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Um neue Brennpunkte müssen sich die Lüneburger Politiker nach der Sommerpause keine Sorgen machen, aber um Lösungen

park

Lüneburg, 1. September

Was sehen Sie?

Genau, eine Steinwüstenei. Die fanden Sie lange im Lüneburger Kurpark. Das ist aber kein Kunstwerk, sondern ganz eigentlich ein Brunnen, der in den Sommerferien so wenig sprudelt wie die Lokalpolitik. Hier konnten sich Kinder nur die Knie aufschubbern, so wie die Politiker an Problemen. Und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Der Brunnen ist also nur Symbol für den Aggregatzustand der Lüneburger Kommunalpolitik am Ende der Ferien.*

Gut, die Grünen kämpfen weiter für den Grüngürtel am Stadtrand, den sie schützen. Der Oberbürgermeister hat seinen Speckgürtel reicher Umlandgemeinden, von denen er sich gerne welche einverleiben würde.  Die SPD kämpft für Bildung, und die CDU um ein Zugpferd fürs Wahljahr 2016. Aber vor allem droht allen Kummerspeck.

Da wäre zum Beispiel das Audimax von Stararchitekt Libeskind auf dem Lüneburger Campus. Wie gerne würden die kommunalen Wegbereiter des Projektes in dem Prunkbau den Wahlkampfauftakt feiern. Doch bis die erste Veranstaltung dort möglich wird, ist die Kommunalwahl 2016 Geschichte. Es droht vielmehr die Gefahr, dass weitere Kosten auf die Kommune durchschlagen, wenn  die Landespolitik auf die Idee kommt, die Hansestadt über die zugesagten fünf Millionen hinaus anzuzapfen. Wie steht es im jüngsten vertraulichen Bericht aus den Wissenschaftsministerium zu Mehrkosten an der Leuphana und Geldquellen?: „Die aufgezeigten Finanzierungsoptionen sind ausnahmslos bloße Hoffnungspositionen und bieten keine belastbare und kalkulierbare Grundlage für eine solide Finanzplanung. Das Modell kumuliert  am Ende lediglich die grundsätzlich fehlenden Finanzmittel der Stiftung Universität Lüneburg…“ Zum Glück wurden keine Noten vergeben.

Am neuen Museum, für zehn Millionen Euro errichtet, wird eine Busspur eingerichtet. Manche Lokalpolitiker fragen sich allerdings in Sorge, ob die Baukosten nötig sind oder der Besucherstrom-Optimismus nicht doch überzogen sei. Für den Museums-Café-Betreiber kommt die Zuversicht zu spät, er hat gerade Insolvenz angemeldet, zieht sich aus dem Kulturtempel zurück, auch weil Besucher fehlten.**

Und am Theater wird der Brandschutz  richtig teuer, und keiner weiß, wo das Geld herkommen soll.

Doch das zusammen sind nur kleine Fische. Bis gestern konnten die Kommunalpolitiker wenigsten noch mit dem Hit „Bildung, Bildung, Bildung“ alles übertönen.  Heute müssen sie viele Hundert Flüchtlinge willkommen heißen und gut unterbringen. Das hat Vorrang. Kanzlerin Merkel hat wie Bob der Baumeister schon die Devise ausgegeben:  „Wir schaffen das.“

In Lüneburg fragen sich Verantwortliche: Nur wie?

Hans-Herbert Jenckel

*Der Text wurde aktualisiert: Der Ententeich läuft nach Monaten langsam wieder voll und auch der Kurpark-Brunnen sprudelt nach einer Sommerpause wieder.

**Das Café wird von der Neuen Arbeit betrieben, die diese Woche Insolvenz angemeldet hat.

26 Kommentare

  1. Ich lach mich schlapp

    Wie steht es im jüngsten vertraulichen Bericht aus dem Wissenschaftsministerium zu Mehrkosten an der Leuphana und zu deren Geldquellen?

