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Jetzt träumt Hamburg Lüneburgs Traum von der Fahrradstadt

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(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ. Er schreibt an dieser Stelle regelmäßig über politische Themen aus Stadt und Landkreis Lüneburg. Der Blog heißt jj, weil das sein Kürzel in der LZ ist.)

Lüneburg, 10. März 2015

Ich muss noch einmal aufs Rad kommen:

„Rot-Grün einigt sich: Lüneburg wird Fahrradstadt“

Das wäre eine Traum-Schlagzeile für die Landeszeitung.

Radschnellstraßen, auf denen Radfahrer Vorfahrt haben oder die für Autos ganz gesperrt sind, mehr Personal für die Radverkehrsplanung und ein massiver Ausbau des Stadtrad-Netzes.

Die Schlagzeile und die Inhalte standen Dienstag, 10. März 2015, wirklich in der Zeitung, nur nicht in der Landeszeitung, sondern im Abendblatt, und auch nicht für Lüneburg, sondern für Hamburg, die Hansestadt, die 24-mal so groß und komplex ist wie Lüneburg, wo die Autofahrer jeden Morgen über Dutzende Kilometer im Stau stecken. Und trotzdem: Vorfahrt für Radfahrer. Hut ab, Rot-Grün in Hamburg.

Ausriss aus Hamburger Abendblatt, Seite 1, Dienstag, 10. März 2014
Ausriss aus Hamburger Abendblatt, Seite 1, Dienstag, 10. März 2014
Hamburgs Grünen-Chefin Katharina Fegebank, die auch mal ein Engagement an der Lüneburger Leuphana hatte, spricht von einer „radikalen Beschleunigung des Ausbaus des Radverkehrs“. Die Grünen haben für den Radstadt-Status in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD einen hohen Preis gezahlt, sie müssen sich von einem Wahlversprechen verabschieden, der Stadtbahn.

Insofern müssten die Grünen in Lüneburg eigentlich leichtes Spiel bei ihrem roten Koalitionspartner Oberbürgermeister Ulrich Mädge haben, der in Sachen Pragmatismus und Hartnäckigkeit dem Ersten Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, ebenbürtig ist.

Als Versuchsballon könnte das Hanse-Viertel ein zweite Chance bekommen. Schließlich träumte man in Lüneburg für die verwaiste Schlieffen-Kaserne einst den Traum eines Freiburger Quartiers Vauban im Norden. In Freiburg/Breisgau ist eine alte Kaserne, benannt nach Festungsbaumeister Vauban, heute ein bundesweit beachteter Öko-Vorzeige-Stadtteil, teils autofrei, mit Parkgaragen an der Peripherie, mit buntem, alternativem Flair, mit Wohn- und Straßen-Genossenschaften, die Null- oder Niedrig-Energie-Wohnprojekte ohne Bauträger hochgezogen haben.

In Lüneburg ist aus der Schlieffen-Kaserne bisher nur ein großartiges Rendite-Projekt geworden. Eckig, Post-Bauhaus-Konfektionsware – ohne alternative Tupfer.

Es ist eben ein langer Weg von:
Meine Bauhaus-Villa, mein SUV, mein Carport
zu
Mein Öko-Haus, mein Fahrrad, meine BahnCard 100.

Vielleicht ist es ein kleiner Anreiz, dass die erste Fahrradstraße in Lüneburg nach dem Antragsteller benannt würde.

Und wer gegen den Parknotstand am Markt noch ein paar Radbügel aufstellt, bekommt auch eine Messing-Plakette mit Namenszug.
Hans-Herbert Jenckel

Rad-Park-Notstand am Markt in Lüneburg.  Foto: jj
Rad-Park-Notstand am Markt in Lüneburg.
Foto: jj

21 Kommentare

  1. Ich frage mich schon lange, wieso es im Rathaus verpönt zu sein scheint, über Stadtviertel nachzudenken, in denen Autos tabu und Fahrräder das Mittel zur Wahl sind.

    Warum muss man im Neubaugebiet Ilmenaugarten mit dem Auto rein- und rausfahren können? Fünf Minuten zum Bahnhof, in die Stadt ins Rote Feld. Aber nein, die eh schon vollgepfropften Straßen wie der Stadtring können ja noch ein paar hundert Autos mehr verkraften.

    Tempo 50 Grüne Welle hat es in Lüneburg eh noch nie gegeben. Und jetzt wird das auch in Zukunft nicht mehr möglich sein.

    • „Warum muss man im Neubaugebiet Ilmenaugarten mit dem Auto rein- und rausfahren können? “

      Ich könnte jetzt lapidar fragen ob sie Weltfremd oder naiv sind. Aber ich möchte ihnen lieber ein paar Beispiele nennen warum das notwendig ist. Dabei fange ich genauso an wie sie ihre Frage gestellt haben.

