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Julia Verlinden und das Bauchgefühl: Eine grüne Lüneburger Wissenschaftlerin im Berliner Tempo-Parlament

verlinden
(Wenn Wissenschaft auf Politik trifft, prallen Welten aufeinander. Den eignen Kompass nicht zu verlieren, den Kurs zu halten in Fraktion und Parlament ist im Berliner Tagesgeschäft ein Kampf auch gegen die Zeit. Im Blog.jj schreibt heute die Lüneburger Bundestagsabgeordnete Dr. Julia Verlinden. Die grüne Umweltwissenschaftlerin war Fachgebietsleiterin im Umweltbundesamt, ist seit 1998 Grüne, saß im Rat und Kreistag. Die 36-Jährige ist energiepolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis90/Die Grünen. Die Lüneburger Parlamentarierin, seit 2013 im Bundestag, muss nicht neben einem Minister stehen, um wahrgenommen zu werden. Und es ist Luft nach oben, sie ist schließlich Steinbock.)

Lüneburg, 3. März 2014

Tempo, Tempo!
Die ersten Monate im Bundestag habe ich vermutlich ähnlich erlebt wie viele Menschen, die ihre Stelle oder sogar gleich den Beruf wechseln: jede Menge neue Gesichter, Aufgaben von Arbeitsgruppen kennenlernen, an offizielle Verfahrensabläufe, aber auch inoffizielle Gepflogenheiten herantasten. Aber etwas war ganz anders: die Menge der relevanten Vorlagen, das Tempo von wichtigen Entscheidungen und damit verbunden die Notwendigkeit, auch „mal Fünfe gerade sein zu lassen“. Eine neue Welt für mich.
Nach meinem Studium an der Uni Lüneburg habe ich sieben Jahre lang im Umweltbundesamt gearbeitet, das auch die Bundesregierung wissenschaftlich in umweltpolitischen Themen berät. Dort war selbstverständlich, was ich an der Uni gelernt hatte: Zeit, Fragen zu stellen, Beurteilungskriterien herauszuarbeiten, begründete Thesen aufzustellen, verschiedene Sichtweisen zu prüfen und sich mit Menschen anderer fachlicher Disziplinen auszutauschen.

Getriebene oder demokratische Kontrolle der Regierung?
In der Politik ist wenig Raum für diese Art des Arbeitens, für Erkenntnisgewinn. Hier gelten andere Gesetze. Ich habe nach wie vor großen Respekt davor, welch wichtige Dinge tagtäglich im Bundestag beschlossen werden. Schließlich hat all das immer Auswirkungen für viele Millionen Menschen. Da muss sorgsam abgewogen werden.
Ich will etwas bewegen und bin bereit, hart für die richtige Sache zu arbeiten. Doch manchmal frage ich mich, wo die Zeit bleibt, um zu gestalten. Das Reagieren, Entscheidungen treffen innerhalb von Minuten, wird Tag für Tag perfektioniert. Wo bleibt da das Reflektieren, das Innehalten, das Überprüfen, ob man überhaupt noch auf dem richtigen Weg ist?
Eigene Ideen voranzutreiben, fokussiert an deren Umsetzung zu arbeiten – ein hehres Ziel, ein Kampf, und doch unabdingbar, wenn man im hektischen Politikbetrieb nicht orientierungslos untergehen will. Die frühmorgendliche Presselage gibt die Themen vor, die Deutschland interessieren und zu denen man eine Meinung zu haben hat. Die übermächtige 80-Prozent-Koalition bestimmt einen Großteil der Tagesordnungspunkte im Parlament. Interessengruppen klopfen an und wollen „nur mal kurz“ ihre Position bei einem Kaffee erläutern. Regie bei abendlichen Podiumsdiskussionen führen Lobbyverbände.
Wer es dennoch schafft, ein eigenes Thema in den Medien zu setzen und die Debatte dort lebendig zu halten; wer Zeit findet, ein Fachgespräch zu veranstalten zu einem Thema, das (noch) nicht in der politischen Top-Ten steht; wem es gelingt, einen zusammenhängenden Text länger als zehn Seiten selbst zu lesen, z.B. eine der zahlreichen Berichte oder Studien, die wir Mittwochs im Ausschuss „zur Kenntnis nehmen“ – derjenige kann sich glücklich schätzen.

Das Parlament ist mehr als nur der Plenarsaal
Wenn im Plenarsaal des Bundestags ein Gesetzentwurf in der zweiten und dritten Lesung debattiert wird, dann ist eigentlich schon entschieden. In den Reden bezieht man sich zwar gelegentlich auf die Aussagen der anderen. Aber ein echter Austausch findet nicht statt. Alle führen ihre Argumente an, nennen zum Beleg Zahlen und Fakten und reden wunderbar aneinander vorbei. Denn für jede Position gibt es mindestens eine Studie, die die passenden Argumente liefert. Eine Auseinandersetzung damit, wie welche Forschungsergebnisse zustande gekommen sind oder warum manche Zahlen eben doch nicht vergleichbar sind, dafür reicht die Zeit nicht und oft mangelt es auch am Interesse, gemeinsam die beste Lösung zu finden.
Um also Verbesserungen für die Menschen zu erreichen, muss man vorher ansetzen. Die vielen Arbeitskreise, Gesprächsrunden und Lobbytermine nutzen, um Mitstreiter zu gewinnen, Skeptiker zu überzeugen. Das gelingt natürlich am besten in der eigenen Fraktion. Aber auch über die Parteigrenzen hinweg ist diese Art von Auseinandersetzung möglich und nötig.
Letztes Jahr habe ich deshalb mit Abgeordneten von Union, SPD und Linken einen überfraktionellen Parlamentskreis gegründet. Wegen der Energiewende wollte ich ins Parlament, um gerade auch das Thema Energieeffizienz voranzutreiben. Im Parlamentskreis Energieeffizienz nun sitzen genau diejenigen, die ein ähnliches Ziel verfolgen, unabhängig vom jeweiligen Parteibuch. Auch wenn unsere Runde meist eher klein ist, bohren wir hartnäckig an einer Stelle, anstatt ständig überall den Bohrer neu anzusetzen und letztlich nirgendwo durchzustoßen.

Entschleunigung würde den wichtigen Entscheidungen gerechter
Natürlich wird auch im Bundestag kein Gesetz von heute auf morgen verabschiedet. Doch angesichts der großen Menge der Themen und Entscheidungen ist eine klare Aufgabenteilung zwischen den Abgeordneten unerlässlich. Das bedeutet auch, dass nicht alle von uns jeden Antrag und Gesetzentwurf im Detail gelesen haben, über den abgestimmt wird. Das ist allein zeitlich unmöglich.
So bleibt der Beruf als Abgeordnete ein ständiger Zustand des Improvisierens und Vertrauen auf die Kolleginnen und Kollegen und manchmal auch auf ein gesundes Bauchgefühl – ganz anders als in der Wissenschaft. Ich habe die Häme erlebt, die KollegInnen aushalten mussten, nachdem sie zugaben, dass sie etwas nicht wissen. Mir ist so eine Ehrlichkeit aber tausendmal lieber, als wenn die ganze Zeit nur geblufft wird. Es ist gut, dass PolitikerInnen Menschen bleiben. Doch das können sie nur, wenn man von ihnen nicht unmenschliches erwartet. Menschlicher wäre es vor allem, Tempo aus dem politischen Geschäft herauszunehmen. Das würde Zeit zum Luftholen verschaffen, eine zusätzliche Abwägung erlauben und den Fragen, die im Bundestag entschieden werden, am Ende sicher nützen. Doch nicht nur die Politik selbst läuft auf Hochtouren, auch die Medien.

Medien, die „vierte Macht“?
Eine ausgewogene, differenzierte und sachliche Reaktion auf einen Vorschlag des politischen Gegners hat wenig Chance, von den Medien aufgegriffen zu werden. Letztere wünschen sich Zuspitzung, Vereinfachung, teils sogar Skandalisierung. Das widerspricht oft wissenschaftlichen Regeln und wird aus meiner Sicht auch den politischen Herausforderungen nicht gerecht. Zum einen liegt das daran, dass das Publikum Themen kurz und knapp präsentiert bekommen möchte. Zum anderen haben JournalistInnen immer weniger Zeit für ihre Recherche und stehen unter enormem (auch wirtschaftlichem) Druck.
Es passiert, dass die Bundesregierung einen politischen Vorschlag an die Medien gibt und ich innerhalb von Minuten gefragt werde, was wir denn als Grüne davon halten. Dann hatte ich unter Umständen noch gar keine Gelegenheit, die Vorschläge genau zu lesen, soll mir aber dennoch schon eine umfassende Meinung gebildet haben.
Was mir schon während meiner ehrenamtlichen kommunal- und landespolitischen Tätigkeit vermittelt wurde, gilt im politischen Berlin erst recht als relevantes Kriterium: Eine noch so gute Idee, fachlich begründbar und realisierbar, aber „den WählerInnen“ nicht zu „vermitteln“, ist zum Scheitern verurteilt. Das ambivalente Verhältnis von Politik und Medien – sie brauchen einander und doch begegnen sie sich teilweise mit Argwohn und Skepsis – zeigt sich auch hier: Was Medien aus einer Idee machen, hat in strategischen Runden hohen Stellenwert. Hier wünsche ich mir oft mehr Wissenschafts-Perspektive: Erst an der Sache arbeiten, dann an der Vermittlung. In diesem Sinne könnten Politik und Medien von der Wissenschaft lernen. 

