Aktuell
Home | Blog.JJ | Wenn Lüneburgs Ratspolitiker im Sandkasten spielen, ist schon wieder Wahlkampf

Wenn Lüneburgs Ratspolitiker im Sandkasten spielen, ist schon wieder Wahlkampf

blogjj

 

(Den Blog.jj führt Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Kürzel jj. Gastkommentare sind willkommen. )

 

 

Lüneburg, 8. Oktober 2015

Politiker gleichen in einem Punkt Kindern im Sandkasten. Bauen sie Mist und werden von Mutti zur Ordnung gerufen, zeigen sie unter Tränen unwillkürlich auf andere Spielkameraden: „Der auch, der auch, der auch!“ Irgendwie wollen die meisten doch ablenken, das eigene Fehlverhalten im Kollektiv in einem weicheren Licht sehen.

Jüngstes Beispiel: Die Stadtverwaltung hatte bei den Linken im Rat angemahnt, dass die Fraktion Belege schuldig geblieben sei, wie sie die Aufwandsentschädigung verwendet habe, die jeder Rats-Kohorte zusteht, und sei sie noch so klein. Die LZ berichtete aus der nicht-öffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschusses, in der das „Delikt“ zur Sprache gekommen war, und sogleich wurde ein Leserbrief an die Redaktion adressiert, in dem der Missbrauch der Vertraulichkeit im Verwaltungsausschuss gebrandmarkt wurde. Wer hat da durchgesteckt?

Der Fraktionschef der Linken, Michèl Pauly, schaltete die Sozialen Netzwerke ein und schrieb auf seiner Facebook-Seite, es sei längst alles erledigt, viel spannender sei aber, wer Doppel- und Dreifachverdiener im Rat sei. Wer mehr einsackt. Und schon schoss er sich auf die Grünen ein.  „Und dafür gibt es keinerlei Nachweispflichten. Irre ich, oder ist das ein viel größeres Politikum als zu späte Belege für Büromaterialien?“, empörte er sich. Und ein Kommentator frotzelte schon: Verwunderlich sei, dass niemand Paulys Rücktritt fordere.

Ob sich der eloquente Pauly irrt oder recht hat, was das Größenverhältnis der Politika anbelangt, weiß ich nicht. Dass er noch mal kräftig nachgetreten und vom eigenen Fehlverhalten abgelenkt hat, weiß ich sicher.

Und ich darf Ihnen hier und heute versprechen, das ist erst der Anfang. Ganz unbemerkt stehen wir nämlich bereits im Kommunalwahlkampf 2016. Der Schlachtruf: „Der auch, der auch, der auch!“ wird noch oft und laut vernommen. Und wenn es sich lohnt, werden wir sicher berichten: Uns muss die Suppe nicht schmecken, wir suchen meist das Haar in der Suppe.

Im Falle des Wahltermins zum Beispiel: 11. September 2016. Das Datum ist geschmacklos gewählt. An diesem Tag jährt sich der Terroranschlag auf das World Trade Center zum fünfzehnten Mal.

In Sachen Pauly wäre der Rücktritt übrigens nur gefordert worden, wenn er die Aufwandsentschädigung am Ballermann verzecht hätte, weil das Ratsdasein für kleine Fraktionen so beschwerlich ist. Allein die Buchhaltung!

Hans-Herbert Jenckel

73 Kommentare

  1. als ich es in der print-ausgabe gelesen habe, musste ich herzlich lachen. so ist das mit dem sterben, plötzlich ist alles weg. da die parteien alle schon im sterben liegen, man braucht nur sich die mitgliederzahlen anschauen, weiß man wenigstens , das geld ist bestimmt weg. es wäre ja auch schlimm, wenn der deutsche ausstirbt und es wäre noch rente übrig.

    • Wovon um Gottes willen reden Sie Bruns?

      Sterben? Geld weg? Rente übrig?

      Man sagt ja, dass Albträume immer sehr viel mit den eigenen fixen Ideen zu tun haben.

      Und dann: „Sterben“. Ist da noch nötig: „plötzlich ist alles weg“ ?

      Anderes Beispiel: „Diebesgut“. Da steckt doch drin: „Woher nehmen, wenn nicht stehlen?“

      • seit seehofer streiten sich die gelehrten, ob alpträume mit b,oder mit p geschrieben werden soll. ich habe von beiden noch nie geträumt.lol

  2. „…Der Fraktionschef der Linken, Michèl Pauly, schaltete die Sozialen Netzwerke ein und schrieb auf seiner Facebook-Seite, es sei längst alles erledigt, viel spannender sei aber, wer Doppel- und Dreifachverdiener im Rat sei. Wer mehr einsackt. Und schon schoss er sich auf die Grünen ein.“

    Das ist doch altbekannt. Wo die Möglichkeit besteht Geld, Einfluss und Posten in der vordersten Riege zu erhaschen, da stehen sie alle vorne, halten die Hand auf und schreien ganz laut. Geht es aber darum Verantwortung zu zeigen/übernehmen ziehen sie die Köpfe ein, ducken sich und zeigen auf andere. Kaum jemand hat noch Character und Rückgrad. Eigentlich sind sie alle feige. Sehr gut zu beobachten auch im Strassenverkehr. Mit erhöhtem Tempo kommen sie an. Dann nähern sie sich der festen Radarstation und gehen in die Bremsen. Wo Tempo 100 erlaubt ist, zockeln sie dann mit Tempo 80, um kurz hinter dem Kasten wieder aufs Gaspedal zu drücken. Solche Menschen sind eigentlich bedauernswert.

    Und was den Lüneburger Wahltermin 2016 betrifft. Es könnte ja mal ein Wähleranschlag auf den Klüngel im Rathaus werden. Dann hätte der Termin wenigstens ein wenig seine Berechtigung. Wie sehr wünsche ich mir lange Gesichter und ratlose (wär nichts Neues) Rats“politiker“ die schon gefühlte Ewigkeiten auf ihren Stühlen im Rathaus kleben.

    • Klaus Mertens, Sie wollen doch Pauly nicht mit dem Postboten vergleichen? Michèl rackert zusammen allein mit Rainer Petroll Monat für Monat gegen ein himmelhoch sich türmendes Gebirge von Vorlagen, Schriftsätzen und Akten an und wird gemaßregelt, weil der große Vorsitzende Karlheinz Fahrenwaldt vergessen hat, den Schatzmeister Martin Nass anzuweisen, den Beleg fürs Briefporto pünktlich bei der städtischen Verwaltungsbuchhaltung einzuhändigen, und zwar gemäß der witziger Weise am 8. Dezember 2011 beschlossenen 8. Änderungssatzung zur Satzung der Hansestadt Lüneburg über die Entschädigung der Ratsfrauen und -herren sowie der Ortsratsmitglieder und der ehrenamtlich Tätigen vom 15.12.1994, welche auch die Verwendung der Zuwendung zu den Sach- und Personalkosten für die Geschäftsführung von Fraktionen und Gruppen im Rat regelt, über die entsprechend § 57 Abs. 3 Satz 2 NkomVG ein Nachweis in einfacher Form zu führen ist?

  3. „ Ein Leben ohne Politiker ist möglich, aber sinnlos“

    • Ein Lesen von „Ossarek-Bruns“ ist möglich, aber sinnlos.

    • Das Schmieren von Politikern ist turnusmäßig durchzuführen, damit eine festgefahrene Politik immer mal wieder ins Rutschen kommt.“

      • @ Klaus Bruns

        Sie kennen sich aber gut aus. Das Haus ist bestimmt schnell genehmigt worden und der Anbau auch, oder Herr Bruns?
        In Reppenstedt wird ja viel Geld an *Bedürftige* „verschenkt!“

      • Wie man hier wieder sieht und Ihren Zynismen fast immer entnehmen kann, Herr Bruns, sind viele landläufige Vorstellungen über Lobbying durch Unwissen und Vorurteile geprägt. Die öffentliche Haltung in weiten Teilen von Reppenstedt, Gellersen und Dachtmissen ist verkürzt gesagt: Wer Profite erwirtschaftet, macht sich gegenüber der Gesellschaft verdächtig. Zwar rüttelt niemand an den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft in Stadt, Kreis und Land, doch Geldverdienen erscheint gerne verwerflich.

        Wir brauchen in Lüneburg endlich eine Debatte darüber, was gute und was schlechte Interessen sind und wie man sie vertreten darf. Zur Verdeutlichung zwei Beispiele, die ein bestehendes Paradoxon vor Augen führen sollen:

        Erstens die Pharmaindustrie: In Reportagen wird regelmäßig das Bild einer Branche vermittelt, die hohe Gewinne auf dem Rücken der Patienten einfährt. Dass Arzneimittelhersteller Produkte mit einem wirklichen Mehrwert – nämlich für die Gesundheit der Menschen – auf Basis jahrelanger und teurer High-Tech-Forschung entwickeln und anbieten, wird dabei gerne vernachlässigt. Zweitens werden dagegen Organisationen wie Greenpeace oder Foodwatch nicht als Lobbyisten wahrgenommen, obwohl sie ebenfalls professionell agierende Interessensvertreter sind. Natürlich sind Ziele wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und saubere Lebensmittel unstrittig und verfolgenswert. Doch gleichzeitig ist die Gesellschaft auch auf eine funktionierende Wirtschaft angewiesen, deren Grundstein gesunde Unternehmen sind. Diese sind wiederum auf politische Rahmenbedingungen angewiesen, die ihnen ihre Geschäftstätigkeiten erlauben.

        Die soziale Marktwirtschaft ist auf allen Ebenen Niedersachsens (Gemeinden, Städte, Kreise) gesellschaftlicher Konsens. Vor diesem Hintergrund ist es unabdingbar, dass die Wirtschaft mit der Politik darüber diskutiert, wie Rahmenbedingungen angepasst und verändert werden müssen. Die Entscheidungsträger im Landtag und in den Ministerien sind auf diesen Dialog angewiesen. Sie fordern ihn aktiv ein, um aus unterschiedlichen Blickwinkeln in Erfahrung zu bringen, wie sich die Industrie und Wirtschaft verändert und was die Unternehmen brauchen, um Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten.

        Ganz Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten vom »kranken Mann Europas« zum »German Wunder« entwickelt, an dem viele Menschen überall auf der Erde (auch in Amelinghausen) teilhaben möchten, – ein Erfolg, der sowohl politischen Reformen zu verdanken ist – an denen Interessenvertreter mitgearbeitet haben – als auch den Anstrengungen der Wirtschaft. Diese Leistung sollten wir anerkennen und zu schätzen wissen.

        Jedoch, Vorurteile abzubauen und die politische Arbeit der Wirtschaft besser zu erklären ist richtig und wichtig, wäre aber zu kurz gedacht. Das Konzept Interessenvertretung muss insgesamt modernisiert werden, nicht zuletzt wegen der offensichtlichen Defizite wie beispielsweise beim Thema Transparenz.

        Für manche vielleicht überraschend: Eine Public Affairs-»Umfrage der Kommunikationsberatung MSL Germany« zeigt, dass Lobbyisten selber mehr Transparenz breit befürworten. 19% können sich ein umfangreiches, verpflichtendes Register vorstellen, in dem z.B. Budgets, Personalstärke und Ziele angegeben werden. 65% sprechen sich für eine namentliche Registrierung aus, ohne die Erfassung weiterer Daten.

        Wir sollten uns wieder bewusst machen, Herr Bruns, dass die Debatte um den richtigen Weg sowie die Suche nach Kompromissen der Kern einer jeden Demokratie ist. Nur im offenen Austausch von Positionen mit Experten aus NGOs, Wirtschaft und Wissenschaft kann Politik gute Gesetze für das Land schaffen.

        Denken Sie bitte mal darüber nach.

        • Tobias Heyer, wie man immer hier erkennen kann, kennt man nicht mal loriot. wie humorlos hier einige unterwegs sind , ist schon wirklich traurig. ich habe nichts gegen eine soziale marktwirtschaft, nur, wo ist sie noch sozial? na ja, die leuphana wird es uns bestimmt erklären und wir alle werden wieder ganz beruhigt sein, oder? deutschland ist immer noch der kranke mann europas und er ist dabei, mit seinem niedriglohnsektor, andere länder europas anzustecken. arzneimittelhersteller sind überwiegend in meinen augen ganoven. wie sie sich den entwicklungsländern gegenüber verhalten , ist das beste beispiel. raten sie mal, wer gerade ein wichtiges arzneimittel um 1000 % verteuert hat? die wirtschaft kriegt nichts allein gebacken. und solange politiker auf gute posten lauern, wird sich auch nichts daran ändern.

