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Quo vadis Andreas Meihsies?

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

 

(Den Blog.jj schreibt Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Redakteur und Online-Chef der LZ, Gastkommentare sind erwünscht)

 

Lüneburg, 29. Februar

 

Was macht einer, der ein großes Ego hat und dem das Trauma der Demütigung wie ein Kaugummi am Hacken klebt. Was macht einer, wenn er der bekannteste Grüne der Stadt ist, einer, der für seine Partei in Lüneburg zuletzt das beste Ergebnis der Geschichte eingefahren hat, fast 30 Prozent, und der von seiner Partei jetzt verstoßen wird. Vielleicht, wenn Wut,  Zorn, Ohnmacht oder Rachegefühle verflogen sind, nachdenken und nicht gleich auf Attacke umschalten.

Der tiefe Fall des Andreas Meihsies ist nicht nur das Ergebnis einer Machtprobe zwischen der Parteibasis und dem Fraktionschef und Bürgermeister im Rat gewesen. Er ist der Schlussakkord einer Entfremdungsgeschichte, des Kleinkriegs zwischen  Stadt- und Kreis-Grünen oder zwischen Miriam Staudte und Andreas Meihsies oder zwischen Claudia Schmidt und Andreas Meihsies. Zu viele Fronten. Er folgt dem Verlust von guten Nachwuchspolitikern, die verschreckt wurden, weil ein alter Fahrensmann vielleicht zu oft den Macho gegeben hat. Schon bei der Landtagswahl 2013, als er bei der Listenaufstellung abgestraft wurde wie schon bei der Bundestagswahl ein paar Jahre zuvor, sagte Meihsies bei seinem Rückzug: „Die Partei hat offenbar kein Interesse mehr an meiner Person.“ Ernsthafte Konsequenzen außer Groll waren nicht erkennbar.

Was nun?

Wenn das Ego siegt, spaltet Andreas Meihsies die Grünen und tritt solo oder mit alten Verbündeten zur Kommunalwahl an. Das schwächt mit Sicherheit die Fraktion, ein Sitz ist ihm zuzutrauen, das trüge den grünen Guerillakampf weiter tief in den Rat. Das wäre fatal.

Wenn die Vernunft siegt, dann nimmt er die Hand an, die ihm der Ortsverein reicht. Auf  der Homepage der Grünen steht aktuell zu lesen: „Trotzdem ist natürlich die Abwahl des Fraktionsvorsitzenden Andreas Meihsies eine Zäsur in der Geschichte der Lüneburger Grünen. Der Ortsvorstand ist jedoch zuversichtlich, dass Andreas mit seiner Erfahrung und seinem Wissen hilft, die starke Position der Grünen in der Lüneburger Parteienlandschaft zu bündeln, zu festigen und auszubauen.“

Wenn er das nicht mag, das Leben ist ja mehr als Politik.

Die neue grüne Fraktion nach der Kommunalwahl, will sie nicht ganz von vorne anfangen, wird die Erfahrung von gestandenen Ratsmitgliedern im lokalpolitischen Geschäft nutzen, sonst verlöre sie viel Zeit. Es könnte gut sein, dass einer wie Ulrich Blanck, der Stratege im Hintergrund, dann als Kapitän den Kurs vorgibt. (Das wurde wenige Stunden nach dem Blog-Beitrag Realtität).Er ist aber auch der Vertraute von Meihsies. Das könnte ein Segen, aber auch ein Fluch sein. Das hängt wieder von Andreas Meihsies ab, hinter dessen harter Schale ein guter und auch weicher Kern steckt.

Hans-Herbert Jenckel

78 Kommentare

  1. Wenn die LüneGrünen klug sind, werden sie sich darum bemühen, Andreas Meihsies und Ulrich Löb als Ratgeber, Planer und regionale Netzwerker zu umarmen und sich ihrer Hilfe abseits der zentralen Parteigremien noch über viele Jahre zu versichern. Vielleicht wird Herr Meihsies, erfahren und zugleich noch juvenil genug ist er ja, künftig auch auf städtischer Seite als Organisator und Koordinator im städtischen Asyl-, Migranten- und Flüchtlingsmanagement Pia Steinrücke unterstützen, unsere dynamische Stadträtin für Bildung, Jugend und Soziales im Dezernat fünf, die von seinen Steuerungs-, Macher- und Vermarktungsqualitäten sicherlich gehört haben wird ?

  2. Jochen Bergmann

    Der Sturz des alten Kaisers, der ja im März erst 56 wird (Franz Joseph kam auf eine Regierungszeit von beinahe 68 Jahren), nicht als Erosion von Macht, Einfluss und Gefolgsleuten, sondern als Konsequenz eines mehrjährigen Entfremdungsprozesses zwischen dem hanseatischen Würdenträger und seinem Fußvolk, das nahezu 30 Jahre lang durch die Neue Sülze 4 geschleust wurde, um dem Trio Blanck, Löb und Meihsies regelmäßig Ratsmandate zu sichern, ist eine schöne Möglichkeit, fast die komplette Geschichte der Lüneburger B90/Grünen plausibel zu erzählen.

    Ich fände es großartig, wenn Herr Bürgermeister Meihsies, so er denn bis dahin die Fassung wieder zurück gewonnen hat, in der nächsten Woche einmal SEINE persönliche VERSION dieser Historie als Gastautor bei Blog.JJ darlegen und im Anschluss daran schildern würde, wo er die Möglichkeiten und Pflichten und worin die Themen, Schwerpunkte und Aufgaben seiner Partei in Stadt und Kreis in den nächsten fünf Jahren generell, aber auch ganz konkret sieht und wie er seine Rolle im künftigen Ensemble der Akteure beschreibt.

    • Jochen Bergmann
      sie vergessen da was. wenn andreas ihnen ihren wunsch erfüllen würde, wäre es gleichbedeutend mit dem ende eines postman. grüne können sehr nachtragend sein. ich kenne da jemanden, der hat sein waterloo ebenfalls erlebt. übrigens, totgesagte leben länger. sie wissen doch, wenn der postman zweimal klingelt.

      • Jochen Bergmann

        „wenn andreas ihnen ihren wunsch erfüllen würde, wäre es gleichbedeutend mit dem ende eines postman.“

        A) Wieso? Mit seiner Nichtmehrwiedernominierung ist Herr Meihsies doch in die gleichsam himmlischen Sphären des innerparteilich überparteilichen Ratgeber- und Förderer-Angels promoviert worden und kann wie Willy Brandt oder Hans-Dietrich Genscher nach ihren Amtsrücktritten endlich einmal das große Ganze ins Auge fassen. Er betrachtet, beruft, urteilt und verwirft von nun an sub specie aeternitatis.

        B) Bei Blog.JJ hat „ein Grüner sein Waterloo erlebt“? Wer war denn das? Ulrich Löb oder Björn Adam? Frau Dr. Verlinden jedenfalls hat triumphiert.

        C) Klar kenne ich den schönen Roman „The Postman Always Rings Twice“ von James M. Cain. Das Buch ist übrigens 1981 mit Jack Nicholson als Frank Chambers und Jessica Lange als Cora Papadakis sogar verfilmt worden. Aber was wollen Sie hier bezüglich Bürgermeister Meihsies andeuten? Geht es in der Geschichte nicht um wilden, enthemmten Sex auf einem mehlbestreuten Küchentisch, um Geldgier, Betrug und hinterhältigen Mord? Das Lexikon des internationalen Films urteilte: „Ein gut gespielter melodramatischer Kriminalfilm, der die Geschichte einer verhängnisvollen Leidenschaft mit sorgfältiger Milieuzeichnung und leichten sozialkritischen Akzenten verbindet, die das Amerika der Depressionszeit als von Gewalt und Hoffnungslosigkeit bestimmt zeigen.“

        Ich verstehe nicht genau, was Sie den Lüneburgern (und natürlich dem immer mitlesenden Herrn Meihsies) mit Ihrem Hinweis sagen wollen, Herr Bruns.

  3. Karsten Konradi

    Also, wenn ich an die Artikel aus der Landeszeitung vom Sonnabend denke und mir die letzten Kommentare zum Fall ab hier durchlese: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/306993-meihsies-rutscht-durch-alle-wahlgaenge#comment-64119 , dann muss ich sagen, Herr Meihsies sieht immer noch verdammt knackig aus. Und was an geballter postpubertärer Renitenz möglicherweise mit Wolf von Nordheim in den Stadtrat einziehen wird, weiß eigentlich niemand so genau. Seine Nominierung ist wohl nur ein weiteres Beispiel dafür, dass der Jugendwahn bei den Grünen plötzlich über aller Vernunft rangiert.

  4. Beerdigung zu Lebzeiten

    Nachdem die Parteibasis Bürgermeister Andreas Meihsies am vergangenen Donnerstag dreimal bei der Listenaufstellung hatte abblitzen lassen, hat die Ratsfraktion der Grünen gestern Abend Ulrich Blanck einstimmig zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt.

    Indem er die Vorgänge um Andreas Meihsies als gewissermaßen bereits historisch geworden einstufte, hat Herr Blanck heute Morgen in einem kurzen Nachruf auf die entthronte Führungsfigur der LüneGrünen klar gemacht, dass es sich seiner Meinung nach bei der Demontage seines Vorgängers um eine unumkehrbare Verabschiedung handelt. Auch die wolkig wabernde Vagheit der Solidaritätsadresse in seiner Schlussformel, in der Herr Blanck über die unterschiedlichen Motive der Königsmörder spricht, aber nicht über seine eigene Rolle unter ihnen, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit diesen Worten ein Grab- mehr als ein Denkstein auf jene Falltür gerollt worden ist, durch welche der alte Fraktionsvorsitzende auf die Rutschbahn stürzte, die ihn unwiederruflich hinabführen wird in die Wonnen der außerpolitischen Gewöhnlichkeit:

    „Andreas Meihsies war lange Zeit unser bewährter Frontmann, Leiter der Abteilung Attacke. Damit hat er sich in der Vergangenheit natürlich nicht nur Freunde gemacht. Ein solches Ergebnis und diese bittere Abwahl hat mein persönlicher Freund und Wegbegleiter Andreas nicht verdient. Er hat seinen Job in der Fraktion immer gut gemacht. Erfolge wie der Grüngürtel West oder die Baumschutzsatzung sind untrennbar mit seinem Namen verbunden. Ich schätze seine offene und klare Ansprache, dass er sich politisch immer klar positioniert – man weiß woran man bei ihm ist. Es ging am 25. Februar aber vielen lediglich um persönliche Animositäten, das Fachliche ist dabei – leider – völlig in den Hintergrund gedrängt worden.“

    Quelle: https://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/307963-ulrich-blanck-ist-der-neue-fraktionschef-der-gruenen-im-rat

    Gepostet von Marlene

    • Ulrich Blanck bekam von allen Mitgliedern der Grünen Stadtratsfraktion am Montag (29.2.16) ein JA für seine Bewerbung um den von Andreas Meihsie freiwillig und entschlossen geräumten Faktionsvorsitz. Blanck ist der Meinung, mit dem Ausscheiden von Meihsies habe sich an der Fraktion NICHTS WESENTLICHES geändert:

      »Der 25. Februar [der Donnerstagabend, an dem in der Gasthausbrauerei Nolte an der Dahlenburger Landstraße 102 die Listenaufstellung des Ortsverbands der Lüneburger Grünen für die Kommunalwah 2016 stattfand und Andreas Meihsies von seiner Partei nicht mehr berücksichtigt wurde] hat«, so Ulrich Blanck, »gezeigt, dass die neue Fraktion IM WESENTLICHEN die gleiche bleibt. Alle anderen Kandidaten der alten Fraktion sind auch wieder auf diese Liste gewählt worden. Das spiegelt auch die inhaltliche Zufriedenheit der Partei mit der Arbeit der bisherigen Fraktion wider, was die Wahl durch die Versammlung impliziert. Einen Politikwechsel wird es nicht geben.

      Ich richte den Blick jetzt nach vorne. Es gibt vieles zu regeln und neu zu organisieren. Die Fraktion wird weiter konzentriert und engagiert an den Inhalten arbeiten und unser Programm unbeirrt weiter umsetzen. An unserer Zielrichtung hat sich nichts geändert und wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Der Focus auf die Stadtentwicklung und die Findung eines Konsenses mit dem Gruppenpartner SPD sind unsere derzeit dringlichsten Aufgaben. Wenn das vom OB vorgelegte Wohnungsbauprogramm mit den Stimmen meiner Fraktion verabschiedet werden soll ist in den nächsten Wochen immens viel Arbeit zu Leisten. Packen wir es an!«

      http://gruene-lueneburg.de/home/blog/meldung/article/gruene_liste_fuer_die_kommunalwahl_steht/

    • Jan-Uwe Hummel

      @ Quo vadis Andreas Meihsies?

      Mit Hinweis auf eine »der umfassendsten und vielschichtigsten Interpretationen eines langen politischen Gedichts« (https://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/281442-fuer-parteirevolten-beraet-sie-gerne-lueneburgs-chef-gruener-meihsies), »die jemals vom Kommentatorenkollektiv unter der Leitung von Klaus Bruns bei Blog.JJ ausgearbeitet worden ist und die viel Erhellendes [über Andreas Meisiehs und seine Parteifreunde] zutage förderte, obwohl der lünegrüne Robespierre gar nicht sein Autor gewesen ist«, hat die LZ-Kommentatorin Antonia Mühlenberg am 10. Februar 2016 um 23:59 Uhr folgende Frage an Hans-Herbert Jenckel gerichtet, auf die der LZ-Online-Chef bis heute aber leider keine (direkte) Antwort gegeben hat: »Was ich bei Ihnen vermisse, Herr Jenckel, ist eine Andeutung, wer Ihrer Meinung nach der Öko-Danton wohl sein könnte, dem gegebenen Falles nach einer „frisch“ und gefügig rekrutierten Hausmacht zum Zwecke des Abservierens von „ungeliebten Patriarchen“ der Sinn stünde. Wer, glauben Sie, besitzt unter den Grünen den Ehrgeiz, dass künftig verstärkt nach seinen Vorstellungen politisch konstruktiv zu gestalten sei, und wer den Mut, entsprechend zu handeln?« (https://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/300925-gruene#comment-62449)

      Ist von einem solchen Ehrgeizigen inzwischen etwas bekannt? Warum hat Herr Jenckel nicht geantwortet? Hat die Realität es für ihn getan? Wer weiß das schon?

      Sehr leicht haben es sich bekanntlich die antiken Schriftsteller mit solchen schwer zu durchschauenden Kompliziertheiten gemacht. Der Philosoph und Dramatiker Lucius Annaeus Seneca zum Beispiel dekretierte in seiner Tragödie »Medea« ganz einfach: »Cui prodest scelus, is fecit« – »Wem das Verbrechen nützt, der hat es begangen.«

  5. Test. Muss gleich mal sehen. Technische Voraussetzungen prüfen, mit meinem neuen online PC.
    Kann dann meine Dokumente Erfahrungs- Biographie 30 Jahre Hell und Dunkel-Grüne Politik in Lüneburg mal sichten… und dann berichten…
    Schriftsteller Snowden werden… Band1. Hausmeister an der Lüneburger Grünen-Affäre schuld!

    • Bin drin im Laden:

      »Guten Tag. Haben Sie Künstlerbedarf?«

      »Ja…?«

      »Voilà – da bin ich!«

      • Hallo Herr Karlheinz Fahrenwaldt

        Sind Sie das wieder? Was wollten Sie uns sagen? Trauen Sie sich nur! Werden Sie deutlicher!