DrJulia Verlinden

27 Kommentare

  1. In diesem Sinne könnten Politik und Medien von der Wissenschaft lernen.
    so ist es, wenn in medien meinungen vertreten werden, sollte auch immer meinung darüberstehen. lobbyisten verkaufen meinungen als wahrheit. medien spielen da mit. schließlich werden sie dafür bezahlt.

  2. Liebe Frau Verlinden

    Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem gedankenreichen Aufsatz.

    Es gäbe viel dazu zu sagen. Doch muss ich mich beschränken.

    Sie beschreiben die rasende Fahrt in den „informellen“ Super-Gau. Wir alle reden wie die Verrückten, aber niemand hat die Zeit, dem anderen zuzuhören: „Wenn debattiert wird, dann ist eigentlich schon entschieden, ein echter Austausch findet nicht statt Alle reden wunderbar aneinander vorbei. Für jede Position gibt es mindestens eine Studie, die die passenden Argumente liefert und im Kreis sitzen immer genau diejenigen, die ein ähnliches Ziel verfolgen“. Das ist nicht bloß die exakte Charakterisierung der Lage von „Politikern“, sondern der Lage von uns allen, für die interessanter Weise so ein „Online-Forum“ wie dieses hier ja „das Modell“ par exellence ist. Alle führen ein Leben im Meinungssumpf ihrer eigenen Wahl. Für jeden Irrsinn findet sich eine Bestätigungsgemeinde, die das Rechtbehalten komfortabel macht und die kritische Selbstdistanz und Selbstbefragung zu einer ganz unnötigen Unbequemlichkeit.

    Niemand hat Zeit, niemand hört zu, aber jeder hat Recht. „Wie die Menge der relevanten Vorlagen steigt das Tempo von wichtigen Entscheidungen und der damit verbunden die Notwendigkeit, auch ‚mal Fünfe gerade sein zu lassen‘, niemand nehme sich noch die Zeit, Fragen zu stellen, Beurteilungskriterien herauszuarbeiten, begründete Thesen aufzustellen, verschiedene Sichtweisen zu prüfen und sich mit Menschen anderer fachlicher Disziplinen auszutauschen. Wem es gelingt, einen zusammenhängenden Text länger als zehn Seiten selbst zu lesen, derjenige kann sich glücklich schätzen.“

    Das, sagen Sie, trifft auf „Medien“ und „Politik“ zu, die sich im Zirkelgeschäft der wechselseitigen „Selbstaufwertung“ auf das allerunterste Niveau des Dauerquatschens geeinigt haben. Rechtfertigung sind die „Arbeitsbelastung“ sowie Leser oder Wähler, die es angeblich gerne so simpel wie nur irgend möglich möchten. Die Ergebnisse sind Schlagworte, Parolen, Floskeln, Improvisationen, Bluff und Schauspielerei, die am Ende oft als Lüge und Betrug ankommen — und das in manchen Fällen vielleicht sogar zu Recht.

    Und doch sehen Sie, dass beide, Medien und Politiker, Nachrichten lancieren und Entscheidungen vorbereiten, treffen bzw. rechtfertigen, die “ Auswirkungen auf viele Millionen Menschen“ haben und die darum zuvor eigentlich „sorgsam abgewogen werden“ müssten.

    Als Regulativ haben Sie, als an diesem Zirkus Beteiligte uns „Vertrauen“ auf die Meinungen von Sachverständigen und „ein gesundes Bauchgefühl“ anzubieten.

    Ich frage: Ist „Vertrauen“ nicht oft nur ein anderes Wort für Nachläsigkeit und „Bauchgefühl“ nicht ein anderes Wort für Vorurteil?

    Und wenn Sie „die“ Wissenschaft als Vorbild für „ausgewogene, differenzierte und sachliche Reaktionen“ ins Spiel bringen, woran denken Sie da? Ist nicht gerade Ihre „Universität“ ein Beispiel für abstoßende Wissenschaftsschauspielerei, die den Karneval der leichtfertigsten Zuspitzung, Vereinfachung und Selbstverherrlichung – jedenfalls nach außen hin – betreibt und befördert? (Ihre Arbeit, die ich leider nur überfliegen konnte, scheint allerdings ein Beweis dafür zu sein, dass „innen“ auch unter einem solchen Regime noch solide gearbeitet werden kann.)

    Hat „die Wissenschaft“, wie wir sie heute erleben, in Angelegenheiten von Vernunft und Substanz der Politik und den Medien tatsächlich noch etwas zu sagen?

    Nur theoretisch nämlich sind Professoren noch Herren ihrer Zeit. Auch unsere Arbeitsverdichtung ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Ich rede nicht vom normalen Lehrbetrieb an den heutigen Massenuniversitäten, nicht von Vorlesungen vor zweihundert Studenten, die konzipiert sein wollen, nicht von Seminaren für durchschnittlich 50 Teilnehmer, die vorzubereiten sind, nicht von den 300 Seminaraufsätzen (5.000 Seiten) pro Semester, die gelesen und korrigiert werden müssen, nicht von den 30 Magisterarbeiten (3.000 Seiten) pro Semester, für die das gleiche gilt, nicht von den 5 Dissertationen und den beiden Habilitationen (3.000 Seiten) pro Semester, die studiert, bewertet und empfohlen sein wollen, ich rede auch nicht von den 50 Kollegenaufsätzen (1.000 Seiten) pro Semester, deren Publikation gutachterlich – natürlich schriftlich und themenbezogen – zu begründen ist — und ich schweige von der eigentlichen Arbeitsbelastung durch Lektüre (150 Seiten täglich ist das Minimum, um auf dem Laufenden zu bleiben), Forschung und die sie begleitenden Pflichten zu Darstellungen in eigenen Veröffentlichungen, zu Vorträgen und Conference-Papers, etc. Allein die Bewältigung dieser Aufgaben erzwingt ein Soldatenleben in der rigorosesten Askese klösterlicher Regelmäßigkeit. Ein geplatzter Fahrradschlauch auf dem morgendlichen Weg durch Göttingen besitz da die desorganisierende Katastrophengewalt eines Kometeneinschlags. Mein Arbeitstag beginnt um sieben Uhr in der Frühe am Schreibtisch und endet um elf Uhr am Abend im Institut und zwar an 360 Tagen im Jahr. Mehr als sechs Stunden Schlaf gibt es nur am Heiligen Abend und in den Nächten, nachdem die deutschen Fußballer Weltmeister geworden sind.

    Was jedoch dazu kommt, ist Folgendes: Bei jedem – mehrhundertseitigen – Antrag auf Forschungsgelder gibt es „Evaluationen“. Ich muss mich jeden Tag in umfangreichen schriftlichen Begründunge um die Einwerbung von Drittmitteln für mein Team, aber auch für die Arbeitsgruppen meiner Kollegen kümmern, muss praktisch täglich an mehrstündigen Verwaltungsitzungen des Senats und anderer „Expertenrunden“ teilnehmen und den Inhalt von hundertseitigen juristischen Exposés, den von episch ausgewalzten Protokollen, von lang und detailliert verfassten Gutachten, von schwachsinnigen „Präsentationen“ irgenwelcher „Beratungsagenturen“ und von voluminösen, aber windigsten sogenannten „wissenschaftlichen Studien“ und „Expertisen“ in mich aufnehmen, die allesamt rein gar nichts mit meinem Fachgebiet zu tun haben. Es gilt täglich Berge von Papier durchzuackern, mit denen angeblich sogenannte „Leistungskontrollen“ unserer Arbeit bewerkstelligt werden sollen, die so gut wie nur noch an Kennzahlen – Drittmittel, Promotionen, Veröffentlichungen – gemessen wird. Das ist zurzeit kontinuierlich der Fall. Zudem soll der – haltbare schriftliche – Output möglichst von Jahr zu Jahr steigen. Studenten wollen angehört und angeleitet sein, usw., usw. Das Hamsterrad dreht sich immer schneller, denn jedes erfolgreich abgeschlossene „Projekt“ in diesem Jahr steigert die Zahl der Probleme im nächsten: Man sollte sich möglichst selbst übertreffen, in jedem Fall aber andere Professoren. So entsteht ein ruinöser Wettbewerb, der dem System schadet. In jedem Fall sorgt er für eine Entsolidarisierung und schlechte Stimmung. Denn mein Erfolg ist eine Bedrohung für den Kollegen, der sich die Frage gefallen lassen muss, warum er weniger Geld einwirbt. Sanktionen muss er keine fürchten, aber er verliert an „Image“ und immer häufiger auch Geld, da durch die leistungsabhängige Bezahlung, die mittlerweile überall gilt, auch die Gehaltssteigerungen von Hochschullehrern an Kennzahlen geknüpft werden. Heute entfacht und verbraucht die „Konstruktion“ eines Forschungsprojektes und die Suche nach Geldgebern mehr Leidenschaft als die Forschung selbst. Wir haben mittlerweile ein libidinöses Verhältnis zum Schreiben von tausendseitigen Drittmittelanträgen. Das gleiche Problem stellt sich für die Forschungsergebnisse. Alle publizieren immer mehr, mit der Folge, dass immer weniger gelesen wird. Man schreibt und schreibt und schreibt, erhält jedoch kaum eine inhaltliche Reaktion. Da beschleicht einen das paradoxe Gefühl, immer mehr zu veröffentlichen und gleichzeitig immer irrelevanter zu werden. Ich werde alle paar Wochen in ein neues Gremieum gewählt, soll die Publikationen anderer Wissenschaftler begutachten, werde um Empfehlungsschreiben für irgendwelche Stipendien gebeten oder von den Medien nach Zetungsartikeln, Radio-„Statemens“ und zweistündigen Interviewterminen angefragt und soll außerdem noch meine Universität „vermarkten“, deren hilflos überforderter Präsident mir mit der Bitte um „Beiträge“ für Broschüren und Marketingmaterialien beinahe jeden Vormittag die Ohren abkaut. Die Liste ist niemals abzuarbeiten. Jeden Tag sinke ich mit bitteren Schuldgefühlen ins Bett. Und im Hintergrund des Bewusstseins rumort ohne Unterlass das schlechte Gewissen. Denn das ist es doch, was die meisten Wissenschaftler wollen: Nicht 300 Aufsätze und Bücher in einer Publikationsliste aufzählen zu können, sondern die eine bedeutende Veröffentlichung vorzuweisen, die noch in 30 Jahren gelesen wird.