        • ich habe noch was vergessen. da sie die arzneimittelbranche angesprochen haben, nur soviel. solange dieses branche , ihre sogenannten ,,neuen arzneimittel,, durch studien belegen, die sie selbst in auftrag geben und bezahlen, wird es beim abzocken bleiben. solange diese branche alte arzneimittel umdeklariert, um auslaufende patente zu kompensieren, wird die abzockerei nie enden.insbesondere die fdp hat es bis heute verhindert, dass sich da etwas ändert. niemand sägt sich den ast ab, auf dem er sitzt. wenn es darum eine ernsthafte debatte geben würde, hätte sich schon längst etwas geändert. die lobby mit ihren politischen vertretern, wissen es zu verhindern. lobbyisten wollen mehr transparenz? doch nur die, die gern ihre konkurrenz loswerden wollen. man möchte gern wissen, wo man die hebel ansetzen kann. naivität zahlt sich nirgendwo aus. weder in der wirtschaft ,noch beim bürger. transparenz wird seit jahrzehnten gefordert. die politiker selbst machen bei ihren nebeneinkünften bis heute nicht mit. ihr von- bis-spiel ist verräterisch.

        • Denken Sie bitte mal darüber nach.
          was meinen sie wohl, worüber ich alles nachdenke? Sicher, meckern ist einfach, besser machen schwer. wir leben aber nun mal nicht in einer heilen welt. und die soziale marktwirtschaft steht nur noch auf dem papier.durch globalisierung wird sie automatisch vernichtet.wer nimmt da auf wen rücksicht? wer will sie wieder einführen und wer kann das? die wirtschaft? die politik? wohl kaum.es kann nur der bürger selbst. dieser wird aber rund um die uhr manipuliert, von wem wohl? von der wirtschaft und von der politik. deren interessenvertreter legen alles daran, dass die verhältnisse sich nicht ändern. wer verliert schon gern macht und geld? und was ist mit den gesetzen? wer macht die? das Volk? das wäre mir neu. wer sich so wie ich ,ernsthaft mit der politik sich beschäftigt, kommt zu sehr traurigen und eindeutigen ergebnissen. rückgrat in der wirtschaft und in der politik ist zur mangelware geworden. wer steht denn noch zu seinen überzeugungen? doch nur die extremen in unserer gesellschaft. und dieses ist für unsere gesellschaft fatal. die elite versagt . wo geld die hauptrolle spielt , wird der mensch verlieren. früher oder später ganz bestimmt.

        • Lieber Herr Tobias Heyer, ich widerspreche, gebe Ihnen aber in einem Punkt recht. Von Klaus Bruns kommen oft Schnellschüsse, die mehr mit privaten Frustrationen zu tun haben müssen als mit zu Ende gedachten Überlegungen zum Gemeinwohl und vieles ist von Herrn Bruns aus Ärger heraus und darum leichtfertig dahin gesagt. Doch das Problem, das er vorwiegend plakativ behandelt, existiert natürlich! Erinnern Sie sich noch an die 2010 als »Mövenpick-Steuer« berühmt gewordene Steuerermäßigung für das Hotelgewerbe? Sie wurde nicht deswegen beschlossen, weil man sie für besonders sinnvoll hielt, sondern weil eine sehr kleine Gruppe von Hotelbesitzern eine hartnäckige Lobbyarbeit betrieben hatte, einer Millionenspende vom Miteigentümer der Hotelkette Mövenpick an die FDP inklusive.

          Als Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel kürzlich »eine Klimaabgabe für besonders schmutzige Braunkohle-Kraftwerke« einführen wollte, durfte sich am Ende nicht die Umwelt freuen, sondern die Umweltverschmutzer. Auf Gabriels Vorschlag folgte der Protest verschiedener Interessenvertreter der Energiebranche, die mit Arbeitsplatzverlusten und einem »Strukturbruch« in den Braunkohleregionen drohten. Mit Erfolg: Anstatt eine Strafabgabe auf ihre Altkraftwerke zahlen zu müssen, erhalten große Stromkonzerne nun sogar »eine staatliche Stilllegeprämie« in Milliardenhöhe. Vor dem Hintergrund solcher Beispiele ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen den Eindruck bekommen, Politik sei käuflich oder erpressbar.

          Ohne Lobbyismus geht es nicht, sagen Sie, Herr Heyer, wie viele seiner Befürworter. Weil selbst Fachpolitiker nicht alle Details und Zusammenhänge kennen und schon gar nicht die Folgewirkungen ihrer politischen Entscheidungen überblicken, sind sie auf die Beratung von Experten angewiesen, die aus der Wissenschaft, aber häufig auch aus der Wirtschaft kommen.

          Und damit sind wir bei der Kernfrage, die sich im Zusammenhang mit Lobbyismus unweigerlich stellt: Wann entsteht ein Schaden für die Gesellschaft, wenn Konzerne oder Verbände zu ihrem Vorteil die Politik „beraten“?

          Machen wir uns nichts vor: Unternehmen verfolgen Geschäftsinteressen. Sie wollen, nein sie müssen Geld verdienen, das ist legitim. Doch zum Schaden für die Gesellschaft kommt es spätestens dann, wenn ökonomische Individual-, Partikular- oder Gruppeninteressen den Bedürfnissen vieler Bürger und Verbraucher diametral entgegenstehen, man denke zum Beispiel an die A39, an »Fracking« oder »gentechnisch veränderte Lebensmittel«. Oder anders ausgedrückt: Was gut für einige Unternehmen oder eine Branche ist, muss noch lang nicht gut für die meisten Menschen sein.

          In einer Demokratie geht die Macht vom Volke aus. Demokratie lebt davon, dass alle Positionen gehört werden und in die Meinungsbildung unserer Politiker einfließen. Tatsächlich jedoch dringen vor allem diejenigen zu den politischen Entscheidungsträgern vor, die sich in Berlin und Brüssel einen ganzen Stab an Lobbyisten leisten können. Wenn man die »Listen mit den Gesprächsterminen« der Kanzlerin und den Ministern durchgeht, die die Bundesregierung nach parlamentarischen Anfragen der Opposition offenlegen musste, findet man darauf fast ausschließlich Vertreter großer Konzerne und einflussreicher Interessenverbände. Nichtregierungsorganisationen oder mittelständische Unternehmen, die oftmals ganz andere Bedürfnisse haben als Großkonzerne, erhielten dagegen fast nie einen Termin. [In der Antwort auf die schriftliche Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Dr. Julia Verlinden hat die Bundesregierung am 8. Mai 2015 ihre Gesprächstermine mit Vertretern der Energiebranche seit Januar 2014 offengelegt: https://www.abgeordnetenwatch.de/sites/abgeordnetenwatch.de/files/150508_verlinden_antw_breg_sf_gespraechstermine_erdgasindustrie_web.pdf%5D

          Von Befürwortern des Lobbyismus, wie von Ihnen, Herr Heyer, wird gerne in die Debatte eingeworfen, dass natürlich auch Umweltverbände, Verbraucherschutz- oder Menschenrechtsorganisationen Interessenvertreter seien. Das stimmt auch. Aber anders als gewinnorientierte Konzerne verfolgen sie keine ökonomischen Individualinteressen, sondern fühlen sich als Mitgliederorganisationen einem gesellschaftlichen Auftrag verpflichtet. Und im Unterschied zu den Industrielobbyisten praktizieren sie auch keinen diskreten „Hinterzimmer-Lobbyismus”, sondern versuchen fehlende finanzielle Schlagkraft durch öffentlichkeitswirksame Aktionen zu kompensieren.

          Das Problem also ist nicht der Lobbyismus an sich, sondern der Lobbyismus im Geheimen. Wenn nicht (oder erst nach langer Zeit) bekannt wird, welche Konzernvertreter mit welchen politischen Entscheidungsträgern worüber sprachen oder ob sie hohe Summen an eine Partei gespendet haben, ist eine wirksame Kontrolle des Parlaments und des Regierungshandelns kaum möglich. Rezepte, wie sich diese Missstände beheben lassen, gibt es viele: etwa durch Einführung eines verpflichtenden Lobbyregisters, schärferer Transparenzregeln bei Parteispenden oder die Bekanntmachung von Lobbyisten, die am Gesetzgebungsprozess mitgewirkt haben („legislativer Fußabdruck“). Doch die letzten Regierungskoalitionen haben in diesen Punkten wenig bis gar nichts auf die Beine gestellt.

          Dass viele Menschen den Eindruck haben, politischen Einfluss könne man kaufen, ist schädlich für unsere Demokratie. Um diesem fatalen Gefühl wirkungsvoll zu begegnen, braucht es als ersten Schritt mehr verpflichtend dokumentierte Offenheit. Die Botschaft wäre: Seht her, wir haben nichts zu verbergen – hier geht alles mit rechten Dingen zu!

          • privaten Frustrationen? wie kommen sie darauf? ich kenne weder neid noch angst. stimmt, ich schieße schnell und provoziere gern. warum ? wer nicht provoziert, kann auch niemanden wecken. es geht mir immer um das gemeinwohl. sonst würde ich hier jammern. ich jammer nicht, ich stelle indirekt fragen. wer sie direkt stellt, bekommt hier eh nie eine vernünftige antwort.

          • Das Problem also ist nicht der Lobbyismus an sich, sondern der Lobbyismus im Geheimen.
            stimmt und stimmt so auch nicht. das eine gibt es nur, wegen dem anderen. warum werden ingenieure in den verwaltungen entlassen? warum muss man wissen dazu kaufen? wer ist bereit, verantwortung zu übernehmen? das wissen in den verwaltungen sinkt ständig. welche kommune kann auf die dauer mithalten? cross border leasing ist so ein beispiel gewesen. ähnliches passiert ständig. der bund der steuerzahler, von dem ich persönlich nichts halte, findet ständig neue munition. ein mario barth hat daraus jetzt eine geschäftsidee gemacht. sowas ist doch nur traurig.

          • Auch grünes Geld stinkt nicht

            »Anders als gewinnorientierte Konzerne verfolgen sie [Umweltverbände, Verbraucherschutz- oder Menschenrechtsorganisationen] keine ökonomischen Individualinteressen, sondern fühlen sich als Mitgliederorganisationen einem gesellschaftlichen Auftrag verpflichtet. Und im Unterschied zu den Industrielobbyisten praktizieren sie auch keinen diskreten „Hinterzimmer-Lobbyismus“.«

            Dass ich nicht lache, Martin!

            Allein die Vorgänge und Skandale um das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 1991 bis heute erzählen eine ganz andere Geschichte. Denken Sie an die involvierten Interessengruppen und „Mitgliederorganisationen“ und ihre zum Teil abenteuerlichen Protagonisten: etwa beim Bundesverband Solarwirtschaft, beim Bundesverband WindEnergie eV, beim Verband Deutscher Biomasseheizwerke e.V., beim Bundesverband Geothermie e.V., beim Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband e. V., beim Bundesverband WindEnergie e.V., beim Bundesverband Solare Mobilität e.V. und was weiß ich, wer noch alles, unter dem Dach des Bundesverbands Erneuerbare Energie e.V. (BEE).

            Können Sie alles nachlesen bei Alexandra Seibt: „Lobbying für erneuerbare Energien. Das Public-Affairs-Management von Wirtschaftsverbänden während der Gesetzgebung.“ Wiesbaden (Springer Verlag) 2015.

            Jürg Hennings

  4. Pauly kriminalisieren?

    Lieber Mertens, bei allem Respekt, Sie sollten genauer hinschauen. Es geht Jenckel nicht um „Rückgrat in finanziellen Dingen“. Es geht ihm ums gegenseitige Verpetzen und Anspucken, ums Dreckschmeißen, um reflexhaft überwältigende Schadenfreude und um eilige Versuche, aus den kleinkarierten Idiotien und Ungezogenheiten der Anderen mittels schauspielerisch durchtriebener und auf weinerlich gemachter Ranschmeiße billiges Kapital beim angewidert zurückzuckenden Publikum zu schlagen. Kurz, es geht um den Beginn einer Komödie, die — in den Worten von Frank Füllgrabe, Lüneburgs erstem Theaterkritiker, — „genau vorschreibt, wer wem welche Komplimente zu machen hat, um dafür angemessen wahrgenommen zu werden — ohne auf der eigenen Schleimspur auszurutschen.“ Diese Komödie wird nun ein ganzes Jahr gegeben und endet erst am Wahlabend im kommenden September. Wo Sie mehr über solche Aufführungen und die Antriebsmechanismen des beteiligten Personals erfahren, konnten Sie letzten Sonnabend in der LZ unter dem Titel „Zum Teufel mit all den Hofschranzen“ lesen.