        • Hallo Herr Fahrenwaldt,

          in Frankfurt haben die Grünen bei den Kommunalwahlen gestern zweistellige Verluste hinnehmen müssen, während die Linke sich auf 7,9 Prozent verbesserte und die AfD auch in der größten Stadt Hessens eine zweistellige Premiere feiern konnte.

          Was sagen Sie dazu?

          Andere Prominente haben sich zum AfD-Wahlerfolg in Hessen bereits folgendermaßen geäußert:

          „Das hat mit echtem schwarz-braunen Gedankengut nichts zu tun. Und geht mir echt auf die Haselnuß!“
          Heino, Schockrocker

          „Ohne Merkel wären das die Stimmen der Union!“
          Erika Steinbach, Twittler

          „AfD? Was für ein Haufen voll verfickter Faggots! Trotzdem herzlichen Glückwunsch!“
          Donald Trump, der mächtigste Mann der Welt

          „Weil es im Rahmen des Grundgesetzes erlaubt ist, freue ich mich über dieses Ergebnis sehr.“
          Winfried Kretschmann, Paragraphenhengst

          „Ich werde bei der nächsten Wahl auch AfD wählen, um der NPD einen Denkzettel zu verpassen.“
          Beate Zschäpe, Passantin

          „Ja mei, unerträglich! So ein rechtes Klima halte ich nicht aus. Ich geh lieber ins Gefängnis.“
          Franz Beckenbauer, Freigeist

        • Sehr geehrter Herr Fahrenwaldt,

          ich bin NICHT Ihrer Ansicht ! Für politische Wahlergebnisse galt in Deutschland und in Lüneburg zwar lange, dass immer mindestens eine Partei mehr als ein Drittel der Wähler hinter sich hatte.

          Aber es war die Landtagswahl in Brandenburg im Jahr 2014, die als erste von dieser gewohnten Verteilung abwich. Erstmals erreichte hier keine einzige Partei ein Drittel der Stimmen. Die hessischen Kommunalwahlen vom Wochenende zeigen dasselbe Muster noch verstärkt. In Frankfurt gibt es keine Partei, die wenigstens ein Viertel aller Stadtverordneten stellen könnte. So in Wiesbaden. So in Offenbach. Zwischen zehn und zwanzig Prozent der Stimmen haben im Hochtaunus gleich vier Parteien erreicht. An der Bergstraße kommt keine einzige auf ein Stimmendrittel. Dasselbe gilt für den Landkreis Gießen, außerdem für Marburg und für Wetzlar, wo die AfD nicht einmal kandidierte.

          Und wenn in einem Wahlbezirk wie Darmstadt keine Partei auch nur ein Drittel der Wähler erreicht hat, aber sieben Parteien über fünf Prozent liegen, dann zeichnet sich darin für das politische Gemeinwesen des ganzen Landes ein verändertes Bild ab.

          Es ist das Bild eines politischen Parteiensystems, in dem Opposition seit Jahrzehnten von außen herangetragen wird. Eine der zwischen zehn und zwanzig Prozent existierenden Parteien kommt aus der Umweltbewegung, die zuvor ein Studentenprotest war. Eine kommt aus dem Osten, einem staatlich organisierten und durch eine Mauer vor Abwanderung geschützten Zwangsdagegensein. Eine war zuerst außerparlamentarisch gegen den Euro und sammelt jetzt die Sorgen über eine undurchdachte Einwanderungspolitik ein, um die sich sonst niemand gekümmert hat, weil sie angeblich eingebildet sind. Da gleichzeitig der Wiederauftritt der FDP mehr auf ihrer längeren Abwesenheit und den entsprechenden Sympathien als auf markanten Stellungnahmen gründet, könnte man sogar sie zu den Gewinnern einer Lage rechnen, in der das Dagegensein sich aus dem Zentrum der Politik in ihre Peripherie verschoben hat.

          Im Zentrum herrscht weitgehend Einigkeit, sei es über Banken, Flüchtlinge, Energieversorgung, Bildungspolitik, den Wohlfahrtsstaat oder Europa. Insofern ist es nur folgerichtig, wenn die Frage, wer regiert, mehr und mehr von temporären Stimmungen, kleinen Differenzen oder der Personallage an der Spitze der Parteien (Kretschmann!) abhängt, also von Zufälligkeiten. Im Idealfall einer solchen Demokratie der Indifferenz und ideologischen Uniformität hätte jede der sechs Parteien 16,6 Prozent „plusminus“, und wir wären in einer Art Schweiz ohne Volksabstimmungen.

          Zugleich aber teilt diese Einigkeit im Zentrum, in dem sich einst Parteien bewegten, die sich „Volksparteien“ nannten, dem aber auch die Grünen und die FDP längst beigetreten sind, den Wählern mit, dass Politik gar keiner Parteien bedarf und eine Partei keiner Flügel. Dass Opposition auch darum „Mist“ (Franz Müntefering) ist, weil sie einen mit der Aufgabe belastet, über Politik nachzudenken. Und dass Dissens nur noch für die Talkshows taugt, als eine symbolische Maßnahme mit dem Risiko, so durchsichtig zu wirken wie der Dissens einer Linken, die sowieso nicht regieren will, oder eines Sigmar Gabriel, dem plötzlich einfällt, dass irgendwann ja auch wieder Wahlen sind.

          Vor allem Programme, das war die Lehre Angela Merkels, sind dann völlig überflüssig. Mit der AfD räumt gerade eine Partei ab, die gar keines hat, sondern sich, überlokal jedenfalls, auf ganz wenige Punkte des Dagegenseins konzentriert, weil der Überdruss und die Denkzettel-Stimmung der Wähler für ihren Erfolg einstweilen ausreichen. Auch der Dissens entsteht also mehr oder weniger von selbst.

          Demokratie ist institutionalisiertes Dagegensein. Ihre politische Funktion haben demokratische Wahlen NICHT darin, dass der Volkswille sich in ihnen ausspricht. Denn um sich zu manifestieren, müsste es ihn geben. Und was wäre das derzeit für ein Wille, der alle Parteien bis auf eine schwächt, um dann die großen und größten Koalitionen zu bekommen, die denkbar sind? Die Funktion von Wahlen in einem Mehrparteiensystem ist vielmehr, dass die Wähler etwas akzeptieren, weil sie es auch wieder loswerden können. Dazu aber bedarf es Parteien, die der Oppositionsrolle mehr als ein Protesterlebnis abgewinnen können, nämlich den Sinn, sich in ihr zu regenerieren.

          Mit freundlichen Grüßen, Jürgen

          • Karlheinz Fahrenwaldt

            Lieber Jürgen, liebe Meli,
            in Zeiten der Nivellierung der politischen Handlungsweisen der meisten regierenden Parteien (Ausnahme: Thüringen 😉 und bei den dazu gehörenden Führungseliten sogar auf privatem Bereich (Drogenmissbrauch und sexuelle Fehlorientierungen), ist der Zuspruch zu populistischen Einthemenparteien wie der Schill-Partei, den Piraten oder jetzt der AfD bei sinkendem Zuspruch zu den – ich sage mal – Altparteien bis hin zur „Bedeutungsarmut“ ein normaler, sich wiederholender Prozess, sollange es den Menschen noch hinreichend gut geht. Je mehr der jetzige Mittelstand ins „Prekariat“ abrutsch, je instabiler wird die Lage. In den nordeuropäischen Ländern ist dann mit einer verstärkten Tendenz nach rechts zu rechnen und in den Südeuropäischen nach links.

          • Ok, Herr Fahrenwaldt. Jetzt würde ich gerne noch wissen, was Sie uns oben mit diesem „Bin-ich-drin“-Dingens eigentlich genau sagen wollten: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/307712-gruene-strafen-fraktionschef-ab-jetzt-werden-die-weichen-gestellt#comment-64903

            War das irgendwie als Denkanstoß gemeint? Schnellschüsse vermeiden und so? Aber Sie selbst betätigen sich doch auch immer als ganz flinker Thinker.

          • Sehr geehrter Herr Fahrenwaldt,

            was mich (Adendorfer, 78) interessieren würde: Wenn Sie sich höchstpersönlich einmal selbst befragen, quo vadis, Andreas Meihsies (55), welchen frei und rein empfundenen Ratschlag geben Sie Ihrem früheren kommunalpolitischen Kollegen mit auf den weiteren mühsamen Lebensweg? Spielt innere Anteilnahme und echtes Mitfühlen aus dem sittlich gefestigten Herzen heraus unter ehemaligen Wettbewerbern um Macht und Ansehen in der Hanse-Gemeinde heute überhaupt noch eine Rolle, Herr Fahrenwaldt? Oder ist alles Hetze, Bitterkeit und Schadenfreude bis man in die Gruft sinkt?

            Übrigens wird Winfried Kretschmann (67) kommenden Sonntag – wenn überhaupt! – höchstens in einem Bundesland Ministerpräsident (ob diesmal für die Grünen oder erneut für die CDU, will er kurzfristig entscheiden). Außerdem gehe ich davon aus, dass der SPD in allen drei Bundesländern der Sprung über die Fünfprozenthürde gelingt, und zwar deshalb, weil Sigmar Gabriel, der sechs Monate älter als Herr Meihsies ist, versprochen hat, bis Sonntagabend in kein Fettnäpfchen mehr zu treten (eine seiner besten politischen Entscheidungen seit 56 Jahren).

    • Frank Gärtner

      Lieber Karlheinz Fahrenwaldt,

      mit dem Fall von Andreas Meihsies haben meine folgenden Ausführungen zwar auch nichts zu tun, aber zu Ihrem Dissertationsprojekt über „30 Jahre Hell und Dunkel-Grüne Politik in Lüneburg“ können sie vielleicht trotzdem nichts beitragen. Heute habe ich nämlich nach langer Zeit mal wieder nicht nur LZ-, sondern auch Spiegel-Online gelesen; alles wie immer. Ein grüner Bundestagsabgeordneter wird mit einem halben Gramm Crystal Meth erwischt, und das ist natürlich „fatal“, bedeutet einen neuen „Drogenskandal“: „Zwar sollen nur 0,6 Gramm sichergestellt worden sein. Doch selbst solch eine kleine Menge kann politische Karrieren gefährden.“ Na hoffentlich! „Der Fall Volker Beck ist doppelt desaströs“, denn das ist ja wohl das mindeste. „Nach einem Karriereknick 2013 hatte sich der Politiker gerade wieder aufgerappelt. Das Drogendebakel“, das doppelt desaströse, „könnte seine Laufbahn nun endgültig blockieren. Fatal sind die Schlagzeilen auch für seine eigene Partei, die in elf Tagen bei wichtigen Landtagswahlen punkten will.“ Nämlich bei Leuten, die Drogenkonsum nicht für die Privatangelegenheit halten, die er ist.

      „Der Bundestag ist eine unglaubliche Alkoholikerversammlung, die teilweise ganz ordinär nach Schnaps stinkt“, fand der Novize Jockel Fischer 1983. „Je länger die Sitzung dauert, desto intensiver.“ 1994 trat, Youtube weiß es, der Abgeordnete Kleinert im Vollsuff vors Parlament, und wer dranbleibt, wird mit der Landtagsrede des bis zum Überlauf betankten hessischen FDP-Politikers Heidel belohnt, dessen Vortrag eine sowohl politische als auch persönliche Kernwahrheit vorausschickte: „Milch ist gesund, Milch schmeckt hervorragend, und Milch tut jedem von uns gut, wenn er sie trinkt.“ Berufspolitiker ist, wenn schon sonst nichts, ein anstrengender Beruf, und wo die einen saufen, leben andere von Tabletten: Das bekannteste Beispiel ist Uwe Barschel, seit dessen Tod auch Glückskinder und Yogafreunde wissen, was „Tavor“ ist.

      Das alles ist der Rede wert, wenn sich dabei die, die es ja nun wirklich nötig haben, Spott und Zeigefinger sparen: „Beck … gilt neben Claudia Roth wohl als größter Moralapostel seiner Partei, womit er auch in den eigenen Reihen vielen immer wieder auf die Nerven gegangen ist.“ Das glaubt man gern. „Bei den Verschärfungen der Asylgesetze im Oktober stimmte Beck gegen die Linie seiner Fraktion. ,Ich möchte diesen Verschärfungen im Bundestag nicht über die Hürde helfen’, sagte er damals, als erneut weitere Staaten zu sogenannten sicheren Herkunftsländern erklärt wurden.“ Und wer mit derart humanistischen Beiträgen allzu schlimm genervt hat, darf natürlich auch einmal tief fallen, damit die Deppenpresse Politik wieder zur Frage der persönlichen Moral machen kann, indem sie insinuiert, der Gebrauch illegaler Drogen sei unmoralisch.

      Er ist aber allenfalls schädlich, für die Leber oders Zentralnervensystem, und mit Moral hat das erst dann wieder was zu tun, wenn man berauscht jemanden totfährt. Wer hier die Frage von legal/illegal zu einer moralischen macht, will bloß mit dem Über-Ich auf Duzfuß kommen und ruft jenes gesunde Sittlichkeitsempfinden an, das als solches nicht nur immer unrecht hat, sondern in Drogenfragen verläßlich heuchelt, ob in puncto Cannabis oder der völlig selektiven Einrichtung alkoholfreier Zonen:
      „Wie bei anderen Drogen setzt auch die Alkoholpolitik stets bei jenen an, die keine sozialen Privilegien genießen wie Politiker und Richter. Über ein Verbot des Bierverkaufs an Tankstellen oder am Kiosk nach 22 Uhr wird regelmäßig diskutiert, aber ein Rotweinverbot in Edelrestaurants wäre undenkbar. Nach einem brutalen Überfall in einem Berliner U-Bahnhof 2011, bei dem der Täter angab, betrunken gewesen zu sein, forderte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ein Alkoholverbot im öffentlichen Personennahverkehr. Ein Alkoholverbot auf dem Oktoberfest hingegen wird ein bayerischer Politiker nie in Betracht ziehen. In diesem Jahr mußte das Rote Kreuz 7551 Menschen versorgen, es gab 58 Maßkrugschlägereien, 116 Sexualdelikte, 449 Körperverletzungen. ,Es war eine normale, man möchte fast sagen, eine ruhige Wiesn’, bilanzierte das DRK“, bilanzierte die Jungle World im November 2015.

      Woran wir (Gell, Karlheinz?) gern die Bilanz anschließen: Wer ein Problem mit Crystal Meth hat, gehört zum Arzt. Und nicht zu den nervenden Moralaposteln von Spiegel online.

      • Karlheinz Fahrenwaldt

        Lieber Frank Gärtner,

        zufällig habe ich Ihren Beitrag gelesen und nehme wie folgt Stellung: mir geht es völlig am Arsch vorbei, ob sich nun ein Promi mit Christal Meth (Herr Beck) oder Schweine Mett (Herr Raab) das Leben ruiniert.

    • Sehr geehrter Herr Fahrenwaldt,

      deutliche Worte wieder einmal. Vielen Dank. Sehe ich beinahe genauso. (Wenn da nur die dubiosen Verkäufer und Verkäuferinnen nicht wären, die unsere bundestagenden Christal Methodisten immer sofort mit den ungemein vielseitig interessierten diplomatischen Handelsvertretern der internationalen Drogenmafia bekannt machen.)