    Sie wünschen sich mehr „Wissenschafts-Perspektive“? „Erst an der Sache arbeiten, dann an der Vermittlung. In diesem Sinne könnten Politik und Medien von der Wissenschaft lernen“?

    Mein Eindruck ist, „in diesem Sinne“ könnten nicht nur „Politik und Medien“, sondern vor allem auch die Wissenschaft noch sehr viel von der Wissenschaft lernen.

    Der große Philosophen und Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker sagte am Ende des vorigen Jahrtausends:

    „Wir alle müssen lernen, einander wahrzunehmen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Wahrnehmung erst nach nochmaligen, vielleicht unvergleichlich großen Katastrophen eintreten wird. Aber ich bin überzeugt, sie ist möglich. Lasst uns lernen, einander wahrzunehmen, einander ernst zu nehmen. Lasst uns verantwortliche Nächstenliebe lernen!“

    Was meinen Sie? Lernen wir am Ende tatsächlich nur aus Katastrophen?

    MfG

    Felix Röpke

    • Sehr geehrter Herr Röpke,

      ich bin grundsätzlich eher ein optimistischer Mensch und ich setze auf Vernunft und gute Argumente. Deshalb bin ich überzeugt: Wir schaffen Fortschritte auch ohne Katastrophen.
      Für Ihre Gedanken zur Arbeit in der Wissenschaft bin ich dankbar. Es stimmt, auch dort schrumpfen Raum und Zeit für Denken und echtes wissenschaftliches Arbeiten (leider!). Wir sollten gemeinsam versuchen, dieser Entwicklung entgegenzutreten.
      „Vertrauen“ und „Bauchgefühl“ verstehe ich nicht als Regulativ, nicht als Antwort auf meine etwas ernüchternde Analyse, sondern nur als Notlösung, bis wir andere (bessere) Rahmenbedingungen schaffen.

      Beste Grüße, Julia Verlinden

      • Hallo Frau Verlinden, ich kann Herrn Röpke nur beipflichten. Das Essen, was der Politikbetrieb permanent produziert, deren Inhalte Sie als Akademikerin schon nicht mehr erfassen können und das Sie nur bewältigen, wenn Sie 5 Gerade sein lassen hat nicht nur Auswirkungen auf Millionen Bürgern sondern muss von denen auch noch verdaut werden. Wenn diese dann fünf gerade sein lassen, um keine Verstopfung zu bekommen steht der Amtsschimmel vor Ihnen und zerpflüggt sie.

        Ich sage Ihnen mit mittleren Bildungsabschluss und wenig Übung im administrativen und bürokratischen Dschungel, sind Sie kaum noch in der Lage ohne ein Heer von Beratern und externen Dienstleistern sich Selbständig zu machen ohne mit dem Gesetz im Konflikt zu kommen. Ich kenne einen Haufen Unternehmer von um die 20 Mann Betrieben, die kaum zu ihrer eigentlichen Arbeit kommen, weil Sie sich um die Umsetzung der Vorschriften, Regelungen, Gesetzen, gerne auch als EU Richtlinien verkleidet kümmern müssen. Große Betriebe haben dafür einen Apparat aufgebaut, bei den kleinen ist meist nur noch der Chef in der Lage die Themen überhaupt intellektuell zu erfassen.
        Und alle von Nahles bis Schwesig etc. sagen, es ist doch nur ein bisschen und merken nicht, wie das viele Kleinvieh den Laden erstickt. Und wenn man genau hinschaut Sieht man Politiker die lange studiert haben, dann ein bisschen unter staatlicher Ophut im Amt Berufsleben geschnuppert haben und jetzt mit Mitte Ende Dreißig im Arbeitsleben ankommen und mit viel Enthusiasmus (den ich Begrüße) loslegen. Ich sage Ihnen mit diesem Erfahrungshorizont wird kein alter Müll entsorgt sondern noch mehr produziert.
        Mal ein einfaches und banales Beispiel aus der Praxis: Arbeitsgerät IST kaputt, Ersatzteil muss Sonnabend vormittag aus Bremen geholt werden, eine Strecke 120 km, eigener PKW mit Anhänger wird genommen. Auf der Rückfahrt vom BAG ( Aufsichtsamt für Güterverkehr) angehalten: Das ist eine gewerbliche Fahrt, der PKW und Anhänger haben ein zulässiges Gesamtgewicht von zusammen über 3500 kg (logisch), da brauchen Sie einen Fahrtenschreiber und müssen die letzten 30 Kalendertage Fahrzeit nachweisen oder einen Arbeitgebernachweis für ihren Urlaub bei den fehlenden Tagen, damit wir die Lenk und Ruhezeiten kontrollieren können, sie machen jetzt Güterkraftverkehr, (klar) nach 4stunden Fahrt (bei 120km?) muss man eine Pause machen. Die mach ich dann schon von alleine! Außerdem gibt es für so einen PKW keinen Fahrtenschreiber! Das ist uns egal, wir müssen nur die Einhaltung der Gesetze kontrollieren. Danke, Glück gehabt ich durfte weiterfahren bekomme aber Post vom Gewerbeausichtsamt, macht mal eben schlappe 2.500,-€ Strafe. Die Daten eines Fahrtenschreibers, sind natürlich mit entsprechender Sicherung Jahre lang vom Selbständigen zu archivieren.
        Banales Beispiel 2: Meine Betriebshalle müsste ich um20x15 Meter verlängern auf unseren Eigentumsgrundstück (50.000m2 freie Fläche) dort habe ich vor knapp 20 Jahren einen
        Streifen Laubbäume als Windschutz gepflanzt (2000Stk).. Davon müsste ich 8% von Fällen, mittlerweile sind die Bäume Unterschenkel dick. Die grün durchdrungene Naturschutzbehörde sagt dem Bauamt: Geht nicht, das nennt sich jetzt Wald und darf somit nicht mehr bebaut werden.
        Die anderen 100 Beispiele lass ich mal wegen Platzmangel.
        Nicht dass Sie denken ich bin frustriert und gehe nicht positiv an die Dinge heran, doch, aber ich merke wie sich viele Ausklinken und dieses Land nicht mehr als ihres sehen und die sogenannte Demokratie wird gar nicht mehr wahrgenommen. (Wird über wesentliche Themen mit großer Gesellschaftlicher Veränderung, wie Zuwanderung oder Eurorettungspacketen etc. eigentlich von den 4 Topparteien noch Wahlkampf gemacht oder abgestimmt? Echte Debatten werden ja schon nicht mehr im Bundestag gemacht, wie wir lernen konnten.)
        Gute Besserung und viel Erfolg.

  3. und oft mangelt es auch am Interesse, gemeinsam die beste Lösung zu finden.
    stimmt und warum ist das so? es wird klientel-politik betrieben. und die in der politik was zu sagen haben, lauern sehr oft auf lukrative wirtschaftsposten. und so mancher verrät seine eigene überzeugung dabei. grüne sind da nicht ausgenommen.

  4. Sehr geehrte Frau Dr. Verlinden , auch Sie nutzen in Diskussionen gerne das Mittel der Zuspitzung um Ihre Meinung durchzusetzen. Dies ist nicht unredlich aber unehrlich da Sie die Medien für die Zuspitzungen und gelegentlichen Skandalisierungen kritisieren.

    • Sehr geehrter Herr Meier,

      Zuspitzungen sind in Debatten durchaus notwendig und damit nicht generell schlecht. Aber sie werden immer dann kontraproduktiv, wenn Zuspitzungen nur noch um der Zuspitzung willen erfolgen. Dass ich mich selbst hier auch manchmal auf einem schmalen Grad bewege, ist mir durchaus bewusst. Aber in der Regel nehme ich mir gerne Zeit, um meine Positionen differenziert darzulegen (und nicht nur schwarz oder weiß zu argumentieren), wenn dafür Gelegenheit ist.
      Wenn ich gewisse „Spielregeln“ im politischen Betrieb identifiziere und kritisch hinterfrage, dann muss ich mich trotzdem oft daran halten, um überhaupt „mitzuspielen“. Aber man kann ja trotzdem daran arbeiten, diese „Regeln“ in kleinen Schritten zu verändern.

      Viele Grüße, Julia Verlinden

      • Liebe Julia Verlinden

        Sollte man nicht anfangen, die Regeln in kleinen Schritten zu verändern, indem man sich zuerst einmal NICHT von „den Medien“ am Nasenring durch die Sümpfe der Trivialitäten und Halbwahrheiten führen lässt? Gut wäre sicher auch, mit Allgemeinbegriffen vorsichtiger zu sein.

