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Lüneburg radelt weiter im Mittelmaß – Es fehlt ein Senator Cato

blogjj(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ. Er schreibt an dieser Stelle regelmäßig über politische Themen aus Stadt und Landkreis Lüneburg. Der Blog heißt jj, weil das sein Kürzel in der LZ ist.)

Lüneburg, 24. Februar
Nur Mittelmaß, und das im Oberzentrum. Lüneburg wurde beim ADFC-Fahrradklima-Test mit einer Gesamtnote von 3,6 bewertet.

Das Ergebnis wäre nicht der Rede wert, hätte die Hansestadt nicht den Anspruch, eine Öko-Radler-Stadt zu sein, eine, in der sogar Grüne mitregieren. Das Ziel haben sich Rat und Verwaltung vor einem Vierteljahrhundert mit dem Verkehrsentwicklungsplan gesteckt.

Doch sie verlieren es immer wieder aus den Augen – bis der Druck wieder mal zu groß wird: Am Bahnhof erzwang die schiere Masse wild abgestellter Räder einen zweiten Radspeicher, nicht der freie Wille gab den Ausschlag. Markt und Sand sind bei gutem Wetter dermaßen mit Drahteseln zugeparkt, dass dort in den Randzonen immer neue Radbügel-Phalanxen aufgereiht werden, um die Not zu lindern.

Aber es hapert beim Grundsätzlichen, beim kleinen Abc des Radverkehrs: Wie sind die Wege beschaffen? Wie gut ist die Verkehrsführung? Wann eröffnet Lüneburg eine Fahrradstraße? Auf diese Fragen fehlen Antworten, die einer Radfahrer-Stadt angemessen wären.

All das ist hier im Blog schon beklagt worden. Leider muss man es wiederholen wie der römische Senator Cato, der jede seiner Reden im Senat mit den Worten beendet haben soll: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss. So ein Cato fürs Rad fehlt im Rat, einer, der bei jeder Sitzung aufsteht und fordert: Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass Lüneburg mehr Geld ins Radwegenetz stecken muss.

Googeln Sie einmal „Lüneburg“ und „Radfahren“: Sie finden Heide-, Ilmenau- oder Elbe-Touren. Stadt Lüneburg? Fehlanzeige. Oder gehen Sie auf die Intenetseite der Stadt www.lueneburg.de und geben Sie das Stichwort Radfahren ein. Dann wissen Sie, welche Wertschätzung das Rad erfährt. Besonders sehenswert ist der Fahrrad-Stadtplan, wo zum Beispiel in der Detailansicht die Schießgrabenstraße laut Legende als „nicht benutzungspflichtiger Radweg“ eingezeichnet ist. Kann ich wahlweise auf der Straße oder dem Fußweg fahren? Der Weg mündet jedenfalls in die Lünetorstraße Richtung Stint, wo ein Stummel von 20 Metern „benutzungspflichtig“ ist, danach gilt „Radfahren auf der Straße“. In der Übersichtskarte sieht das alles etwas anders aus, das macht es nicht besser, sondern verwirrender und angestaubt.

Als Interessenvertretung der Radler dient auch in Lüneburg der ADFC. Der letzte Bericht über eine „Rats-Tour“ mit Kommunalpolitikern auf der Internetseite des Clubs stammt von 2010. Es gibt dort sogar eine Seite für „Verbesserungen in LG“, dort finden Sie ein einziges Beispiel. Ende.

Der halbherzige Umgang ist das grundlegende Problem. Auch das spiegelt sich im ADFC-Fahrradklima-Test wider, es fehlen den Teilnehmern die guten Nachrichten, stattdessen lesen sie mehr über Rad-Rambos. So schneidet die Berichterstattung fast so schlecht ab wie die Ampelschaltung, die Führung an Baustellen oder der Zustand der Wege.

Wenn die Grünen im Lüneburger Rathaus mitregieren, sollten sie die Gesamtnote 3,6 vom ADFC wahlweise als Watschen oder Weckruf sehen.

Cato, wo bist du?

Hans-Herbert Jenckel

17 Kommentare

  1. Lüneburg ist darin Spitze, wo sich ein OB Mädge in der Sonne aalen und prahlen kann.

    Das beste Beispiel ist doch der Leuphana-Neubau. Damit kann Mädge protzen, also wird dafür alles getan, damit der Bau realisiert wird.

    Die Themen Rad, Auto oder Städtebau im allgemeinen sind einfach zu profan als das es mit ihnen möglich wäre, sich in ein besonders schönes Licht zu stellen. Zumal man sich dann ja auch noch mit dem Bürger an sich auseinandersetzen müsste. Und der könnte ja von den Vorhaben, die man im Rathaus plant, nicht angetan sein.

    Beim Protzbau auf dem Uni-Gelände hatte man keinen großen Gegenwind seitens der Einwohner befürchten müssen. Und der Lüneburger OB geht nun einmal schon seit über 20 Jahren den Weg des geringsten Widerstandes, damit niemand anfängt an seinem Sockel zu sägen.

    • „Man müsste sich (…) mit dem Bürger an sich auseinandersetzen“. „Und der könnte ja von den Vorhaben, die man im Rathaus plant, nicht angetan sein.“

      Sehr richtig ! Eine solche „Auseinandersetzung“ möchte man lieber unter allen Umständen vermeiden. Gellendes Beispiel dafür ist das Ausbleiben jeder Reaktion auf die sehr deutlichen Anwohner-Fragen und Bürger-Kommentare im Blog der letzten Woche:

      http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/217359-lueneburgs-pawlowsche-hunde-zwischen-kirchturmpolitik-und-visionen

      Die Rechnung für ihr derartig ostentatives Wegschauen wird SPD, Grünen, aber auch der CDU mit Sicherheit bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr präsentiert werden.

