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Als jede Jahreszeit noch ihren ganz eigenen Geschmack hatte

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

 

(Den Blog.jj führt Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Kürzel jj. Gastkommentare sind willkommen. )

 

 

Lüneburg, 3. Dezember

Wo ich aufgewachsen bin, auf einem Bauernhof mit Mühle in Melbeck, da hatte jede Jahreszeit ihren ganz eigenen Geschmack.

Spargel im Mai, danach Erdbeeren und Rhabarber. Und der Obst- und Gemüse-Zeiger drehte sich munter weiter: Kirschen und Pflaumen, Tomaten, Radieschen, Streifzüge durch den Pilzwald, Äpfel und Birnen, und wenn’s frostig wurde, Kompott – bis zum nächsten Jahr.

Alles hatte seine Zeit. Nun kommt nicht jeder vom Hof, aber doch könnte auch heute noch  jeder im Laden entscheiden, alles nur zu seiner Zeit zu kaufen. Aber, im Supermarkt wurden die Jahreszeiten abgeschafft. Alles frisch, und zwar in jeder Menge zu jeder Zeit. Keiner fragt nach den Folgen.

 

Und weil das so ist, glauben Kinder in Almeria in Andalusien, dass Folie ein natürlicher Landschaftsbewuchs ist. Und Tomaten nur unter Plastik gedeihen.

 

 

Kinder in Ecuador fragen sich, wo nur diese Unmengen an grünen Bananen bleiben, die ihr Land prägen, und warum sie nicht natürlich an der Staude, sondern im Schiffsrumpf auf dem Weg in den deutschen Supermarkt reifen.

Nur wir fragen nicht, woher die Tomaten kommen, die Erdbeeren im Winter oder die Bananen das ganze Jahr. Uns ärgern nur die Endlosbahnen synthetischer Frischhaltefolie, in der die für den Transport haltbar gespritzten Früchte lagern.

Wir fragen auch nicht, was passiert, wenn wir unseren Geschmack ändern wie die Mode. Wir hören höchstens in den Nachrichten, dass in Ecuador Bauern in Armut versinken, weil nicht genug Bananen verkauft werden. Aber was hat das mit uns zu schaffen? Wir haken besser nicht nach, womöglich bekäme unser Wohlstandsgewissen Schluckauf.

Auf der Weltbühne kämpfen sie gerade in Paris gegen die Zerstörung der Erde und den hausgemachten Klimawandel. Wir sollten vielleicht nicht nur nach Paris starren, sondern im Kleinen beginnen. Jede „Buy Local“-Initiative, jeder Hofverkauf, jeder Ansatz, fair auch im Fernhandel zu wirtschaften, ist alle Mühe wert.

Auch ich glaube heute viel zu oft, das Leben sei ein Supermarkt, und greife zu. Ein Umdenken  wäre schon mal ein handfester guter Vorsatz fürs neue Jahr.

Hans-Herbert Jenckel

 

37 Kommentare

  1. vorsicht herr jenckel, gute vorsätze landen oft im fitnessstudio. und dort bleiben sie auch selten lang. ihr kollege carlo ist so ein bespiel. ha ha.
    dieses war definitiv für dieses jahr mein letzter kommentar. die ansprache vom generalfeldmarschall aus oedeme hat mir so gut gefallen, dass ich am überlegen bin, ob mein senf für die zukunft tatsächlich noch gefragt ist. ein zwitter namens hannemann scheint es auch nicht erwarten zu können. lol

    • Ich sitze hier wirklich grinsend und Kopf schüttelnd. Der Artikel berichtet eindeutig über globale Nahrungsmittelproduktion und unsere Einkaufsgewohnheiten. Aber Sie, Klaus Bruns, haben offensichtlich so viel „Druck auf dem Kessel“ andere Dinge anprangern zu müssen, dass Sie das scheinbar gar nicht merken. Aber viel Verbitterung und Wut ist zwischen Ihren Zeilen zu lesen.

