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Lüneburger sind schon mit Rücksicht auf die Stadtgeschichte gegen Fracking

blogjj(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ. Er schreibt an dieser Stelle regelmäßig über politische Themen aus Stadt und Landkreis Lüneburg. Der Blog heißt jj, weil das sein Kürzel in der LZ ist.)

 

Lüneburg, 9. April

Müssen wir wirklich das Letzte aus der Erde rausholen? Zum Beispiel Gas, indem wir mit mörderischem Druck ominöse Flüssigkeiten in den Untergrund pressen, Gestein weiten, damit Gas fließt. Fracking heißt die hier ungenau umrissene Methode. Der Bundestag wird sich damit befassen.

Aber ich bin sicher: Kein Abgeordneter aus Lüneburg wird im Bundestag für ein Gesetz stimmen, das Fracking erlaubt. Fraktionszwang hin, Fraktionszwang her. Schließlich ist die Lüneburger Geschichte zugleich Mahnung, dass man dem Untergrund nicht zu viel zumuten darf und dass die Spätfolgen unkalkulierbar sind. Das ist unser Salzerbe.

Lüneburg wurde im Mittelalter unermesslich reich durch Salzförderung. Aber die Stadt leidet bis in die Gegenwart unter diesem Erbe – unerträglich. Die Senkungsschäden, die die längst eingestellte Salzförderung bis heute verursacht, sind gewaltig. Um das exemplarisch zu begreifen, müssen Sie sich nur einmal an die Bastionstraße stellen und auf die ehemalige Mündung der Frommestraße schauen, die hier heute nur noch ein Stummel und keine Straße mehr ist. Sie schauen in einen Abgrund, Sie fühlen sich, als stünden Sie auf einem Schiff, das gerade kentert. Große alte Häuser mussten an der Frommestraße geräumt und abgerissen werden wegen der Senkungsschäden. Die Straße ist heute eine asphaltierte Kuhle. Die Erde hat hier ausgelitten, der Untergrund sackte nach.

Wie armselig und energie-verfressen muss eine Nation sein, die ihren Boden so gnadenlos auslutscht?

Durch wilde Science-Fiction-Blockbuster wird die Angst geschürt, dass mörderische Aliens durch die Galaxien marodieren und nur ein Ziel haben: Die Erde kahl fressen wie im Dreißigjährigen Krieg die Landsknechte. Keine Sorge, die Aliens sind schon vor langer Zeit gelandet. Sie haben zwei Beine, sehen aus wie du und ich und sind längst auch unter Tage gefräßig am Werk.

 Hans-Herbert Jenckel

27 Kommentare

  1. Ominöse Flüssigkeiten

    Beim Hydraulic Fracturing (Fracking) werden in die Bohrung, neben üblicherweise rund 10 Millionen Litern Wasser und Quarzsand, pro Bohrung 3 bis 12 verschiedene Chemikalien (u. a. Biozide) eingepresst, deren Gesamtanteil sich auf 0,5 bis 2 Volumenprozent beläuft. Die großen Frac-Flüssigkeits-Volumina führen dabei auch zu einer entsprechend großen Menge an Chemikalien, die eingesetzt werden. (Also Pro Bohrung zwischen 50.000 und 200.000 Litern reine Chemikalien.) Beispielsweise ergab eine Untersuchung des US-Kongresses, dass in den USA zwischen 2005 und 2009 insgesamt 43 Millionen Liter konzentrierte „Additive“ verwendet wurden.

    Der Hauptbestandteil der hochviskosen, gelbasierten Fracfluide ist meist ein mit sogenannten „Additiven“ vergeltes Wasser. Bei diesen „Additiven“ handelt es sich um toxische beziehungsweise laut der deutschen Gefahrstoffverordnung karzinogene, giftige oder anderweitig gesundheitsschädigende Chemikalien wie Methanol, Isopropanol, Essigsäure, Fumarsäure, Kaliumcarbonat, Borax, Natriumacetat, Natron, Natriumcarbonat, Zitronensäure, Ethylendiamintetraacetat, Natriumhydroxid, Ammoniumchlorid, Polyacrylate und Phosphonate. Die wichtigsten hydrochemischen Biozide bei der petrothermalen Geothermie sind 2,2-Dibrom-3-nitrilpropionamid, Tetrakis(hydroxymethyl)phosphoniumsulfat, Didecyldimethylammoniumchlorid, Tributyltetradecylphosphoniumchlorid, Natriumhypochlorit, Methylisothiazolinon und Chlormethylisothiazolinon.

    Untersuchungen der Universität von Missouri in Columbia ergaben, dass beim Fracking eingesetzte Spülflüssigkeiten in das Grundwasser benachbarter Brunnen gelangten. „Von den eingesetzten Chemikalien waren mehr als 100 bekannte oder vermutete endokrine Disruptoren,“ die das sensible hormonelle Gleichgewicht stören können. Östrogenartig wirkende Substanzen fördern Unfruchtbarkeit und Krebs. An Andockstellen für das männliche Geschlechtshormon Testosteron anlagernde Stoffe können Missbildungen im männlichen Genitaltrakt und Unfruchtbarkeit verursachen.

    Christopher D. Kassotis, Donald E. Tillitt, J. Wade Davis, Annette M. Hormann, Susan C. Nagel: Estrogen and Androgen Receptor Activities of Hydraulic Fracturing Chemicals and Surface and Ground Water in a Drilling-Dense Region. In: Endocrinology. 2013. Seiten 897 bis 907.

    Online: http://press.endocrine.org/doi/full/10.1210/en.2013-1697

  2. Paulina von Essen

    „Aber ich bin sicher: Kein Abgeordneter aus Lüneburg wird im Bundestag für ein Gesetz stimmen, dass Fracking erlaubt.“

    Sie sind sich SICHER ?

    Hier ist ganz eindeutig Ihr Wunsch der Vater Ihrer Gewissheit.

    Frau Lotzes Pressemeldung ist unmissverständlich (http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/226724-lueneburger-abgeordnete-lotze-fracking-muss-gesetzlich-streng-reguliert-werden). Sie wird einem Gesetz, das Fracking „regelt“, es aber nicht verbietet, zustimmen.

