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Lüneburgs rot-grüne Visionen vom Rad verstauben im Koalitionsvertrag

Hans-Herbert Jenckel
Hans-Herbert Jenckel

 

 

(Den Blog.jj betreibt Hans-Herbert Jenckel, Online-Chef  und Geschäftsführender Redakteur der LZ . Sein Kürzel in der Zeitung ist jj. Gastkommentare sind willkommen.)

 

 

 

Lüneburg, 13. April

Wann demonstrieren eigentlich die Radfahrer, weil  es in der Lüneburger Innenstadt viel zu wenig sichere Abstellplätze gibt?  An Sonnabenden ist das Chaos zu erleben, am besten vor Karstadt oder der Buchhandlung am Markt oder der Sandpassage am Sand. Dort parken die Räder am Bürgersteig so eng, dass kaum ein Durchkommen mehr zu den Läden  ist.

Und wer trägt die Verantwortung: Im Positiven die Lüneburger, die dem Ruf der Politik gefolgt und aufs Rad umgestiegen sind. Im Negativen: wieder die Politik. Denn Eckpfeiler der rot-grünen Verkehrspolitik zum Rad existieren bis kurz vor der nächsten Kommunalwahl nur auf dem Papier.

An Ampeln sollte die „Vorrangschaltung“ für Radler  „optimiert“ werden. Wenn es eine Art Vorrangschaltung überhaupt in Lüneburg gibt, dann könnte das an der Scharff-Kreuzung so interpretiert werden.

Waren Sie schon mal in der Mobilitätszentrale in der Parkpalette „Am Rathaus“? Nein? Wie auch. Sie existiert nur auf dem Papier.

Die Freigabe von Einbahnstraßen für Velos wäre eine generelle Aussage. Allein, es reichte der Mut nur, so etwas in einem Papier anzudeuten, das geduldig verstaubt.

“Eine zukunftsfähige Mobilität verbunden mit einem geringeren innerstädtischen Verkehrsaufkommen, einer Mobilität der kurzen Wege und geringem Energieverbrauch. Nur so ist Mobilität wirtschaftlich effektiv, damit auch sozial und zugleich umwelt- und klimaschonend.“ Klingt das nicht schön? So steht es im Vertrag von Rot und Grün. Dort ist die Vision geparkt. In der Realität ist die Zahl der Kfz im Kreis Lüneburg rasant weiter gestiegen um gut 15 Prozent in acht Jahren auf heute gut 135 000 Kfz.

Es ist an der Zeit, die Brille zu wechseln. Die aus dem Blickwinkel der Automobilisten getriebene aktuelle Diskussion um die Parkgebühren offenbart vor allem eines: In  Lüneburg vertragen sich Anspruch und Wirklichkeit bei nachhaltigen Verkehrssystemen noch lange nicht.

Solange wir über mehr Parkraum in der Innenstadt reden, solange ist Lüneburg auf dem Benzin-Weg. Und der ist endlich.  Solange der Rad-Beauftragte als Einzelkämpfer im Rathaus sitzt, kann von ernsten Absichten kaum gesprochen werden.

Statt in Asphalt sollte die Stadt viel innovativer auf moderne und umweltschonende Fortbewegungsmittel setzen. Mehr Leihräder, mehr Leihautos.  Elektromobile sind in LG eh noch Exoten, ein „Local-Buy-Transport“-System noch Utopie.  Prämien für die Abschaffung eines Autos und die Freigabe eines Parkraums undenkbar.

Dabei ist der  Zeitpunkt für Experimente günstig wie nie: Lüneburg, die Salzstadt, die Rote-Rosen-Stadt, die Hansestadt ist so attraktiv, dass sie die Besuchermassen manchmal nicht mehr zu fassen vermag.  Lüneburg könnte aber noch schöner sein, wenn die alte Salzstadt in die Liga der Zukunftsstädte aufsteigen würde mit Fortbewegung mit minimalem Schadstoffausstoß. Das passte dann auch zu einer Uni, die die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts formen will, dass passte zu den Visionen für das Projekt „Lüneburg 2030+“. Doch die Gefahr ist groß, dass die wie das Koalitionspapier Staub ansetzen.

Hans-Herbert Jenckel

Mail: jj@landeszeitung.de

38 Kommentare

  1. Wie der Papst in seinem Papa-Mobil, so fährt auch die bezaubernde Königin der Stadt in ihrem Rosenmobil, gesponsert durch den LCM, im Benzintakt mit Parkplatzsuche durch Lüneburg.
    LCM und SPD Kandidat sind eins geworden. Der Name Meyer steht für rollende Räder, allerdings nicht auf zwei Beinen. Sollte hier eine Wende geplant sein? Das Staubtuch oder gar der Staubsauger als Wundermittel gezogen werden?
    Denn nicht jeder Radfahrer hat ein eigenes Fahrrad oder benötigt eins. Die Vision der Menschheit Zukunft lebt nicht nur auf zwei Beinen oder auf zwei Rädern in der Leuphana. Die Generationen 65+ werden mit ihren Elektro-Rollatoren durch die Innenstadt sausen und brausen. Ihre Erfahrungen und Wünsche? Ihre Fahrwege wären nicht nur als Trassen für Radfahrer zu denken oder?
    Liebe Grüße an die Zeit, die Stunde, die Minute, die Sekunde. Denn jede und jeder wird Lebensälter.
    Carpe Diem.