    P. S.: Ihr Gleichnis vom Straßenverkehr („Mit erhöhtem Tempo kommen sie an. Dann nähern sie sich der festen Radarstation und gehen in die Bremsen. Wo Tempo 100 erlaubt ist, zockeln sie dann mit Tempo 80, um kurz hinter dem Kasten wieder aufs Gaspedal zu drücken.“) habe ich nicht verstanden. Ich bin schwer von Begriff. Würden Sie mir das Gemeinte bitte kurz erklären?

  5. An die stadtratenden Damen und Herren Talente ..

    .. Grunau, Schmidt, Adam, Pauly, von Mansberg und Webersinn,

    was sagen Sie zu dem Thema „Geld und Macht“ und den sich daran assoziierenden Stichworten „Verführung“, „Vergünstigung“, „Vorteilsnahme“, „Bakschisch“, „Gier“, „Unterschleif“, „Rückgratlosigkeit“, „Schmieren“, „Korruption“, „Käuflichkeit“, „Manipulation“, „Verderbnis“, „Opportunismus“, „Bestechlichkeit“, „Erpressbarkeit“, „Heimtücke“, „Prinzipienlosigkeit“, „Verrat“, etc. ?

    Sind das Konflikte und Versuchungen, mit denen auch Sie sich immer erneut innerlich auseinanderzusetzen haben? Z. B. vor wichtigen Ratsentscheidungen oder im Umgang mit Vergütungen, die zur Abgeltung von Aufwendungen gezahlt werden, welche mit Ihrem Amt oder Ihrer Tätigkeit verbunden sind?

    LG, Ferdi

    • Liebe Anikó, lieber Detlef,

      sofern Sie mehr zu bieten haben als Kalenderspruchweisheiten, würde mich auch Ihre Meinung zu diesem Thema sehr interessieren.

      Tobias

      • An die stadtratenden Damen und Herren Talente ...

        … Grunau, Schmidt, Adam, Pauly, von Mansberg und Webersinn,

        was ist nun, kommt da noch was?

        Denn Sie wissen doch, das Gefährliche an Halbwahrheiten ist, dass immer die falsche Hälfte geglaubt wird. Und: eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht. (Spricht der Dichter — gegenüber der Lüner Mühle)

        LG, Ferdi Willers

      • An die stadtratenden Damen und Herren Talente ...

        … Grunau, Schmidt, Adam, Pauly, von Mansberg und Webersinn,

        was ist nun, kommt da noch was?

        Denn Sie wissen doch, das Gefährliche an Halbwahrheiten ist, dass immer die falsche Hälfte geglaubt wird. Und: eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht. (Spricht der Dichter — gegenüber der Lüner Mühle)

        LG, Ferdi Willers

    • In aller Kürze zum Thema „Geld in der Politik“. Finde ich grundsätzlich problematisch – ob jetzt eine attraktive und weitgehend steuerfreie Aufwandsentschädigung oder Bundestagsdiäten oder auch nur das Angestelltengehalt von Mitarbeitern von Abgeordneten – das alles schafft eine mehr oder minder starke finanzielle Abhängigkeit. Abhängig ist man dabei als Angestellter vom politischen Wohlwollen seines Arbeitgebers – was einen politisch steuerbar macht – oder vom Wahlergebnis selbst. Dies widerum führt dazu, dass der Wunsch einen finanziell mutmaßlich attraktiven Ist-Zustand nicht zu verlieren (Verlieren ist bekanntlich schwieriger als etwas nie gehabt zu haben) zu politischem Opportunismus animiert. Wenn man von etwas politisch fest überzeugt ist, aber weiß, dass es entweder mehrheitlich auf Ablehnung stößt oder auch so komplex ist, dass der Versuch der medialen Vermittlung in den Massenmedien am begrenzten Detaillierungsgrad eines Berichts scheitern muss, wägt man ab ob man das Thema wirklich bringt oder aufgibt. Ich erlebe es hin und wieder, dass Parteifreunde mich vorab fragen, warum ich dieses Thema denn einbringen wolle – es wird uns doch nicht „nützen“. Dabei schwebt auch mit, dass bei schlechten Wahlergebnissen auch die finanzielle Basis davonschwimmen könnte – Infrastruktur der Partei verlorenzugehen droht. Das erscheint mir eine Folge von politisch-induzierten Einkünften. Schöne Grüße an Max Weber. Eine Lösung, wie Politik ohne Hauptamtlichkeit und ohne Aufwandsentschädigung aussehen könnte, habe ich indes nicht. Denn würden Mandatsträger de facto Geld in ihre politische Arbeit mitbringen müssen, politische Repräsentation wäre noch stärker sozial verschoben. Wir würden von Honoratioren regiert. Ärmere Bevölkerungsschichten, die das berechtigte Anliegen haben, die Situation der eigenen sozialen Statusgruppe zu verbessern, wären von der politischen Repräsentation ausgeschlossen. Dann doch lieber Aufwandsentschädigungen und Diäten.

  6. Mit der Bitte um ein treffenderes Bonmot

    Sehr geehrter Herr Dr. Jenckel,

    „Uns muss die Suppe nicht schmecken, wir suchen meist das Haar in der Suppe“, schreiben Sie über sich und Ihre Berufskollegen – von der LZ, nehme ich an. Damit wiederholen Sie innerhalb auffällig kurzer Zeit eine Redensart, die Sie erst vor drei Monaten verwendet haben, bekräftigen auf diese Weise die Wichtigkeit von deren Aussagegehalt für Sie persönlich und wenden diesen sogar ins Allgemeine:

    „Dem Journalisten muss die Suppe nicht schmecken, aber er sollte in jedem Fall nach dem Haar suchen.“

    (22. Juni 2015: https://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/244318-spannend-ist-es-auch-hinter-der-buehne-des-leuphana-theaters)

    Ich möchte keine Haare spalten, aber, das Haar in der Suppe zu suchen, hat das nicht stets etwas von nachstellerischer Miesepetrigkeit und engherziger Pedanterie, die beide einfach immer nur das Schlechte oder Negative bemerken wollen, überall etwas auszusetzen haben und eine defätistische Grundeinstellung voraussetzen? Bei Pessimisten ist es sehr beliebt, sich Pechsträhnen reinfrisieren zu lassen und mancher findet nur darum ein keratinhaltiges Hornfädchen auf seinem Teller, weil er das Haupt schüttelt, solange er isst. Klar, das Süppchen, das andere gekocht haben, sollte sorgsam prüfen, wem zugemutet wird, es auszulöffeln. Doch finde ich wichtiger zu wissen, wer es uns wann, warum und mit welchen Ingredienzien auftischen will, obgleich wir ihn (oder sie) gar nicht darum gebeten haben. Mit anderen Worten, ich habe, solange es kein Schamhaar ist, lieber ein Haar in der Suppe als Suppe im Haar.

    Journalismus sollte durch sorgsam aufbereitetes Informieren eine abwägende Meinungsbildung ermöglichen, also durch Reflektieren, Insistieren, Recherchieren, Analysieren, Dokumentieren, Formulieren und Präsentieren. Das Decouvrieren (von Haaren und anderem Unflat) kann, muss aber nicht, die Folge davon sein. (Meine Meinung!)

    Welche sprichwörtliche Wendung bringt das alles in einem Bild zum Ausdruck?

    Mit freundlichem Gruße, Ludwig K.

  7. Hallo Herr Pauly

    Kriegen Sie eigentlich mit, was hier abgeht?

    Megaviel überflüssiger, törichter Unfug, was Ihre Person betrifft.

    Trotzdem sollten Sie vielleicht einmal kurz skizzieren, worin Sie nach dem Rückzug des sozialdemokratischen Strippenziehers in der Mehrheitsgruppe die großen Kommunalwahlthemen sehen und wie Sie sich eine sachdienliche politische Streitkultur bis zum nächsten September vorstellen.

    Wird Andreas wohl die Zeichen der Zeit erkennen und Heiko auf dem Weg ins Privatleben folgen?

  8. dann möchte ich doch einmal kurz Stellung zum Beitrag von Herrn Jenckel nehmen. Bekannt geworden ist, dass ich die Fraktionskostenabrechnung für 2014 zu spät und im übrigen immer noch nicht vollständig geliefert habe. Das kann ich im Übrigen auch rein faktisch nicht, wenn man auf sämtliche Nebenkostenabrechnungen wartet – die – Vermieter werden es wissen – bis zu einem Jahr brauchen können. Wahr ist auch, viele andere Belege lagen mir schon Monate vor, die hätte ich im Ratsbüro ohne Weiteres einreichen können. Habe ich nicht gemacht, Ablage und Akribie bei der Abarbeitung von Formblättern liegt mir auch in der Tat nicht, ist mein Schwäche an der ich arbeite. Da bewundere ich meinen leider verstorbenen Ratskollegen, der sehr penibel jeden Beleg sofort abgeheftet hat statt ihn erstmal abzulegen. Da fehlt mir bei vielen kleinen Rechnungen einfach die Geduld.

    Den Eindruck, der zwischen manchen Kommentaren entstehen konnte, ich ginge nicht sorgfältig mit dem Geld an sich um oder habe es gar veruntreut, den weise ich entschieden zurück. Im Gegensatz haben wir unnötige Ausgaben der Fraktion vermieden, so dass in sämtlichen Jahren ein vierstelliger Betrag linker Fraktionsmittel (die im Voraus überwiesen werden) an die Stadt zurück überwiesen wurde und für 2014 auch wird (die 2er Fraktionen erhalten 295,- EUR pro Monat). Wenn ich mich so umhöre, geben auch die anderen Kleinfraktionen (bzw. Gruppe FDP/RRP) nicht aufgebrauchte Fraktionsgelder regelmäßig wieder zurück. Größere Fraktionen, so mein Informationsstand aus öffentlichen Quellen – verwenden hingegen ihre Mittel vollständig oder fast vollständig (sie erhielten in den Jahren zwischen 600 und 880,- EUR monatlich – haben natürlich auch mehr fraktionsangehörige Mitglieder). Wer neben einem Büro auch einen bezahlten Geschäftsführer der Fraktion hat zum Einen mit Büro und Gehaltskosten schon den Großteil der Mittel damit ausgeschöpft, zum anderen wird die Fraktionsabrechnung dann auch üblicherweise durch diesen Mitarbeiter oder diese Mitarbeiterin erledigt. Im Nachhinein betrachtet, wenn ich mir anschaue für wie wesentlich die pünktlichere Abgabe von Belegen von Journalisten erachtet wird, hätte ich das auch machen sollen – einen Fraktionsgeschäftsführer für monatlich ein paar Stunden einstellen. Dann wären die Gelder sämtlich aufgebraucht worden, an die Stadt wäre nichts zurückgeflossen und diese Aufmerksamkeit wäre mir erspart geblieben. Nebenbei sei erwähnt, dass auch andere Fraktionen Fristen zur Fraktionsmitteleinreichung verpasst haben – aber das schien nicht berichtenswert. Auch am Rande sei erwähnt, dass Fraktionsmittel aus Gründen der Vereinfachung aller Beteiligten eigentlich nur zweijährig vollständig belegt werden sollten, Lüneburger Fraktionen aber in den Genuss einer besonderen Prüfung gekommen sind. Zugegeben, wäre auch leistbar gewesen, ist ja kein Ding Belege aus einer Schuhschachtel ins Ratsbüro zu bringen und ein paar Posten aufzusummieren und zu kategorisieren.