    Und Herr Pols wird – wie immer – machen, was Mutti sagt und was Herr Kauder als alternativlos „empfiehlt“.

    Dass die „Argumentationshilfen“ aus den Kommunikationsabteilungen der Energiekonzerne, längst auswendig gelernt wurden, konnte man schon am 23. Februar im Glockenhaus feststellen. Alle MdBs waren anfänglich ABSOLUT gegen Fracking, aber zwei hatten schnell RELATIV klare Bedenken:

    „Pols wünscht sich eine überparteiliche Einigung. Als ein Zuhörer aus dem Publikum nach Gründen fragt, die FÜR Fracking sprechen, erklärt der Christdemokrat: „Es geht ja nicht nur darum, dass unsere Wohnzimmer alle warm sind, sondern es geht auch um die Wirtschaft.” Auch Hiltrud Lotze lenkt ein. Als Sozialdemokratin sei sie verpflichtet, an die Arbeiter zu denken: “95 Prozent des geförderten Erdgases kommen aus Niedersachsen, und da sind 20000 Leute beschäftigt. Ein Ausstieg will also gut geplant sein.” (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/218667-lueneburger-bundestagsabgeordnete-diskutieren-ueber-fracking-gesetz)

    Und an der „grünen Kaderschmiede“ Leuphana ist man schon seit einigen Jahren äußerst „nachhaltig“ bemüht, „Unternehmen“ wie den Energiekonzern ExxonMobil, der mit Fracking „Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten fördern“ möchte, dabei zu beraten, wie man „offene Fragen“ über „umstrittene Technologien“ wie „Fracking“ schon „im Vorfeld möglicher politischer oder rechtlicher Auseinandersetzungen im Rahmen von kommunikativen Verfahren bearbeiten“ bzw. „im Rahmen beteiligungsorientierter und dialogischer Verfahren angemessen austragen und beilegen kann“ und „von welchen Faktoren Erfolg oder Scheitern“ solcher „Kommunikation“ abhängt. (http://www.leuphana.de/ueber-uns/personen/thomas-saretzki/vortraege.html und http://www.leuphana.de/konferenzwoche-2013/programm/veranstaltungstexte/vom-pferde-zum-gasland-fracking-in-niedersachsen.html)

    Mit anderen Worten: Nicht die wissenschaftliche Analyse der Risiken der Fracking-Technologie ist das Thema an unserer „Universität“ (Wie auch, an einer Hochschule ohne naturwissenschaftliche Kompetenzen?), sondern die Frage, wie man den Bürgern und Menschen diese risikoreiche Technologie „verkaufen“ und „schmackhaft“ machen kann.

    Wie lange wird es wohl dauern, bis „die Stimme des Volkes“ in Gestalt irgend eines eifernden „Andre Hebsen“ sich meldet und verkündet: „Solange ausgeschlossen ist, dass MEIN Trink- und Badewasser vergiftet ist und MEIN Haus zusammenstürzt, bin ich für wirtschaftliche ‚Vernunft‘ und niedrige Heizkosten“ ?

    • Toller Kommentar, danke !

    • Steffen Gärtner

      Herr Pols hat sich schon bei anderen Abstimmungen nicht dem Fraktionszwang unterworfen und eigene Position gezeigt! Siehe zum Beispiel Rente mit 63. Also, kein gefährliches Halbwissen verbreiten sondern vorher mal recherchieren!

      • An Bürgermeister Steffen Gärtner

        Na, sehr schön, Herr Gärtner, das war ein SPD-Projekt, da gehörte zur „Abstimmungs“-Inszenierung, dass ein paar Unionisten die „Bauchschmerzen“ ihrer Partei in Richtung CDU-Wähler darstellen, und vom vereinbarten Koalitionsvotum abweichen — aber nur so viele, dass es „ein Zeichen“ ans Klientel bleibt, doch das gewollte Ergebnis nicht in Gefahr gerät. In dem Zusammenhang war das „Verhalten“ – oder besser: die Rolle – von Herrn Pols also eine erwünschte PR-Maßnahme der „Parteikommunikation“.

        Sie sprechen von „anderen Abstimmungen“ (Plural). Welche von der Fraktionsmehrheit abweichende Voten gab es noch?

        Und dann: Hier und heute klar zu einer Überlebensfrage, wie Frau Michels-Honrichsen ganz zutreffend schreibt, Stellung zu nehmen, ist doch etwas ganz anderes. Zum Thema Fracking und zum gerade beschlossenen Fracking-Gesetzentwurf hört man von Eckhard Pols, dem stellvertretenden Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und im parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung, gar nichts. Warum?

        Auch, was der seit Konrad Adenauers Zeiten jüngste Bürgermeister von Südergellersen zu diesem Thema zu sagen hat, wäre für seine jetzigen und künftigen Wähler nicht ohne Interesse. Statt unausgegorenes Viertelwissen über die angebliche „Verbreitung“ von vermeintlich „gefährlichem Halbwissen“ zu lancieren, fassen Sie sich doch bitte mal ein Herz und sagen SIE etwas zu den von Hans-Herbert Jenckel aufgeworfenen Fragen.

        Oder beantworten Sie die von Frau Michels-Honrichsen, die ja bestimmt NICHT NUR an Frau Dr. Verlinden gerichtet waren:

        „Was halten Sie von Herrn Jenckels Bedenken?

        Überzeugt Sie seine Argumentation mit Hinweisen auf die historischen Erfahrungen der Salzstadt?

        Sind auch Sie sich sicher: “Kein Abgeordneter aus Lüneburg wird im Bundestag für ein Gesetz stimmen, dass Fracking erlaubt.”

        Glauben Sie an seismische Ereignisse (vulgo: Erdbeben oder tektonische Bewegungen wie Erdschlipf, Sackung, Rotationsrutschung, Murgang), die auf “Frackjobs” im eigentlichen Sinne zurückgehen?