    • Claudio von Boberfeld

      Nix gegen Heiko und seine beiden Ego-Shooter-Tentakel, die Werbe- und Parkgemeinschaften LCM und LMG. In Wirklichkeit wird auf den Meyer-Mädgeschen Marionettentheatern die Schrock-Opitz-Schröderstraßen-Revolution der Lüneburger Verkehrspolitik vorbereitet. Ich zitiere aus der (noch) streng geheimen Coffee Shop No.1-Agenda:

      »Die Hansestadt Lüneburg ist bis auf die Feuerwehr-, Polizei- und Rettungsfahrzeuge der Zivilgesellschaftsgemeinde autofrei. Weiterhin sind einige Elektrofahrzeuge für den gewerblichen Transport im Einsatz, unter anderem für den Gepäcktransport der Feriengäste. Ansonsten ist der Bollerwagen das typische Transportmittel für Gepäck und Kleinkinder auf der Insel der Glückseligen.

      Im Gegensatz zu den anderen niedersächsischen Kommunen – mit Ausnahme von Barnstedt – gibt es in Lüneburg keinen Fahrradverleih und nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten zum Radwandern. Viele Wege im Stadtzentrum und zum Kalkberg sind wegen ihrer Enge für Fahrräder gesperrt. Den Feriengästen wird von der Kurverwaltung abgeraten, Fahrräder mit in die Innenstadt zu bringen. Gäste, die ihre Fahrräder dennoch mitbringen möchten, bezahlten für die Nutzung bis vor einiger Zeit drei Euro Bettensteuer pro Übernachtung mehr als für die Tagesrückfahrkarte für eine Person nach Amt Neuhaus. Inzwischen wurden die Preise für die drei kommunalen Fahrradparkplätze An den Brodbänken gesenkt. Von den Einheimischen werden Fahrräder vielfach heimlich genutzt und teils illegal an Gäste verliehen. Ein Versuch, die Fahrräder ganz von aus Lüneburg zu verbannen, verfehlte im Stadtrat nur knapp die Mehrheit.

      Lüneburg ist die einzige bewohnte Hansestadt ohne Flugplatz.«

  2. 1.350.000 Kfz verteilt auf 178.122 Einwohner im Kreis, ergeben 7,6 Autos pro Einwohner. Wo kommt dieser ungeheure Reichtum her? Und was machen die Leute mit all diesen Dreckschleudern?

    Übrigens, ich habe mein Auto vor sieben Jahren abgeschafft. Also muss einer im Kreis fünfzehn Karren haben.

    Sind Sie das Karlheinz Fahrenwaldt?

    Oder gibt es einen anderen Grund, warum Sie so heißen?

  3. Horst Kortland

    Wow, so fortschrittlich ist Lüneburg – auf dem Papier. In der Praxis merkt man als überwiegend radfahrender Verkehrsteilnehmer (99% von 100% aller Fahrten) davon nichts. „Vorrangschaltung“ für Radfahrende an Ampeln?? Eher das Gegenteil: Immer mehr von diesen unsäglichen Ampeln, an denen man drücken muss, damit man Grün bekommt, damit der Autoverkehr – meist Rechtsabiegende – besser durchkommt. Paradebeispiel für staatliche aktive Behinderung des radfahrenden Verkehrs: Hauptroute Radverkehr Lisa-Meitner-Strasse, alles in den letzten Jahren neu angelegt, also wäre es möglich gewesen, ohne viel Mehraufwand wenigstens in diesem Bereich die radfreundliche Zukunft einzuläuten. Aber nicht doch, konsequent wurden die Radfahrenden gegenüber den Autofahrenden benachteiligt. Kreuzungsbereich Auf der Hude: Absolut radunfreundlich gelöst, Note 6. Einseitiger Rad+Fußweg bis zur Bockelmannstasse: Die gesetzliche Mindestbreite ist erfüllt, aber sie reicht bei weitem nicht aus, es ist viel zu eng für alle vier Richtungen Rad/Fußgänger, Note 6. Brücke über die Ilmenau: Sehr ssteil gebaut, daher werden Radfahrende stadtauswärts extrem geblendet von den Scheinwerfern der KFZ, wo ist der Blendschutz? Note 6. Krezungsbereich Bockelmannstrasse: Bedarfsanforderungsampel für Radfahrende :-(, man wartet auf Grün (weil man nicht eher drücken konnte, also in der nächsten Grünphase leider nicht berücksichtigt werden kann), während die Autofahrenden selbstverständlich automatisch Grün bekommen, Note 6. Solche Situationen findet man in LG zuhauf. Ergo: Die Handelnden in Rat und Verwaltung der Stadt haben nicht wirklich vor, die Menschen zu ermuntern, vom Auto auf das Rad umzusteigen. Okay, die haben das Sagen und sind im Denken autozentriert. Der Autoverkehr wird dann eben mehr nund mehr werden, das Aggressionspotenzial wird steigen, die Luft schlechter werden. In 20 Jahren wird’s die nächste Generation dann richten, die biologische Lösung eben.

    • Ihr Kommentar hätte von mir sein können. 100%ige Zustimmung, erlebe das auch jeden Werktag an
      der Bockelmann/Erbstorfer und Bockelmann/Lise-Meitner-Kreuzung.