    „Die aufgezeigten Finanzierungsoptionen sind ausnahmslos bloße Hoffnungspositionen und bieten keine belastbare und kalkulierbare Grundlage für eine solide Finanzplanung. Das Modell kumuliert am Ende lediglich die grundsätzlich fehlenden Finanzmittel der Stiftung Universität Lüneburg…“

    AUSNAHMSLOS BLOSSE HOFFNUNGSPOSITIONEN … Das ganze „Modell neuen Typs“ ist eine bloße Hoffnungsposition. Es beruht auf dem Glauben an die „nachhaltige“ Wirkung von Reklame und gezinkten Verblendungen.

    Seit mindestens fünf Jahren wissen wir, dass „das Projekt“ durch die genehmigenden Instanzen gemauschelt wurde, ohne dass jemals eine „belastbare“ Finanzierungsplanung vorgelegen hätte.

    Was empfahl der aufrechte, von Anfang an entschiedenste Gegner des megalomanen Libeskind-Baus, MdB Eckhard Pols (CDU), im März vorigen Jahres im Hamburger Abendblatt?

    Pols: „Ich würde den zugesagten Anteil der Hansestadt am Audimax der Leuphana nicht um einen Euro erhöhen.“

    HA vom 13.03.14, http://www.abendblatt.de/hamburg/harburg/article125735482/Die-Zeit-ist-endlich-reif-fuer-einen-Wechsel.html

    • Hoffnungspositionen

      Finanzexperten sind sich einig: Die Vermittlung wirtschaftlicher Kenntnisse an deutschen Schulen ist miserabel, unsere Kinder sind, was wirtschaftliches Fachwissen angeht, auf dem Stand von mittelalten Griechen, Lüneburger Stadträten oder Mitgliedern des Leuphana-Präsidiums. Der durchschnittliche 12jährige ist heute bereits vollkommen überfordert damit, ein Konzept für seine kapitalgedeckte Altersvorsorge zu entwickeln, wer von 14jährigen eine Einschätzung ihres Shareholder-Values hören möchte, erntet nichts als betretenes Schweigen, und von Gewinnmaximierung haben die meisten Grundschüler noch nie etwas gehört. Da verwundert es auch kaum, daß der Cashflow der meisten Teenager nur als unterirdisch bezeichnet werden kann und ein Großteil der unter 18jährigen nach wie vor auf staatliche Transferleistungen oder Spenden aus den Kapitalanlagen ihrer Eltern angewiesen ist. Experten aus Wirtschaft und Industrie appellieren deshalb nachdrücklich, die Kinder nicht weiter mit Bildung zu belästigen und ihnen stattdessen volks- und betriebswirtschaftliche Kenntnisse zu vermitteln.

      (Mehr dazu hier: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kommentar-jugendliche-wissen-zu-wenig-ueber-wirtschaft-13774203.html)

      • mein bester, sie rennen bei mir offene türen ein. aber sie wissen doch, man sollte schon mit dem kind im mutterleib sprechen. damit es eine ahnung hat, was auf es zukommt, wenn es geboren wird. kleiner scherz.

  2. ach was , am theater wird der brandschutz teuer? ber lässt grüßen.welche knallerbsen planen eigentlich noch in den kommunen? müssen diese alles einkaufen? auch die geschäftemachereien? sparen am falschen platz war schon immer teuer. brandlast kann man mit intelligenz senken. dann wird der brandschutz auch nicht so teuer. ich hätte große lust, da ehrenamtlich tätig zu werden. sowas wird leider nicht hinterfragt.

  3. brandklasse a kann man mit einer schaufel sand beglücken und bei a b stellt man ein eimer wasser daneben.lol
    es geht auch vornehmer. luxus kostet aber. haha.

  4. ich habe mich in der vergangenheit oft mit architekten rumplagen müssen. die haben sich gewundert, wenn an ihrer designer-wand plötzlich ein roter feuerlöscher hängen musste. brandschutz ist bei denen als stiefkind in der betrachtung. wer beim bau am anfang darüber nachdenkt, kann am ende eine menge geld sparen. darüber denkt aber kein architekt nach, er träumt von was hübschen.

