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Lüneburgs Stadtrat und Kreistag bürgen mit für den Erfolg des Leuphana-Libeskind-Abenteuers

(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ. Er schreibt an dieser Stelle regelmäßig über politische Themen aus Stadt und Landkreis Lüneburg. Der Blog heißt jj, weil das sein Kürzel in der LZ ist.)

Lüneburg, 17. März 2015

Ich werde gerne wegen meiner Artikel über das Uni-Universum aus dem Kreis der Leuphana-Jünger mehr im Ernst als im Spaß als Brandstifter gemobbt.

Dieses Mal habe ich in der LZ über die Änderung des Hochschulgesetzes berichtet, von einer „Lex Lüneburg“ geschrieben. Im Entwurf der Novelle deuten einige Eckpunkte auf die ungewollte Urheberschaft der Universität Lüneburg hin, oder besser auf den Libeskind-Bau als Stein des Anstoßes. Oder genauer, auf die finanzielle und planerische Begleitmusik, die mehr als einmal Misstöne erzeugte im Zusammenspiel von Uni, Wissenschaftsministerium und Rechnungsprüfern. Nach all den Berichten über Untiefen in der Baukalkulation will das Ministerium in Hannover, ein Hauptsponsor, mehr Kontrolle, auch durch die Gesetzesnovelle. Anders lässt sich wohl in die Loge Leuphana kaum Licht bringen.

Ich bin natürlich deswegen kein Brandstifter, sondern ein Berichterstatter. Manchmal auch Kommentator. Wer Position bezieht, der zündelt nicht, sondern warnt vor Brandgefahr. Und das war ja mehr als einmal der Fall.

Ganz aufrichtig: Mich fasziniert, dass ein Daniel Libeskind in Lüneburg ein Audimax baut, und ich freue mich über die futuristische Architektur des Rohbaus. Das ist ein mutiger Kontrapost zu all den Giebeln.  

Auch die Akzente, die Präsident Spoun und sein Vize Keller im Studium setzen, ob bei Neuen Medien, Nachhaltigkeit, internationaler Ausrichtung, Kooperationen, Professional oder Digital School, das trifft ins Schwarze, das hat Zukunft. Diese Leuphana-Studenten strahlen positiv über Lüneburg hinaus und zurück.

So weit, so gut. Doch Symbol dieser Wende, unübersehbar und übermächtig, ist der Libeskind-Bau. Er soll der Höhepunkt der Entwicklung werden. Und da sind wir wieder bei der Brandgefahr: Am Ende geht es nicht mal um die Frage, ob dort ein sensationelles Gebäude auch fertig wird, das Lüneburg-Gäste bewundern. Dafür wird es nicht gebaut. Es stellt sich die Frage, ob das Innenleben später dem Anspruch der Hülle gerecht werden kann. Es stellt sich die Frage, ob die Stiftungs-Universität so viel Kapital bei Mäzenen einsammelt, dass auch nach Wegfall der EU-Förderung im Sommer das große Rad in Forschung und Lehre gedreht werden kann, das Audimax mit Kongressen und Konzerten ausgebucht ist. Die Hülle, sie ist nur ein Versprechen.

Jeder, der die Hand in Stadtrat, Kreistag und Landtag gehoben hat, den Löwenanteil der externen Baufinanzierung dadurch gesichert hat, ist damit auch Bürge für die Erfüllung dieses Versprechens. Liebe Politiker, wenn es gelingt, könnt Ihr sagen, Ihr seid dabei gewesen. Wenn es missllingt, suchen Euch lange Albträume heim.

Wie es auch kommt, ich liefere weiterhin Nachrichten zum Leuphana-Komplex, gute und schlechte. Ich berichte und richte nicht. Der Rufmord ist dabei Berufsrisiko. Wobei: Gefährlicher ist Schulterklopfen für Journalisten. Meistens ist man dann nur einem auf den Leim gegangen.

Hans-Herbert Jenckel

14 Kommentare

  1. Ich glaube, das der Libeskind-Bau ein Wunschprojekt des amtierenden Bürgermeisters ist. Er scheint ein Fan von Prestige-Bauten zu sein, um sich das eine oder andere Denkmal zu setzen.