        Wie stellt sich für Sie die “Güterabwägung” zwischen den Aspekten der Wirtschaftlichkeit, der geostrategischen Bedeutung, den energiepolitischen und technologischen Anschlusszwängen, den gesundheitlichen Risiken und den potentiellen Umweltschäden und Gefahren dar?“

        Als ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Südergellersen und als Kreisvorsitzender „der größten und aktivsten jugendpolitischen Organisation im Landkreis Lüneburg“, die sich „sowohl mit kommunalpolitischen als auch landes- und bundespolitischen Themen“ beschäftigt, sollten SIE in dieser wichtigen Angelegenheit KONKRET „Position beziehen“ und zeigen, wie Sie sich dafür „engagieren“, „dass die Stimme der jungen Generation im Zuge des demografischen Wandels NICHT an Bedeutung verliert“.

        Bitte: Was sagen SIE zu „Fracking“? Und wie lauten IHRE Gründe?

        Nur Mut, Herr Gärtner, ich bin gespannt.

        Mit Grüßen: Lena Bergmann

  3. Hallo Frau Dr. Verlinden

    Jetzt wäre die Gelegenheit, Ihr Versprechen vom 8. März 2015 um 21:45 Uhr wahrzumachen und „im blog.jj mal etwas über ein konkretes (energie-)politisches Thema“ zu schreiben, d. h. im Hinblick auf eine Überlebensfrage klar und unmissverständlich Stellung zu beziehen (http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/220147-220147#comment-39419)

    Was halten Sie von Herrn Jenckels Bedenken?

    Überzeugt Sie seine Argumentation mit Hinweisen auf die historischen Erfahrungen der Salzstadt?

    Sind auch Sie sich sicher: „Kein Abgeordneter aus Lüneburg wird im Bundestag für ein Gesetz stimmen, dass Fracking erlaubt.”

    Glauben Sie an seismische Ereignisse (vulgo: Erdbeben oder tektonische Bewegungen wie Erdschlipf, Sackung, Rotationsrutschung, Murgang), die auf „Frackjobs“ im eigentlichen Sinne zurückgehen?

    Wie stellt sich für Sie die „Güterabwägung“ zwischen den Aspekten der Wirtschaftlichkeit, der geostrategischen Bedeutung, den energiepolitischen und technologischen Anschlusszwängen, den gesundheitlichen Risiken und den potentiellen Umweltschäden und Gefahren dar?

    Kennen Sie den Film „Promised Land“? Es handelt sich um ein leicht kitschiges Stück US-amerikanischer Sozialromantik aus dem Jahr 2012, welches das Dilemma zwischen Energieautonomie und Umweltrisiko aber sehr gut schildert (Braucht der Lüneburger Landwirt Geld, lockt der amerikanische Energieriese mit dem Reibach). Die Vorlage zum Drehbuch stammt von Dave Eggers (Autor von „The Circle“). Meinen Sie, man sollte dieses „Fracking-Drama“ mit Matt Damon in der Hauptrolle vor der nächsten Plenarsitzung im Bundestag einmal alle Abgeordneten gemeinsam anschauen lassen?

    Auf Ihre Antworten bin ich (aber ganz sicher nicht ich alleine) sehr gespannt.

    Mit herzlichen Grüßen

    Ihre Marlies Michels-Honrichsen

    • @ Hallo Frau Dr. Verlinden

      Liebe, sehr verehrte Frau Michels-Honrichsen,

      zu Ihrer Information: am 01.04.2015 hat Frau Dr. Julia Verlinden sehr klar Stellung bezogen. Unter der Überschrift „Bundesregierung schafft Einfallstor für Fracking“ erklärte die energiepolitische Sprecherin der Grünen zum Beschluss des Bundeskabinetts vom 1. April 2015 über die lange erwarteten Regulierungsentwürfe von Fracking:

      „Die Bundesregierung knickt vor der mächtigen Erdgas- und Bergbaulobby ein. Mit den vorgesehenen Regelungen schafft die Regierung ein Einfallstor für die Risiko-Technologie Fracking. Von dem von Hendricks angekündigten Moratorium kann mit diesem Kabinettsbeschluss endgültig keine Rede mehr sein.

      Die Bundesregierung untergräbt ihr eigenes Versprechen, dem Schutz von Gesundheit und Trinkwasser höchste Priorität einzuräumen. Selbst in den Reihen der Regierungsfraktionen regt sich berechtigter Widerstand gegen dieses Fracking-Erlaubnis-Gesetz.

      Der Pro-Fracking-Kurs der Bundesregierung führt energie- und klimapolitisch in die Sackgasse. Das geplante Fracking-Gesetz eröffnet neue Möglichkeiten, noch die letzten Reste von klimaschädlichen Brennstoffen aus dem Boden zu pressen. Statt auf das riskante Fracking zu setzen, müssen wir endlich mehr in Energieeffizienz und Erneuerbare Energien investieren. Nur so machen wir uns unabhängig von teuren Energieimporten und fit für die klimaverträgliche Energieversorgung der Zukunft.

      Wir fordern Ministerin Hendricks und Minister Gabriel auf, die Bedenken der Bevölkerung und die Risiken des Fracking ernst zu nehmen. Fracking für Erdgas und Erdöl sollte im Bergrecht und im Wasserrecht ausnahmslos ausgeschlossen werden.“

      Link: http://julia-verlinden.de/detail/article/bundesregierung_auf_pro_fracking_kurs/?cHash=56cc9e439d92d4bd89df1f6e06b3efda

      Ich finde, das ist im Vergleich zu dem verquasten, an der SPD-internen Sprachverschleierung festhaltenden Herumgeeiere von Frau Lotze, die nicht eingestehen will, dass Sie für ein Verbot NICHT votieren darf und darum auch nicht dafür votieren wird, und erst Recht im Vergleich zu dem beredten Schweigen unseres gespenstisch blassen „Eckhard ohne Land“, dem noch immer nicht eingefallen ist, wie er seine Pro-Fracking-„Fraktionsdisziplin“ wiederwahlverträglich beschönigen könnte, schon eine beachtlich entschiedene Festlegung.

      Mit freundlichen Grüßen

      Tobias Günther

      • Lieber Herr Günther

        Alles, was Frau Dr. Verlinden zum Thema Fracking geschrieben und vorgetragen hat, ist mir persönlich bestens bekannt. Da ich jedoch nicht annehme, dass dies bei sehr vielen Lüneburgern der Fall ist, würde ich mir wünschen, sie nutzte die Gelegenheit und legte ihre Position und ihre Gründe auch in diesem viel gelesenen Forum einmal knapp und pointiert dar.