      1. Weil wahrscheinlich auch (Tief-) Garagen in oder an den Häusern gebaut werden.
      2. Weil die künftigen Bewohner Autos besitzen und außerhalb kaum einen Parkplatz finden werden. Klar. Sie können in Bardowick parken und mit dem Bus dahin fahren 😉
      3. Weil vielleicht auch mal ein Kranken- oder Notarztwagen in das Wohngebiet muß.
      4. Weil die Bewohner bestimmt Mülltonnen haben und die Müllabfuhr einen Zuweg benötigt.
      5. Weil auch Handwerker mal Reparaturen durchführen müssen und selten zu Fuß kommen.
      6. Weil die Bewohner bestimmt gerne auch Briefe und Pakete haben möchten.
      7. Weil die Fahrzeuge zur Kanalreinigung in das Gebiet fahren müssen.
      8. Weil es auch Straßenfegerfahrzeuge gibt, die nicht mit dem Fahrrad arbeiten können.
      9. Weil es mit Sicherheit keine Einsiedler sind, die dort in eine Enklave ziehen wollen.

      Ich könnte das fast endlos fortführen, aber vielleicht merken sie schon jetzt, was für einen (um es gelinde auszudrücken) Blödsinn sie da geschrieben haben.

      • Liebes Heidilein

        Haben Sie sich den brandneuen Film „Listen eines Aufschreis“ mit Tom Cruise in der Hauptrolle schon angeschaut ? Er kommt ganz ohne Bilder aus, ohne Argumente sowieso. Er ignoriert einfach rundweg alles, was wir von einem Film erwarten. (Vielleicht kennen Sie das? Man hält sich nicht an den Sinn einer Äußerung, sondern versucht, deren Buchstaben lächerlich zu machen.) Statt mit Inhalt konfrontiert uns dieses Lichtspiel also bloß mit folgendem „Statement“:

        • Dies ist ein sogenannter Fließtext, weil er ein ebensolcher sein will.

        • Er möchte ein, nein: Hunderte Zeichen setzen, und zwar zusammenhängende, gegen die degenerierte Listenwut der heutigen Zeit.

        • Immer muß alles in mundgerechten Häppchen serviert werden, ideal konsumierbar zur Mittagspause. Aber warum denn nur? Wir haben doch alle Zeit der Welt, wir müssen sie uns nur nehmen.

        • Mal ehrlich: Was gibt es Erquicklicheres, als eine gigantische Bleiwüste zu durchwandern? Das war eine rhetorische Frage, die Antwort lautet: nichts. Und an das wunderschöne Erlebnis erinnert man sich noch in hundert Jahren.

        • Eine schnöde Liste hingegen: in dreißig Sekunden gelesen, in vierunddreißig Sekunden vergessen.

        • Zugegeben, beim Einkaufen etwa braucht man durchaus eine Liste, sofern die Zahl der einzukaufenden Produkte höher ist als, sagen wir, sieben, je nach kognitiver Verfassung freilich.

        • Der Gegner des Fließtextes arbeitet mit schmutzigen Tricks: Wegen der – angeblich – besseren Lesbarkeit werden Prosatexte in Gedichtform veröffentlicht („Was gesagt werden muß“), werden einwandfreie Fließtexte von leitenden Redakteuren brutal

        • zerstückelt und schamlos und ohne Rückfrage beim Autor im ach so trendigen Listenformat veröffentlicht. „Der Konsument will das so“, ist die arrogante Replik, wenn man sich

        • beschwert. Auch sie kommt, aus reiner Bosheit vermutlich, als Liste.

        • Aber irgendwann reicht’s auch mal, und man muß sich wehren. Dieser Fließtext soll ein Anfang

        • sein.

        „Ich“, heißt es im Abspann des Films, „könnte das fast endlos fortführen, aber vielleicht merken SIE schon jetzt, was für einen (um es gelinde auszudrücken) Blödsinn SIE da wieder einmal geschrieben haben.“

        • Gerhard Buchheister

          Danke. Und ich dachte schon, auf Heidis üblen Nonsense würde hier niemand mehr reagieren.

          Warum soll aus dem Hanse-Viertel partout kein weiterer „bundesweit beachteter Öko-Vorzeige-Stadtteil“ mit Spiel- und Fahrradstraßen werden, der ganz (Marcus) oder teils (Jenckel) „autofrei ist, mit Parkgaragen und Postdepots an der Peripherie, mit buntem, alternativem Flair, mit Wohn- und Straßen-Genossenschaften, die Null- oder Niedrig-Energie-Wohnprojekte ohne Bauträger“ hochziehen?

          Autofreiheit würde töten, weil sie Rettungs-, Pflege- und Versorgungsfahrten etwa bei Feuer, Herzinfarkt, Wasserrohrbruch oder Pizzamangel erschweren würde? Zweifellos, denn die ungezogenen Srtaßenkinder aus solchen Quartieren hätten sicher alle Zugangswege eins, zwei, drei, im Sauseschritt mit kilometerhohen Stahlbetonmauern verrammelt. Böse Kinder!