      Mal schaun, wie unser Leuchtturm-Uli sich und uns danach seine letzten fünf Jahre schön phantasiert — mit einer AfD-Mehrheitsfraktion im Stadtrat und den Grünen als Juniorpartner an ihrer Seite.

    • Brücke in die Gesellshaft

      Es gab doch vor Kurzem diese Umfrage von einer stadtbekannten Universität. Die Tabellen mit den Antworten wurden dann Studie gennannt. Noch nicht lang her.

      In Lüneburg herrscht keine echte Demokratie. Das fanden mehr als sechzig Prozent der Lüneburger. Die entsprechende Frage, die die Befragten bejahen oder verneinen konnten, gab ihnen als Begründung an die Hand „… da die Wirtschaft und nicht die Wähler das Sagen haben“.

      Andere Aussagen betrafen den Zusammenhang von Kapitalismus, Armut und Hunger (sieht ein Drittel als zwangsläufig an) sowie den von Kapitalismus und kriegerischen Konflikten (siebenunddreißig Prozent). Den Sozialismus und Kommunismus, lässt uns die Umfrage wissen, hält jeder vierte befragte Lüneburger für eine gute, nur bislang schlecht verwirklichte Idee. Ein Fünftel der Befragten findet, „wir brauchen eine Revolution“.

      Allerdings scheinen dreizehn Prozent dabei an eine Revolution in den Herzen zu denken. Den Einsatz von Gewalt gegen „das System“ halten nämlich nur sieben Prozent der Befragten für gerechtfertigt. Dazu passt, dass die Hälfte derjenigen Hansestädter, die zur Teilnahme an solchen Haustür-Umfragen bereit waren, es nicht richtig findet, dass Kritiker der Demokratie hierzulande zu schnell als Extremisten abgestempelt würden. Andererseits meinte fast jeder Zweite durchaus, dass dem Staat das Gewaltmonopol genommen werden sollte.

      Eine nicht extremistisch genannt werden wollende Revolutionsbereitschaft von links, die eher gewaltlos zu einem Staat ohne Gewaltmonopol führen soll, der sich nicht mehr in kriegerische Auseinandersetzungen treiben lässt und den Kapitalismus zwanglos abschafft? Die Utopie war auch schon aggressiver.

      Gewiss darf man bei solchen Umfragen nicht alle Prozentwerte einfach übereinanderlegen, so, als ergäbe das in den Schnittmengen so etwas wie ein greifbares Segment der öffentlichen Meinung. Wer sich die Begegnung mit einer einzelnen Person vorstellen müsste, die all das Gesagte zugleich meint, würde wohl versuchen, schnell das Gesprächsthema zu wechseln.

      Vielleicht zeigt die Bereitschaft zum Ankreuzen von Sprüchen aber auch nur die Grenzen solcher Umfragen. Was messen sie eigentlich? Politische Meinungen, deren Inkonsistenz, die Art des Medienkonsums der Befragten, den entsprechenden Wiedererkennungswert von Phrasen? Meinen geht ja überhaupt sehr leicht. Gewaltmonopol? Klingt irgendwie nach Gewalt und Monopol, also lieber mal ablehnen.

      Interessanter aber als die innere Struktur solcher Bekenntnisse ist ein Vergleich der Umfrageresultate mit dem politischen Handeln. Für die allermeisten bedeutet es doch eher die Beteiligung an Wahlen als an Umstürzen. Diagnosen, die vor Zulauf bei der politischen Rechten warnen, den Zerfall der Mitte oder die Schwäche des Liberalismus konstatieren, können darum zwar um den demoskopischen Eindruck ergänzt werden, bei fast der Hälfte der Lüneburger schlage das Herz weit links. Doch das geht eben nicht mit einem dazu passenden Wahlverhalten einher. Man wird sich die Wähler von Ulrich Mädge im Juni des letzten Jahres schließlich nicht als Gegner des Gewaltmonopols vorstellen wollen oder als Leute, die sich die echte Demokratie ohne Marktwirtschaft und Privateigentum vorstellen können.

      Soviel zur Frage nach der „echten“ oder, wie es früher hieß, „bloß formalen“ Demokratie. Bekanntermaßen sammelt man hier leicht aus sehr verschiedenen Richtungen Zustimmung zum Echten. „Volkswille“ dagegen ist kein nach links oder rechts eindeutiger Begriff, und auch Volksabstimmungen fänden, je nachdem, worüber abgestimmt würde – LSK, Minarette am Berge, Fahrradstraße, Sparkasse, Stadthaushalt, Zuzug, Supermarkt, Hanseviertel -, vermutlich unterschiedliche Freunde. Entsprechend darf man sich die Kritiker der „unechten“ Demokratie politisch nicht zu festgelegt denken. Man muss sogar damit rechnen, dass sich unter ihnen Bezieher von Zinseinkommen finden. Schließlich fand die erwähnte Befragung auschließlich unter Bewohnern im Roten Feld statt.