    Was mich an den Blog ehrlich ärgert, ist das Wegstreichen des Themas Fraktionsmittel und Aufwandsentschädigung aus der Öffentlichkeit und die offene Unterstellung, eine Thematisierung sei reines Wahlkampfgeplänkel und lenke nur von mir ab. Richtig ist doch, dass mein Hinweis, dass das Thema in anderer Art durchaus politisch sei, die Aufmerksamkeit darauf erhöht hat und daher zur Ablenkung gänzlich ungeeignet war. Viel wichtiger ist mir aber, dass ich seit Dezember 2011 gegen die, wie ich es finde, maßlose Erhöhung der städtischen Aufwandsentschädigungen für Fraktionsmitglieder und Fraktionsmittel gekämpft habe. Seinerzeit wurden die Fraktionsmittel VERVIERFACHT(!) und die Mittel für Aufwandsentschädigung insbesondere für Fraktionsvorsitzende, wurden ebenfalls drastisch erhöht. Ein linker Gegenantrag, wurde gestellt, findet sich auch hier:
    http://www.stadt.lueneburg.de/bi/to020.asp?TOLFDNR=22037
    Die bloße Erhöhung ist aus Sicht des städtischen Gesamthaushalts nicht der allergrößte Brocken, das kostet den Rat im Jahr knapp 300.000,- EUR. Diese deutliche Ausgabeerhöhung am Anfang der Legislaturperiode hielt ich für falsch, sie wäre aber für sich juristisch gar nicht angreifbar. Etwas Anderes stieß mir an der Satzung viel mehr auf: Sie ist maßgeschneidert worden auf die neue Mehrheitsgruppe. Während vorher die Regelung galt: Grundbetrag + x*Anzahl Fraktionsmitglieder wurden Schwellen eingeführt – sowohl bei den Fraktionsvorsitzenden als auch den Fraktionsmitteln. Dies kritisierte ich seinerzeit, da es eine nicht plausible und willkürliche Festsetzung war. So galt ein Grundbetrag von 200,- EUR für jeden Fraktionsvorsitzenden, dann eine Schwelle ab 6 Personen (+100 EUR mtl) dann ab 11 Personen +200 EUR, ab 16 Personen + 100 EUR, ab 20 wieder +100 EUR und dann in Schritten zu je 100 hoch. Wer aufmerksam gelesen hat, wird feststellen, dass ein höherer Sprung als alle anderen Sprünge genau bei Fraktionsmitglied Nummer 11 stattfindet. Jetzt muss man wissen, die Grünen, Teil der Mehrheitsgruppe, hat 12 Mandate errungen, die CDU, seit November 2011 in der Opposition, haben genau 10 errungen. Diese offenbar gegen den Gleichheitsgrundsatz und die gegen jede Fairness ausgerichtete Regelung hat bis heute Bestand und bis heute gehe ich auch dagegen vor. Überdies und ausdrücklich gegen die Empfehlung der niedersächsischen Entschädigungskommission wurde festgelegt, dass zusätzliche Aufwandsentschädigung von einem Mandatsträger der gleichzeitig Fraktionsvorsitzender und Bürgermeister ist, zu 80% nebeneinander bestehen bleiben können. Betraf genau einen Ratsherren der auch zu den Grünen „Neuankömmlingen“ in der einen Monat zuvor gegründeten Mehrheitsgruppe gehörte. Nachdem ein Oberverwaltungsgericht (Fall einer Chemnitzer Fraktion) eine Regelung zur Fraktionskostenentschädigung verwarf, bei der bei der Berechnung nur mit Fraktionsmitliedern*x gearbeitet wurde (fehlen eines Sockelbetrages), gestand auch die Lüneburger Verwaltung ein, dass die eigene Satzung bei den Fraktionsmitteln wohl dem grundgesetzlichen Gleichheitsgrundsatz widersprach und änderte dies. Die Regelung für Fraktionsvorsitzende mit den willkürlichen und nie begründeten Schwellen blieb bis heute bestehen.
    Ich werde zu diesem Thema – nachdem es 2011/2012 durchaus kritisch in der Öffentlichkeit auftauchte, in den lokalen Medien keine Resonanz mehr haben. Ich kann aber aus innerer Überzeugung nicht aufhören gegen eine dermaßen dreist maßgeschneiderte Regelung vorzugehen. Mir bei dieser seit 2011 andauernden Auseinandersetzung wahlstrategische Motive für 2016 zu unterstellen und damit quasi prophylaktisch das Thema Entschädigungssatzung politisch zu verminen ist eher Methode eines Pressesprechers denn des höchsten Lokaljournalisten.

    Auch halte ich das Thema Aufwandsentschädigung für durchaus diskutabler als im Blog dargestellt. Mal außen vor ob jemand zwei oder drei parallele Aufwandsentschädigungen und damit ein Quasi-Gehalte bekommen sollte. Erwähnenswert ist doch eher die Praxis der allermeisten Ratsparteien, dass so enthaltene Aufwandsentschädigungen zu relevanten Teilen in die Parteikassen fließen. Ausdrücklich mich und meine Partei eingeschlossen. Ich selbst spende knapp 150,- EUR meiner monatlichen Aufwandsentschädigung an meine Partei – ca. 1/3 der Gesamtentschädigungshöhe. Bei anderen Parteien ist es sogar etwas mehr als 1/3. So landen höhere Aufwandsentschädigung mit der Begründung dass der AUFWAND dies rechtfertige schlussendlich auf Parteikonten – unterfüttert von 38 Cent Parteifinanzierung pro gespendetem Euro und für Einkommenssteuerzahler steuermindernd. Wer mag kann einmal hochrechnen, welchen Beitrag Ratsaufwandsentschädigungen für die Kassen Lüneburger Parteien haben – das gilt ganz ausdrücklich auch für meine Partei. Aber das wird nicht thematisiert. Auch grenzwertig ist die Finanzierung von Fraktionsbüros die in Bürogemeinschaft auch Parteibüros sind. Ist zwar ganz offiziell bei der Verwaltung angefragt und abgenickt – aber immernoch sehr sehr grenzwertig wie ich finde. Für beides hätte ich mir auch harte öffentliche Kritik gefallen lassen, beides ist wie ich finde hochpolitisch. Politisch finde ich auch, WOFÜR die Fraktionsmittel denn noch so ausgegeben werden, ob z.B. erklärende Zeitungen von Fraktionen die ganz beiläufig natürlich ihre Oberbürgermeisterkandidaten vorstellen nicht eigentlich Parteiwerbung sind.

    Ich glaube die Reichweite eines so langen Beitrags richtig einzuschätzen wenn ich behaupte: Er hat keineswegs die Massenwirkung eines Seite 3-Artikels. Erlauben Sie bitte dennoch diese längere Kommentierung für diejenigen interessierten Blogkommentatoren. Achso, und wer bis hier gelesen hat: Ich suche ab sofort eine Person für das linke Fraktionssekretariat, der mir beim Sammeln, abheften und Einreichen der nächstjährigen Fraktionsbelege hilft – allerdings nur ca. 5 Stunden pro Monat. Arbeitsort: Altenbrückertorstr. 2. Mitgliedschaft in unserer Partei ist nicht nötig. Wichtig ist nur, dass ihr akribischer und geduldiger seid, als ich es bin. Denn es ist wirklich, das gestehe ich ein, verdammt peinlich die Einreichung von Belegen ein sattes halbes Jahr vor sich herzuschieben und sich so eine mediale Watschn zu verdienen.

    • Okay, okay, Herr Pauly, der große Führer des kleinen Bruders in der Mehrheitsgruppe hat beizeiten dafür gesorgt, dass er nur noch den halben Tag als Mann mit der Ledertasche (Sie wissen schon, Bukowski 1971) den Ochtmisser Kirchsteig hoch- und runterhetzen muss. Das gefällt Ihnen nicht. Und wenn man der Meinung ist, dass den Anfängen zu wehren sei, können einem beim bloßen Gedanken an dieses Arrangement schon die ersten grauen Haare in die Jenckelsche Suppe fallen. Doch illegal ist nichts daran und gemessen an den wirklichen Problemen unserer Stadt handelt es sich hier um eine zwar reichlich unappetitliche, aber vergleichsweise kleingemusterte Petitesse in der Rapportgröße unter einem Zentimeter.

      Sieht man einmal davon ab, dass die gewöhnlich warmen, dünnbreiig bis wasserdünnen Speisen, die ein Journalist mit besonderer Lust dann inspiziert, wenn sie ihm durch geheime Luken aus nicht öffentlichen Sitzungen im Huldigungssaal zugeschoben werden, auf fürchterlich ungerechte Weise über dritte Zeitungsseiten ausgegossen werden können, so dass ein grundsätzlich redlicher Säumiger, der sich selbst verteidigt, unversehens dasteht wie eine anschwärzende Krämerseele, so frage ich mich trotzdem, Herr Pauly: Lohnt der ungeheure Aufwand der minutiösen Richtigstellerei, den Sie darum getrieben haben? Wäre es nicht ergiebiger, über dergleichen hinwegzusehen und stattdessen etwa die Frage nach mehr bezahlbarem Wohnraum für Alte, Geringverdiener und junge Familien mit doppelter Energie zu stellen? Weshalb erbost es Sie so, dass Andreas Meihsies sich eine karierte Wolldecke mehr ins Fraktionsbüro hat legen lassen als Sie, Birte Schellmann und Heidepirat Torbjörn Bartels und vielleicht einen doofen, ungelesenen Flyer mehr in den Altpapiercontainer wird stopfen müssen als Sie alle drei zusammen?

      Denken Sie an die Worte des 1782 mit Ihnen ungefähr gleichaltrigen Weimarer Kammerpräsidenten: „Alle bedeutenden Menschen, die in ihrer Lebensweise eine gewisse Regelmäßigkeit und feste Grundsätze besitzen, die viel nachgedacht haben und mit den Angelegenheiten des Lebens kein Spiel treiben, können sehr leicht in den Augen oberflächlicher Beobachter als Pedanten erscheinen.“

      • Ich glaube sie haben zu 100% Recht. Das Thema Wohnraumpolitik ist auch dasjenige, das wir gerade vorne auf der Fraktionsagenda haben.

        • An Ratsherr Pauly

          Nicht zum ersten Mal argumentieren Sie hier bei blog.jj wie in Ihrem langen Schreiben oben gegen die Entschädigung und gegen die Bezahlung von lokalen Politikgrößen generell. Aber sind das nicht hart arbeitende Leute, bei denen man auch mal alle Neune gerade sein lassen muss? Sie haben ja heute bestimmt in der LZ gelesen: „Politiker und ihre Nebenverdienste: Mädge auf Platz 2, Nahrstedt schweigt“ (https://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/272190-272190) Wollen Sie vielleicht reiche Nebeneinkünfte nun auch als Problem ansehen? Na wunderbar, dann geht jetzt ja voll die ekelhafte Neiddebatte wieder los. Unser armer Oberbürgermeister und sein lieber Herzensfreund Manfred Nahrstedt, wie werden die wieder von missgünstiger Seite als verschlagen, eigennutzversessen und geldgierig hingestellt? Zahlreiche kommunale Wahlbeamte würden massiv gegen das Nebentätigkeitsrecht verstoßen, heißt es. Und das Nds. Ministerium für Inneres und Sport müsse die Regelungen und Hinweise jetzt ganz schnell präzisieren, usw. Jedoch, eine derartige Nebentätigkeit für Energiekonzerne etwa, die rein gar nichts mit seinem Hauptamt zu tun hatte, aber viel Geld in seinen privaten Geldbeutel spülte, also einen lukrativen Posten im Regionalbeirat von „Energiedienstleistern“ hat z. B. Minister Boris Pistorius (SPD) in seiner Zeit als Osnabrücker Oberbürgermeister von November 2006 bis Februar 2013 ganz bestimmt nicht wahrgenommen!!! Und natürlich. Bernhard Zentgraf vom Steuerzahlerbund stellt gleich wieder die Frage nach möglichen Interessenskonflikten. „Man kann nicht zwei Herren dienen“, lautet die Meinung des Landesvorsitzenden. Die Kommunalpolitiker müssten sich fragen: „Bin ich noch zu unabhängiger und neutraler Prüfung beispielsweise eines Vertrages zwischen dem Unternehmen und meiner Kommune fähig, wenn ich auch von dem Unternehmen ansehnliche Bezüge erhalte?“ Transparency-Vertreter Brocke schlägt in die gleiche Kerbe. Wie könnte es anders sein? Er erinnert daran, dass Hauptverwaltungsbeamte alle Jahre wieder beispielsweise über Konzessionsverträge zu entscheiden hätten, also die Frage: Wer beliefert die Kommune mit Strom oder Gas. Vor diesem Hintergrund kommt Brocke zu dem Fazit: „Das ist alles sehr fragwürdig. Wir bewegen uns hier im Grenzbereich zur Vorteilsnahme.“ Die Beamten müssten sich fragen, was sie für das viele Geld der Konzerne eigentlich leisteten. Darum, dass sich die Auswertung der von den Kommunen zurückgeschickten Auskünfte für das Politikmagazin „Panorama 3“ lange Zeit sehr schwierig gestaltete, da die Erhebungsbögen in den meisten Fällen fehlerhaft bzw. lückenhaft, teilweise auch erheblich verspätet ausgefüllt wurden, sollte nicht so ein Bohei gemacht werden. So sollen Fragen vielfach unbeantwortet geblieben sein, insbesondere was die erhaltenen Vergütungen und wirtschaftlichen Vorteile betraf, oder es wurden für einzelne Wahlbeamte gar keine Erhebungsbögen ausgefüllt. Darüber hinaus hätten oftmals die abgeforderten begründenden Unterlagen, z. B. Auszüge aus den Gesellschaftsverträgen, protokollierte Beschlüsse des Stadtrates bzw. Kreistages und Nebentätigkeitsgenehmigungen gefehlt, bzw. seien diese erst nach mehrmaliger Anforderung vorgelegt worden? Ja mein Gott, sowas kommt vor. Muss man sich da aufregen? Außerdem, können unser OB Mädege und sein Landrat Nahrstedt was dazu, wenn sie so viel zu tun haben und wie die meisten der in die Prüfung einbezogenen kommunalen Wahlbeamten jeweils bei weit mehr als zehn privatrechtlich organisierten kommunalen Unternehmen tätig sind? Hinzu kommen in der Regel weitere Tätigkeiten, beispielsweise die Mitwirkung in Gremien der Sparkasse bzw. in Unternehmen, die sich nicht überwiegend in öffentlicher Hand befinden. Doch wenn es sogenannte „Mängel“ gibt, dann sind die Motive dafür hundertprozentig nicht eine „Raff-“ und „Absahn-Mentalität“, sondern die Ursachen sind teilweise vielleicht auch in den komplizierten Regelungen des Nebentätigkeitsrechts zu suchen, das vielfach nicht auf kommunale Wahlbeamte zugeschnitten ist. Darüber hinaus trägt höchstwahrscheinlich auch der unzureichende Kenntnisstand der kommunalen Wahlbeamten einerseits und der mit den Aufgaben betrauten Mitarbeiter der Personalämter andererseits zu den bestehenden Problemen der unverständlichen bis unlauteren Bereicherung bei.