          Dieses Szenario klingt, als sei es der Leersprech-PR-Fibel von Heiko Dörbaum, Ulrich Mädge, Andreas Meihsies und Gerhard Scharf entnommen. Es ist auch so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil davon richtig ist – eine vergleichsweise klassische Geschmacksrichtung des mit mit unappetitlichen Inhalten prall gefüllten Bullshit-Eimers. Hier wird ein Kontrast hergestellt, der bereits einen Abwertungsautomaten eingebaut hat.

          Kontrast-Bullshit diskreditiert per kontrastierter Metapher gezielt eine Meinung und versucht, eine Art abschüssiges Spielfeld zu konstruieren, auf dem die eine Seite nicht mehr gewinnen kann. Dabei wird eine nicht selten absurde Analogie ausgewählt, die für sich genommen nicht mehr diskutierbar ist. Notarztwagen bei Myokardinfarkt wichtig, Gummitwist in der Straßenmitte unwichtig, das ist völlig unbestreitbar.

          Kontrast-Bullshit dient in Wahrheit also der Verhinderung einer Diskussion.

          • Kontrast-Bullshit dient in Wahrheit also der Verhinderung einer Diskussion.
            kommt immer auf den standpunkt an. und wer sich hier zusammenrottet.

          • @ Gerhard Buchheister

            Ob Heidi wohl eine Erklärung dafür weiß, wie die Bewohner der Bäcker- und der Grapengießerstraße die letzten 50 Jahre ihrer Verkehrswege-Isolation überlebt haben?

            Oder haben Fußgängerzonen mit Fahrradstraßen und autofreien Bereichen NICHT gemein, dass NICHT mit dem Auto rein- und rausgefahren werden darf?

            Ich frage: Wer erklärt mir das Mysterium, dass Dirk Michael (Pearl) Habor und Cornelius (Lurchi) Schnabel sich nie darüber beschwert haben, sie würden ihre Post nicht bekommen, ihre Mülltonnen würden nicht geleert und inmitten der vielen Passanten vor ihren Haustüren auf der Bäckerstraße hätte sie vor Wahnsinn und völliger Verzweiflung in ihrer Jahrzehnte währenden Einsiedelei nur bewahrt, dass ein Volleyball aus der Sportabteilung von Karstadt vor ihre Füße gerollt sei, dem sie mit dem eigenen Nasenblut ein menschliches Gesicht aufgemalt hätten, ihn nach dem Logo des Herstellers (Meihsies Sporting Goods) „Andi“ genannt und zu ihrem ständigen Begleiter, einem stummen „Freund“, gemacht hätten, mit dem sie immer wieder Selbstgespräche über Osterfeuerverordnungen geführt und sich über ADFC-Fahrradklima-Tests beraten hätten ?

        • An Ihrer Stelle würd ich mir noch einmal genauestens den wichtigen Beitrag über Reppenstedts Rolle im Problemkomplex „Ratsscham und Radwahn“ in Lüneburg durchlesen. Dort finden Sie alle Antworten auf Ihre Fragen:

          http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/218847-lueneburg-radelt-weiter-im-mittelmass#comment-38313

          • was ist an diesem beitrag wichtig? ich habe meinung, keine fragen. meine meinung ist: man sollte sich selbst nicht so wichtig nehmen. andere übrigens auch nicht. besonders die, die gern auf etwas hinweisen wollen. diese wollen doch nur ihre meinung transportiert sehen.

      • Sie sind wohl eine absolute Auto-Fetischistin, oder?

        Oder sind Sie eine von denen, die am liebsten aus jedem Supermarkt einen Drive-In machen würden, damit man auch ja nicht aus dem Auto aussteigen muss?

        Ich bin Berufskraftfahrer (Kurier / Paketdienst). Das heißt aber nicht, das ich bei jedem Kunden bis vor die Tür fahren muss, um ihm seine Sendungen vom Auto aus in die Hand drücken zu können. Ich laufe auch schon mal 50 oder 100 m. Frische Luft soll gesund sein, hab ich mal gehört.

        Das die Müllabfuhr, die Rettungswagen, Polizei und Feuerwehr in die Stadtviertel reinfahren können müssen ist mir auch klar. Nur ist das nicht gleichzusetzen mit der Tatsache, das es jedem Bewohner in Innenstadtnähe möglich sein muss mit seinem Auto bis zu seinem Haus fahren zu können. Zumal bei den Preislagen, die im Ilmenaupark zu finden sein werden, die meisten Hausbesitzer 2 Autos fahren dürften – und nicht gerade die aus der Kleinwagen oder Mittelklasse, sondern aus der Oberklasse à la Mercedes, BMW und Audi.

        Aber auch die können 100 m oder 200 m zu ihren Autos laufen.

