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Über diese Brücke wirst du nicht gehen…

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

(Den Blog.jj füttert Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Kürzel jj.)

Lüneburg, 2. Juni
Die Brücke Dömitz ist eine 970 Meter lange Straßenbrücke über die Elbe. Sie gehört zur Bundesstraße 191 von Uelzen nach Ludwigslust. Die Querung wurde bald nach der Wiedervereinigung gebaut. Sie änderte nichts am Exodus im Landkreis Lüchow-Dannenberg, sie führte nicht zu wirtschaftlicher Blüte und verhinderte nicht den ökonomischen Stillstand in der Festungsstadt Dömitz. Die liegt eigentlich immer noch auf der Intensivstation am Fördertropf.

Eine andere Elbbrücke, die bei Neu Darchau, ist ein Traum. Noch bis Mitte Juli. Dann tagt der Lüneburger Kreisstag und lässt diesen Traum platzen, obwohl er ihn zwei Jahrzehnte genährt hat. Die Brücke hätte vermutlich auch nichts am Exodus in Neuhaus geändert, auch nicht zu wesentlichen Ansiedlungen geführt.

Der feine Unterschied ist der: Die Brücke Dömitz wurde unmittelbar nach der Grenzöffnung 1992 eröffnet. Die Brücke Neu Darchau kam erst nach 1993, nach der Rückgliederung des Amtes Neuhaus in den Kreis Lüneburg als „Brücke der Herzen“ ins Spiel. Sie war ein Versprechen. Es folgten Sturm und Drang, die mit einem Planungs-Desaster endeten, dann ein zweiter Anlauf, da herrschten schon Lippenbekenntnisse vor. Höhepunkt war eine Bürgerbefragung vor zwei Jahren, deren Ergebnis ungehört blieb. Dafür wird auch niemand je zur Verantwortung gezogen.

Unterm Strich wurden, und das ist der Subtext, mehr als eine Million Euro verfeuert, um die Nicht-Machbarkeit der Brücke zu beweisen. Macht nichts, zahlen die Bürger, auch die, die sich wider besseren Wissens auf Politikerworte verlassen haben.
Hans-Herbert Jenckel

10 Kommentare

  1. na ja, mein abschied hier wurde verschoben. in neuhaus hat die größte firma den ort verlassen. nicht wegen der nicht vorhandenen brücke. gut, es war eben nur eine inkasso-firma. sie muss nichts transportieren. eine brücke der herzen ist lieb gemeint. aber lieb gemeint , ist nicht gut gemacht. es ist ein ländlicher bereich, der langsam aber sicher entvölkert wird. niedersachsen hat da so einige probleme mit dieser tatsache, da genau dieses auch woanders passiert. da führen nur noch autobahnen und strassen dazu, durch diese gegenden schneller durchzufahren. man sollte diese gegenden nutzen als naherholungsgebiete. sowas findet ja auch schon statt. dazu bedarf es aber keine brücke. wer sie will, soll sie auch bezahlen können. die argumente, woanders wird auch geld rausgeschmissen, sind keine argumente , sondern unfug.

  2. Brückenglück

    Herrlich das wundervolle Foto des freudig einer harmonischen Zukunft, in baulich besiegelter Verbundenheit entgegen strahlenden Manfred Nahrstedt, des aufrichtigen und von dem unbedingten Wert der elbquerenden Vereinigungsnotwendigkeit mit seinen Neubürgern einigen und vorbehaltlos überzeugten landrätlichen Befürworters der „Brücke der Herzen“. Hier:

    http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/59985-streit-um-richtige-wortwahl

    Woran Hans-Joachim Andrews, der Präsident des Neuhauser Schützenvereins, am 4. März 2013 bei der Kreistagssitzung in der Lüneburger Ritterakademie mit dem vollsten Vertrauen in die Verlässlichkeit seiner Volksvertreter erinnerte, nämlich “dass die weit überwiegende Mehrheit der Stimmberechtigten bei der Bürgerbefragung im Januar für die Brücke gestimmt hat”, daraus hatte auch die Grüne Petra Kruse-Runge ihr allerentschiedenstes „Ja“ zur Realisierung des Projekts abgeleitet: “Ich bin zwar gegen die Brücke, daran halte ich fest. Aber ich respektiere das Ergebnis der Bürgerbefragung”, sagte die durch und durch integre Grüne mit lauterem Verweis auf eine absolut unwiderruflich einstimmige Entscheidung im Straßenbauausschuss Ende Januar. Damals hatten auch die Grünen einer Liste mit Straßenbauvorhaben aus innerster Seelenunerschütterlichkeit zugestimmt, die den Brückenbau beinhaltet.

    Nachdem man sich derart herzensfest in einer Art Brückenbauschwur- und Blutsbrüderschaft dazu verpflichtet hatte, sich einander im täglichen Leben bis zur Fertigstellung des überspannenden Verkehrsweges bedingungslos beizustehen und sich darauf verlassen zu können, dass der eine dem anderen auch in der Sorge um seine Familien, Frauen, Kinder und Kindeskinder bei jeder erdenklichen Bauanfechtung mit unerschütterlicher Treue und unerschöpflicher Hilfe beisteht, wurde in Anlehnung an den Psalm 46 Lut, „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke“ gemeinsam laut, falsch, aber aus voller Brust und mit ehrlichstem moralischen Drange, die zugeschworenen Versprechen zu halten, gesungen:

    „Ein feste Burg ist unser Wort, ein gute Wehr und Waffen.“

  3. No Brücke, no Cry

    Für alle rechtselbischen Landkreis-Irredenten hat Manfred Nahrstedt tröstliche Worte gefunden:

    https://www.youtube.com/watch?v=Oo4OnQpwjkc

  4. „Unterm Strich wurden, und das ist der Subtext, mehr als eine Million Euro verfeuert, um die Nicht-Machbarkeit der Brücke zu beweisen. Macht nichts, zahlen die Bürger, auch die, die sich wider besseren Wissens auf Politikerworte verlassen haben“ ?