        Mit Dank und herzlichen Grüßen

        Marlies Michels-Honrichsen

    • Ich freue mich sehr über die lebhafte Debatte hier zu diesem wichtigen Thema. Es ist eine ganz zentrale energie- und umweltpolitische Frage, die diskutiert wird.

      Liebe Frau Marlies Michels-Honrichsen, gerne beantworte ich Ihre Fragen:
      Ich selbst werde keinem „Fracking-Erlaubnis-Gesetz“ zustimmen und ich appelliere auch an die anderen Bundestagsabgeordneten aus SPD und CDU, sich klar gegen Fracking auszusprechen (vgl. meine PM dazu, abgedruckt in der LZ am 17. März 2015).
      Ja, „Seismische Ereignisse“ gehören zu den Risiken des Frackings, zahlreiche weitere Risiken wurden in diesem Forum bereits angesprochen.

      Die vermeintlichen (!) Argumente der Erdgas- und Erdöl-Industrie für Fracking sind aus meiner Sicht alle zu hinterfragen, tlw. leicht zu widerlegen: Allein von der Menge her wird es keine Versorgungssicherheit durch „heimisches Erdgas“ geben können. Unabhängigkeit von Importen fossiler Energierohstoffe können wir statt dessen durch Energiesparen und erneuerbare Energiequellen erreichen. Das ist auf Dauer kostengünstiger, schafft regionale Wertschöpfung, ist sicherheitspolitisch klüger und insgesamt nachhaltiger. Für diesen Weg einer echten Energiewende braucht es aber klaren politischen Willen von den Verantwortlichen. Den sehe ich bei der schwarz-roten Bundesregierung derzeit leider nicht.

      Einige Energie-Unternehmen und vor allem viele Bürgerinnen und Bürger haben die Zeichen der Zeit erkannt und gehen den Weg der Energiewende mit, investieren in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz und beteiligen sich auch auf andere vielfältige Art und Weise am Wandel. Leider lobbyieren aber immer noch viel zu viele Unternehmen dafür, dass alles so bleiben möge, wie es bisher war, nämlich, dass Kosten von Umweltschäden auf die kommenden Generationen abgewälzt werden. Das dürfen wir nicht zulassen!

      Wenn wir den Klima- und Umweltschutz ernst nehmen, gibt es keine Alternative zur umfassenden Energiewende. Wir müssen den größten Teil der fossilen Rohstoffe in der Erde lassen, dürfen diese nicht verbrennen und damit das Klima weiter anheizen – deswegen wäre es auch perspektivisch ein fatales Signal, auf eine Fracking-Technik zu setzen, die das fossile Zeitalter unnötig verlängert. Wir haben doch bereits so viel bessere Alternativen!

      Den Film „Promised Land“ habe ich damals im Kino gesehen. Statt Flächen für Fracking freizugeben, sollte man diese lieber für die nachhaltige Nutzung von Erneuerbare Energien verwenden. Viele Landwirte sind inzwischen „Energie-Wirte“ – z.B. indem sie Windstrom erzeugen und die Fläche darunter weiterhin für Anbau von Nahrungsmitteln nutzen können. Meine oberste Priorität ist es, Energie – und damit auch Kosten – einzusparen. Gerade im Bereich Wärme (z.B. Raumheizungen) gibt es noch große Potentiale.

      Mehr Informationen zu meiner Arbeit gegen Fracking finden Interessierte auch auf meiner Homepage: http://julia-verlinden.de/meine-themen/fracking/

      Viele Grüße, Julia Verlinden (grüne Bundestagsabgeordnete aus Lüneburg)

      • @ Julia Verlinden

        Auf einen wichtigen, hier bisher unberücksichtigten Aspekt hat ein Herr, vermutlich ein Robert Harris- oder Paul Lawrence-Freund mit dem Künstlernamen „Otto Pewold“ heute, am 13. April 2015 um 21:40 Uhr an anderer Stelle bei LZ-Online aufmerksam gemacht:

        »Da ist häufig der Verweis auf die erneuerbaren Energien zu lesen, die Gas- und Ölförderung angeblich überflüssig machen können (könnten). Bei diesem Argument frage ich mich dann immer wie erneuerbare Energien den Einsatz von Öl und Gas in vielen Produktionsprozessen und Wirtschaftszweigen ersetzen sollen. Gerade in der chemischen Industrie (leider auch in der Kosmetik) ist Öl gar nicht weg zu denken und auch nicht durch Wind- und Solarenergie ersetzbar. Und da liegt auch schon der erste Denkfehler. Gas und Öl sind nicht nur Energieträger, sondern auch Produktionsstoffe.
        Zudem steckt der Ausbau, besser gesagt Aufbau, erneuerbarer Energien noch in den Kinderschuhen. Da ist noch ein langer Weg zu gehen. Ich kann mir Heute noch kein Flugzeug ohne Kerosin, keinen Schiffsmotor ohne Schweröl und kein mit Gas betriebenes Auto ohne diesen Kraftstoff vorstellen. Auch hier ist noch ein langer Weg zu gehen. Und es braucht viel Zeit, bis diese Kraftstoffe anderweitig vollwertig durch erneuerbare Energien (vielleicht) ersetzt werden können. Mit Verlaub und einem leichten schmunzeln. Atomenergie könnte eine Alternative sein (ist sie ja schon). Genug damit hierzu.«

        (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/226724-lueneburger-abgeordnete-lotze-fracking-muss-gesetzlich-streng-reguliert-werden#comment-41516)

        Herr Pewold liegt richtig, obwohl sein Hinweis weniger das Erdgas und die hochproblematischen Methoden seiner Gewinnung (hier die geochemisch-hydraulische Frakturierung) als vielmehr das Erdöl betrifft. Aus der weltweiten Fördermenge des Erdöls werden zwar nur ca. 6–7 % für die chemischen Produktstammbäume verwendet, der weitaus größere Anteil wird einfach in Kraftwerken und Motoren verbrannt. Doch kann aus Erdöl fast jedes chemische Erzeugnis produziert werden. Dazu gehören Kunststoffe und andere Chemieprodukte wie Farben und Lacke, Arzneimittel, Wasch- und Reinigungsmittel, um nur einige zu nennen. Die Wichtigkeit dieser Erdölerzeugnisse liegt auf der Hand: Gibt es kein Erdöl mehr, müssen diese Grundchemikalien solcher Produkte über komplizierte und kostenintensive Verfahren mit hohem Energieverbrauch hergestellt werden.