      Hier noch ein anderes sozialphilosophisches Thema, zu dem von den Grünen nicht viel zu hören ist: Letzten Donnerstag hat unsern hansestädtischer Pressesprecher Daniel Gritz auf Anfrage der LZ zugeben müssen, „dass die Stadt vom Land zur Stellungnahme aufgefordert sei, ob man eventuell eine Mietpreisbremse einführen möchte.“
      (Quelle: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/308935-kommt-die-mietpreisbremse)

      Sie, Herr Fahrenwaldt, waren der letzte bedeutendere politische Intellektuelle Lüneburgs der sich am 21. November 2015 um 00:25 und um 00:26 Uhr zu diesem Thema umfassend geäußert hat, als Sie Folgendes an Frau Dr. Karin Bertholdes-Sandrock, MdL, geschrieben haben:

      „… ich bevorzuge die Mietpreiscantilerverbremse mit Bremskraftrückgewinnungsversuchsautomatenschaltung und es empfiehlt sich ein Spray gegen Bremsen mit Mietsachverstandsausgleichsverzahnung an gestövtem Hummersoufle (oder so ähnlich). Sollte allerdings der Wohngeldanspruch nach Maßgabe eines Stadtrats oder damit verbundenen Nebenleistungen der Wohnungsanbieter trotz Sammelheizung unangemessen hohe Entgelte fordern ist eine Kappungsgrenzenüberschreitung mit 2/3-Mehrheit zu beschließen. Sollte Sie das???“
      (Quelle: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/278206-wohnungsnot-lueneburg-als-luxus-lounge-mit-preisspirale-auf-koks#comment-59587)

      Herr Andreas Meihsies dagegen hat in seiner bewegenden Abschiedsrede im Huldigungssaal KEIN WORT über die Mietpreisbremse und deren Voraussetzung, den Mietspiegel, gesagt.

      Lieber Herr Karlheinz Fahrenwaldt, was sagen Sie dazu?

      MfG, Frank Gärtner

      • Karlheinz Fahrenwaldt

        Lieber Frank Gärtner,
        ich kann mich da nur wiederholen:
        Man muss ja auch die Frage stellen, warum beispielsweise der Landkreis Lüneburg ein Mietpreisgutachten in Auftrag gegeben hat, was aber vorm Gericht keinen Bestand hatte. Rund 50.000 Euro aus dem Fenster geworfen, obwohl auch hier der Antrag auf einen qualifizierten Mietspiegel vorlag.
        Warum steigen dann die Mieten hier ständig weiter überproportional an? Heute kann ein Vermieter in Lüneburg die Miete nach drei Jahren ohne Erhöhung bis zu 20 Prozent erhöhen (BGB) und kann in der Praxis drei Wohnungen mit höherer Miete aus dem gleichen Objekt angeben. Und ich kenne keinen Vermieter, der diese gesetzliche Regelung nicht kennt. Also der Verweis, dass Mietspiegel zu höheren Mieten führen ist ebenfalls fern von jeder Realität. Für die Anwendung der sogenannten „Mietpreisbremse“ ist außerdem der (qualifizierte) Mietspiegel eine zwingende Voraussetzung, da der alleine „gerichtsfest“ ist (im Übrigen auch bei Klagen wegen Mietwuchers). Wenn es in Lüneburg also keinen Mietspiegel geben wird, kann man weiterhin von überproportional steigenden Mieten ausgehen und Klagen gegen Mietwucher haben vor Gericht keine Chance – da freuen sich die Vermieter!
        Wenn ein qualifizierter Mietspiegel 160.000 Euro kostet ist das gut angelegtes Geld (jedenfalls besser als das Geld für Protzbauten der Unileitung auszugeben), da ja auch die Kosten der Unterkunft für Sozialhilfeempfänger und ALG II Bezieher ansteigen werden. Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum Lüneburg nicht bei der Landesregierung die Einstufung als „Kommune mit angespannter Metwohnungslage“ (nach dem BGB) einfordert, dann könnte nämlich schon jetzt die Mietpreiserhöhung nach drei Jahren auf 15 Prozent gedeckelt werden. Wer auf die Herzlichkeit von Vermietern setzt und die qualifizierten Mietspiegel als Albernheit bezeichnet hat sich nach meiner Meinung selbst disqualifiziert!

    • Nach der Hessen-Wahl

      An morgen denken !

      Es mag ja schon sein, Karlheinz, wie Sie schreiben, daß eine TV-Serie wie »The Walking Dead« uns einerseits abstumpft und der seelischen Vorbereitung auf das kommende Zeitalter der Barbarei dient, wie es nach Auffassung der AfD-Kapeiken nur noch von der AfD, nach Auffassung aller anderen aber nur gegen die AfD zu verhindern ist, sowie die mentale Einübung jener Überlebenstechniken fördert, die wir dann unvermeidlicherweise gegeneinander anzuwenden haben – aber andererseits ist es schon ziemlich seltsam, eine Folge der Serie zu schauen, während man gerade ein halbes Hähnchen ißt und dabei mit den Zähnen gründlich einen Schenkel zerpflückt. Mein Tip: Unbedingt mal ausprobieren! Unserer Zukunft zuliebe.

      Mark-Stefan Tietze

      • Lieber Fahrenwaldt, wenn Sie sich einmal von der Selbstzerfleischung der Lüneburger Grünen lösen und die Qualen britischer Europapolitik betrachten möchten, können Sie diese in ihrer höchstmöglichen Konzentration im Europaparlament studieren. Mit dem Austritt seiner Tories aus der christdemokratisch geprägten Europäischen Volkspartei hat Premier David Cameron dort eine Fraktion kreiert, die für ihn kein einziges Problem gelöst, aber viele neue geschaffen hat. In der Frage des Brexit sind die Briten in der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) so gespalten wie die Parteifreunde daheim. Überdies befinden sie sich in fragwürdiger Gesellschaft. Sie reicht von bigotten Nationalkatholiken der polnischen Pis bis zu extremistischen deutschen Rechtsaußen vom Schlage einer Beatrix von Storch.

        Zumindest Storch und ihren AfD-Kollegen Marcus Pretzell wollen nun aber selbst die Dunkel-Konservativen nicht mehr dabeihaben. Beide sind gebeten worden, die Fraktion zu verlassen. Andernfalls soll ihr Ausschluss betrieben werden. Mit Sympathien für Diktatoren wie Kremlchef Wladimir Putin, der Nähe zu den Freiheitlichen in Österreich und Übelkeit und Entsetzen erregenden Gedankenspielen, die Flüchtlingskrise mit Schusswaffen zu lösen, ist die AfD selbst für das heterogene radikalkonservative Sammelbecken untragbar geworden.

        Der Rauswurf zweier Abgeordneter wäre zwar politisch nicht weiter von Belang, hätte aber Symbolkraft. Er würde unterstreichen, dass sich die AfD nicht mehr am Rand des demokratisch-konservativen Spektrums bewegt, sondern es bereits verlassen hat.

        • Karlheinz Fahrenwaldt

          Lieber Adrian Schulz,
          ich habe hier noch nie ein Post unter einem Pseudonym eingestellt und werde den Admin bitten, wenn irgendwer unter meinen Namen postet, das zu löschen. Deshalb verstehe ich einige mich betreffende Kommentare hier nicht.
          Nach meiner Meinung ist die EU Geschichte. Als sie gegründet wurde galt der Slogan der Parteien: „Hast du noch nen Opa? Dann schick in nach Europa!“ um dort seinen politischen Ruhestand finanziell aufzupeppen und namhafte Sozen attestierten eine „Quasselbude“. Der Friedensnobelpreisträger ist an fast allen Kriegen auf unserem Planeten beteiligt aber kriegt es nicht auf die Reihe, ein Prozent der Menschheit vor Hunger, Krieg und Krankheiten zu befreien. Die soziale Kompetenz der handelnden Personen und Institutionen tendiert gen Null: faschistoide Regime werden hoffiert, das Mutterland der Demokratie wird gedehmütigt, aber die Nutznießer dieser Entwicklungen stehen bei der herrschenden politischen Elite in hohem Ansehen. Die Destabilisierung des Mittelmeerraumes einschließlich der zur EU gehörenden Länder wird weitergehen, die sozialen Ungerechtigkeiten werden zunehmen und wenn es ganz dumm läuft wird ein Krieg mit Russland und/oder China angezettelt. Das währe dann WK 3. Ich hoffe, dass ich Unrecht habe! Soviel zu Herrn Meihsies und den Grünen. 😉

  6. Fragen Stadträtin Claudia Schmidt

    Warum wurden die Pyramiden eigentlich von den alten Ägyptern erbaut? Wäre es mit den jungen nicht schneller gegangen?

    MfG, Lisa

  7. Lieber Herr Oberbürgermeister Mädge,

    Sie werden wissen, dass es sich bei den lateinischen Worten über Hans-Herbert Jenckels dieswöchiger Blog-Glosse um eine Phrase aus dem Johannesevangelium (13, 36) handelt:

    »Dicit ei Simon Petrus: „Domine, quo vadis?” Respondit Iesus: „Quo vado, non potes me modo sequi, sequeris autem postea”.« Oder nach der Einheitsübersetzung: »Simon Petrus sagte zu ihm: „Herr, wohin willst du gehen?” Jesus antwortete: „Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen.”« [Orakel-Worte dieser Art stärkten Jenckels‘ Glaube an das Berufensein von Meihsies schon früher nicht unbedingt. Zweifelhaft ist deshalb auch, dass es die berühmte Szene am Lopau-See im Jahr 2013 tatsächlich gegeben hat: Jenckel soll dem auf dem Wasser gehenden Meihsies haben folgen wollen, bekam aber Angst zu versinken; nach seiner Rettung bekannte er angeblich mit einem Kniefall: „Du bist in Wahrheit Gottes Sohn” (Matthäusevangelium 14, 28 – 32).]

    Bekanntlich bezieht sich auf die Stelle in Johannes 13 auch eine Erzählung in den apokryphen Petrusakten, nach welcher der Apostel Petrus auf seiner Flucht aus Rom Christus begegnete und ihn fragte: „Domine, quo vadis?“ („Wohin gehst du, Herr?“), und zur Antwort erhielt: „Romam venio iterum crucifigi“ („Nach Rom, um mich erneut kreuzigen zu lassen“). Daraufhin kehrte Petrus um, wurde in Rom gefangen genommen und gekreuzigt.

    Hier meine Frage, lieber Herr Oberbürgermeister: Wenn wir davon ausgehen, dass der geschäftsführende Redakteur und Online-Chef der Landeszeitung keines seiner Worte ohne Bedacht wählt, ja, sein literarisches Genie, das stets mit ganzen Orchestern von Assoziationen schreibt, in der absoluten Kontrolle über den mehrfachen Schriftsinn nicht nur jedes Satzes, sondern fast jedes Buchstabens besteht, müssen wir dann nicht beim Versuch, in das Geschriebene verstehend einzudringen, zuerst auf die Gleichsetzung des Autors mit Petrus und von Andreas Meihsies mit Jesus achten?

    Aus dieser ersten und zentralen Frage ergeben sich dann natürlich Unter- und Nebenfragen:

    Ist Andreas Meihsies der am Donnerstag (nicht am Freitag (!)) von seinen Nächsten nach dreimaliger Verleumdung Gekreuzigte dann am Sonntag als vorösterlicher Erlöser wieder auferstanden und hat am Montag begonnen, von seinen irdischen Ämtern zu lassen, um sich der Mission seiner eigenen Gottwerdung und Verherrlichung zuzuwenden?

    Ist Lüneburg (wie Rom in der antiken biblischen Legende) das neue Jerusalem und Hans-Herbert Jenckel per imitatio des christlichen Apostels und Märtyrers der Fels, auf dem die Kirche des kommenden Meihsiestentums errichtet werden wird?

    Wie ist die im Aufruf: „Folge mir nach!“ angekündigte Kreuzigung Petri zu verstehen? Symbolisch? Wird dem Redakteur Jenckel die Hinrichtung des Herrn Andreas von dessen Gemeinde angelastet werden? Oder sollen umgekehrt seine Verdienste um die Botschaft der Liebe und des innerparteilichen Ausgleichs sowie das Verwerfen von Traditionen patriarchalischer Vergeltung durch die gedankliche Parallelsetzung von Jünger und Erlöser gerade besonders hervorgehoben werden?

    Auch zu dieser Ebenbürtigkeit von Herr und Knecht im besonden Ende deutet nur das Johannesevangelium (21,18) Weniges an und setzt ein Wissen bei beiden (Jesus/Meihsies und Petrus/Jenckel) davon voraus: „Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst“, sagt der Sohn des Zimmermanns zum König der Fischer.

    Geht es am Ende vielleicht auch darum, lieber Herr Oberbürgermeister Mädge: um eine Flucht aus unausweichlich nahender Unselbständigkeit? Das Erlangen, das Sichern und Rechtfertigen des Heiligenstatus auf „kommunikationsstrategischer“ und „programmatisch konzeptioneller“ Ebene kann (vorausgesetzt, bei einer Polizeikontrolle werden nicht 0,6 Gramm einer „betäubungsmittelsuspekten Substanz“ in der Hosentasche gefunden) doch auch einer schöner Ersatz für die unschöne Erkenntnis sein, dass auf der „operativen Umsetzungsebene“ aufgrund einer ungewollten Minderung erwarteter Eigenschaften langjährige Helden des Alltags als Verschleißteile nach einer gewissen Zeit ersetzt werden, sobald zugesicherte oder spezifizierte Leistungen nicht mehr ausreichend zuverlässig bereitgestellt werden können.

    Mit freundlichen Grüßen, Kevin Manuel Schnell

    • geht es noch schlimmer? ist nur eine frage. schon seltsam, das händeschütteln und das foto ist hier nicht erschienen. was habe ich verkehrt gemacht? warum im winter über das wasser gehen? nur weil es möglich ist?

      • Hallo Herr Bruns

        Die Fragen an OB Mädge sind doch nicht unberechtigt. Und dass der Umgang mit der Polit-Prominenz hier bei uns in der Form oftmals sehr große Ähnlichkeiten mit bekannten heilsgeschichtlichen Benimm-, Verehrungs- und Erwartungsmustern aufweist, wie sie sich in der Bibel finden, ist doch eine ganz richtige Beobachtung von Herrn Jenckel, welche Kevin im Unterschied zum dezent und dosiert skizzierenden Profi von der LZ nur übermäßig detailliert ausgemalt hat.

        Dass die Photos hier nicht präsentiert werden, hat wohl damit zu tun, dass der Blog überhaupt keine illustrierenden bildlichen Formate gestattet. Vielleicht zum Glück?

        Was Sie verkehrt gemacht haben? Möchten Sie, dass Ihnen die Beichte abgenommen wird? Auch die „confessio“ ist übrigens eines der fixen christlich heilsgeschichtlichen Lebensdeutungsschemata.

        Vielleicht sollten Sie erstmal Jochen Bergmanns Fragen von gestern Mittag beantworten, bevor Sie hier Ihr Gewissen reinigende Bekenntnisse abladen?

        Ihre letzte Rätselfrage verstehe ich nicht. Würden Sie sie mir an einem konkreten Beispiel erläutern?

        Friedel Danckwardt

  8. Friedel Danckwardt
    sie scheinen den teufel gut zu kennen. man wird so gern verführt, man braucht sich nur bemühen. alles ist relativ. sogar der teufel. fragen sind aus der sicht des fragenden immer berechtigt. ein atheist beichtet?schmunzel. ich warte noch auf mehr. sonst lohnt es nicht.

