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Der blinde Fleck, das Vorurteil und der Hass-Kommentar

(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ. Er schreibt an dieser Stelle regelmäßig über politische Themen aus Stadt und Landkreis Lüneburg. Der Blog heißt jj, weil das sein Kürzel in der LZ ist.)

Lüneburg, 2. April

Wenn auf der LZ-Facebook-Seite über die Schießerei am Klinikum, den Prozess oder die Polizeipräsenz in der Innenstadt berichtet wird, dann schlägt die Stunde der Vorurteile und des Hasses. Bei den Kommentaren zu den Posts können die Onliner in der Redaktion gar nicht so schnell die Löschetaste drücken, wie sie möchten. Und selbst danach ergibt sich immer noch ein Bild, das wenig mit einer Diskussion zu tun hat, aber dafür eine Welt widerspiegelt, die nur Schwarz und Weiß, Gut und Böse und vor allem einfache Lösungen kennt.

Es wird der Eindruck erweckt, Ausländer allein hätten das Virus der Kriminalität nach Lüneburg eingeschleppt. Den lieben Mitbürgern, die glauben, Lüneburg sei vorher ein unschuldiger weißer Fleck auf der Landkarte der Kriminalität gewesen und jetzt könne man die Anfänge mit ein paar Ausweisungen und Verhaftungen Im Keim ersticken, sind gesegnet mit einem blinden Fleck. Nein, auch in Lüneburg herrschen, wie in jeder anderen Stadt gleicher Größe und vor allem in den Metropolen, Clans und mafiöse Strukturen. Und das nicht erst seit gestern. Früher waren das nur deutsche Banden, mittlerweile sind die, das sei erwähnt, in der Minderheit. Rotlicht, Heroin, Geldwäsche besorgen andere.

Selbst der Ortsgruppe Uelzen der Bundespolizeigewerkschaft war es jetzt zu viel, sie setzte einen mittlerweile wieder gelöschten Post bei Facebook ab, der ein Riesenecho auslöste. Da hieß es: „Wir müssen keine marodierenden Großfamilienclans in unserer Gesellschaft akzeptieren, die glauben, das Recht in die eigene Hand zu nehmen… Wir sind zu Recht stolz auf unsere Demokratie – unsere Toleranz – unsere Liberalität. Aber es muss rote Linien geben, für Menschen, die sie ausnutzen. Die sie missbrauchen, um ihre kriminellen Machenschaften durchzusetzen. Die ihren Wertvorstellungen aus ihren Kulturkreisen mit Drohung und Einschüchterung Geltung verschaffen wollen. Wir müssen nicht vor lauter Toleranz alles hinnehmen, was eigentlich die große Mehrheit in unserer Gesellschaft nicht will.“ Genau dafür sind eigentlich Gesetze da, Gesetze, die für alle gelten, gleich und ohne Ausnahme. Das ist das Wesen einer Demokratie. Ist sie intakt, hält sie viel aus.

Mit gnadenlosen Richtern, die das Gesetz in die eigene Hand nehmen, haben wir in der Geschichte und in jüngerer Vergangenheit mörderische und miese Erfahrungen gemacht.

Gerade in diesen geschichtsträchtigen Tagen mag ich mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn alle anderen Länder so ihre Vorurteile gegen die Deutschen pflegten, wie es hier einige praktizieren.

Mein Osterwunsch: Kommentare, die Ärger und Mitgefühl erklären und nicht dumpfe Lösungen propagieren wie: Weg damit oder alle in eine Halle stecken, zusperren und dann sollen sie das austragen. Das ist die Fratze der Intoleranz. Mir ist es zehnmal lieber, und koste es viel, wenn die Polizei mit hoher Präsenz zeigt, dass hier Gesetze gelten, die unsere demokratisch gewählten Organe geschaffen haben und keine Clans. Gesetzesbrecher und auch mafiöse Strukturen wird es trotzdem weiter geben – wie seit Jahrtausenden, sonst wäre Justitia auch arbeitslos.

Hans-Herbert Jenckel

54 Kommentare

  1. Ja so ist das. Und beim Thema Zirkus nicht besser.Vielleicht sollten solche Themen gar nicht auf Facebook erscheinen. Bei Zirkus ist das heute noch drin…Kopfschüttel

  2. Alle Achtung, Herr Jenckel, ein sehr mutiger Osterwunsch. Sie beweisen mehr Courage als alle Lüneburger Bundes-, Landes-, Kreis- und Stadtpolitiker zusammen.

    Die Herrschaft des Gesetzes — und nicht die der kriminellen Clans und nicht die der anonymen Schreihälse und nicht die des hetzenden Gesindels?

    Zu befürchten ist wohl, dass Sie weder beim organisierten, noch beim unorganisierten Mob Gehör finden werden.

    Die Entgleisung der Ortsgruppe Uelzen der Bundespolizeigewerkschaft entsetzt mich.

    Das dröhnende Schweigen von Frau Hiltrud Lotse, Frau Julia Verlinden und Eckhard Pols zum hässlichen sozialen Syndrom insgesamt aber beschämt uns alle.

  3. den ärger schaffen wir uns ständig selbst. die anonymität ist dabei sehr behilflich. ohne diese geliebte anonymität im netz würde es erheblich weniger beleidigungen und volksverhetzungen geben. wie weit es in dieser anonymität getrieben wird, kann man daran erkennen, dass suizidgefährdete noch angefeuert werden, selbstmord zu begehen. ich brauche bei chats und foren keine anonymität. sie ist da nur hinderlich. da wir aber von feiglingen umzingelt sind, die diese anonymität missbrauchen und dieses eben in einer großen zahl von post , die geld wert sind, wird sich nichts daran ändern.

    • Sie wiederholen sich. Seien Sie doch froh, dass hier einiges erlaubt ist und nur wenig eingegriffen wird. Trotz erlaubter Anonymität wird hier doch nur wenig beleidigt, Sie stehen da trotz Nennung des angeblich echten Namens an der Spitze, soweit ich mich richtig erinnere…

      • ihre erinnerung trügt. ich beleidige nicht, ich erwähne verhaltensweisen, die ich nicht in ordnung finde und da benutze ich auch schon mal drastische formulierungen. kotzbrocken zum beispiel. ich nehme an, sie meinten dieses. beleidigungen dürfen hier doch nicht erscheinen, schon vergessen?

        • Sie haben ehedem mit-Kommentatoren als „Kotzbrocken“ beleidigt und dafür zurecht Prügel bezogen, sodass es Ihnen tatsächlich einige Zeit die Sprache verschlagen hatte. War wirklich eine schöne und viel zu kurze Zeit.

          • sodass es Ihnen tatsächlich einige Zeit die Sprache verschlagen hatte. War wirklich eine schöne und viel zu kurze Zeit.
            das sie mich nicht mögen, ist mir schon klar, wir hatten ja schön öfters das vergügen. aber das sie von etwas träumen, was nie stattfinden wird, von wegen sprache verschlagen, zeigt mir nur, worauf sie aus sind.anonym klappt dieses schon mal gar nicht. und mit ihrem echten namen, wagen sie es ja nicht, oder?

  4. Helm Stöcking

    „auch in Lüneburg herrschen (…) Clans und mafiöse Strukturen“

    Ob man diesen Satz in den Aufsichtsräten der E.ON-Avacon und der Süderelbe AG, im Verwaltungsrat der Sparkasse Lüneburg und unter den Delegierten des Niedersächsischen Sparkassenverbandes wohl mit Zustimmung und uneingeschränktem Wohlgefallen liest?

    • Lieber Herr Stöcking, die von Ihnen angeführten Gremien sind hier natürlich nicht gemeint. Dort werden auch Absprachen getroffen, aber ich hoffe doch gesetzeskonform, sonst steht es hoffentlich in der Zeitung oder hier. In diesem Fall sind, wenn ich hochrangige Polizisten richtig verstanden habe, andere „Familien“ betroffen.