        „Was Medien aus einer Idee machen, hat in strategischen Runden hohen Stellenwert“, schreiben Sie. Ich ergänze: Was Medien aus einer Idee machen KÖNNTEN, hat in strategischen Runden oft einen noch viel höheren Stellenwert. Die in den Kopf implantierte Schere ist eine erstklassige Peitsche (extrinsische Motivation) und ein Selbst-Disziplinierungstool (intrinsische Motivation) allererster Güte. Es funktioniert vor allem bei Menschen, die sich von „frühmorgendlichen Presselagen die Themen vorgeben lassen, die Deutschland interessieren und zu denen man eine Meinung zu haben hat“. Wer ist denn in diesen Fällen „Deutschland“? Es ist ganz allein der, der sich zu wissen einbildet, was „Deutschland“ interessiert und wozu er eine Meinung zu haben hat. Sie sehen, auch das politische Berlin – genau wie die „Verwaltungsspitze“ in Lüneburg – kann eine Isolierzelle sein, deren Insassen sich mit der Welt verwechseln. Wer, statt zu denken, „antizipiert“, sich auf „Bauchgefühle“ verlässt und an Phantasmen wie „Deutschland“ glaubt, der glaubt auch, dass der Verfassungsschutz die Verfassung schützt.

  5. An Frau MdB Dr. Julia Verlinden

    Ihr ganzes Schreiben klingt mir ziemlich nach einer sehr ausführlichen Entschuldigung, um die so recht eigentlich niemand gebeten hatte.

    Was mich allerdings beunruhigt, nachdem Sie Ihre auf wahrhaft erstaunlich originelle Beobachtungen gestützten Bekenntnisse nun einmal öffentlich vorgetragen haben, ist die Auskunft, dass die letzte Instanz für weitestreichende politische Entscheidungen Ihr „Bauchgefühl“ sein soll. Zu Adenauers Zeiten, als man in Parlamentsdebatten noch Worte wie „Backfisch“, „gute Butter“, „Heiterkeit“, „Julklapp“, „Knicks“, „Mauerblümchen“, „Pustekuchen“, „Schmock“ und „Wundertüte“ verwendete, hätte man sicher von „Herz“ gesprochen und gesagt: „Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.“

    Später wurde „das Herz“ in „Instinkt“ umbenannt, eine Weile hieß es „gesunder Menschenverstand“, danach „Intuition“ und heute eben „Bauchgefühl“. Und ich wette an der Leuphana ist bereits die erste „wissenschaftliche“ Studie“ über „creative serendipity“ als „sustainable zero-energy-solution“ für turbodynamische Baufinanzierungsprobleme mit monetären Effekten für die zivilgesellschaftlichen Stadtkassen des 21. Jahrhunderts in Arbeit.

    Das, was Sie da mit emotional appellativen, publikumsgerecht beifallheischenden Allusionen zu den, wie Ihr Beispiel zeigt, nicht nur von PR-Agenturen immer noch für „hip“ gehaltenen „Burnout-„, „Achtsamkeits-“ und „Entschleunigungsdiskursen“ der boomenden Coaching-Industrie um zweifelhafte Zentralgebäudefiguren wie Horst Opa Schowski und Miriam Mäuschen Meckel ausführen, ist ein Phänomen, welches von Leuten wie Helmut Schmidt ab den Fünfzigerjahren und Ralf Dahrendorf ab den Sechzigerjahren als das „Glück der Pflichterfüllung“ bezeichnet worden wäre, dem man mit „Disziplin, Fleiß und Gewissenhaftigkeit“ zu entsprechen habe. Albert Einstein ergänzte, „der sogenannte gesunde Menschenverstand ist immer nur die Anhäufung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat.“ Ich bin der Ansicht, es gibt viel zu viele Menschen, die sich einbilden, was sie erfahren haben, hätten sie auch verstanden.

    Lassen Sie mich Ihnen kurz Linda vorstellen. Sie ist 31, Single und – wie Sie ebenfalls – hochintelligent und sozial engagiert. Was würden Sie sagen, welche der folgenden beiden Behauptungen ist wahrscheinlicher? A: Linda arbeitet in einer Bank. B: Linda arbeitet in einer Bank und ist aktive Feministin. Darf ich Ihnen verraten, dass neunzig Prozent der Befragten – inklusive Wolfgang Schäuble, Ulrich Mädge, Andreas Meihsies, Eckhard Pols und Klaus Bruns – spontan antworten, dass b) die richtige Antwort ist. Logisch zutreffend ist dagegen a). Der Irrtum heißt Verknüpfungstäuschung und beruht darauf, dass wir in unserer Urteilsfindung dazu neigen, uns von plausiblen Details in die Irre führen zu lassen. Wer sozial engagiert und intelligent ist, muss ganz einfach Feministin sein! Die fiktive Linda, die uns zu falschen Schlüssen verleitet, ist das berühmteste Exponat aus der Sammlung der „intuitiven“ Täuschungen und Trugschlüsse des Wirtschaftsnobelpreisträgers Daniel Kahneman. Unser Intellekt wird vom „schnellen Denken“ regiert, meint Kahnemann, der also das, was Sie „Bauchgefühl“ nennen, immerhin noch mit „Denken“ assoziiert! Es funktioniert rasch, automatisch, unbewusst, gefühlsmäßig und — vollkommen unkritisch und hochgradig fehleranfällig. „Langsames“, oder sorgfältiges Denken dagegen arbeitet gezielt, vernünftig, bewusst, aber leider auch träge und rasch ermüdend. „Richtiges“ Denken strengt eben an, wie das Lösen einer Matheaufgabe oder rückwärts Einparken. Ihr Ihnen vermutlich gar nicht genauer bekannter „Mentor“, Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, sieht dort Käse, wo Kahneman Löcher vermutet. Der Psychologe möchte die „erfahrungsgesättigte“, aber unwillkürlich zugezogene „Faustregel“ als „eine Form unbewusster Intelligenz“ rehabilitieren und weist darauf hin, dass wir uns schließlich vom Fangen eines Balls bis zu schicksalsträchtigen Entscheidungen wie Berufswahl oder Heirat auf die „Automatismen“ unseres „Alltagsverstandes“ verlassen. Sicher, unser Verhalten hat sich im Verlauf der menschlichen Evolution entwickelt, unser intellektueller Werkzeugkasten ist für die meisten Lebenslagen zwischen Küche, Canapé-Partys und Cabrio-Fahren hervorragend gerüstet. Doch stellt die moderne Welt das „Instinktive“ sehr auf die Probe, wie ich meine. Schon beim Umgang mit Statistiken und Prozentzahlen hilft „das Bauchgefühl“ nicht mehr so recht weiter. Das werden nicht nur Sie als bundespolitische Energiewende-Professionelle bemerkt, sondern sogar schon Ihre landespolitische Kollegin Frau Heinen-Kljajić im Gespräch mit Herrn Sascha Spoun herausgefunden haben, sofern sie sich tatsächlich einmal um den Abgleich von OFD-Berichten und Leuphana-Kalkulationen bemühten.

    Vielleicht illustriert gerade dieses Exempel, dass Lessings Satz auch heute noch gilt: „Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren.“

    Aber darauf, ihn zu behalten, kommt es – leider – auch in Situationen an, die uns in hohem oder höchstem Tempo mit komplexen Problemen bedrängen. Weder Sie noch United States Navy Captain Commander James Arthur Lovell wurden gezwungen, in eine Rakete zu steigen, deren Steuerung immer, aber besonders dann den zehrenden Dauereinsatz allerwachester Verstandeskapazitäten verlangt, wenn einer der beiden Sauerstofftanks im Servicemodul der „Odyssey“ explodiert. Zur Wahl gestellt und (aus-)gewählt wurden weder Sie noch er, weil man Ihrem oder seinem „Bauchgefühl“ vertraute. Ich vertraue nicht einmal meinem. Wie sollte ich Ihrem vertrauen? Glauben Sie denn wirklich, Frau Verlinden, George Washington und Otto von Bismarck hatten weniger zu tun oder zu bedenken als Peter Altmaier und Hiltrud Lotze, nur weil ihnen noch nicht vom iPhone 6 und dem Intercity-Express die Segnungen der schnelleren Informationsbeschaffung und Beweglichkeit zugemutet wurden?

    Und fühlen Sie sich tatsächlich dem Glauben verpflichtet, dass derselbe Gott, der uns mit Sinnen, Vernunft und Verstand ausgestattet hat, von uns verlangt, dieselben nicht in jedem Augenblick zu benutzen?

    Sind eine große Arbeitsbelastung, dämliche Medienwünsche nach „Vereinfachung“, „Personalisierung“ und „Dramatisierung“ sowie nichtakademische Anforderungen eine Rechtfertigung fürs blasierte Herabschauen auf angeblich Info-Häppchenversessene Dummbürger und für parlamentarisches Schlafwandeln? Oder sind sie nur eine „wohlfeile“, aber medienwirksam platzierbare Generalrechtfertigung für schleichend greifende Anpassungsbedürfnisse an die beklagenswerteren Gepflogenheiten des Betriebs?