    Und da er so fest im Sattel sitzt wie kein anderer im Rat, tun und taten die Leute, welche eine Zukunft in Lüneburgs Politik haben wollten und wollen, gut daran, dem ‚Monarchen‘ zu folgen.

    Was passiert, wenn er jemanden auf dem Kiecker hat, hat man am Fall Peter Koch gesehen, der lange um seinen guten Ruf bzw. dessen Wiederherstellung kämpfen musste. Er ist aber natürlich auch so schlau, sich bei solchen Dingen im Hintergrund zu halten.

    Er macht nicht, er lässt machen…

  2. Gunda Schneider

    Dass einer der besten Lokaljournalisten des Landes sich für seine Berichterstattung meint rechtfertigen zu müssen, die ein seit Jahren schwelendes und schon sehr bald wohl in seinem vollen, hässlichen Umfang aufflammendes Finanzdebakel oft mehr als behutsam thematisiert, ist ein schlimmes Zeichen.

    Die Steuermittelvernichtungsmaschine namens Audimax ist den Lüneburgern von einigen Stadt-, Kreis- und Landespolitiker(inne)n im Verein mit den Reklameorganen einer vor Renommierehrgeiz schäumenden Universitätsverwaltung aufgezwungen worden. Das allein ausschlaggebende Motiv für diese apokalyptische Dauergeisterfahrt am Rande der Hochschulinsolvenz war und ist die pure, den Verstand ausschaltende Geltungssucht aller Beteiligten.

    Was daran „fasziniert, dass ein Daniel Libeskind in Lüneburg ein Audimax baut“, was an der „futuristischen Architektur des Rohbaus erfreut“ und inwiefern Größe, Form und Anmutung der bizarren Monumentalskulptur ein „mutiger Kontrapost zu all den Giebeln“, sein kann, erläutert uns aber auch Herr Jenckel leider nicht. Das haltlose Gewäsch der immergleichen sinnleeren Marketingfloskeln, die Herr Jenckel in seinem Artikel oben wiederkäut, macht nur eines deutlich: das Zentralgebäude ist weder in wirtschaftlicher, noch in funktionaler und eben auch nicht in städtebaulich-kulturell-ästhetischer Hinsicht begründet und, wie man vermuten muss, auch gar nicht begründbar. Das einzig erkennbare Argument, in dem alles bisher von Ach bis Weh Herausgemüllerte zusammenläuft, ist die Lust am Spektakel und das aufstampfend repetierte Rechthaberdekret „Dieser Bau muss sein!“

    Und ob „die Akzente, die Präsident Spoun und sein Vize Keller im Studium setzen, ob bei Neuen Medien, Nachhaltigkeit, internationaler Ausrichtung, Kooperationen, Professional oder Digital School“, wirklich „ins Schwarze treffen“ und ob „das alles Zukunft hat“, ist noch lange nicht ausgemacht. Vielleicht hängt das „Studienmodell neuen Typs“ ja viel enger mit dem im Zentralgebäude sichtbar werdenden Größenwahn zusammen, als man sich eingestehen möchte? Wird in Lüneburg nicht seit neun Jahren vor aller Augen eine Hochschule in eine Geldbeschaffungsmaschine zu Lasten von Forschungsgüte und Lehrqualität umgebaut?

    Dass es trotz dieses immer greller und zugleich immer flacher auftretenden „akademischen“ Vermarktungs- und Verkaufsbetriebs eine – sehr kleine – Handvoll von Professoren und Leuphana-Studenten gibt, „die positiv über Lüneburg hinaus- und auf Lüneburg zurückstrahlen“, muss darum wohl als Wunder eher denn als Ergebnis angesehen werden.

    • Ganz einfach: Stadt und Kreis können sich nicht ins Audimax einkaufen und glauben, die Verantwortung für den Gesamtkomplex abzustreifen, , Scheuklappen-Politik oder Ablasshandel greifen hier sicher nicht.