          Dirk Müller

      • wie man hier gerade feststellen kann, ist pedanterie in der politik garnicht so verkehrt, oder? der schlendrian hat schon so manchen termin versäumen lassen. und was die waffengleichheit angeht, sie wird nie kommen. in einem haben sie recht, man sollte nicht noch den kakao austrinken, durch den man vorher gezogen wurde. und ihre frage in richtung pauly, warum stellen sie diese nicht auch den anderen protagonisten , insbesondere denen, die im moment am ruder sind? wer wird wohl nach der nächsten wahl zusammen turnen? ob ein postbote mit einem glaser kann? vielleicht stößt dazu noch ein jungspund hinzu? ob dann wohl ihre frage beantwortet wird?

        • Seiner Magnifizenz Klaus Bruns

          Jeder Mensch scheint heute eine eigene Parallelgesellschaft zu sein; Binnendifferenzierung nennt sich das in Ihren Kreisen wohl, Herr Bruns. Wie kommen Sie eigentlich dazu, so überheblich von Postboten, Glasern und Elektrikern zu reden, Klaus Bruns? Das sind nämlich genau die Leute, die mit ihrer Hände Arbeit Ihre Schul- und Universitätsausbildung vom ABC bis zur Promotion bezahlt haben. Und auch Ihre Lehrkanzel für „internationales Kulturmanagement“ oder „intertextuelle Medienhermeneutik“ oder was immer an supermegarelevanten Verrücktheiten Sie an der Leuphana auch treiben mögen, Bruns, wird einstweilen noch überwiegend aus Steuermitteln finanziert, die zu großen Teilen ehrlich und hart schuftende Handwerker und Arbeiter nach dem Vorbild von Herrn Meihsies, Herrn Pols und Herrn Pauly aufbringen. Da brauchen Sie sich mit Ihren ewigen Schlaumeiereien gar nicht drüber erheben zu wollen, nur weil Sie glauben, die hiesige Intelligenzija (ja, ja, ich weiß: russisch интеллигенция), trägt mehr zur Demokratie bei, wenn sie in Rätseln spricht („wer wird wohl nach der nächsten wahl zusammen turnen? ob ein postbote mit einem glaser kann? vielleicht stößt dazu noch ein jungspund hinzu?“ —> Hääääh)?

          Sie meinen, dass jeder, der heute denkt und schreibt, es im Sinne der Wutbürger tun müsse, Kommunist oder AfD´ler sein müsse, jedenfalls dem Aufstieg des angeblich „gesunden“ Volksempfindens seine Kräfte leihen. Warum eigentlich ? Wie begründen Sie das ? Soziale Bewegungen gab es doch von jeher. Die Armen wollten immer hoch und die Reichen nicht herunter. Schaurige Welt, kapitalistische Welt, seit Ägypten den Weihrauchhandel monopolisierte und babylonische Bankiers die Geldgeschäfte begannen, sie nahmen zwanzig Prozent Debetzinsen. Hochkapitalismus der alten Völker, der in Asien, der am Mittelmeer. Trust der Purpurhändler, Trust der Reedereien, Import-Export, Getreidespekulation, Versicherungskonzerne und Versicherungsbetrug, Fabriken mit Arbeitstaylorismus : der schneidet das Leder, der näht die Röcke, Mietswucher, Wohnungsschiebungen, Kriegslieferanten mit Befreiung der Aktionäre vom Heeresdienst — schaurige Welt, kapitalistische Welt, und immer die Gegenbewegungen : mal die Helotenhorden in den kyrenischen Gerbereien, mal die Sklavenkriege in der römischen Zeit, die Armen wollen hoch und die Reichen nicht herunter, schaurige Welt, aber nach drei Jahrtausenden Vorgang darf man sich wohl dem Gedanken nähern, dies sei alles weder gut noch böse, sondern rein phänomenal.

          Aber Bruns, wer sind am Ende die Gelackmeierten? Gebildete Leute wie Sie und Ihre Freunde „Bundeskasper“ und Gunter Runkel, die schreiben doch höchstens Hymnen und Feuilletons, die Visage hinhalten, wenn es losginge, das müssten doch die Trimmer, die Kumpels, die Proleten, während jene die Anfeuerung besorgten aus ihren Etagenwohnungen heraus oder von ihrem Luftkurort.

          • Wie kommen Sie eigentlich dazu, so überheblich von Postboten, Glasern und Elektrikern zu reden,
            überheblich? wie kommen sie darauf? gerade sie sollten polemik nicht zur kunstform ausarten lassen. solche kritik kann nicht jeder ab. schlaumeiereien? ausgerechnet von ihnen? wer meine freunde sind, bestimme ich ganz allein. ihre dummen unterstellungen zeigen mir nur, wessen kind sie sind. zumindest haben sie in der schule brav auswendig gelernt. mehr kann man von ihnen , man kann es an ihrem verhalten erkennen, auch wirklich nicht erwarten. für den bürger kann man nur hoffen, dass sie nicht gerade in der politik tätig sind.

          • „wie man immer hier erkennen kann, kennt man nicht mal loriot. wie humorlos hier einige unterwegs sind , ist schon wirklich traurig.“

            Ach was?!

          • Balthus Doktermann

            Ist Klaus Bruns echt promeviert? DER klaus bruns? Ich hab doch immer geahnt das wo bei dem nicht alles ganz astrein gelaufen sein kann.

        • Na Bruns, haben Sie sich wieder mal versehentlich Schuhe angezogen, die Sie selbst für andere bereitgestellt hatten? Merken Sie denn gar nie, dass die immer mit Ihrem eigenen, ewig ranzigen Senf bekleckert sind? Hahaha.

          Wird Zeit, die Klarnamen-Litanei wieder anzustimmen.

          lol

          • welche schuhe meinen sie? die von schema f? jemanden lächerlich zu machen, um ihn loszuwerden? warum versuchen diese vollpfosten es eigentlich immer wieder, wenn es doch nicht klappt? anonymus, suchen sie sich doch mal einen neuen nickname aus, dieser ist nicht mehr anonym. es gibt übrigens ein troll-modus, er müsste nur eingeschaltet werden. dann würden sie aber hier garnicht mehr erscheinen. es wäre regelrecht traurig. ich genieße es. haben sie eigentlich schon mal hier was zum thema geschrieben, oder sind sie zu sehr mit sticheln beschäftigt? heidjer ist übrigens auch schon verblüht.ich schlage rumpelstilzchen vor.

          • Nicht ärgern, Anonymus

            so ist der männliche mensch in reppenstedt, wird er zu oft mit negativen nachrichten gefüttert, stumpft er ab und wird gleichgültig. dieses aber nur am anfang. fühlt er sich auf dauer genervt ,wird er böse und gehässig. der deutsche bruns sucht eben gern schuldige für seine situation. bei sich selbst, sucht er zuletzt.

            wenn kommentare im kopf von klaus bruns etwas ändern könnten, hätte er sie schon längst verboten.

        • „man sollte nicht noch den kakao austrinken, durch den man vorher gezogen wurde“

          Meine Meinung, Herr Bruns!

        • das anschmieren von reppenstedtern ist turnusmäßig durchzuführen, damit eine festgefahrene Mimik immer mal wieder ins rutschen kommt. was meinen sie wohl, worüber ich alles nachdenke? sicher, meckern ist einfach, besser machen schwer. wir leben aber nun mal nicht in einer heilen welt. insbesondere die fdp hat es bis heute verhindert, dass sich da etwas ändert. naivität zahlt sich nirgendwo aus. der bund der steuerzahler, von dem ich persönlich nichts halte, findet ständig neue munition. ich kenne weder neid noch angst. und was die waffengleichheit angeht, sie wird nie kommen. stimmt, ich schieße schnell und provoziere gern. warum ? wer nicht provoziert, kann auch niemanden wecken. wer ist bereit, verantwortung zu übernehmen? doch nur die, die gern ihre konkurrenz loswerden wollen. wird die abzockerei nie enden? ich jammer nicht, ich stelle indirekt fragen. solche kritik kann nicht jeder ab. wer steht denn noch zu seinen überzeugungen? doch nur die extremen in unserer gesellschaft. und dieses ist für unsere gesellschaft fatal. wer meine freunde sind, bestimme ich ganz allein. überwiegend in meinen augen ganoven. ihre dummen unterstellungen zeigen mir nur, wessen kind sie sind. vielleicht stößt dazu noch ein jungspund hinzu? wer nimmt da wohl auf wen rücksicht? für den bürger kann man nur hoffen, dass ich nicht gerade in der politik tätig bin. schlaumeiereien? so ist das mit dem kommentieren, plötzlich ist alles dreck. ähnliches passiert ständig. steht nur noch auf dem papier. man möchte gern wissen, wo man die hebel ansetzen kann. sowas ist doch nur traurig. interessenvertreter legen alles daran, dass die verhältnisse sich nicht ändern? als ich es in der print-ausgabe gelesen habe, musste ich herzlich lachen. ich habe noch was vergessen. da sie die labermittelbranche angesprochen haben, nur soviel. niemand sägt sich den ast ab, auf dem er sitzt. wer verliert schon gern macht und geld? wenn es darum eine ernsthafte debatte geben würde, hätte sich schon längst etwas geändert. wer will sie wieder einführen und wer kann das? der schlendrian hat schon so manchen termin versäumen lassen! ihr von- bis-spiel ist verräterisch. durch globalisierung wird es automatisch vernichtet !

          wie man hier gerade feststellen kann, ist pedanterie in der politik garnicht so verkehrt, oder?

          • danke Kaus, gesammelte werke zeigen immer was her und beweisen, sie wurden gelesen. machen sie weiter so.

          • Wow !

            Wurde der Phrasensalat von einem Sprechautomaten generiert? Soviel Gestanztes und Vorgebackenes! Nicht Klaus Bruns hat die Floskeln, die Floskeln haben ihn. Meistens spricht gar nicht er, sondern das Allerweltsgerede spricht durch ihn hindurch, es flutet rein und quillt wieder raus, aber er ist stolz, nennt das eine eigene Meinung und postet sie. Ist er damit allein oder ist er nur das Exemplar einer Millionenauflage?

          • Ist doch schön, irgendwie repräsentativ für weithin umlaufende Stimmungen in gängiger Münze zu sein. So mancher gesichtslose Lokalpolitiker würde sofort sein letztes Stückchen Eigenart für diesen Schlager hergeben: durchs nahtlose Anschmiegen ans Ununterscheidbare eine Jedermannsqualität als Alleinstellungsmerkmal zu gewinnen, das Ansehen einer leeren Leinwand, auf die jeder alles übertragen kann. Denn durch Konturlosigkeit sein Profil zu schärfen, ist die Kunst, dadurch aufzufallen, dass man einer ist wie alle anderen auch.

      • Gefangen im Netz

        Manchmal verbringe ich auch mehrere schlaflose Nächte mit dem manischen Austausch von Nachrichten in diversen sozialen Netzwerken. Das ist ganz schön kräftezehrend, so daß ich teilweise nur ein Chatten meiner selbst bin.