      Leider ist nahezu jede Ihrer Kommentarbereicherungen hier auf diesem Niveau angekommen. Besonders geprägt von Ihren persönlichen Auseinandersetzungen und fast schon Anfeindungen. Keine sinnvolle oder schöne Entwicklung. Es mangelt doch erheblich an Sachlichkeit und Bezug zu den Themen der Artikel. Das macht Ihre „Kommentare“ zunehend unglaubwürdig, albern und langsam auch überflüssig.

      • Wenn sie derart umfassend wörtlich zitieren, sollten sie die Zitate auch kenntlich machen und die Quelle nennen Frau Merte Saknus. Manch einer hat durch derart fehlende Hinweise schon seinen Doktor-Titel verloren. Aber auf dem Niveau bewegen sie sich ja zum Glück nicht. Somit besteht in dieser Hinsicht auch keine Gefahr.

        • Dörte Bechstedt

          Lieber Herr Mertens, ich glaube, Frau Merte Saknus´ Arbeit ist zwar schlecht, aber kein Plagiat. Der Post war ohnehin nur mit der schlechtesten Note „rite“ bewertet worden. Durch einen Betrug kam die Wortmeldung allerdings nicht zustande, befindet die zuständige Untersuchungskommission der Universität Potsdam. Frau Saknus´ gestern bei Blog.JJ vorgelegter Beitrag habe zwar „Mängel von erheblichem Gewicht“ und verstoße gegen die „gute wissenschaftliche Praxis“, sagte der Leiter der Untersuchungskommission. Allerdings könne man nicht von „wissenschaftlichem Fehlverhalten“ sprechen. Zweifellos enthalte die Arbeit eine Vielzahl gravierender formaler Fehler, betonte der Vorsitzende der Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Eine bewusste, systematische Täuschungsabsicht sei der Autorin des untersuchten Posts aber nicht vorzuwerfen. Der Beschluss sei einstimmig gefasst worden.

  2. Der berühmte Marshmallow-Test zeigt: Langfristige Ziele kann nur verfolgen, wer der kurzfristigen Verlockung widerstehen kann.

    http://www.zeit.de/zeit-wissen/2015/02/marshmallow-experiment-psychologie-walter-mischel/komplettansicht

    Über 90 Prozent der Deutschen sind überzeugt, dass Wohlbefinden in Form eines langen, gesunden, glücklichen und bedeutungsvollen Lebens wichtiger als Reichtum und Statussymbole sei. Über 85 Prozent dieser Gruppe finden es komfortabler mit einem Geländewagen (SUV) zum Einkaufen zu fahren, als einen Kleinwagen, ein Fahrrad oder ein öffentliches Verkehrsmittel zu benutzen.

    Anteil der Menschen in Deutschland, die Gerichte bevorzugen, die schnell zubereitet sind, in Prozent: 79,6

    Stunden, die ein Autofahrer durchschnittlich pro Jahr in Hamburg im Stau steht: 39

    Gesamte Staulänge auf deutschen Autobahnen im Jahr 2014, in Kilometer: 960 000

    Anteil der zugelassenen Autos mit einer Höchstgeschwindigkeit über 250 Kilometer pro Stunde in Hamburg, pro 10 000 Fahrzeuge: 920

    Zahl der Raucher in Deutschland in Millionen: rund 20

    Verkaufte Exemplare der deutschsprachigen Ausgabe von Allan Carrs Buch „Endlich Nichtraucher“ in Millionen: mehr als 35

    (Quelle: http://www.brandeins.de/archiv/welt in zahlen)

