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Warum auch Lüneburger bei manchem Streik streiken

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(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Kürzel jj.)

 

Lüneburg, 7. Mai

Im Grunde stehen wir vor einem allumfassenden Streik. Die Lokführer bocken, die Fahrt zur Arbeit oder in den Urlaub wird so zum Abenteuer, und die Kinder quaken zuhause, weil sie nicht in die Kita kommen. Fehlt eigentlich nur noch die Müllabfuhr, die nicht kommt.

Es geht bei diesem Generalstreik natürlich nicht um Putsch, sondern nur um Geld und Macht. Fürs eine habe ich Verständnis, fürs andere kein Gefühl.

Bahnstreik. Da kämpft ein Gewerkschaftsboss in letzter Konsequenz um seine Existenz und alle dürfen mitleiden. Bisher war ich schon froh, wenn die Bahn pünktlich ist, ich die Anschlusszüge erreiche und nicht eine Signalstörung, eine klemmende Weiche, Wartungsarbeit oder eine rote Leuchte im Lokführerstand meine Planung zunichte machen. Übrig bleibt jetzt die Gewissheit: Die Bahn kommt gar nicht. Da habe ich null  Bock drauf.

Natürlich hat es so ein Arbeiterführer schwer genug, seine durchaus berechtigten Ziele und Forderungen, aber auch seine Befürchtung, die Grundrechte seien in Gefahr, unters Volk zu streuen, und nicht nur bei den willigen Genossen Unterstützung einzuwerben. Aber GDL-Chef Weselsky ist dazu gar nicht in der Lage. Sturheit garniert mit Pöbelei statt mit blitzgescheitem Witz, hat keinen Charme, schon gar nicht, wenn man auch noch Rückendeckung für die „freundliche Übernahme“ einer anderen Gewerkschaft sucht.

Mehr Sympathie habe ich für den Generalstreik in den Kitas. Wenn die Kinder unsere Zukunft sind, und das predigen die Politiker in unserer überalterten Republik seit Jahren, dann muss nicht nur in Kindergärten investiert werden, sondern auch in Bildung und Betreuung. Kommunen, die meinen, sie müssten ihre Millionen trotzdem lieber in Prestige-Bauten einbetonieren, weil die Zinsen gerade so günstig sind – bitte. Aber nicht wundern, wenn sonst keiner die Logik versteht.

Wut auf die Bahn ist das eine, da finden wir in Kürze ein Ventil. Aber der Wut der Mütter und Väter hält keine Kommune stand, da sind Wählerstimmen in Gefahr. Ich würde lieber Prämien an Kindergärtnerinnen zahlen, als Prämien an Gutachter für noch ene Schreibtischstudie.

Hans-Herbert Jenckel

28 Kommentare

  1. na ja, herr jenckel, nach ihren aussagen, scheint der bahnvorstand ja alles richtig zu machen. oder warum wurde er nicht erwähnt? in diesem punkt bin ich anderer meinung, ansonsten könnte ich alles unterschreiben.

    • Ein rücksichtsloser, sturer Pöbler, der einen vom Kita-Streik geplagten LZ-Online-Chef in Geiselhaft nimmt und zum Fahrradfahren nötigt? Weselsky ist nicht durchgeknallt, Herr Jenckel. Er mag womöglich nicht gerade ein Charmeur sein. Aber er hat intuitiv erkannt, dass es in diesem Streit nicht nur um die Bahn geht, sondern um ein grundsätzliches Thema: Wie halten wir es mit den Freiheitsrechten von Minderheiten?

      Was Gabriel, der Fuchs, verschweigt: Die große Koalition selbst war es, die Weselsky in diesen verfahrenen Streik hineingetrieben hat. Das sogenannte Tarifeinheitsgesetz aus dem Hause von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ist nicht die mögliche Lösung des Konflikts, sondern in Wirklichkeit seine Ursache. Angeblich, so heißt es in diesem Gesetz, sei die Funktionsfähigkeit der Tarifautonomie in Deutschland gefährdet, wenn es in einem Betrieb zwei oder mehrere konkurrierende Gewerkschaften gibt. Der Gesetzgeber fühlt sich aufgefordert, hier eine „befriedende Rolle“ zu spielen, für „innerbetriebliche Lohngerechtigkeit“ zu sorgen, um „Entsolidarisierung der Belegschaften“ zu verhindern. Schaffen es die konkurrierenden Gewerkschaften nicht, sich untereinander abzustimmen, soll eine Mehrheitsregel den Tarifvertrag jener Gewerkschaft zur Anwendung bringen, welche die meisten Mitglieder in diesem Betrieb hat.