        Moses Wolff

    • Sehr geehrter Herr Pauly,

      vielen Dank für ihr Statement und insbesondere für ihr Stellenangebot.
      Die Chane für einen praktischen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen in Arbeit.
      Nicht passiv sein, aktiv handeln. In einem anderen Beitrag von Herrn Jenckel werden sie bestimmt eine motivierte Arbeitnehmerin finden. Die Ordnung und Übersicht in der eigenen Bürokratie/Ablage verschafft.

      • Unglaublich, Ossarek-Bruns, Sie können ja mehr als stammeln und kryptischen Kitsch zusammenkopieren. Endlich mal ein Beitrag von Ihnen, dem eine Mitteilung zu entnehmen ist, wenn man sich beim Lesen gehörig Mühe gibt. Allerdings eine unerfreuliche Mitteilung. Sie möchten stänkern — zum Nachteil einer jungen Dame in schwieriger Lage, die Sie nicht kennen und die Ihnen nicht das Geringste getan haben kann.

        Pfui!

    • Was mecht nu los sain inne Polletik

      „Mal außen vor, ob jemand zwei oder drei parallele Aufwandsentschädigungen und damit ein Quasi-Gehalt bekommen sollte. (…) Ratsaufwandsentschädigungen für die Kassen Lüneburger Parteien (…) [und] die Finanzierung von Fraktionsbüros, die in Bürogemeinschaft auch Parteibüros sind (…), beides ist, wie ich finde, hochpolitisch. (…) [Genau wie die Frage], ob z.B. erklärende Zeitungen von Fraktionen, die ganz beiläufig natürlich ihre Oberbürgermeisterkandidaten vorstellen, nicht eigentlich Parteiwerbung sind.“

      Richtig, Herr Pauly. Es gibt ein Wort des französischen Moralisten Chamfort, das lautet: „Die Gesellschaft ist ein Wald voller Diebe.“ Das will sagen: Man kann leicht übervorteilt werden. Man kann zwar mit erschlichenem und zweckentfremdeten Geld Reklamezeitungen drucken, aber Vertrauen kann man nicht drucken. Vertrauen ist eine begrenzte Ressource. Geht es verloren, kommt es nur sehr schwer zurück. Aber das ist etwas, das die sogenannten einfachen Leute immer wussten und wissen. Jeder kennt die Erfahrung, dass auf der Packung etwas anderes steht, als dann wirklich drin ist. Man kann ja den Leuten heute auch nicht mehr ansehen, ob sie aufrichtig sind oder Dreck am Stecken haben. Viele der abscheulichsten Verbrecher ziehen jahrelang mit dem Image von Ehrenmännern durch Magazine und Talkshows. In großem Stil kann man das alles gerade wieder im Zusammenhang mit den Diesel-Autos bei Volkswagen beobachten. Auch da steht Grün drauf und ist Gier drin. Überall wird im Kleinen und im Großen getrickst. Das pflanzt sich fort bis zu den europäischen Abmachungen über den Euro, den Stabilitätskriterien, die nicht eingehalten, sondern gebrochen werden. Ständig wird unser Vertrauen enttäuscht. Und dann stellt man sich hin und wundert sich, wenn die bedenkenlosen Einpeitscher und Schreihälse von der AfD und Konsorten mit ihren primitven Erklärungsangeboten durchdringen, auf allen Kanälen hemmungslos Stimmung machen, in die kommunalen Vertretungen einziehen und die manipulierbare, von Abstiegsängsten und Erlösungsbedürfnissen geplagte Gedankenlosigkeit auf der Straße dazu bringen, Scheiben einzuwerfen und Häuser anzuzünden.

  9. Tatsächlich, der Truppenaufmarsch hat begonnen. Und eine Jugendrevolte im Rathaus begleitet ihn! Heiko Dörbaum verlässt den Feldherrenhügel hinter dem Thron des betagten Kaiserbartes vom eisernen Ober-Uli, der immer noch nicht verrät, wo er den Marschallstab verbuddelt hat. Heikos treuer Husar, das SPD-Nesthäkchen Klaus-Dieter Salewski — Auf dem Meere Nr. 14 besser bekannt als das Dörbaum-Echo — übernimmt und drückt damit das Durchschnittsalter der konzeptionsstarken sozialdemokratischen Stabsoffiziere in Stadt und Kreis auf sage und schreibe 66 Jahre hinunter. So setzt sich der einschneidende und breitflächig koordinierte Verjüngungsprozess der alten Tante in Lüneburg konsequent fort, dessen Höhepunkt viele Genossen bereits mit dem Zustrom von Jens Kiesel für erreicht hielten, der sich im Juni diesen Jahres über die Rentner-Partei-Route ins Uwe-Inselmann-Haus gerettet hatte. Wie sieht es bei den Christdemokraten und den Linken aus? Werden Niels Webersinn und Michèl Pauly genügend Feingefühl und Weitblick besitzen, um den Fraktionsvorsitz endlich an Renate Rudolph bzw. Rainer Petroll abzugeben?

  10. Klaus-Peter Dehde

    Schon spannend, was in der großen Hansestadt so diskutiert wird! Um nicht zu sagen; so klingt Lüneburg…..

    • Nur keinen Neid, Herr Schultheiß. Es kann ja nicht überall ausschließlich von klapprigen Fähren, klappernden Störchen und wegklappenden Wahlaussichten die Rede sein, also von Sozialdemokraten im Lückenglück, aber von bürgerbrüskierender Brückentücke im landrätlichen Bubenstück.

  11. Vom Olymp einer Weltmetropole mit supermodernem internationalem Verkehrsdrehkreuz als Goldesel gleich neben der kommunalen Kasse wie in Neu Darchau ist natürlich leicht spotten über ein Provinznest wie Lüneburg.

  12. Lieber Karlheinz Fahrenwaldt,

    wie Du weißt, werde auch ich kommende Woche den Fraktionsvorsitz niederlegen — den unserer Kapeiken und Heiopeis in der Berliner Volkskammer neuen Typs. In meiner letzten Regierungserklärung als Oppositionsführer habe ich am vergangen Freitag noch mal kurz unseren Zehn-Punkte-Masterplan zur grundlegenden Reform Deutschlands und der freien Republik Lüneburg präsentiert: Existenzsichernde Transferleistungen, intelligenter trimodaler Variantenmix bei der Radwegeführung an der Dahlenburger Landstraße, neue Flüchtlingspolitik, Theatersanierung, Volksentscheide, Reform des Wahlsystems, Mindestrente, Regenerative Energie Lüneburg GmbH, weniger Einfluss für Banken und Konzerne, Kreisrätin Monika Scherf, Brücke in die Gesellschaft der neuen Bundesbürger (auch der rechtselbischen) — das volle Programm eben.

    Nun überlege ich: Wenn ich in den nächsten Tagen tatsächlich etwas zum Verbleib der Milliarden aus dem verschwundenen Vermögen unserer ehemaligen Heimatpartei im realen Sozialismus sage, was glaubst Du, Karlheinz, wird Heiko Dörbaum dann auch etwas über die fehlenden Millionen zur Bezahlung des Libeskind-Baus im sozialdemokratischen Realismus sagen?

    Lieber Kalle, da unser echt deutscher Michèl (Kohlhaas), der erbsenzählende Gerechtigkeitsberserker aus Lönneberga noch gar nicht auf die obige Frage von – wie ich annehme – Jens-Peter Schultz aus Ochtmissen vom 8. Oktober 2015 um 18:26 Uhr geantwortet hat (http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/268862-wenn-lueneburgs-ratspolitiker-im-sandkasten-spielen-ist-schon-wieder-wahlkampf#comment-58085), möchte ich zuletzt noch Dich bitten, „die großen Kommunalwahlthemen“ stellvertretend zu skizzieren und zu sagen, wie Du Dir „eine sachdienliche politische Streitkultur in Lüneburg bis zum nächsten September“ vorstellst.

    Psssst, wer grölt da, Kalle?

    „Die Müßiggänger schiebt beiseite! Ihr Herrn der Sklaven, wachet auf! Gewählt zu werden, strömt zuhauf! Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger! Es macht uns reich kein höh’res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun. Uns aus dem Zorne zu erlösen, können wir nur selber tun!“

    Karlheinz, Karlheinz, hör bloß die Signale!

    Dein Gregor

    • Der liebe Gregor, der hier unterschreibt, ist natürlich nicht der echte Gregor, sondern der Deckname eines unbekannten Satirikers. Die LZ-Redaktion

      • Satire ist das?

        Das ist jetzt aber supergemein, Herr Jenckel! Dass Sie das verraten. Wie langweilig! In Zukunft bitte immer einen zwinkernden Smiley hintendran platzieren wenn Sie selbst sarkastische oder ironische Wendungen riskiert haben (z. B. „Finanzierungsplan“, „Schattenlandrat“, „Fahrradstadt“, „Leuphana-Theater“, usw.) oder wenn Sie von angeblichen „Doppel- und Dreifachverdienern“ in der städtischen Gemeinderepräsentanz reden! Dann werden auch ganz bestimmt weder Gregor noch Andreas den Verlag Landeszeitung für die Lüneburger Heide GmbH mit Unterlassungsbegehren bedrängen oder mit Millionenklagen vor Verwaltungs- und Zivilgerichten überziehen.

  13. Lieber Herr Pauly,

    ich finde, Sie haben Herrn Jenckels listige Einladung zum öffentlichen Pogo-Tanzen gut gekontert. Zwar ging es dem Redakteur in erster Linie um das Verhohnepipeln von allen Seiten betriebener dippelschisseriger Fickfackereien in der beginnenden Wahlpropagandaschlacht, doch einem erfahrenen Presseprofi wie dem geschäftsführenden Chefredakteur der Landeszeitung war und ist natürlich klar, dass immer etwas an einzelnen Personen hängenbleibt, wenn mit Schmutz herumgeferkelt wird, und sogar auch dann, wenn mit unschuldigstem Augenaufschlag über solches hinterhältiges Schlammspritzen bloß nachträglich referierend Bericht erstattet wird.

    Trotzdem und um vielleicht doch wieder zu einem echten Thema zu finden, möchte ich an den Kommentar-Beitrag oben vom 8. Oktober 2015 um 18:26 Uhr erinnern, in dem Sie gebeten wurden, ob „Sie vielleicht einmal kurz skizzieren [könnten], worin Sie nach dem Rückzug des sozialdemokratischen Strippenziehers in der Mehrheitsgruppe die großen Kommunalwahlthemen sehen und wie Sie sich eine sachdienliche politische Streitkultur bis zum nächsten September vorstellen“?

  14. Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister

    Bereits als Kind verfügte ich über umfangreiches Wissen in politischen Fragen. Meine hervorragenden politischen Kenntnisse waren nicht zuletzt meinem ausgeprägten Interesse für das Medium Fernsehen geschuldet. Am liebsten und regelmäßig sah ich die Tagesschau. Ich erinnere mich noch genau daran, daß ich lange Zeit davon überzeugt war, daß der dicke Tagesschausprecher Werner Veigel und der dicke Bundeskanzler Helmut Kohl ein und dieselbe Person seien. Ich dachte, es sei Aufgabe des Bundeskanzlers, sein ihm ergebenes Volk über die neuesten Geschehnisse aus dem In- und Ausland in Kenntnis zu setzen. Eine Sache irritierte mich jedoch, und als die Irritationen zur Qual wurden, fragte ich meine Eltern: »Warum sagt der denn immer „Bundeskanzler Kohl“ und nicht „ich“?«

    Schon wenig später drängte sich mir eine neue, weitaus bedeutendere Frage auf, denn ich mußte feststellen, daß das Volk seinem Kanzler gar nicht so ergeben war, wie ich dachte. Im Gegenteil: Allerorten wurde schlecht über ihn geredet, keiner schien ihn zu mögen. Aber warum? Uns ging es doch gut. Mir jedenfalls ging es gut. Ich wollte keinen anderen Kanzler, ich mochte Kohl.

    Nun, all dies fiel mir wieder ein, als ich vor einiger Zeit via TV Zeuge werden durfte, wie Kinder im Kontext irgendeines Kinderwahlrechtsquatsches von einer Frau mit Mikrofon dazu gezwungen wurden, auf ihre Frage »Na, und wen würdest du denn wählen?« zu reagieren. Ein schüchterner Junge sagte mit sehr leiser Stimme: »Ach, ich will, daß alles so bleibt, wie es ist.« Ich verstand den Jungen so gut.

    Ist diese Einstellung auch für Sie irgendwie nachvollziehbar, Herr Mädge?