    • „Die Wirtschaft und nicht die Wähler haben das Sagen“, schreibt mein Vorredner. Das Immaterielle gegen das Materielle also, Kapital gegen Arbeit? Da ist er mal wieder, der Kulturkampf unserer Tage. Arbeit ist das, was wir sind, weil es das ist, was wir tun – nicht wir geben der Arbeit Sinn, die Arbeit definiert uns. Das kann man mögen oder nicht, und die Utopie war und ist auch eine andere: Eine Welt ohne Arbeit ist möglich und gut. Das war lange eine emanzipatorische und damit linke Vorstellung, auch weil Marx die Arbeit sehr auf die Ausbeutung verkürzt hat, und da war ja auch etwas dran. Heute ist es eher eine technizistische und damit nicht unbedingt gleich rechte Vorstellung, auch wenn die künstliche Intelligenz eventuell tatsächlich die Erlösung des Menschen von sich selbst bedeutet, was nicht nur eine gute Nachricht ist. Denn was bleibt vom Menschen, wenn die Arbeit fehlt? Was bleibt, wenn in Delhi Roboter die Schuhe putzen und in Jakarta ferngesteuerte Rikschas herumsausen und in Hanoi Maschinen die Papiermasken bemalen und in Moskau der Karatetrainer aus vielen Tausend Schrauben und Transistoren besteht? Ist der Mensch dann frei? Spoiler-Alarm: Der Mensch wird nie frei sein. Selbst wenn die Maschinen sich nicht dafür entscheiden, die Menschen zu ihren Dienern zu machen, selbst wenn der Planet in der Balance bleibt, selbst wenn die Frage geklärt ist, wie das Essen auf den Tisch kommt. Einer wird immer herumstänkern. Einer wird immer mehr wollen. Einer wird immer stören. Freiheit ist überlebenswichtig als Ziel, als Realität ist sie nicht zu haben. Was bedeutet das aber für die Arbeit bei Pickenpack? Die Arbeit ist der wesentliche Ort, an dem der Mensch, an dem der Kapitalismus zu sich selbst kommt. Und wenn das so ist, dann ist dieses System falsch benannt: Es geht im Wesentlichen nicht um Kapital, es sollte jedenfalls nicht darum gehen, es geht auch nicht um den Markt – es geht um eine Form, menschliche Arbeit und damit unsere Zeit zu organisieren. Das sollte ein System leisten, für das es sich lohnt zu kämpfen und zu leben: Der heutige sogenannte Kapitalismus wäre demnach ein Verantwortungssystem, das von seiner Verantwortlichkeit befreit wurde. Demokratisch ist er nur mit Verantwortlichkeit zu haben – wenn er ein Bereicherungssystem wäre, müsste man sich dafür eine andere Gesellschaftsform ausdenken. Man muss ihn deshalb nicht abschaffen, den sogenannten Kapitalismus, und man muss auch nicht versuchen, die Kritik an dem Zustand der Demokratie den Kritikern in die Schuhe zu schieben. Als seien es nicht die Marktextremisten, die die Demokratie gefährden. Als könnte man die Demokratie nicht dadurch am besten stärken, dass man für mehr Gerechtigkeit sorgt. Ist es aber links, so etwas zu sagen? Ist es extrem? Wäre demnach auch der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler ein Linksextremer, der vor Jahren warnte, das „Monster“ der Finanzmärkte müsse gebändigt werden? Ist das links? Ist das extrem? Arbeit gegen Kapital, das Materielle gegen das Immaterielle: Das ist, mal wieder, der Kulturkampf unserer Tage. Und mit Marx gegen Marx: Arbeit ist nicht primär Ausbeutung, Arbeit ist auch der Sinn, ist auch Arbeit am Selbst. Es stellt sich die Frage, ob die proklamierte postindustrielle Gesellschaft nicht selbst Propaganda ist. Einen „Mythos“ nannte der extrem lustige Ökonom Ha-Joon Chang die Rede von der postindustriellen Gesellschaft in seinem Buch „23 Lügen, die sie uns über den Kapitalismus erzählen“ – einen „gefährlichen“ Mythos. Ich meine: Wenn wir unsere Arbeit verlieren, verlieren wir uns selbst. Warum eigentlich?

  2. Critical Mass: Am 3. April um 18:00 Uhr am Clamart Park – Spring Ride

    Wir behindern nicht den Verkehr, WIR SIND VERKEHR!!!

  3. „So ein Cato fürs Rad fehlt im Rat, einer, der bei jeder Sitzung aufsteht und fordert: Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass Lüneburg mehr Geld ins Radwegenetz stecken muss.“

    Mag sein, so ein Cato fehlt.

    Aber es fehlt auch ein Friedrich ohne Rad, der bei jeder Sitzung im Rat aufsteht und sagt, dass man Geld, welches man nicht hat, auch nicht in Radwege stecken kann:

    „Eine Regierung muss sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt. Es ist gerecht, dass jeder Einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, dass er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muss. Auch eine Regierung merke also darauf: Wer mehr verzehrt als er gewinnt, der muss nachher sehr lange Zeit mit den Mäusen essen.“

    Friedrich II, ab 1740 König in und ab 1772 bis 1786 König von Preußen sowie Kurfürst von Brandenburg

    Und es fehlt auch ein Erhard ohne Rad, der bei jeder Sitzung im Rat aufsteht und sagt:

    „Wenn Steuern erhöht werden und ZUGLEICH die öffentliche Infrastruktur verfällt, dann ist das bereits ein Teil der bittersten Zeche, die der Bürger dafür zahlt, dass wir, die Politiker, jahrelang über unsere Verhältnisse gewirtschaftet haben und nach wie vor wirtschaften.“

    Ludwig Erhard, 1949 bis 1963 Bundesminister für Wirtschaft, 1963 bis 1966 zweiter Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland

    Mit dem Fahrradlenker in der Linken und dem Smartphone in der Rechten und skeptisch, spöttelnd hochgezogenen Frauenaugenbrauen im Rücken

    und mit besten Morgengrüßen in mein verschlafenes, wasserturmhoch über beide kalten Winterohren verschuldetes Lüneburg

    Helmut Johndreieck

  4. Man ist beschäftigt. Der goldene Lenker lockt. Dieses geht aber nur über ein Denkmal. Wie sollte so ein Fahrrad-Denkmal denn aussehen? Ein Drahtesel, worauf eine Esel mit Pfeil und Bogen platz genommen hat , der zusätzlich Wasser speit? Pfeil und Bogen sind in bestimmten Kreisen im Stadtrat sehr beliebt. Und nicht nur dort scheint mir. Manchmal ist diese Kriegs und Jagdwaffe verschwunden und sie befindet sich dann nur noch im Untergrund.

  5. Ich finde man kann es auch übertreiben. Als Dauerradfahrer in Lüneburg kann ich die Beschwerden nicht nachvollziehen. Ich finde man kommt überall mit dem Fahrrad gut hin. Klar eine Altstadt mit eher schmalen Straßen verlangt von den Verkehrsteilnehmern mehr Rücksicht und genau hier liegt eher das Problem.
    Als Autofahrer hat man meiner Meinung nach mehr Probleme in Lüneburg. Um von a nach b zu kommen muss man etliche Haken und Bögen schlagen und weitläufige Umwege in Kauf nehmen. Parkplatzmangel mal gar nicht angesprochen. Aber immer er nur mosern bringt nichts. Wie wäre es einfach mal zu lernen mit den Gegebenheiten entspannt und Rücksichtsvoll umzugehen. Im übrigen bleiben nach den Schuldenexzessen der Mädge Jahre für Lüneburg auch nicht viele andere Möglichkeiten, weil schlicht das Geld bereits ausgegeben wurde.

    • wer mal von reppenstedt nach lüneburg mit dem rad fährt und nur bis zum michaeliskloster kommen will, sollte schon mal an der lüneburger stadtgrenze mit dem beten beginnen. aber einhändig radfahren ist ja nicht erlaubt.

  6. Feststellung: die jugend wurde im jj block schon mal erschreckt. junge ratsherren auch. die alten haben sich gar nicht erst getraut. was sagt uns das? meinungsfreiheit ist nur ein gefühl. wenn sie die eigene meinung zu fremden ufern tragen kann, natürlich nur mit nachhall, ist derjenige begeistert. wenn aber so ein leichtmatrose gegen den wind kreuzen soll, geht er lieber in deckung und überlässt das wirken der maschinerie. traurig. da hat man sich zu wahl gestellt und dem bürger mitgeteilt, er darf sich an der demokratie beteiligen, sozusagen als soli und was ist passiert? der bürger zieht den schwanz ein und wartet auf ergebnisse, über die er nur abzustimmen hat. bequemer geht es nun wirklich nicht. nur die wirklichkeit ist eine andere.

    • Vertrauen in Lüneburg schwindet

      Klaus, Lüneburgs Bürger haben einfach kein Vertrauen mehr in ihr Oberzentrum, wie eine Umfrage in sechs Stadtteilen ergeben hat. 54 Prozent von ihnen halten Lüneburg für „zu groß und unübersichtlich“, vor allem an den Außengrenzen (Bardowick, Adendorf, Scharnebeck, Deutsch Evern, Heiligenthal, Reppenstedt). „Die wollen doch nur unseren Hanse-Titel, die Nassauer.“ 44 Prozent dagegen halten Lüneburg für „zu klein und unbedeutend, um im Kampf der richtig großen Hansestädte mitzuspielen“. Von Lüneburg „persönlich enttäuscht“ fühlen sich 37 Prozent, die meisten davon, „weil es mit Ulrich Mädge einen an seiner Spitze hat, der im Coffee Shop No.1 ständig ganze Seiten aus der Gäste-LZ reißt“, die anderen wegen Heiko Meyers Schattenregime in der Stadtverwaltung. Mehr als die Hälfte fürchtet ein Auseinanderbrechen Lüneburgs durch die Bruns´sche Kontinentaldrift, immerhin 31 Prozent meinen sogar, daß es gar kein richtiges Oberzentrum ist, „weil es so komisch an der Leuphana dranhängt“. Dementsprechend plädieren fast zwei Drittel der Befragten für einen sofortigen Austritt Lüneburgs aus der hansestädtischen Schulden-Union.

  7. Bundestagsabgeordnete diskutieren

    Lüneburg, 23. Februar. Jeder Platz im Glockenhaus ist besetzt, und es wird schon vor Beginn der Veranstaltung aufgeregt diskutiert: Das Thema der Podiumsdiskussion beunruhigt viele Lüneburger. Die Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols (CDU), Hiltrud Lotze (SPD), Herbert Behrens (Die Linke) und Dr. Julia Verlinden (Grüne) wollen ihre Standpunkte zum umstrittenen Verkehrsentwicklungsplan von Rat und Stadtverwaltung darlegen, der die unkontrollierte Invasion der Innenstadt durch lautstarke E-Bike-Senioren, rücksichtslose graue Trekking-Wölfe vom Lopausee und sportive Tagestouristen-Strampler reglementieren soll. Eingeladen hatte dazu die Initiative “Wir gegen Öko-Radler-Stadt ”.

