertes hanse-artiges Ausstrahlungsnirvana (bislang: „Kaufhaus Lüneburg“) blickt, müssen wir uns ohnehin die Marketingsprache für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts ohne Wenn und Aber angewöhnen. Und das Leben in Lüneburg wird dann eine einzige immerwährende Orgie des Hollywood-Hellenismus, formelhaft, weichzeichnend und um kein Klischee verlegen, vom Souvlaki im Vorgarten bis zum Sirtaki am Ehebett.

    Es sei denn, wir entschlössen uns kurzfristig, Lüneburg in Griechenland umzubenennen. Damit lösten wir gleich mehrere Probleme auf einmal. Denn an diesem Happen, da sind wir inzwischen sicher, würden sich selbst die EU und Frau Gabriele Heinen-Kljajic verschlucken. Da hülfe ihnen hinterher nicht einmal mehr ein dreifacher Ouzo (derzeit noch: Ratzeputz).

    • Der aktuelle Lukos-Chek

      Heute mußte die Lüneburger Stadtregierung und das in „Troika“ umbenannte Triumvirat – bestehend aus OB, Meihsies-Komission und GL – eine Liste mit Reformvorhaben an die Niedersächsische Landesregierung schicken, um die Aussicht auf eine Verlängerung des Aufmunterungsprogramms für die gähnende Stadtskasse zu wahren.

      Das sind die wichtigsten Punkte der hansegriechischen Reformliste im Original:

      – Umbenennung der Haushaltsschulden in „Rückzahlungsoptionen“

      – Umbenennung des drohenden Stadtkassenbankrotts in „administrative Liquiditätspause“

      – Tourismusunternehmen dürfen gegen Entgelt Betten umbenennen

      – Griechische Folklore soll die Akzeptanz der Schuldenkommune unter den Lüneburger Eingemeindungskandidaten befördern. Auf dem nächsten HanseBall des Vereins Lüneburger Kaufleute e.V. wird Sirtaki statt Walzer getanzt, beim Herrenessen wird Skordalia, Kreatosoupa, Kontosouvli-Pastitsio und Kadaifi-Loukoumades gereicht

      – Einsparungen bei der (seit gestern) geplanten Lüneburger „Holm-Keller-Mondmission“ (Originalzitate: „Die Maschinenhalle wird unser Wahrzeichen im Kosmos sein. Der Entwurf steht sinnbildlich für das in Lüneburg verfolgte Hochschulmodell. Das neue Gebäude soll auch ein Ort des lebendigen Austausches zwischen Universität und Erdtrabanten in der Region werden. Die Finanzierung ist gesichert, auch für mögliche Risiken hat die Universität Vorsorge getroffen“

      – Das hansestädtische Stadtfernsehen geht wieder auf Sendung; die dadurch entstehenden Kosten übernimmt Deutsch Evern für ein Jahr, falls Lüneburg einwilligt, Markus Lanz und Hubert Ringe als Moderatoren zu beschäftigen

      – Umbenennung Ulrich Mädges in „Alexis Tsipras“ (Αλέξης Τσίπρας)

  9. Sehr geehrter Herr Pauly

    Anlässlich der Vorgänge um die Grundstücke Frommestraße 1-3 und Bastionstraße 1-2 haben Sie und ihre Partei im Oktober 2012 erklärt, Stadt-, aber auch Kreisverwaltung seien „in der Verantwortung und in der Pflicht, Mieter vor Verdrängung zu schützen, ihre legitimen demokratischen Rechte zu stärken und der Vernichtung preisgünstiger Wohnlagen für profitorientierte Investorenprojekte entgegenzuwirken“.

    Sie erinnerten in dem Zusammenhang auch an den Bebauungsplan zur Nordlandhalle von 2011, den Vorgang in der Friedenstraße von 2012, und andere „bürgerfeindliche und unsoziale Stadtumwandlungsprojekte wie Hellmannweg, Museum, Musikschule und Audimax“, an denen sich gezeigt habe, „dass auf die wichtigsten Anwohneranliegen nicht eingegangen wird.“

    Wie verhält es sich mit drohenden Enteignungen, wie sie in Deutsch Evern nicht auszuschließen sind, wenn es bei Schröder-Ehlers´nach ihrem ganz persönlichen Dafürhalten „gangbarem Kompromiss“ bleibt?

    Gibt es auch eine „Verantwortung und Pflicht“, Haus- und Grundstücksbesitzer „vor Verdrängung zu schützen, ihre legitimen demokratischen Rechte zu stärken und der Vernichtung über Generationen angestammter Wohnlagen für profitorientierte Investorenprojekte (hier: DB et al.) entgegenzuwirken“, wenn Alternativen der Streckenplanung existieren?