      Man muss die sülzende Sprache dieses Gesetzes dechiffrieren, um seine Machtanmaßung zu verstehen. Das Grundrecht der Koalitionsfreiheit wird leichtfertig ausgehebelt mit der durch nichts bewiesenen Voraussetzung einer theoretischen Gefährdung des Tariffriedens. Wenn Lokführer, weil sie sich von der Mehrheitsgewerkschaft schlecht behandelt fühlen, selbst für ihre Einkommen kämpfen wollen, dann nennt das Gesetz dies Entsolidarisierung.

      Es ist die Ironie der Geschichte, dass SPD-Minister sich zum Handlanger der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (und von Teilen des Deutschen Gewerkschaftsbundes) machen lassen: Die beiden Kartellverbände fühlen sich aus unterschiedlichen Gründen von den kleinen Gewerkschaften bedroht und verstehen es prächtig, ihre Machtanmaßung als Gemeinwohlinteresse zu kaschieren. In Wirklichkeit soll das Diktat der Mehrheit die Minderheit ersticken.

      Wohlgemerkt: Man kann mit guten Gründen das ganze System kollektiver Lohnfindung als wenig freiheitlich brandmarken. Man kann auch darüber nachdenken, in staatsnahen Monopolunternehmen – wie etwa der Bahn – das Streikrecht einzuschränken, weil das Kampfesrisiko aller Gewerkschaften dort niedriger ist als in der privaten Wirtschaft. Man sollte sich aber weder von den Verbänden noch vom Gesetzgeber einreden lassen, kleine Gewerkschaften neigten zu Exzessen und ruinierten die Tarifpartnerschaft. In Wirklichkeit ruiniert dieses Tarifeinheitsgesetz die in einer Demokratie geschützten Freiheitsrechte von Minderheiten. Claus Weselsky will nicht warten, bis in vielen Jahren das Bundesverfassungsgericht dies auch so sieht. Recht hat der Mann!

  2. Respekt vor der GDL

    Die Wirtschaft boomt, die Exportüberschüsse steigen, die Managergehälter verlieren jedes Maß, die arm-reich-Schere geht immer mehr auseinander, die Kinderarmut beunruhigt. Nur weil jeder Arbeitnehmer ein Auto, eine Waschmaschine und ein Smartphone hat, heißt doch nicht, dass die Arbeitnehmerschaft gerecht entlohnt wird. Die anderen Gewerkschaften sollten sich ein Beispiel nehmen oder sie enden als Bettvorleger der Unternehmer.

  3. Obwohl niemand das „Angebot“ der DB kennt, fallen alle sofort wieder über die GDL und Weselsky her. Das ist die reinste Hexenjagd und eine Schmutzkampagne, wie ich das noch nie in diesem Land erlebt habe. Es ist an Absurdität kaum noch zu überbieten, wie sich Menschen gegen sich selbst manipulieren lassen. Denn wer als Arbeitnehmer die GDL kritisiert, fällt sich selbst in den Rücken. Eine derartig erfolgreiche Gehirnwäsche hätte ich nicht für möglich gehalten. Meiner Meinung nach ist eine Schlichtung nur dann möglich und sinnvoll, wenn die Koalitionsfreiheit nicht infragegestellt ist. Das scheint aber immer noch nicht der Fall zu sein, sonst hätte die GDL diesen Streik sicher abgebrochen. Laut Aussage von Weselsky entspricht das Angebot der Bahn ansonsten einer Zusammenfassung aller Kompromißangebote der GDL auf niedrigstem Level, läßt also Kompensationen außen vor. Auch das kann selbstverständlich niemals Grundlage einer Schlichtung sein. Es braucht doch wohl einen unbefristeten Streik der GDL.

    • Karsten Hilsen

      @Otto Meier
      Grundsätzlich Zustimmung.
      Nur eines: „eine Schmutzkampagne, wie ich das noch nie in diesem Land erlebt habe“
      Da müssen Sie aber recht jung sein.
      Nach meiner bescheidenen Wahrnehmung war jeder Streik, der das Potential hatte, wirkliche
      Fortschritte zu erkämpfen, von derlei Kampagnen begleitet. Besonders wiederlich immer wieder die Bildzeitung dabei.
      Insofern: Same procedure, than every Streik.
      Grob irreführend ist aber auch der Hinweis von Herrn Jenckel auf die angebliche „Sturheit“ des GDL-Chefs.
      Das verschleiert, daß nicht Herr Weselsky aus einer Laune heraus streikt, sondern Tausende seiner Kollegen, in deren Namen und Interesse er handelt.
      Die Stimmungskampagnen sind aber auch direkte Angriffe auf das Streikrecht selber.
      Wer sich über ausfallende Züge ärgert sollte darüber nachdenken, wer und warum die Bahn privatisiert hat.
      Umweltverbände haben mit guten Argumenten vor dieser Privatisierung gewarnt.