    Haben Sie den derzeit im Café Einstein angesagtesten Trend schon mitbekommen? Er „strahlt“ bereits bis hinein in den Wahlkreis Lüchow-Dannenberg – Lüneburg aus. Neuerdings lautet sogar der aktuelle Werbeslogan der Deutschen Bahn: „Der Verstand ist wie eine Fahrkarte: Sie hat nur dann einen Sinn, wenn sie auch benutzt wird.“

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihre Marlies Michels-Honrichsen

    • Liebe Frau Honrichsen, ihr Zitat:Linda arbeitet in einer Bank und ist aktive Feministin. Gibt es sowas denn in der Wirklichkeit? Lässt die Wirklichkeit sowas denn auch zu?Und wenn, für wie lange? Vorurteile müssen doch gepflegt werden. Und wer pflegt sie? Sind es nicht beide Seiten, die es tun? Was das Verknüpfen angeht, Mediale Meinungs-Mathematik funktioniert überall gleich. Was für ein ,,Versteher “ sind Sie denn? Ich antworte zwar spontan, aber nur aus einer Überzeugung heraus, die mich vor Fallen, wie Sie die hier beschreiben schützt. Ich kann mich auch irren. Dieses hat dann aber nichts mehr mit einer Spontanität zutun. Was den gesunden Menschenverstand angeht, wann wird er denn benutzt? In einer Post-Demokratie ? Frau Honrichsen, ich sehe immer mehrmals hin, bevor ich zu einem Ergebnis komme. Und trotzdem ist es oft so, dass mein erster Gedanke für mich auch der richtige Gedanke war. Und wer alles in Frage stellt, stellt auch sich in Frage. Und wem ist damit gedient? Selbst sorgfältiges Denken verhindert nicht, das Politik mehr Probleme schafft, als sie löst. So ist zumindest mein Eindruck. Ansonsten dürfte Politik ja nie Kompromisse eingehen, sie muss es aber , damit Politik überhaupt überleben kann. Das heißt für mich im Umkehrschluss, Fehler müssen gemacht werden, um zum Ziel zu kommen. Und was das Bauchgefühl angeht liebe Frau Honrichsen, dieses Gefühl hat schon so manchem Menschen das Leben gerettet. Hätte er erst sorgfältig gedacht , wäre es zu spät gewesen.

    • Wow und wau mal wieder! Sehr guter Kommentar. Frau Michels-Honrichsen, Sie haben zu 99 % das geschrieben, was mir seit zwei Tagen auf der Zunge lag, aber irgendwie nicht runter wollte. Man muss noch ergänzen, dass der Kommandant der Apollo 13 (Jim Lovell und nicht Tom Hanks!) nur für zwei weitere Menschen verantwortlich war. Bei Frau Verlinden sind es im Prinzip ja 80 Millionen!

      Trotzdem, und auch, wenn ihr Artikel eine Nummer zu poliert und in seinen massenkommunikativen Zwecken zu absichtsvoll daher kommt, und man´s merkt und deswegen verstimmt ist, muss man Frau Verlinden anrechnen, dass sie versucht hat, ehrlich zu sein. Die Mischung aus patenter Frische und naiver Offenherzigkeit, die auch darin steckt, macht dagegen sofort den Eindruck von Imagestyling, Schminke und Maskerade, der auf den Kleinmädchenbonus schielt. Wahlkampf ist schließlich immer. Doch das Problem, das sie beschreibt, gibt es. Auf jedem Level. Das wird auch in dem post von Professor Röpke ganz klar. Jeder kennt es. Auch ich und auch meine Assistentin und alle unsere Mitarbeiter. Man weiß aber auch, dass Beanspruchung durch Geschwindigkeit und Erledigungsdruck genau so zu unserer Zeit gehört wie die modische Klage darüber. Wer aber erwartet hat, im Bundestag, gehe es noch gewissenhafter, nachdenklicher, gemessener und aufrichtiger zu als im Lüneburger Stadtrat, der muss sich schon fragen lassen, hinter welchem Mond er oder sie eigentlich gesessen haben, bevor sie auszogen, das Mitregieren zu lernen. Dass Wissenschaft und Politik sich beißen, sollte eigentlich auch jeder wissen, der sich an die eher kümmerlichen Vorstellungen der Professoren Ludwig Erhard, Karl Schiller, Kurt Biedenkopf, Rupert Scholz und, ja, auch Ralf Dahrendorf auf der politischen Bühne erinnert oder heute auf blasse Hinterbänkler wie Heribert Hirte, Matthias Zimmer und Egon Jüttner blickt und von Frau Wanka und Herrn Lauterbach absieht, die sich ja mehr aus Marketinggründen einen Talar von ihrem Friseur und Imageberater haben umhängen lassen.

      Was ich noch sagen möchte: Seit ein paar Wochen schaue ich regelmäßig in diesem Forum vorbei. Ich finde es phantastisch, was Herrn Jenckel mit Blog.jj gelungen ist. Hier werden von der Schülerin bis zur Bundestagsabgeordneten Artikel geschrieben und Schüler, Anwälte, Rentner, Lehrer, Handwerker, Studenten und Stadträte kommentieren sie, schreiben sie weiter und reagieren aufeinander. Es gibt scharfe Polemik, aber keine Pöbeleien. So eine Klasse und Güte kenne ich bei keiner anderen Zeitung. Wenn es so etwas wie einen Bundespreis für Blog-Kultur geben sollte (Frau Verlinden sprechen Sie doch einmal mit Frau Gemählich darüber), dann haben ihn die LZ und Herr Jenckel mit seinen Leuten verdient.

    • Sehr geehrte Frau Michels-Honrichsen,

      lassen Sie mich klar stellen: Das von Ihnen hier in den Fokus gerückte „Bauchgefühl“ ist keine Entschuldigung für irgend etwas. Das haben Sie gründlich missverstanden. Ich nehme meine Aufgabe als Bundestagsabgeordnete sehr sehr ernst, und gerade deswegen hinterfrage ich manche Abläufe im Parlament kritisch. Das gelingt vielleicht noch am besten zu Anfang, wenn man sich über vieles wundert.
      Wenn mir mein Instinkt, mein Bauchgefühl sagt: „Hier stimmt was nicht, das ist nicht in Ordnung“, dann liegt das z.T. daran, dass eine politische Entscheidung gegen meine Werte verstößt. Dieses stabile Gerüst, was „falsch“ und was „richtig“ ist, kann einen zumindest einigermaßen durch den Politik-Dschungel leiten, auch wenn das dann nicht dem üblichen wissenschaftlichen Vorgehen entspricht – aber Politik soll ja auch das: die Werte unserer Gesellschaft abbilden. Demokratie ist nicht dasselbe wie Wissenschaft.
      Weil ich meinen Verstand nutze und nachdenke, treffe ich viele Entscheidungen nach guter Abwägung von Argumenten. Das ist mein Anspruch, von dem ich mich auch im Alltag leiten lasse. Aber vermutlich wissen Sie selbst aus eigener Erfahrung, dass der Arbeitsalltag nicht immer die ideal-wünschenswerten Bedingungen für die eigenen Anspruch erlaubt.

      Viele Grüße, Julia Verlinden

      • Liebe Frau Dr. Verlinden

        Ich widerspreche. 1. Nicht ich habe das „Bauchgefühl“ in den Mittelpunkt gerückt. Das haben Sie getan. 2. Nicht das „Bauchgefühl“ habe ich als Entschuldigung bezeichnet, sondern Ihren kompletten Blog-Beitrag.

        Zu 1.: Schon die Überschrift Ihres Beitrages „fokussiert“ das Wort „Bauchgefühl“. In Ihren dort ausgebreiteten Überlegungen spielt der Begriff eine zentrale Rolle. In Ihren Antworten auf Herrn Röpke und auch auf mich wiederholen Sie die Wichtigkeit von Instinkt und Bauchgefühl. Und alle Leserreaktionen auf dieser Seite zeugen davon, dass Ihr Reden über Bauchgefühl als Ihr Kernthema aufgefasst wurde. Zur Sache: Wie Sie meinen beiden Kommentaren entnehmen, ist mir bekannt, dass wir ohne „Instinkt“, „Intuition“, oder vielleicht besser noch: ohne „le bon sens“ gar nicht überlebensfähig wären. Doch alle diese sogenannten „mentalen Automatismen“, die für die Franzosen den „tact de la vérité pratique“ ausmachen, beruhen auf Voreingenommenheiten und auf verinnerlichten, bewusst nicht kontrollierten Mustern. Ihr ganzer – berechtigter – Sinn liegt ja gerade darin, uns in vielen Alltags- und Arbeitssituationen von den Mühen der Reflexion zu entlasten: „They serve to direct us in the common affairs of life, where our reasoning faculty would leave us in the dark“, schrieb Thomas Reid bekanntlich. Alles, was ich sagen wollte, war: in solchen „stabilen Gerüsten“ eigener „Werte“ und in den „Provisorien“ oder „Notlösungen“ des politischen Denkens und Handelns, stecken die eigentlichen Gefahren, die viel, viel verheerendere Konsequenzen haben können als zwei, drei parlamentarische Fehlentscheidungen aus Zeitnot. Auf dem Humus der gesinnungsethischen Reflexe können nämlich Überzeugungen wachsen. Dann vermeint man eines nahen Tages plötzlich wirklich zu wissen, „was die Bürger wollen“, „was richtig und falsch ist“, dass „das Publikum Themen nur kurz und knapp serviert bekommen möchte“ und dass „eine richtige, aber den WählerInnen nicht vermittelbare Idee zum Scheitern verurteilt ist“. Sind Sie erst einmal bei dieser „Haltung“ und bei diesen Phrasen angekommen, werden Sie sicher auch in anderen Bereichen bald auf „Autopilot“ umschalten. Und dann sind Sie in Berlin ganz schnell ein ausgebuffter Politprofi, „auf den man unter Kollegen zählen kann“.