    • Erinnerungen an die Zukunft, oder was war der Fall nach dem Fall: schon am 19. Juli 2012 antizipierte das Hamburger Abendblatt folgende aufschlussreiche Äußerungen:

      »Miriam Staudte aus Scharnebeck ist seit dem Jahr 2008 ist stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion ihrer Partei in Hannover. Sie schaffte es ohne große Mühe immer erneut, zur Landtagskandidatin ihrer Partei aufzusteigen – und ist offenbar in den Augen von Meihsies unmittelbar beteiligt an einem internen Konflikt, den es ihrer Meinung nach aber gar nicht gibt.

      „Ich habe kein Verständnis für dieses Ein-Mann-Theater. Aus meiner Sicht gibt es keine Lager bei den Grünen und keine Spaltung auf der Kreisebene der Partei“, sagt sie. Und auch Claudia Schmidt, Sprecherin des Kreisverbandes der Grünen, wirkt etwas ratlos im Angesicht der neuen Situation. „Wir bedauern den Rückzug“, sagt sie.

      Der Vorstand müsse nun entscheiden, wie es weitergehen solle – nur wie bisher könne es nicht bleiben, meint dagegen Meihsies. „Es gibt ja eine Reihe von jungen Talenten bei den Grünen, die an Format noch gewinnen können. Ich werde mich [bis zum Herbst] auf meine Arbeit im Stadtrat konzentrieren, die Arbeit macht mir Spaß, die Atmosphäre ist gut“, sagt Meihsies. Alles andere sei seine Sache nicht mehr, und auch [2017 im Bundestags- bzw. 2018] im Landtagswahlkampf werde man auf seine Unterstützung nur ausnahmsweise zählen können, lässt er seine Partei wissen.

      „Ich leide nicht unter der Situation. Ich mache einfach nur den Weg frei. Ich habe Ballast abgeworfen“, sagt Andreas Meihsies.«

      Das ist Haltung!

      Quelle: http://www.abendblatt.de/region/lueneburg/article108328034/Andreas-Meihsies-Die-Partei-traegt-mich-nicht.html

  9. Berthold Weinrich

    Quod credit Andreas Meihsies? Was glaubt eigentlich Andreas Meihsies so den lieben langen Tag? Das weiß nur Klaus Bruns. Und Sigmar Gabriel, was glaubt der? Glaubt der vielleicht Ähnliches wie Niels Webersinn? Im Zweiten Deutschen Fernsehen, von Adenauer ja einst als „Deutschlandsender“ projektiert, glaubte der seit Willy Brandt am längsten amtierende SPD-Parteivorsitzende laut Tagesschau.de dies: „Er glaube, ,daß wir eigentlich ein neues Solidaritätsprojekt für unsere eigene Bevölkerung brauchen’, sagte Gabriel in der ZDF-Sendung ,Maybrit Illner’. Die Menschen müßten merken, ,daß ihre Bedürfnisse nicht unter die Räder geraten’. Es müsse mehr Geld für sozialen Wohnungsbau und mehr Kita-Plätze ,für alle’ geben, sagte Gabriel. Außerdem müßten geringe Renten aufgestockt werden. ,Das ist konkrete Politik in Deutschland, die sich ändern muß.’“ (http://www.zdf.de/maybrit-illner/fluechtlingskrise-landtagswahlen-koalition-der-wenigen-wer-steht-noch-zu-merkel-42410744.html)

    Und was glaubt die politische Journalistin Constanze v. Bullion? In ihrer SZ, wo sie den Pfarrer Gauck für sein Eintreten wider die unselige Negerfeindschaft lobt und über die „dünne Kruste, die über das Nachwende-Deutschland gewachsen ist“, räsoniert, z.B. das: „Der Umgang mit Minderheiten sei im Kommunismus eben nicht geübt worden wie im Westen, sagt Gauck. Das stimmt, aber es reicht nicht. Es ist auch darüber zu reden“, ich muß das, Entschuldigung, hervorheben, „wie gründlich der Realsozialismus jeden Glauben ans Soziale zerstört hat, an die beglückende Kraft des Teilens, den Schutz Schwächerer durchs Kollektiv. Solche Werte, ausgerechnet, wurden vom SED-Staat verhöhnt“. (http://www.sueddeutsche.de/politik/gauck-wie-duenn-die-kruste-ist-1.2881472)

    Denn die beglückende Kraft des Teilens, die ist allein im minderheitenerprobten Westen (vgl. Wikipedia, „Liste von Angriffen auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland“) zuhaus, wo sie Sigmar Gabriel (Goslar) als das Glück ventiliert, Solidarität als völkische zu erleben. Seit 1977 ist Sigmar Gabriel in der SPD, seit 2009 Vorsitzender jener Partei, die mit den Hartz-Gesetzen dafür gesorgt hat, daß in Deutschland soziale Bedürfnisse planmäßig unter die Räder genommen werden, und diese planierten oder in Planierung befindlichen Sozialschutzgebiete werden jetzt gegen die Artfremden ausgespielt, die nämlich alles bekommen, während die anständigen Deutschen gar nichts kriegen.

    Und wer hat schuld? Die SPD, dem Standort Deutschland immer treu ergeben? I wo. Die Flüchtlinge und Asylanten, denen es hinten und vorne hineingestopft wird? Unbedingt: „Für die macht ihr alles, für uns macht ihr nichts“, das hört Gabriel nach eigener Aussage überall, und dieser Satz sei „supergefährlich“. Ist er wirklich, denn Faschismus ist, wenn Kleinbürger ihr Zukurzkommen statt auf die Gesetze der Kapitalverwertung auf irgendwelche Minderheiten schieben. Supergefährlich ist es mithin, wenn eine Sozialdemokratische Partei Deutschlands, statt von früh bis spät und coûte que coûte für Rentner, Mütter, Arbeiter einzutreten, sich dieser längst in Vergessenheit geratenen Generalaufgabe zuverlässig und spätestens dann erinnert, wenn man vor Landtagswahlen Stimmen von Kleinbürgern abgreifen will, die ihr Zukurzkommen supergefährlicherweise Leuten in Rechnung stellen, die im Leben noch sehr viel kürzer gekommen sind.

    Daß die Volksgenossen in dieser wunderbar nationalen Stimmung („Asylpaket II“) dann ganz konkret zur Supergefährlichkeit neigen, schiebt unsere linksliberale, dem Standort Deutschland ebenso treu ergebene Qualitätspresse dann vorsorglich auf einen Sozialismus, der, statt wie üblich die Menschen brutal dem gleichmacherischen Kollektiv zu unterwerfen, neuerdings den Glauben ans Teilen verhöhnt (!), und wieder stimmt das Wort des völkischen Antibolschewisten Goebbels: daß nämlich die unverschämtesten Flunkereien am ehesten geglaubt werden.

    Und eben die sind die supergefährlichsten. Wer nicht gerade Sigmar Gabriel, Constanze v. Bullion oder eine korrupte Figur ist, weiß das.

    Herr Bürgermeister Andreas Meihsies, was glauben Sie?

  10. Lieber Klaus Bruns,

    vergessen Sie Anikò und die FDP, verdrägen Sie Oliver von der Spitze! Das riecht nach Ihrer Chance, mittelfristig von Reppenstedt aus vielleicht auch in Lüneburg für Ordnung unter den Ökobellizisten sorgen zu können: »Der BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Ortsverband Gellersen hat derzeit 33 Mitglieder und gehört damit zu den größeren im Landkreis. Wenn Du mitmachen und neuer Vorstandssprecher werden willst, komm‘ doch einfach zu unserer nächsten Mitgliederversammlung am 10. März von 19:30 – 21:30 Uhr im „Alexander der Große“, Lüneburger Landstr. 12, 21394 Kirchgellersen.

    Tagesordnung
    1 Begrüßung, Beschlussfähigkeit, Protokoll, Tagesordnung
    2 Kurzinfos, Termine
    3 Kurzberichte aus den Fraktionen
    4 Kommunalwahl 2016
    5 Asyl und Zuflucht in Gellersen
    6 Sonstiges
    7 Beschluss

    Für den bisherigen Vorstand: Oliver J. Glodzei, http://www.gruene-gellersen.de«

    • mein lieber Christian
      mein bürgermeister wäre not amused, wenn ich erscheine. und warum? weil ich immer sage, was ich denke. sie können mich gern anrufen, für ordnung sorge ich gern.

      • Lieber Bruns, das sollten Sie doch nach dreißig Jahren kommunalpolitischem Engagement gelernt haben, dass es in der Politik kaum etwas bringt, sachlich recht zu haben. Ein Experiment des amerikanischen Sozialpsychologen Dan Kahan (Cultural Cognition and Public Policy, 24 Yale L. & Pol’y Rev. 149 (2006)) hat das schon 2006 gezeigt.

        Das Experiment sah so aus: Kahan hat 1.000 Amerikanern eine Statistik vorgelegt, die auf den ersten Blick suggerierte, dass eine bestimmte Hautcreme gegen Ausschlag hilft. Doch wenn man sich die Zahlen genauer ansah, stellte sich heraus, dass sie den Ausschlag in Wirklichkeit eher verschlimmert. Das Ergebnis des Experiments: Je besser die Mathematik-Kenntnisse der Probanden waren, desto wahrscheinlicher war es, dass ihnen der statistische Schwindel auffiel.

        Im zweiten Teil legte Kahan den Probanden dann eine politisierte Version derselben Statistik vor. Dieses Mal ging es darin um den Zusammenhang von strengeren Waffengesetzen und der Kriminalitätsrate, ein hochgradig umstrittenes Thema in den USA. Und plötzlich spielten die mathematischen Kenntnisse der Probanden keine Rolle mehr: Demokraten und Republikaner entdeckten den statistischen Fehler unabhängig von ihren mathematischen Kenntnissen mit hoher Wahrscheinlichkeit, wenn die Statistik ihrer politischen Überzeugung zuwiderlief. Wenn sie sie untermauerte, erkannten die Probanden den Fehler nicht. Beide Lager sahen in den Zahlen nur, was sie sehen wollten.

        Sobald es um eine politische Streitfrage ging, überstimmte die ideologische Orientierung der Probanden ihren Verstand. Es stellte sich sogar heraus, dass die Statistik häufiger falsch ausgelegt wurde, je besser die mathematischen Fähigkeiten des Probanden waren. Der amerikanische Politikjournalist Ezra Klein brachte das Ergebnis auf die Formel: „Je intelligenter eine Person ist, desto dümmer kann Politik sie machen.“ In der Politik komme es weniger auf die Fakten an als darauf, was man über diese Fakten zu wissen glaube.

        Die Forschungen des deutschen Medienwissenschaftlers Werner Früh kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Im Jahr 1991 hat Früh 223 Personen einen Zeitungsartikel vorgelegt und sie danach in verschiedenen zeitlichen Abständen zum Inhalt des Artikels befragt. Ergebnis: Schon eine Woche, nachdem die Probanden den Artikel gelesen hatten, erinnerten sie sich zu 41 Prozent an Inhalte, die in dem Artikel überhaupt nicht auftauchten, sondern aus Gesprächen über das Thema oder anderen Quellen stammten.

        Dan Kahan nannte das Phänomen Identity-Protective Cognition: Um seine Identität zu beschützen, hat der Mensch eine selektive Wahrnehmung entwickelt, die vor allem das für bare Münze nimmt, was seiner eigenen Weltanschauung entspricht. Das ist nicht nur für Wissenschaftler und Journalisten ein deprimierender Befund, sondern auch für die demokratische Auseinandersetzung: Für eine Partei spielt es kaum eine Rolle, ob sie bei konkreten Streitthemen wie dem Klimawandel, dem Umgang mit der Globalisierung oder dem Mindestlohn die besseren, belastbareren Konzepte vorweisen kann. Entscheidend ist das private Umfeld der Wähler: Blut ist dicker als Wasser und das Hemd sitzt einem näher als die Hose. Kurz, niemand streitet sich gern mit seinen Freunden, Kollegen oder Eltern. In politischen Fragen herrschen auch in unserem angeblich aufgeklärten Zeitalter noch immer Stammeshierarchien und Lokalpatriotismus.

        Schauen Sie sich bloß – ein grelles Beweis- und Lehrstück für das gerade Gesagte – die Konfrontation zwischen dem VCD und des Freiherrn von Estorffs Bürgerbündnis Nordheide e.V. an, welches die Bürgerinitiativen aus Stelle / Ashausen, Scharmbeck / Grevelau, Pattensen, Wulfsen, Toppenstedt, Roydorf, Luhdorf, Bahlburg, Vierhöfen, Salzhausen / Luhmühlen, Raven / Putensen, Südergellersen, Betzendorf und Barnstedt hinter sich versammelt, aber die BI aus Deutsch Evern, die aus geographischen Gründen anders gewichtet, natürlich nicht: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/309160-verkehrsclub-deutschland-alpha-draengt-gueter-auf-die-strasse#comment-65610

        • Mit Chinas Außenhandel geht es weiter steil bergab. Wie die Zollverwaltung in Peking mitteilte, sanken die Ausfuhren im Vergleich zum Februar des Vorjahres um 20,6 Prozent ? so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.
          ob diese tatsachen für den vcd relevant sind? ob der hamburger hafen daraus seine konsequenzen zieht? ob die elbvertiefung trotzdem kommen soll? ob die a39 trotzdem gebaut werden soll? ob es neue bahntrassen geben soll, trotz sinkender produktion weltweit? ob das schiffshebewerk unbedingt vergrößert werden soll? den beton und stahlbauern in der politik sollte man mal den hintern lüften. das wachstumsgefasel wird demnächst schneller beendet sein, als uns alle lieb sein wird.

  11. In Siegfried Lenz´ nachgelassenem Roman „Überläufer“ sagt des Soldaten Walter Proskas Kamerad aus Oberschlesien: „Krieg ist immer komisch. Keiner weiß, ob Leben ist Glick oder Unglick. Einer sucht Kugel und findet sie nicht, und anderer sucht keine Kugel und kriegt sie gebrannt auf Pelz. Krieg ist Iberraschung.“

    Lokalpolitik, wie wir letzten Donerstag gelernt haben, auch.

    Und zusätzlich dann noch diese sich in der Not rückstandslos auflösenden Parteifreundschaften – wer soll das alles eigentlich ohne Sedativum ertragen?

  12. Es lebte einmal ein Frosch in einem kleinen Teich. Er war natürlich nicht der einzige Frosch dort, doch fühlte er sich unter diesen glitschigen Amphibien geradezu einzigartig. Stolz watschelte er auf seinen stämmigen Froschschenkeln durch das modrige Gras am Rande des Tümpels und erzählte jedem, ob er es nun hören wollte oder nicht, dass er etwas ganz Besonderes wäre. Man hätte es nur noch nicht erkannt und langsam habe er auch die Hoffnung aufgegeben, dass das dumme Froschvolk dieses Tümpels bemerken würde, wie außergewöhnlich er sei. Die anderen Frösche schüttelten nur verwundert über diese Rede ihr pickeliges Haupt, wendeten sich ab und ignorierten ihn fortan.