  4. Sturheit garniert mit Pöbelei

    Ich habe nichts anderes erwartet. Herr Weselsky hat ein klares Weltbild und weiß, wer die Bösen sind. Er nimmt das mit dem Kampf absolut wörtlich, er befindet sich im Krieg. Er ist an einem Punkt angelangt, an dem er nur eine bedingungslose Kapitulation der Gegenseite akzeptiert. Weniger geht nicht. Es wird Zeit, dass der Gesetzgeber hier einschreitet. Es geht längst nicht mehr um Streikrecht und Arbeitnehmervertretung, sondern um reine Machtpolitik der GDL-Funktionärsclique. Es reicht!

    Christian Schäffer

    • Kevin Schnell

      Also, mir hat Weselsky gut getan. Ich bin seit dem letzten Schuhljahr Gymnasiallehrer für Deutsch, Geschi und Sozi und habe in dieser Zeit sofort wie die meisten im Kollegium seit Jahren viel Fett angesetzt. Aber dank des GDL-Chefs fahre ich seit einer Woche morgens mit meinem Rennrad (Colnago V1-R Rahmen mit Campagnolo Super Record Gruppe Titan 2×11 – 2015 !!) von Bienenbüttel nach Lüneburg. Das ist phantastisch Leute !!! Ich habe in vier Tagen zwei Kilos abgenommen und mich dazu noch frisch verliebt !! Am Nachmittag nimmt mich nähmlich die Steffi immer mit zurück und wir schmeißen meine Rennmaschine hinten in ihren alten Daimler. Ich darf dann fahren. T-Modell Mercedes-AMG E 63 S 4MATIC !! Tja, und so ist gekommen, was wohl kommen musste. Die Steffi wohnt wunderschön in dem kleinen Häuschen in Hohenbostel zum Wald raus. Dank Weselsky´s Streikerei bin ich praktisch ein ganz neuer Mensch. Keine Depressionen wegen dem Studienratspeck und der ständigen Müdigkeit mehr. Jetzt springe ich morgends aus dem Bett und singe:
      Ich bin so knallvergnügt erwacht.
      Ich klatsche meine Hüften.
      Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
      Es dürstet mich nach Lüften.
      Aus meiner tiefsten Seele zieht
      Mit Nasenflügelbeben
      Ein ungeheurer Appetit
      Nach Frühstück und nach Leben.

      • Schönes Auto, das Ihre neue Freundin Sie da steuern lässt.

        Mercedes E63 AMG 4Matic S-Version? Fünftüriger, fünfsitziger Kombi der gehobenen Mittelklasse; Länge: 4,91 Meter, Breite: 1,85 Meter (2,07 Meter mit ausgeklappten Außenspiegeln), Höhe: 1,52 Meter, Radstand: 2,87 Meter, Kofferraumvolumen: 695 bis 1.950 Liter, 5,5-Liter-V8-Biturbo, 430 kW/585 PS, Allradantrieb, Siebengang-Automatik, maximales Drehmoment: 800 Nm bei 1.750 – 5.000 U/min, Vmax: 350 km/h (elektronisch abgeregelt), 0-100 km/h: 3,2 s, Verbrauch innerorts: 18,7 Liter, Durchschnittsverbrauch: 10,6 l/100 km, CO2-Ausstoß: 246 g/km Effizienzklasse: F.

        Wo fahren Sie den denn aus? Zwischen Melbeck und Grünhagen? Die Distanz von 4,2 km in 37 Sekunden?

      • Anneliese Knobloch

        Welch herrlich unbeschwerter, optimistisch und mutig in die Zukunft blickender, das Leben wander- und abenteuerlustig auf sich zukommen lassender junger Mensch Sie doch sind, Kevin. Beim Lesen Ihrer Zeilen geht mir regelrecht das Herz auf. So „knallvergnügt“ erwacht, dass Sie sich morgens auf dem Weg zum Zähneputzen singend die „Hüften klatschen“. Und dann: toller Job, tolles Fahrrad, tolle Figur, tolle Freundin, tolles Auto, tolles Haus am Waldrand. Tolles Glück!

        Von so viel sprudelnder Lebensfreude zu hören, einem derart sonnigen, seine glänzende Laune fröhlich aller Welt mitteilenden Gemüt zu begegnen, ist selbst auf den Seiten von LZ-online ungewöhnlich.