        Zu 2.: Ich halte Sie für einen Lichtblick unter Lüneburgs Politikern und für das andere echte große Talent neben Herrn Pauly. Und ich glaube Ihnen, dass Sie „etwas bewegen“ wollen und bereit sind, „hart für die richtige Sache zu arbeiten“, „eigene Ideen voranzutreiben“ und „fokussiert an deren Umsetzung zu arbeiten“. Ich glaube aber auch, dass Sie, Herr Kluge und Ihre Berliner PR-Agentur sehr genau darüber nachdenken, welche „Statements“ in welchem „Setting“ und in welchem „Sound“ Sie wo und zu welchem Zweck platzieren. In diesem Fall haben Sie alle drei sich aber, so mein persönlicher Eindruck, dort ein wenig zu sehr auf Ihr „Bauchgefühl“ verlassen, wo etwas mehr Nachdenken angebracht gewesen wäre. Interessanter – und beeindruckender – als ein langes, gut gelauntes Lamento über „Tempo, Tempo“ und die vielen tausend Gründe, nichts Konkretes zu Inhalten zu sagen und nur noch selten in Lüneburg zu sein, wäre vielleicht doch gewesen, einmal eine eigene Meinung zu wagen und etwas Entschiedenes zu Dingen zu äußern, die uns hier angehen (Stichworte: „Dämmwahn“, Windkraftanlagen, Trassenausbau, Strompreise, etc.).

        Aber ich bin optimistisch, ganz bestimmt wird Ihr nächster Blog.jj-Essay neben etwas mehr Substanz auch etwas mehr Zutrauen in die Aufnahme- und Urteilsfähigkeit Ihrer Wähler und Leser enthalten.

        Dürfen wir gespannt sein?

        Herzlich, Ihre Marlies Michels-Honrichsen

        • Zur Ehrenrettung von Dr. Verlinden:
          Nicht sie hat diese Überschrift ausgewählt, die Überschrift stammt von mir, Hans-Herbert Jenckel.
          Frau Verlinden schrieb:
          „Wenn Wissenschaft auf Politik trifft“
          Sehr sachlich, aber zu trocken.
          LG hhjenckel

          • Lieber Herr Jenckel

            Ihre „Ehrenrettung“ ist überflüssig, da die Ehre von Frau Dr. Verlinden weder gefährdet war noch gefährdet ist. Jedem Leser war klar, dass die Überschrift von Ihnen stammt. Doch erstens sind Sie, einer der besseren Lokaljournalisten unserer Tage, sicher nicht ohne Grund auf die Herausstellung des „Bauchgefühls“ verfallen (es ist eines der Kernthemen des Beitrags !) und zweitens hätte Frau Dr. Verbinden dieser, Ihrer, Wahl nicht zugestimmt, wenn sie ihren eigenen Intentionen entgegen gestanden hätte.

            Mir ging es auch nicht darum, Frau Dr. Verlinden zu attackieren, sondern darum, darauf aufmerksam zu machen, was alles an Gedankenlosigkeiten in ihrem kleinen, schmissigen, im Grunde aber doch reichlich belanglosen Text steckt. Was ich im einzelnen meine, brauche ich, glaube ich, nicht zu wiederholen, da es nicht nur von mir, sondern von den meisten Kommentatoren entdeckt und hier beschrieben wurde.

            Wie schon gesagt, ich schätze Frau Dr. Verlinden, ihre politische Arbeit und ihr soziales Engagement sehr, würde es aber begrüßen, sie nähme sich künftig ein Beispiel an Herrn Pauly und redete über Konkretes (in seinem Fall etwa über die prekäre Finanzierungsplanung des Libeskind-Baus), anstatt uns luftigste Allerweltsweisheiten über Medien, Hast und Wünschbarkeiten vorzusetzen. In Verallgemeinerungen dieser Sorte verrät sich ein Hang zur bequemen Formel. DIES, diese Neigung zum Denkkomfort, die sich selbst für kritisch und gescheit hält, ist die größte Gefahr des Betriebs und seiner Darsteller, die gerne über „die“ Bürger, „das“ Volk und „das“ Gemeinwohl“ reden – oder über „die“ Werte „der“ Gesellschaft. HIER mache man es sich nicht zu leicht und überlege, was man schreibe oder schreiben lasse und denke gelegentlich an Famulus Wagner, den Enthusiasten, der zu hören bekam, es gelte nicht nur für die Vergangenheit: „Was IHR den Geist der Zeiten heißt, das ist im Grund der Herrn und Damen eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln.“

            MfG

            Michels-Honrichsen

          • Liebe Frau Michels-Honrichsen,

            freut mich sehr, dass Sie explizit auch an meinen politischen inhaltlichen Zielen und Einschätzungen interessiert sind (jenseits der Meta-Ebenen-Diskussion über die Art und Weise, wie ich das „Politik-Geschäft“ in Berlin erlebe).
            Sehr gerne schreibe ich auch im blog.jj mal etwas über ein konkretes (energie-)politisches Thema. Bis ich dazu die Gelegenheit erhalte, können Sie z.B. auf meiner Homepage stöbern oder in den Plenarprotokollen des Bundestags nachlesen.
            Was mich derzeit besonders beschäftigt (neben den von Ihnen genannten Themen) ist das Verhindern von Fracking. Hierzu habe ich im November einen Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht: http://www.fr-online.de/meinung/gastbeitrag-die-klimakiller-in-der-erde-lassen,1472602,28935748.html
            Ich bin gegen das von der Bundesregierung geplante Fracking-Erlaubnis-Gesetz und freue mich dabei über jede Unterstützung in dieser wichtigen Debatte.

            Viele Grüße, Julia Verlinden

          • Liebe Frau Dr. Verlinden

            Vielen Dank noch einmal für Ihren Blog-Beitrag und Ihre Antworten und Ihre Courage. Ich hoffe, Herr Jenckel gibt Ihnen bald die Gelegenheit, „mal etwas über ein konkretes (energie-)politisches Thema“ zu schreiben, das auch für die Menschen zwischen Lüneburg und Lüchow von Bedeutung ist. Doch welches Thema aus diesem Bereich wäre das nicht. Bis dahin wünsche ich Ihnen, dass Sie sich die Energie bewahren, die Sie zu einer so hellwachen, aufmerksamen und ungewöhnlich einsatzfreudigen Ausnahmeerscheinung in unserer Politischen Umwelt machen. In vielen Ihrer Vorhaben unterstütze ich Sie bereits sehr hartnäckig, ohne dass Sie es mitbekommen.

            Die zweimalige Fehlerhafte Schreibung Ihres Namens hat mir übrigens mein Mac-Korrektur-„Automatismus“ beschert, dem jedes „Bauchgefühl“ abgeht, was, wie Sie sehen, nicht immer gut ist.

            „Wir sind, aber wir haben uns nicht, darum werden wir erst.“ Von Ernst Bloch hat das doofe „Power“-Book natürlich auch noch nichts gehört. Maschinen denken eben nicht und lesen keine Bücher.

            Alles Gute

            Ihre Marlies Michels-Honrichsen

  6. “Langsames”, oder sorgfältiges Denken dagegen arbeitet gezielt, vernünftig, bewusst, aber leider auch träge und rasch ermüdend. Sie haben vergessen zu erwähnen: und eben auch nicht immer fehlerfrei. Liebe Frau Honrichsen, ich hinterfrage auch manchmal das Hinterfragen. Was bringt es? Genau wie ich hinterfrage:was ist sorgfältiges Denken? Von welchen Erkenntnissen aus wird gedacht? Haben sie auch noch Bestand, wenn die Enkelin zur Großmutter geworden ist? Denke ich nur für mich? Oder für meine direkten Mitarbeiter,oder auch für meine Subunternehmer? Haben wir heutzutage noch Zeit beim Fehler machen? Medien berichten ,um Geld zu verdienen. Der dortige Wettlauf kann tödlich enden. Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren.” Die Frage , die ich dazu stelle: was ist, wenn er dann verloren ist? Ich bin mit Ihnen in vielen Dingen einer Meinung, die Zwänge sorgen aber regelmäßig dazu, dass wir uns unterschiedlich verhalten. Jeder muss sich anderen Zwängen unterwerfen. Ich kann mir Spontanität jetzt leisten, ich darf sogar unvernünftig sein. Die Folgen sind dann für mich sehr gering. Im Arbeitsleben sah das ganz anders aus. Und wer übernimmt in der Politik wirklich Verantwortung? Wie sehen da die Folgen aus? P.S. Schön , dass Ihnen mein Link zum Wolf gefallen hat. Herzl. Grüße zurück.