        Was würden Sie, Frau Dr. Verlinden, Herrn Pewold antworten? Wie können wir in absehbarer Zeit auf kohlewasserstoffbasierte und mineralische Rohstoffe als Treib-, aber vor allem als Produktionsmittel verzichten und „das fossile Zeitalter beenden“?

        • Danke, dass Sie das Thema ansprechen.
          Natürlich wird Erdöl auch stofflich genutzt. Die Debatte um die Klimakrise lässt uns meist auf die energetische Nutzung (Verbrennung z.B. fürs Heizen oder im Verkehr) und die damit verbundenen Probleme fokussieren.
          Der Abbau dieser Rohstoffe verursacht Umweltauswirkungen, die unabhängig von der späteren Nutzung sind. Gerade deswegen müssen wir hier genau hinschauen und hohe Umweltstandards durchsetzen. Während wir aus der energetischen Nutzung der fossilen Rohstoffe in wenigen Jahrzehnten aussteigen sollten und können, werden wir für bestimmte Produkte Erdöl weiterhin stofflich verwenden.
          In verschiedenen Fällen kann man fossile Rohstoffe für die stoffliche Nutzung inzwischen auch durch nachwachsende Rohstoffe ersetzen (Stichwort „Bio-Plastik“ oder nachwachsende Baustoffe), hier muss bei der Ökobilanz allerdings auch der Flächenverbrauch berücksichtigt werden.
          Wichtig ist, dass wir die Rohstoffe im Kreislauf führen, also das Recycling zu optimieren.
          Grundsätzlich gilt also: Sparsamer Verbrauch, effiziente Nutzung, hochwertiges Recycling hilft dabei, unseren „ökologischen Fußabdruck“ zu reduzieren.
          Viele Grüße, Julia Verlinden

  4. Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, hat am Mittwoch, den 17. Dezember 2014, also vor einem Vierteljahr die Förderung von Erdgas mit der Fracking-Methode wegen zu hoher Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung verboten. Eine Studie der New Yorker Gesundheitsbehörde hatte die erheblichen Gefahren von Grundwasserverseuchung und Luftverschmutzung durch Fracking betont. „Wir können es uns nicht leisten, einen Fehler zu machen“, sagte Howard Zucker, der Leiter der Behörde. Die potentiellen Risiken der Methode seien zu groß und nicht ausreichend erforscht.

    New York ist nach Vermont der zweite amerikanische Bundesstaat, der Fracking untersagt.

    Trotz Tscherbobyl, Fukushima und anderen Katastrophen, die man uns verschwiegen hat, merken wir nicht, dass wir im Begriff sind uns und unsere Umwelt in einer nie dagewesenen Weise zu vergiften. Wir werden hiermit nicht zur Bedrohung für unsere Umwelt sondern für uns selbst. Vermutlich ist es schon zu spät, dennoch sollten wir versuchen, den Wahnsinn zu unterbinden. Der Planet Erde ist es wert, wir haben keinen anderen. Wenn uns diese Technik auch aus den Händen gleitet, sollten wir die Verantwortlichen wirklich zur Verantwortung ziehen.

  5. Henrik Gräber

    Im Dezember 2012 hat eine hochrangige Kommission von Geologen, Hydrologen, Chemikern und Juristen im Auftrag des Umweltbundesamtes ein detailliertes Gutachten über die „Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten“ erstellt. Die vierzehn wissenschaftllich ausgewiesenen Experten stellen in Bezug auf das jeweilige Geosystem, die großräumigen Grundwasserfließverhältnisse und das Gefährdungspotenzial der eingesetzten Fluide „zusammenfassend fest, dass zu einer fundierten Beurteilung der Risiken von Fracking [konventionell UND unkonventionell] und zu deren technischer Beherrschbarkeit bislang viele und grundlegende Informationen fehlen (z.B. der Aufbau und die Eigenschaften der tiefen Geosysteme, Verhalten und Wirkung der eingesetzten Frack-Additive etc.). Online: http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/461/publikationen/4346.pdf

  6. Sehr geehrte Frau Abgeordnete Lotze

    Das Bundeskabinett hat am 1. April ein Gesetzespaket zu Fracking beschlossen, das in den nächsten Wochen im Bundestag behandelt wird. Obwohl Fracking nach Einschätzung des Bundesumweltministeriums keinen nennenswerten Beitrag zu unserer Energieversorgung leisten kann, soll die gefährliche Fördermethode mit dem Gesetzesentwurf für alle unkonventionellen Erdgasvorkommen grundsätzlich erlaubt werden. Dabei wäre jetzt die Gelegenheit, Fracking über das Bundesberggesetz zu verbieten.

    Da Sie meinen Wahlkreis im Bundestag vertreten, beantworten Sie mir bitte folgende Frage: Sind Sie für Fracking oder für Umweltschutz? Vertreten Sie die Interessen der Energielobby oder die der BürgerInnen?

    Zwar rühmt sich die Umweltministerin, Dr. Barbara Hendricks, die strengsten Regelungen im Bereich Fracking vorzulegen, die es je gab. Doch der Gesetzesentwurf enthält zahlreiche Schlupflöcher, die der Energieindustrie Raum geben, ihre betriebswirtschaftlichen Interessen auf Kosten von Natur- und Klimaschutz sowie Gesundheit und Lebensqualität von uns BürgerInnen zu verfolgen.