    • Hermann Brakelmann

      @Horst Kortland:
      Ganz genau! Hinzurechnen könnte man noch den engen Zweirichtungszwangsradgehweg an der Soltauer Allee. Der wurde schon in LZ-Leserbriefen gegeißelt. Von Fußgängern wohlgemerkt. Oder die neuen Prellböcke auf der Radwegrampe Schifferwall/Bockelmannstraße. Versuchen Sie da mal mit dem Lastenrad oder mit Kinderanhänger unfallfrei durchzukommen! Seitdem die Dinger da stehen, fahre ich mit dem Rad über die Straße zur Reichenbachstraße. Irgendwie wurschtelt man sich halt zwischen den Autos durch. An der Dahlenburger und der CF-Goerdeler Straße hätte man jetzt die einmalige Gelegenheit gehabt, den Radverkehr so zu führen, wie es die Straßenverkehrsordnung vorgibt. Aber nein, es müssen mal wieder neue (alte?) Hochborde mit blauer Zwangsbeglückung her – Verkehrtplanung wie in den 1960ern.
      Um den Radverkehrsanteil am Modal Split von knapp 20 (?) % bloß nicht noch weiter ansteigen zu lassen, scheinen der Kreativität im Rathaus keine Grenzen gesetzt zu sein. Wahrscheinlich wird schon an Strategien gearbeitet, wie der Anteil möglichst bald auf 0 % gedrückt werden kann. Wiedervorlage nach der Wahl…

  4. ich verstehe das nicht, es gibt doch so viele radfahrer unter den politikern, brauchen wir noch mehr?

    • Walter Marsing

      Herr Klaus Bruns, ich habe kann ihrem Komentar nur alls irgendwie doppelzügig verstehen aber ich begreife das mit denen radfahrern unter den politikern noch nicht so gans. Ich hatte so ein Gefühl gehabt aber es liegt mir nur auf der Zunge drauf und will nichtrüber. Soviele fitte gibt es doch unter sie ihnen schon lange ganicht mehr in Lüneburger Statdrat ,Können SIe mich mal informieren wie ihr Wizt nochmal gemeint gewesen ist?? Wolln Sie vllt. daß über all so alte rostige Radübereste und Tretesel rumgammeln oder was?

      • Walter Marsing
        ich habe gehört, das umweltamt und der stadtrat wollen enger zusammen arbeiten. dazu wird jetzt ein sponsor gesucht, der diesen älteren herrschaften e-bikes zur verfügung stellt. mit der erlaubnis, die akkus auch vorort aufladen zu dürfen. was nützt sonst ein leerer akku? die würden ja sonst, so untrainiert wie sie sind, nicht wieder bis nachhause schaffen.

        • Walter Marsing

          Isses denn iEne so furchbar lange Raddelstrecke vom Huhldigungs Saal bis zum umweltAmt ? Wirden Sollar -Rolators da nich auch genügn? Oder derr Pauli und die Grunausche schiebn die Adnern rüberszu.

  5. ach ja, so ist es, wenn ein pferd von hinten gesattelt wird. gäbe es mehr service von den kaufleuten, könnten man glatt mit dem fahrrad einkaufen. die lz kann man ja ,,knicken,, , aber vieles eben nicht.

    • Klaus Bruns, in drei, vier Jahren kommen, wenn es nach Sascha Spoun und Klaus-Dieter Salewski geht, Pferde, Kaufleute , Pizza und Zeitungen ohnehin aus dem 3D-Drucker (Fahrräder, Ampelschaltungen und Tabletten fürs Glücklichsein wahrscheinlich auch). Das Einzige, was Sie dann noch wirklich müssen bewegen können, ist Ihr Zeigefinger über dem Service-Knöpfchen Ihres Taschentelefons.

  6. Heinz-Werner Richner

    Schade, dass Andreas Meihsies und Ulrich Löb nun unwiederbringlich entmachtet sind. Sie waren die einzigen, die mit der vollen wilden Power von echten Schmusekatzen für die Zukunft von Lüneburg als Fahrradstadt gefightet haben.

    Quo vadis „integriertes Stadtentwicklungskonzept für die nächsten zwei Jahrzehnte inklusive Verkehrsentwicklungsplan mit dem Ziel innerstädtischer Verkehrsberuhigung und konsequenter Umsetzung des Radverkehrskonzepts Lüneburg 2015“ ?

  7. Mit Muskelenergie für eine zukunftsfähige Hansestadt

    … wird dann vielleicht die Gruppenvereinbarung von SPD und AfD, den beiden mutmaßlich stärksten Fraktionen im Rad-Rat der natur- und umweltorientierten Velo-City ab Nein-Ihläwen-Tuhßausendsixtien lauten.

  8. Vorbild für Altstadt und Hanseviertel

    Das autofreie Stadtviertel Floridsdorf in Wien besteht schon seit zehn Jahren. Bei Einzug verpflichten sich dort die Mieter, ohne Auto zu leben. Die Stadtverwaltung gab nun eine Studie in Auftrag, um die Lebenssituation im Bezirk zu untersuchen.

    Die Ergebnisse sind durchaus interessant: so wird das Fahrrad im Vergleich zum Wiener Durchschnitt etwa zehnmal so häufig genutzt! Im Durchschnitt kommen auf jeden Bewohner 1,5 Fahrräder – gerechnet wurde mit 2,5 Fahrrädern pro Haushalt, so dass zusätzliche Fahrradboxen und Unterstellmöglichkeiten nötig wurden.

    Besonders auffallend: etwa ein Viertel aller Bewohner gab das Auto auf, um in die Siedlung ziehen zu können. Der Wille für ein anderes Verkehrsverhalten ist also durchaus vorhanden, sobald das entsprechende Umfeld geschaffen ist.