    Das machte den Frosch wütend und er beschloss sich eine neue Heimat zu suchen. Mühselig hüpfte er durch den hohen Farn und das weiche Moos bis an das Ende des kleinen Wäldchens. Der Frosch fluchte vor sich hin, eine Frechheit wäre es, ihn, den ganz besonderen Frosch nicht anzuerkennen und dadurch zu zwingen, diese beschwerliche Reise ins Ungewisse auf sich nehmen zu müssen.
    Nach einer langen Weile erreichte er endlich eine Wiese. Auf dieser Wiese lebte eine Schar Gänse. Sie watschelten, ähnlich dem Frosch durch das Gras und schnatterten unaufhörlich vor sich hin. Als sie den ziemlich korpulenten, grünen, glitschigen Burschen entdeckten, verstummten sie verwundert.

    Meine Damen, darf ich mich Ihnen vorstellen: Ich bin es, der besondere, außergewöhnliche Frosch. Meine Heimat musste ich verlassen und hoffe doch, dass ich bei Ihnen endlich die Anerkennung finde, die mir seit Geburt zusteht.
    Die Gänse hatten niemals eine solche Rede gehört und waren ziemlich beeindruckt. Aufgeregt applaudierten sie, indem sie ihre Schwingen vor dem dicken Federbauch zusammenschlugen.

    Von diesem Tage an saß der Frosch, umringt von seiner Gänseschar und quakte, was das Zeug hielt. Manchmal konnte mal den Frosch allerdings kaum verstehen, so laut zischelten und schnatterten die Gänse vor Begeisterung zurück.

    Eines Tages, als der Frosch gerade wieder so schön im Mittelpunkt seiner Gänse saß und besonders laut quakte, sah er ein Paar rote, dünne Beine vor sich stehen. Als er seinen Kopf in den Nacken legte, um zu sehen, was sich am Ende dieser langen Dinger befand, schaute er in die schwarzen Knopfaugen einer Störchin. Ihr spitzer Schnabel zeigte direkt auf seinen dicken Froschleib.

    Guten Tag, Verehrteste, ich bin der Herr dieser Wiese. Darf ich Ihnen meine Anhängerschar vorstellen, lauter Gänse, die wissen, wer etwas zu erzählen hat.
    Die Störchin neigte den Kopf und sprach mit sanfter Stimme: Dann sollte ich wohl auch mein Haupt vor Ihnen neigen und meinen Schnabel an Ihr erlauchtes Froschmaul bringen, damit ich Sie besser verstehen kann.
    Zufrieden schloss der Frosch die Augen und bemerkte nicht einmal, wie sich zwei scharfe Schnabelteile öffneten und ihn mit einem Happs verschlangen…

    • Lothar Frohwein

      @ Melusine

      Krawehl, krawehl! Taubtrüber Ginst am Musenhain! Trübtauber Hain am Musenginst! Krawehl, krawehl!

    • cluedo
      es begab sich mal zu einer zeit, da war es usus , frösche und kröten über die strasse zu tragen. jetzt werden sie nun mal geschluckt, selbst die störchin ist perblex, sie fragt sich natürlich, wovon sie in der zukunft leben soll? wenn schon die eigene art anfängt sich gegenseitig zu fressen, was soll dann noch für eine störchin übrig bleiben?

      • übrigens, wie kann eine störchin perplex sein,nach dem sie ihre art gefressen hat?

  13. Wohin Andreas geht

    Vielleicht führt sein Weg doch wieder in die Literatur? Die Helden der Literatur sind ja seit langer Zeit schon Helden des Scheiterns. Die Macht benötigt den Dichter nicht mehr. Einstmals durfte er, wenn das Tuch vom neu errichteten Denkmal glitt oder wenn die Gladiatoren ins Stadion zogen, ein Loblied auf den ruhmreichen Lenker des Vaterlands anstimmen. Und wenn er die falschen Worte wählte, jagte ihn der Mächtige davon. So erzählt Christoph Ransmayr in seinem Roman Die letzte Welt das Schicksal Ovids.

    Wann immer sich die Dichter vom Zwang zum Herrscherlob und von der Zensur zu befreien vermochten, haben sie den Unterlegenen, den Verlierern ein Denkmal gesetzt. Ob Emma Bovary oder Werther, Oblomow oder Kapitän Ahab, Effi Briest oder Franz Biberkopf: Überall hören wir das Requiem des Scheiterns. Das Unglück ist für die Literatur ergiebiger als das Glück. Der rechtschaffene Kohlhaas beruft sich auf sein Recht – und verfehlt es, indem er es absolut setzt. Von ihm sagt Kleist: „Die Welt würde sein Andenken haben segnen müssen, wenn er in seiner Tugend nicht ausgeschweift hätte.“ Der ruchlose Raskolnikow (in Dostojewskijs Roman Schuld und Sühne) setzt sich über die geltenden Regeln hinweg, er beruft sich auf ein höheres Recht – und scheitert, weil er nicht ruchlos genug ist.

    Müssen wir in Andreas Meihsies einen Helden des Scheiterns erblicken? „Endzeitstimmung bei den Grünen“ lautete die Titelzeile der LZ am 17. Januar, „Meihsies erhält keinen Platz für Kommunalwahl“ die am 26. Februar. In seinem Aufsatz Die Helden des Rückzugs (1989), den er den Abwicklern der letzten Ideokratien des 20. Jahrhunderts widmete, darunter Gorbatschow, schrieb Hans Magnus Enzensberger: „Es war Clausewitz, der Klassiker des strategischen Denkens, der gezeigt hat, dass der Rückzug die schwierigste aller Operationen ist. Das gilt auch für die Politik. Das non plus ultra der Kunst des Möglichen besteht darin, eine unhaltbare Position zu räumen.“

    Die Unhaltbarkeit seiner Position hat außer Andreas Meihsies niemand so deutlich gesehen – vorher. Aber jetzt, nach der gewonnenen Niederlage, sehen wir, wie unhaltbar sie wahrhaftig ist. Er ist in der Tat, wie der Titel von Thomas Bernhards Roman lautet, Der Untergeher und als solcher ein Fall für die Literatur.

    Die Bereitschaft der Lüneburger Schriftsteller allerdings, ihm das letzte Geleit zu geben, scheint nicht sehr verbreitet. Hans-Herbert Jenckel immerhin deutete abgefeimte partnerschaftliche Intrigen oder sogar Beihilfe zur Enthauptung an, als er am 5. Februar fragte: „Treibt Lüneburgs SPD den Keil ins grüne Parteigefüge?“ Klaus Bruns hat in einem Gespräch gesagt: „Wir trommeln noch mal, und sei es, dass wir auch diesmal erst zu trommeln beginnen, wenn sich der Sargdeckel über dem rot-grünen Projekt zu schließen beginnt.“ Und Karheinz Fahrenwaldt und andere haben auf beunruhigende Konvergenzen von links- und rechtsextremer Ideologie hingewiesen, wie sie etwa schon damals in Lafontaines Chemnitzer Rede von den „Fremdarbeitern“ am 14. Juni 2005 zum Ausdruck gekommen sei. Recht haben sie, die Schriftsteller, aber eine vorbehaltlos emphatische Solidaritätsadresse wird man das nicht nennen wollen. Nicht wenige waren ja zuweilen Meihsies Gäste im Rathaus. Er habe immer gut zuhören können, berichteten einige.

    Es könnte aber auch sein, dass der Deckel unter allseitigem Schweigen zufällt, vielleicht begleitet von Gefühlen der Trauer und des Mitleids. Denn Verlieren allein genügt nicht. Meihsies´ Verhalten scheint von tiefer narzisstischer Kränkung gezeichnet. Um als Held des Scheiterns gelten zu können, hat er sich mit allzu vielen Vieldeutigkeiten umgeben. Will Meihsies über den verlorenen Listenplatz das verlorene Vertrauen wiedergewinnen, durch die Räumung einer unhaltbaren Position diese zurückerobern und aus der Niederlage einen Sieg machen? Diese Dialektik wirkt allzu schlaumeierisch. Weder rechtschaffen noch ruchlos, weder Kohlhaas noch Raskolnikow, sondern nur WendlandBräu aus Kussebode, das genügt nicht.

    Noch aber ist Meisies erst fast gescheitert, und es mag sein, dass sein Untergang im Herbstnebel an Größe gewinnt. Dann könnte aus ihm eine Romanfigur werden.

    LG, Hermann Kules

    • Müssen wir in Andreas Meihsies einen Helden des Scheiterns erblicken?
      müssen tun wir garnichts. andreas ist nicht gescheitert. jeder mensch hat ein ziel, ob er es sich ausgesucht hat, oder es ihm aufgebürdet wurde, ist da unerheblich. irgendwann ist so oder so schluss. ich finde, er ist weit gekommen. die frage ist nur, ist die politik so wichtig, dass man einen menschen danach beurteilen kann? zwänge verhindern vieles. beziehungen ermöglichen vieles. es gibt wichtigeres im leben, als politik. es ist ein spannendes hobby, deswegen haben wir ja auch keine berufspolitiker.

      • Ich glaube, Sie haben recht. „Der wahre Held ist immer ein Held aus Versehen. Sein Traum ist es, ein genauso ehrlicher Feigling zu sein wie alle anderen auch.“ Das hat Umberto Eco 1982 in einem Aufsatz in der italienischen Zeitung „La Repubblica“ geschrieben und ich denke, es trifft auf die Helden des Rückzugs und des Scheiterns ebenfalls zu. Die besondere, die außeralltägliche Leistung, die wir „Heldentat“ nennen, ist im Vollbringen genauso wie im Unterlassen fast immer etwas, das uns bloß passiert, vielmehr jedenfalls, als dass wir es gewollt oder beabsichtigt hätten. Ich schätze, zu neunundsiebzig Prozent ist das Heroische ein Zufallsresultat, zu zwanzig Prozent Zuschreibung von wunderwünschenden und anbetungsbedürftigen Außenstehenden und zu einem Prozent der aus Verzweiflung geborene Versuch eines Einzelnen, etwas zu tun, worauf er, wie er meint, in den Augen anderer stolz sein darf.

  14. Aus der LZ vom 5. März 2017

    Andreas Meihsies genießt sein Leben in der niedersächsischen Provinz

    Leipzig (dpa) – Der Schriftsteller Andreas Meihsies (56) empfindet das Leben auf dem Land wie in einer Wohngemeinschaft (WG). «Ich habe als Bürgermeister immer gern in WGs gewohnt», sagte er der «Leipziger Volkszeitung».

    «Es ist wie im Lüneburger Rathaus. Man teilt den Alltag und den Lebensraum, ohne eng befreundet sein zu müssen.» Diese Form des menschlichen Zusammenlebens genieße er sehr, sagte Meihsies, der selbst in einer Art Dörfli am Rande der Herderschule wohnt. Das Dorf sei für viele zum Sehnsuchtsort geworden.

    «Man sucht nach Heimat und einem Ruheort, während man Trockensträuße auf dem Kamin neu arrangiert.» In der niedersächsischen Provinz spielt auch Meihsies jüngster Roman «Unterparteileuten», der in der kommenden Woche erscheint.

    Quelle: http://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/aus-aller-welt/309238-juli-zeh-geniesst-ihr-leben-in-der-brandenburgischen-provinz-2

    • Sighard Neckel

      Ja, hallo Herr Bruns, kein Wunder, dass Lindner versucht, sich auf der «Fuck-up-night» zu vermarkten. Die FDP ist ja das Paradebeispiel parteipolitischen Scheiterns und der gescheiterte Unternehmer Lindner nicht umsonst ihr Vorsitzender. Was hat er denn noch anderes als den autosuggestiven Glaubensmythos, dass es, wenn man ganz unten ist, nur noch aufwärts gehen kann? Das erinnert in der Tat an den Kellerismus an der Leuphana, an der, wie in unserer Gesellschaft insgesamt, Erfolg zur Pflicht geworden zu sein scheint — und sei es auf Kosten von Bürgern in Stadt, Kreis und Land. Und wer scheitert, soll sein Scheitern möglichst erfolgreich bewältigen, um sofort den nächsten Anlauf zu nehmen. Das ist die Ideologie. Die Realität, das werden Sie selber wissen, sieht völlig anders aus. Wer sich beim Tischlern den Daumen absägt oder auf die Schnauze fällt und sich dabei die Schneidezähne ausschlägt, den werden Sie nur schwer davon überzeugen, dass dieses schmerzhafte Malheur eine wichtige Etappe auf dem Weg nach ganz oben darstellt, und wer, wie Herr Meihsies, sich nach einem Nackenschlag mit einem Paar neuer Laufschuhe von «Finn Comfort», «Salamander» oder «Mephisto» trösten muss und nicht, wie Herr Lindner, von seinen Freunden einen Porsche 911 vor die Tür gestellt bekommt, der wird wohl mit dem verblödenden, aber lifestyletrendigen Oberschwachsinn wenig anfangen können, welcher in «der Fähigkeit zum schönen Scheitern» die «wichtigste Vorbedingung, ja, die Garantie für den Erfolg in der Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts» sieht.

      Natürlich, Scheitern setzt Handeln voraus, und Handeln strebt nach Erfolg. Erfolg und Scheitern sind daher fest miteinander verbunden. Nur wo gehandelt wurde, kann man auch scheitern, an eigenen Zielen oder Ansprüchen, an widrigen Umständen, am Widerstand anderer Akteure und schliesslich auch an sich selbst. Je nachdem, worin jemand seine Ziele verfehlt, sprechen wir von Misserfolg oder Misslingen, wenn ein Scheitern sich hinsichtlich einer Sache vollzieht; von Niederlagen, wenn das Scheitern den negativen Ausgang eines Wettstreits betrifft; von Versagen, wenn ein Scheitern als selbstverschuldet charakterisiert werden soll.

      Gleichwohl hebt sich Scheitern vom einfachen Misslingen gravierend ab. «Scheitern» entstammt der nautischen Welt und geht auf das «Zerscheitern» eines Schiffes zurück, das an einem Felsen zerbirst und in einzelne Holzscheite zerfällt. Das auf diese Weise «gescheiterte» Schiff löst sich in seine Bestandteile auf und ist unwiederbringlich verloren. – Im Unterschied zu blossen Misserfolgen, die demnächst wieder korrigiert werden könnten, steht beim Scheitern infrage, ob es überhaupt weitergeht, nachdem das Schiff des Lebens auf Grund gelaufen ist. Lebenspraktisch nimmt die Dramatik des Scheiterns dabei zumeist unterschiedliche Intensitätsgrade an. Wer bestimmte Handlungsziele verfehlt, wird mit einzelnen Fehlschlägen konfrontiert. Die geplante Karriere dahin, die Ehe zerrüttet, das Eigenheim unter dem Hammer. Scheitern heisst dann, dass in bestimmten Sinnbereichen des Lebens die Handlungsmöglichkeiten enden.

      Doch solange überhaupt noch gehandelt werden kann, bleibt Scheitern nur auf einzelne Lebensinhalte bezogen und häufig auch zeitlich begrenzt. Anders jedoch, wenn ein Scheitern das Ende aller Handlungsmöglichkeiten bezeichnet und man in eine Lebenslage gerät, die keine Anschlüsse mehr kennt und jedes Handeln unmöglich macht. Dies geschieht typischerweise, wenn mehrere Fehlschläge zusammenkommen und zu einem persönlichen Niedergang und einer Lebenskrise führen, aus der man alleine und vielleicht selbst mit Hilfe anderer nicht mehr herausfinden kann.