    Bevor den Diskutanten die Bühne überlassen wird, gibt Energieingenieur Thorben Gruhl einen Überblick. Der jetzige Entwichlungsplan, den die Stadtverwaltung als ein “Fahrrad-Verbot” tarne, sei eigentlich viel mehr ein “Radlerterror-Ermöglichungsgesetz”, urteilt er. Das Einzige, über das noch in einer Kommission verhandelt werde, sei eine Einschränkung für das Abstellen von Drahteseln in Parkhäusern am Bahnhof oberhalb von 3000 Metern Tiefe. Aber im Gesetzentwurf sei keine Spur von Anwohner- oder Autofahrerschutz.

    Dann startet Moderator Ingo Köhne die Diskussion, achtet dabei stets darauf, dass die Redebeiträge fair bleiben. Doch inhaltlich scheinen die Diskutanten zu Beginn gar nicht so weit auseinander zu liegen. Alle sprechen sich für einen Fahrrad-Ausstieg und gegen weitere Radspeicher aus. Hiltrud Lotze (SPD) nennt eine Fahrradstraße “entbehrlich, da sie nichts zur Energiewende beitrage”. Eckhard Pols (CDU) bezweifelt, ob die Ausbesserung von maroden Radwegen wirklich so wirtschaftlich sinnvoll sei. Die Umsetzung des Verkehrsentwicklungsplans sei unrealistisch. Wozu also die ganze Diskussion?

    Julia Verlinden will wissen: “Herr Pols, woher kommt denn Ihr Optimismus? Ihre Parteikollegen klingen aber ganz anders.” Die Grüne ist überzeugt: “Die Lüneburger wollen keine Fahrradstadt. Keiner will das in Deutschland.” Dafür erntet die Abgeordnete viel Applaus. Das gelingt an diesem Abend sonst nur Behrens (Linke), denn das Publikum ist ohne jeden Zweifel auf der Seite der Radel-Gegner. Behrens fordert: “Wir brauchen ein klares Radbügel-Verbot an Markt und Sand , damit findige Anti-CO2-Lobbyisten nicht durch die Hintertür kommen können. Hinter dem Verkehrsentwicklungsplan stecken schließlich nicht nur Mägge und Meihsies, sondern die großen Fahrradkonzerne.” Er fordert ein Rad- und Öko-Ausstiegsgesetz für Lüneburg, so wie es bei der Atomenergie auch gemacht wurde.

    Pols wünscht sich eine überparteiliche Einigung. Als ein Zuhörer aus dem Publikum nach Gründen fragt, die fürs Radfahren sprechen, erklärt der Christdemokrat: “Es geht ja nicht nur darum, dass unsere Waden straff sind, sondern es geht auch um die Gesundheits-Wirtschaft.” Auch Hiltrud Lotze lenkt hier plötzlich ein. Als Sozialdemokratin sei sie verpflichtet, an die Arbeiter zu denken: “95 Prozent des gebauten Citybikes kommen aus Reppenstedt, und da sind 20.000 Leute beschäftigt. Ein Ausstieg will also gut geplant sein.”

    Viele Lüneburger fragen auch nach dem Verbleib der geklauten Stahlrösser und der herrenlosen Räder vom Bahnhofsvorplatz. Schließlich würden pro Jahr mehrere Tonnen Schrotträder von Herrn Mädge mit Stahlbürste und Chemikalien gereinigt, um an die Wiederverkaufserlöse zu kommen und so die Stadtkasse aufzufüllen. Pols meint: “Die ollen Schesen kann man einfacher aufbereiten.” Behrens widerspricht: “In den großen Mengen ist eine andere Aufbereitung unmöglich.” Was tun also? Eine Frau aus dem Publikum gibt zu bedenken, dass die Folgen des Rad-Wahns auf die nächste Generation übertragen wird wie beim Atommüll.

  8. Ratsscham und Radwahn

    Radfahren ist die Kunst des einsamen oder gemeinsamen, freizeitlich umwegigen Abenteuerns von freien, noch nicht eingemeindeten Reppenstedtern zwischen Dachtmissen und Hansestadt mit Hilfe eines Gerätes, das zwei reifenförmige luftgepolsterte Schläuche besitzt, die auf profilgestanzte Blechschienen mit idealerweise kreisförmiger Kontur aufgebracht wurden, welche um ihre Symmetrieachse drehbar gelagert sind und mit Muskelkraft angetrieben werden, mit Hilfe einer technischen Konstruktion also, die zwei Räder hat, und die deswegen auch Zweirad genannt wird.