    Mit abwartender Neugier verbleibe ich

    Ihr Dirk Müller (Stammwähler)

    • Lieber sehr verehrter Herr Oberbürgermeister

      Ich möchte Herrn Müllers Ausführungen gerne durch eine Nachricht aus meinem Leben ergänzen, die meine Frau und ich in der Rückschau von mittlerweile schon bald zwei Wochen Pensionärsdasein „Lebensglückhilfe“ getauft haben:

      Um essentielle Aufgaben nicht zu vergessen, lege ich immer noch ab und an in der Notiz-App meines Taschentelefons eine „To-Do-Liste“ an. Tage später, wenn ich jene Applikation erneut aufrufe, um weitere äußerst wichtige Vorhaben einzutragen, evoziert das Wiederentdecken der älteren, vergessenen und längst verstrichenen Termine ein wohliges Gefühl: Es ging also auch ohne !

      Es wird auch ohne weitergehen !!

      Jenny Elvers ist auch wider zu Hause !!!

      MfG Ihr Kairos Oettle aus Kirchgellersen

  15. Geschmack-
    losigkeit als
    Programm,
    das kommt
    an – auch im
    Kulturforum. muss man dazu eigentlich promovieren? oder reicht es studiert zu haben? man weiß es nicht. die glaubwürdigkeit in die politik hat sehr gelitten. seltsam , in der cdu sind mehr rechtsanwälte unterwegs, als in allen anderen parteien im deutschen bundestag zusammen. warum geht ein doktor in die politik? kommt er mit der demokratie und ihrer marktwirtschaft sonst nicht klar? braucht er seilschaften , um zu überleben? vertritt diese spezies eigentlich wirklich das volk, oder doch nur ihresgleichen?wo sind die handwerker? ach ja, werden ja nicht freigestellt, müssen für die steuern , die andere nicht bezahlen,noch richtig arbeiten.

  16. Sehr geehrter Herr MdB Eckhard Pols

    Am Montagnachmittag, den 20. Juli diesen Jahres versperrten Sie, umringt von Demonstranten, Plakaten und Kameras und telegen positioniert an vorderer Front einer vieltausendköpfigen aufgebrachten Menge von zischend schäumenden Brücken-Befürwortern, dem bebenden, sich aber aufrecht haltenden Sozialdemokraten Manfred Nahrstedt seinen Weg in die Ritterakademie, wenige Augenblicke bevor er dann doch mit seiner rot-grünen Kreistagsmehrheit die Elbbrücke Neu Darchhau endgültig und für alle Zeiten zu Grabe getragen hat. Sie stoppten unseren armen alten Landrat, knallten ihm einstimmig mit ihrem gigantischen Fischerchor von Gleichgesinnten Wahlbetrug und mangelndes Engagement an den Kopf und hielten den unzähligen Fotografen und Fernsehteams aus aller Welt mit sardonischem Grinsen ein von Ihnen die Nacht zuvor liebevoll handgemaltes Schild in die zuckenden und schnurrenden Objektive ihrer Aufnahmeapparate, auf dem wie eine unbarmherzige alttestamentarische Drohung die abgründige Prophezeiung prangte: „72 % werden nicht vergessen. KT-Wahl 2016!“

    Hier meine Fragen: War das einfach eine tolle Gelegenheit für Sie, dem greisen, selbstverschuldet in die eigene Faust gelaufenen und schwer angeknockten politischen Gegner für ein paar herrliche Bilder Ihren Fuß in den Nacken zu setzen? Oder haben Sie tatsächlich ein belastbares Konzept besessen, wie sich der Elbbrückenbau hätte finanzieren und die ökologischen Kosten für die Region hätten minimieren lassen?

    Warum haben Sie dieses Konzept dann aber nicht rechtzeitig ins Gespräch gebracht? Lag Ihnen mehr an Schadenfreude als an einem konstruktiven politischen Beitrag zum Wohle der Menschen im Landkreis?

    Für eine Antwort hier im Blog wäre ich Ihnen sehr dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen

    Manfred Ganther (OStR)

    • Ob Eckhard Pols wohl realisiert hat, dass Herr Jenckel und seine intellektualistische Schmierantenbande (der unvermeidliche Klaus Bruns, Herr Pauly natürlich, der immer mal wieder von außen stichelnde Darchau-Dehde und nun auch noch ein neunmalkluger Oberlehrer Ganther) den Kommunalwahlkampf in Lüneburg für ihn und seine Kollegen aus dem Rat eröffnet haben?

  17. Liebe Karlheinz Fahrenwaldt, Ulrich Mädge und Eckhard Pols

    wir lesen gar nichts mehr von Euch bei blog.jj, dem Lüneburger Online-Forum für Lokalpolitik und Stadtkultur. Warum? Sind Eure Pressesprecher so ausgelastet, dass ein kurzer, gedankenreicher Plausch in Eurem Namen mit dem heranwachsenden Wahlvolk an Schulen und Universität nicht mehr drin ist?

    Nehmt Euch ein Beispiel an den politischen Frischlingen und juvenilen Überläufern Julia Verlinden, Claudia Schmidt, Anikó Hauch, Petra Kruse-Runge, Jens-Peter Schultz, Björn Adam, Gunter Runkel, Andreas Meihsies, Klaus-Peter Dehde, Niels Webersinn, Ulrich Löb, Michèl Pauly, Jens Kiesel, Peter Luths und Steffen Gärtner, die sich hier alle schon mehrmals zu Wort gemeldet und uns „nachhaltig“ beeindruckt haben, von denen der neue starke Mann im Rat (zugleich gesetzter Kronprinz sowie 2021 SPD-Nachfolgekandidat als OB?), nämlich Klaus-Dieter Salewski (62), aber behauptet, es könne sie gar nicht geben, weil sie „mit Ausbildung, beruflichem Fortkommen und einer Familienphase“ derart müssten beschäftigt sein, dass das Ausfüllen eines politischen Ehrenamtes und umfangreiche, zeitkonsumierende Vorbereitungen (und Nacharbeiten) von Rats-oder Kreistagssitzungen „für junge Menschen“ einfach nicht zu leisten sei. (Siehe: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/270955-der-neue-starke-mann-im-rat)

    Merci d’avance pour votre réponse

    La Jeunesse Dorée Leuphanatique

  18. Ulrich Mädge hat gestern – auf mich sehr beeindruckende Weise – gezeigt, wie man eminent wichtige themenbezogene Fragen weitestgehend frei von emotionalen Wertungen und unabhängig vom parteipolitischen Standpunkt auch in Wahlkampfzeiten so darstellt, dass sowohl ihr sachlicher Gehalt sofort fassbar wird wie auch die große – und, wie Mädge betonte, beunruhigende, einzudämmende, ja, zu bekämpfende – Gefahr ihres propagandistischen Missbrauchs. Seine nachdenklichen Einlassungen sind in der Tagesschau gezeigt, in den Tagesthemen referiert und auch in der hochrangig besetzten Talkrunde bei Maybritt Illner angesprochen worden.

    Mit Videodatei hier: https://www.tagesschau.de/inland/ob-lueneburg-maedge-101.html

    Mit Audiodatei hier: http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Fluechtlinge-sollen-gerecht-verteilt-werden,unterbringung114.html

  19. Langsam klickert es auch bei Herrn Mädge, die Frage die bleibt ist warum die Rot/Grüne Landesregierung z.B. von 18.000 abgelehnten Asylbewerbern nur 500 ausgewiesen hat. Das heißt egal wie schnell die Verfahren sind, bei Rot/Grün bleiben sie dennoch.

  20. menschenrechte nach kassenlage. geht es noch erbärmlicher? christliche werte? ich weiß, warum ich atheist bin. im kern geht es hier doch auch nur ums geld. deutschland hat nach dem zweiten weltkrieg flüchtlinge aufgenommen, während die städte zerbombt waren. wer hat da nach geld gefragt? wie war es da mit dem vorhandenen wohnraum? wurden häuser über nacht gebaut? christliche werte sind ein witz, bequem will man es haben.

  21. Ihr Beitrag zu Ulrich Mädge

    @ Claas

    Da bin ich ganz bei Ihnen. OB Mädge hat viel Richtiges und Notwendiges gesagt. Besonders hat mir gefallen, wie er sich mit heldenhafter Loyalität bemüht hat, den niedersächsischen Innenminister, die rot-grüne Landesregierung und die Kanzlerin aus der Schusslinie zu nehmen, obwohl doch das flagrante Versagen der Bundes- und Landesbehörden der eigentliche Skandal ist; spezialisierte Behörden die über Jahre sehenden Auges in die nun eilig „Krise“ genannte humanitäre Katastrophe gesteuert sind. Es gibt seit Jahrzehnten Bundes- und Landesministerien mit dem Arbeitsschwerpunkt Zuwanderung und Asyl sowie Ämter und Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration auf allen Ebenen bis hin zu den Gleichstellungseinrichtungen in Unternehmen und öffentlichen Institutionen. Man hatte die Erfahrung mit den Vertriebenen von 1945 bis 1952, mit den Arbeitsgästen von 1955 bis 1973 und den anschließenden Famillienzusammenführungen, mit den Umsiedlern nach den politischen Umbrüchen von 1989/1990 bis 2000 und mit den den großen Schüben von Kriegs- und Elendflüchtlingen seit den Balkangemetzeln vor unserer Haustür von 1991 bis 2001. Und spätestens seit dem Beginn der Bürgerkriege in den nordafrikanischen Maghrebstaaten und in Syrien im Frühjahr 2011 wissen wir alle sehr genau, dass die 219.000 Mittelmeerüberquerungen sowie die sehr große Zahl von 1,59 Millionen syrischen Flüchtlingen in der Türkei (bis Ende 2014), die erst ein Anfang sind, das bisher gewohnte Leben jedes Einzelnen von uns berühren und verändern werden, ob wir es uns nun wünschen oder nicht.

    Doch warum gab es keine vorbereiteten Verfahren, wie sie aus den Kommunen schon vor Jahren angemahnt wurden? Keine Konzepte für das, was jeder so lange schon hat nahen sehen? Warum muss sich eine Kanzlerin vom Oberbürgermeister einer niedersächsischen Mittelstadt Maßnahmenpakete vorschlagen lassen?

    Gestern, am Freitag, den 16. Oktober 2015, habe ich in der LZ den folgenden politischen Kommentar von Joachim Zießler gelesen, der – fast – alles enthält, wofür auch Ulrich Mädge eintritt, wenn ich ihn richtig verstanden habe:

    »Keinen Moment zu spät: Die Kanzlerin entwickelt historisches Format, während Europa von fünf Krisen gebeutelt wird: Der neuen Völkerwanderung, Nahost, Ukraine, Griechenland und Euro-Zone. Erstmals in ihrer Kanzlerschaft verknüpft Angela Merkel ihr Mandat mit der Festlegung auf einen Kurs, der ihrer Beliebtheit schadet, – wie es große Kanzler tun. Sie beharrt darauf, dass eines der wohlhabendsten Länder der Welt das Format hat, Menschen zu helfen, die vor dem Moloch Krieg fliehen. Und sie hat Recht, wie gestern ihr Fernduell mit Horst Seehofer wieder belegte. Der CSU-Chef moniert zwar, dass Merkel die Antwort schuldig bleibe, wie Deutschland den Zustrom bewältigen solle, vermag aber ebensowenig zu erläutern, wie denn der Zustrom eingedämmt werden könne, was er fordert. Tatsächlich ließen sich Völkerwanderungen in der Geschichte noch nie durch restriktive Grenzregime aufhalten. Und die einzige Massenflucht, die durch eine Mauer unterbunden wurde, war die der DDR-Bürger aus ihrem Land.
    Anders als der Freistaatler scheint die gelernte DDR-Bürgerin aber verinnerlicht zu haben, wofür Deutschland und Europa stehen, beziehungsweise stehen sollten.
    Die historische Herausforderung besteht darin, die Völkerwanderung zu managen. Dafür braucht man Mut. Wie immer in Krisen.«

    Wäre ich an der Stelle unseres Ober-Uli, würde ich zu Herrn Zießler sagen: Alles fein, Joachim. Nur, was man ebenso dringend braucht wie Management-Mut, ist ein Plan — und die Mittel. ihn umzusetzen. Dieser Plan muss zwei Phasen genügen (und zwar in sozialpsychologischer als auch finanzieller Hinsicht): 1.) dem akuten Notfall, in den die Gemeinden aufgrund der lange wegschauenden und nahezu pathologisch ignoranten Planlosigkeit der zuständigen Bundes- und Landesbehörden geraten sind und 2.) dem dynamischen, unter jedem Gesichtspunkt äußerst aufwendigen, mindestens dreißig bis vierzig Jahre andauernden und sehr differenzierten Prozess des Zusammenfügens und Zusammenwachsens unterschiedlicher Gruppen von einzigartigen Menschen (wobei die residentielle Segregation der unbedingt zu vermeidende, weil später nicht mehr zu korrigierende Anfangsfehler ist.)