    Dazu gehören insbesondere die folgenden Punkte:

    • Das aus den USA bekannte, besonders umweltschädliche Schiefergasfracking soll ab sofort unterhalb von 3000 Metern erlaubt werden – dort, wo der Großteil der Vorkommen liegt.
    • Probebohrungen werden auch oberhalb der 3000-Meter-Grenze zugelassen.
    • Kommerzielles Schiefergasfracking oberhalb von 3000 Metern wird ab Ende 2018 möglich.
    • Fracking zur Förderung von Tight Gas bleibt weiterhin sowohl oberhalb als auch unterhalb von 3000 Metern erlaubt, obwohl hier viele Umweltrisiken genauso bestehen wie bei der Förderung von Kohleflöz- oder Schiefergas.
    • Die Entsorgung des mit hochgiftigen Stoffen belasteten Lagerstättenwassers wird nicht klar reguliert. Auch nach der neuen Regelung kann es unbehandelt in den Boden verpresst werden.

    Beziehen Sie öffentlich Stellung und setzen Sie sich für ein Verbot von Fracking ein! Fordern Sie die Nachbesserung bei allen oben genannten Punkten! Stimmen Sie im Bundestag nicht für ein Fracking-Ermöglichungsgesetz! Beugen Sie sich nicht der Koalitionsdisziplin!

    Mit freundlichen Grüßen

    Gerdi Lena Hölscher

  7. „Kein Abgeordneter aus Lüneburg wird im Bundestag für ein Gesetz stimmen, das Fracking erlaubt. Fraktionszwang hin, Fraktionszwang her.“ Ich nehme das mal als bittere Ironie, so etwas kann man nicht ernsthaft glauben angesichts Abgeordneter, die keine Helden sind und im politschen Alltag die Hosen vollhaben. Denken Sie nur an Wolfgang Bosbach, der sich vom Opportunisten Ronald Pofalla für seine Charakterfestigkeit auch noch beschimpfen lassen musste („Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen !“). Ich glaube kaum, dass sich Politiker vom Format eines Wolfgang Bosbach unter den Lüneburger Abgeordneten finden lassen.

  8. nun, fracking ist dummes zeug und rückwärts gewandt. die technik ist überholt. wer dafür stimmt, ist konservativer , als er selbst glaubt und dümmer als er denken könnte. eine partei steht nicht für intelligenz, das sollte schon jedes einzelne mitglied mitbringen. energie, die ich über der erde gewinnen kann, muss ich nicht unter der erde suchen.

    • Meinen Sie wirklich das dies unsere „Vertreter“ interessiert? Wenn es dem Profit und den Interessen der Wirtschaft dient, ist die Umwelt , sowie die Interessen der Menschen die betroffen sind, zweitrangig.

      • Meinen Sie wirklich das dies unsere “Vertreter” interessiert? nein. wir leben im kapitalismus. dort wird alles zu geld gemacht. auch die umwelt. und die gesetze werden von denen bestimmt, die am ende am meisten davon haben. es liegt am system. wer kann und will dieses ändern? wenn am ende einer politischen karriere derjenige seinen posten in der wirtschaft findet, weiß man leicht ,warum dieses so geschieht. da wird auch gern mal die eigene überzeugung über bord geworfen. zu beobachten ist dieses in allen parteien. besonders auffällig ist dieses bei den grünen. diese partei will ja angeblich für die umwelt da sein. die elbvertiefung ist jetzt so ein beispiel. man hofft auf posten und dann opfert mal schnell die umwelt.

  9. Vor allem ist ein Fracking Verbot auch nicht gleich ein Fracking-Verbot. Eine Verbot, nicht einmal eine nennenswerte Einschränkung, beim Sandstein-Fracking steht ja überhaupt nicht mehr zur Debatte. Dieses wird unter dem Phantasiebegriff „konventionelles Fracking“ als ungefährliche Technologie abgetan. Dabei ist es in allen wissenschaftlichen Studien Usus , auch das Sandstein-Fracking zur unkonventionellen Gasförderung zu zählen. Die Bevölkerung soll so bewusst in die Irre geführt werden. Die Gesetzsgeber spielen sich als Fracking-Gegner auf, meinen aber nur einen Teil, nämlich Fracking in Schieferstein. Und nicht mal da wollen sie einen festen Riegel vorschieben. Ich bin für ein Verbot von allen Formen des Frackings. Egal wie weit die aktuelle Gesetzesvorlage noch „verschärft“ werden soll, dieser Forderung wird das Gesetz auf keinen Fall Genüge tragen. Alle, die auch dieser Meinung sind, können sich einer Petition an die niedersächsichen Bundestagsabgeordneten anschließen, mit der Forderung dem Gesetz nicht zuzustimmen: Keine Stimme für Fracking! http://www.petition.wir-gegen-fracking.de

  10. An die Ratstalente

    Grunau, Schmidt, Adam, Pauly, von Mansberg und Webersinn.

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    haben Sie zu diesem gerade für unseren Landkreis ungeheuer wichtigen Thema eine Meinung? Machen Sie sie bitte hier mit einer kurzen Begründung öffentlich. So können Sie zur Meinungsbildung der Lüneburger und vielleicht auch der Lüneburger Bundestagsabgeordneten beitragen. Wissen Sie, dass vor allem Niedersachsen vom Fracking betroffen sein wird? Das größte Potential von Erdgaslagerstätten sehen bislang alle Geologen einhellig im Bundesgebiet nördlich der Bogenlinie Düsseldorf, Bielefeld, Hannover, Braunschweig, Magdeburg, Dresden, also im Norddeutschen Becken, im Oberrheingraben und im Bereich der Inseln Hiddensee, Rügen und Usedom. (Nur im süddeutschen Molassebecken (Bayern) könnte es – vielleicht – auch Vorkommen geben, aber deren Exploration wird Herr Seehofer sicher ebenso lange erfolgreich verhindern, wie er sich gegen den Ausbau von Windkraftanlagen und Hochspannungstrassen in seinem Reich sperrt.)

    „Dimidium facti, qui coepit, habet: sapere aude, incipe“ (Horaz, Epist. I,2,40)

    [„Wer (erst mal) begonnen hat, hat (damit) schon zur Hälfte gehandelt! Haben Sie den Mut, sich Ihres Verstandes zu bedienen! Beginnen Sie jetzt!“]

    Erinnern Sie sich: Bekannt wurde dieses Zitat in der Übersetzung Kants von 1784 als Leitgedanke und Kampfspruch der Aufklärung.