  5. »Kanzlerin Merkel hat wie Bob der Baumeister schon die Devise ausgegeben: „Wir schaffen das.“

    In Lüneburg fragen sich [die] Verantwortlich[en]: Nur wie?«

    Klar, im Augenblick scheint die Lage verworren, aber wird in ein, zwei Jahren Bilanz gezogen, zeigt sich, dass für die einheimische Bevölkerung Einwanderung insgesamt positiv zu bewerten ist. Kurzfristig unterstützt sie die Anpassungsprozesse an einen immer rascheren Strukturwandel. Langfristig stimuliert sie das wirtschaftliche Wachstum. Vor allem wenn dank der Zuwanderung positive Externalitäten entstehen, beispielsweise in Form eines „Brain-Gains“.

    Eine politisch-ökonomische Spannung entsteht anfangs oft durch die ungleiche subjektive, aber auch objektive Betroffenheit durch die Zuwanderungseffekte. Die Vorteile der Einwanderung sind anonymisiert. Sie werden nicht wissentlich wahrgenommen. Sie kommen der Gesellschaft insgesamt mehr oder weniger gleichmäßig verteilt zugute, ohne dass die Urheber bekannt sind, etwa so, wie auch die täglichen Vorteile einer gut funktionierenden Rechtsordnung als selbstverständlich genommen werden und sich kaum jemand mehr darum bemüht, sie ständig hervorzuheben.

    Ganz anders beurteilen arbeits- oder wohnungssuchende Einheimische die Einwanderung. Aus ihrer direkten Betroffenheit erkennen sie im Ausländer (in der Ausländerin) eine direkte Konkurrenz um Arbeitsplätze oder Wohnraum. Wer einen Job oder eine Wohnung an einen Ausländer verliert, wird sich wenig für die anonymen Vorteile für alle interessieren. In einer verständlichen Angst um Arbeitsplätze, auf der oft vergeblichen Suche nach billigen Wohnungen und mit Blick auf die Kriminalitätsstatistik stehen viele Einheimische der Einwanderung misstrauisch gegenüber – vor allem, wenn sie tagtäglich an urbanen Brennpunkten unmittelbar mit den Problemen der Zuwanderung konfrontiert werden und sich in ihrem unmittelbaren persönlichen Wohlbefinden eingeschränkt fühlen.

    Zudem glauben viele Einheimische, dass die Ausländer(innen) verantwortlich dafür seien, dass Straßen verstopft, Krankenhäuser überfüllt, Schulklassen zu groß oder Wohnungs- und Erholungsraum zu knapp werden. Schlimmer noch: Oft müssen die ohnehin bereits knappen Sozialkassen mit gescheiterten Zuwanderern, Asylsuchenden und Flüchtlingen geteilt werden. Hier müsste immer wieder daran erinnert werden, dass es beim Asylrecht um Menschenrechte und damit um humanitäre Grundrechte geht und nicht um ökonomische Kosten und Nutzen.

    Während die Vorteile der Einwanderung kaum thematisiert werden, bieten die negativen Erscheinungen nicht immer – aber in schwierigen Zeiten immer öfter – Stoff genug, um mit übergroßen Schlagzeilen das Bild zu schwärzen. Einzelschicksale und verbrecherische Untaten werden dann zu allgemeinen Bedrohungsbildern aufgebauscht. Allzu leicht werden hier Ausländer(innen) insgesamt in eine Sündenbock-Rolle gepresst. Allzu rasch bleibt vergessen, dass die Masse der Ausländer(innen) ihr Einkommen durch ehrliche, in der Regel beschwerliche Arbeit erzielt und damit durch die ganz normale Einkommensteuer ihren Beitrag zur Alimentierung der Sozialkassen leistet. Es wundert wenig, dass aus einer subjektiven Betroffenheit oft verdrängt wird, wie gering die objektive Belastung durch die ausländische Wohnbevölkerung tatsächlich ist und dass die anonymen makroökonomischen Vorteile der Zuwanderung ganz vergessen werden.

    Richtig ist, dass Zuwanderung makroökonomisch positiv zu beurteilen ist. In aller Regel ist mehr Zuwanderung ökonomisch besser als weniger. Was auf den ersten Blick als „Probleme“ der Zuwanderung mit ganz fetten Überschriften ins Bild der Öffentlichkeit gezerrt wird, erweist sich bei genauerem Hinsehen oft als generelles Problem des Sozialstaates und nicht als spezifisches Problem, das durch die Zuwandernden verursacht wird. Im Gegenteil: Es sind nicht zuletzt die positiven Wirkungen der Zuwanderung und die Beiträge der ausländischen Arbeitskräfte zu den deutschen Sozialkassen, die es auch und gerade ermöglichen, schwächere und Not leidende Deutsche finanziell zu unterstützen.