    Im Freiburger Vauban-Viertel (über das vor kurzem sogar in der New York Times berichtet wurde: http://www.nytimes.com/2009/05/12/science/earth/12suburb.html?_r=0) ist dieser Anteil laut einer anderen Studie sogar noch höher: 57% der Bewohner verkauften dort ihr Auto, um einziehen zu können. Dabei war der Autoverzicht dort freiwillig, die Bewohner konnten Parkplätze im benachbarten Parkhaus zu Marktpreisen (ca. 10.000 €) erwerben. Diejenigen, die dies „zur Sicherheit“ taten, merkten zu ihrer eigenen Überraschung, dass sie die Flächen so gut wie gar nicht nutzten. Auch in München verläuft ein Projekt seit über zwanzig Jahren erfolgreich: http://wohnen-ohne-auto.de/sites/default/files/20-Jahre-WOA-Muenchen.pdf

    Überraschend ist auch, dass laut der Wiener Studie in den europäischen Ballungszentren und urbanen Gebieten etwa 40% der Haushalte ohne Auto leben. Es wird Zeit, dass sich diese Gruppe endlich der Politik gegenüber bemerkbar macht. Das Auto ist in den Städten sehr viel präsenter, als sich rational rechtfertigen lässt.

    Hier geht es zur vollständigen Wiener Studie und einer Zusammenfassung der Ergebnisse: http://www.wohnbauforschung.at/index.php?id=351

    MlG, Peter Förster aus Reppenstedt

  9. Hallo Herr Jenckel

    Die „Leuphana Universität Lüneburg“ bzw. ihre „Autoritäten“ behaupten auf ihrer Website nur, sie „ADRESSIERTEN“ bloß „die Herausforderungen der Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ in „Forschung und Studium“. Ich dachte bisher, dass leuphanatische Präsidialpersonalitäten und deren „Management und Entrepreneurship“-Affiliationäre den Ehrgeiz besäßen, „die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ nach ihren Vorstellungen sogar „FORMEN“ zu wollen, werde eher ironisch grinsend hinter vogehaltener Hand weitergezischelt, aber niemals platterdings ausgesprochen? Ob aber Fahrräder und „Koalitionspapiere“, also weitgehend automatisierungsresistente und wenig datenproduktive Relikte aus der analogen Welt, bei den visionären Projekten weltweiter digitaler „Bildungs- und Steuerungsangebote“ in der „Werkstatt der Veränderungen“ auf dem „vom nebenberuflichen Professor der Leuphana Daniel Libeskind entworfenen Campus der Zukunft“ wirklich eine Rolle spielten, spielen oder spielen werden, wer weiß das schon?

    Wie kommen Sie also zu Ihrer weitgreifenden Annahme, „Fortbewegung mit minimalem Schadstoffausstoß“ passte „auch zu einer Uni, die die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts formen will“? Gibt es auch nur im Ansatz brauchbare, umwelt- und verkehrspolitische Analysen und Konzepte von Universitätsmitarbeitern oder -studierenden, die sich mit den Möglichkeiten und Grenzen eines gewollten (nicht erzwungenen) Wandels von der Auto- zur Fahrradstadt Lüneburg unter Berücksichtigung des volkswirtschaftlichen, ökologischen und gesundheitlichen Kontextes beschäftigt haben? Mir ist da nüscht bekannt.

    Lena Bergmann

  10. Claudia Schmidt

    Hallo Herr Jenckel, vielen Dank für den Blog!

    Als Mitglied des Verkehrsausschusses und als Mitglied im VCD muss ich sagen, dass mir der Wechsel hin zur postfossilen Mobilität auch VIEL, VIEL zu langsam geht!!

    Privat haben wir 2009 den entscheidenden Schritt längst gemacht. Seitdem gestalten wir unser Leben ganz ohne eigenes Auto. 2004 hatten wir noch zwei Autos und einen Großteil meiner Zeit habe ich als Mama-Taxi verbracht. Heute unvorstellbar.

    Aber auch wir haben mehrere Jahre gebraucht von der ersten Überlegung ein Auto abzuschaffen bis zur Umsetzung, inklusive Probephase. Eine Veränderung der sozialen Normen braucht Zeit und gutes Marketing, für das ich mich genauso wie Sie mit Ihrem Blog einsetze.

    Und jetzt mal der Reihe nach die von Ihnen angesprochenen Punkte:

    Vorrangschaltung für Radfahrer an der Scholze-Kreuzung. Ja, hier stellt sich in der Tat die Frage: Mogelpackung oder Fehlprogrammierung. Die Frage soll im nächsten Verkehrsausschuss beantwortet werden. Schau’n wir mal.

    Mobilitätszentrale, richtig wichtig. Ein Konzept wurde entwickelt: Allgemeine Gepäckaufbewahrung, Abstellmöglichkeiten für Räder von Touristen mit Gepäck, Verkauf von Fahrkarten für Metronom, DB und KVG, Anlaufstelle für CarSharing und Stadtrad, Reinigung von Fahrrädern (Waschstraße), Anlaufstelle für den Transport mit elektrischen Lastenrädern im Stadtgebiet usw.und vielleicht auch Meckerstelle – hatten wir aber nicht auf der Agenda ;-). Das Geld für eine Startfinanzierung stand schon 2012 im Haushalt inklusive Unterstützung durch Hannover. Doch nachdem die DB eine weitere Verkaufsstelle in Lüneburg nicht in Aussicht gestellt hat, hat sich kein Interessent gefunden, der sich in der Lage sah das Projekt dauerhaft umzusetzen. Bin mir aber sicher, über kurz oder lang wird die Idee zur Umsetzung kommen.