    Burckhard Witt

  3. »“Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“ –dieses Sprichwort, das sich in den verschiedensten Ländern findet, entspringt nicht der frechen Weltklugheit eines Unverbesserlichen, sondern hier enthüllt sich tiefe christliche Einsicht. Wer an der Jahreswende nichts Besseres zu tun weiß, als sich ein Register begangener Schlechtigkeiten anzulegen und den Beschluß zu fassen, von nun an – wie viele solche „von nun an“ hat es schon gegeben! – mit besseren Vorsätzen anzufangen, der steckt noch mitten im Heidentum. Er meint, der gute Vorsatz mache schon den neuen Anfang, d. h. er meint, er könne von sich aus einfach einen neuen Anfang machen, wann er es gerade wolle. Und das ist eine böse Täuschung; einen neuen Anfang macht allein Gott mit dem Menschen, wenn es ihm gefällt, aber nicht der Mensch mit Gott. Einen neuen Anfang kann der Mensch darum überhaupt nicht machen, sondern er kann nur darum beten. Wo der Mensch bei sich selbst ist und aus sich heraus lebt, da ist immer nur das Alte, das Vergangene. Allein wo Gott ist, ist das Neue und der Anfang und Gott kann man nicht kommandieren, man kann um ihn nur beten. Aber beten kann der Mensch nur, wenn er begreift, daß er etwas nicht kann, daß er an seiner Grenze ist, daß ein anderer anfangen muß.«

    Dietrich Bonhoeffer, DBW Band 13, Seite 344 f

    Ist das nicht eine herrliche Generalabsolution? Wenn ich nicht gewählt werde, bin ich fein raus. Ich bete viel und habe ein prima grünes Gewissen, aber endlich handeln und einen neuen Anfang machen kann ich nur, wenn es Gott gefällt, ihn mit mir zu machen.

    Klingt ein wenig nach dem Standardsermon Lüneburger Ratspolitiker: Die „Förderkulisse“ muss da sein, dann können wir sozialen Wohnraum schaffen, dann können wir vielleicht auch die Marktgebühren senken, um regionalen Anbietern den Verkauf Ihrer Produkte wieder zu ermöglichen, etc.

  4. Ludwig Kammacher

    »Wir sollten vielleicht (…) im Kleinen beginnen. Jede „Buy Local“-Initiative, jeder Hofverkauf, jeder Ansatz, fair auch im Fernhandel zu wirtschaften, ist alle Mühe wert.«

    Ja, Herr Jenckel, sollten wir vielleicht. Und ja, fair zu sein, bedarf es wenig. Doch wer fair ist, wird kein König, meint Ulrich Wickert.*

    Was ist mit einem Koloss wie der Handelhof GmbH und seinem regionalen Schwerpunkt Hamburg-Harburg, Lüneburg, Stade? Drei Cash + Carry-Märkte (Handelshöfe), 30.000 qm Verkaufsfläche, Großhandelsumsatz in 2013 etwas über 722 Mio. EUR, 430 Vollzeitkräfte, 22 Auszubildende. Was werden die Kinder in Almeria in Andalusien sagen, wenn ihre Eltern keine Tomaten mehr an den Großhandelsriesen verkaufen, was werden sich wohl bald schon die Kinder in Ecuador fragen, wenn diese Unmengen an grünen Bananen bei ihnen im Lande bleiben und wieder natürlich an der Staude und nicht im Schiffsrumpf auf dem Weg in den Lüneburger Supermarkt reifen? Der Tiefkühlfischproduzent Pickenpack mit seinen (inzwischen nur noch 420) Beschäftigen an der Lüner Rennbahn hat am Mittwoch für die ganze Gruppe eine vorläufige Insolvenz angemeldet. Aus welchen überfischten Gewässern wringt die Pickenpack-Gruppe eigentlich ihre „Meeresfrüchte“, dieser führende Experte für gefrorene aquatisch lebende Wirbeltiere und seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Partner des Lebensmittelhandels, der Außer-Haus-Versorgung, von Catering- Unternehmen, Heimdiensten, Großverbrauchern und der Lebensmittelindustrie in Europa?