    • @Helm Stöcking

      na ja, lobbyisten und clans mit mafiöser struktur kann man hin und wieder schon auf eine stufe stellen. preisabsprachen und bestechungen sind da auch an der tagesordnung. Gruß Klaus Bruns

  5. @Katja Fricke: Lesen Sie sich das Posting der Ortsgruppe Uelzen doch noch einmal durch: “Wir müssen keine marodierenden Großfamilienclans in unserer Gesellschaft akzeptieren, die glauben, das Recht in die eigene Hand zu nehmen… Wir sind zu Recht stolz auf unsere Demokratie – unsere Toleranz – unsere Liberalität. Aber es muss rote Linien geben, für Menschen, die sie ausnutzen. Die sie missbrauchen, um ihre kriminellen Machenschaften durchzusetzen. Die ihren Wertvorstellungen aus ihren Kulturkreisen mit Drohung und Einschüchterung Geltung verschaffen wollen. Wir müssen nicht vor lauter Toleranz alles hinnehmen, was eigentlich die große Mehrheit in unserer Gesellschaft nicht will.”

    Das ist ein Aufruf gegen Selbstjustiz, für unsere Demokratie, unsere (begrenzte) Toleranz, unsere Liberalität und für die Mehrheitsgesellschaft. Aber da es von der Bundespolizeigewerkschaft kam, ist das in Ihren Augen wahrscheinlich eine ausländefeindliche „Entgleisung“.

    @Hans-Herbert Jenckel: Ein mutiger Post – er enthält viel Wahres. Aber eine Demokratie muss es eben auch aushalten, wenn die Mehrheit der Bevölkerung verurteilte Straftäter härter bestraft sehen möchte. Das Gegenteil Ihrer bechriebenen gnadenlosen Justiz ist nämlich die teilweise vorherrschende Kuscheljustiz. Einige Bürger vertreten die Meinung, dass wir in den Großstädten generell ein Clan- oder Ausländerproblem haben. Sie selbst deuten ja auch ähnliches an. Manch einer fordert dementsprechende Lösungen, wie beispielsweise kriminelle Ausländer abzuschieben. Das zu fordern ist legitim im Rahmen den demokratischen Meinungsaustausches und sollte nicht pauschal als Hetze oder „wütender Mob“ abgetan werden.

    • Hallo Daniel, danke für die klaren Worte! Ich stimme zu 100% überein.

      Das diese Worte in der Zeit der politisch korrekten Gesinnungs und Sprachpolizei überhaupt abgedruckt wurde, ist ein Wunder!

      Und ich stimme der Ortsgruppe Uelzen ebenfalls zu 100% zu. Wer hier eine grundsätzlich ausländerfeindliche Haltung zu allen Ausländern herausliest, kann nicht sehr schlau sein. Es wird ganz klar differenziert, wie oben glasklar ersichtlich!

      • Das diese Worte in der Zeit der politisch korrekten Gesinnungs und Sprachpolizei überhaupt abgedruckt wurde, ist ein Wunder!
        Herr Hebsen , Sie übertreiben.
        ihr kommentar erinnert mich an westerwelle. Sein Motto: es muss doch noch gesagt werden dürfen. es wurde nie verhindert.

    • Daniel einiges sicherlich richtig. Nur an dieser Stelle teilweise nicht richtig. Der Polizei ging es so habe ich das verstanden darum wie das weiter gehandhabt werden soll. Und sie haben die Justiz aufgefordert sich Gedanken zu machen. Denn es sind viele Verhandlungstage angesetzt. Und diese Polizeipräsenz kann ja nicht auf Dauer gefahren werden. Und man kann auch keine Nebenkläger ausschließen.Und auch die Anwälte der Angeklagten würden da nicht mitspielen. Und hier handelt es sich um deutsche Staatsbürger. Der ganze Hintergrund ist doch ausreichend dargestellt worden. Es gab dazu doch genug Informationen. Da sind dann solche Vorschläge wie ausweisen,alle in eine Halle sperren,Dr….pack und das war noch harmlos natürlich hilfreich. Und das viele Fehler gemacht wurden und nach wie vor gemacht werden in der Asyl Politik steht doch ausser Frage. Doch wie will man das ändern. Denn es ist doch jetzt schon schwierig denn Asylanten will doch keiner in seiner Nachbarschaft haben. Und das sind Tatsachen.Und darum geht es im aktuellen Fall auch nicht. Hier eine Lösung zu finden dürfte schwierig werden. Genauso wie gerade Jugendrichter auch teilweise andere Schritte gehen auch dazu gab es genügend Informationen. Und auch das hilft bei diesem Fall nicht. Weil darum geht es hier auch nicht.

      • @ Pessimist- Zitat:
        Und hier handelt es sich um deutsche Staatsbürger. Der ganze Hintergrund ist doch ausreichend dargestellt worden. Es gab dazu doch genug Informationen. Da sind dann solche Vorschläge wie ausweisen,alle in eine Halle sperren,Dr….pack und das war noch harmlos natürlich hilfreich. Und das viele Fehler gemacht wurden und nach wie vor gemacht werden in der Asyl Politik steht doch ausser Frage. Doch wie will man das ändern

        1. Bei neuen deutschen Staatsbürgern, die sich so eklatant gegen die Gesetzgebung stellen und eine hohe Quantität und Qualität bei Straftaten über Jahre aufweisen, die Staatsbügerschaft entziehen und wieder ins Herkunftsland zurückführen. Alles andere wäre ein endloses Flickwerk , das Geld , Nerven und Einsatz erfordert.

        • Das sind keine Neubürger die leben schon über 20 Jahre hier.Und Staatsbürgerschaft aberkennen geht nur bei doppelter Staatsbürgerschaft. Und ist ein schwieriges Verfahren. Soviel dazu

        • Und vielleicht auch mal den Artikel in der Lünepost lesen zum Thema Kriminalstatistik denn auch da hat er Stellung bezogen. Auch zum Thema Asylanten und ich vertraue ihm da. Die werden schon alles tun was der gesetzliche Rahmen erlaubt. Und Herr Felgentreu ist da sicherlich erfahren genug. Der braucht sicherlich keine Hilfe. In diesem Sinne Frohe Ostertage

        • Gunda Schneider

          Mein Gott, sind Sie ein selbstgerechtes Schwatzmaul. Und das alles unter dem Deckmantel eines falschen Namens.

          Vergeltung und Satisfaktion sind sicher Funktionen des Strafrechts, die aber nicht im Vordergrund seiner Zwecke stehen. Stattdessen geht es darum, die Gesellschaft vor Wiederholungen zu schützen; und darum, klarzustellen, dass gesetzliche Verbote nicht unverbindliche Vorschläge sind, sondern Essentialia des Zusammenlebens, und dass sie durchgesetzt werden.

          Dass sich das Rechtsempfinden der Bevölkerung in Strafurteilen nicht immer wieder findet, kommt gelegentlich vor. Allerdings ist das sogenannte Rechtsbewusstsein der Bevölkerung ein schillerndes Wesen. Für sich selbst und seine Lieben möchte jeder Bürger eine möglichst umfassende Beurteilung gerade seines Einzelfalls. Geht es um Dritte, will er Härte und Gnadenlosigkeit, in der Hoffnung, dass dies seine eigene Sicherheit steigert. Das Strafrecht aber muss die Mitte finden.

          Gewiss gibt es kein Strafrecht ohne Moral. Aber es gibt natürlich auch kein Strafrecht der Moral. Wenn man Moral eins zu eins in Recht übersetzt, kommt eine totalitäre Ordnung heraus. Es ist die Aufgabe des Rechtsstaats, aus der Moral einen rationalen Kernbestand von Regeln zu filtern, der eine handlungsleitende und gesellschaftsstabilisierende Funktion erfüllen kann.

          Gnade uns Gott, wenn keifende Eiferer wie Sie einmal zu Entscheidungsbefugnissen gelangen!

    • Lieber Daniel,

      weder ich noch Herr Jenckel haben bestritten, dass es schwere oder schwerste, zum Teil auch „sehr gut“ organisierte Kriminalität in Städten wie Lüneburg, Uelzen und Celle gibt, also die von Gewinn- und/oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten von Leuten, die unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen, unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel und/oder unter Einflussnahme auf Politik, Massenmedien, öffentliche Verwaltung, Justiz und Wirtschaft dauerhaft und systematisch arbeitsteilig zusammenwirken. Herr Jenckel kam sogar zu dem (von – für meinen Geschmack unangebrachtem – Galgenhumor nicht ganz freiem) Schluss: „Gesetzesbrecher und auch mafiöse Strukturen“ werde es immer „geben – wie seit Jahrtausenden, sonst wäre Justitia auch arbeitslos.“

      Dass Kriminalität vor allem in Bereichen floriert, in denen die staatlichen Institutionen, wie Regierungen, Schulen, Polizei oder Gesetze, kaum Akzeptanz und deshalb nur einen geringen Einfluss haben, und dass zu diesen Bereichen partiell auch schlecht integrierte (ethnische) Minderheitsgesellschaften in den sozialen und geographischen Randlagen unserer Stadt gehören, wer wollte das bestreiten? Aber das ist ein hochkomplexes politisches Problem mit sehr vielen Aspekten, das man nicht mit xenophoben Abwehr- und Angstparolen, mit verschärften Abschieberegelungen und mit blödem „Deutschland“-Gebrüll in den Griff bekommt — allerdings auch nicht mit Wegschauen und mit idiotischem Rathausgequatsche über hanseatische Willkommenskultur unter Ausschluss von Sozialarbeitern, Asylberatern, Lehrern und engagierten Helfern aus diversen privaten Initiativen.