      Dieses absolute Scheitern, das nicht limitiert ist durch Kontinuitäten in anderen Lebensbereichen, löst nicht nur alle Handlungspläne in nichts auf, sondern lässt auch die Person des Scheiternden selbst grössten Schaden nehmen. Wer so scheitert, wird in jeder Hinsicht auf null gesetzt. In der Sachdimension des Handelns fehlen alle Mittel und Ressourcen, um noch irgendein eigenes Ziel in Angriff nehmen zu können. In der Zeitdimension ist dem Scheiternden der Handlungshorizont abhandengekommen – alles wird kontingent. In der Sozialdimension führt es zu einer zunehmenden Isolation, und in der Sinndimension des Handelns tritt ein persönlicher Bedeutungsverlust ein, da nichts im eigenen Leben noch die Wertigkeit hat, die ihm einst zugemessen wurde.

      Handlungsunfähigkeit, fehlende Anschlüsse und Sinnverlust sind die wichtigsten Merkmale des Scheiterns, wenn es als absoluter Endpunkt eintritt. Es stellt die ganze Identität einer Person infrage und am Ende nicht selten die Person selbst, die psychisch und physisch zunehmend verfällt. Derartiges Scheitern scheint uns eine existenzielle Erfahrung zu sein, die verschiedenste Kulturkreise und geschichtliche Zeiten umfasst. Doch bedarf es gewisser historischer Voraussetzungen, um Scheitern wie heute als Zusammenbruch einer Biografie zu empfinden.

      Vor dem Anbruch der Moderne wurde Scheitern kaum als persönliches Versagen oder als Misslingen individueller Handlungspläne begriffen. Die Geschicke des Lebens schienen dem kollektiven Bewusstsein nicht verfügbar zu sein. Wem durch Stand, Glaube oder Geschlecht der Platz im Leben unabänderlich zugewiesen wurde, der vermochte keine Ambitionen zu entwickeln, an denen er oder sie scheitern konnte. Erst in der Moderne entwerfen sich Erwartungen und Pläne in eine noch unbekannte Zukunft hinein, die durch eigenes Tun handelnd erreicht werden soll. Und erst durch diese Öffnung in das Unbekannte entsteht die Gefahr, durch Verfehlen seiner Ziele sich selbst zur Enttäuschung zu werden.

      Auch erlebt niemand sein Scheitern als ein überzeitliches Phänomen oder so, als ob sich die anthropologische Konstante des Misslingens rein zufällig die eigene Person ausgesucht hätte. Anlässe, Folgen und Bewertungen des Scheiterns sind stets von konkreten Umständen geprägt, die keine Universalien sind. Auch der Gegenpol des Scheiterns – das erfolgreiche Handeln, schlichtweg: der Erfolg – ist keine Kategorie von zeitlos gleicher Gültigkeit. In der modernen Gesellschaft hat Erfolg eine allgemeine Kulturbedeutung angenommen, als eine Art Pflicht, will man mit gesellschaftlicher Anerkennung rechnen. Kaum je ist es so alltäglich geworden, sich beruflich oder privat gegenseitig Erfolgsbilanzen zu präsentieren, um die Wertigkeit des eigenen Selbst zu betonen und den persönlichen Vorrang zu unterstreichen.

      Doch Erfolg und Scheitern bedingen einander und steigern sich gegenseitig. Je süchtiger eine Gesellschaft nach dem Erfolg greift, umso mehr Konkurrenten wetteifern um ihn, was in der Folge eine zunehmende Anzahl von Akteuren leer ausgehen lässt. Je grossartiger Erfolge aufzutrumpfen versuchen und je bedeutsamer sie für den gesellschaftlichen Status sind, umso deprimierender der Misserfolg, mit dem sich ein persönliches Scheitern ankündigen kann.

      Die entscheidende Ursache hierfür liegt in der Herausbildung einer modernen Wettbewerbsgesellschaft. Einander im Modus des Wettbewerbs zu begegnen und andere wie sich selbst im Hinblick auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu bewerten, ist mittlerweile zu einer alltäglichen Praxis geworden. Die zeitlichen Abstände, in denen sich Personen beruflichen Wettbewerben ausgesetzt sehen, haben sich erheblich verkürzt. Wer beim erfolgreichen Eintritt in eine berufliche Position bisher eine gewisse Sicherheit erlangt hatte, sieht sich heute nach kurzer Zeit wieder zur Disposition gestellt. Im Wettbewerb erreichte Positionen werden viel seltener dauerhaft, sondern müssen immer wieder aufs Neue erkämpft werden. Im Arbeitsleben schlägt sich der zunehmende Wettbewerbsdruck in engmaschigen Leistungs- und Erfolgskontrollen nieder, die den Einzelnen dem Gefühl ständiger Bewährungsproben aussetzen und damit auch der anhaltenden Gefahr des Scheiterns.

      Wettbewerbe sind Ausscheidungskämpfe und daher notwendigerweise damit verbunden, dass sie Verlierer produzieren. Besonders zahlreiche Verlierer werden erzeugt, wenn die Gewinne allein denjenigen zufallen, die sich am erfolgreichsten durchsetzen konnten, während viele vollkommen leer ausgehen. Märkte, auf denen die Gewinner alles bekommen, werden von einer Konkurrenz beherrscht, die geradezu eine grosse Zahl von Verlierern erzwingt. Weil in der heutigen Gesellschaft mehr und mehr allein Marktregeln regieren, werden auch Sozialschichten den Risiken von Wettbewerben ausgesetzt, die sich früher noch vergleichsweise sicher fühlen konnten. Dies ist der Grund für die stetig wachsende Zahl jener, die vom Scheitern bedroht sind oder zumindest fürchten müssen zu scheitern, wenn sie die Bewährungsproben der Märkte nicht sicher bestehen.

      Der Fluchtpunkt aller Wettbewerbe ist der Erfolg, das heisst das Sichdurchsetzen gegenüber Konkurrenten, wodurch sich gesellschaftliche Vorteile einstellen sollen. Zur ostentativen Sichtbarkeit von Erfolgen tragen ungewollt die Erfolglosen bei, weil nur im Vergleich mit den Gescheiterten Erfolg eine besonders starke Unterscheidung ausdrückt und triumphale Züge annehmen kann. Nicht verwunderlich ist, dass in einer solchen Kultur des Erfolgs das Scheitern zum Stigma wird und zu einer seelischen Last. Scheitern fällt auf das eigene Selbst zurück, für das in der Wettbewerbsgesellschaft das Prinzip der Eigenverantwortung gilt. Dadurch verbindet sich Scheitern mit dem Gefühl individuellen Versagens und der Scham darüber, nicht gut genug gewesen zu sein, sich überschätzt zu haben, persönliche Defizite aufzuweisen.

      Die moderne Pflicht zum Erfolg holt daher am Ende noch ihren Gegenpart ein, und so kandidiert heute das Scheitern selber dafür, erfolgreich bewältigt zu werden. Unter den drei Varianten des Scheiterns, die wir gegenwärtig beobachten können, ist mithin jene die auffälligste, die sich als die heroische Version des Scheiterns bezeichnen lässt. Ihre Losung lautet «Scheitern als Chance» oder – wie jüngst ein Coaching-Seminar in Frankfurt ankündigte – «Scheitern als Kraft auf dem Weg zu Wachstum, Aufbruch und Erneuerung».

      In seiner heroischen Variante gilt Scheitern «als Voraussetzung für künftige Erfolge», wie dies im Wirtschaftsmagazin «Brand eins» hiess, das dem Scheitern unlängst ein ganzes Heft gewidmet hat. Scheitern, so kann man hier lesen, sei ein «unverzichtbares Momentum für den Erfolg» und wichtiges Element einer «Gründer-Kultur», weil Wagnis und Risiko zur DNA der Marktwirtschaft gehörten. Auch dürfe Scheitern kein Makel sein, weshalb wir eine «Kultur des Scheiterns» brauchten. Damit ist in der Regel allein das unternehmerische Risiko gemeint, das durch die heutigen Insolvenzregeln und betriebliche Rechtsformen vergleichsweise abgesichert ist.

      Scheitern nimmt sich hier als Leistungsnachweis aus, als kathartische Etappe auf dem Weg zum Erfolg. Und wenn es am Ende trotzdem nicht klappen sollte, steht das verwandte Sinnmuster des tragischen Scheiterns bereit, das schicksalsträchtig vorgibt, an einer Aufgabe verzweifelt zu sein, die niemand bewältigen könne.

      Eine weitere Sinnvariante des Scheiterns stellt die ironische Weise dar, mit dem eigenen Schiffbruch umzugehen. Hier lautet die Losung «schöner scheitern», womit die persönliche Erfolglosigkeit zur Lebenskunst weiterentwickelt werden soll. Verstärkt durch eine kulturelle Strömung, die die Kunst des Verlierens entdeckt, nimmt der notorische Pechvogel so etwas wie einen Kultstatus ein. Dessen cineastische Ikone im zeitgenössischen deutschen Film ist etwa der Ostberliner «Wendeverlierer» Jaeckie Zucker, den Dani Levy 2004 in seiner Komödie «Alles auf Zucker!» in Szene gesetzt hat. Eine Kultstätte des ironischen Scheiterns ist bis heute der «Club der polnischen Versager», der in der Berliner Ackerstrasse beheimatet ist.

      Der ironische Entwurf des Scheiterns entlastet die eigene Person dadurch von Vorwürfen, dass die Ursache von Fehlschlägen in der Kontingenz des Lebens selbst gesucht wird, die nicht nur jeden treffen kann, sondern auch Abenteuer verspricht. Indem das «schöner scheitern» das gesellschaftliche Erfolgsprogramm gleichsam als eine umgekehrte Sinnvariante zelebriert, legt es aber andererseits Zeugnis davon ab, wie stark es an die Pflicht zum Erfolg doch selber gebunden ist.

      Die dritte Variante des Scheiterns schliesslich ist jene, von der in der deutschen Gegenwartsliteratur etwa Thomas Melles Roman «3000 Euro» erzählt. Er hat den Absturz eines verschuldeten Ex-Jurastudenten zum Thema, der schliesslich in der Obdachlosigkeit landet. Merkmal dieses profanen Scheiterns ist es, gerade keine Losung vor sich hertragen zu können, ja häufig kaum erzählbar zu sein – es sei denn in einem eindringlichen Roman. In «3000 Euro» berichtet der Protagonist: «Es gibt keine Ereignisse mehr, es gibt nur noch Folgen in meinem Leben, und Folgen von Folgen von Folgen, die das Leben ins Unerträgliche verzinsen.» Was hier zum Ausdruck gebracht wird, ist Scheitern als vollkommenes Fehlen von Anschlussfähigkeit; das frühere Leben findet keine Fortsetzung mehr, weil es von den «Folgen von Folgen von Folgen» restlos aufgezehrt wurde.

      In krassem Gegensatz zum Versuch, Scheitern als Innovationsmotor der Wettbewerbsgesellschaft darzustellen und in einen Wertbeweis der Leistungsgesellschaft umzudeuten, ist hier ein absoluter Nullpunkt völliger Handlungsunfähigkeit erreicht. Eine solche Erfahrung eignet sich weder für Heroismus noch für Ironie. Da solches Scheitern zudem häufig schleichend einsetzt, vergleichsweise banale Vorfälle plötzlich bedrohliche Konsequenzen nach sich ziehen, kleine Fehler grosse Auswirkungen haben, gibt das banale Scheitern keinen Stoff für erbauliche oder unterhaltsame Geschichten ab. Gerade die Trivialität der Umstände des Scheiterns lässt den Scheiternden häufig ratlos bei der Frage nach den Ursachen zurück, die ihn am Ende immer nur wieder mit sich selbst und dem eigenen Versagen konfrontiert.

      Inmitten einer Kultur des Erfolgs, die noch das Gegenteil des Erfolgs für sich zu verwerten versucht, nimmt der profane, alltägliche, sensationslose Niedergang die paradoxe Gestalt einer erfolglosen Form des Scheiterns an, eines Scheiterns am Scheitern, für das es kaum eine Erzählung, kaum eine Öffentlichkeit, kaum eine Entschuldigung und kaum eine Nachsicht gibt.

      • Sighard Neckel
        guter beitrag.
        ist scheitern vielleicht gar nicht so unwichtig? sollte es zum leben gehören? wie geht die gesellschaft damit um? loser, sind die akzeptiert? wenn sie aus einem bestimmten millieu kommen ,ja. wehe aber nicht.

      • Herr Neckel, Sie scheitern doch schon daran ihre vermeidlichen und offensichtlich dünnen Erkenntnisse in einem, meinetwegen auch zwei Sätzen zum Ausdruck zu bringen. Im übrigen ist jemand (auch in einer Kultur des Erfolgs), der noch dem Gegenteil von Erfolg, also den Misserfolg, zu verwerten sucht jemand, der dazu gelernt hat und dies auch gerne mitteilen darf.
        Herr Bruns loser jeglicher Couleur sind durchaus akzeptiert, sie müssen sich halt nur wieder aufraffen und dazulernen. Also nicht liegen bleiben oder ständig den gleichen Fehler machen.

        • Wolfgang Hartwich

          Hallo Peter,

          wenn ich den sehr gut durchdachten und – nach meinem Dafürhalten – um keine Silbe zu langen Text von Professor Neckel aus Hamburg richtig verstanden habe, geht es ihm nicht darum, das notwendige und unvermeidliche Lernen (aus Erfahrungen) zu diskreditieren, sondern die destruktive und zuweilen höhnische Seite des gewaltigen Drucks zu kennzeichnen, welche der Verantwortung „delegierenden“, nämlich auf die Betroffenen abwälzenden sogenannten „KULTUR des Erfolgs“ AUCH eigen ist. Ihre herablassenden Ansichten über Verlierer oder „Loser jeglicher Couleur“, die Sie, wie Sie schreiben, „durchaus akzeptieren“, Peter, aber nur, wenn sie „sich halt wieder aufraffen und dazulernen“, sollten Sie vielleicht nicht nur einmal mit Herrn Meihsies im Detail besprechen, der Ihnen nach dreißig langen Jahren aufreibenden politischen Arbeitens für alle Lüneburger (und die meiste Zeit davon im „Ehrenamt“) sicher einiges dazu sagen könnte, sondern gerade Ihre behämmerte Floskel vom „nicht liegen bleiben oder ständig den gleichen Fehler machen“ und dem, was daraus folgt, sollten Sie unbedingt auch einmal einem 58jährigen Pickenpack-Arbeiter mit Frau und drei Kindern darlegen, der Ende letzten Jahres seinen Job verloren hat, weil das Management plötzlich woanders pickenpacken lassen möchte — oder, Peter, Sie halten mal eine Rede unter den vielen tausend VW-Beschäftigten im Alter um die Fünfzig in Wolfsburg, die große – und vermutlich nur allzu berechtigte – Sorge haben, wegen der ungeheuerlichen Betrügereien ihres bonus- und prämienfixierten Spitzenmanagements und der aus diesem Betrug folgenden Absatz- und Liquiditätseinbrüche in hundert Milliarden-Euro-Dimensionen demnächst ihren Arbeitsplatz zu verlieren, ohne jede Aussicht, wieder einen neuen zu finden.

          Und dann, Peter, wenn Sie mit diesen Menschen zu einem rationalen Einvernehmen über eine humane „Kultur des Erfolgs und des schönen Scheiterns“ gelangt sind, dann können Sie, Peter, sich — vielleicht — hinstellen und uns erzählen wie das mit Herrn Lindner war, als der innerhalb eines Jahres um die Jahrtausendwende zwei Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau geliehenes „Risikokapital“ verbrannt hat, um sich anschließend seiner Parteikarriere im Landtag von NRW zuzuwenden.