    Richtig bleibt aber auch, dass die ökonomischen Wirkungen der Zuwanderung nicht überschätzt werden sollten. Genau so wenig wie Zuwanderung so schlecht ist, wie sie von den negativ Betroffenen bewertet wird, so wenig ist sie der Königsweg, der alle ökonomischen oder demographischen Probleme der Aufnahmegesellschaft lösen kann. Zuwanderung hilft höchstens flankierend. Sie ist aber kein Ersatz für (überfällige) Strukturreformen.

    • mein lieber mann, ich liebe die kürze. was sie geschrieben haben ist nach meiner meinung nicht verkehrt. nur, dieses kann man auch kürzer schreiben. bild ist nicht immer ein beispiel. ( der Zuwanderung mit ganz fetten Überschriften ins Bild ). hier muss alles gegengelesen werden und man muss sich nicht wundern, wenn es lange dauert, bis es endlich eine antwort gibt, wenn die vorlage so lang ist. und zu oft sollte man hier auch nicht erscheinen. sonst landet man im papierkorb. lol.

  6. für die politik gibt es eine einfache lösung. man sollte die bürger fragen. und zwar die macher und nicht die sesselpuper. vorsicht vor denen, die studiert haben. die verwechseln gern das machbare mit dem möglichen.

  7. Holzkamp hätte die Lösung so beschrieben: “ Prinzipiell stehen Menschen in jeder historischen Situation vor der Alternative, entweder die Handlungsmöglichkeiten, die ihnen in ihrer besonderen gesellschaftlichen Lage zur Verfügung stehen, zu nutzen und sich mit deren Beschränktheit abzufinden, oder zu versuchen, die allgemeine Verfügung über die Möglichkeiten individuellen Handelns (gemeinsam mit Anderen) zu erweitern, d. h. gesellschaftliche Bedingungen zu verändern.“
    Dazu etwas Emphatie und Akzeptanz, schon wird der Weg zu den Lösungen wärmer.
    Leider ist Europa bisher weder Harmonisch noch Gerecht.
    Vll. kann die Welt/Europa dann von den vorbildlichen Lösungen Lüneburgs etwas lernen.

    • Migration und Verteilung

      Nun, Ossarek-Bruns, die von Ihnen zitierte Plattitüde stammt natürlich nicht von Holzkamp, sondern von dem Wikipedia-Autor, der über Holzkamp geschrieben hat. Ins Deutsche übersetzt, steht dort: „Nutze deine Chancen und erweitere deine Handlungsoptionen.“ Das gemeinsame Arbeiten an den Bedingungen unserer Möglichkeiten entspricht den Prinzipien der Marktwirtschaft. Wer hätte das über den guten Klaus gedacht?

      Die Krux liegt aber darin, dass solche ökonomischen Modelle zunächst nichts darüber aussagen, wer denn die Effizienzgewinne (Hier: der Zuwanderung) einstreichen kann. Während die Volkswirtschaft insgesamt gewinnt, werden nicht alle Beteiligten zu den Gewinnern gehören. Durch die Zuwanderung wird ein Strukturwandel ausgelöst, der langfristig zwar dringend notwendig ist und der erlaubt, die durchschnittliche Produktivität zu erhöhen, von dem aber nicht alle Einheimischen gleichermaßen positiv betroffen sind. Einige werden möglicherweise sogar aus dem Arbeitsmarkt verdrängt. Es ergeben sich politisch-ökonomische Spannungsfelder zwischen Interessengruppen der Gewinner und der (relativen) Verlierer.

      Je einfacher einheimische durch einwandernde Arbeitskräften ersetzbar sind, desto härter werden die Anpassungserfordernisse. Bei gut funktionierenden Arbeitsmärkten wird durch die Zuwanderung ein Druck auf die Reallöhne ersetzbarer einheimischer Arbeitskräfte ausgeübt (was die direkt Betroffenen negativ beurteilen, was aber für die übrige Wirtschaft positiv ist). Bei schlecht funktionierenden Arbeitsmärkten wird die Arbeitslosigkeit ansteigen.

