Aktuell
Home | Blog.JJ | Wann fährt der Servicegeist ins Bauamt des Landkreises Lüneburg?

Wann fährt der Servicegeist ins Bauamt des Landkreises Lüneburg?

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

 

 

 

(Den Blog.jj schreibt Hans-Herbert Jenckel, Online-Chef und Geschäftsführender Redakteur der LZ, Gastkommentare sind willkommen.)

 

Lüneburg, 24. März

Ein Amt oder eine Behörde bleibt solange ein Amt oder eine Behörde, wie der Servicegeist nicht in die Mitarbeiter fährt und sie bekehrt. Solange halten sie sich an Gesetzen, Erlassen und Verordnungen fest oder warten auf neue Gesetze, Erlasse und Verordnungen.  Oder sie beschäftigen sich damit, Gutachten zu vergeben, um dann auf die Gutachten zu warten.

Die preußischen Gene sind stark in uns.

Zum Glück, weil Recht und Gesetz einen hohen Stellenwert genießen müssen, sie sind Stützen unserer Gesellschaft.

Zu unserem Pech, weil Verkalkung und Verknöcherung den Apparat oft fast zum Stillstand bringen und uns in Verzweiflung treiben.

Wo aber der Servicegedanke in die Mitarbeiter fährt, spüren es die Bürger und Bürgerinnen unmittelbar, und es führt über kurz oder lang zu einer neuen Sicht auf Verwaltungen. Doch es reichen in der Regel ein oder zwei Beamte alten Kalibers, um die Mühe von Monaten vergebens scheinen und die Klischees wieder aufleben zu lassen.

Ein Klassiker zur Verfestigung von Vorurteilen wäre in Lüneburg das Finanzamt – eigentlich. Ich aber habe dort so freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter erlebt wie in kaum ein anderen Behörde, und das schon seit Jahren. Mein Bild hat sich gewandelt.

Was nun gerade dem Landkreis Lüneburg widerfährt mit der heftigen Kritik an seinem Bauamt, das als „Bauverhinderungsbehörde“ bespöttelt wird, das kommt nicht von ungefähr, das ist gewachsen.

Die Offenheit aber, mit der Landrat Nahrstedt und sein Vertreter Krumböhmer die Sachlage umschreiben, wäre ein K..-o.-Kriterium in jedem Zeugnis. Ich zitiere: „Die Kollegen im Bauamt müssen gewohnte Wege verlassen.“ „Wir suchen eine Person, die die Arbeit im Bauamt aus der Praxis kennt und die die Entscheidungsfreude der Mitarbeiter stärkt.“  Der Umkehrschluss ist ein vernichtendes Urteil.

Bevor man solche Sätze raushaut, sollte die Behördenleitung vielleicht einmal innehalten,  zum Telefonhörer greifen und einen Coach engagieren. Mir ist gerade diese Redensart mit dem Fisch entfallen.

Hans-Herbert Jenckel

14 Kommentare

  1. Gastkommentare sind willkommen.
    ich bin gast , fühle mich hier auch so, werde auch so behandelt. wehe ,ein gast ist könig, wie die werbung es gern behauptet. und wenn der sich auch noch so benehmen würde, welch eine katastrophe. ich bin doch nicht blöd, sowas schafft nur media-markt. schmunzel

  2. Ich habe auch die Erfahrung mit dem Finanzamt gemacht!positiv. In anderen Ämtern wurde ich immer als Bittsteller behandelt. Ich dachte immer wer bezahlt euch, ich. Ich habe es aber nie gewagt es laut zu sagen. Es geht auch andres siehe Finanzamt. Aber es ist schwer einen Hund zum singen zu bringen. Haha

  3. Das ist doch Blanker Hohn von Herrn Nahrstedt. Ich erinnere an die Kreisrätin Scherf, die es gewagt hatte nach höheren zu streben und als Konsequenz keine Verlängerung ihres Arbeitsverhältnis erhielt, trotz ausgezeichneter Leistung. Das in solch einem Nahrstedtschen Klima sich eine Behörde und,deren Mitarbeiter wandeln zu Personen, die gewohnte Wege verlassen und Entscheidungsfreude an den Tag legen spottet wohl jeder Beschreibung. Wann werden wir von diesem Landrat erlöst?