    Warum eigentlich?

    Vielleicht sind Wolfgang Schurreit, Franz Fietz und Manfred Nahrstedt ja bereit, jeweils auf 350.000 € ihrer Rentenansprüche zu verzichten, um den von ihnen so teuer geführten Beweis aus eigener Tasche zu bezahlen?

    Man sollte sie einfach einmal fragen.

  5. So viele Lügen, Versprechungen – ein Drama, glatt filmreif. Und alles für den Wunsch von ein paar Seelen, die letzten Endes dann doch niemanden wirklich interessieren. Geld ist das was zählt, aber man wird doch noch träumen dürfen.

  6. Hinrich Knacke

    Die Neuhäuser warten seit einem Vierteljahrhundert auf die ihnen schon vor 1993 immer wieder zugesicherte Brücke. Bei Eisgang, Niedrig- und Hochwasser stellen die Fähren ihren Betrieb ein. Repariert werden müssen die uralten Schnaufer immer häufiger. Dann bleibt nur, 33 Kilometer zur nächsten Brücke in Dömitz (flussaufwärts) oder 37 Kilometer nach Lauenburg (flussabwärts) zu fahren. Ein ums andere Mal wird der Fährbetrieb zwischen Ost und West auch einfach für vier Wochen komplett eingestellt, wenn wie im April vor zwei Jahren der Fährenklepper „Tanja“ in Lauenburg gewartet und repariert werden muss. Wer den Abend in Lüneburg verbringt, muss immer die Uhr im Blick behalten, denn um 23.00 Uhr geht die letzte Fähre von Bleckede. Die „Tanja“ macht sogar schon um 21.00 Uhr Schluss.

    Wegen der fehlenden Brücke hatten die Alliierten 1945 den sogenannten Neuhäuser Streifen, Ortschaften am östlichen Elbufer, die seit 1689 zu Lüneburg gehörten, einfach der sowjetischen Besatzungszone zugeordnet. Politisch, ökonomisch und kulturell ist Amt Neuhaus wegen der fehlenden Brücke aber auch seit 1989 ein Zwitter geblieben. Man liest dort hauptsächlich die „Schweriner Volkszeitung“. Die liegt morgens im Briefkasten, während die „Landeszeitung“ aus Lüneburg erst mittags mit der Post kommt. Ein mecklenburgischer Busbetrieb bedient das Amtsgebiet. Viele Kinder besuchen die Gymnasien in Dömitz und Boizenburg in Mecklenburg statt im eigentlich zuständigen niedersächsischen Bleckede. „Der Schulweg mit der Fähre ist einfach zu umständlich“, sagt dazu Bürgermeisterin Grit Richter. Dennoch betont sie: „Wir sind Niedersachsen und wollen es auch bleiben.“

    Am 20. Juli will Manfred Nahrstedt, der Chef der Lüneburger Kreisverwaltung dem Kreistag nun vorschlagen, die Planungen für die Elbbrücke zwischen Darchau und Neu Darchau rund 14 Jahre nach dem – einstimmigen – Baubeschluss einzustellen.

    Wie wäre es, wenn die Einwohner des Amtes nach dem Eingeständnis dieses Totalversagens unserer Kreispolitiker für die beiden Fähren nichts mehr zahlen müssen und der Verkehr rund um die Uhr sichergestellt wird ?

    Wenn dieses Jahr zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober von der Gemeinde Amt Neuhaus in Darchau dann das 4. Brückenfest ohne Brücke gefeiert und an die Verbundenheit der Bewohner beiderseits der Elbe erinnert und damit der Bedarf nach einer festen Elbquerung unterstrichen wird, wird der Neuhäuser Schützenchor singen:

    „Whatever you do
    Don’t pay the ferryman
    Don’t even fix a price
    Don’t pay the ferryman
    Until they welcome you on the other side.“

  7. Es ist an der Zeit!
    In den Anfängen nach der Grenzöffnung waren alle euphorisch und haben Brücken gefordert. Alle waren der Meinung, dass dieses Projekt im Zuge einer Bundesstraße realisiert wird und konnten dann feststellen, dass das Projekt immer weiter abgestuft wurde. Die Debatte um die Brücke war und ist ein Entwicklungshindernis für beide Seiten der Elbe. Das gilt selbst dann, wenn einzelne die Unwahrheit verbreiten und behaupten, sie müssten Zehntausende Euro Fährgebühren bezahlen.
    Alle reden über Bürgerbefragungen: Denkt eigentlich noch jemand an die Bürgerbefragung in Neu Darchau? 85 % der Bevölkerung haben die Trasse durch den Ort abgelehnt. Alle jetzt laufenden Planungen zerschneiden den Ort Neu Darchau und seine Ortsteile. Schon allein deshalb müsste der Rat der Gemeinde Neu Darchau gegen alles vorgehen, was jetzt bekannt ist.
    Also jetzt an den Tisch und die beiden Fährverbindungen optimieren. Der Fährbetrieb Tanja ist kompetent aufgestellt und kann hier gute Arbeit leisten.
    Es ist an der Zeit!