    Einbahnstraßen: Lüner Str. zur Hälfte umgesetzt. Immerhin mehr als nichts…

    Von Ihnen nicht angesprochen:

    Die zahlreichen Umlaufsperren in Lüneburg. Einige wurden entfernt (Klinikum) andere müssen weiter akrobatisch umfahren werden. Thema bleibt auf der Agenda

    Außerdem kämpfen die Grünen immer wieder darum die Anzahl der Autostellplätze zu reduzieren. Eine LZ-Leserbriefschreiberin hatte mal 90 Hektar Stellfläche für die Autos in der Hansestadt ausgerechnet. Ist doch verrückt, oder?

    Die Hansestadt arbeitet gerade an einem Lärmminderungsplan, hat auch was mit Radverkehr zu tun, der ist nämlich leise.

    Was mich gerade am meisten beschäftigt? Laut Beschluss im letzten Verkehrsausschuss wird der Radweg stadtauswärts auf der Dahlenburger Landstraße bis Gasthaus Nolte wieder auf den Hochbord zurückgebaut. Mein Vorschlag zunächst flankierende Maßnahmen – Auftragen eines Mittelstreifens und Anbringen von sogenannten Frankfurter Hütchen – umzusetzen, bevor zurückgebaut wird, wurde mit Ausnahme von Ulrich Blanck sowie Daniel Brügge von den Piraten und mir mehrheitlich abgelehnt. Michèl Pauly hatte kein Stimmrecht nannte diese Maßnahme aber reif für extra3.

    Claudia Schmidt

    • Karlheinz Fahrenwaldt

      Liebe Frau Schmidt,
      es ist ein Armutszeugnis, das sich im Verkehrsausschuss die drei stimmberechtigten Radfahrer gegen die Autolobby nicht durchsetzen konnten. Ein Rückbau des stadtauswärts führenden Radwegs an der Dahlenburger Landstraße auf den jetzt noch bestehenden Hochbordradweg erfüllt nach meiner Meinung den Tatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung. Ich fahre seit über 10 Jahren mehrmals in der Woche die Dahlenburger Landstraße in Lüneburg mit dem Rad rauf und runter und gerade dieses Stück bis zur Einmündung des Fußwegs zum Ostlandring habe ich früher hauptsächlich auf dem Fußweg befahren, da dort nur alle 50 Zentimeter ein Hoppeln im Rücken zu spüren war. Ich möchte Ihnen einmal im Zeitraffermodus zeigen, was mir in dieser Zeit so alles auf dem für Radfahrer viel problematischeren gegenüber liegenden Radweg stadteinwärts passiert ist:
      Beim Start an der Stadtgrenze Richtung Innenstadt geht es gemächlich auf einem etwas holprigen Radweg los (alle Radwege in Lüneburg mit schwarzer Fahrbahn sind mehr oder weniger holprig). Wenn an der Igel Schule Schulschluss ist, hält man als Radfahrer besser an, da man nie weiß wohin die Kinder laufen und schiebt sein Rad. Dann fährt man weiter und ist wachsam an der Einmündung der Stadtkoppel (Busse, erhöhtes Verkehrsaufkommen, Links- und Rechtsabbieger die einem die Vorfahrt nehmen können oder den Radweg versperren). Wenn ein Bus an der Haltestelle hinter dem Wachholderweg anhält, steigt man besser erneut vom Rad (§1StVO), da es Buspassagiere gibt, die einfach losrennen ohne zu gucken und kann danach weiterfahren bis zum Ahornweg. Da der dort vor dem Radweg stehende Bus nach links in die Dahlenburger einfahren möchte, steigt man als Freund und Förderer des ÖPNV erneut ab, drückt dir dortige Fußgängerampel und der Bus kann dann gefahrlos einfahren und man kann erneut sein Rad besteigen. Wenn viel Verkehr auf der Landstraße ist, muss man gleich wieder an der Tankstelle absteigen, da 2 Autos den Rad- und Fußweg blockieren. Hinter der Kastanienallee beginnt die extreme Schüttelstrecke und vor der Ecke Spangenbergstraße lief mir ein Passant ins Rad, der am Geldautomaten war, sein Auto auf der Straße parkte und einfach losging beim Geldzählen. Und dann kommt Tempo in die Geschichte: Es geht stark bergab! Am ehemaligen Unfallschwerpunkt der Einmündung des Pulverwegs bin ich einer Frau trotz Vollbremsung in die Beifahrertür gefahren und sie behauptete allen Ernstes, ich sei zu schnell gefahren (mit dem 8-Gang-Damenrad maximal 25 kmh)! Durch das blinkende Warnschild und die knallrote Markierung des Radwegs hat sich hier die Situation verbessert. Wohl gemerkt. Das war nicht alles auf einer Fahrt! Aber ein Radweg auf der Straße ist wesentlich entspannter zu befahren und auch nicht so gesundheitsschädlich!

    • Hallo Claudia Schmidt

      vielen Dank für Ihren erhellenden Blog-Kommentar. Wie kommt es denn eigentlich, dass Sie als Repräsentantin der Kommune und damit als Teil des politischen Wollens nicht wissen, ob es sich bei der bisher einzigen (!) Lüneburger Vorrangschaltung für Radfahrer um eine Mogelpackung oder eine Fehlprogrammierung handelt? Und ist eine Mobilitätszentrale in der Innenstadt ohne DB wirklich nicht zu machen? Was mich auch wundert: Sie als Mitglied des Verkehrsausschusses, als Mitglied im VCD, vor allem aber als Mitglied des Stadtrates, der BündnisGrünen und damit der Mehrheitsgruppe dermaßen erstaunt zu sehen, wie wenig sich in Sachen Fahrradstadt Lüneburg getan hat, dass Sie nun regelrecht ausrufen, dass Ihnen „der Wechsel hin zur postfossilen Mobilität auch VIEL, VIEL zu langsam geht!!“

      Ja, liebe, sehr verehrte Frau Schmidt, wo waren Sie denn während der letzten fünf Jahre, als die im „Koalitionsvertrag“ verabredeten „Zukunftskonzepte“ ihren nur von ganz wenigen traumverlorenen Stadtmarketing- und Bekenntnisseufzern unterbrochenen Dornröschenschlaf hielten?