    Was hören wir in den Nachrichten, wenn in Ecuador die Bauern nicht genug Bananen an die Handelhof GmbH verkaufen und beschließen, nach Lüneburg umzuziehen, wo bereits 430 Vollzeitkräfte und 22 Auszubildende nach einer Beschäftigung im „kaufmännischen Sektor“ suchen, während 420 ehemalige Pickenpack-Mitarbeiter endlich Zeit haben, den Angelschein zu machen? Wo werden die „zuzugsfreudigen Neubürger“ und die „sozial schwächelnden Altbürger“ wohnen? In einer der 2.100 neue Wohneinheiten, die mit Hilfe eines Wohnungsbauprogramms zu je einem Drittel im geförderten Mietwohnungsbau, im frei finanzierten Wohnungsbau und als Einfamilien- und Reihenhäuser bis 2021 geschaffen werden sollen? Was, wenn „die Interessen von Naturschutz und Sozialem nicht in Einklang miteinander zu bringen sind“, Herr Meihsies jedoch auch „nicht zulassen wird, sie gegeneinander auszuspielen“? Haben wir dann ein grüngetünchtes Pro-Obergrenzenargument oder handelt es sich um den Versuch, „Nachverdichtung und das Aufstocken von bestehenden Häusern im Roten Feld“ gegen die „kulturelle und städtebauliche Integrität“ in den Parks von Vorstandsmitgliedern des Museumsvereins für das Fürstentum Lüneburg durchzusetzen?

    Wie weit kann der Idealismus der „Buy Local“-Initiative gehen, wenn Beschwernisse drohen und etwa das Gespenst der Arbeitsplatzverluste beschworen wird? Wir kennen das aus weit giftigeren Zusammenhängen: „Fracking will EIGENTLICH keiner“, titelte die LZ im September. Im Februar waren sogar ALLE unsere lieben MdBs anfänglich ABSOLUT gegen Fracking, aber zwei hatten schnell RELATIV klare Bedenken: „Pols wünscht sich eine überparteiliche Einigung. Als ein Zuhörer aus dem Publikum nach Gründen fragt, die FÜR Fracking sprechen, erklärt der Christdemokrat: „Es geht ja nicht nur darum, dass unsere Wohnzimmer alle warm sind, sondern es geht auch um die Wirtschaft.” Auch Hiltrud Lotze lenkt ein. Als Sozialdemokratin sei sie verpflichtet, an die Arbeiter zu denken: “95 Prozent des geförderten Erdgases kommen aus Niedersachsen, und da sind 20000 Leute beschäftigt. Ein Ausstieg will also gut geplant sein.” (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/218667-lueneburger-bundestagsabgeordnete-diskutieren-ueber-fracking-gesetz)

    Also, wie hängt das zusammen: die edlen Vorsätze und die realen Möglichkeiten? Drei, vier überteuerte Äpfel mit braunen Druck- oder Stoßstellen von der Biolandwirtschaft Loewe-Stiftung jedes Wochenende und dann guten Gewissens zu Tschorn? Den Happy Planet Index (HPI) durch die autosuggestiv erzeugte Illusion „nachhaltigen“ ökologischen Bewusstseins nach oben treiben. Oder doch gleich den „Systemwechsel“ anpeilen, wie Herr Fahrenwaldt, Herr Bruns und Herr Bundeskasper vorschlagen, einen elektrifizierten Stacheldrahtzaun um das geerbte Grundstück legen und voll auf Abschottung und Autarkie durch Selbstversorgung aus dem eigenen Gemüsegarten, der Schafweide und dem Hühnerstall setzen, im welchem die Oma Motorrad fährt, um das Notstromaggregat aufzuladen?

    Sollte man darüber nachdenken, was solche Interdependenzen mit uns zu schaffen haben? Oder haken wir besser nicht nach, weil andernfalls unser Wohlstandsgewissen womöglich Schluckauf bekäme?
    ___________________

    * „Der Ehrliche ist der Dumme. Über den Verlust der Werte“. Erliegt unsere Zivilisation dem ins Monströse gesteigertem Prinzip Eigennuz ? Oder gibt es bleibende Normen, ohne die eine Gemeinschaft Schaden nimmt? In diesem immer noch (Erscheinungsdatum: 1. April 2005) hochaktuellen Essay geht Ulrich Wickert, der uns als Moderator der Tagesthemen fünfzehn Jahre lang täglich mit schlechten Nachrichten konfrontiert hat, an Beispielen aus Politik und Gesellschaft konkreten Fragen nach. Fragen, die sich ergeben, weil politisches und gesellschaftliches Handeln häufig nicht von moralischem Wollen geleitet wird: Wie belastet dieser Werteverlust unsere Zeit, und welche Orientierungshilfe braucht der Mensch in einer Welt, die sich im Umbruch befindet?

