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Die neue Elbbrücke oder Der Papiertiger und die Drückeberger

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(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ. Er schreibt an dieser Stelle regelmäßig über politische Themen aus Stadt und Landkreis Lüneburg. Der Blog heißt jj, weil das sein Kürzel in der LZ ist.)

Lüneburg, 7. März
Die Elbbrücke bei Neu Darchau ist ein großes Versprechen. Als solches bewohnt das Bauwerk als Dauermieter seit einem Vierteljahrhundert das Reich der Möglichkeiten.

Das Projekt gibt zwar Lebenszeichen von sich bei Einheits- oder Brückenfesten, kleineren Scharmützeln von Gegnern und Befürwortern. Die Klingen sind oft genug gekreuzt, die Argumente bekannt.

Neue Nachrichten, in der Regel keine guten, kommen nur vom Brücken-Verweser Jürgen Krumböhmer. Der Erste Kreisrat ist der Telefonseelsorger in der Projekt-Warteschleife. Er sagt entweder: „Geduld.“ Oder: „Die Kosten steigen.“ Um Geduld bittet er für eine nächste verlässliche Kostenschätzung. Der periodisch steigende Preis fürs Bauwerk dagegen ist ausgemacht. Das deutete er gerade wieder in der Zeitung an.

Und so durchlebt die Elbbrücke wohl nur im „Möglichkeitsraum“, was anderen Bauten der Extraklasse in der Realität vergönnt ist: Ob Grundsteinlegung, Richtfest oder Einweihung, Teuerungsraten und ungeplante Mehrkosten sind die ungeladenen Herolde bei Feierlichkeiten für Elbphilharmonie, Flughafen BER oder Audimax Lüneburg. Aber dort hat man wenigsten Objekte aus Stein, Glas und Beton, weiß, wo das Geld versenkt wird. Die Elbbrücke ist nur graue Theorie auf Papier, ein kalkulatorisches Ungeheuer. Für manche im Landkreis Lüneburg längst ein Albtraum.

Und warum ist da so? Weil Politiker in den 90er-Jahren nicht beherzt zum Spaten gegriffen haben. Danach gab es nur noch Lippenbekenntnisse, wurden engagierte Brücken-Freunde hinters Licht geführt. Keiner hatte den Mut, zu erklären, dass die Gefühle groß sind, aber der Nutzen im Vergleich zu anderen Projekten gering. Der Sündenfall schlechthin war die Bürgerbefragung des Landkreises. Denn statt Absolution für ein gebrochenes Versprechen („Müsst Ihr ja gar nicht bauen“) zu erteilen, forderte die Bürger-Mehrheit stramm die Brücke.

Im Juni soll der Kreistag nun endgültig Farbe bekennen, entscheiden, ob die Brücke auf ewig ein Papiertiger bleibt. Sicher wird noch mal auf Millionen aus dem neuen Infrastruktur-Programm spekuliert. Das brächte Aufschub, man könnte sich noch mal wegducken. Klüger wäre es vielleicht, einen Verwaltungs- und Politik-Fuchs wie Ulrich Mädge zu Rate zu ziehen. Der Oberbürgermeister von Lüneburg hätte, wenn ihm so ein Projekt den Haushalt zu zerschießen drohte, längst den Stecker gezogen. Neue Gesetze, Geldnot, wegbrechende Fördertöpfe, Personal-Engpässe, unerfreuliche Umwelt-Gutachten über Gelbbauchunken – für solche Fälle hat er eine Requisitenkiste. Und jeder würde bei der Fülle der Notwendigkeiten und Unausweichlichkeiten sagen: „Ach so, na dann. Höhere Gewalt.“ Und Schublade auf.

Unklar ist noch, wer die Trauerrede hält – mit vielen „Ja, wenn“, „Ja, aber“ oder auch larmoyanten „Hätten wir nur“ und ein paar vergossenen Krokodilstränen.

Hans-Herbert Jenckel

One comment

  1. ob die brücke weiter gefeiert wird ? nach dem motto eines hutmachers?