    Das heute im Großraum Lüneburg einfach „Rad“ oder „Stadtrad“ (Citybike) genannte Inndividualverkehrsmittel mit Ketten- oder Nabenschaltung wurde 2011 von Dr. Fleissig nix Faul Fahr ad, einem arabischen Leuphana-Graduierten (Kulturwissenschaften), in einer ausrangierten, mit verwaisten Technik-Lehrstühlen zugemüllten Maschinenhalle in der Agnes-Miegel-Straße wiedererfunden, als er Lust bekam, bei einsetzender Abenddämmerung auf den aberpruschtwitzig illuminierten Kalkberg zu sporteln, ohne eine Solarbahn erklettern zu müssen. Anders als beim Benutzen einer solchen sonnenenergetisch pferdegestärkten Touristenbembel muss man sich beim Stahlrosspedalieren nämlich körperenergetisch anstrengen. Dass ein Fahrrad beim Antippen der fußgerechten Hebel nicht gleich losfährt, liegt wahrscheinlich daran, dass man beim Fahrrad (anders als bei Langbussen, Lokomotiven oder Lastkraftwagen) in die Pedale „treten“ muss, um vom Fleck zu kommen.

    Der volle Vorname von Dr. Fleissig nix Faul Fahr ad lautet: Hadschi Ali ben Hadschi Ishak al Faresi Ibn Hadschi Otaiba Abu ‚l Oscher ben Hadschi Marwan Omar el Gandesi Hafid Jacub Abd‘ Allah el Sandschaki. Aber jeder Reppenstedter kennt ihn als Abu Dihk (arabisch: Vater des Gelächters) oder noch kürzer als „Ali“.

    Dieser „انظر النقاش“ (arabisch für Spitzname) geht zurück auf eine frühe Passage aus dem Lexikon „Weltbekannte Reppenstedter“, das vorigen Sommer unter dem Pseudonym „Eratosthenes“ von einem berühmten Reppenstedter Schriftsteller in die internationalen Bestsellerlisten katapultiert wurde. Dort heißt es über den Bicicletta-Erfinder Ali: „[Er leidet] an einer Krankheit, welche sein Gesicht in fast regelmäßigen Pausen, besonders aber bei Seelenerregungen und wenn er spricht, zur schrecklichen Fratze verunstaltet, nämlich am Gesichtskrampfe. Diese Verzerrungen bringt nie einen ernsten, sondern stets nur einen solchen Ausdruck des Gesichtes hervor, daß man meint, Ali wolle sich über irgend etwas totlachen. […] die Gesichter des Mannes […] wirken so unwiderstehlich, daß der ärgste Melancholikus und der rücksichtsvollste Mensch geradezu gezwungen sind, mitzulachen. Übrigens geniert ihn das keineswegs; er scheint sich im Gegenteile ganz glücklich zu fühlen, stets lustige Gesichter um sich zu sehen.“

    Der schnelle Wandel der Invention unseres Reppenstedter Spaßmachers zum Erfolgsmodell, dieser in Eigenregie bewegbare Mobilitätsdientleister neuen Typs für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts, auch genannt Drahtesel oder Alu-Gurke (nicht Ali-Gurke!), aber ist zurückzuführen auf das Mitwirken durch einen gebrechlichen Kettenraucher-Greis, den Sudanesen Istvan Uszkar, welcher ebenfalls zu träge war, um sich ständig nur auf seinen spargeldünnen Geh-Beinchen fortzubewegen. Den Durchbruch schaffte Alis Prototyp nämlich erst, als jener asthmatische Testpilot am 24. Februar 2011 gegen halb zehn im Appartementhaus Hinter der Saline 14a laut hustend die Mauer zwischen seiner Dachterrasse und dem Wohnzimmer seiner darin dösenden Nachbarin durchbrach — und damit auch die Zeitmauer in die Moderne für junggebliebene Goretex-Senioren mit einer Vorliebe für beheizte Satteltaschen, bunte Kleidung und witzige Strampelhosen. Dieser Durchbruch verschaffte ihm nicht nur keinen Schaden an der Front des ersten Reppenstedter Robustrades, nein, sondern auch das Ansehen anderer gebrechlicher Hansestädter, die ab nun mit ihm quasi überallhin durchbrachen und, ihrem Wahlspruch gemäß: „Break on Through To the Other Side“, jeden Tag wieder losschnauften: gen Himmel, ins Lüneburger Velopedalistenparadies, Richtung Huldigungssaal, zum jippiejuvenilen, jahrein, jahraus jederzeit Juckel-Jingles jubilierenden Jazzradjournalisten Jenckel, in die Nähe unseres Oberbürgermeisters sowie zum Herrn des Innen- und Außenloopingfliegens, zum Freeride- und Pirouettengott Andreas Meihsies, und zuletzt sogar zum Schöpfer oder Gestalter aller wirklichsten Wirklichkeiten selbst — zum cappuccinoschaumgeborenen Lagaš, Osiris, Brahma, Shiva, Vishnu, Saraswati, Bodhisattvas, Manat, Al-Lat, Al-ʿUzzā, Zeus, Jupiter, JHWH Elohim, Allah und Josep (Pep) Guardiola in Personalunion — zum einzigartigen All-Einen, nämlich zum LCM Vorstandsvorsitzenden Heiko Meyer aus dem Coffee Shop No. 1 in der Schröderstraße 7.