      Trotzdem bin ich der Ansicht, dass es Mitgliedern der Polizei in ihrer Funktion als Angehörige des Exekutivorgans des staatlichen Gewaltmonopols nicht zusteht, dummes Zeug in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Was sind „marodierende Großfamilienclans“? Schlagen Sie das Wort „marodieren“ mal im Fremdwörterlexikon nach. „Es muss rote Linien geben, für Menschen, die unsere Toleranz ausnutzen?“ Diese „roten Linien“ gibt es. Es sind die für alle Menschen in Deutschland geltenden Gesetze. Wollen Kriminelle wirklich „Wertvorstellungen aus ihren Kulturkreisen mit Drohung und Einschüchterung Geltung verschaffen“? Oder wollen sie einfach ihre kriminellen Ziele erreichen? Wie kommen ein paar Polizisten aus Uelzen darauf, sie wüssten, „was die große Mehrheit in unserer Gesellschaft eigentlich will oder nicht will”? Macht es Sie nicht schaudern, sich vorzustellen, Ihre Behandlung auf einer Polizeiwache in Uelzen könnte davon abhängig sein, was die gerade diensthabenden Beamten privat über Nasenpiercings denken?

      Die Entgleisung bestand für mich in der Verletzung des Neutralitätsgebotes. Ich glaube, dass ein Staat erst dann richtig ernste und auf keine Weise mehr steuerbare Probleme bekommt, wenn er seinen Ordnungs- und Vollzugsbeamten gestattet, öffentlich Gesetze zu interpretieren und politisch wertende Stellungnahmen abzugeben. (Dabei ist es völlig gleichgültig, ob ein Beamter sich über den Multimillionenbetrüger Hoeneß oder über den belgischen Mörder und Sexualstraftäter Dutroux äußert.)

      • @ Katja Fricke: Zitat: „Trotzdem bin ich der Ansicht, dass es Mitgliedern der Polizei in ihrer Funktion als Angehörige des Exekutivorgans des staatlichen Gewaltmonopols nicht zusteht, dummes Zeug in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen.“

        Entschuldigung, aber Ihre Aussagen sind haarsträubend.

        Es geht um organisierte Grossfamilien , die brutal und rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch machen. Und diese organisierte Kriminalität muss man kritisieren dürfen. Das dies nun Einzug nach Berlin, Bremen , Diusburg u.a. Städten auch in LG gehalten hat und das die Politik wie so oft die rote Linie nicht wahrnimmt, diese ignoriert um nicht als rechts oder als ausländerfeindlich zu gelten, muss erlaubt sein zu veröffentlichen.

        Besonders für diejenigen ,die für uns alle den Kopf hinhalten. Wir alle sind letztlich in der Gefahr Opfer zu werden. Und offensichtlich haben die Beamten erkannt, was viele linke und grüne Politiker abstreiten ,schönreden oder die Kritiker als rechts ,rechtsradikal, faschistoid o. a. zu bezeichen. Meiner Meinung nach haben die Beamten zu 100% Recht.

        Und auch das Recht ihre Meinung, bei so extremer Gleichgültigkeit seitens der Politik zu veröffentlichen. Dies ist als Hilferuf zu sehen und vor allem eines nicht: Dummes Zeug!

        • Georg Wüstenhagen

          Hallo Herr Hebsen, haben Sie jetzt die Position des rechthaberischen Oberschwadroneurs unter den Lz-Kommentatoren eingenommen?

          Seit drei Wochen sind Sie ja ungemein freigebig mit kernigsten Plattitüden, die Sie stets so formulieren, als seien sie per Plebiszit zur Stimme der volonté générale gekürt worden.

          „Die“ organisierten Grossfamilien? „Man“ muss kritisieren dürfen? „Die“ Politik ignoriert? „Für uns alle“? „Wir alle“ sind letztlich in Gefahr? „Die“ Beamten?

          Ist Ihnen das Personalpronomen „ich“ unbekannt?

          Und ist es nicht immer — ganz egal WAS sie sagen oder WORÜBER sie sprechen — das sicherste Kennzeichen und Hauptmerkmal irrer Demagogen, dass sie sich anmaßen, für eine vermeintliche Majorität zu sprechen?

          Wenn ich mir Ihre Forenbeiträge der letzten Tage anschaue, in denen Sie in Ihrer sagenhaften Einfalt UNS (mich eingeschlossen) ununterbrochen davon unterrichtet haben, was WIR eigentlich wollen und wie WIR die Dinge sehen, indem Sie sich gerierten, als würden Sie in unser aller Köpfe und Herzen blicken und das Geschaute direkt in Ihr pausbäckiges Kraftfahreridiom übersetzen, dann lautet das Gesamtergebnis unter dieser Voraussetzung wohl eindeutig:

          „Wirr ist das Volk“.

          • des rechthaberischen Oberschwadroneurs unter den Lz-Kommentatoren eingenommen?
            wer ist das denn? kenne ich den? ist der etwa anonym hier unterwegs? schämt er sich wegen seiner anonymität? oder findet er plattitüden als anonymer besonders bequem? wollen die nie recht haben? kennen sie loriot und seinen sketch in der badewanne? sind sie Herr Müller-Lüdenscheid?

          • Georg Wüstenhagen

            Klaus, jetzt waren Sie ausnahmsweise mal nicht gemeint, es sei denn, Sie arbeiten im Nebenberuf als „Andre Hebsen“.

            Oder sind Sie etwa in Schuhe geschlüpft, die Ihnen passen, ohne dass diese für Sie bereit gestellt waren?

          • @ Georg Wüstenhagen

            Danke für Ihre scharfsinnige, sozialpädagogische Blitzanalyse.

            Aber ich muss widersprechen. Das Volk ist gar nicht „wirr. Denn die nehmen die Realität langsam mehr und mehr wahr. Das das die einseitige Meinungs-und Stimmungsmache nicht einfacher macht, ist klar. Bisher hat es gereicht, Opfer und Kritiker als faschostoid oder islamophob zu verunglimpfen und Taten zu relativieren. Das funktionert nur begrenzt und nur solange dieser Schachzug bezüglich menschlicher Reflexe und die Psychologie zur Verdrängung der Situation ausreicht. Nur man kann auf Dauer Messerstecher und Grossfamilien mit Schusswaffen eben nicht als liebevolle , herzliche und willkommene Glieder unserer Gesellschaft bezeichnen, wenn sich den Bürgern jeden Tag eine komplett andere Situation darstellt. Das ist nicht auf Dauer möglich.

        • Ethik – ein Versuch

          Weil ich gern eine Putzfrau hätte, mich dabei aber nicht scheiße fühlen möchte, mache ich für eine Anstellung zur Bedingung, daß die junge Kurdin in ihren eigenen vier Wänden auch eine Putzfrau beschäftigt – auf meine Kosten, versteht sich. Die Kosten für die Putzfrau in deren Großfamilie übernimmt dann meine Freundin.

          MfG zu Ostern

          Teja Fischer

          • @ Teja Fischer:

            Ich hätte gerne gewusst, wie der kausale Zusammenhang Ihrer dargelegten Worte zum Thema ist. Würden Sie mir dies bitte erklären? Gruss und einen schönen Ostermontag

          • Lieber Herr Hebsen,

            wussten Sie schon, dass Zusammenhänge nicht unbedingt „kausal“ sein müssen? Haben Sie schon einmal über den Unterschied von Relationen und Korelationen nachgedacht? Daran, dass jede beliebige Beziehung nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung funktioniert, glauben eigentlich nur „Studien“ verkaufende Leuphana-„Wissenschaftler“ und Leute wie Sie, die ihre kriminalistische Ausbildung bei „Aktenzeichen XY“ und „Focus“ erworben haben. Darüber, was Ihre kurdische Putzhilfe im Besonderen und Ihr Affekt gegenüber Kurden im Allgemeinen miteinander zu tun haben, sollten Sie vor diesem Hintergrund noch ein wenig weitergrübeln. Das gleiche gilt für den Zusammenhang zwischen Ihrer supermodernen digital integrierten Haustechnik und dem Windrad in Ihrem Vorgarten.