    • kennen Sie den Ausdruck »preaching to the converted«? Also sein Anliegen einem Publikum vorzutragen, das sowieso schon der eigenen Meinung ist. Das ist ja leider sehr verbreitet. Im traditionellen Kabarett mit seinen CSU-Witzen für Studienräte, aber auch in neueren Formaten wie der »Heute-Show« oder dem »Satiregipfel« wird meines Erachtens oft nur das bedient, was bei der breiten Mehrheit der Zuschauer ohnehin schon Konsens ist. Da findet keine Aufklärung statt, sondern es werden nur Erwartungen bestätigt, ohne Überraschungen, ohne hellen, schnellen Witz. Ich halte es für unwahrscheinlich, daß diese Art von Satire eine große Veränderung im Bewußtsein der Rezipienten auslösen kann – wenn sie es denn überhaupt zu leisten vermag! Das aufklärerische Moment ist jedenfalls verschwindend gering, machen Sie sich da bitte keine Illusionen. Wenn immer nur der Erwartung der Zuschauer entsprochen, und – ob aus Bequemlichkeit oder Opportunismus – alles Provokative, den Geist Herausfordernde konsequent vermieden wird, dann kann nichts Neues entstehen. Menschen, die bereits von einer Sache überzeugt sind, noch einmal überzeugen zu wollen, ist so überflüssig wie albern. Verschwendete Energie, die auch sinnvoller eingesetzt werden könnte. Mir ist das Phänomen des »preaching to the converted« jedenfalls zutiefst suspekt. Meinen Standpunkt werde ich Ihnen bei Gelegenheit gerne einmal ausführlicher erläutern.

      David Schuh

  4. Aus der Rede eines Lokalpolitikers:

    „Mit Hilfe des Herrn kann ich in vierzehn Jahren vielleicht einen eigenen Schnellimbiß eröffnen.“

    • Claudia Fischer

      Handelt es sich bei diesem Lokalpolitiker vielleicht um Herrn Balthus Doktormann? War der nicht auch Landespolitiker? Und steht der nicht zur Zeit noch in der Frittenbude in Windhoek und serviert kohlrabi- adenauersches Grillgut an Wurstliebhaber aus Namibia und Angola? Oder ist das etwa genau „der Servicegeist“, der nicht nur eines flott herangarenden Tages unter das Personal vom „Fachdienst Bauen“ beim Landkreis Lüneburg fahren könnte, sondern der, wie man liest und hört, sein Comeback in der Nähe „des hansestädtischen Verwaltungssitzes“ zeitnah vorbereiten, also „quasi in Geruchsweite vom begehrten Ort entfernt“ auf „das Rauchzeichen“ warten möchte, welches ihm signalisiert, ob er von Niels Webersinn zum Spitzenkandidaten für die Pols-, die Bertholdes-Sandrock-, die Nahrstedt- oder die Mädge-Nachfolge vorgeschlagen wird? (Vergleich Carlo Eggelings köstlich hintersinnig frittierte Polit-Parabel von gestern: http://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/317185-streit-um-die-currywurst)

  5. Arundhati Roy, indische Schriftstellerin

    Die Demokratie, die Heilige Kuh der modernen Welt, befindet sich in der Krise. Und es ist eine tiefgreifende Krise. Im Namen der Demokratie werden alle Arten von Verbrechen begangen. Aus ihr wurde wenig mehr als ein ausgehöhltes Wort, eine hübsche Schale, jeglichen Inhalts oder Sinns entleert. Sie ist so, wie man sie haben will.
    Die Demokratie ist die Hure der freien Welt, bereit, sich nach Wunsch an- und auszuziehen, bereit, die verschiedensten Geschmäcker zufrieden zu stellen. Man nutzt und missbraucht sie nach Belieben. Bis vor kurzem, noch in die 1980er Jahre hinein, schien es so, als könnte die Demokratie tatsächlich ein gewisses Maß an echter sozialer Gerechtigkeit gewährleisten.

    Aber moderne Demokratien existieren lange genug, und neoliberale Kapitalisten hatten genug Zeit, um zu lernen, wie man sie untergräbt. Sie verstehen sich meisterlich in der Technik, die Instrumente der Demokratie zu infiltrieren – die „unabhängige“ Justiz, die „freie“! Presse, das Parlament – und sie zu ihren Zwecken umzuformen.
    und dieses ist überall zu spüren.

    • Florian Herbheimer

      Na, da hat Herr Jenckel und die restliche Redaktion aber eine andere Meinung.