      In der Realität (und ganz besonders in der deutschen Wirklichkeit!) ist es möglich, dass Zuwandernde einheimische Arbeitskräfte aus dem Arbeitsmarkt in die Erwerbslosigkeit drängen. Allerdings ist dann die Zuwanderung (in der Regel) nicht die Ursache der Arbeitslosigkeit, sondern lediglich ein relativ offensichtlicher Beleg für die fehlende berufliche und räumliche Mobilität und Flexibilität der Einheimischen. Oder: Nicht die Migration der Ausländer, sondern die fehlende (berufliche oder räumliche) Mobilität der Einheimischen verursacht die Arbeitslosigkeit!

      Immobilität mag zwar mikroökonomisch durchaus attraktiv scheinen. Makroökonomisch hat sie jedoch den Charakter eines „Luxusgutes“. Immobilität hat ihren volkswirtschaftlichen Preis, da sie eine rasche und flexible Anpassung an geänderte Rahmenbedingungen verzögert. Des Öfteren ließen sich halt Menschen transaktions- und kostengünstiger zu bestehenden Fabrikationsanlagen bringen als neue Investoren für neue Produktionsanlagen zu finden sind. In Zeiten eines sehr raschen Strukturwandels sind die makroökonomischen Kosten der Immobilität in Form steigender struktureller Arbeitslosigkeit besonders augenfällig.

      Gerade für Westeuropa und vor allem für Deutschland ist der Mangel an beruflicher aber auch räumlicher Mobilität eine fundamentale Ursache der hohen Beschäftigungslosigkeit. Vielfach ist nicht ein Zuviel an Migration, sondern ein Zuwenig an Mobilität das eigentliche Problem. Der Zugriff auf ausländische Arbeitsmärkte hilft hier, regionale oder sektorale Arbeitsmarktungleichgewichte zu überwinden.

      Wenn sich viele Deutsche den Luxus von Immobilität und Sesshaftigkeit leisten können und wollen (weil für sie die mikroökonomischen Vorteile der Immobilität überwiegen), bietet sich an, Menschen von außen als Ersatz für die makroökonomisch erforderliche Mobilität sorgen zu lassen. Oft ist die internationale Wanderung von Arbeitskräften nicht mehr als eine Anpassungsreaktion auf ineffizient gesetzte staatliche Regulierungen in anderen (Güter- und Kapital-)Märkten oder auf dem nationalen Arbeitsmarkt selber. Beispielsweise sind ausländische Arbeitskräfte weit stärker bereit, schmutzige, schlecht bezahlte Jobs anzunehmen, nachts und sonntags zu arbeiten – eine Flexibilität, die Einheimischen oft aufgrund historisch überlebter Arbeitsmarktregulierungen und Tarifverordnungen verbaut ist. Zuwanderung ermöglicht somit eine verbesserte Allokation der Arbeitskräfte. Menschen haben in höher entwickelten Volkswirtschaften die Wahl zwischen eigener Mobilität und Flexibilität oder der Einwanderung von außen. Einwanderung ersetzt somit die fehlende Mobilität der einheimischen Bevölkerung (dazu gehören auch die fehlende berufliche Mobilität sowie eine fehlende Lohnflexibilität).

  8. Ich bin für Wilschenbrucher (Mädgesche) Lösungen: Baugebiet daraus machen, Verkaufen, Abreißen, Wohnungen, Häuser und meinetwegen Altenheime draufbauen. Mit den Einnahmen ein kurzes Strohfeuer im Winter zum wärmen entfachen.

  9. 10 Millionen für das Museum. Wie viele sinnvolle Dinge könnte man damit schaffen und umsetzen, die zum Nutzen aller Bürger wären. Zum Beispiel eine vernünftige Sanierung mehrerer Straßen und Radwege in Lüneburg. Ausbau von Kitas und Schulen. Oder eine andere Idee: Entlich eine brauchbare Mehrzweckhalle für Veranstaltungen und Sport, die die breite Masse (der Bürger und Steuerzahler!) nutzen kann. Rechnet man noch den Zuschuss für den „liebes-Kind-Bau“ hinzu, ließe sich noch weitaus mehr Sinnvolles schaffen, das nicht nur spezifischen Gruppen zu Gute kommt. Aber dafür ist ja kein Geld da weil die Stadt hoch verschuldet ist. Woher dann nur das ganze Geld für die anderen Projekte kommt.