  2. Mein Reden. Zirkel raus, die Spitze in den Theaterbau und dann einen Kreis von 2 Km darum ziehen. Wer keinen Schwerbehindertenausweis besitzt, kein Anwohner ist und keinen Notfall ins Krankenhaus transportiert, zahlt westlich der Willy-Brandt- bzw. Schießgrabenstraße und südlich der L 216, wenn er mit dem Auto, Traktor, LKW oder Motorrad in diesen Bereich einfahren möchte, zwanzig Euro pro Tag. Wer ohne Berechtigung angetroffen wird, zahlt 200 Euro Strafgebühren, die ihm weitere 24 Stunden CO2-absondernde Zentrumsgurkerei gestatten. Lieferanten frei von sieben bis zehn in der Frühe. Kfz-Parkgebühren innerhalb dieses Kreises gehen – zusätzlich – generell auf fünfzehn Euro pro Stunde hoch.

  3. @ jj. „In Lüneburg ist aus der Schlieffen-Kaserne bisher nur ein großartiges Rendite-Projekt geworden. Eckig, Post-Bauhaus-Konfektionsware – ohne alternative Tupfer. “

    Schade dass sie nicht erwähnt haben für wen es hauptsächlich ein Rendite-Projekt ist. Ich hole es gerne nach. Eindeutig für die Sparkasse Lüneburg. Auf dem ehemaligen Areal der Schlieffen-Kaserne bekommen sie kaum ein Grundstück ohne dieses (und den Hausbau) über die Sparkasse zu finanzieren. Und die Finanzierung bekommen sie natürlich auch nur dann, wenn die dazu gehörige Hausversicherung über die Sparkasse abgeschlossen wird. Ein Monopol oder Erpressung? Eine Verpflechtung mit der Stadt (der OB hat bei der Sparkasse auch etwas zu sagen)? Aber nicht doch! Wer wird solch böses denken? Doch es ist so offensichtlich, dass es einem schmerzlich ins Auge springen muss. Nur niemand greift ein und unternimmt etwas dagegen. Wo sind hier die staatlichen Wettbewerbshüter und Aufsichtsbehörden? Wohl alle wie die drei Affen. Nichts hören, nichts sagen und nichts sehen. Freie Wirtschaft nennt sich das wohl. Für mich ist es Vetternwirtschaft. Und die ist verwerflich und tief zu verachten, um nicht zu sagen kriminell.

  4. na ja, die sozen und die grünen haben es bis heute nicht begriffen. leute, wir leben im kapitalismus. es wird nur das gefördert, was geld einbringt. ob wärmedämmung, oder abwrackprämie, es ist immer das gleiche, zahlen müssen nicht die täter, sondern die opfer. radfahren bringt kein geld ein, außer man fährt bei der tour de france mit. die apotheker jubeln. ja, wenn man noch auf den trichter kommt, fahrräder zu besteuern , dann könnte es auch mit fahrradwege klappen. aber nur vielleicht. wer will bei regen schon nass werden?

    • Falsch, Klaus. Es wird auch das gefördert, was weniger kostet. Oder glauben Sie, der alte Uhu ist aus lauter Idealismus zur rauchfreien Zone erklärt worden? Jährlich hunderttausend Tonnen Feinstaub wirken jeden einzelnen Tag tausendmal verheerender auf die teuren Kitschfassaden von Stadtvilleneigentümern im Roten Feld als täglich hunderttausend Hektoliter schlechter Atem von vorbeiradelnden Studienräten in hunderttausend Jahren.

    • Es kommt selten/nie vor … aber ich muss Klaus Bruns da mal zustimmen !!

  5. Jochen Dröger

    2007 schrieb Michael Thöring am Ende seines Radverkehrskonzepts für Lüneburg im Jahr 2015: Nur wenn man die Beseitigung von Unfallgefahrenstellen, die Behebung von baulichen Mängel, die ergänzenden infrastrukturellen Maßnahmen mit verbesserter Kommunikation, der Öffentlichkeitsarbeit und der Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen verzahne, könne eine nachhaltige Radverkehrspolitik in Kombination mit der notwendigen finanziellen Ausstattung und einem klaren politischen Bekenntnis, ihre volle Wirkung entfalten. Alles da. Vor allem Bekenntnisse und Kommunikation. Aber von dem konkreten Ziel: „der Realisierung einer Steigerung des Radverkehrsanteils am Gesamtverkehrsaufkommen auf 25% im Jahre 2015“ redet im Rathaus schon lange niemand mehr.