      Die finden nämlich, daß Themen wie „Wilfried und die Heckengehölze“ und „Beth Dito hat Miss Piggy als Vorbild“ , erheblich konstruktiver und daher wichtiger sind, als die Demokratie(welche Volksherrschaft hat das Volk denn, ausser alle 4 Jahre das Kreuz ohne vorgehaltene Waffe zu machen)!?

    • Gunda Schneider

      Und, Klaus Bruns, was sollen wir Ihrer Meinung nach nun machen? Wieder einmal zwölf Jahre Diktatur ausprobieren? Oder diesmal gleich vierzig ohne Bessergestellte? Ich halte es – trotz allem – mit Churchill: „Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.“

      (Original engl.: „[No one pretends that democracy is perfect or all-wise. Indeed, it has been said that] democracy is the worst form of government except all those other forms that have been tried from time to time.“ – Rede vor dem Unterhaus am 11. November 1947 Sitzungsprotokoll column 207 [Quelle: http://hansard.millbanksystems.com/commons/1947/nov/11/parliament-bill#column_206%5D)

      • Gunda Schneider
        auch ein Churchill konnte sich irren. im übrigen haben wir nur eine parlamentarische demokratie, die oft nur auf dem papier steht. das parlament wird gern mal umgangen. die gesetze werden dann eben so verfasst, dass es kein parlament benötigt. neo-liberale wissen sehr gut ,wie das geht. die parlamentarische demokratie wurde schon lange von der post-demokratie abgelöst. warum wählen wir eigentlich, wenn sich im grundsatz eh nichts ändert?

  6. Service?
    der service der behörden besteht in erster linie aus gängelei und vorschriften , die von lobbyisten diktiert wurden. mufflon oder wolf , wer ist wirklich hier heimisch? heimisch ist der , der sich anpasst und sich der obrigkeit unterwirft.

  7. es darf gelacht werden, panama-papers eine variante der steuerhinterziehung. die inderin hat sowas von recht. der einfache bürger, der gern ungestört sein leben ohne politik leben will, wird sowas von vorgeführt, er sollte nicht zulange leben. es wird zeit , dass die menschen nicht nur kritischer werden, sondern auch angriffsbereiter, um solchen strolchen das handwerk zu legen. von der politik ist es nicht zu erwarten. und somit von gerichten auch nicht. ein anwalt vertritt nur das gesetz was es gerade gibt.und wer macht die gesetze? der bürger nicht. aber in seinem namen werden urteile gesprochen. wie soll das zusammen passen?

  8. Vanessa, Bernie und Jonas

    Enoch Freiherr zu Guttenberg, Doktorvater, dessen Sohn Karl-Theodor sich als Windsegler in letzter Zeit aristokratisch-vornehm zurückhält, polterte vor wenigen Tagen ähnlich drauflos wie Sie, Herr Bruns. Nur ging es bei ihm nicht direkt um Demokratie, sondern bloß um ein sichtbares Symptom davon: »Totengräber …, nicht weniger barbarisch als die Bilderstürmer und Bücherverbrenner …, die blindwütig durch die Geschichte irren«, und eine »Heimsuchung« sind seiner Meinung nach die Windkraftbefürworter, verantwortlich unter anderem für den »ermordeten Hunsrück«. Die Windkrafträder seien »Kriegsverbrechen in dem widerlichen Vernichtungskampf unserer Endverbrauchergesellschaft gegen die uns eigene und immer noch nährende und identitätsstiftende Heimat und Natur.« http://www.sueddeutsche.de/bayern/umweltschutz-bund-verklagt-enoch-zu-guttenberg-1.2920152
    Gut gegeben, gelle? Dennoch sind wir nicht ganz überzeugt, Herr Bruns. Schließlich wäre es doch schade, wenn der ganze Wind, den alleine Enno und Sie schon verursachen, ungenutzt bliebe. Oder?

  9. Gastkommentare sind willkommen.
    tatsächlich? ich finde das neue bild von herrn jenckel einfach schön. er lächelt so, als ob er sagen möchte: ihr dürft alles, nur nicht frech werden. das die fdp begeisterung verspürt, besonders ,wenn es gegen behörden geht, war nicht nur zu ahnen und zu spüren ,sondern auch in der printabteilung der lz zu lesen. ,,wehret,, den anfängen. schmunzel.