    • Sehen Sie sich nur unsere beiden erschließungsplanerischen Meisterdenker Eckhard und Hiltrud an, die mit „Manzke-Beton-GmbH-Geschäftsführer und IHK-Vollversammlungsmitglied“ Felix-Benjamin Manzke und mit Markus Mews, dem (kein Witz!!) Sprecher „Umweltschutz“ für den Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertag, über den nigelnagelneuen, beitragsfinanzierten Audi RS 6 Avant hinweg gemeinsam einen für´s großflächige Betonanmischen ausgrinsen: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/260604-ihk-startet-kampagne-pro-a39#comment-57265 — oder betrachten Sie das wieder einmal herrliche Foto von Andreas Tamme und Hans-Jürgen Wege, die (Wie machen die das eigentlich? Der eine justiert, der andere klickt?) festgehalten haben, wie die erschöpfte und desorientierte, aber um gleichmäßiges Lufteinsaugen am hochsommerheißen Elbufer würdevoll ernsthaft bemühte Politruine Frank Busemann mit einem hilflos zurückgekrampftem linken Zeigefinger dastehen muss, in welchem sich seine ganze Rat- und Ahnungslosigkeit in der zwanghaft überhörten Frage zu konzentrieren scheint: „Was mache ich hier eigentlich?“ — , während von einer vor präpotentem Kampagnenehrgeiz förmlich zerspringenden Karin Bertholdes-Sandrock neben ihm das übliche, für kameragerecht gehaltene Gestikulieren des imperialen Bescheidwissertums geschauspielert wird: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/260354-elbbruecke-busemann-schuert-hoffnung

      Mit anderen Worten, Oscar: Magermilchjoghurt schmeckt scheiße, aber das Wort enthält alle Vokale in der richtigen Reihenfolge. Schweinebraten mit Knödel und Blaukraut ist in dieser Hinsicht langweilig, aber schmeckt gut. So ist für jeden immer etwas dabei. Ist das Leben nicht schön?

      Tibor Rácskai

  10. Ich möchte an dieser Stelle eigentlich nur für die Ewigkeit festhalten, dass derzeit, Koinzidenz ick hör dir trapsen, direkt neben Herrn Rácskais höchst beeindruckendem Kommentar, der eigentlich nur die Frage offen lässt, was das Alleinstellungsmerkmal von Bastelklebern ist (der im Vergleich zu prominenten Marktbegleitern wie „Uhu“, „Pattex“ oder „Prittstift“ deutlich höhere Abgabepreis im Einzelhandel kann es ja wohl nicht sein), folgende Umfrage der hiesigen LZ-Online-Leserschaft die Chance gewährt, mit nur einem Klick eigenhändig ins Geschehen einzugreifen:

    Etwa 320.000 Einweg-Kaffeebecher werden pro Stunde verbraucht. Die Deutsche Umwelthilfe fordert Veränderungen. Benutzen Sie auch Einweg-Kaffeebecher oder bringen Sie Ihre eigene Tasse mit?

    ° Einweg-Kaffeebecher
    ° Eigene Tasse
    ° Weder…noch…

    PS Gerne hätte auch ich mein Votum abgegeben, aber ich wurde unsicher. Leider gibt es innerhalb des Abstimmvorgangs die Option interaktiven Nachfragens nicht, so dass es bzgl der Unklarheit, (folgendes Wort bitte kursiv denken)wohin ich denn eine eigene Tasse mitbringe, wohl keine Antworten geben wird. An der Tanke oder Uni, den, so sage ich, wahrscheinlichen Hochburgen der Einwegbecherraushauerei, habe ich jedenfalls noch niemals wen mit eigener Tasse getroffen, habe in den wenigen Momenten meines Lebens, in denen ich mich in den Personalküchen solcher Einrichtungen aufhielt, aber auch nicht drauf geachtet. Herrn Busemann würde ich vielleicht eine an den Zeigefinger hängen, Herrn Rácskai jedoch ganz bestimmt eine schenken für seine hervorragenden Bildinterpretationen.