    Und es ist doch so, als Radfahrer ist man in Lüneburg Einzelkämpfer und tut sich schwer. Viele glauben (zu Unrecht), sie müssten auf den maroden Radwegen fahren, die häufig zugeparkt oder von Mülltonnen zugestellt sind. Ein harmonisches Miteinander ist auf der Straße fast unmöglich. Autofahrer scheinen nicht zu wissen, dass das Pflaster auch den Zweirädrigen gehört. Laut einem Bundesgerichtsurteil von 2010 darf die Radwegbenutzungspflicht nur angeordnet werden, wo sie der Wahrung und Erhöhung der Verkehrssicherheit dient. Nicht aber, damit Autos unbehindert oder schneller fahren können. Die umstrittene Rechtslage dürfte in der Praxis bedeuten: Ist der Radweg verstellt oder bevölkert, dürfen Radfahrer auf die Straße, selbst wenn es einen benutzungspflichtigen Radweg gibt. Man könnte noch weiter gehen. Bereits in den 1990er Jahren belegten Studien, dass straßenbegleitende Radwege erheblich höhere Unfallzahlen produzieren, als wenn der Radverkehr auf der Fahrbahn mitfährt. Längst vertreten daher nicht nur Critical Mass, sondern auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) den Grundsatz, wonach Radfahrer keine Fußgänger mit Rädern, sondern gleichberechtigte Fahrzeuglenker sind.

    Was sagen die nackten Zahlen über die Hanse-Lage für Radfahrer? Mit knapp 100 Kilometern hat Lüneurg das größte Radwegnetz zwischen Heinsen, Heiligenthal und Deutsch Evern! In Luftlinie ließe sich darauf ungefähr nach Celle fahren. (In Hamburg sind es 2.000 Kilometer. Darauf käme man wahlweise bis nach Lissabon, Istanbul, Moskau oder Palermo.) 100 km Radwege machen Lüneburg aber noch nicht fahrradfreundlich. Denn der Zustand des Netzes ist haarsträubend. Entstanden ist es von den 1960er Jahren an – nach einer Planungsphilosophie, die den Radfahrer als Hindernis des positiv konnotierten motorisierten Verkehrs betrachtete und ihn auf den Gehweg verbannte. Viele Schmalspurwege sind nie renoviert worden: Wurzeln, Sträucher, Schlaglöcher sind tückische Gefahren. Im Herbst das Laub, im Winter der Schnee. Hinzu kommt die Zunahme an Autos, die als Stehzeuge das öffentliche Straßenland verstopfen. Dabei wäre es nirgendwo einfacher als hier, die Bevölkerung radeln zu lassen und Velos zum Leitvehikel zu erklären. Unsere Stadt ist, sieht man von Kalkberg und Rübenkuhle ab, fast höhenmeterfrei, plattes Land. Und keiner kann behaupten, es gäbe nicht genug Platz. Doch ein Augenschein auf zwei Rädern macht die Misere deutlich. Im Bereich Bleckeder Landstraße / Bahnhofstraße zwingt eine dünne Spur Fahrende in einen Pulk Fußgänger, die mit Rollkoffern im Schlepptau vom Bahnhof her strömen. Um in Konflikt mit Passanten zu geraten, muss einer kein Rowdy sein. Korrektes Verhalten reicht. Am Stintmarkt führt die Radroute Sommers praktisch durch das vollbesetzte Kneipengestühl. Wer an der Scharff-Kreuzung der Benutzungspflicht gehorchen will, landet auf dem Gehweg und kollidiert im Nadelöhr Zebrastreifen mit genauso korrekt gehenden Fußgängern. Aus solchen Gründen sind Städte wie Amsterdam und Kopenhagen in den Rankings weit voraus. Diese Kommunen haben es geschafft, mutig Konzepte umzusetzen, in denen Radfahrer als Verkehrsteilnehmer ernst genommen werden: auf breiten Wegen mit Vorfahrt oder eigenen Straßen können sie nebeneinander in Highspeed zirkulieren. Sogar die Radfahrerhölle New York hat sich neu erfunden. In sieben Jahren schuf sie 4.000 Kilometer Radstreifen. 2013 legte sie sich 16.000 Leihräder zu. Radfahren ist in Manhattan heute Trend.

    Während in Kopenhagen fast jeder dritte Kilometer per Rad zurückgelegt wird, lag dieser Anteil in Lüneburg 2007 bei gerade mal 18 Prozent. 25 Prozent sollten es werden. Aber wann es dazu wirklich kommt, steht in den Sternen. Im Radverkehrskonzept von 2007 wurde noch das Jahr 2015 genannt – doch längst ist dieses Ziel, eine wirkliche Fahrradstadt zu werden, auf ungewisse Zeit verschoben. Traditionell heilig ist dagegen der motorisierte Verkehr. 120.000 Autos werden täglich auf Kurzstrecken bewegt, auf denen jeder Fahrradfahrer schneller ist. Der CO2-Ausstoß allein dieser Fahrzeuge beträgt jährlich über 20.000 Tonnen. Erschwerend hinzu kommt, dass das Kompetenzwirrwarr in den Stadtbehörden den Bürokraten und Anwohnern viel Angriffsfläche bietet, um fast jedes Anliegen zu torpedieren. Auf die Anregung, die Ritterstraße, die Kalandstraße und den Sand zu einer Fahrradstraße zu machen, würden Grüne, SPD und CDU wohl gewohnt panisch reagieren: Freie Fahrt gefährdet! Parkplätze gefährdet! Kaufhaus Lüneburg gefährdet. Sandpassage, Manfred Tschorn, Schuhaus Schnabel und Coffe Shop Nr. 1 betroffen!