      MfG, Dirk Müller

    • Liebe Frau Schmidt, wie der Lärmminderungsplan die Entwicklung zu mehr Rad- statt Kfz-Verkehr positiv beeinflussen kann, müssen Sie mir mal erläutern.

    • Hallo, Frau Schmidt, wenn es eine Mogelpackung gibt, muss es doch auch Mogler bzw. Moglerinnen (leuphanatisch: Mogelnde) geben. Doch wer sollte schummeln wollen? Und warum?

  11. Gerhild Tietjens

    Seit Mai 2012 hat die Verwaltung der Stadt Lüneburg einen „Beauftragten für Nachhaltigkeit“, wie es die Gruppenvereinbarung zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen in der Hansestadt Lüneburg vom 27. Oktober 2011 in Teil XII („Mobilität“) Punkt 15 vorgesehen hatte: Dr. Karl-Heinz Rehbein. Der, damals 57-, heute 61-Jährige, erklärte seinerzeit: „Ich finde es spannend, nach einem doch schon längeren Berufsleben jetzt die verschiedenen, auch privat gesponnenen Fäden noch einmal ganz neu zusammenzuführen. Einerseits Ingenieurswissen im Bereich Tiefbau, Grünflächen, aber auch Verkehrsentwicklung, anderseits komme ich ja aus einer alten Fischerfamilie, habe in der Freizeit viel zum Thema Elbe, Naturschutz, aber auch Heimatgeschichte geforscht.“ Da „Nachhaltigkeit“ alle Lebens- und damit auch Verwaltungsbereiche betreffe, gehe das Thema jeden etwas an, so Dr. Rehbein. „Das möchte ich gern fassbar machen und so dieses ein wenig abstrakte Wort mehr vor Ort erden.“

    Mich würde interessieren, wie weit Herr Dr. Rehbein in den vier Jahren seines „fädenzusammenführenden“ Rackerns „vor Ort“ beim „Erden“ des Wackelpuddingwortes „Nachhaltigkeit“ vorangekommen ist und ob zur Erfüllung seiner „Aufgabe“: der „Vermittlung zwischen Verwaltung, Politik, Bürgern, Universität und anderen Akteuren für ein zukunftsfähiges Lüneburg“ auch die tatkräftige (und sicht- bzw. nachweisbare) „Umsetzung des ‚Radverkehrskonzeptes Lüneburg 2015′“ gehörte, deren „Fortsetzung“ bereits in Punkt 5 von Teil XII der „Gruppenvereinbarung zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen in der Hansestadt Lüneburg vom 27. Oktober 2011“ gelobt und bekräftigt worden war. Immerhin, so liest man, „wertet die Hansestadt selbst“ sich schon seit Jahren und nicht zuletzt durch das Schaffen der neuen (Dr. Rehbeinschen) Stelle im Jahre 2012 als „Vorreiter in den Bemühungen um Nachhaltigkeit“.

    Wie „nachhaltig“ waren und sind die Bemühungen der hansestädtischen Vorreiterin und ihres (dieser Vorreiterei immer lustig voraustrabenden) „Beauftragten für Nachhaltigkeit“ beim „Fassbarmachen“ von Fortschritten „auf dem Wege zu einer verkehrsberuhigten Innen- und einer gesunden und umweltschonenden“ Fahrradstadt Lüneburg?

    • Ich würde Herrn Dr. Rehbein und „die Stadt“, mit der vor allem Herr Mädge sich gern verwechselt, eher fragen wollen, nicht wie weit sie „mit dem Fassbarmachen von Fortschritten“, sondern wie weit sie „mit den Fortschritten selbst“ auf dem Wege zu einer verkehrsberuhigten Innen- und einer gesunden und umweltschonenden Fahrradstadt Lüneburg gekommen sind.

      Wurde Herr Dr. Rehbein als Grüßaugust bei Reklameveranstaltungen, als Kommunikator und Illusionist für beschönigende Nachhaltigkeitsrhetorik à la „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ engagiert? Oder gehört es auch zu seinen Aufgaben, bei echten, also bereits vereinbarten konkreten politischen Vorhaben wie zum Beispiel dem Radverkehrskonzept nachzuhalten und deren zügige Realisierung innerhalb der Verwaltung voranzutreiben?

  12. nur mal so am rande, beim spiegel zu lesen.
    5. An meine lieben, ehemaligen Genossen
    katamino heute, 11:36 Uhr
    Ich hätte da einen Vorschlag, wie ihr Euch vor dem unvermeidlichen Untergang retten könntet. Hier meine Rettungsanleitung: Die Pseudo-SPDler unter Euch, besonders die vom Seeheimer-Kreis, wechseln ausnahmslos in die FDP.
    da hat tatsächlich jemand die gleiche meinung , wie ich, wer hätte das gedacht? schmunzel.

    • Hallo Klausi, du schreibst sogar für SpiegelOnline? (Vgl.: http://www.spiegel.de/forum/politik/spd-misere-darum-stuerzen-die-genossen-immer-weiter-ab-thread-446384-1.html) Ich gratulier recht schön. Aber warum unter falschem Namen? Bei Blog.jj gerierst du dich doch immer als Ritter Redlich, den reitenden Reppenstedter Klarnamen-Revoluzzer. Und was hat dein publizistischer Paukenschlag von heute Mittag eigentlich mit dem Thema hier zu tun?