    Haben Sie den Eindruck, dass die beiden von Hans-Herbert Jenckel genannten Fälle des sozialdemokratischen „Ventilierens“, was ja sowohl „überlegen“ als auch „Wind erzeugen“ heißen kann, mit der gruppenvertraglichen Zielerklärung von SPD und Grünen übereinstimmen, wie sie nach den Kommunalwahlen 2011 in der Hansestadt Lüneburg mit großem Blech und viel Tschingderassabum-tröt-tröt festgeschrieben worden ist? Sollte so „eine ‚integrierte Entwicklung‘ mit Stärkung der Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger an Entscheidungsprozessen unter gleichwertiger Berücksichtigung sozialer Belange, Nachhaltigkeit in der Bauplanung und ebenso in der Gestaltung, Pflege und Erhaltung von Grünflächen“ nicht auch der eigentlich selbstverständliche Maßstab der gleichen Mehrheitsfraktionen in Kreis- und Landtag sein? Sollten nicht auch die Landtagsabgeordnete Frau Andrea Schröder-Ehlers sowie Landrat Manfred Nahrstedt und seine Stellvertreterinnen Elke Stange (SPD), Stefi Brockmann-Wittich (Grüne) und Nicole Ziemer (SPD) davon gehört haben, dass solche Minimalstandards politischen Verhaltens in Deutsch Evern unter dem bürgerlichen Namen „Anstand“ bekannt sind?

    Noch etwas ganz anderes: In Ihren „Sozialpolitischen Kernforderungen des Landtagswahlprogramms 2013“ schrieben Sie außerdem: „Wir treten für ein gesetzliches Verbot von Leiharbeit und gegen den Missbrauch von Minijobs, Werkverträgen und Praktika ein. Jede Beschäftigung muss ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig sein.“ Was sagen Sie zum Fall der Lüneburger VHS-Dozentin Linda Sulimma? (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/luneburg/195796-ein-bitterer-sieg)

    MfG, Vera Huber

    • Hallo Herr Pauly

      Winterschlaf? Was ist los? Wann lesen wir mal wieder was von Ihnen? Ist das alles nicht mehr so wichtig? Nur aufgrund der Beiträge von Ihnen und Ihren Ratsfreunden Schmidt, Adam und Webersinn bin ich hier zum Blog gekommen. Jetzt checken ziemlich viele Studis. Aber wo bleiben die Talente? Oder sind Sie der gleichen Ansicht wie „Birdman“, das grandiositätsobsessive Alter Ego, der isolierte böse Teil von Riggan Thomsons Persönlichkeit, der Geist, der stets verneint, von welchem dem armen Schauspieler eingehämmert wird: „People, they love blood. They love action. Not this talky, depressing, philosophical bullshit“?

      Fragt mit lG Vera Huber

  10. Sprachlose Lünepolitik

    Hier wird dröhnend ignoriert. Im vereinten Schweigen immerhin scheint unter Stadt- und Kreisräten über alle Fraktionen hinweg Einigkeit zu bestehen.

    Ein LüneBürger gratuliert Ihnen für diesen vermutlich sehr hart erarbeiteten, „praktischen“ Konsens, meine Damen und Herren.

    Harold Dörfler

  11. Für Klaus Bruns

    Versuch einer Ehrenrettung durch Betrachtung der untergehenden Welt Old Shatterhands und Winnetous im Bruns´schen Jubeljahr 2015:

    Man lege einmal diese beiden Fotografien nebeneinander: den Medizinmann und Häuptling der Lakota-Sioux, Sitting Bull, der 1876 mit seiner auf den Geistertanz eingeschworenen Stammeskoalition am Little Big Horn dem 7. Kavallerieregiment General Custers das berühmteste Desaster der amerikanischen Militärgeschichte bereitete, und den Reppenstedter Facharzt für Lüneburger Weltanschauungs- und Kommentatorenhusten, Klaus Bruns, der seit dem erstmaligen Erscheinen seiner dem Expressionismus und einer Ästhetik der angewandten Pressepathologie verpflichteten Blog.jj-Gedichte die hansesprachige Leserbrief-Lyrik auf den Kopf gestellt hat – da sind zwei Schamanen, die der Welt mit dem undurchdringlichen Blick einer Sphinx ihre Stirne bieten. (Vgl. auch: „Thorstens Parallelmärchen“ vom 17. September 2014: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/189831-lueneburgs-upper-zeit-class#comment-8898)

    Bereits im Jahre 1936 widmete der Dichter Günter Eich deshalb das unten gleich folgende Gedicht aus seinem Winnetou-Hörspiel „Fährten in die Prärie“ nicht zufällig, wenn auch nur für Eingeweihte zu erschließen, Klaus Bruns, über dessen im Jahre 2015 kommenden fünfundsechzigsten Geburtstag in Deutschland noch lange öffentlich geschwiegen werden musste. Denn der Kreisverband der Grünen Lüneburg 2008, DIE LINKE Niedersachsen 2011 und die Sozial-ökologische Liste für Gellersen und Reppenstedt bis heute hatten ihn, dessen Verkennung der Lage sich deren Polit-Regime geschickt zur Mithilfe bei der Gleichschaltung der Reppenstedter Dichterakademie zunutze machen wollten, als eigensinnigen Querdenker mit unwiderstehlicher Humoristenqualität diffamiert und damit ex cathedra versucht, ihn aus dem literarischen Polit-Leben Lüneburgs zu verbannen. Dass er seinen Eintritt in die Kommentatorengarde der Lüneburger Landeszeitung als „aristokratische Form der Emigrierung“ ansah, wie er bereits 2008 bekannte, wird aus dieser Perspektive nachvollziehbar.