            Auch Ihr Blick auf das Verhältnis von Sozialpädagogik und Sozialarbeit bedarf meines Erachtens schärferer gedanklicher Analyse. Selbst ausgewiesene Fachleute streiten sich nämlich seit Jahrzehnten wie Kesselflicker über den Unterschied zwischen ihren „Wissenschaften“. Aufgrund der Tendenzen bei der praktischen Arbeit kann man aber folgende Unterschiede festmachen:

            – Sozialpädagogen stellen Fragen, agieren, intervenieren, lenken, treten ans Bein, gehen auf Demos vorn und trinken Malzkaffee

            – Sozialarbeiter reagieren, vermitteln, beschwichtigen, beruhigen, gehen auf Demos in der Mitte oder hinten, schieben dort Rollstuhlfahrer und trinken Bier und Rotwein

            Da schon seit dem Wirtschaftswunder derjenige, der zuerst agiert bzw. auf höhere Gewalt reagiert, erfolgreicher als die Masse ist, wird der Sozialpädagoge in der Regel viel besser als der Sozialarbeiter bezahlt. Ein stereotypes Bild ist das des intellektuell verstiegenen „Steppenwolf“ und FAZ lesenden Sozialpädagogen und das des heimelig die „so ein bisschen linke“ überregionale am nächsten Kiosk neben dem Dosenbier erhältliche Tageszeitung lesenden Sozialarbeiters.

            Nachdem man eine Menge Rhetorik und intelligentes Verbringen von Langeweile während eines langen Studiums gelernt hat, ist privat darauf zu achten, anders als bei der Sozialarbeit, was in deren Berufsvorbereitungsjahr propagiert wird, private Beziehungen gerade auch im mittelalterlichen Sinne schleifen zu lassen, weil nur der Wahnsinn das (allwissende) Genie gebären kann und nur der, der den Teufel/die Teufelin gesehen hat, von Gott reden kann und damit natürlich auch die Motivation gegeben ist, über die Knüpfung neuer Kontakte zum Klientel nicht nur bei deren Problemen zu helfen, sondern auch eigene soziale Wunden zu heilen.

            Worauf es mir ankommt, habe ich gestern für Sie narrativ zu erhellen probiert. Vielleicht können Sie das Stück ja vollenden? Ich schenke es Ihnen zur weiteren Bearbeitung:

            »Versuch einer Erzählung für Herrn Hebsen

            Heute morgen kam ich nicht aus dem Quark. Er hielt mich eng umschlungen und zog mich schon beim geringsten Versuch, die Augen auf- und die Decke zurückzuschlagen, mit sanfter Gewalt in sein Reich zurück. Offenbar handelte es sich nicht um getretenen Quark, denn der, so wußte bereits Goethe, „wird breit, nicht stark“, sondern um einen neuartigen Superquark, der die geballten Kräfte der Teilchenphysik zu nutzen und mich buchstäblich in die Quarktasche zu stecken imstande war. Erst am späten Nachmittag gelang es mir, ihn mit einer improvisierten Quarkmaske so zu täuschen, daß – – – [Fragment]«

          • @ Teja:
            Tut mir leid, aber ich kann Ihren kleinen Sprung von Migranten, die hier als Putzfrau ihr Geld ehrlich verdienen zum Schwerkriminellen, der als Opfer der Gesellschaft dargestellt und noch hofiert ,bzw. seine Taten relativiert werden, nicht nachvollziehen. Auch nach Ihrer ellenlangen und an den Haaren herbeigezogenen Scheinargumentation nicht. Ehrliche Putzfrau ist bei mir eben nicht mit schwerkriminellen Grossfamilien gleichzusetzen, die sich in Deutschland formieren.

          • Sehr geehrter Herr Hebsen, es wäre freundlich, wenn Sie sich im Blog nicht weiter mit Ihrer Nicht-Deutschen-Krminialitäts-Philosophie versuchten. Das hat keinen Zweck und beschwert nur. LG

  6. Ach so und daß habe ich vergessen nach den Vorfällen am Klinikum hat unsere Polizei unter Leitung von Herrn Felgentreu hervorragend gearbeitet. Ganz großes Lob dafür.

  7. Herrn Hebsen und seinen Freunden

    Sie raunen, aus aktuellem Anlass und angeblich in Übereinstimmung mit einer Mehrheitsmeinung, die Strafgerichte der Bundesrepublik gewährten zu häufig einen »Islam-Rabatt«. Gemeint ist die Verhängung vermeintlich zu milder Strafen für Gewalttaten mit »islamischem« Motiv-Hintergrund.

    Die Empörungsmaschine, die Sie, Herr Hebsen, hier mit antreiben, erlaubt weder Geduld noch Differenzierung: Sofort muss eine Meinung her. Der Boden allerdings ist hochgradig vermint. Zwischen »Ehrenmord« und Chauvinismus, Fremdenfurcht und Selbstzweifel, kleiner Politik und großen Gefühlen pendeln die Seelenlagen der herrschenden und der anderen Meinungen; typisch ist das Hantieren mit unverstandenen Begriffen, unklaren Fragestellungen, unbekannten Maßstäben. Fettnäpfchen allerorten.

    Kleine Perspektivwechsel können vielleicht auch Ihnen bei der Orientierung helfen. Erinnern wir uns an die Zeit, als Millionen Deutsche Einwanderer waren: Als im 18. und 19. Jahrhundert deutsche Bauern vor dem drohenden Hungertod nach Amerika flohen, nahmen sie nicht nur Kruzifixe und Heimatlieder mit, sondern auch Ehre, Kultur und Anschauungen. Sie wohnten zudem in der neuen Heimat am liebsten unter ihresgleichen und sprachen ihre alte Sprache, bis ihre Sehnsucht so aus der Zeit gefallen war wie die Volkstänze auf dem Vertriebenentreffen und die Zöpfe der deutschen Mädel in Kasachstan.

    Wer sich gegen die alten Sitten verging, den bestraften sie strenger als die Sünder wider die Gesetze des neuen Staats. Jene Länder, die damals Ziel für die Armen Europas waren, formulierten freilich ein Versprechen, dessen Magie bis heute fortwirkt: das auf die Geltung von Menschenrechten gestützte Versprechen einer Einheit von Pflicht, Verantwortung und Freiheit, gegründet auf Prinzipien von Demokratie und Selbstverantwortung. Dies motivierte die Einwanderer, ihre Kraft in die Gestaltung einer (Rechts-)Kultur zu investieren, die auf dem Fundament weniger Regeln die Anerkennung auch des jeweils Andersartigen gebot. Ohne eine Perspektive, die neue Heimat tatsächlich mitgestalten zu können, gibt es keine Hoffnung und auch keinen Grund, sich zu öffnen für die Abenteuer des Neuen.

    Zurück ins Lüneburg von heute: Es sind nicht die pakistanischen Bauern, die anatolischen Großväter oder die kongolesischen Hungerleider, die das europäische Strafrechtssystem ins Wanken bringen. Dieses funktioniert recht stabil seit vielen Hundert Jahren. Die Ansicht, in der deutschen Strafjustiz gebe es einen strukturellen »Bonus« für Fremde, ist fernliegend. Fremde haben bei uns vielmehr – wie überall sonst – erhebliche Nachteile zu erwarten.

    Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass, wer in Deutschland lebt, in der Regel nach den Rechts- und Moralvorstellungen dieser Gesellschaft zu beurteilen ist. Damit ist nicht eine »Pflicht zur Assimilation« gemeint, sondern Respekt vor den Formen und Inhalten der Meinungsbildung in der neuen Heimat. Diese muss umgekehrt Einwanderern die Freiheit bieten, aktiver Teil einer neuen gemeinsamen Kultur zu werden.

    Im Einzelfall freilich kann das Empfinden eines aus einer anderen Kultur stammenden Menschen noch so stark von den Ansichten seines bisherigen Lebensumfelds geprägt sein, dass es ihm vorerst viel schwerer fällt als anderen, die Regeln der Mehrheitsgesellschaft in Deutschland zu akzeptieren.