        Ich stelle Sie mir als einen mitreißenden Lehrer vor, den seine Schüler gar nicht anders können, als lieben.

        Beneidenswerte Steffi !

        • Jörg-Georg Kieser

          Schon richtig, Anneliese. Ich freue mich auch für Kevin. Nur sollte er vielleicht, trotz seines rauschhaft überschäumenden Dranges, die Welt an seinem frisch errungenen Status als Götterliebling auf dem Olymp von Hohenbostel teilhaben zu lassen, etwas weniger verschwenderisch mit dem Buchstaben „h“ umgehen und dem armen, von vielen vernachlässigten Genitiv und seinen deutschen Formen ihr Recht lassen. Die pennälerhafte Redseligkeit eines Lüneburger Gymnasiallehrers mag ja noch angehen und ebenso die Tatsache, dass, jedenfalls nach meinem Eindruck, seine Confessio Amantis auf irritierende Weise das Thema des Blogs zu verfehlen scheint, aber dass ein Studienrat, der vermutlich gerade die Examensaufsätze von Abiturienten korrigiert, die Regeln der Rechtschreibung öffentlich außer Kraft setzt, wird vielleicht nicht nur von seinen Eleven mit einiger Unruhe zur Kenntnis genommen.

  5. Was haben Kita-Beschäftigte, was die Lokführer nicht haben? Erstere streiken mit einem Freibrief des Bundeswirtschaftsministers und SPD-Vorsitzenden Gabriel, letztere können von so viel politischer Gunst nur träumen. Die Attraktivität des Erzieherinnen-Berufs müsse „materiell und immateriell“ erheblich gesteigert werden, ließ Gabriel jetzt wissen. Mehr noch: Er verspricht den Kommunen, sich für eine Entlastung ihrer Haushalte durch den Bund einzusetzen. Mit solchen Freunden ist gut streiken. Der Kita-Aufstand passt den Sozialdemokraten ins Kalkül, scheinen Streik-Plakate und Interviews doch die angeblich systematische Benachteiligung dieses Frauenberufs zu belegen – und damit die Notwendigkeit des Entgeltgleichheitsgesetzes der SPD-Familienministerin. Die Lohntabellen zeigen freilich, dass Erzieherinnen tariflich gar nicht so abgehängt sind. Wer ihnen einen Gehaltssprung gönnen will, sollte auch nicht die Steuerzahler einspannen, sondern die Nutznießer. Das sind die Eltern. Wenn sich Gabriel schon einmischt, muss er den Mut haben, die Eltern auf höhere Kita-Gebühren einzustimmen. Die teurere Fahrkarte nach dem Tarifabschluss der Bahn zahlt der Reisende, nicht der Staat.

    • Ludwig Kammacher

      Sorry, aber warum die Eltern für die Mehrkosten aufkommen sollen, erschließt sich mir nicht. Berufstätige Eltern zahlen wesentlich mehr Steuern als Alleinverdienerfamilien, die mit Ehegattensplitting und kostenloser Mitversicherung auf Kosten der Allgemeinheit und dieser hart arbeitenden Doppelverdiener gefördert werden. Kitas sind Infrastruktur. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe! Und nochmal für alle unverbesserlichen Erzkonservativen: Mir ist nicht bekannt, dass Kinder in Skandinavien alle einen Schaden haben, weil sie mit einem Jahr in die Kita kommen. Vielleicht sollte man einfach mal über den Tellerrand schauen, als in seinen ideologischen Gräben zu verharren. In Skandinavien verdienen Erzieherinnen übrigens auch wesentlich besser als in Deutschland.

    • In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es in Deutschland weniger „KiTas“ (wie die Kindergärten nach einem kirgisischen Lehnwort nun offenbar allgemeinverbindlich heißen). Es gab auch kein Betreuungsgeld, weniger Kindergeld, und weniger TamTam für „Alleinerziehende“. Und trotzdem hatten die Deutschen mehr Kinder. Erheblich mehr Kinder. Und wie man an Herrn Chef-Redaktor Hans-Herbert Jenckel sieht. ist aus den meisten auch etwas ganz Ordentliches geworden. Vielleicht sollte man mal schauen, was man damals richtig gemacht hat und heute falsch macht, um langfristig bessere Wege zu finden und zu erreichen, daß Kinder in dieser Gesellschaft wieder willkommen sind.