      • sie irren sich. in der politik muss man nicht auf arbeitsplätze achten. politiker schaffen keine und somit werden sich die protagonisten den schuh niemals anziehen. verantwortung war noch nie ihr ding. da ich politik persönlich reichlich erlebt habe, weiß ich auch, die zwänge ,die es dort gibt, wird vernunft immer verhindern. vernunft wird von einer anderen partei , außer von der eigenen, nie erwartet. sonst würde man sich ja keine einzelne partei aussuchen, in die man eintritt. wenn es klappt, wird man sich solidarisch erklären, wenn nicht, wird es niemand gewesen sein. und wenn es ganz dumm läuft , wird man ihnen herr jenckel , die schuld in die schuhe schieben. der prophet im eigenen land………..

      • Gunda Schneider

        Sicher, „Stadt und Kreis können sich nicht ins Audimax einkaufen“. Aus zwei Gründen können sie es – Gott sei Dank – nicht: de jure nicht, denn es handelt sich um ein Gebäude der „autonomen“ Uni, und de facto nicht, denn beide – Stadt und Kreis – sind so hoch verschuldet, dass sie sich nicht einmal in eine Hundehütte in Reppenstedt einkaufen könnten.

        Dennoch haben sich Stadt und Kreis – oder vielleicht genauer: namentlich bekannte (ehemalige und amtierende) Stadt- und Kreispolitiker – dazu bereit gefunden, die Mitfinanzierung eines Millionenprojekts im Rat und Kreistag durchzusetzen und ihr – viele sachverständige Warner dabei einfach ignorierend und politischen Widerspruch abbügelnd – zuzustimmen, der Mitfinanzierung eines Projekts, von dem bis heute niemand hinreichend genau sagen kann, wie viel es einmal kosten wird und wie und von wem die kontinuierlich anfallenden Pflege- und Betriebsaufwendungen bezahlt werden sollen.

        Bekannt – und dokumentiert – ist auch, dass die Entscheidungen im Stadtrat, im Kreistag und im Landtag auf der Basis eines „Finanzierungskonzeptes“ getroffen wurden, das niemand, der bei Verstand ist, jemals als solches bezeichnet hat, bezeichnen konnte und – bis heute – bezeichnen kann.

        Man glaubt im Stadtrat und im Kreistag „die Verantwortung für den Gesamtkomplex abstreifen zu können“? Wie lange wird man den Anschein, das zu können, aber noch aufrecht erhalten können? Bis man den Bürgern in Stadt und Kreis erzählen muss, man werde sich statt zusammen mit sieben Millionen Euro nun gemeinsam mit der vier- oder gar sechsfachen Summe „engagieren“, aber immer noch, ohne die eigenen Nutzungsmöglichkeiten zu kennen, geschweige denn, etwas über die generellen Verwendungs- und Nutzungsaussichten zu wissen?

        Diese Vorgänge und die mit ihnen verbundenen Manöver soll man nicht „Scheuklappen-Politik“ nennen dürfen?

        Wie würden Sie so etwas nennen?

      • Ganz einfach: Stadt und Kreis können sich nicht ins Audimax einkaufen.
        wollen sie auch gar nicht.
        Scheuklappen-Politik oder Ablasshandel greifen hier sicher nicht.
        warum nicht? hat bis jetzt immer geklappt.
        Verantwortung für den Gesamtkomplex.
        wer hat sie denn? wer soll sie tragen? ich erinnere an die elb-philharmonie. sie wird auch weiter gebaut.

  3. Sehr guter Artikel vom Redakteur!

    Was in den Kommentaren nur indirekt deutlich wurde und ganz klar angesprochen werden muss, sind die Folgekosten! Schon alleine die Unterhaltung in den nächsten Jahrzehnten wird Millionen verschlingen. Es ist also nicht mit der Bausumme alleine getan, wenn diese irgendwann mal feststehen sollte.
    Ansonsten wird es so laufen: Alle, die für das Projekt gestimmt haben, werden schon lange im Ruhestand sein und sich nicht mehr groß dazu äußern wollen.
    Und zum sog. „Studienkonzept“: Das einzig Neue ist, dass das alte Studium Generale aus den bekannten Diplomstudiengängen verpflichtend gemacht wurde. So viel zur Wahlfreiheit und Freiheit der Lehre. Die Uni ist zu einer Marketingmaschine verkommen. Nach Außen hin sich um jeden Preis gut verkaufen, aber wenn es drauf ankommt durch Inhaltsleere glänzen!