        • Peter
          das fdp-anhänger auch unter wahrnehmungsstörungen leiden können, ist mir nicht neu. die monstranz der fdp , jeder ist seines glückes schmied, ist einfach nicht tot zu kriegen, obwohl studien der oecd schon längst das gegenteil bewiesen haben. es gibt kein land, wo die herkunft wichtiger ist, zumindest in den oecd staaten, als wie in deutschland. wenn sie dazu noch eine frau sind, bekommen sie das schmieden besonders stark mit. mit dem aufstehen ist das immer so eine sache. wenn man ihn lässt, ala höneß, wird es schon klappen.

  15. @ hh jenckel

    Wird nun schon über arme, geschundene und gescheiterte Politiker hier diskutiert? Warum nicht auch über unzählige, die ebenfalls die Arbeit verloren haben und an der Existenzgrenze leben mit Kindern, die Weihnachten keinen PC oder Iphone bekommen?
    Oder sind nur die armen Beamten zu bemitleiden?

    • Pia
      welche beamte meinen sie? die polizisten, die gerade ständig ihren kopf wegen dumpfbacken hinhalten müssen? sie sollten genauer argumentieren. pauschal ist schon immer großer mist gewesen. und wo ist lindner geschunden? und wo ist er arm?

    • Hallo Pia,

      wenn man nicht alles durcheinanderrühren, sondern zu Ergebnissen kommen will, kann man immer nur über EIN Thema zur Zeit sprechen. Und diese Woche wird eben „über arme, geschundene und gescheiterte Politiker hier diskutiert“ UND NICHT über die vielen anderen Menschen, „die ebenfalls die Arbeit verloren haben und an der Existenzgrenze leben mit Kindern, die Weihnachten keinen PC oder Iphone bekommen“.

      DAMIT WIRD ABER NICHT GESAGT, dass dieses (Ihr) Thema weniger wichtig ist als jenes (von Herrn Jenckel). Es ist nur im Moment einfach nicht dran. Denken Sie an Ihre Schulzeit zurück. Da konnten Sie während der Rechenstunde auch nicht mit Ihrem Lehrer darüber debattieren, warum im Lukas-Evangelium (Lk 19,28 EU) auf den Fleh- oder Jubelruf „Hosianna“ oder „Hoschana“ (hebr.: הוֹשִׁיעָה נָּא) im Zusammenhang mit der Erzählung vom Einzug Christi auf dem Esel nach Jerusalem verzichtet worden ist, während die Formel „Hos(i)anna dem Sohne Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“ in allen anderen Evangelien verwendet wird (so Mt 21,9 EU; mit ähnlichen Formulierungen Mk 11,9f EU und Joh 12,13 EU).

      Aber haben Sie gelesen, Pia? „Gastkommentare sind erwünscht“, betont Herr Jenckel ganz oben neben seinem Bild. Warum schreiben Sie, liebe Pia, nicht einfach unter Ihrem Geburtsnamen einen längeren, supersauber komponierten und pointierten Blog-Beitrag über das Thema Ihrer Wahl, der dann vielleicht – wie die Aufsätze von verschiedenen anderen Gastautoren bisher auch – als Meinungsartikel in der kommenden Woche zur Diskussion gestellt wird?

  16. Guten Morgen liebe Grüninnen und Grünlinge,
    nach den Massenrücktritten wegen des Meihsiesdebakels vor einer Woche.
    Leider haben wir Führungs-Grünen gegenwärtig keine Zeit für ökologischen Kleinkram, denn bei uns läuft zur Zeit die Aktion „Pensionssicherung und Pöstchenschieberei“, die in ihrer Bedeutung – jedenfalls für einige grüne Führungsfiguren – nicht weniger wichtig ist, als Weltklimarat und die Probleme der Massentierhaltung.
    Ich möchte zunächst erklären, warum ein solcher Ansturm verdienter und nachstrebender Grünlinge und Grüninnen auf die wenigen vakanten Posten stattfindet, der einige Aussenstehende verwirren könnte:
    Nach einem langen und aufreibenden Leben in der – und für die – grüne(n) Politik, insbesondere also die sogenannten Gründungsgrünlinge und –grüninnen, steht, nach dem nun bevorstehenden Generationswechsel – die Gruppe 40+ will verständlicherweise auch mal an die Futtertröge – die finanzielle Absicherung der Alt-Grünen für den Herbst des Lebens an.
    Verständlich auch dass diese, um das Gemeinwohl lange so besorgten Grüninnen und Grüne, aus den Bereichen Realo, Fundi, Linke und anderweitige nicht genannte Strömungen, im Alter ihre Häuser nicht mit Ikea-Möbeln einrichten, und am Hungertuche nagen wollen.
    Aber nicht alle verdienten Grünlinge und Grüninnen können kurz vor dem Abtritt in den Schaukelstuhl noch zum Industrie-Klinkenputzer mutieren. Für diese steht daher eine Pöstchenzuteilung an.
    Die Wahl am 11.09.16 hätte den Vorteil, dass dann in der Rathaus-Kantine ein Veggie-Day eingeführt werden könnte, was benachbarten Restaurants, wo Fleischgerichte angeboten werden einigen Zulauf bescheren dürfte.

    Herzlichst
    Grüninnen und Grüne Finken

  17. Letzte Meldung

    Nach einer Tasse grünem Tee der Geschmacksrichtung „Innere Kraft“ hat vorhin ein 55jähriger Greis am Ochtmisser Kirchsteig versehentlich eine tausendjährige Eiche umgerempelt. Der Baum wurde notärztlich versorgt und ist nun wieder wohlauf.

  18. http://www.jetzt.de/was-ist-rechts/rechte-in-deutschland-pegida-afd-neonazis
    sehr zun empfehlen. besonders für biedermänner. haben wir hier welche?

    • Haben Sie gelesen, Herr Bruns? Gespickt mit einer Fülle von subtilsten Anspielungen und gezielten Seitenhieben hat Lokalredaktor Alexander Hempelmann gestern eine deftig sarkastische Nachbetrachtung auf den Fall Andreas Meihsies lanciert. Allein die Überschrift ist von kaum überbietbarer Bosheit, denn mit der Frage, was der geschasste Fraktionsboss hinterlässt, markiert der Titel implizit die politischen Konzepte aller im Stadtrat vertretenen Parteien als ungenügend: »Ochtmisser Kirchsteig: Lüneburgs nächste Sackgasse«. Wohlgemerkt: »NÄCHSTE Sackgasse«! In der Einganszeile dieser unerschrockenen Abrechnung mit gemeinen Ränkespielen aller Art wird von Hempelmann dann noch einmal die unerwartete Plötzlichkeit des Theatercoups hervorgehoben: »Die nächste (!!) Baustelle kam überraschend. Vor allem für die Anwohner des Ochtmisser Kirchsteigs, die nicht darüber informiert worden waren, dass direkt vor ihrer Haustür gearbeitet wird.« Begreifen Sie, Herr Bruns? »… überraschend für die, die nicht darüber informiert worden waren, dass DIREKT VOR IHRER HAUSTÜR gearbeitet wird.« Ist das nicht magenbitterer Humor und harpunenspitze Ironie vom Allerfeinsten? Und natürlich »kamen die (Meihsies und seine Freunde) mit ihren Autos ( = ihren üblichen Routinen) zeitweise plötzlich nicht mehr rein oder raus«. Nicht mehr »Rein- oder Rauskommen« und nicht mehr »ein-oder-aus-Wissen«, wie nah ist das doch oftmals beieinander! Die Ausweglosigkeit der Situation bei den Grünen wird für meinen Geschmack vom LZ-Redaktor fast ein bisschen zu sehr betont, wenn es dann noch heißt: »Zwischen der Herderschule und dem Kreisel Bei Mönchsgarten wird der Kirchsteig aus beiden Richtungen zur Sackgasse«, aber wunderbar zart ist wiederum Hempelmanns Hinweis auf das lange Zaudern und mehrmale Zurückschrecken vor der offenen Revolte gegen das absolutistische Zentralregiment von König Meihsies und Kardinal Löb durch die innerparteilichen Frondeure: »Der genaue Termin für die Arbeiten habe zunächst nicht festgestanden und sei mehrmals wegen Frostgefahr verschoben worden«. Aha! Sofort steht einem der Jenkelsche Spott über die verhinderten, weil ohne Bahnsteigkarte zum Stürmen der Geleise nicht autorisierten Revolutionäre wieder vor Augen. Am Ende gibt der durchtriebene Autor dieser herrlichen Persiflage auf den engmaschig voranhäkelnden Wagemut noch den Sorgen von Sympathisanten, Bürgern und Wählern Ausdruck, »die befürchten, dass es im sensiblen Bereich am Rand des Senkungsgebietes«, welches Andreas Meihsies hinterlassen hat, zu weiteren Erschütterungen kommen könnte. Aber da kann sogar »AGL-Kanalchef Klaus Niemann« beruhigen: »Es sind keine Rammarbeiten nötig (…). Das Ganze passiert sehr vibrationsarm und nur mit Kleingeräten.« Auch Meihsies-Erbe Ulrich Blanck hatte ja schon hervorgehoben, man werde im Rat »Men at Work« sehen, die »Business as Usual« machen. Doch Lokalredaktor Alexander Hempelmann hat mit Blick auf Beschwichtigungen dieser Sorte noch eine letzte kleine Gemeinheit für Beobachter der politischen Szene parat. Auf eines habe man bei SPD und B90-Grünen merkwürdiger Weise nämlich verzichtet: »Gipsmarken, die andernorts Bewegungen im Untergrund dokumentieren sollen, seien nicht gesetzt worden.«

      Quelle: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/310000-ochtmisser-kirchsteig-lueneburgs-naechste-sackgasse

  19. Nicht zu glauben, liebe LüneGrüne!

    Astrologie und Homöopathie, Bachblüten und Schamanentrommeln, vitalisiertes Wasser und Vollmondabfüllungen von Biowein: an die Wirkmacht von derartigem Hokospokus glauben nach neuester Umfrage bereits 20 Prozent der Deutschen, also auch jeder fünfte der treudoofen Lüneburger.

    Fassungslos haben wir daraufhin das I-Ging geworfen, das Stäbchen-Orakel gezogen, die Tarotkarten gelegt, die Kabbala befragt und den Da-Vinci-Code entschlüsselt – aber auch alle Zeichen sagen: Die Statistik ist korrekt!

    Und die Mutter der Naiven eben immer schwanger.

    Schönen Gruß auch an den leuphanatischen Soziophoben und Sexualwissenschaftler Gunter Runkel, der für die freie Liebe zwischen naturbelassenem Volkskörper und neuheidnischem Primitivismus plädiert.

    EUer Götz-Dietmar Kroeger

  20. Ok, Andreas Meihsies kann im Herbst nicht mehr gewählt werden. Doch das ist kein Grund, ins Lager der Lügner zu wechseln, die nur ein Ziel haben: komfortable Pöstchen zu erreichen, mit welchen Mitteln auch immer.

    Bitte wählen Sie nicht die AfD.

    Und zwar nicht meiner Überzeugung wegen, sondern Ihrer eigenen politischen Haltung wegen. Die AfD ist nämlich – allein aus Ihrer Sicht gesprochen – eine politische Mogelpackung, deren Wahl Sie bereuen werden. Wählen Sie besser irgendeine andere Partei oder keine.

    Ich habe die AfD intensiv analysiert. Meine erste Erkenntnis scheint überraschend: die AfD ist eine Internetpartei. Wenn auch anders, als man diesen Begriff zu Zeiten der Piratenpartei interpretierte. Man erkennt das zum Beispiel daran, dass die AfD die meisten Facebook-Fans aller deutschen Parteien hat. In erstaunlicher Größenordnung: mit rund 242.000 Fans hat sie mehr als CDU (102.000), SPD (98.000) und FPD (41.000) zusammengenommen (Stand: 8. März). Ihr fehlten beim Aufbau Strukturen und Mittel klassischer Parteien, deshalb hat sie sich des nächstliegenden, preiswertesten Mittels bedient: des Internets. Weil die AfD eine Internetpartei ist, kann man Denkweisen und Argumentationsstrukturen der Sympathisanten und Funktionäre viel besser über soziale Medien kennenlernen als bei anderen Parteien. Das habe ich in den letzten Monaten getan.

    Dabei habe ich etwas erkannt, das Sie interessieren sollte, ob Sie meine politische Haltung (linksliberaldemokratisch) teilen oder nicht: Die AfD benutzt Sie. Sie nutzt Sie für Ihre Zwecke aus, für den Machtgewinn. Die AfD tut, als sei sie Protestpartei, sie sucht sich die emotionalsten Felder aus, weil dort am einfachsten Stimmen zu gewinnen sind. Deshalb ist sie vom Anti-Euro-Zug auf den Anti-Flüchtlingszug aufgesprungen. An Protest ist nichts grundsätzlich Schlechtes. Aber Protest nur zum Zweck des Machtgewinns ist kein Protest, sondern Pose. Wenn demnächst eine Anti-Mond-Bewegung aufkäme, die AfD würde die sofortige Sprengung des Monds fordern. Unabhängig davon, ob das überhaupt möglich ist. Um die Stimmen der Mondgegner abzusahnen. Schauen Sie selbst.

    Soeben ist eine Mail der Parteivorsitzenden Frauke Petry geleakt worden. Darin erklärt sie in Form einer internen Anweisung an ihre Parteikader: „Um sich medial Gehör zu verschaffen, sind daher pointierte, teilweise provokante Aussagen unerlässlich. Sie erst räumen uns die notwendige Aufmerksamkeit und das mediale Zeitfenster ein…“ Sie wissen, was das im Klartext heißt: Frau Petry bittet hinter den Kulissen darum, in der Öffentlichkeit die überspitzte Unwahrheit zu sagen, um mehr Raum in den Medien und damit im Wahlkampf zu bekommen.

    Das kennen Sie. Sie kennen diese Strategie von CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen, Linkspartei. Diese Art der Kommunikation, laut vorzupreschen und dann wieder halb zurückzurudern, und sie ist Ihnen zuwider. Die AfD sieht in Ihnen sogar noch mehr das „Wahlvieh“ als die herkömmlichen Parteien. Denn sie ist noch dringender angewiesen auf neue Posten in den Parlamenten. Dabei ist schon die Anrechtsattitüde der älteren Parteien („Uns stehen Parlamentssitze zu!“) schwer zu ertragen, oft auch für mich. Lassen Sie mich daher nicht über die Unterschiede zwischen uns (Frisur, politische Haltung) sprechen, sondern über unsere Gemeinsamkeiten.

    Zum Beispiel eine gewisse Enttäuschung, was die heutige Politik angeht. Nehmen wir das Freihandelsabkommen TTIP. Sie werden lachen, ich bin gar nicht gegen ein Freihandelsabkommen, ich halte internationalen Handel für wichtig – aber die Art und Weise, wie dieses Abkommen intransparent verhandelt wird, erzeugt Zorn. Darin sind wir uns einig, man wird das Gefühl nicht los, dass ein Teil der Politik nach dem Motto des preußischen Innenministers Gustav von Rochow funktioniert: „Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.“

    Vielleicht ist es gar kein Zufall, dass AfD-Vorstand Gauland so sehr von Preußen schwärmt und alles daran setzt, Teil der Obrigkeit zu werden. Dieses Gefühl, irgendwie nur „Untertan“ zu sein, das ist für mündige Bürger schwer erträglich. Das sehe ich. Aber genau dagegen ist die AfD gar kein Mittel. Sie ist eine Partei, die auf Facebook Ihre „Likes“ abschöpft, die Ihnen nach dem Mund redet, um gutbezahlte Parlamentsjobs zu ergattern. Achten Sie mal darauf, wie oft Vertreter der AfD davon sprechen, andere Politiker abzuwählen. Um selbst an deren Stelle zu gelangen.