    • Lieber Herr Bruns

      Zum „langsamen Denken“, dass ja eigentlich allein beanspruchen darf, Denken zu sein, gehört auch, genau hinzuschauen – unter anderem beim Lesen. Ich habe geschrieben:

      „Sicher, unser Verhalten hat sich im Verlauf der menschlichen Evolution entwickelt, unser intellektueller Werkzeugkasten ist FÜR DIE MEISTEN LEBENSLAGEN zwischen Küche, Canapé-Partys und Cabrio-Fahren hervorragend gerüstet. Doch stellt die moderne Welt das “Instinktive” sehr auf die Probe, wie ich meine. Schon beim Umgang mit Statistiken und Prozentzahlen hilft “das Bauchgefühl” nicht mehr so recht weiter.“

      Also: 1. Auch Sorgfalt schützt vor „Fehlern“ nicht. Aber nur das, was wir auf der Höhe unserer Zeit nach menschlichem Ermessen und nach besten Kräften zu leisten vermögen, entschuldigt Fehler. Gäbe es keine „Fehler“ oder Mängel, die sich oft erst im Abstand von Generationen als solche erweisen, wäre die Erweiterung der klassischen Newton´schen Physik durch Albert Einstein und Max Planck wohl kaum erforderlich gewesen. 2. Auch „Bauchgefühl“ hat seine Berechtigung. Sogar in den allermeisten Fällen. Und nicht nur dann, wenn Sie bei Kerzenlicht eine hübsche Stadträtin charmieren oder wenn Sie in die Ilmenau hechten, um ein ertrinkendes Wolfsjunges zu retten, wäre die vorherige gedankliche Rekapitulation der lateinischen Deklinationsproblematik unangebracht. Doch vor der Abstimmung über eine Gesetzesvorlage über Hochspannungstrassenbau, Unternehmensbesteuerung, Implantationsdiagnostik oder Endlagerkonzepte wünsche ich mir den Einsatz verlässlicherer Rationalitätsformate als „Instinkt“, „Herz“ oder das, was manche „gesunden“ Menschenverstand oder „gesundes“ Bauchgefühl nennen und was doch in der Regel nichts anderes ist als die Kapitulation der Vernunft aus Einsicht in das eigene Unvermögen, die Dinge zu durchdringen, auf die es ankommt. Voraussetzung für Entscheidungen von Abgeordneten kann sicher nicht in jedem Fall das Studium der avanciertesten Theorien moderner Molekularbiologie, Quantenmechanik oder Nuklearphysik sein, aber sehr wohl der unnachgiebige Fleiß und die Fähigkeit bzw. Bereitschaft, Expertisen und Expertenmeinungen in ihren Kernaussagen und deren jeweiligen Konsequenzen skrupulös gegeneinander abzuwägen.

      Im normalen „Leben“ können wir uns auf Automatismen, die – vollkommen gleichgültig, ob wir es wollen bzw. glauben oder nicht – ohnehin achtundneunzig Prozent unseres „Wesens“ ausmachen, verlassen und sind sogar auf sie angewiesen. Möchten Sie sich aber ein anschauliches Bild der dialektischen Verhältnisse von diskursivem und intuitivem Verhalten machen, reicht völlig die – mehrmalige – Lektüre von dem- und das wiederholte Nachdenken über den berühmten (sehr kurzen) Aufsatz von Heinrich von Kleist über das Marionettentheater. Weiter als Kleist in der Abwägung der beiden Pole ist bis heute niemand gekommen – auch Herr Kahnemann, Herr Gigerenzer und Herr Mädge nicht. Hier finden Sie ihn:

      http://gutenberg.spiegel.de/buch/-593/1

      Herzlich

      Marlies Michels-Honrichsen

      • Hallo, liebe Frau Honrichsen

        Sie werden es vielleicht nicht glauben, ich bin mit ihrer Antwort sehr zufrieden. Aber was das Wunschdenken angeht, ihr Zitat: wünsche ich mir den Einsatz verlässlicherer Rationalitätsformate, wird es wohl beim wünschen und denken bleiben. Wir leben im Kapitalismus. Und der verhindert sehr oft Vernunft. Und dann möchte man ja auch noch gern nach der Politik gut weiterleben.

  7. Christa Sörensen

    Stadtrat Michèl Pauly hatte in mehreren beeindruckenden Kommentaren in den vorangegangenen Diskussionsrunden immer wieder darauf hingewiesen, was sich auch im Rat jederzeit sehr gut beobachten lässt und was in allem hier bisher Gesagten mitschwingt, aber noch nicht ausgesprochen wurde: Nicht „der Souverän“ oder seine Vertreter, die Räte oder Abgeordneten, entscheiden, was ja allein IHR Recht ist, sondern die „Spitzenadministratoren“, die die Form der Prozeduren und Prozesse (polity), also die Ausgestaltung der Verfahren und Abläufe festlegen. „Die Macht“ konzentriert sich stets allein bei denen, die bestimmen, wie viele „Termine“ zu absolvieren sind, wie viel Zeit dem einzelnen zum Aktenstudium, zum Beratschlagen und Nachdenken bleibt, in welcher Reihenfolge und in welcher Bündelung abgestimmt wird, wann und in welcher Geschwindigkeit das stattfindet, warum bestimmte Vorlagen so und nicht anders formuliert werden, etc., etc. Sie die „Ratsfüchse“, Michael Endes „graue Herren mit fahler grauer Haut, grauen Hüten, grauen Sakkos, eleganten grauen Autos, grauen Smartphones und Zigarren aus getrockneter Zeit im Mund, ohne die sie nicht existieren können“, sie „kontrollieren“ und „bestimmen, die Menge der relevanten Vorlagen, das Tempo von wichtigen Entscheidungen und damit verbunden die Notwendigkeit, auch ‚mal Fünfe gerade sein zu lassen‘,“ weil, wie Julia Verlinden schreibt, die „Zeit, Fragen zu stellen, Beurteilungskriterien herauszuarbeiten, begründete Thesen aufzustellen, verschiedene Sichtweisen zu prüfen und sich mit Menschen anderer fachlicher Disziplinen auszutauschen“, dem nicht „gemäß“ wäre, was diese Herren immer mal wieder „das Wohl der Bürger“ nennen und was doch nur der von ihnen – aus den verschiedensten persönlichen Motiven – für „richtig“ befundene „Weg“ ist. Und sie haben vorher auch schon immer alles „eingetütet“, haben Absprachen getroffen, die Sachlage „geklärt“, die „angemessene“ Vorgehensweise „überlegt“ und die „Gutachten“ bestellt, welche die „Alternativlosigkeit“ der Angelegenheit „belegen“ sollen. „Das Reflektieren, das Innehalten, das Überprüfen, ob man überhaupt noch auf dem richtigen Weg ist“ oder jemals war, diese berechtigte Forderung wird von ihnen vor Presseleuten dann „Bedenkenträgerei“ geschimpft oder als „Blockadepolitik“ diffamiert, was am nächsten Tag auch genau so in der Zeitung steht. Und so kommt es, dass, wenn “ in der zweiten und dritten Lesung bzw. Ratssitzung ‚debattiert‘ wird, eigentlich schon immer alles entschieden ist“ und Jule Grunau und Nils Webersinn drei Wochen später schon gar nicht mehr wissen, ob sie beispielweise nun für oder gegen die „Bettensteuer“ waren, ob sie überhaupt mit votiert haben. Und ob sie Gründe für das eine, andere oder Dritte hatten und welche es eventuell gewesen sein könnten, haben sie sowieso vergessen.

    Doch der gefährliche Defätismus, der sich bei Frau Verlinden in ihrem grotesk hilflosen, beinahe gebetsähnlichen Appell um „mehr Wissenschafts-Perspektive („Erst an der Sache arbeiten, dann an der Vermittlung!“) äußert, dieses resignative und – ganz sicher – ungehört verhallende Bitten entsteht, wenn man vergisst, dass die Verfahren von identifizierbaren Menschen absichtlich geschaffen sind und von Menschen (mit Namen und Adressen in Rats- oder Abgeordnetenlisten) gestaltbar. Jeder „Termin“, der einen erschöpft und einem die Zeit stiehlt, ist an seinem Platz, weil irgendjemand es so wollte (oder die Folgen nicht überblickte), irgendjemand ist verantwortlich, es gibt keinen Gott im „parlamentarischen“ Ablauf und damit kein Schicksal, in das man sich klaglos fügen müsste. Es herrsche also der Zweifel, der Widerspruch – und der Mut und die Tatkraft: das Gegenteil des Glaubens und der „sacrifice de la raison“ auf dem Altar von „Baugefühlen“ und medial „aufbereiteten“ Ergebenheitsseufzern. Denn das Parlament und der Stadtrat, so wie sie sind, SIND „die Gesellschaft“. Die Bürger. Die Menschen. — Und die von diesen Menschen „durch unmittelbare, freie, gleiche und geheime Wahlen gewählten Repräsentanten“, sind vor allem „Vertreter des gesamten Volkes und können mit KEINERLEI Aufträgen oder Weisungen (z. B. aus der Partei, der Fraktion oder dem Wahlkreis und schon gar nicht aus dem Kreis der Ausschussvorsitzenden oder der „informellen“ Zirkel um irgendwelche Wahlbeamten herum) gebunden werden“ (Art. 38 Abs. 1 GG).

    • Genau, wir sind mittlerweile wieder im Sozialismus angekommen. Etliche spötteln schon von der EUDSSR. Es kann nur eines helfen, Komplexität, Bürokratie und Regulierungswut zurückschrauben, sodass die Steuererklärung irgendwann wirklich mal auf eine Seite passt und dem Bürger der Staat und seine Entscheidungswege irgendwann mal wieder transparent erscheint. Außerdem für Werte, Normen und geistig moralische Erneuerung sorgen um eine Verantwortungsbewusste Gesellschaft hervorzubringen. In so einer Gesellschaft brauchen viele Dinge nicht gesetzlich geregelt und durch die Überwachungsorgane durchgesetzt werden. Wenn ich weiß, was sich gehört und was nicht, gerate ich nicht in einen Konflikt.