  4. „Die Hülle, sie ist nur ein Versprechen.“ Sehr gut! Das sollten Sie jedem unserer Ratspolitiker einmal ins Poesiealbum schreiben. Ist die Hülle aus Beton, kann sie sehr lange an solche Versprechen erinnern. Aus dem Kontrast von vollem Mund und kleinem Blub wird dann ein langlebiges, ein sehr „nachhaltiges“ Denkmal der Lächerlichkeit.

    Leitspruch des Leuphana-Personals scheint aber in nahezu allen Bereichen zu sein:

    „Die Hülle ist der Inhalt.“

  5. Lüneburgs Stadtrat und Kreistag bürgen?
    tun sie nicht. oder holen die ihre geldbörse beim bezahlen heraus? es ist der bürger , der zwangsweise in haft genommen wird, damit er bürgt. freiwillig würde er es hier nie tun.

    • Klaus, für dich

      Ein polit-kosmisches Gleichnis über Grün-Rote Riesen zum Weltsonnenfinsternistag:

      Sie formten sich einst im Nichts aus verdichteter Materie und wuchsen über ewige Zeiten; sie leuchten rotgrünlich wie von ferne und explodieren schließlich mit einem gewaltigen Knall: Pickel – die faszinierenden Himmelskörper für zwischendurch.

  6. Akademisches Zelotentum

    Nicht zum ersten Mal wird das „Uni-Universum“ in Lüneburg wie eine abgekapselte alternativreligiöse Sonderwelt beschrieben, wie ein Geheimbund, eine Freimaurer-Loge oder eine weltanschauliche Sekte mit strenger Orthodoxie und „wahrer Lehre“, mit rigorosen internen Sprachregelungen, priesterlichem Personenkult, Einschränkung der Denkfreiheit, Konformität sichernden Selektionsritualen, einem hohen Missionierungsanspruch, einem ausgeprägten Elitebewusstsein und einer aggressiven, an allen städtischen Schaltstellen netzwerkelnden Jüngerschaft, welcher eine kommunikative Verständigung über die ideologischen Grundlagen der Organisation als blasphemisch und gefährlich gilt; kurzum, es heißt, die Leuphana sei eine Art esoterischer Verkaufsbetrieb für Selbstbeweihräucherungstickets, der über seine indoktrinierende Zentralinstitution nicht nur das Weltbild der einzelnen Glaubensbrüder und -schwestern, sondern auch deren Sprache in einer Weise präge, die die Verständigung mit Außenstehenden erheblich erschwere.

    Wenn ich mir vorstelle, einer dieser Deviationisten und Selbstdenker mobbenden leuphanatischen Proselytenmacher säße eine Bürostube neben oder unter mir, oder telefonierte mich aus dem Rathaus an, würde ich das auch nicht als Spaß auffassen.

  7. Die Gruppe der Zeloten lässt sich am ehesten mit einer modernen Guerillabewegung vergleichen, die ihre Ziele notfalls gewaltsam verfolgt. Gewalt= Geld! die sklavensprache versteht jeder. aber jeder soll ja nicht alles verstehen, oder?

  8. Selbsterkenntnis

    „Auch wenn es bis zur Nutzung des teuren Bauwerks in der Heide noch eine ganze Weile dauern wird, einen Zweck für die Lehre hat es bereits erfüllt: In einer Vorlesung zu Projektplanung im Bauwesen an der Leuphana zählte ein Dozent Negativbeispiele für miserable Bauplanung und ausufernde Kosten auf. Die Hamburger Elbphilharmonie war darunter. Und das neue Zentralgebäude der eigenen Universität.“

    Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/leuphana-uni-lueneburg-zentralgebaeude-von-libeskind-sorgt-fuer-aerger-a-964827.html

    • Das neue Zentralgebäude der Universität als Negativbeispiel für miserable Bauplanung und ausufernde Kosten?

      Ojemine, der arme Professor. Kritisches Räsonieren im inneren Bereich der Spoun-Keller-Kirche? Wie für den Dozenten wohl das Sommersemester 2014 endete?

      Hatte man nicht Ende Oktober einen menschlichen Schädel im Ilmenauschlick an der Altenbrückertorstraße gefunden?