    Wer sich also mit seinem Rad durch die Autostadt Lüneburg kämpft, in dem keimt der Wunsch, die Stadt möge den Mut haben, den großen Wurf zu wagen. Wie Kopenhagen, wie Amsterdam. Es gäbe sogar eine einfache kostengünstige Lösung, für die aber fehlt der politische Wille: Tempo 30 generell.

    Stattdessen wird vor großen Hoffnungen gewarnt: Verbesserungen der Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr seien auf Grund der hohen Nutzungskonkurrenz im öffenlichen Straßenraum oft schwer durchsetzbar, heißt es. Dechiffriert bedeutet das: Der möglichst ungehinderte Durchfluss der Kraftfahrzeuge hat weiterhin Vorrang. Daher wohl auch der Satz, dass sich die Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr „i. d. R. nur durch eine Umverteilung innerhalb des Straßenraumes und oft zu Lasten des MIV“ (des Motorisierten Individualverkehrs) erzielen ließe.

    Zwar predig man im Rathaus gelegemtlich auch den „Umstieg auf alternative Verkehrsmittel“, man will es aber nicht übertreiben. „City Maut oder Umweltzonen spielen in unseren Überlegungen keine Rolle“, verlautet von städtischer Seite.

    Um festzustellen, dass Lüneburg längst zu viele Autos und zu viele Parkplätze hat, muss man nur durchs Rote Feld schlendern. Dort findet sich kaum eine Querstraße, die anderen Zwecken dient, als den Karossen ihrer Bewohner einen Ruheplatz zu bieten.

    • Hermann Brakelmann

      Das schmale Hochbord an der Bleckeder Landstr./Lünertorstr. ist unter den Bahnbrücken zum Glück nicht benutzungspflichtig. Rücksichtsvolle Fahrradfahrer lassen die Fußgänger in Ruhe und fahren dort, wo Fahrzeuge hingehören.

  6. Rad Parknotstand? Mal ehrlich, hat schon mal jemand für sein Fahrrad kein Stellplatz bekommen? Höchst wahrscheinlich nur, wenn man sein Fahrrad bis in die Schwungtüren bei Karstadt stellen will. Man kann es auch übertreiben. Morgen kommt wohl der Vorschlag alle Straßen vernünftig zu Teeren, weil es beim Radfahren immer so ruckelt auf dem Pflaster.

  7. so eine rede hätte ich mir mal für lüneburg gewünscht. Jochen Malmsheimer,
    http://www.bo-alternativ.de/aktuell/wp-content/uploads/2010/08/eroffnung_zfr_2010_letzte_hand.pdf

    • Sehr schön, Klaus. Am besten hat mir die folgende Passage gefallen:

      »Jugendwahnsinnige Wanderfalken und radfanatische Gesundtheitserpresser setzen uns zu, wohin wir uns auch wenden. Die ohnehin leeren Gesichter der Innenstädte werden, wenn sie nicht, wie bei uns, zu einer aseptischen und marmorgekachelten Sturmschneise zwischen Fahrradbügelparcours und Bratwurstbuden verkommen, welche Schneise dann in der immer gleichen, miefigen Lüneburger Großmannssucht „Boulevard“ getauft wird, aber eher an eine längs halbierte Schuttrutsche erinnert und die in winterlicher Vereisung das Oberschenkelhalsbruchrisiko für alle oberhalb der 50 Lebensjahre in den Rang einer Gewißheit erhebt… …diese bundesweit identischen Retorteninnenstädte also, diese verrossmannten, verdouglasten, zugehandyten Matratzenlager, denen man allein aus ästhetischen Erwägungen ein erneutes, beherztes Eingreifen der alliierten Luftstreitkräfte wünscht, werden zu alledem noch von Solarien und Fitnessclubs geflutet, in denen gut gebaute, aber subfontanell schlecht möblierte junge Männer oder kroßgebräunte Frauen mit ledrigen Ibizzagesichtern, silikon-aufgeschäumtem Hirnschädel und mürben Blätterteigdekoltees zum Verweilen in 1000 Watt starken Liegebrätern einladen. Wellnessfanatiker und Beautyfaschisten haben das Regiment übernommen, uns bleibt nichts, als schön braun zu werden, wer’s schon ist, wie so mancher Sachse, kann es bleiben und wer vor dem Solariumsbesuch eine Kräutercreme aufträgt, bleibt hernach in der Kruste schön saftig.

