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Lüneburgs Kaufleute, Herr Zeinert von der Handelskammer und die Gewissenskonflikte

Lüneburg Landeszeitung LZ Chefredakteur Christoph Steiner
Lüneburg Landeszeitung LZ Chefredakteur Christoph Steiner . F: be

 

 

(Premiere im Blog.jj: Heute schreibt LZ-Chefredakteur Christoph Steiner über Interessenskonflikte. Den Blog.jj pflegt der Online-Chef und Geschäftsführende Redakteur Hans-Herbert Jenckel. Gastkommentare sind willkommen.)

 

 

 

Lüneburg, 3. Juni

Zum Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg gehören die Stadt Wolfsburg sowie die Landkreise Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Uelzen, Lüchow-Dannenberg, Celle und Gifhorn. Die Kammer hat als eine Körperschaft öffentlichen Rechts die gesetzliche Aufgabe, das Gesamtinteresse der knapp 60.000 Gewerbetreibenden und Unternehmen in ihrem Einzugsgebiet wahrzunehmen.

Gesamtinteresse – das ist das Zauberwort. Eine Bevorzugung oder Zurücksetzung einzelner ist nicht vorgesehen, sondern vielmehr die Vertretung der gesamten Wirtschaft im IHK-Bereich.

Diese Verpflichtung hätte Michael Zeinert gemahnen können, vom Präsidentenamt beim Verein Lüneburger Kaufleute die Finger zu lassen. Er hat sich anders entschieden – mit dem Segen des Kammerpräsidiums für das Ehrenamt. Der IHK-Hauptgeschäftsführer läuft gleichwohl Gefahr gegen die Maßgabe der Neutralität bzw. Ausgewogenheit zu verstoßen und nährt zumindest außerhalb der Hansestadt Lüneburg den Argwohn, er habe in seinem Zuständigkeitsbereich durchaus Präferenzen.

 

Schließlich handelt es sich bei den gut 400 Mitgliedern des von ihm geführten Kaufleutevereins vorwiegend ebenfalls um Gewerbetreibende, die der kammerlichen Beitragspflicht unterworfen sind.  Argwohnentkräftend wirkt in dem Zusammenhang wohl auch die „Kaufhaus Lüneburg“-Anzeige (Seite 7/LZ-Ausgabe 2. Juni 2016) nicht, in der Michael Zeinert die Vorzüge der Einkaufsstadt mit warmen Worten preist.

 

Der IHK-Obere hat es bestimmt gut gemeint, das sollte man ihm zubilligen. Er hat den Kaufleuten, die für ihre Spitze aus den eigenen Reihen offenbar niemanden auf die Beine bringen, aus der Bredouille geholfen. Aber gut gemeint ist noch nicht gut gemacht. Denn auch der Apparat, den so ein Kaufmannspräsident zur Erfüllung seiner Aufgaben und für die ganze Logistik braucht, speist sich – davon ist auszugehen – aus dem Kammerfundus. Spätestens da gesellt sich zur Personalunion der Interessenskonflikt.

Christoph Steiner 

 

54 Kommentare

  1. Ja, lieber Christoph Steiner, der neue Präsident der Kaufleute Lüneburgs ist zugleich Hauptgeschäftsführer der eine ungleich größere Fläche umfassenden Industrie- und Handelskammer. Zudem ist er Bürger, wahrscheinlich Wähler, Ehemann, Vater, womöglich Sport- und Kulturinteressierter, sicherlich gelegentlich Reisender und manches mehr und jedenfalls Mensch. Wie jedes soziale Wesen hat er oft abzuwägen und wir alle wissen, dass sich Beruf und Familie, Ehrenamt und Vergnügen nicht immer trennscharf abgrenzen, jedenfalls aber nicht immer zur Zufriedenheit aller abdecken lassen. Danach unterliegt jeder Gewissenskonflikten und keine Position könnte besetzt werden. Wessen Interessen sollten so berührt sein, dass Michael Zeinert seine Finger hätte davon lassen sollen? Die des übrigen Kammerbezirks wegen womöglich erhöhten Engagements für Lüneburg? Dem ist vorgebaut worden durch Befragung des IHK-Präsidiums und dessen zustimmendem Votum. Und gut. Lassen wir ihn mal machen …

    • Friedel Danckwardt

      Hallo Herr RA Luths,

      Sie wissen, dass Sie Unfug schreiben.

      Gewiss, „Bürger, Wähler, Ehemann, Vater, Sport- und Kulturinteressierter, Reisender, sicher manches mehr und jedenfalls Mensch“ ist Herr Zeinert ohne Frage. Und bestimmt wissen wir alle oder sollten wir alle wissen, „dass sich Beruf und Familie, Ehrenamt und Vergnügen nicht immer trennscharf abgrenzen, ihnen jedenfalls aber nicht immer zur Zufriedenheit aller“ Anspruchsbereiche gerecht werden lässt.