    • Steffen Rupp

      Zahlen sollen die Nutznießer. Das sind die Eltern… So? Warum eigentlich? Bei dem Ausbau der Kitas geht es doch gerade darum, mehr Mütter für die Arbeit freizustellen. Gewollte Nutznießer des Ausbaus sind die Unternehmen, die dadurch diese bisweilen hochqualifizierten Führungskräfte erhalten und sie der Familie entziehen, und die Kommunen, die von den Steuereffekten profitieren möchten. Warum zahlen nicht die Unternehmer? Mithin die Gesellschaft! Das kann man dann schon mal mit Steuern gegenfinanzieren. Und i.Ü. ist bemerkenswert, dass die Erzieherinnen immer mit der Entlohnungsstufe von (angestellten) Handwerkern verglichen werden – das qualifizierte Umgehen mit einer Horde Kinder ist nach meiner Erfahrung weitaus aufwendiger. Den Stress würde ich keinem Handwerkergesellen zumuten wollen. Und schlechte Ergebnisse in der Kindererziehung sind für unsere Gesellschaft eben kritischer.

  6. Lüneburger Haussegen

    Für unsern Oberuli, der am Donnerstag Abend, den 26. März 2015, im Rat der Stadt Lüneburg die Wahl seiner von ihm und Grünenchef Andreas Meihsies höchstpersönlich ausgesuchten neuen Bildungsdezernentin Pia Steinrücke bejubelte, ist die Sache klar: Mit dem Mittel des Streiks werde von der Gewerkschaft Ver.di versucht, in Kitas Druck auf Familien auszuüben, die auf eine verlässliche Betreuung angewiesen sind. „Das nenne ich Mitgliederwerbung auf dem Rücken von Eltern und Kindern.“

    »Die Forderungen der Gewerkschaften speziell für den Sozial- und Erziehungsdienst beurteilt Mädge als “überzogen”. Die Gewerkschaften fordern für Sozialarbeiter und Erzieher deutlich höhere Eingruppierungen, zum Teil um bis zu sieben Entgeltgruppen mehr. “Das wären dann Gehaltszuwächse von teilweise über 20 Prozent”, kritisiert Mädge. “Das allein würde für die Hansestadt Lüneburg 1,8 Mio. Euro Mehrausgaben jährlich bedeuten.” Vor allem aber fürchtet der Lüneburger Verwaltungschef um die Ausgewogenheit im Tarifgefüge des Öffentlichen Dienstes: “Die Gehaltssteigerungen im Sozial- und Erziehungsdienst waren zuletzt höher als die bei den anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Die Tarifparteien haben hier bereits 2009 Sonderregelungen vereinbart.” In der Folge sei das Gehalt von Erzieherinnen in der häufigsten Entgeltgruppe bzw. Stufe um 814 Euro auf 3289 Euro monatlich ab März 2015 gestiegen – ein Plus von 33 Prozent innerhalb von sechs Jahren. Für die übrigen Beschäftigten nach dem Tarif für den Öffentlichen Dienst betrage die Steigerungsrate gerade einmal 15,2 Prozent. Mädge appelliert darum: “Wir müssen jetzt das Gefüge insgesamt im Blick behalten.”« (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/222006-maedge-kritisiert-gewerkschaft-fuer-streikaufruf-an-staedtischen-kitas)

    Hat Oberbürgermeister Mädge vergessen, wen er gemeinsam mit seinem Grünen Bürgermeister bereits im Vorfeld der Wahl, im Rahmen der Gruppenverhandlungen mit der SPD um das Vorschlagsrecht, zur Bildungs- und Sozialdezernentin der Hansestadt auserkoren hat?

    Pia Steinrücke hat ihre prinzipielle Position zur konsequenten Stärkung von Krippe und Kita als vorschulische Bildungseinrichtung, die der Förderung von Lebenschancen dient, nämlich am Wahlabend vor eineinhalb Monaten ganz unmissverständlich umrissen: »Mit Blick auf das Bildungsdezernat sei ihre Motivation, eine vielfältige Bildungslandschaft zu gestalten, in der frühzeitig Grundsteine gelegt werden, die jedem Kind unabhängig von der sozialen Herkunft gleichberechtigten Zugang zu Bildung ermöglichen. Hierfür bedürfe es eines ganzheitlichen Ansatzes, indem Bildung, Betreuung und Erziehung noch stärker vernetzt und umgesetzt werden. Ihr Ziel sei es, stärker mit Angeboten der Familienförderung, Jugendförderung und Jugendhilfe in Bildungseinrichtungen zu gehen und Krippe, Kita und Schule neben der Familie als wichtige Lebens- und Lernorte zu stärken.« (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/224841-ja-zu-pia-steinruecke-rat-waehlt-42-jaehrige-mit-grosser-mehrheit-zur-neuen-bildungsdezernentin)

    Dass solche rigorose (und begrüßenswerte) Stärkung frühkindlicher Bildung und Erziehung höhere Qualifikationen und intensiveren Einsatz verlangt als reine Betreuung oder Verwahrung und dass dies mehr Geld kosten und bessere Bezahlung nötig machen wird, dürfte der selbst praxiserfahrenen Frau Steinrücke am 26. März im Huldigungssaal, die damit ja erst acht Tage nach dem Kita-Warnstreik am Mittwoch, den 18. März 2015, in ihr Amt kam, sehr bewusst gewesen sein.