    • Wenn das so ist, wie Sie schreiben, dann sollten wir jede Änderung unserer Lebensumstände vermeiden, es könnte Arbeitsplätze gefährden. Der Gipfel von Paris sollte sofort abgeblasen werden – wegen drohender Arbeitsplatzvernichtung.

      Klingt eigentlich zwingend, was Sie auswalzen, ist es aber überhaupt nicht, weil Sie die Gegenrechnung einfach unter den Tisch fallen lassen, nur damit alles so bleibt wie es ist, und sei es noch so abstrus. Nach dem Leitspruch: Es hat sich halt so ergeben, bloß nicht daran rütteln. LG

      • Winfried Bartels

        Der „Leitspruch: Es hat sich halt so ergeben, bloß nicht daran rütteln“, scheint bei uns in Stadt und Kreis ganz generell erhebliche Autorität zu besitzen. Das zeigt sich an den gewaltigen Nebenverdiensten von Landräten und Oberbürgermeistern, an der Unantastbarkeit der gerontokratischen Altherrenbestimmerei bei den Grünen, an übergewichtigen Immobilienmaklern und verteufelter Mietspiegeldiät, an der Lustlosigkeit, mit der an der Fahrradstadt gebastelt wird, an den pestenden Autolawinen in Melbeck, an den grobianischen Umgangsformen in Ausschuss- und Ratssitzungen, an öden Stadtmarketing- und Stadtfestrealitäten, am schneelosen Schmuddelwetter im Dezember und an vielem mehr.

    • Balu der Beißer

      Oder doch gleich den „Systemwechsel“ anpeilen, wie Herr Fahrenwaldt, Herr Bruns und Herr Bundeskasper vorschlagen, einen elektrifizierten Stacheldrahtzaun um das geerbte Grundstück legen und voll auf Abschottung und Autarkie durch Selbstversorgung aus dem eigenen Gemüsegarten, der Schafweide und dem Hühnerstall setzen, im welchem die Oma Motorrad fährt, um das Notstromaggregat aufzuladen?
      Wer von den ehrenwerten Herren hat dieses vorgeschlagen? Etwa alle? Oder ist das allein ihre Interpretation für nicht verstandenes?

      • Frage an Heidjer

        Das „Wulffen“, das „Merkeln“ und das „Schrödern“ als Neologismen für das gernegroße Nassauern, das zermürbende Hinhalten und das schamlos polternde Abkassieren haben ja schon Eingang in den Duden gefunden. Ob das „Bundeskaspern“ und das „Brunsen“ als das maskierte Giftspritzen und das unmaskierbare Dösbaddeln wohl auch bald zu dieser Ehre gelangen?

        LG, Rudi

      • Wie verbissen oder verbiestert oder verbittert oder alles? muss man sein, wenn Balu der Beißer es nicht einmal in diesem Blog lassen kann?
        Gehen Sie auch zum Lachen in den Keller?

        Ich lade Sie zu einem persönlichen Gespräch ein.

        • Balu der Beißer

          Norbert, Sie sollten nicht Bahnhof verstehen. Lesen Sie mal bei ihm,
          Ludwig Kammacher nach, ich habe nur zitiert.

          • Die Drei von der Tankstelle

            Oh Klaus, oh Bruns, jetzt isses doch zu kompliziert geworden. Ihren Namen haben Sie nicht hingeschrieben, aber der vom Nobbi ist Ihnen schon zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen rausgerutscht. Was soll bloß Kalle dabei denken?