    Wenn er sich jedoch der Einsicht in diese Regeln nicht feindlich verschließt, sondern schicksalhaft in sie verstrickt ist, wird man seine Schuld geringer gewichten als die desjenigen, dem die Maßstäbe der Bewertung von vornherein klar waren. Die Gewalttat eines gerade erst eingereisten kurdischen oder pakistanischen Asylbewerbers wird man, wenn er die »Ehre« seiner Töchter so verteidigt, wie er es gelernt hat, vermutlich anders beurteilen als die Wut eines seit zwanzig Jahren in die hiesige Lebenswelt integrierten Spätaussiedlers.

    Eine Unterscheidung NACH DEM EINZELFALL ist Gebot unserer Verfassung und ständige Praxis der Gerichte. Sie ist kein Privileg bestimmter Bevölkerungsgruppen. Sie wird von hier geborenen Beschuldigten, deren Besonderheiten oft viel weniger gravierend sind, regelmäßig reklamiert und von den Gerichten auch anerkannt, beispielsweise wenn der Täter vom Opfer vorher massiv provoziert wurde.

    Es geht also nicht um die Privilegierung oder die Unterdrückung von Systemen der Weltanschauung, sondern um die Anerkennung unseres Rechtssystems als Basis eines freien, gleichberechtigten Lebens.

    Wer die Ansicht vertritt, in Deutschland werde zu Unrecht ein Straf-»Rabatt« für Rückständigkeit und Verbohrtheit gewährt, sei an die lustigen Geschichten aus dem Königlich-Bayerischen Amtsgericht erinnert oder aus anderen Milieus kleinwinklig-störrischen Andersseins. Mit etwas Anstrengung wird er im Bauern Alois und in seiner Zenzi die rauen, aber zarten Seelen des Bauern Yildiz und seiner Ayşe erkennen.

    Und mit etwas gutem Willen.

    • Sorry, anscheinend leben Sie auf einem anderen unbekannten Planeten.Gibt es ausser Ihnen dort noch andere Sozialpädagogen , die vor längerer Zeit aufgehört haben ihre Umwelt wahrzunehmen?

    • „Mit etwas gutem Willen“

      Wenn es das mal wäre! Der Wille ist 1,2 Kg schwer und hat ein 9-Schuss Magazin. Und die netten, von Naivität triefenden Geschichten aus dem 18 Jh. sollten Sie den Hinterbliebenen der in Kaltenmoor vom Ehemann getöteten Frau und deren Freundin erzählen. Die haben sicher volles Verständniss für eine andere Tradition, Kultur und Einstellung, die sie hier vehement verteidigen.

  8. Herr Wüstenhagen, für Schuhe ist meine Frau zuständig. Sie wissen doch bestimmt, Frauen und Schuhe sind eine Einheit. Was Herrn Hebsen angeht, er hat auch nicht mehr als eine Meinung. Die darf er haben. Meistens ist es ja so: am Ende wusste man es immer schon vorher besser. Das Königlich-Bayerische Amtsgericht habe ich immer gern gesehen. Das Kleinbürgertum ist heutzutage nur noch kleiner geworden. Dafür sorgt die Vertretung des Bürgertums heute selbst. Die Anonymität ist dabei sehr behilflich. Ich empfehle das Verurteilen hier wegzulassen , Gegenargumente reichen völlig aus.

    • Blablabla. War aber höchst amüsant mitansehen zu dürfen, wie Sie bei “ rechthaberischer Oberschwadroneur“ sofort aufgezeigt und „Ich, ich, ich !!“ ins Forum gerufen haben. Eine zutreffende Selbsteinschätzung scheinen Sie sich bewahrt zu haben. Frohe Ostern noch !

      • sie träumen ja schon wieder. werden sie mal wach. mit wir argumentiere ich nicht, dass tun nur sie . was das ich angeht, dieses funktioniert nur, wenn man hier nicht anonym reingeht. die wenigsten trauen sich dazu. warum eigentlich? angst vor der eigenen courage? ihr bla bla ist doch sehr einseitig, finden sie nicht? frohe ostern wünsche ich ihnen auch. p.s. lesen und verstehen scheint bei ihnen zumindest hier oft zweierlei zu sein. könnte hebsen und anonymus verwandt sein?

      • Anonymus, bei Ihnen ist jeder Kommentar witzlos. Sie verstehen nur das, was Sie verstehen wollen. Sie sollten es lassen. Es ist reine Zeitverschwendung. Wenn Sie beim Eier suchen fündig geworden sind, können Sie ja dann es in Zukunft mit ihrem echten Namen versuchen.

    • Dass der Wolf unter Lüneburgern viel häufiger auf Abneigung trifft als Luchs und Wildkatze, belegte kürzlich eine Umfrage des Bundesamtes für Naturschutz. War da nicht etwas mit Rotkäppchen? Doch Wölfe, da sind sich die Fachleute sicher, haben es nicht auf Menschen abgesehen. Sie gehen Joggern, Wanderern und Pilzsuchern möglichst aus dem Weg. Selbst die Wissenschaftler erhaschen nur selten einen Blick auf ihr Forschungsobjekt, meist müssen sie sich mit Spurenlesen begnügen.

      Die sieben Geißlein fürchteten sich dagegen zu Recht. Bei günstiger Gelegenheit vergreifen sich Wölfe durchaus mal an Ziegen oder Schafen. Wo diese Gefahr droht, erhalten Schäfer deshalb finanzielle Zuschüsse für schützende Elektrozäune oder spezielle Hütehunde. Wenn sich der Wolf trotzdem ein Schaf holt, gibt es Entschädigungszahlungen. Gewöhnlich sucht er sich allerdings Wildtiere als Beute, mit Vorliebe Rehe, aber auch junge Hirsche und Wildschweine. Manche Jäger sind darüber so erbost, dass sie diese gesetzlich streng geschützte Tierart nicht in ihrem Jagdrevier dulden wollen. Zumal sie damit rechnen müssen, dass das Wild wachsamer wird, wo auch der Wolf auf die Pirsch geht. Doch selbst wenn bisweilen einer illegal getötet wird oder auf einer Straße unter die Räder kommt – langfristig wird sich der Wolf weiter in Deutschland ausbreiten.

      Quantitativ abschätzen lässt sich der künftige Zuwachs nicht so leicht. Die verschiedenen Prognosen stimmen aber darin überein, dass der Osten und Nordosten am meisten Platz für Wölfe bieten. Einige Mittelgebirge – vom Harz bis zum Schwarzwald – dürften ebenfalls als Lebensraum taugen. Für völlig untauglich halten die meisten Forscher dicht besiedelte Regionen wie das Ruhrgebiet oder das Umland von Dachtmissen. Dass mal ein einsamer Wolf auf Wanderschaft vorbeikommt, scheint freilich auch dort nicht ausgeschlossen.

      Viele Grüße

      Kevin Schnell

      • Zumal sie damit rechnen müssen, dass das Wild wachsamer wird, wo auch der Wolf auf die Pirsch geht.
        tja Herr Schnell, in der Görde hat man es durchgesetzt , dass Hunde ganzjährig an die Leine müssen, weil Jäger festgestellt haben, dort wo Hunde sich frei bewegen, wird das Wild nachtaktiv und somit reicht das Büchsenlicht zum abschießen nicht mehr aus. Und was das Umland von Dachtmissen angeht, ich dachte immer, da gibt es genügend Esel.

  9. Klaus und Kevin

    gut beobachtet. Dass da eine Wahlverwandtschaft unter Wolf- und Ausländerfeinden herrscht, ist mir auch schon aufgefallen. Interessanter Weise sind es in beiden Themenbereichen immer dieselben Autoren, die den Teufel, der ja eigentlich im Detail steckt, hier wie dort mit plumpem Pauschalpinsel an die Wand malen.

    Ob das daran liegt, dass der Wolf über Polen nach Deutschland eingewandert ist und die touristische Infrastruktur in Lüneburgs Parks und Wäldern nutzt, ohne die Bettensteuer zu entrichten?