    Der amerikanische Populärwissenschaftler und Taschenheftdenker Hankie Grahams von der Leuphana (Künstlername: Richard David Precht) bestreitet obige Darstellung vehement. Er behauptet Beweise in einer Leuphana-Studie entdeckt zu haben, dass das Fahrrad bereits 3000 v. Chr. in Ägypten erfunden wurde. Im Zuge der ersten Ölkrise (Olivenöl wurde knapp wegen der biblischen Krötenplage) seien neue Verkehrsmittel gesucht worden. Die ersten Fahrräder seien vor allem aus Papyrus gebaut worden. Ein aus Kaffeerahmdeckeln (die aus dem Coffee Shop No. 1 stammen!) und Rührhölzchen gebautes Modell sei kürzlich in der neugebauten Grabkammer des Velodicep neben dem Raum der Stille gefunden worden. Im Gegensatz zu modernen Fahrrädern seien diese jedoch nicht mit Shimano-Schaltung, sondern mit Amenhotep-Zweieinhalbgangschaltung ausgerüstet gewesen. („Amenhotep“ lautete der Name von Sascha Spoun, als er nördlicher Wesir unter Pharao Rolf Dubs und 1992/93 Präsident der Studentenschaft der Universität St. Gallen sein durfte.) Einige Modelle seien mit seitlicher Mumienhalterung für Lüneburger CDU-Stadträte versehen gewesen, schreibt Hankie. Andere hätten anstatt einem Sattel Höcker mit Kastenbrillen gehabt. Weiter behauptet der Autor, dass Mark Twain (der bronzene Penner auf der Parkbank vorm Bergström) die Satire „How to ride a bicycle“ von einem altägyptischen Papyrus mit fast identischem Inhalt abgeschrieben hätte.

    Jedenfalls besitzen die Fähigkeit, mit so einem von Ali aus Reppenstedt (weiter-) entwickelten Gerät zu fahren, sowieso nur ältere und alte Lüneburger und führende Mitarbeiter der Landeszeitung. Sogenannte Pedelecs und E-Bikes jedoch, deren Anschaffung bei der E.ON-Avacon ihr Aufsichtsrat Ulrich Mädge für alle Ratspersonen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung ab 2016 zur Pflicht machen will, tendieren gerne dazu, in die Luft zu fliegen (sudden lithium cell explosion), und sind deshalb eine der gefährlicheren Leuphana-Innovationen.

    Viele Fahrräder haben auch die Eigenart, sich selbstständig fortzubewegen. Selbst mit Stahlseilen angebundene Fahrräder oder solche mit stählernen Bügelschlössern können sich ohne weiteres Zutun an andere Orte beamen. Das Bauhaus an der B 216 hat eine bemerkenswert stetige Erhöhung seines Umsatzes mit Batterieflex und Hebelschneidern feststellen können. Zwischen beiden Phänomenen, so Horst W. Opaschowski vom parapsychologischen Inkubator am Bockelsberg, könnte ein Zusammenhang bestehen. Insbesondere erstaunt, dass selbständig fahrende Fahrräder Lieblingsziele zu präferieren scheinen. So fahren sie mit Vorliebe heimlich nach Bardowick, Adendorf und in den Scharnebecker Balkan. Einige scheinen sogar in Heiligenthal (Vorderafrika) wieder aufzutauchen. Verhaltensforscher behaupten, dass das ein Zeichen der inhumanen Behandlung vorab eingemeindeter Fahrräder sei, die am Sande, am Bahnhof und in zweifelhaften Pflichtsemestern brutal angekettet würden und aus dieser Einschränkung ihres persönlichen Aktionsradiusses ausbrechen wollten.

    Die Lüneburger Fahrradsenioren werden übrigens trotz aller Bemühungen seitens des Ethikrates der vereinten Nationen immer noch zu den unterentwickelten Stämmen des Landkreises gezählt. Ihre größte Bedrohung finden sie zur Zeit aber nicht nur unter den Grünen im eigenen Stadtrat, sondern im ADAC Hansa/Lüneburg, welcher hingebungsvoll Jagd – besonders in der Schießgrabenstraße (!) – auf graue „Radfahr-Wölfe“ aus Amelinghausen macht und unablässig behauptet, auch ein in der Stadt ausgewilderter Tagestouristen-Wolf müsse sein Fahrrad in der Innenstadt eben schieben! Eine politisch aktuelle Maßnahme, welche die Anzahl der bicyclettierenden Lopauwölfe verringern soll, ist der Bau von unbefahrbaren Radwegen. Dies hat zur Folge, dass die Radrentner auf Gehwegen (Kurpark) und Bürgersteigen (Lünetorstraße, Rotes Feld) stadteinwärts rasen müssen, wo sie aber leicht mit einer Prostituierten am Straßenrand vor neueren „Stadtvillen“ kollidieren (Lesingstraße), was für diese schmerzlich und für jene teuer endet. Die Folge eines solchen Unfalls ist dann aber nicht selten das kleinlaute Okay des Radbürgers zu Baumordnungen, Bettensteuern und weiteren Abgabenerhöhungen.

    Zu den bereits beschriebenen Merkmalen von adulten oder senioren Radwölfen gibt es aber auch Unterarten, welche sich ihrer Umgebung anpassen und somit perfekt getarnt sind. Oft kommt es aber dadurch, dass diese Spezies bei Nacht von Autos zu spät erkannt wird, zu Missverständnissen und Wildschäden. Zeitweise wurde den Autos sogar schon nachgesagt, sie würden diese Fahrradwölfe absichtlich fressen. Als Entschuldigung wird gerne angebracht, dass die extreme Tarnung und die konsequente Nichtbeleuchtung dazu führten, dass solche Wölfe mit der Nacht verschmelzen. Konsequenz dieser nächtlichen Begegnungen ist nicht selten, dass sich ein LKW dazu gesellt und die aufgeheitzte Stimmung durch einen kräftigen Bumms wieder beruhigt.