    • Es hat geholfen, der Brunnen geht wieder!
      Die Umwelthilfe hat vergessen zu fordern an allen Ecken der Republik Geschirrspüler aufzustellen, damit die Tassen mit Billionen Litern Wasser gespült werden können,wer steckt sich schon gerne eine tropfende Tasse in die Hosentasche oder hängt sie sich per Bändchen um den Hals. Im übrigen sollte jeder eine Handvoll Tupperdosen mitführen, damit beim Einkaufen lose Ware dort hinein gefüllt werden kann und damit die zig Milliarden Einzelverpackungen gestoppt werden können, die mir schon lange ein Dorn im Auge sind.

    • In letzter Zeit merke ich, dass sich bei mir ein neues Vorurteil herausgebildet hat, eine starke Abneigung gegen Bauarbeiter. Ich kann dieses ewige Denken in Schubkarren nämlich nicht mehr leiden!

      So bin ich, ähnlich wie Sie und Herr Rácskai auf die schwierigen Fragen des Deutens und Auslegens gekommen. Als Interpretation bezeichnet man ja die Kunst, ein Bild anzuschauen oder einen Text zu lesen und danach genau zu wissen, was der Autor zu Mittag gegessen hat.

      Dafür gibt es in der Praxis jedoch nur sehr selten handfeste Beweise. Deshalb bedeutet eine Interpetation in der Schule, mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,001% die willkürliche, subjektive Annahme des Lehrers über die wahre Bedeutung des betreffenden Interpretandums zu erraten.

      Nehmen wir als Beispiel folgenden Ausgangstext nach einem siebzehnseitigen Elbbrückenklagelied, das Bernd Busemann vorigen Herbst im Metronom zwischen Lüneburg und Bienenbüttel notierte:

      – Sind Sie der Schaffner?, fragte sie.
      – So ist es, antwortete der Schaffner.

      Interpretation:

      In der ersten Hälfte des Textes ist der Gesprächsanteil des namenlosen, und somit als Stellvertreter aller Frauen zu verstehenden, lyrischen Ich ungleich höher als der des Schaffners, sodass es den Anschein hat, die Repräsentantin befinde sich in der überlegenen Situation. Mit ihrer Frage „Sind Sie der Schaffner?“ bewegt sie sich auf der Beziehungsebene. Sie spielt darauf an, dass der Schaffner seiner Arbeit nicht ordnungsgemäß nachgeht und droht implizit damit, sich aus ebendiesem Grund über ihn zu beschweren, was zu seiner Entlassung führen und ihn seiner finanziellen Lebensgrundlage berauben würde. Es findet also ein Angriff seitens der Frau gegen den Schaffner statt.

      Damit bezieht sich der Autor auf die Entwicklung von der allgemeinen Unterdrückung der Frau hin zur Gleichberechtigung der Geschlechter und dem von ihm befürchteten Umschlagen in eine zunehmend matriarchalisch geprägte Gesellschaftsordnung. Die Entwicklung wird symbolisiert durch den vom Autor bewusst nicht wörtlich genannten fahrenden Zug, wobei der Autor durch den Verzicht auf eine Nennung des Fahrtziels durch den Erzähler deutlich macht, dass er den Ausgang der ineinander verflochtenen Entwicklungen nicht vorherzusagen vermag.

      In der zweiten Hälfte des Textes kehrt sich das Verhältnis der Redeanteile um; nun spricht der Schaffner ungleich mehr als die Frau. Die ungeheuer definite Aussage „So ist es“ als Reaktion auf den Angriff führt durch ihre trockene Sachlichkeit die Empörung der Frau ad absurdum. Dies ist als Appell des Autors an die Leserschaft bzw. den männlichen Anteil derselben zu verstehen, der Frauenbewegung und ihren Folgeerscheinungen mit kühler Entschlossenheit und somit weder mit offenkundiger Aggression, noch mit gleichgültiger Hinnahme zu begegnen.