    MfG

    Harold Dörfler

    • Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt

      Wat is nu, Frau Grunau, Frau Schmidt, Herr Adam, Herr Pauly, Herr von Mansberg und Herr Webersinn? Nix zu sagen?

      • Claudia Schmidt

        Schmidt ist gegen Fracking!
        Ich habe als Delegierte auf der Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) der Grünen in Dresden im Februar 2014 ganz klar gegen Fracking gestimmt. Genauso, wie ich die Verhandlungen zu TTIP komplett ablehne.

        Ich arbeite daran, dass wir uns von einem immer mehr, immer größer, immer schneller verabschieden. Nur wenn wir das schaffen, werden wir uns von der Ausbeutung der Erde verabschieden können.

        Aktuelles Beispiel ist das Osterfeuer in Ochtmissen. Nur weil es nicht genauso groß war, wie das der Oedemer, war es schlecht? Ich habe mit den Nachbarn geklönt, etwas getrunken und gegessen und in ein schönes Feuer geschaut. Was hat gefehlt? Worauf kommt es denn an? Ist nur die Größe ausschlaggebend?

        Mein politischer Leitgedanke ist Suffizienz.

        • Ich habe als Delegierte auf der Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) der Grünen in Dresden im Februar 2014 ganz klar gegen Fracking gestimmt.

          und was hat es gebracht? ein gesetz mit hintertüren für die wirtschaft. da wir keine demokratie im herkömmlichen sinne haben, sondern lobbyisten bei uns regieren ,was bedeutet, die macht ist in nur wenigen händen verteilt, können sie abstimmen wie sie wollen. gemacht wird was anderes.das kommt davon, wenn nur 0,5 % der bevölkerung in einer partei vertreten sind. diese bestimmen nicht einmal, was geschehen soll. nur ein bruchteil von ihnen hat die möglichkeit nachhaltig einzugreifen. und diese werden besonders bearbeitet. von wem wohl?

        • Friederike Luisa Dankwardt

          Vielen Dank, Frau Schmidt !

          Merkwürdig, dass es meist die Lüneburger Politikerinnen sind, die Courage zeigen und bei der Sache bleiben.

          Auch ich halte Plaudereien in netter Gesellschaft für wichtiger als „spektakuläre“ Leuchtfeuer und ich bin mit Ihnen einer Meinung: Fracking ist Massenmord auf Raten! Daher keine Verschärfung sondern grundsätzliches Verbot!

          Vorsichtig sollte man allerdings mit „Leitgedanken“ sein. „Suffizienz“ ist ein ebenso schillernder Begriff wie „Nachhaltigkeit“. Sie, Frau Schmidt, meinen die „intelligente Rationalisierung der Mittel und eine kluge Beschränkung der Ziele“ (Wolfgang Sachs), also eine umsichtige Lebens- und Wirtschaftsweise, die dem übermäßigen Verbrauch von Gütern und damit der Verschwendung von Stoffen und Energie ein Ende setzt.

          Aber wie man am Beispiel unserer Hochschule beobachten kann, lassen sich beide Konzepte auch als wohlfeile Werbefloskel missbrauchen, um rein kommerzielle Interessen „ökologisch“ zu bemänteln und berechtigte Ansprüche auf soziale Teilhabe und Chancengleichheit abzubügeln. Dann lädt man etwa grinsende Wohlstandsgewinner mit funkelnden Zahnreihen in Hörsäle ein, die uns und ihresgleichen erzählen, die ihnen nachfolgenden Generationen sollten „sich bescheiden“ und ihnen ihren Reichtum nicht missgönnen, der sie schließlich auch nicht vor „Sinnkrisen“ schütze. (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/luneburg/193643-die-wohlstandswende-kommt)

          Die Parole von „Maß und Genügsamkeit“ klingt dann nach Heinrich Heines „Mädchen“, das „mit wahrem Gefühle und falscher Stimme“ eine fromme Weise zur Harfe singt:

          Sie sang das alte Entsagungslied,
          Das Eiapopeia vom Himmel,
          Womit man einlullt, wenn es greint,
          Das Volk, den großen Lümmel.

          Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
          Ich kenn auch die Herren Verfasser
          Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
          Und predigten öffentlich Wasser.

          (Aus: Deutschland. Ein Wintermärchen, DHA, Bd. 4, S. 92)

          Konstantin Wecker, der Freiheitsbarde Ihrer Backfischzeit hat ähnlich reagiert: https://www.youtube.com/watch?v=4r5ykckYvHM

          Aber hier geht es um Fracking. Die Autorin Eva Karnofsky hat aus dem Thema einen lesenswerten Kriminalroman gemacht: „Opferfläche“ (Broschiert: 256 Seiten, Verlag: Droste, Erschienen am 1. August 2014, € 10,-)

          Eine Opferfläche schaffen, ist ein treffender Begriff für ein zynisches Vorgehen: Von einem schützenswerten Territorium wird ein Teil bewusst geopfert, will heißen – der ökologischen Zerstörung hingegeben, verdreckt, verseucht, verwüstet, um den Rest zu „retten“. Wüssten die Menschen, was Fracking für die Landschaft, für den Rhein, ihre Heimat bedeutet, würden sie es sicher nicht zulassen, davon ist der Bürgermeister der kleinen niederrheinischen Stadt Wesel überzeugt. Für die Information der Öffentlichkeit über die Verschmutzung ihres Trinkwassers, über die Gefahr von Erdbeben, über die Vernichtung ganzer Landstriche durch hochtoxische Chemikalien tritt er ein. Und bezahlt mit seinem Leben. Eine Handgranate zerreißt ihn in seinem Haus.

          „Opferfläche“ ist vielleicht zuallererst eine wichtige journalistische Arbeit. Genaue Recherche und detaillierte Kenntnis der Risiken von Fracking im Konkreten zeichnen den Roman aus. Das ist der wirklich spannende Teil des Buches. Um Interesse am Schicksal der Figuren aufzubringen, braucht man einige Seiten. Die Dialoge wirken ein wenig steif, das niederrheinische Umfeld bekannt. Doch ab Seite 30 nimmt die Handlung Fahrt auf und die Spannung steigt.