  5. Hallo Herr Jenckel, sollen wir uns Ihrer Meinung nach jetzt eigentlich auch noch Gedanken darüber machen, was so eine arme Sau leidet, wenn ihr jemand das Fleisch für nur eine einzige Bratwurst aus den Rippen schneidet, die wir dann unaufgetaut und schlecht durchgebraten auf dem kleineren Teilstück des Weihnachtsmarktes „in einer urigen Holzhütte in einem kleinen Tannenwald“ am Platz vor St. Johannis verkasematuckeln?

    Oder ob das in Ordnung geht, wenn wir im Juli zum Skilaufen nach Lonquimay, Las Araucarias, Pucón oder Antillanca in die chilenischen Anden oder Ende November in die Sonnenfrische auf eine der Kanarischen Inseln nach Gran Canaria, nach Teneriffa oder Fuerteventura fliegen, gehört das auch zum Thema?

    • Das liegt ganz bei Ihnen, für mich gilt das in jedem Fall. Und Einsicht ist ja der erste Weg zu Besserung oder Umkehr. Schönes Wochenende. LG

      • Berthold Weinrich

        Wo waren Sie die letzten eineinhalb Wochen doch gleich noch im Urlaub, Herr Jenckel? Dreitausendfünfhundert Kilometer entfernt vom Sande? Sind Sie auf Ihrem Trekkingrad dorthin gelangt?

        „Die Welt als Supermarkt“ (Frz. Originaltitel: Interventions, recueil d’essais) ist übrigens der Titel einer sehr lesenswerten Sammlung von Literatur-, und Filmkritiken, Gesprächen und offenen Briefen zum eigenen Werk sowie theoretischen Aufsätzen über die gegenwärtige Rolle der Literatur und den Zustand der Gesellschaft des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq. (Rowohlt Tb., Reinbek bei Hamburg 2001. Deutsch von Hella Faust)

  6. Apropos: Für den Münchener Philosophen Wolfgang Stegmüller gab es neben dem realen Ruin der physischen auch noch „die semantische Verschmutzung der geistigen Umwelt des Menschen“.

    Für Letzteres bietet die Leuphana heute Abend ein tolles Beispiel: „Am Freitag, den 04. Dezember um 19:00 Uhr in der Leuphana Universität Lüneburg / Hörsaal 3, Scharnhorststraße 1, 21335 Lüneburg begrüßen wir ganz herzlich Marcus Pretzell MdEP.“

    Zum Hintergrund:

    http://www2.leuphana.de/univativ/wenn-die-leuphana-besuch-von-der-afd-bekommt/

    und:

    https://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/285156-285156

  7. Aus vielen Gründen ist es sinnvoll, möglichst regional angebautes und daher saisonal verfügbares Gemüse und Obst zu verzehren. Es schmeckt besser, vermeidet unnötige Umweltbelastung durch weite Transportwege und übermäßigen Wasserverbrauch beim Anbau in trockenen Regionen der Erde. Was zunächst wie eine Einschränkung klingt, bietet letztendlich die Möglichkeit, die Vielfalt im Wechsel der Jahreszeiten wieder neu zu entdecken. Die Kinder werden zudem nicht dem Irrglauben unterliegen, dass ihr Essen in der Mikrowelle wächst.

    • Saisonkalender für Obst (@_@)

      Der Rhabarber macht beim Obst im April den Anfang. Doch schon bald folgen Erdbeeren, Kirschen und die meisten anderen Beeren. Am längsten gibt es frische Quitten und Äpfel, auch Birnen, Flieder, Weintrauben und Zwetschgen bis es noch bis Oktober. Aber zum Glück lassen sich Äpfel fast das ganze Jahr über lagern, nur im Sommer neigt sich der Vorrat meist zu Ende. Wer im Winter mehr Abwechslung möchte, der muss auf Importware zurückgreifen – dann aber bitte fair gehandelt! Die Kinder werden dann annehmen, dass es ein gutes Gewissen gleich neben dem Heinrich-Böll-Haus bei Ulrich Hellfritz in der Katzenstraße 3 zu kaufen gibt.