      Die schmucklose Satzstruktur, die sich durch den gesamten Text zieht, schafft eine trostlose Atmosphäre, die durch Alliterationen wie „Sind Sie Schaffner“ unterstützt wird. Der bewusste Verzicht auf Anführungszeichen lässt die Grenze zwischen Epik und Lyrik verschwimmen, so wie der Autor in der Realität die Grenzen zwischen den Geschlechtern verschwimmen sieht. Die Umkehrung des Verhältnisses der Gesprächsanteile von Schaffner und Frau im Verlauf des Dialogs ergeben eine Art inhaltlichen Chiasmus, der wie gekreuzte Schwerter oder die gekreuzten Knochen auf dem Sicherheitshinweis für Gift auf einen Kampf und die damit verbundenen Gefahren verweist, aber auch auf das Christuskreuz und damit die Hoffnung auf Erlösung — auch für die Menschen im Amt Neuhaus, die auf gekrümmte Zeigefinger von fotografierten Busemännern starren.

  11. Um unsere Anwartschaft auf ein Mietshaus im Roten Feld (Lessingstraße) zu verbessern, hatten wir die Vermieter zu uns eingeladen, damit sie sich davon überzeugen konnten, daß wir keine asoziale Mietnomaden sind, sondern eine ganz normale Familie, wenn auch mit drei Kindern. Letztere wurden über die Benimmregeln der nächsten zwei Stunden genauestens instruiert (»Nach der Begrüßung hat einer von euch die spontane Idee, draußen im Garten zu spielen«). Die Vermieter kamen, sahen sich im Haus um, tranken Kaffee, aßen den selbstgebackenen Kuchen, ließen durchblicken, daß sie nicht abgeneigt seien, uns ihr Mietobjekt zu überlassen, als die Kinder blaugefroren an der Terrassentür wimmerten. Meine Frau bugsierte sie in den Flur, raunte einige Ermahnungen, dann stürmten die süßen Frischlinge die Küche. Unser mittlerer Sohn schnappte sich ein Märchenbuch, knallte es der Vermieterfrau auf den Schoß und rief fröhlich: »Kannst du mir jetzt endlich mal was vorlesen, du blöde Sau!« Das Formular mit der Selbstauskunft haben wir dann gar nicht mehr bekommen.

  12. Noch´n Brennpunkt

    Ähnliche Exzesse bald auch bei uns? An der Leuphana, im Kurpark oder in Ochtmissen?

    Ein kollektiver Drogenrausch unter den Teilnehmern einer Fachtagung für Heilpraktiker hat am Freitag in Handeloh („… das Tor zur Lüneburger Heide“) für einen Großeinsatz der Rettungskräfte gesorgt. 29 Menschen mussten nach Einnahme eines Halluzinogens namens „Aquarust“ in homöopathischen 0,5 Liter-Dosen mit Wahnvorstellungen in die umliegenden Krankenhäuser eingeliefert werden. Ein Sanitäter: „Viele waren der Meinung, Krankheiten mit Bachblüten, Zuckerkügelchen und der Musik von Placebo heilen zu können. Einige nannten sich sogar Mediziner, haha!“

    Mehr: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/261153-drogen-fuehren-zu-grosseinsatz-fuer-retter-in-handeloh

  13. hallo herr jenckel, ich merke schon, dass wir nicht immer einer meinung sind. dieses sind nicht mal brüder im geiste. ich merke aber auch, wann es langweilig wird und dementsprechend die kommentare sind. nicht im inhalt, sondern an der zahl. wer zu hohe maßstäbe ansetzt, muss sich nicht wundern, wenn er allein bleibt. ich passe mich gern dem niveau an, weil ich zeit habe. zeit ist geld und da bin ich im gegensatz zur lz reich. wo wird wohl der schuh drücken? was beschäftigt den menschen heutzutage am meisten? wer antworten darauf hat, wird auch online erfolg haben.

    • Hallo Herr Bruns,

      ist dies Teil einer Privatkorrespondenz mit Herrn Jenckel, die bisher über andere Kanäle lief?

      Falls ja, verstehe ich nicht, was dieser verirrte Brief hier in der Öffentlichkeit soll.

      Falls nein, würde ich Sie bitten, mir und anderen zu erläutern, was Sie sagen wollten.