  8. Hinterher hat man’s meist vorher gewusst. Ich empfehle allen hier anwesenden Horst Evers. Es gibt nicht nur alte Meister, die man zitieren kann.

  9. „In der Politik“, schreibt Julia Verlinden, sei wenig Raum „für Erkenntnisgewinn. Hier gelten andere Gesetze.“

    In der Tat, es gelten andere „Gesetze“ !

    Möchte man den Sonntagnachmittag nutzen, um sich anhand von zwei sehr grellen Beispielen vor Augen zu führen, welche das sind, was sich aus ihnen ergibt und „welch wichtige Dinge dennoch tagtäglich beschlossen werden“, wovor Frau Verlinden „großen Respekt“ hat, weil „all das immer Auswirkungen für viele Millionen Menschen“ hat, dann lese man A) die großartige Satire zum Thema „Brückenbau in die Gesellschaft“ von Hans-Herbert Jenckel:

    http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/220939-die-neue-elbbruecke-der-ungeliebte-aber-teure-papiertiger

    und man lese B) die Beschreibung des kafkaesken Irrsinns, der ab Sonntag, den 13. März 2011 zu dem geführt hat, was wir heute „Energiewende“ nennen. Die Folgen dieses Irrsinns machen das Beschäftigungsfeld von Frau Dr. Verbinden aus:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/atommoratorium-der-stilllegungsbescheid-13466146.html?printPagedArticle=t

  10. Gunda Schneider

    Danke.

    Erneut, wie schon im Falle Björn Adam, gewinnt ein schwacher Blog.jj-Gastbeitrag durch hervorragende Kommentare und wird dadurch zum erhellenden Modell für politische (Un-) Sitten und (Miss-) Gebräuche, die sich auf allen Ebenen, von der Bundes- über die Landes- bis hinunter in die Niederungen der Kreis- und Stadt-„Regierungen“ beobachten lassen und sich vor allem durch Ignoranz und/oder Herablassung den Bürgern gegenüber auszeichnen.

    Die Einheit aller hier aufgezeigten Gefahrenquellen für gute Politik scheint mir zuletzt die Ungeduld zu sein, das Bedürfnis, im Zweifel lieber gleich als durchdacht unterrichtet zu werden und zu unterrichten, im Verlangen, Antworten nur auf gestellte Fragen zu bekommen und geben zu müssen, sich nicht festlegen zu wollen, sich leicht umentscheiden zu können, lieber kurz, oft, vorläufig und „wirksam“ als ausführlich, selten, witterungsfest und solide zu „kommunizieren“. Natürlich entspricht jeder dieser gefährlichen „Vorlieben“ ein nachvollziehbarer Wunsch. Seine Erfüllung findet er in Marketingformaten wie „Image“, „Profil“ und vermeintlicher „Wählergunst“. Aber jeder strikten Verfolgung dieser Wünsche entgeht auch etwas. Politische Ideen und Gedanken sind im besten Fall etwas Ganzes, das sich entwickelt und das sogar den zuletzt gefundenen Kompromiss mit Plausibilität adelt. Das unterscheidet sie von Informationen und Reklamegeschrei.

  11. Du, wir und ich

    Liebe Julia Verlinden,

    es gibt aktuell eine Debatte über „Selfie-Journalismus“. Wir Journalisten wissen immer nicht so genau, wie viel unsere Leser eigentlich von diesen für Journalisten unfassbar wichtigen Debatten mitbekommen, nur soviel: Junge Frauen schreiben neuerdings die Zeitungen und Magazine und natürlich auch das Internet voll mit Texten, in denen sie uns ihre Sicht der Dinge darlegen. Und sie tun das, indem sie dauernd Ich schreiben, was im Journalismus lange verboten war, aber seit den Achtzigern – also ungefähr dem Geburtsjahrzehnt dieser jungen Frauen – nur noch im Lokalblättchen als pfui gilt. Dennoch halten viele das Ich für radikal. Manchmal ist sogar ein Bild dieser jungen Bekennerinnen danebengestellt, was früher nur bei jungen, gutaussehenden Schriftstellerinnen als opportun galt.

    An dieser Art des journalistischen Selbst-Offenbarens scheiden sich nun die Geister. Einige halten es für peinlich und uninteressant, eitle Nabelschau sei das. Andere feiern es als neuen Gonzo und sehen schon den nächsten Hunter S. Thompson durch die Berlinaleparties torkeln. Wer sagt, das Herumstehen auf Parties sei ja nun kein Gonzo, bekommt gern zu hören, dass er das ja nur sage, weil das jetzt eine Frau sei und Frauen allenthalben die Gonzohaftigkeit abgesprochen werde. Die Gemüter laufen also heiß.

    Wir als mitteljunge Frauen im Journalismus begrüßen ausdrücklich den Mut zur Ich-Reportage von mitteljungen Erfolgskonfessionalistinnen. Schließlich erfahren wir da unter anderem, dass es in Berlin schon als Exzess gilt, auf der Straße zu tanzen. Eine phantastische Nachricht für uns als Frankfurter: Jetzt muss sich das hiesige Nachtleben wirklich nicht mehr verstecken. Außerdem sehen wir dadurch Körperteile der Berichtenden, die sie sonst nur engen Freunden zeigen. Diese Offenheit fällt in unserem introvertierten Zeitalter ganz positiv auf.

    Bei aller Liebe zum Ich möchten wir dennoch das Wir aus der Versenkung holen. Ja, wir wissen: Das Wir hat einen schlechten Ruf. Krankenschwestern benutzen es für die Frage, wie es uns denn heute gehe. Politikerinnen meinen damit ihr ganzes Volk, das zuvor nicht gefragt wurde. Auch die „Bild“-Zeitung bezeichnet mit dem Wir wahlweise Deutschland oder ganz Europa, je nachdem, ob die Bedrohung klein oder griechisch ist.

    Und auch im Journalismus hat das Wir es nicht ganz einfach. Das Ich gilt als mutig, das Wir als verdruckst, vorgestrig, Zeichen eines angestaubten Journalismus mit Deutungshoheitsanspruch. Oft ist es nur ein verbrämtes Ich, um ein echtes Ich zu vermeiden. Wer damals noch gelernt hat, dass Ich nicht geht, flüchtet sich in Wir oder Man. Wobei man auch nicht immer Man schreiben darf, je nach dem Jahrzehnt, in dem die Redakteursausbildung genossen wurde. Manche Politikerinnen zum Beispiel nehmen eigens Pressesprecher und PR-Fotografen mit, um „Wir“ schreiben zu können, und schaden damit dem Ansehen des Wir.

    Dabei ist das Wir großartig. Das Wir braucht endlich eine Renaissance! Schließlich wird heutzutage von uns Arbeitnehmern Teamfähigkeit verlangt. Nie können wir besser demonstrieren, dass wir am allerliebsten von Menschen umgeben sind, auf die wir am liebsten den ganzen Tag verständnisvoll eingehen würden, als mit einem Wir. Ein Wir liefert aber auch einen verbrüdernden oder verschwesternden Subtext mit: wir Journalisten, wir Frauen, wir Politikerinnen, wir Menschen, die wir vor einem bestimmten Problem stehen. Dabei werden die anderen umstandslos eingemeindet, das birgt so viel mehr wunderbare Distanzlosigkeit als der dagegen fast schüchtern anmutende Selfie-Journalismus. Das Wir birgt Bürgersinn, es stiftet Gemeinschaften, es legt kumpelhaft den Arm um den Leser und zeigt ihm die Welt: Schau mal, so sonderbar geht es hier zu! Wundern wir uns doch gemeinsam ein wenig über die Menschen. Das Ich hingegen wundert sich alleine, und nicht selten wundert man sich über das Ich.

    Wir möchten als Kronzeugin Franziska Gräfin zu Reventlow aufrufen, eine Bohèmenudel, wie sie im Buche steht. Uns würde wundern, wenn sie nicht auch ab und zu auf der Straße getanzt hätte. Und sie schrieb: „Wie armselig, wie vereinzelt, wie prätentiös und peinlich unterstrichen steht das erzählende oder erlebende ‘Ich’ da – wie reich und stark dagegen das ‘Wir’. Wir können in dem, was um uns ist, irgendwie aufgehen, untergehen – harmonisch damit verschmelzen. – Ich springt immer wieder heraus, schnell wieder empor, wie die kleinen Teufel in Holzschachteln, die man auf dem Jahrmarkt kauft. Immer strebt es nach Zusammenhängen – und findet sie nicht. – Wir brauchen keinen Zusammenhang, – wir sind selbst einer.“

    Julia, Du verstehst uns! Das Ich allein ist nichts, es ist erst das Wir, das das Ich vollkommen macht und es in einen produktiven Bezug zur Welt setzt. Das Ich steht blöd fragend herum, das Wir ordnet ein. Das Wir ist schon einen Schritt weiter, es hat schon nachgedacht, es bildet Affinitäten und Allianzen. Das Wir ist das denkende Ich, es ist in der Welt angekommen, es ist nicht mehr ganz so jung und naiv, es weiß, auf wen es sich verlassen kann. Wir mögen das Wir. Es ist eine Dame von Welt.

  12. da man bei cato nicht mehr antworten kann, für @Till folgender link
    http://www.welt.de/videos/article138233177/Wer-diesen-Radwegen-folgt-landet-am-Baum.html