      /////////
      (ง ͠° ͟ل͜ ͡°)ง

  8. Mein Banknachbar am Johanneum (Lüneburger) glaubte tatsächlich, Spargel wächst an Bäumen….

    • Heidjer, so grün sind Sie noch und wagen es, Erwachsene unter ihre Gürtellinie hier anzugreifen? Kein Respekt vor dem Alter? Sie sollten sich was schämen. Nichts gerissen, aber gern zerren.

  9. speziell für die Leuphana
    https://www.youtube.com/watch?v=Y7ww9p2MQVg
    So sieht die Ganzjahreszeit in den Schulen aus.

  10. Pittiplatsch der Liebe

    Die Drei von der Tankstelle
    Sie irren sich, Nobbi ist mir nicht rausgerutscht und schon garnicht zweimal. Was war jetzt nochmal kompliziert?

  11. Tjaja, Herr Jenckel, früher war mehr Lametta!

    Alles hatte seine Zeit.

    Und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

    Die Menschen in der syrischen Stadt Aleppo kämpfen ums Überleben, in Paris kämpfen andere gerade gegen die Zerstörung der Erde und den hausgemachten Klimawandel und im Berliner Techno-Club Berghain wird jede Nacht gegen die innere Leere getanzt.

    Ob wehmütige Erinnerungen, „Buy Local“-Initiativen, ein Tourenvelo aus dem oberen Preissegment und zwei, drei treuherzige journalistische Augenaufschläge pro Jahr, mit denen nach jeder kleinen „Sünde“ die Bereitschaft zum „Umdenken“ beschworen wird, auf die Dauer wirklich genügen, um zwischen Sonnenbank, Kanarengejette und Slalomrennen auf dem Hansa-Ring, „der ultraschnellen Outdoorkartbahn auf der Anlage des ADAC Fahrsicherheitszentrums“, dazuzulernen und durch den gewissenhaften Verzehr eines Biofleisch-Vollkornburgers neu anzufangen und so immer mal wieder kurz, aber intensiv die Welt zu retten?

    Was tun?

    Ich weiß es auch nicht.

    Aber eines habe ich in jeder Prüfung immer wieder beobachtet und erfahren:

    Zieh´n wir nicht die Konsequenzen, zieh´n sie uns.

    • Tobias Günther, noch ist nicht Weihnachten, mit dem wünsch dir was. Handgemachtes ist da auch nicht mehr gefragt. Es muss gekauft und teuer sein. Die Politik wird immer billiger, obwohl sie sich immer mehr kaufen lässt. Verhindert das Einkaufen bei ,,Euch,, und ihr werdet Antworten finden.

      • Lieber Klaus Bruns

        Sie können die Großschreibung ja doch!

        »Verhindert das Einkaufen bei ,,Euch,, und ihr werdet Antworten finden.« (??)

        Den Satz verstehe ich nicht, Klaus. Würden Sie ihn mir bitte kurz erläutern?

        MfG, ein anderer Mensch

        • Sie können die Großschreibung ja doch!

          Der Satz ist nicht zu verstehen? Seltsam. Politiker benutzen die Sprache, für die sie eigentlich nicht gedacht war. Sprache soll aufklären und nicht vernebeln. Welcher Politiker bei uns besitzt noch das, was ein Arzt Rückgrat nennt? Die Politik verteilt gern Ausweise , damit diese Besitzer schneller bei ihr zum Ziel kommen. Die SPD zum Beispiel, macht in jede Hose ,die man ihr hinhält.