    In den Kreisen der auf unsere Jahre vorausschauenden, sogenannten „inneren Reppenstedter Emigration“, mit welcher der junge Günter Eich wie seine Freunde und Mentoren Oskar Loerke, Wilhelm Lehmann und Elisabeth Langgässer sich visionär identifizierte, hatte sich ihr Zukunftsheld Klaus Bruns auf diese Weise schnell den Ruf ihres „Manitou“ erworben: Wer wollte, würde die Bruns-Hommage wie jeder gute Fährtensucher aus diesen so unscheinbaren Hörspielversen jederzeit herauslesen können. Sie versteckt sich in exotischen Reimwörtern wie „Prärie“ oder „Mokassin“, die auf Bruns´ sprichwörtliche Reimpreziosen anspielen („Es schlummern orphische Zellen / in Hirnen des Okzident / Fisch und Wein und Stellen, / an denen das Opfer brennt“), aber auch hinter den dreihebig-elegisch über die Zeilengrenzen hinwegfließenden Jamben und den volksliednahen Kreuzreimstrophen, die ein romantisches, von Joseph von Eichendorff kultiviertes Schema fortführen, das Bruns, gegen den Strich gebürstet, aber mit ebenso viel Melancholie und Pathos im Blut immer wieder auf neue kritisch-artistische Höhen gebracht hatte.

    Weit über ein Jahrhundert deutscher Indianerromantik – von den frühen, noch vom alten Goethe gerühmten Lederstrumpf-Übersetzungen der Romane James Fenimore Coopers über Friedrich Gerstäcker und natürlich Karl May bis hin zum Kulturimport einer ersten lebensgroßen Mark Twain-Statue auf die Brausebrücke und anderer schwarz-weißer Western-Phantasien der Standortaufwertung – vermag Eich in diesen Versen zu verdichten. Der Indianer ist ein sehr deutscher Mythos, der schon Generationen von heranwachsenden Lüneburgern aus spießbürgerlicher Enge in die utopischen Weiten eines fernen, unerforschten Kontinents der unbegrenzten Inkubatorenmöglichkeiten befördert hatte. Aber das ist längst nicht das Entscheidende: Eich findet für sich im Bild des Indianers eine Identifikationsfigur geistigen Widerstands in Zeiten der Unterdrückungsversuche von spitzbübischer Bruns´scher Kommentatoren-Raffinesse.

    Mochte dieser Widerstand nach außen hin – wie einst der Widerstand der Lüneburger Ureinwohner gegen die an sie herandrängende sogenannte „Universität für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ – auch folgenlos erscheinen, so schuf er doch zwischen den Mitverschworenen eine geheime Distanz zum geheimen Machtapparat des allgegenwärtigen Lobbytums, die ihnen die fatalen Jahre der quantifizierungseuphorischen Geistesfeindschaft zu überstehen half. Dass sie sich dieser gleichwohl nicht entziehen konnten oder wollten, zeigen nicht nur Eichs und Bruns´ Schriftstellerbiographien, sondern auch die Tatsache, dass der als Widerstandsfigur intendierte Indianer von den politischen Wortführern Lüneburgs ebenso zu einträglich harmloser Affirmation („Indianischer Hansetag Lüneburg“) umgedeutet worden ist. Eich konnte sich schwerlich dagegen verwahren, dass sein Radiostück, das der Reichssender Berlin 1936 mit Will Quadflieg in der Winnetou-Rolle ausstrahlte, später just von vielen Klaus Bruns schmähenden LZ-Leserbriefschreibern gelobt wurde.

    Reppenstedter sein, bemerkte Heiner Müller einmal sibyllinisch, heiße auch, Indianer zu sein. Günter Eich konnte ein Klaus Bruns-Lied von Utopie und Abgrund dieser Vorstellung singen:

    Gedenke noch bisweilen
    der Knabenphantasie:
    Einst über Meer und Meilen
    flogst du in die Prärie.

    Sie hält nicht nur die Spuren
    von Huf und Mokassin, –
    all deine Träume fuhren
    mit übers Grasland hin . . .

    Der Rand der Lagerfeuer,
    wenn sich die Dämmrung naht,
    wölkt um die Abenteuer
    am Indianerpfad.

    Es stampft die Bisonherde
    in das Savannenlicht,
    du spürst die ferne Erde,-
    dein Auge sah sie nicht.

    Da noch die Träume währten,
    zuweilen wußtest du’s:
    Im welken Gras die Fährten
    sind auch von deinem Fuß.

    [Günter Eich: „Fährten in die Prärie“. In: „Gesammelte Werke in vier Bänden. Revidierte Ausgabe – Band II: Die Hörspiele 1“. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1991. S. 127–156.]