      „da hat tatsächlich jemand die gleiche meinung , wie ich, wer hätte das gedacht? schmunzel“ ?

      Die gleiche Meinung? Weiß´de wie das kommt? Wahrscheinlich ungefähr so wie im berühmten Klopslied :

      Ick sitze da un‘ esse Klops
      uff eemal klopp’s
      Ick kieke, staune, wundre mir,
      uff eemal jeht se uff die Tür.
      Nanu, denk ick, ick denk nanu
      jetz isse uff, erscht war se zu!
      Ick jehe raus und blicke
      und wer steht draußen? Icke!

      • Sebastian, ihre annahme, ich schreibe auch woanders, ist zwar richtig, aber doch falsch. hin und wieder habe ich meinen senf bei welt-online abgelassen. dieses aber beendet. beim spiegel habe ich noch nie etwas reingesetzt und werde es auch in keiner anderen zeitung mehr tun. die lz ist mir nun mal am liebsten. ich glaube, sie müssen damit leben. schmunzel

  13. Wo der Spaß aufhört

    Besetzt. Immer wieder besetzt. Den ganzen lieben Montag lang ist bei der Zulassungsstelle kein Durchkommen. Das kann nur daran liegen, dass Tausende Lüneburger Geländewagen-Fahrer die Leitung blockieren, weil sie ihr SUV (steht für: Super unnützes Vehikel) stilllegen wollen. Wahrscheinlich dauert es so lang, weil sie die Behördenmitarbeiter vorher noch um Vergebung bitten für ihre Sünden wider die Ökobilanz, den guten Geschmack und das Gebot, keinen öffentlichen Parkraum zu verschwenden.

    Die Augen geöffnet hat ihnen ein hellblauer Zettel, der derzeit an Windschutzscheiben extrabreiter Protzschüsseln zu finden ist, etwa im Roten Feld, in Wilschenbruch, aber auch im Parkhaus Am Rathaus. Unter dem Wappen und dem Schriftzug der Stadt Lüneburg wird dem „sehr geehrten Verkehrsteilnehmer“ mitgeteilt, dass er leider ein sehr umweltschädliches Auto fahre. Das hätte der Fahrzeughalter freilich selbst wissen können, schließlich kann sich ja jeder denken, dass ein Zweieinhalb-Tonnen-350 PS-Allrad-Panzer mit 18 Litern Spritverbrauch (kombiniert / Herstellerangabe) kein Beitrag zum Klimaschutz ist.

    Die Verkehrsbehörde – wie ein von einer Lüneburger Zeitung in Auftrag gegebenes forensisches Handschriftengutachten ergeben hat, ist das Zettelchen mit „Grrllmmmm“ unterzeichnet – lässt dennoch Milde walten. Sie sieht von einer Verwarnung ab, bittet aber unbürokratisch darum, an einen der bekannten Umweltverbände zu spenden und das Fahrzeug zeitnah stillzulegen. Es folgt ein Rüge des unsolidarischen Verhaltens gegenüber Mitbürgern, die auch gerne einen Parkplatz hätten, aber keinen bekommen, weil die fahrende Burg allein für ihr überdimensioniertes Ego so viel Platz beansprucht wie zwei Ford Fiesta oder 46 Fahrräder.

    Hunderte von SUV-Fahrer überhäufen die Stadtverwaltung mit Beschwerden. So etwas müsse sie sich nicht bieten lassen, empört sich eine Bürgerin vom Graalwall. In bester Obelix-Manier („Dick? Wer ist hier dick?“) verteidigt sie ihren Möchtegern-Offroader. Der habe nämlich eine Anwohner-Parkberechtigung und sogar eine grüne Plakette. Überhaupt: Die Kontrolleure vom Amt brauchten wohl eine Schulung!

  14. Im vergangenen Jahr (2015) betrug der Anteil der Fahrradfahrer am Verkehrsaufkommen (Modal Split) in Greifswald (56.000 Einwohner) 44 Prozent. In Oldenburg (160.000 Einwohner) wurden 43 Prozent der Strecken mit dem Rad zurückgelegt, in Münster (290.000 Einwohner) waren es 38 Prozent.

    Alles vergleichbare mittelgroße Universitätsstädte.

    In Lüneburg (knapp 76.000 Einwohner) dümpelt die Zahl der Velopedalisten seit zehn Jahren bei knapp 20 Prozent herum, obwohl man (und Frau) innerstädtisch schneller, günstiger, gesünder, platzsparender, leiser, umweltschonender, verkehrsberuhigend, straßenentlastend zentrumbelebend und den lokalen Handel stärkend unterwegs ist.

    Wie kommt das?

    Gene oder Umwelt? Ist es die vererbte Strampel-Unlust des Salzstädters? Oder liegt´s vielleicht doch an den immer noch wenig entgegenkommenden Bedingungen und Möglichkeiten?

    • Karlheinz Fahrenwaldt

      Lieber Jan Kernig,
      die Antwort auf Ihre Fragen finden Sie größtenteils in meinem obigen Post beantwortet. Wenn in Städten der Radverkehr wichtig genommen wird und die Quantität und Qualität des Radwegenetzes hoch ist steigt auch automatisch die Anzahl der Nutzer. Wenn ich auf Radwegen dirchgeschüttelt werde, wie es auf über 50 % der Lüneburger Radwege der Fall ist, versuche ich natürlich sowenig wie möglich mit dem Rad zu fahren. Während in Amsterdam Schnellwege nur für Radler gebaut werden will man in Lüneburg vorbildliche Radwege abbauen! So kann man keine Verdichtung des Radverkehrs erreichen.