    Renitente Mitsprache-Biker gelten – noch vor den widerspenstigen Rollatorennutzern – als schwächstes Mitglied des Lüneburger Öko-Radler-Stadt-Verkehrs. Oft gehasst für ihre linken Links-Überholen-Manöver an Ampelanlagen, wo das Auto dann beim Anfahren gehindert wird, hindern sie auch durch ihre Langsamkeit Autos am ungebremsten Abbiegen. WWF und ADFC haben angekündigt, Anfang 2015 eine große Kampagne zu starten, wonach jeder Lüneburger Fahrradfahrer einen freiwilligen Beleuchtungstest mitmachen soll. Das Geschrei war bis zu den Pilze verschlingenden Prädatoren am Lopausee zu hören. Die NDR-Redaktion hat zu diesem Thema einmal die andere Seite befragt und folgende repräsentative Antwort von den CO2-Emissionären erhalten: Heiko Meyer, Hanse-Jehova und Vorstandsvorsitzender LCM: „Ja wissen Sie, ich hab einfach nur die Schnauze voll, dass ich mir ständig den Lack am Porsche verkratze, wenn ich beim regelkonformen Abbiegen an der Scholze-Kreuzung mal wieder so einen freilaufenden Fahrradwolf übersehe.“

    Der halbherzige Umgang mit Konzepten zur Entschärfung von Gefahrenlagen für querulantische Geradeausfahr-Wutbürger ist – neben fehlenden Parkbügeln – auch ein grundlegendes Problem von “Rats-Tourenden” Kommunalpolitikern. Was in keinem ADFC-Fahrradklima-Test steht, hat Rudolf Scharping („Ich hoffe, von den Drogen meiner Untergebenen auch hin und wieder etwas abzubekommen, um beim Reden nicht immer einzuschlafen.“), der derzeitige Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer e. V. (BDR) – und nicht Cato – den Leuten, die auch im Straßenverkehr zuallererst Recht behalten möchten, am Nachmittag des erinnerungswürdigen 18. Juli 2002 mit auf den Weg gegeben: „Ein Unfall kann noch so spektakulär sein. Denken Sie daran, Medienstar ist man meistens nur sehr kurz.“

  9. Für den goldenen Mittelweg aus dem garstigen Mittelmaß (möglichst viel Fahrradstadt-Vision, möglichst wenig Bürgermeisterzorn) empfiehlt sich eine Anleihe bei Altstadtradler Konrad Adenauer, der bereits 1959 das Wort an die Mehrheitsfraktion im Lüneburger Huldigungssaal richtete: “Wissen Sie, meine lieben Politikprestigefreunde, Sie wollen eine Öko-Radler-Stadt haben, eine, in der sogar schon Grüne mitventilieren. Mein Freund Senator Cato Pferdmenges hat immer gesagt: ‚Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt‘. Ich entnehme Ihren Mienen, dass Sie mit dieser Auskunft ganz zufrieden sind.”

  10. Vielleicht bietet sich bei der in den nächsten Jahren sicherlich notwendigen Überarbeitung der Uelzener Str. zwischen Munstermannskamp und Sternkreuzung die Möglichkeit, endlich eine ganze Spur für Radfahrer zu bekommen. Kaum eine Straße ist wohl von so vielen Radfahrern frequentiert – es würde lohnen.

  11. http://www.spiegel.de/
    dieses wäre doch mal was für die leuphana-studenten ,oder?

    • Erstens: An der Leuphana heißen die Studenten „Studierende“ [oder: Studium|studierende]. Das ist genderpolitisch korrekter und entspricht auch dem Bologna-Prozess, einer der größten Umwälzungen, die das europäische Bildungswesen seit der Abschaffung des Rechenschiebers erfahren hat und noch immer erfährt. Seit der Jahrtausendwende wird der europäische Bildungsacker umgewälzt und durchgepflügt, bis sich alles ungefähr auf gleicher Höhe bzw. Tiefe befindet, sodass man spätestens ab 2016 Wettbewerbsrüben, Arbeitsmarktkartoffeln und Leistungsnudeln anbauen kann.

      Zweitens: Was genau meinst du, Till ? Ich habe unter deinem „Link“ folgende Überschriften gefunden:

      Drohung aus Griechenland
      Zynisches Spiel mit Flüchtlingen

      Studien über falsche Liebe: Wie Kinder Egoisten werden

      Ernährung: Vegetarier erkranken seltener an Darmkrebs

      Fußschmerzen: Wenn der Vorfuß zur Baustelle wird

      Umfrage zur Generation Y: Ungebildet? Unreif? Ohne Ziele?

      Einsame Orte in Europa: Wo Tage wie Träume sind

      Europäische Pharmaforschung: Bürger zahlen, Konzerne profitieren

      Streit über Annexion. Putins Krim-Prahlerei irritiert Berlin

      Anti-Islam-Demos. Pegida wächst wieder

      Steinmeier-Besuch. Rumänien bedauert Karten-Fauxpas

      Studie. Deutschland ist ein Auswanderungsland

      Irans Reaktion auf Republikaner-Brief: „Die Welt ist nicht die USA“

      Apple Watch kurz ausprobiert: Und wie bedien ich dieses Ding?

      Zum Abschied des Telefon-Talkers Domian: Du bist nicht allein

      Mit Stützrädern auf Gehweg. Polizist droht Vierjähriger

      Real-Star Bale: Solo aus Verzweiflung

      Rundumschlag zum 75.: Chuck Norris hat nicht Geburtstag.