          • Ok, ok, ok, Politiker sind eine anpassungsfähige Spezies, die im Alltag einem sehr schwammigen Idiom zuneigt. Je vager das Gesagte daher kommt, desto größer die Möglichkeiten, dass jeder hineinphantasiert, was er gern herausgehört hätte. Das kennen Sie doch aus der Werbung und von unsern lieben Kaiser Frooaaanz. Hat das vielleicht damit zu tun, dass man als Führungskraft auf der Bühne den Helden markieren muss, dann aber doch zu allerlei betrüblichen Kompromissen gezwungen ist? Funktioniert so denn nicht die Demokratie, wo alle pfeifen und einer allein tanzt, im Unterschied zur Autokratie, wo einer Pfeift und alle anderen tanzen? Lassen Sie sich von Münte erzählen, wie´s geht, damit Sie nach dem Ablösen von Anikó keine allzu großen Missgriffe im Gellersenesken FDP-Präsidium tätigen: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/politik-als-schauspiel-das-grosse-bunte-staatstheater-13001053.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

            Aber was hat das mit Einkaufen und Antworten, mit Klima, Kerosin, Folientomaten, Einsicht, Umkehr, guten Vorsätzen und zerknirschtem Fehlerlernen nach repetitiv mangelhafter Umsetzung zu tun?

            Würden Sie mir das einmal an einem konkreten Beispiel aus dem politischen Leben eines Reppenstedter Jungen knackig und fasslich für einen schlichten Altstädter erläutern, lieber Klaus?

  12. Ferdinand Schuster

    Man könnte den Eindruck haben, ein Landwirt, z. B. so ein Redakteur mit Privatjet, Bauernhof und Mühle in Melbeck, jammere einfach ständig. Das stimmt jedoch nicht. Wahr ist, dass ein Bauer in schlechten Jahren jammert und in den guten sehr verschwiegen wird. Derzeit gibt es tatsächlich wieder Grund zur Klage. Die Lage ist ernst, denn die deutschen Landwirte haben wegen der niedrigen Preise durchschnittlich 35 Prozent ihrer Einkommen verloren. Das ist die Kehrseite ihrer stark gewachsenen Exportabhängigkeit.
    Vgl.: http://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/wirtschaft-nachrichten/286177-gewinne-der-deutschen-bauern-brechen-massiv-ein

    Die Gewinne waren zuvor mit den Preisen der Agrarrohstoffe in nicht gekanntem Ausmaß angestiegen. Und jetzt fallen sie wieder mit den Weltmarktpreisen, weil es zu viel von allem gibt und die Kaufkraft der Schwellenländer schwindet. Nur den für regionale Märkte ackernden Biobauern geht es besser. Aber folgt daraus, dass das Geschäftsmodell Agrarexport für alle Zeiten unterlegen ist, wie die Grünen meinen?

    Das träfe zu, wenn Deutschland für alle Zeiten wirtschaftlich florierte und die Schwellenländer in ewiger Depression verharrten. Auch diese Annahmen für sicher zu halten ist mit Risiken verbunden. Dass so wenige Bauern den unterversorgten, boomenden Biomarkt (um nicht zu sagen: die Bio-Industrie) bedienen, ist trotzdem überaus erstaunlich.

  13. https://www.youtube.com/watch?v=Re4_BviQdZs

    Tobias Günther
    Aber was hat das mit Einkaufen

    Ich gebe Ihnen ein Stichwort: Brunnen auf dem Landwehrplatz. Im Archiv der LZ werden Sie fündig.

    • Moin, Herr Bruns

      Ja, recht vielen lieben Dank für die Erinnerung. (Auch das Rathauslied hat mir gefallen.)

      Ich erinnere mich noch sehr genau an jede geistbelebende und hirnerfrischende Einzelheit der mehrmonatigen auslaugenden Debatte, bis sich das grüngewollte, „um eine ganz klitzekleine Winzigkeit teurere“ dezente Wasserspiel aus Granitgestein endlich gegen die von der Union erbittert verteidigte Schwengelpumpe im Bauausschuss durchgesetzt hatte, durch welches vom schönen Zierbrunnen gekrönte Matthias-Dammann-Konzept der Landwehrplatz im Herzen Reppenstedts nun ein Ort geworden sein soll, „auf dem man in Gegenwart und auch in Zukunft gern ausgiebig verweilt, um beispielsweise einen tausendseitigen Roman durchzulesen oder einen umfangreichen Businessplan auszuarbeiten, und nicht nur – wie gestern vielleicht noch – darüber achtlos über die Schulter spuckend hinweg hastet“.