  10. In der Karwoche und über Ostern hat sich bei LZ-Online und auf der LZ-Facebook-Seite die blind tobende Wut und die bösartig zündelnde Scharfmacherei anlässlich von Berichten über den Prozess wegen der Schießerei am Klinikum Bahn gebrochen. Zur gleichen Zeit wurde auf den einschlägigen Facebook-Seiten wie Pegida oder anderen rechten Gruppierungen der Brandanschlag von Samstagnacht in Tröglitz kommentiert. Ein nicht enden wollendes Stroboskopgewitter der dauerverachtenden Fremdenfeindlichkeit hier wie dort. „Scheiß Asylbetrüger“ und „Dreckspack“ sind bloß die gängigsten gemeinen Beleidigungen, die ungelöscht stehen blieben. Bedauern, dass zum Zeitpunkt des Feuers noch keine Flüchtlinge im Heim waren, 120 Likes. Dieser Hass, dieser unfassbare Hass. In Dimensionen, die frühere Hasswellen klein erscheinen lassen. Wir Internet-People haben jahrelang gefordert, dass endlich alle ins Netz kommen sollen. Aber jetzt sind sie da.

    Erst seit sehr kurzer Zeit, seit vielleicht drei, vier Jahren, sind soziale Medien so verbreitet, dass man von der Bevölkerung im Netz sprechen kann. Deshalb wäre es zu leicht, einen digitalen Mob auszumachen, ein Randphänomen des Netzes, verwirrte oder hasserfüllte Internet-Kommentatoren.“Ich dachte, wir wären weiter“, schrieb Anja Maier 2013 in der „taz“ (http://www.taz.de/Kolumne-Zumutung/!128660/), als sie voll Ekel die Reaktionen ihres Brandenburger Städtchens auf ein geplantes Flüchtlingsheim im Netz betrachten musste. Das könnte das Motto der digitalen Ernüchterung sein, die leider keine digitale ist. Sondern die bittere Erkenntnis, dass Teile der Gesellschaft spontan bereit sind, jede Menschlichkeit fahren zu lassen. Und es sind große Teile, vielleicht sogar – aus der Mitte der Gesellschaft.

    Denn ebenfalls gerade eben, zu Ostern 2015 veröffentlichte die Universität Leipzig eine Untersuchung mit dem Titel „Mitte“ zur gruppenbezogenen Diskriminierung und zum Antisemitismus der Deutschen. In der Zusammenfassung heißt es: „Jeder fünfte Deutsche ist noch immer ausländerfeindlich.“ (http://research.uni-leipzig.de/kredo/Mitte_Leipzig_Internet.pdf) Solche Forschungen gibt es seit Jahren, aber die fast durchweg erschütternden Ergebnisse waren zu abstrakt, um ihre Wirkung erspüren zu können. Die ist jetzt direkt digital erlebbar, wo das Fünftel bei der Drohung, dass der Brand erst der Anfang sei, in Massen auf „Like“ klickt. Das Internet hält Deutschland einen Spiegel vor, das Netz zeigt schonungslos, wie dünn der Firnis Zivilisation ist. Und offenbar immer war. Es zeigt uns, dass wir jeden Tag in der Fußgängerzone Leuten begegnen, die Monstrositäten von sich geben.

    Die Erschütterung über den Hass im Netz ist eigentlich die Erschütterung über den undigitalen Hass in den Köpfen. Das Internet hat eine Illusion über die Gesellschaft zerstört: Dass die Unmenschlichkeit im Verborgenen blühte, wurde bequemerweise als Abwesenheit der Unmenschlichkeit interpretiert. Der Hass, der schon lange zum Beispiel bei feministischen Themen ausgekübelt wird, muss im Nachhinein als Avantgarde der Abscheulichkeit begriffen werden: Die ersten Ausläufer der menschenfeindlichen Hasswelle, mit der ein giftiger Teil der Bevölkerung zeigt, dass er eine zivilisatorische Bad Bank ist.

    Zum einen wäre herauszufinden, wie genau die Schwelle aussieht, bei der aus widerwärtigen Leuten gefährliche werden. Ob und wie hasserfüllte Worte im Netz zu Taten gerinnen. Wo sich also ein Endsatz in verbrecherische Realität verwandelt.

    Zum anderen das Zerplatzen der Illusion – „Ich dachte, wir wären weiter“ – ins Produktive zu wenden und als Motivation zu betrachten. Nicht aufgeben, sich die sozialen Segnungen des Netzes nicht verseuchen lassen. Nicht angesichts der Hassmassen passen, sondern weitermachen, Endsätzen widersprechen, Grenzen setzen, kämpfen gegen den beschämenden Hass.

    Und das aber, Überraschung, nicht nur bei denen dort draußen. Der Sachsen-Anhaltinische Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte: „Tröglitz ist überall.“ Er hat Recht, nicht nur örtlich. In jedem lauert die Unmenschlichkeit. Zivilisation ist nichts, als sie jeden verdammten Tag aufs Neue zurückzudrängen.

    Für ihren Mut, sich in diesem Forum in jenem Sinn „zivilisierend“ zu äußern und sich den Gewalt schürenden, ganze Bevölkerungsteile in Bausch und Bogen herabsetzenden Scheinargumenten wütender Inhumanität entgegenzustellen, danke ich Hans-Herbert Jenckel, Katja Fricke, Klaus Bruns, Teja Fischer, Gunda Schneider, Georg Wüstenhagen und Thomas Fischer.

    Berthold Langmann

    • Heinz Rümmler

      Vielen Dank, Herr Langmann, ich stimme Ihnen zu.

      Bei Ihrer Überschrift, „Hetzmeute“, musste ich an den Literaturnobelpreisträger von 1981, Canetti, denken. Er hat geschrieben:

      “Ein gewichtiger Grund für das rapide Anwachsen der Hetzmasse ist die Gefahrlosigkeit des Unternehmens. Es ist gefahrlos, denn die Überlegenheit der Masse ist enorm. Das Opfer kann ihnen nichts anhaben. (…)

      Die Hetzmasse ist sehr alt, sie geht auf die ursprünglichste dynamische Einzelheit zurück, die unter Menschen bekannt ist, die Jagdmeute. (…) Alle Formen der öffentlichen Hinrichtung hängen an der alten Übung des Zusammen-Tötens. Der wahre Henker ist die Masse….(…)

      Auch heute nimmt jeder an öffentlichen Hinrichtungen teil, durch die Zeitung. Man hat es nur, wie alles, viel bequemer. Man sitzt in Ruhe bei sich und kann unter hundert Einzelheiten bei denen verweilen, die einen besonders erregen. Man akklamiert erst, wenn alles vorüber ist, nicht die leiseste Spur von Mitschuld trübt den Genuß. Man ist für nichts verantwortlich, nicht fürs Urteil, nicht für den Augenzeugen, nicht für seinen Bericht und auch nicht für die Zeitung, die den Bericht gedruckt hat. (…)

      Im Publikum der Zeitungsleser hat sich eine gemilderte, aber durch ihre Distanz von den Ereignissen um so verantwortungslosere Hetzmasse am Leben erhalten, man wäre versucht zu sagen, ihre verächtlichste und stabilste Form.”

      Was würde Elias Canetti (1905-1994) wohl zum Internet sagen? Die obigen Zitate stammen aus seinem Werk “Masse und Macht” (erschienen 1960), das zur Pflichtlektüre mündiger Bürger gehören sollte.

      • @ Heinz Rümmler & Berthold Langmann:

        Ich muss wirklich sagen, das es mich immer wieder erschüttert, wie Täter die vor Kliniken mit Schusswaffen den Tod von Menschen in Kauf nehmen dargestellt werden und wie belanglos die brutalen Taten ,wie die 2 Morde an Frauen (beides in LG) elegant übergangen und die Täter als „Opfer der bösen rechten Gesellschaft“ bezeichnet werden. Hut ab! Das Ablenkungsmanöver von brutaler Gewalt zum völlig falsch denkenden und handelnden deutschstämmigen Bürger ,ist gelungen. Nur nicht bei denkenden und intelligenten Menschen. Die können nämlich einen freundlichen und integrierten Migranten von Schwerkriminellen unterscheiden und werden sicher auch nach Ihrer sehr einseitigen Analyse der Situation, dem Versuch den Pawlowschen Reflex beim Leser auszulösen, nicht erliegen.

        • sie schreiben stuss. tote kann keiner wegdiskutieren. aber übertreiben kann jeder. wissen sie eigentlich, wie viel gewalt es in deutschen ehen gibt? mord ist da nicht ausgeschlossen. wo wollen sie eigentlich die bio-deutschen schwerkriminellen nazis hinschicken? nach tonga?