    Die Protegierte hat also bereits am Abend ihrer Erhöhung ihrem noch jubelnden politischen Patron den Fehdehandschuh hingeworfen.

    Mal schaun, wie die Sache ausgeht und ob nun tatsächlich „Prämien an Kindergärtnerinnen“ gezahlt werden oder doch wieder „Prämien an Gutachter für noch ene Schreibtischstudie.“

    • ihr kommentar gefällt mir ausgezeichnet. machen sie weiter so.

    • Hilmar Kersting

      Bei uns geht jetzt das dritte Kind in den Kindergarten, allerdings – wie die beiden vorherigen auch – erst seit seinem dritten Lebensjahr, weil wir bzw. meine Frau, die ein eher häuslicher Typ ist, alles in Ordnung hält und sehr gerne kocht, sich ganz bewusst für unsere Kinder (4 an der Zahl) entschieden hat und sich somit gegen eine Karriere im Beruf. Wenn ich an die Elternabende im Kindergarten denke, an denen ich i.d.R. teilnehme, muss ich sagen, dass die Erzieherinnen und Erzieher auch nach der Eingruppierung in eine höhere Gehaltsklasse bei weitem noch nicht genug Schmerzensgeld bekommen. Die Forderungen die – nicht nur – bei den Elternabenden von den meist berufstätigen Eltern an die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher gestellt werden und vor allem auch das Benehmen dieser Eltern sind „der pure Horror“. Wenn die Erwartungen und Forderungen der Eltern (die sie selber nicht bereit sind zu erfüllen) nicht zur vollen Zufriedenheit dieser Eltern ausfallen, dann Gnade den Erzieherinnen und Erziehern Gott !!!

    • Tatsächlich hat sich die Bezahlung von Erziehern in Deutschland nicht zuletzt durch das Engagement der Gewerkschaften in den letzten Jahren schon enorm verbessert. Seit 2009 stiegen die Löhne um gut 30 Prozent. Das sind Lohnsteigerungen weit über dem Durchschnitt der meisten Branchen. Zum Vergleich: Die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie hatten in dem viel größeren Zeitraum seit 1990 gerade einmal eine reale Einkommenssteigerung von 20 Prozent. Allerdings kommen die Beschäftigten in den Kindertagesstätten insgesamt von einem äußerst geringen Niveau. Laut dem Lohnspiegel verdienen Maurer mit gut 2.720 Euro und Paketzusteller mit gut 2.966 Euro deutlich mehr.

      Erzieher, die unter den TVöD fallen, arbeiten in Vollzeit 39 Stunden pro Woche (es gibt jedoch in einzelnen Bundesländern eine Abweichung auf 40 Stunden pro Woche) und haben 30 Tage Urlaub im Jahr. Das ist gegenüber den Vorjahren eine Verbesserung – bis zu einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts im Jahr 2012 hatten Erzieher bis zum vollendeten 30. Lebensjahr nur 26 Tage Urlaub, bis zum 40. Lebensjahr 29 Tage Urlaub und nach dem 40. Lebensjahr erst 30 Tage Urlaub im Jahr.

      Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung fehlen im Schnitt 120.000 Vollzeitstellen in Kindergärten, Kindertagesstätten und Horten. Im Schnitt hat in den ostdeutschen Krippen eine Erzieherin durchschnittlich 6,3 Kleinkinder zu betreuen, im Westen sind es der Berechnung zufolge 3,8 Kinder. Empfohlen sind drei Kinder pro Erzieherin. Bei den Drei- bis Sechsjährigen sollte eine Fachkraft nicht mehr als 7,5 Kinder betreuen. Der Schlüssel liegt allerdings in allen Bundesländern höher. In Niedersachsen bei 12 Kindern, in Mecklenburg-Vorpommern ist er am höchsten: Hier hat eine Erzieherin in der Regel fast 14 oder 15 Kinder zu betreuen. Problematisch daran ist, dass auch die Leiterinnen der Einrichtungen meist in den Personalschlüssel mit eingerechnet werden, obwohl sie viele Verwaltungs- und Organisationsarbeiten verrichten und sich nicht die ganze Zeit um die Kinder kümmern können.