    MfG, Tobias Günther

    • Das sehe ich in einigen Punkten anders.
      1. Grenzen lassen sich schützen und müssen geschützt werden. Dafür gibt es genug Beispiele sogar derzeit in Europa (Dänemark) oder Japan, Australien mit ihren riesigen Grenzen. Große Völkerwanderungen kamen meist erst durch mangelnden Grenzschutz zu Stande.
      2. Frau Merkel löst mit ihrer Politik und Kommunikation erst große Wanderungsbewegungen nach Deutschland aus.
      3. Im Verhältnis zu den 50-60 Mio weltweit flüchtenden Menschen, die nach derzeitiger Rechtslage nach Deutschland kommen dürften, bzw. Asyl beantragen dürfen, ist Deutschland nicht Reich sondern Arm. Wir haben nicht mal mehr Geld, um uns gegen die eigene Altersarmut zu stemmen, Kinder bekommen in Deutschland bedeutet jetzt schon ein Armutsrisiko, und das wir jetzt schon nicht mehr in der Lage sind unsere Infrastruktur aufrecht zu erhalten ist nur ein weiteres Beispiel. Der immer wieder betonte Reichtum ist nur ein theoretischer Wert. Unsere derzeitige Leistungskraft kommt überwiegend von den Geburtenstarken Jahrgängen die in der Blüte ihres beruflichen Schaffen stecken. Wenn deren Kraft nachlässt, werden in 10 Jahren die Reserven, die das Land braucht um diese Herausforderung zu meistern aufgebraucht sein, durch die derzeitige Politik. Das Ergebnis wird eine soziale und humanitäre Katastrophe sein, in deren Folge die verbleibenden Leistungsträger verbrannt werden oder auswandern.
      4. Auch die Flüchtlinge tragen Verantwortung für die Zustände in ihren Herkunftsländern und haben auch eine Pflicht ihre Länder wieder in Ordnung zu bringen. Europa kann hier auch als Beispiel dienen, denn es hat im Krieg dem Terror die Stirn geboten und sich aus Schutt und Asche wieder aufgebaut.

  22. Hiltrud Lotze, Julia Verlinden und Eckhard Pols haben nun im Unterschied zu Herrn Mädge „gezeigt, wie man eminent wichtige themenbezogene Fragen weitestgehend“ besetzt mit „emotionalen Wertungen“ und gekettet an den „parteipolitischen Standpunkt in Wahlkampfzeiten so darstellt, dass“ weder „ihr sachlicher Gehalt sofort fassbar wird“ noch „die große – und, wie Mädge betonte, beunruhigende, einzudämmende, ja, zu bekämpfende – Gefahr ihres propagandistischen Missbrauchs“ Berücksichtigung findet.

    (Siehe: http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/271652-lueneburger-bundestagsabgeordnete-beziehen-stellung-zum-neuen-asylrecht)

    Julia Verlinden von den Grünen weist zurecht darauf hin, dass die Asylrechtsverschärfungen und die Leistungseinschränkungen „zum Teil verfassungs- und europarechtswidrig“ sind und so sicher keinen Bestand haben werden. Was außer Selbstverständlichkeiten mit der „strukturellen Unterstützung von Ländern und Kommunen bei der Versorgung von Flüchtlingen durch den Bund“ als Verdienst ihrer Partei konkret gemeint sein könnte, verschweigt sie leider.

    Eckhard Pols von der CDU fallen wieder nur die vertrockneten Phrasenziegelsteine der Parteireklame aus dem Mund: Handschrift der Union, Hausaufgaben gemacht, Länder am Zug, Enthaltung Niedersachsens im Bundesrat bei der Frage der „sicheren“ Herkunftsländer wäre Blamage für SPD, Rot-Grün muss Farbe bekennen, konsequente Rückführung abgelehnter Asylbewerber, wer beim Bund nach Hilfe ruft, muss seinen Verpflichtungen nachkommen, bla, bla bla, …, „Fifty ways to leave your lover …“

    Hiltrud Lotze von der SPD dagegen ergeht sich in inhaltsleerem Eigenlob und Plattitüden: Gesetz soll helfen, SPD hat die Realität stets im Blick, monatlich 670 Euro pro Asylbewerber, Menschen eine Perspektive bieten, gültiger Arbeitsvertrag ermöglicht legale Einreise mit einem Arbeitsvisum, Möglichkeiten, Facharbeiter zu gewinnen, Asylverfahren müssen schneller werden, noch zu viele Schnittstellenproblematiken, es sollte unbürokratisch auf vorhandene Infrastruktur wie Sanitätsstationen oder Küchen zurückgegriffen werden können, etc. Und wie, Frau Lotze, ist es, wo solche „Infrastruktur“ nicht „vorhanden“ ist? Und wozu, Frau Lotze, soll „schnell“ und „unbürokratisch“ auf solche Ressourcen „zurückgegriffen“ werden, wenn sie nicht bestückt sind? Keine Ärzte, keine Medikamente, keine Köche, keine Zutaten? Wie meinte Wilhelm Busch? „Oft ist das Denken schwer, indes / das Reden geht auch ohne es.“

    Hiltrud Lotze, Julia Verlinden und Eckhard Pols, stellen Sie sich bitte folgende Situation vor. Eine gutgenährte, wohlhabende Person, Ihnen gar nicht unähnlich, verschlägt es in ein, sagen wir, afrikanisches Flüchtlingslager, wo gerade die Cholera ausgebrochen ist. Menschen schreien, sterben, doch statt zu helfen, sucht sich unser fiktives Ich eine einigermaßen ruhige Ecke und beginnt, sich an der Lektüre von Rilkes »Sonette an Orpheus« zu erfreuen. Sie müssen zugeben, dass dieses Verhalten moralisch zumindest fragwürdig ist, aber Sie müssen auch zugeben, dass im Grunde WIR ALLE seit mindestens fünfzehn Jahren in einer solchen, etwas ruhigeren Ecke eines Flüchtlingslagers gelebt haben und weiterhin darin leben möchten. Doch leider macht die Entfernung das Elend bloß perspektivisch kleiner, und nur Idioten glauben, das sich entfernende Auto werde TATSÄCHLICH zu einem Punkt.

  23. Bürgermeisterlob

    „Strukturelle Unterstützung von Kommunen (MdB Verlinden)“?, „humanitäre Herausforderung (MdB Verlinden)“, „Gesetz trägt Handschrift der Union (MdB Pols)“?, „Bund hat Hausaufgaben gemacht (MdB Pols)“?, „Menschen Perspektive bieten (MdB Lotze)“?, „Schnittstellenproblematiken (MdB Lotze)“?

    Großkalibrige Fangfrage an den diesjährigen Friedenspreisträger Navid Kermani: Welchen Einfluss hat Literatur auf Politik? Statt mit einem Wink zur engagierten Literatur antwortet Kermani beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit einem „Pauschallob für Bürgermeister“. Die würden bei der Flüchtlingsaufnahme nicht nur Großartiges leisten, sondern auch präzise reden. Er, Kermani, finde es wohltuend, Kommunalpolitikern zuzuhören, ihr differenzierter, realitätsgesättigter Zungenschlag sei viel angenehmer als manches Talkshowgerede. Ein Hieb gegen engagierte Schwadronierkunst im Angesicht der Flüchtlingsströme? Aber schon dieses Wort „Flüchtlingsströme“, von Bürgermeistern oft benutzt — ist das noch der richtige Zungenschlag? In Talkshows (wie zuletzt bei Maybrit Illner) verbittet man sich, von „Flüchtlingsströmen“ oder gar „-fluten“ zu sprechen. Das verletze die Würde des Einzelschicksals, heißt es. Bürgermeister reißen sich täglich ein Bein aus, um jedem einzelnen Ankömmling ein Mittagessen und eine beheizte Bleibe zu verschaffen. Gerade deshalb rechnen sie Menschen in Quantitäten um. Und verdienen Kermanis Lob statt blasierte Sprachkritik.

  24. Fragen an Herrn Redaktor Hans-Herbert Jenckel

    Sehr geehrter Herr Jenckel,

    als Neu_LüneBürger seit zweieinhalb Jahren (Referendariat, Assessor, Studienrat), aber seit Juni 2014 auch als begeisterter Nutzer Ihres neuen Dialogforums zu Themen der hanseatischen Stadtkultur und Lokalpolitik ist mir (und einigen anderen Ihrer zahlreichen Fans bei uns im Kollegium) aufgefallen:

    1. Viele Kommentare werden in letzter Zeit verspätet oder gar nicht gepostet. Warum?

    2. Genießt Klaus Bruns bei Ihnen Narrenfreiheit?

    3. Wie soll ein Austausch zwischen den Lesern zustandekommen, wenn diese von Herrn Bruns (und mit ihm fraternisierenden Gleichgesinnten) ständig „überwacht“, gestalkt und persönlich gemaßregelt werden?

    4. Für mich, meine Freunde und Kollegen lebt blog.jj von Witz, satirischer Provokation, schnellen, lustigen Antworten und jeder Menge erstklassiger Überlegungen und Argumente. Julia Verlinden, Jens-Peter Schultz, Peter Luths und Michèl Pauly sind nur vier Beispiele für jj.blogger, die zeigen, was geht, wenn man Humor, aber auch einen Standpunkt hat. Sollen die Junggebliebenen und die frechen neugierigen Debattanten oder die Frühvergreisten und die ordnungsfanatischen Mauler und Fallensteller in Ihrem Blog das Feld beherrschen?

    Kevin Manuel Schnell (28, Besoldungsgruppe: A 12 Stufe 4, Lohnsteuerklasse I, Kirchensteuersatz 9 %)

    • Alles gut, ich bin mir nur gerade an anderer Stelle sehr eingebunden, ich bitte die schwache Reaktionszeit zu entschuldigen.
      Allerdings habe ich tatsächlich Kommentare, mit Fäkalsprache gespickt, nicht freigegeben, auch welche mit strammer Gesinnung und voller Fremdenfeindlichkeit, und solche, wo sich der anonyme Schreiner eines berühmten Namens bedient hat, und üble Beleidigungen, StGB-tauglich, waren darunter. Sonst ist alles erlaubt.

    • sie schreiben von meinungsaustausch. wie kommen sie dann auf gemaßregelt? wer versucht hier wen zu beeinflussen? jeder jeden? sie nicht? political correctness ist ja ganz nett, nur der bürger hat davon die nase voll. zumindest ich habe sie davon voll. sie zahlen kirchensteuer? warum? wegen der christlichen werte? es gibt bei uns rattenfänger und till-eulenspiegel. wer deckt da wohl wen auf? meinen sie a12 stufe 4 beinhaltet automatisch recht und weisheit? ich persönlich habe im meinem leben einige gutbezahlte fachidioten kennengelernt. wie geht man mit ihnen um?

    • Kevin Manuel Schnell ,ich lese aus ihren zeilen einen gewissen stolz heraus. und zwar über das, was sie bis jetzt in ihren jungen jahren geschafft haben. verständlich. aber glauben sie mir, nichts geht über lebenserfahrung. narrenfreiheit? warum diese frage? Eine besonders gute freundin meiner familie war bis vor kurzem rektorin einer schule. ich habe mit ihr über schule gesprochen, da schwammen sie noch in der ursuppe. überheblichkeit ist kein zeichen von überlegenheit. nur die, die hier argumente haben, werden in diesem forum auch bleiben. sie sollten mehr hinterfragen. ich beantworte alle fragen, die mir vernünftig gestellt werden. wenn am anfang einer frage schon dumme polemik erscheint, werde ich mein niveau darauf einstellen. die kommunalpolitiker die mich kennen, wissen das. das ich gern provoziere weis ein andreas besonders gut. fässer aufmachen, ist eine spezialität von mir.

  25. Hans-Herbert Jenckel

    hat am 4. Dezember 2014 um 15:22 Uhr geschrieben:

    Kommentare werden nicht freigegeben, wenn sie gegen Gesetze oder gegen die guten Sitten verstoßen.
    Eine Meinung zu haben, fällt per se nicht in die Kategorien.
    Die Meinung griffig oder aber abstrus zu verfassen, ist beides durch die Pressefreiheit und Artikel 5 gedeckt.
    Alles andere wäre doch echt Zensur.
    LG
    hhjenckel

    Gefunden hier: https://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/203570-ratsherren-leserbriefschreiber-und-die-heisse-luft#comment-27807