  11. Andre Hebsen, ich weiß worauf sie hinaus wollen. gutmenschen sind für sie ein greuel. das liegt daran, sie wissen nicht was gut ist. wie sind wir wohl aus den höhlen herausgekommen? obwohl wir alle ,,nur,, afrikaner sind,sogar die arier. ich war schon bei türken zu gast, da waren die bei uns als menschen dritter klasse angesehen. italiener waren zu der zeit für mich viel gefährlicher. sie brauchten nur eine italienerin zum tanz auffordern, schon standen gleich drei jünglinge auf. sie waren mit dem messer schnell zur hand. und heute geht man gern zum italiener eis essen.dumme menschen demonstrieren gern gegen ausländer um danach eine pizza , oder gyros ,oder süß sauer zu essen. schwerkriminelle sind leicht zu unterscheiden. mir ist es egal, welche muttersprache dieser spricht. er gehört bestraft. und genau dieses geschieht bei uns. dafür brauchen wir den rechten rand der gesellschaft nicht.

    • Helmut Müller

      Bravo Klaus! Niemand von denen, die Langmann für ihren Mut gelobt und bei denen er sich bedankt hat, hat „Täter, die vor Kliniken mit Schusswaffen den Tod von Menschen in Kauf nehmen“ verharmlost oder „brutale Taten ,wie die 2 Morde an Frauen“ als „belanglos übergangen“. Das Gegenteil ist der Fall. Verbrechen sind Verbrechen und müssen ohne Ansehen der Person nach Maßgabe geltender Gesetze von den dafür zuständigen Instanzen aufgeklärt und geahndet werden. In den Worten von Gunda Schneider: Dem Strafrecht geht es „darum, die Gesellschaft vor Wiederholungen zu schützen; und darum, klarzustellen, dass gesetzliche Verbote nicht unverbindliche Vorschläge sind, sondern Essentialia des Zusammenlebens, UND DAS SIE DURCHGESETZT WERDEN.“

      ABER, in den Worten von Bundesrichter Thomas Fischer: „Eine Unterscheidung NACH DEM EINZELFALL ist Gebot unserer Verfassung und ständige Praxis der Gerichte. Sie ist kein Privileg bestimmter Bevölkerungsgruppen.“

      Was Hebsen, der selbsternannte Lautsprecher der pauschalen ethnischen Diskriminierung, nicht akzeptieren will, ist das aus den Sätzen „Sokrates ist ein Mörder“ und „Sokrates ist Adendorfer“ NICHT folgt: „Adendorfer sind Mörder“. Nach dem gleichen Muster unterstellt Hebsen, dass die von Langmann genannten anonymen Hetzer mit dem „völlig falsch denkenden und handelnden deutschstämmigen Bürger“ AN Sich und GENERELL gleich gesetzt wurden. Er braucht diese nur von ihm behauptete Gleichsetzung, weil er sich nur so als Stimme einer vermeintlichen Majorität aufspielen kann, wo er doch allenfalls (aber von wem eigentlich ernannt?) die Stimme der fremdenfeindlichen zwanzig Prozent ist, also die Stimme des unbelehrbaren Dumpfsinns, den ER mit „DER“ Gesellschaft verwechselt.

      Zum Übrigen noch einmal Gunda Schneider: „Dass sich das Rechtsempfinden der Bevölkerung in Strafurteilen nicht immer wieder findet, kommt gelegentlich vor. Allerdings ist das sogenannte Rechtsbewusstsein der Bevölkerung ein schillerndes Wesen. Für sich selbst und seine Lieben möchte jeder Bürger eine möglichst umfassende Beurteilung gerade seines Einzelfalls. Geht es um Dritte, will er Härte und Gnadenlosigkeit, in der Hoffnung, dass dies seine eigene Sicherheit steigert. Das Strafrecht aber muss die Mitte finden.

      Gewiss gibt es kein Strafrecht ohne Moral. Aber es gibt natürlich auch kein Strafrecht der Moral. Wenn man Moral eins zu eins in Recht übersetzt, kommt eine totalitäre Ordnung heraus. Es ist die Aufgabe des Rechtsstaats, aus der Moral einen rationalen Kernbestand von Regeln zu filtern, der eine handlungsleitende und gesellschaftsstabilisierende Funktion erfüllen kann.

      Gnade uns Gott, wenn keifende Eiferer wie Andre Hebsen einmal zu Entscheidungsbefugnissen gelangen!“

  12. Das Feuer in Tröglitz ist gelöscht. Im Zuge dieses spektakulären Falls erfahren die Uninteressierteren unter uns, dass sich die Angriffe auf Flüchtlingseinrichtungen häufen, ein paar Leit- oder Nicht-Leitartikel werden geschrieben, ich quatsche jetzt auch noch ein bisschen herum, die Polizeikontrollen werden verstärkt. Die Sache ist klar: Es waren die Nazis. Die Deppen. Wenden wir uns wieder der Welt zu.

    Die Welt. Was hat sie denn heute auf Lager? Die US-Regierung sendet Flugzeuge in den Jemen, was wohl nicht mit der Meeresenge dort zu tun hat, nein, sicher nicht, nach Nigeria werden keine Flugzeuge geschickt. Was macht eigentlich Assad, was ist in der Ukraine los, wo lagert eigentlich das Geld russischer Oligarchen? Wie hängt das alles zusammen?

    Verstehen wir nicht.

    Versteht keiner.

    Die Welt, geben wir es doch einfach zu, ist unbegreiflich geworden, und das nicht nur für mittelprächtige Gehirne wie meines oder Ihres – auch im Silicon Valley, wo die im Moment vermutlich klügsten Anarchisten an transhumanen Experimenten sitzen, hat keiner eine Ahnung.

    Die Welt mittels Facebook und WhatsApp zu beherrschen, bedeutet eben nur, genau einen Aspekt der Welt mit Facebook und WhatsApp zu beherrschen. Die Sache ist aus dem Ruder gelaufen. Schließen wir den Laptop, atmen tief durch und freuen uns, dass wir leben. Hoffen wir, dass dieser Zustand noch eine Weile anhält – bei all den Pflastern, die gerade überall auf die Wunden der Welt geklebt werden, die so sicher nicht heilen.

    Vergessen wir die abstoßende Eigenschaft von Politikern – im aktuellen Fall: von rechtsradikalen Politikern -, sich die Ratlosigkeit vieler zunutze zu machen. Was bleibt, ist die Realität: Es werden bis zu einer halben Million Flüchtlinge in Deutschland erwartet. Im Moment. Sieht man sich Bilder aus Syrien an, kann man nicht anders, als den Menschen von dort die Tür zu öffnen, die Betten aufzuschütteln. Sonst ist man eine Maschine.

    Die demokratisch gewählten Volksvertreter appellieren an das Mitgefühl, reden von Geldmitteln, die bereitgestellt werden – also von Ihnen. Bei der Bevölkerung aber fehlt der große Plan. Den hat keiner. Was passiert mit den Menschen? Kann man mitfühlend helfen und dennoch eine weiterreichende Idee entwickeln, was das mit den Menschen macht, wenn der Krieg vorbei ist – und was, wenn er nie vorbeigeht? Kann man den Gästen und der bereits ansässigen Bevölkerung die Basis für ein gutes Zusammenleben bieten?

    Überfordert ist jeder. Auch die Regierung, in der Leute sitzen, deren Gehirne unseren vermutlich nicht wesentlich an Brillanz überlegen sind. Aber: Sie werden dafür bezahlt, so etwas wie eine Gruppenintelligenz herzustellen.

    Es wäre die Aufgabe einer Regierung, zumindest so zu tun, als wäre sie nicht hilflos. Sonst übernehmen die Rechtsreaktionäre mit einfachen Lösungen wie: „Alles zurück auf 1940!“ Vermutlich ist die Zeit von Regierungen, die nicht aus Spezialisten bestehen, vorbei. Und vermutlich ist eine neue Idee noch nicht vorhanden – so wie neue Ideen zu fast allen Problemen nicht vorhanden sind, weil Lösungen immer noch nicht global gedacht werden.

    Ich bezweifle, dass Pegida-Mitläufer oder Neonazis die „Lügenpresse“ hier lesen. Falls doch: Behandeln Sie Gäste oder Zugezogene mit Freundlichkeit, denn schon morgen können Sie selbst irgendwo um Hilfe suchen müssen. Es gibt keine Sicherheit mehr. Auf die Opfer der chaotischen Zeit einzuschlagen, ist erbärmlich. Überlegen Sie lieber, wen Sie als Nächstes wählen. Und das kann niemand sein, der einfache Lösungen anbietet.