      Es geht den Lüneburger Verantwortlichen nämlich gar nicht um „Radkultur“, wie sollten sie „Kultur“ wohl auch erkennen, nein, Hauptsache, es klingt so, wie.

      Und von Dingen, die „so wie“ klingen oder aussehen, gibt es in Lüneburg allerdings genug. Dieses „als ob“ ist oft genug Lüneburger Realität in mancherlei Belangen und wird als vollkommen hinreichend empfunden, vermutlich weil es einfacher und billiger ist. Es gibt zum Beispiel ein Grundstück, das wegen dreier Haufen Dreck „Schlieffenpark“ geheißen wird. Und was hier in Höhe der Stadtteile Lüne und Moorfeld als A39 „Tunnel“ steppenbrandgleiche Anwohnerhysterien und Nervenzusammenbrüche verursachte, würde in Berlin oder Paris, Moskau oder New York noch nicht mal als Lüftungsschacht für die Betriebstoiletten, sondern allenfalls zur Aufbewahrung von Gummistiefeln der Reinigungstrupps benutzt. Vermutlich hieße bei uns eine Autobahnkapelle in Lüneburg „Basilika di santa autostrada“ und ein Plumpsklo würde „Einbahnbidet“ genannt.

      …dies ist die Stadt, die vollmundig, um nicht zu sagen: großmäulig, die Notwendigkeit zur Installation eines vollkommen unnützen Zentralgebäudes verkündet, ohne einen Bedarf dafür zu haben und ohne die Kosten des laufenden Betriebes decken zu können, und das alles in einem Kulturraum, der inzwischen über mehr nicht ausgelastete Zentralgebäude verfügt, als er Zentalen unterhält, und die das alles dann doch nicht richtig hinkriegt, trotzdem der Ministerpräsident leider solchen und ähnlichen Unfug einer Gemeinde durchgehen lässt, die ihre Rechnungen in einer Größenordnung im Keller verschlampt, die unsereinen für Jahre in den Knast brächte und die finanziell noch nicht mal in der Lage ist, die Frostschäden des letzten Winters im Straßennetz zu beseitigen…«

  8. Dass Engländer bei Hotelbewertungen sehr viel gnädiger sind als Lüneburger, hat sich ja schon herumgesprochen. Wo immer der Putz nicht direkt aufs Bett fällt, die quer durchs Zimmer führenden Gasleitungen halbwegs dicht halten und das Fensterglas massiver wirkt als Frischhaltefolie, wähnt sich der Engländer im Märchenschloss. Für den Deutschen braucht es sechzehn verschiedene Eierspeisen zum Frühstück. Alles auf einschlägigen Portalen nachzulesen. Wer einfach schlechte Laune hat, wie Heidi meistens, bzw. wer sich davon überzeugen möchte, dass unsere (merkantile) Gegenwart tatsächlich bis ins Mark verkommen ist, oder wer gar sein Scherflein zu diesem Eindruck beitragen will – weil er, sagen wir, im Netz auf „Plueschwelt24“ hereingefallen ist –, der tippe „de.reclabox.com“ in seine Browserzeile.

    Prompt landet er im letzten Königreich des Kunden. Diese Insel der übertölpelten Vertrauensseligen ist eine Art geheimes Deutschland: ein Mekka des Meckerns. Hier radikalisieren sich die Kämpfer gegen das Service-Nirwana. Hier heulen sie sich aus über falsch gelieferte Natursteine, nie angekommene Ofentürenfedern, undichte Fertiggaragen, inkompetente Kundendienste, fabrikdefekte Turbolader, patzige Kulanz-Verweigerungen, Single-Börsen-Knebelverträge oder kaputtgewaschene Blusen, die niemand ersetzen will, über versalzenes Bistro-Essen, sich auflösende Schuhsohlen, aufplatzende Nähte an Polstersitzecken, unterschlagene Cashback-Punkte, fehlende Zahnstocher, Knöllchen-Abzocke, überteuerte Friseurrechnungen oder die fehlende Bereitschaft zu Schmerzensgeldzahlungen bei der Bahn, in deren Zügen man ausgerutscht ist.

    Man nehme nur dies: „Habe am 29.September 2014 bei“ – den Bäckereinamen streiche ich – „ein halbes Brot gekauft. Dafür wurden mir 2 Euro 93 Cent berechnet. Auf Nachfrage wegen des krummen Betrages erklärte die Verkäuferin, dies sei der halbe Preis für ein ganzes Brot. Meine Frage, ob sie das halbe Brot gewogen hätte, beantwortete die Verkäuferin mit Nein. In dieser Filiale gebe es keine Waage.“ Nachgewogen ergab sich: „877 Gramm…also rund 12 Prozent zu wenig“. Oder das: „Hallo ich habe am Montag dem 16.02.2015 gesehen, dass ihr Tierfellteppiche verkauft. Die standen online für 9,99 drin (nur im Markt erhältlich). Ich bin dann am Dienstag 17.02. da gewesen, und da kosten die auf einmal 12,99.“ Kurz: Es ist eine Verschwörung im Gange. Man will dem deutschen Pfennigfuchs ans Eingemachte.