          Als Einstieg ins Thema und als Einleitung in die Hintergründe dieser mörderischen Restepressen-Technologie, die Lüneburg und die Lüneburger noch sehr lange beschäftigen wird, ist das Buch sehr zu empfehlen.

  11. Petra Kruse->Runge

    Wieder wird hier herum gestritten um verschiedenen Verfahren, Details der Bewertung, Grenzen und Scheinverbote. Und ja: es braucht ein kompromissloses Fracking-Verbot!
    Was dabei unberücksichtigt bleibt, ist das eigentliche und viel grundsätzlichere Thema: wenn wir nicht endlich ernst machen mit einer echten Energiewende und dem Start in ein postfossiles Leben, werden angesichts der Klimaveränderungen alle anderen Dinge unwichtig. Immer lauter und deutlicher wird die Warnung, dass wir den Großteil der Kohle, sowie Erdöl- und Erdgasvorkommen im Boden lassen müssen! Daher braucht es auch keine teure „Erprobung“ dieser überflüssigen Technologie, die den falschen Weg weiter zementiert.

    • @ Kreistagsabgeordnete Kruse-Runge

      Kleinteilige Herumstreiterei?

      Als Fraktionssprecherin von Bündnis 90/Die GRÜNEN im Kreistag und als Mitinitiatorin der Arbeitsgemeinschaft „Wir gegen Fracking“ sind Sie seit Jahren „aktiv, um Gasförderung im Landkreis Lüneburg zu verhindern“. Sie besitzen also, nehme ich an, einigermaßen umfassende Kenntnisse über die „verschiedenen Verfahren, Details der Bewertung, Grenzen und Scheinverbote.“ Das kann nicht jeder von sich sagen. Und das sollten Sie nicht übersehen. Die allermeisten Menschen im Landkreis haben wohl nur eine sehr ungefähre Ahnung davon, worum es geht. Darum ist es viel wichtiger, bestimmte kritische Eckpunkte immer erneut zu betonen und gut verstehbare Gründe, die den Wahnsinn dieser Technologie erläutern, zu wiederholen, als auf – Ihrer Ansicht nach – sinnlose Streitereien hinzuweisen. Ich kann auch nicht erkennen, dass hier allzuviele Einzelheiten ausgebreitet wurden. Und die Tendenz der Meinungen scheint mir sogar fast unisono für Ihr „kompromissloses Fracking-Verbot“ zu votieren. Um aber die camouflierende Rhetorik im Gesetzentwurf des Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsministeriums, der am 1. April beschlossen wurde, zu durchschauen und offenzulegen, was sich hinter den monatelang zur „bürgergerechten Kommunikationstauglichkeit“ zurechtgefeilten Euphemismen und intendiert irreführenden Formulierungen verbirgt, die ja in praktisch allen wichtigen Zeitungen des Landes begeistert repetiert wurden, ist das genauere Hinsehen unerlässlich.

      Nur zwei Beispiele: „Der Einsatz von Fracking in unkonventionellen Lagerstätten in Schieferschichten sowie Kohleflözen oberhalb von 3.000 Metern zu wirtschaftlichen Zwecken soll grundsätzlich verboten werden.“ Das klingt doch gut für Otto Normalverbraucher. Verbot! Was kann man mehr verlangen! Was die allermeisten Menschen nicht wissen, ist, dass dieser Satz eine reine Blendgranate ist. Fünfundneunzig Prozent aller „unkonventionellen Lagerstätten in Schieferschichten sowie Kohleflözen“ befinden sich unterhalb von 3.000 Metern. Wir haben hier also eine ERLAUBNIS für „unkonventionelles Fracking“ im Tarnanzug eines VERBOTS.

      Dass eine „Expertenkommission“ flächendeckende Erprobungsmaßnahmen in Deutschland „überwacht“ (Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung) – („Pflicht“ ist super, „Experten“ sind toll, „Überwachen“ ist gut) – und „nach einer erfolgreichen Erprobungsmaßnahme in dem betreffenden Gebiet dann grünes Licht für kommerzielle Projekte geben kann“, heißt im Klartext, dass die Chemie- und Mineralstoffindustrie mit den von ihr beauftragten und bezahlten Instituten und Universitäten die Ausbeutung der vermuteten Vorkommen „empfiehlt“ und damit auch entscheidet. Der Bock wird als Gärtner angeheuert.

      Lesen Sie den Pressetext der Bundestagsabgeordneten Hiltrud Lotze von vorgestern und Sie erkennen, wie ein Propaganda-Amalgam aus mangelndem Wissen, Unaufrichtigkeit und Eigenreklame heute aussehen kann. (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/226724-lueneburger-abgeordnete-lotze-fracking-muss-gesetzlich-streng-reguliert-werden)

      Um solchen Schmonzes ins Deutsche zu übersetzen und dadurch die Menschen in Lüneburg aufzuklären, werden auch Sie, liebe Frau Kruse-Runge, nicht darum herumkommen, immer wieder einzelne Behauptungen zu analysieren, ihren eigentlichen Sinn zu explizieren und das Falsche darin präzise, Punkt für Punkt, minutiös und gründlich zu widerlegen, wenn Sie nicht von Leuten wie Barbara Hendricks, Sigmar Gabriel und ihren hansestädtischen Statthaltern als Exemplar der ewig nörgelnden Bedenkenträger abgetan und mit Eselskappe in die Ecke der Gestrigen gestellt werden wollen.

      Denken Sie daran, die Maxime „Der liebe Gott steckt im Detail“, unter die Aby Warburg 1925 sein Seminar über die italienische Kunst der Frührenaissance stellte, hat im Teufel ihren verschwiegenen Widerpart.

  12. Danke für den Kommentar, der beweist, wie wir als Wähler hinters Licht geführt werden sollen. Gabriel ist da der unübertroffeneSpezialist ! Übrigens erinnert es mich an den Slogan aus dem Lebensmittelmarkt :“Aus kontrolliertem Anbau“. Kann sich jemand Landwirtschaft ohne Kontrolle vorstellen ??