    • „Ich habe mich für diesen Job entschieden, weil ich Kinder liebe. Jedes einzelne Kind ist für mich wie ein kleines Wunder, und es ist ein Glück, sie auf ihrem Weg begleiten zu können. Geld ist mir nicht so wichtig, mir geht es eher um die Frage, was der Gesellschaft unsere Arbeit wert ist. Wieso wollt ihr immer mehr Geld, ihr produziert doch nichts, über solche Sätze ärgere ich mich. Wir hantieren hier nicht mit Steinen oder Akten, sondern mit etwas viel Wertvollerem: mit Menschen.

      Wir legen den Grundstein dafür, dass aus Kindern eigenständige Persönlichkeiten werden – und diese produzieren dann später auch etwas. Einen wertvolleren Job gibt es doch gar nicht!

      Ich arbeite jetzt seit fast 20 Jahren als Erzieherin und kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Ich liebe meinen Beruf, aber ich kann verstehen, wenn viele damit überfordert sind und die Bezahlung als unfair empfinden. Man muss schon sehr auf sich achten, um in diesem Job nicht unterzugehen, und ich mache mir auch Gedanken, ob ich in der Lage sein werde, bis zur Rente voll arbeiten zu können. Einige Kollegen haben jetzt schon gesundheitliche Probleme, obwohl unser Arbeitgeber viel für den Gesundheitsschutz unternimmt. Bei so vielen Kindern ist es einfach laut, und ich nehme die Kleinen auf den Arm, egal wie schwer sie sind.

      Zu streiken kann ich mir persönlich nicht vorstellen, ich will die Eltern und Kinder nicht im Stich lassen. Man muss sich mal in die Kinder hineinversetzen: Manche sind zehn Stunden am Tag in der Kita. Wenn Erwachsene nach einem achtstündigen Arbeitstag jammern, wie empfindet da ein zweijähriges Kind einen Zehn-Stunden-Tag? Das ist auch anstrengend, da darf man die Kinder nicht noch durcheinanderbringen.

      Aber ich habe Verständnis für die streikenden Kollegen. Ohne Idealismus braucht man in unserer Branche gar nicht erst anzufangen, das weiß jeder. Hier geht es jedoch um die Frage, welchen Stellenwert Erziehung in unserer Gesellschaft hat und was Eltern die Kinderbetreuung wert ist.“

      Mehr zum „Gefüge insgesamt“, das Ulrich Mädge „im Blick behalten“ möchte, in den Worten der Berliner Erzieherin Anke Buuk-Escher findet sich hier: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/kita-streik-warum-erzieher-mehr-geld-verdienen-sollten-a-1032931.html

  7. renate blomeier ohlsson

    Es geht doch um die Machtgier eines einzelnen Mannes. Wieso sind die GDL Mitglieder so naiv? Ich habe selbst im Vorstand einer Gewerkschaft gesessen und dabei gesehen um was es wirklich geht. Auf gar keinen Fall um die Mitglieder!
    Und wieso ist es erlaubt, einem Land so grossen Schaden zuzufügen, es praktisch lahmzulegen??
    Und wieviele Arbeitsplätze kostet der vom Napoleon-Komplex geplagte Herr Weselsky im Endeffekt?
    Und im übrigen: wo kommt dieser Mann eigentlich her?????

  8. Doch noch ene Schreibtischstudie

    Im letzten Herbst wurden von einer Gruppe herausragender Psychologiestudierender der Leuphana, einer Bockelsberger Universität für das 21. Jahrhundert, fünftausend Kindergärtnerinnen aus Lüneburg dazu befragt, ob es in ihrem Leben einen Moment gab, in dem sie sich von einem übernatürlichen Erlebnis ergriffen wussten. 18 Prozent der Befragten gab an, sich exakt am 4. April 1993 gegen 19:21 Uhr auf einmal massiv bedroht und beobachtet gefühlt zu haben. Diese intensive Erfahrung habe für wenige Minuten angehalten und sei so eindrücklich gewesen, dass keiner der Befragten das Datum je vergessen konnte und nur die wenigsten wagten, ihren Nächsten davon zu berichten.

    Die wirtschaftsnahen Forscher des mehrfach ausgezeichnetes Studienmodells neuen Typs stellen dieses zukunftsweisende und praxisrelevante Ergebnis ihrer einzigartigen Untersuchung der internationalen ökologischen Fachwelt Anfang Juni vor. Beim weltweit größten Kongress für nachhaltige interkulturelle Sportmedizin in Denver, USA, durchgeführt vom American College of Sports and Insight (ACSMI), wird die Studie dann vor rund 7.000 führenden Professoren, Spiritualphilosophen und Marketing-Trainern per Akklamation ihre weltweit ausstrahlende wissenschaftliche Anerkennung erhalten.