    Das ist durchaus fatal, denn für 51 Prozent der Deutschen, so hat gerade eine Umfrage im Auftrag von West-Lotto ergeben, ist das Schwimmen im Geld der größte Lebenstraum. Wie aber soll das bisschen Dagobert-Luxus je erreicht werden, wenn einen schon der Bäcker übers Ohr haut? Wenn man sich nicht einmal mehr gut germanisch ein Tierfell umhängen kann, ohne abgezockt zu werden? Wer sich auf Reclabox umsieht, merkt schnell: Nicht die Griechen sind unsere Finanzkatastrophe, sondern – der Einzelhandel.

    Da ruft eine Jeanne d’Arc des Verbraucherschutzes, die ein LED-Leselämpchen beim ersten Einsatz kaputtgedehnt hat: „Armes Deutschland, Hugendubel ist für mich Geschichte.“ Dass sie das Lämpchen umtauschen durfte, spielt keine Rolle: Weder warfen sich Verkäuferinnen vor ihr in den Staub, noch gab es ein Extrageschenk. Der Kunde ist eben immer der Dumme. Da bleibt eben nur die entrüstete Proklamation der Reklamation. Und das geschieht hier mit einer zigtausendfachen Emphase.

    Im Minutentakt werden bei Reclabox neue Vertrauenssünden beklagt, werden seitenlange Texte eingestellt im wiederum erstaunlichen Vertrauen darauf, dass sich irgendjemand (im Idealfall der Verursacher des Ärgers) dafür interessieren könnte. Querulantentum muss nicht mehr bemäntelt werden, hier gilt es als Tugend: „Auf bislang mindestens fünfzig Mails hat der Hersteller nicht reagiert“, brüstet sich ein Streiter für die Gerechtigkeit, der einer Firma schließlich – größter Triumph – die Ware plus Entschädigung abgerungen hat. Fünfzig Mails! Wir Lüneburger Anfänger im Motzgewerbe sind noch lange nicht auf der Höhe des Kampfes.

    Aber das kann sich leicht ändern dank dieser vorbildlichen Website, die vor sieben Jahren an den Start ging und seither kräftig gewachsen ist. An dieser Stelle dürfen wir endlich einmal jubeln über diese verlotterte Dr.-Snuggles-Erfindung namens „Wer-Was-Wo-Maschine“ (heute bekannt als „Internet“), die uns nicht nur zwielichtige Online-Shops beschert hat, sondern das Rettende auch. Reclabox hat mehr für uns Opfer des Raubtierkapitalismus getan als alle Politiker und Psychotherapeuten zusammen. Das war es, was wir für unser seelisches Wohl brauchten: einen rosafarbenen Kasten mit dem Titel „Meine Forderung“, wie er sich unter jeder Beschwerde findet. Hier wird der rasende Michael Kohlhaas wieder zum Menschen. Großzügig zeigt er sich jetzt, ecce homo cholericus, denn so gut wie nie wird gefordert, diesen oder jenen Onlineshop-Betreiber möge der Blitz treffen, sondern stets moderat: „Erfüllung der Lieferschuld“, „Gutschein und Entschuldigung“ oder „Ein nicht verbrannter Big Mac im Menü“. Man möchte doch bloß sein Recht. Man ist ja nicht in England.

  9. Hallo Herr Jenckel,

    ich verstehe Ihr Argument nicht.

    Die Hamburger „Grünen haben für den Radstadt-Status in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD einen hohen Preis gezahlt, sie müssen sich von einem Wahlversprechen verabschieden, der Stadtbahn.“

    Sie schreiben: „INSOFERN müssten die Grünen in Lüneburg eigentlich leichtes Spiel bei ihrem roten Koalitionspartner Oberbürgermeister Ulrich Mädge haben, der in Sachen Pragmatismus und Hartnäckigkeit dem Ersten Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, ebenbürtig ist.“

    Ich habe zwei Fragen:

    A) Wieso müssten die Grünen in Lüneburg leichtes Spiel haben? Sie haben doch rein gar nichts in der Hand, womit sie „für den Radstadt-Status“ in Lüneburg „zahlen“ könnten, falls sie diesen „Status“ und die dazugehörende Wirklichkeit tatsächlich wollten, wonach es ja überhaupt nicht aussieht.

    B) Und sehen wir einmal von der Frage ab, ob Scholz und Mädge „in Sachen Pragmatismus und Hartnäckigkeit“ wirklich „ebenbürtig“ sind, warum, wenn es denn so wäre, würde diese Gleichwertigkeit ein Näherkommen Lüneburgs an den „Radstadt-Status“ beschleunigen?