    Die Umfragen zeigen, dass Sie die AfD in erster Linie aus Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung wählen wollen. Und hier findet die größte Lüge statt, die die AfD Ihnen auftischt. Meine Meinung von Wolfgang Schäuble ist geprägt von seiner Zeit als überwachungsbegeisterter Innenminister – aber er hat den wichtigsten Satz zur Flüchtlingssituation gesagt: Die Zuwanderung sei „Deutschlands Rendezvous mit der Globalisierung“.

    Flucht ist ein globales Problem, das nur global gelöst werden kann. Es kann schlicht nicht national gelöst werden, nicht einmal mit einer DDR-artigen Mauer um Deutschland. Die AfD belügt Sie bewusst, wenn sie tut, als könne sie die Flüchtlingszahlen irgendwie anders reduzieren, als es ohnehin bereits geschieht. Denn die Politik der Bundesregierung folgt gar nicht mehr Angela Merkels Bild der Willkommenskultur. Merkel erklärte, dass Flüchtlinge nach dem Krieg zurückgehen müssten. Die Asylgesetzgebung wurde zweimal verschärft. Die Regierung hofiert den islamistischen Verschwörungsautokraten Erdogan für die Verringerung der Flüchtlingszahl – mit vielen Milliarden Euro. Das kann man durchaus als Verbeugung vor den Forderungen der AfD betrachten, das werden Sie zugeben müssen.

    Sollten Sie die AfD also als Drohung oder Denkzettel wählen wollen – das hat längst funktioniert. Sie müssen Ihrer Drohung nicht mehr Taten folgen lassen. Sie haben bereits gewonnen und erreicht, was Sie wollen, einen Rechtsruck fast aller Parteien. Selbst bei den Grünen finden sich Stimmen wie Boris Palmer, die sich nah an AfD und CSU anschmiegen. Winfried Kretschmann verteidigt sogar Horst Seehofer, der wiederum die AfD kopiert.

    Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass Sie die AfD wählen, nicht obwohl – sondern weil sie dem Rechtsextremismus gegenüber offen ist. Aber dann sollten Sie mit sich und Ihrer politischen Einstellung ehrlich sein. Sie ertragen die Falschheit in der Politik nicht mehr? Dann wählen Sie den Wolf und nicht den Wolf im Schafspelz. Nach ihrer Wahl wird die AfD nichts ändern. Die AfD-Politiker werden sich bequem in einer Position einrichten, die ihnen – wie in Baden-Württemberg – nicht gerade entbehrungsreiche 8.706 Euro monatlich (Entschädigung plus Kostenpauschale) ausschüttet, ergänzt um eine Altersvorsorgepauschale von 1.587 Euro, also insgesamt 10.293 Euro im Monat.

    Die Umfragedaten zeigen, dass Sie als potenzieller AfD-Wähler durchaus gebildet sind. Dass Sie gesellschaftlich gut verankert sind. Sie leiden nicht unbedingt Not. Und doch haben Sie das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist mit Ihrer Umgebung, mit dem Land, mit der Welt. Wissen Sie was? Sie haben recht. Ganz viel ist nicht in Ordnung mit der Welt. Und je mehr man sich damit beschäftigt, desto deprimierter wird man und desto wütender. Davon kann ich Ihnen ein Lied singen, so lang, so traurig und so grau wie die Berliner Mauer.

    Die AfD ist nicht die Lösung für die Probleme, die Sie sehen. Sie tut nur so. Sie redet dem Internet-Volk nach dem Mund, mit dem Ziel gut dotierter Parlamentssitze. Die AfD ist eine Internetpartei, und deshalb technologisch moderner und schneller als die anderen. Leider ist sie deshalb auch schneller zu genau der Form von Partei geworden, die Sie mit Ihrer Wahl verhindern wollen. Mit der Wahl der AfD löschen Sie den Schwelbrand der schlecht funktionierenden Parteiendemokratie mit Benzin. Tun Sie es nicht.

    • Also das analysieren war noch nie eine linke Stärke und Ihre leider,auch nicht. Ihre „Analyse“ baut auf folgender Aussage auf: …die AfD sucht sich die emotionalsten Felder aus, weil dort am einfachsten Stimmen zu gewinnen sind. Deshalb ist sie vom Anti-Euro-Zug auf den Anti-Flüchtlingszug aufgesprungen…
      Jeder der sich ernsthaft mit der AfD beschäftigt stellt fest, das die AfD gegründet wurde weil Bürger sich in erster Linie um den Bestand und die Zukunft ihres Landes (Deutschland) sorgen und dies in der Tat sehr berechtigt. Der Bestand und die Zukunft unseres Landes ist durch zwei Themen Existentiell gefährdet: durch die Europolitik und den Massenzustrom von Flüchtlingen. Beide Themen werden das Land in eine wirtschaftliche (finanzielle) und kulturelle Notlage bringen, die es aufgrund seiner demographischen Struktur nicht bewältigen kann. Es muss also gehandelt werden, daher gibt es die AfD. Sie ist nicht auf diesen Zug aufgesprungen, sondern sie wurde wegen diesem Zug gegründet.

      • Bernd

        Also das analysieren war noch nie eine linke Stärke und Ihre leider,auch nicht.
        schmunzel, wie kommen sie ,Bernd, darauf, dass es ihre stärke ist? habe ich da was verpasst?

      • Seit ihrer Spaltung sind sich die Politiker der Alfa-AfD im Europaparlament, und anderswo auch, in herzlicher Abneigung verbunden. Die beiden Europa-Abgeordneten der AfD müssen nun fürchten, aus der konservativen Fraktion im Europaparlament ausgeschlossen zu werden.

        Ob dahinter nun Rachegelüste oder eine internationale Verschwörung stecken oder nicht: Die Klage aus der AfD, dass die Fraktionsführung britischer Konservativer sich am „bösen Spiel“ einer deutschen Intrige vor den Landtagswahlen beteilige, ist ungefähr so intelligent wie das Schwadronieren über Waffengewalt gegen Grenzgänger oder so klug wie Lockerungsübungen mit FPÖ-Chef Strache. Mit den britischen Konservativen kommt die AfD auf diese Weise nicht mehr so schnell ins Geschäft – was nebenbei am Unterschied zwischen Rechtspopulisten und Konservativen liegt.

        Die Posse aus Straßburg zeigt aber auch, dass es für eine neue Partei sehr einfach ist, Mandate zu erobern, weil man etwas ablehnt – den Euro, die Migration oder was auch immer. Etwas anderes ist es, einen intelligenten, positiven Gestaltungswillen dagegenzusetzen. Das erfordert ganz andere Kaliber, als sie der Alfa-AfD-Komplex bislang hervorgebracht hat.

      • Also, Bernd, ich weiß gar nicht, was Sie wollen. Saschas Text ist doch EINE GLÄNZENDE ANALYSE DES AfD-ELENDS und Sie, Bernd, indem Sie a) wieder einmal nicht auf das tatsächlich Gesagte eingehen und b) Themen für sich reklamieren, die erstens alle Parteien beschäftigen und zweitens Sie diese Themen nur zum Zwecke des Drohens nutzen, aber keinen einzigen konstruktiven und im Rahmen bestehender Gesetze und Verträge umsetzbaren Vorschlag zu nennen wissen, — Sie, Bernd, geben sich ungewollt als eine Figur zu erkennen, die Sascha oben mit beschrieben hat. Es geht Ihnen nicht um politische Inhalte, Sie haben keine Gründe und keine Rezepte, Sie wollen einfach an die Pöstchen und Knöpfchen und das unterschwellige Mantra Ihres monotonen Propagandagesabbels lautet: „Der Dreck heiligt die Mittel.“

        • Gesetze und Verträge? Sie sind ja lustig. Einer der Gründe für die AfD Gründung ist auch, das die Verträge von Maastricht permanent gebrochen werden. Und die Verträge und Gesetze die mit der Flüchtlingskrise permanent gebrochen werden sind ein weiterer Auslöser, das sich die Menschen der AfD zuwenden. Wenn die Gesetze und Verträge gehalten würden, würde es die AfD wahrscheinlich gar nicht geben.

      • Bitte ankreuzen

        Hallo Bernd, in den zurückliegenden Monaten haben Sie ununterbrochen wildeste Thesen bei Blog.JJ rausgehauen, waren aber nicht ein einziges Mal fähig, auf an Sie gerichtete Bitten um Begründung oder Erläuterung angemessen zu reagieren. In Absprache mit den involvierten Organisationen und deren Evaluationsmanagern wiederholen wir deshalb unseren Test vom 17. Dezember 2015 und prüfen jetzt letztmalig, ob Sie grundsätzlich überhaupt in der Lage sind, eine ganz einfache Frage zu beantworten:

        SOLL DIE AfD VERBOTEN WERDEN?

        O Ja, weil ein Verbot zumindest helfen kann, die braune Gesinnung zu bekämpfen.

        O Ja, denn Rechtsradikale haben in deutschen Parlamenten dann keine Stimme mehr.

        O Ja, weil die AfD gegen Ausländer hetzt und die Demokratie abschaffen will.

        O Nein, weil Demokratie und Meinungsfreiheit auch bedeuten, eine Partei mit unerträglichen Positionen zu ertragen.

        O Nein, da die Rechtsextremen neue Organisationen gründen oder woanders weitermachen.

        O Nein, denn das Verbot könnte scheitern und die AfD dadurch stärken.

        Mit Dank für Ihre Mitarbeit:

        Hermann Kessler, 26, Leiter des Umfrageteams

        • Zunächst einmal sollten Sie darlegen welche „wilden Thesen“ ich rausgehauen habe. Dann teilen Sie mir bitte einfach deutlich ihre Fragen und Bitten mit. Die Fragen, die sie hier aufwerfen können sicherlich nicht ihr Ernst sein. Fragen an die AfD stellen Sie bitte direkt an die Partei und ihre Unterstellungen oder Erkenntnisse zur Ausländerhetze und Rechtsradikal melden Sie bitte gleich an die Justiz.

          • Bernd, Sie sind grundsätzlich überhaupt nicht in der Lage, eine ganz einfache Frage zu beantworten.

            Mit Dank für Ihre Mitarbeit:

            Hermann Kessler, 26, Leiter des Umfrageteams

          • Bernd
            weilche schlechte erfahrungen haben sie persönlich schon mit flüchtlingen gehabt? ich bin hundebesitzer und bekommen auch so manches mal seltsame äußerungen zu hören und zwar von ängstlichen menschen. hundehasser sind natürlich auch dabei. nach dem motto, ich kenne da jemand ,der wurde ,,auch,, gebissen. ich sehe da eine parallele. sie auch?

          • Kessler, sie wollen also ihre Frage beantwortet haben aber gleichzeitig die möglichen Antworten selbst vorgeben! Das sagt sicherlich alles über ihre geistige Haltung.
            Herr Bruns, ich habe schon positive und negative Erfahrungen gemacht, wie mit vielen anderen Menschen auch und darüber hinaus muss ich nicht jede Erfahrung selber machen, um mir eine Meinung zu bilden. Im übrigen sollten sie mal überdenken, um bei ihren vergleichen zu bleiben, dass man nicht nur ängstlich sein muss oder ein Hundehasser um zu Hause keinen Hund haben zu wollen. Im übrigen empfehle ich Ihnen die Tiervergleiche in Bezug auf Ihre menschlichen Erfahrungen zu unterlassen.

  21. frage: das kaspertheater wahlen, warum wird daraus immer so ein zinnober veranstaltet? es geht um leute, die ihr hobby frönen wollen, um nicht mehr. ich bin immer wieder erstaunt, dass so viele menschen die einen beruf erst erlernen müssen, sich von leuten vertreten lassen wollen, die nur ihr hoby frönen wollen.

  22. http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article153194639/So-verstoerend-skurril-kann-Sex-bei-Tieren-sein.html
    so stelle ich mir die afd vor. die frage ist nur, ist es oben ,oder ganz unten zu sehen?

  23. Kurz vor den Wahlen in drei Bundesländern hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vor einer Stimmabgabe für die rechtspopulistische AfD gewarnt. „Die AfD hat KEIN POLITISCHES KONZEPT UND KEINERLEI LÖSUNGSKOMPETENZ“, sagte er der „Welt“ vom Samstag. „Wir müssen deutlich machen, dass diese Partei unserem Land schadet.“

    Die AfD überzeuge ihre Wähler nicht durch Inhalte, betonte der CDU-Politiker. „Wir haben es vor allem mit einer Verunglimpfung der Institutionen und einem Aufsammeln von Protest zu tun.“ Selbst die AfD-Wähler gingen nicht davon aus, dass die Partei „eine bessere Politik“ mache. „Es geht lediglich darum, ‚denen da oben‘ einen Denkzettel zu verpassen.“ Das sei kurzfristig nicht und auch auf Dauer „nicht zukunftsfähig“.

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article153210141/Uns-fehlt-einfach-eine-gute-starke-Opposition.html

    Allen LZ-Lesern ein entspanntes Wochenende wünscht Markus Riexinger

  24. Christen dürfen nicht den Hass wählen

    Hallo Herr Meihsies, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hat die Gläubigen dazu aufgerufen, an diesem Wahlsonntag nicht, aber auch in dem im September nicht für fremdenfeindliche Kandidaten und Programme zu stimmen. „Ein Christ darf seine Stimme niemandem geben, der Hass verbreitet oder Rassismus predigt, der ausgrenzt und ein Freund-Feind-Schema propagiert“, sagte er im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kardinal-marx-im-gespraech-christen-duerfen-nicht-den-hass-waehlen-14121391.html

    Eingesendet aus Barskamp von Anja Krämer

    • Liebe Anja, ich bin nicht Andreas, aber ich habe ihren Beitrag gelesen. Was wollen Sie hören, oder lesen? Wo ist die Frage? Soll Andreas sie sich selbst stellen? Wie mir bekannt ist , sind Grüne nicht fremdenfeindlich. Und Hass predigen sie auch nicht.

    • Anja
      der grüne teppich ist gelandet. die frage ist nur ,wo? der verhinderte cdu -grüne kretschmann wird schnell merken, wie grün schwarz wird. dann wird von grün nichts mehr zu sehen sein.

  25. Bernd , immer wenn es ins eingemachte geht, kann es unangenehm werden. menschen benehmen sich wie tiere, wollen sie beweise? ich zeige gern mal einen spiegel hoch. und wer sich dann darin sieht, hat schon mal was dazu gelernt. ich habe nichts gegen sie persönlich, ich habe nur etwas dagegen, wenn man stimmung gegen die menschlichkeit und zwar gegen deren positiven anteil verbreitet. den negativen anteil dürfte schon jeder mal selbst erlebt haben. den muss man nicht auch noch fördern, oder sind sie da anderer meinung?

  26. bevor hier alle wieder gas geben, nur soviel, die sogenannten etablierten parteien haben immer noch nichts dazu gelernt und werden es auch nicht. sie sind festgefahren. die drei wahlen scheinen nicht zu helfen.schwafeln reicht nun mal nicht aus. der bürger merkt es schnell am eigenem leib, ob die politik , die betrieben wird, für ihn gut ist, oder nicht.aber was will man von hobby-am stuhl -klebenden politikern erwarten?