    Im Januar 2016 wird sie im renommierten Fachorgan Medicine & Science in Religion & Excercise (MSRE) in gedruckter Form veröffentlicht – unter dem Titel: »Wohin mit den Bälgern während des Kita-Streiks?

  9. Die Gewerkschaft deutscher Lokführer (GDL) streikt. Sie streikt dafür, dass sie für Zugführer und Servicekräfte verhandeln darf. Sie streikt für bessere Arbeitszeiten, und sie streikt für mehr Gehalt.
    Fünf Prozent mehr Geld fordern die Lokführer. Aber selbst mit dieser Lohnerhöhung wären Deutschlands Lokführer im europäischen Vergleich unterbezahlt.
    Nachbarländer verdienen doppelt so viel
    Eine Vergleichsstudie aus dem Jahr 2007 zeigt, dass die deutschen Lokführer mit Abstand den letzten Platz unter ihren europäischen Kollegen belegen. Quelle Focus-Online

  10. Zitat:

    „Natürlich hat es so ein Arbeiterführer schwer genug, seine durchaus berechtigten Ziele und Forderungen, aber auch seine Befürchtung, die Grundrechte seien in Gefahr, unters Volk zu streuen, und nicht nur bei den willigen Genossen Unterstützung einzuwerben. Aber GDL-Chef Weselsky ist dazu gar nicht in der Lage. Sturheit garniert mit Pöbelei statt mit blitzgescheitem Witz, hat keinen Charme, schon gar nicht, wenn man auch noch Rückendeckung für die “freundliche Übernahme” einer anderen Gewerkschaft sucht.

    Arrogant und selbstgefällig sind Sie gar nicht Herr Jenckel? Das es um demokratische Grundrechte geht und um die berechtigte Frage, warum in der heutigen Zeit z. B. Krankenhäuser, die für die Menschen und deren Hilfe da sein sollen, privatisiert werden um mit kranken Menschen Gewinne zu erwirschaften und dabei Löhne drücken, bzw. niedrig halten und Mitarbeiter reduzieren, um mehr Geld zu erwirtschaften , ist nicht bis zu Ihnen vorgedrungen?

    Herr Weselsky stärkt die Interessen der Arbeitnehmer vor weiteren Einschnitten durch die Privatisierung der Bahn.

    PS: Haben Sie einen derart undifferenzierten Kommentar aus ihrem „warmen Büro mit Kaffeetasse auf dem Tisch“ auch geschrieben, als der Ex- Chef Hartmut Mehdorn, der mal wieder eine Pleite nach der anderen produzierte , seine Millionen an Gehalt erstritt und eine Abfindung hinterher geworfen bekam?

  11. Renate Werner

    Die Arbeiterpartei SPD will mit dem Tarifeinheits Gesetz die Gewerkschaften noch machtloser machen damit endlich Bundesweit Hungerlöhne Usus werden –
    Wer das nicht erkennt muss schon arg beschränkt sein….

  12. Ilona Richter

    Was dieser GDL-Streik uns alle noch kosten wird…bla bla bla

    Der Bahn Streik ist verstaendlich, kostet im Gegensatz zum Berliner Flughafen nur Peanuts! Über die Flughafen -BER kosten und den Millionengeldregen eines Herrn Mehdorn, der alles in die Grütze gefahren hat, regt sich keiner auf. Nur wenn ein Lokfuehrer mehr Geld verdienen moechte und für bessere Arbeitsbedingungen streikt, ist das Geschrei gross. Was der BER bis jetzt an Steuergeldern verschlungen hat und noch verschlingen wird ist dem Michel egal . Nur wenn der Lokfuehrer streikt das ist dann nicht in Ordnung . Da soll einer die Welt verstehen,lieber Herr Jenckel!

  13. Theo Psomogerous

    Das Geld gehört in die Lohntüte der Bahner, aus die Maus. Lieber Herr Jenckel und Co. , lamentiert mal lieber über die zig -Milliarden, die uns im Zusammenhang mit Wirtschaftsspionage der USA (NSA/BND) in Deutschland verloren gehen. Aber unsere Kanzlerin Angela Merkel wird uns ja demnächst vor dem Untersuchungsausschuss Rede und Antwort stehen. So wie bei den Versprechen , das es „keine Schuldenübernahme für andere Länder innerhalb der EU geben wird.“ Danke, liebe „Verteter des Volkes!“