    • Herbert Reinke

      In Hamburg ist ein 17 jähriger von einem Afghanen mit dem Messer im Schulunterricht erstochen worden.
      Der Tatort ist eine Außenstelle der Nelson-Mandela-Schule im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, in der Flüchtlingskinder unterrichtet werden.

      Wieder der nächste Einzelfall, den es gar nicht gibt!

      • @ Herbert Reinke

        Sie haben recht, Herr Reinke. Ein grauenhafter Einzelfall. Und es gibt ihn. Hier ein anderer grauenhafter Einzelfall, den es auch gibt: Fast zur gleichen Zeit mit dem Mord in Hamburg hat am Dienstag Morgen in Traunstein der Prozess gegen einen 21 Jahre alten Deutschen, einen Bundeswehrsoldaten, begonnen, der im vergangenen Sommer nach dem WM-Finale in Bad Reichenhall einen (deutschen) Rentner erstach und eine junge (deutsche) Frau verletzte. Beiden rammte er ein Messer ins linke Auge.

        Nach den Überfällen am 14. Juli 2014 hatte eine Sonderkommission der Kripo zunächst tagelang keine heiße Spur. Dann wurden in der Kaserne im Spind des Mannes Kleidungsstücke mit Blutspuren der Opfer gefunden. In ganz Europa wurde mit einem Fahndungsfoto nach dem flüchtigen Gebirgsjäger gesucht. In Norwegen schließlich wurde er von der Polizei festgenommen, nachdem er offenbar über Frankfurt nach Oslo geflogen war. Im April 2013 hatte er seinen freiwilligen Militärdienst in Bad Reichenhall angetreten. Nach Angaben der Bundeswehr hatte zuvor nichts auf eine Gewalttätigkeit des Mannes hingewiesen.

        (http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/prozess-zum-mord-in-der-wm-finalnacht-in-bad-reichenhall-13537596.html)

        Was sollen wir Ihrer Meinung nach nun tun? Alle deutschen Soldaten nach Afghanistan abschieben?

  13. Eine Armee von Menschenhassern

    Eine Parallelgeschichte.

    Ist das Logo eines Dachdeckers aus Mainz rassistisch? Kann sein. Viele Äußerungen dazu sind es ganz sicher. Auch diese Debatte legt das Schlechte im Menschen frei:

    Felix Leidecker hält einen Schaumkuss in der Hand und das offenbar für einen guten Witz. Er ist Vorsitzender der Jungen Union in Mainz und Akteur in einer Debatte, von der er selbst sagt, sie sei aus den Fugen geraten. Es geht um die Frage, ob das Logo des Mainzer Dachdeckers Thomas Neger rassistisch ist.

    In einer Situation, in der es schon Morddrohungen gegeben hat, in der hüben wie drüben Menschen aufs übelste beschimpft worden sind, hält es der Politiker Leidecker für eine gute Idee, öffentlich in einen Schaumkuss zu beißen – und den Rest einer johlenden Menge zu überlassen. Er hat sein Profilfoto bei Facebook gegen das mit dem Schaumkuss ausgetauscht. 61 Menschen gefällt das. „Lecker Negerkuss!“, schreiben sie, lassen sich „nichts von der selbsternannten Sprachpolizei vorschreiben“ und wünschen guten Appetit.

    Soll heißen: Unseren Negerkuss lassen wir uns nicht nehmen. Und das Logo von Thomas Neger auch nicht. Das zeigt einen stilisierten Schwarzen mit wulstigen Lippen und großen Ohrringen. Wer fordert, es müsse weg, das ist die Schaumkuss-Botschaft, hat nichts Besseres zu tun.

    Leideckers Foto ist so ungefähr das harmloseste unter den Statements zur Logo-Frage. Es ist weit entfernt von dem ganzen „wir prügeln euch zurück nach Afrika“ oder dem „Gleise sind noch vorhanden“. Es hilft halt nur auch nicht weiter bei der Frage, ob das Logo rassistisch ist oder nicht, ob es weg muss oder bleiben soll. Aber die Frage wird sowieso überbrüllt. Vom Ton der Debatte, vom fehlenden Anstand und, das Schlimmste: von den vielen ganz eindeutig rassistischen und menschenverachtenden Äußerungen.

    Kommen sie von Menschen, die so etwas normalerweise nicht einmal nach dem zwölften Bier krakeelen würden? Das ist das beste anzunehmende Szenario und wahrscheinlich falsch. Vielmehr ist es, als hätte eine Armee von Menschenhassern gelauert, bis ihnen die Gelegenheit zum Angriff günstig erschien.

    Seit Jahren schon kritisieren Studenten in Mainz das Logo von Thomas Neger, Dachdecker, Fastnachter und CDU-Stadtrat. Sie finden, es sei rassistisch, erinnere an die Kolonialzeit, und schwarze Menschen sagen, sie fühlen sich davon diskriminiert. Der Streit eskalierte, als überall in der Stadt Sticker auftauchten, auf denen Thomas Neger als Rassist beschimpft wurde.

    Die Studenten, die sagen, sie haben mit der Sticker-Aktion nichts zu tun, starteten eine Foto-Aktion, 4600 Menschen unterstützen sie bei Facebook. Thomas Neger sagte, das Logo bleibt. Es sei mindestens 60 Jahre alt, damals in Auftrag gegeben von seinem Großvater Ernst, dem singenden Dachdeckermeister.

    Die Unterstützer von Thomas Neger gründeten „Ein Herz für Neger“, und das unterstützen 7800 Menschen bei Facebook. In diversen Umfragen ist eine deutliche Mehrheit für das Logo. Keiner, der sich zu der Sache äußert, ist vor Beschimpfungen gefeit, aber am schlimmsten trifft es die Studenten und andere Logo-Gegner. Sie werden öffentlich im Netz und in privaten Nachrichten mit Hetze, Häme und Morddrohungen überschüttet. „Da wird Hass versprüht“, sagt einer von ihnen, und dass die Studenten-Gruppe jetzt niemanden mehr allein nach Hause gehen lasse. Sonst sagt kaum einer noch etwas. Auch Thomas Neger nicht, der grundsätzlich findet, dass sich niemand von seinem Logo diskriminiert fühlen müsse.

    Es ist eigenartig, dass die Mehrheit offenbar meint, entscheiden zu können, wovon sich eine Minderheit bitteschön diskriminiert fühlen dürfe und wovon nicht. Vielleicht ist es der Schutz dieser Mehrheit, der zu dem offenen Rassismus anstachelt. Der Schutz der Anonymität im Netz ist es, wie so oft, nicht. Denn neben den schlimmsten Aussagen steht der volle Name derer, von denen sie stammen. „Schlimm, dass Schwarze hier überhaupt ihr Maul aufmachen dürfen!“, kommentiert einer auf der „Ein Herz für Neger“-Seite.

    Dort steht auch diese Drohung gegen einen Logo-Gegner: „Es wird mir eine Freude sein Dich persönlich zu hängen! Mit einem Drahtseil an einem Fleischerhaken. Wie die ganzen Vaterlandsverräter schon früher gerichtet wurden!“ Und auf der Seite der Logo-Gegner, wo die Hetzkommentare regelmäßig gelöscht werden, wurden viele noch expliziter: „Der Tag wird kommen, an dem so Typen wie ihr nicht mehr laufen könnt, weil dann in Deutschland aufgeräumt wird… Gleise sind noch vorhanden.“

    Um die Äußerungen als die Verwirrung weniger abzutun, sind es zu viele. So ist es auch in der Debatte um Tröglitz, so erleben es auch die Journalisten mit irgendwie ausländisch klingenden Namen, die aus dem Hass das Bühnenprogramm „Hate Poetry“ gemacht haben, mit dem sie kürzlich in Wiesbaden und Rüsselsheim auftraten.

    Kann schon sein, dass sich die Menschen im Netz sicher fühlen, wo klar strafbare Worte im Unendlichen der Kommentarspalten nicht verfolgt werden. Aber eigentlich ist die Motivation für den ganzen Hass auch ganz egal: Er ist da, und das ist ein Problem. Die Mainzer Studenten wollen sich davon nicht einschüchtern lassen. Thomas Neger will die Debatte um sein Logo beenden. Bei deren Härte ist das nachvollziehbar, wäre aber das ganz und gar Falsche. Denn Hass und Hetze sind der Beweis dafür, wie weit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit verbreitet sind – und deshalb auch dafür, wie nötig wir die Debatte haben.