      • Barbara Ludwig

        Sehr geehrter Herr Doktor Fahrenwaldt,

        Sie sprechen hier als Privatmann, denn Ihre Ämter und Mandate haben Sie vor geraumer Zeit niedergelegt.

        Im Kommunalwahlprogramm der LüneLinken von 2011 gab es ein paar dürre Beschwörungsformeln in Richtung Rad-Visionen. Ziel der Verkehrspolitik sei die Vermeidung unnötiger Verkehre, schwächeren Verkehrsteilnehmern sei in der Verkehrsplanung grundsätzlich Vorrang zu geben, es gelte, die Anliegen von Fußgängern zuerst und die Anliegen von Radfahrern vor dem motorisierten Individualverkehr zu beachten. Der Linken Leitbild sei die menschen- und umweltgerechte Stadt und nicht die von den herrschenden Parteien betriebene autogerechte Stadt.
        Sie lehnten das Verkehrswegeplanungsbeschleunigungsgesetz ab, da es die demokratischen Rechte der BürgerInnen wesentlich reduziere und die Linke forderte, eine grundlegende Erneuerung des desolaten Radwegenetzes in der Stadt. Sie sei aus Sicherheitsüberlegungen dringend notwendig, da an vielen Stellen die Radwege für die RadfahrerInnen eine Gefahr darstellten.

        Aber seit dem Ausscheiden von Malte Riechey und seiner Rückkehr über Berlin nach Fehmarn, dessen Camping- und Ferienpark „Wulfener Hals“ vom ADAC 2015 erneut mit fünf Sternen sowie der höchsten Campingauszeichnung, „Best Camping“, prämiert wurde, gibt es bei den Linken niemanden mehr, der sich für das Projekt Fahrradstadt Lüneburg stark macht und dazu noch über Fach- und Detailkenntnisse verfügt.

        • Ziel der Verkehrspolitik sei die Vermeidung unnötiger Verkehre,
          ich musste schon lauter lachen, ihr scherz war aber wirklich ausgezeichnet. weiter so.

          • Vermeidung unnötiger Verkehre

            Aber genau so steht´s geschrieben, Herr Bruns:

            http://www.dielinke-lueneburg.de/kommunalwahl/kommunalwahlprogramm/#_Toc294175761

            Ob hier, wie Sie zu wähnen scheinen, jedoch auch an eine Verkehrspolitik im Sinne von außer- und vorehelicher sowie innerehelicher Selbstzucht, Unterwerfung der fleischlichen Begierden durch Verstand und kompensatorisches soziales und politisches Engagement, Kasteiung, Enthaltsamkeit, ja, Keuschheit und Askese oder gar an den Zölibat gedacht ist, vermag ich so ohne Weiteres nicht zu sagen.

            Denke ich allerdings an die vehementen Voten von Herrn Pauly zugunsten einer Erhöhung der Vergnügungs- und einer Einführung der Bettensteuer im vorletzten und erneut im vergangenen Jahr, will ich das auch nicht ausschließen.

            Barbara Ludwig

        • Karlheinz Fahrenwaldt

          Liebe Barbara Ludwig,
          ich schreibe zwar an meiner Doktorarbeit habe aber wegen der fehlenden Unterstützung der Leuphana Combo leider noch keinen Doktorvater gefunden (allerdings auch nicht gesucht). 🙂 Sie sollten mich also ohne Titel, den ich mir auch noch nicht verdient habe, ansprechen. Sagen Sie einfach „Herr Fahrenwaldt“ oder „Karlheinz“ (dann spreche ich Sie aber auch mit Barbara und du an). Auch als Privatier bin ich ein politisch denkender Mensch und habe als Kulturbeauftragter meiner Partei auch noch etwas (wenn es auch weniger geworden ist) zu sagen. Auch das Kommunale Wahlprogramm der Lüneburger Linkspartei wird an das von Ihnen zitierte von 2011 anschließen. Und mit Michèl Pauly haben wir ein Mitglied des VVC und des ADFC als Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat der erst aus beruflichen Gründen gezwungen war, einen Führerschein zu machen und ich hoffe, dass seine Qualifikationen auch im neuen Stadtrat mitwirken können und hoffe, dass er dann auch stimmberechtigt in jedem Ausschuss ist. Es mangelt unserer jetzigen Fraktion nicht am Sachverstand sondern an politischem Durchsetzungsvermögen. Mit 2 Abgeordneten kann man die politische Lüneburger Welt nur sehr schwer und mit langen Atem (wie beispielsweise bei der Fragen von Stadtwerken und Sozialcard) verändern.

      • Dr. Karlheinz
        du kennst doch holzwege, oder? in den wald fährt man mit dem rad? seltsam, ich muss immer mit meinem hund auf den verkehr im wald achten. ich meine jetzt nicht den hinter den büschen ,sondern auf den wegen. in meiner gegend kommen mir im wald mehr motorbetriebene fahrzeuge entgegen und von hinten, als räder.

        • Karlheinz Fahrenwaldt

          Lieber Klaus,
          versuches es mal mit dem Wald entlang der Ilmenau in Lüneburg – da kommen dir nur Radfahrer, Fußgänger und Jogger entgegen oder von hinten! Aber den Hund mußt du da an der Leine haben!

  15. nur mal so am rande
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article154562655/Die-Sozialdemokraten-sind-die-Kammerdiener-der-CDU.html
    broder ist zwar eine kanone vor dem herrn, aber wo er recht hat, hat sogar er recht.