      Die Prämisse ist richtig, aber unvollständig, die Schlussfolgerung daher – und weil Ihre Analogie nicht taugt – falsch.

      Aus der empirischen Tatsache, dass ich verschiedene, aus zeitlichen und kategorialen Gründen nicht immer kompatible soziale Rollen bekleide, lässt sich keine moralische Konsequenz ableiten. Aus einem Sein folgt kein Sollen (oder Nichtsollen). Wenn ich meine Familie vernachlässige, weil ich mich beruflich zu sehr engagiere, dann ist das ein Ziel-, aber kein Gewissenskonflikt.

      Ihr Satz: „Danach unterliegt jeder Gewissenskonflikten und keine Position könnte besetzt werden.“ ist ein polemischer Sophismus. Die Unvereinbarkeit von persönlichen Präferenzen ist ein Problem der Güterabwägung und also etwas ganz anderes als die Unvereinbarkeit von Pflichten, die sich aus einer Entscheidung für dieses oder jenes Gut ergeben. Habe ich mich entschieden, Vater zu sein, kann ich nicht jeden Abend bis in die Puppen Marihuana rauchen. Habe ich mich entschieden, Richter zu sein, kann ich nicht mit der Angeklagten zum Tanzen gehen.

      Dann fragen Sie: „Wessen Interessen sollten so berührt sein, dass Michael Zeinert seine Finger hätte davon [vom VLK-Präsidium] lassen sollen?“ Und die Antwort, die Sie geben, trifft genau den Grund: Berührt könnten die Interessen von Anspruchsgruppen „des übrigen Kammerbezirks wegen womöglich erhöhten Engagements für Lüneburg“ sein. Exakt! Denn schon der Anschein fehlender Unparteilichkeit schadet dem Vertrauen der Mitglieder in die Integrität des IHK-Hauptgeschäftsführers und damit dem Vertrauen in die neutrale Interessenvertretung aller Gewerbetreibenden und Unternehmen durch die IHK-Lüneburg-Wolfsburg in ihrem Einzugsgebiet.

      Wie „durch Befragung des IHK-Präsidiums und dessen zustimmendem Votum“ einem solchen moralischen Konflikt sollte „vorgebaut worden“ sein können, müssen Sie mir mal erklären. Woher kann denn dieses „Präsidium“ wissen, welche Schwierigkeiten entstehen können oder entstehen werden? Kann der Direktor der Herderschule einem seiner in Deutsch Evern wohnenden Lehrer die Vollmacht geben, den Club der ortsansässigen Herderschüler zu päsidieren, und meinen, er habe damit jeden Verdacht in Barendorf und Scharnebeck ausgeräumt, in dessen Klassen würden künftig Begünstigung und Ungerechtigkeit ins Kraut schießen?

      • Herr Danckwardt, für Sie noch ein einfaches Beispiel: Ein Politiker, der durch Direktmandat seiner Heimatregion in den Bundestag gewählt wird, soll ja eigentlich dem deutschen Volke dienen und setzt sich doch für die Belange seiner Heimatregion ein. Kann so jemand noch Bundesminister werden ohne den Verdacht ausgesetzt zu sein Präverenzen zu haben? Ich glaube Sie schreiben Unfug und lassen völlig außer Acht das unsere Gesellschaft auch auf Vertrauen aufbaut und nicht nur auf den Glauben an Missbrauch. Und außerdem, weil jemand für alle zuständig ist schließt das auch nicht aus, dass er sich trotzdem für einzelne einsetzt. Auch das kann allen dienen.

        • Lieber Bernd Peter Luths

          Die Mitglieder des Deutschen Bundestages (sogenannte Bundestagsabgeordnete) werden durch Bundestagswahlen direkt (Direktmandat) oder nach den Landeslisten ihrer jeweiligen Partei gewählt. Mit der Erststimme wird der Abgeordnete des jeweiligen Wahlkreises und mit der Zweitstimme die Landesliste gewählt.

          Die Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag erwirbt ein gewählter Bewerber zur Bundestagswahl gemäß § 45 Bundeswahlgesetz „nach der abschließenden Feststellung des Ergebnisses für das Wahlgebiet durch den Bundeswahlausschuss […] mit der Eröffnung der ersten Sitzung des Deutschen Bundestages nach der Wahl.“ (https://www.gesetze-im-internet.de/bwahlg/__45.html)

          Bundestagsabgeordnete vertreten nach Art. 38 GG (http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_38.html) das ganze deutsche Volk im Deutschen Bundestag und sind bei Entscheidungen nicht an Weisungen und Aufträge gebunden, sondern NUR ihrem eigenen Gewissen unterworfen. Auch in der Frage, woher der (oder die) Abgeordnete sein (oder ihr) inhaltliches Gestaltungsinteresse nimmt, ist er (oder sie) allein seinem (oder ihrem) Gewissen unterworfen und NICHT den Wünschen seiner Wähler und NICHT den Belangen seiner Heimatregion. Der gewählte Abgeordnete übt sein Mandat im Parlament frei aus und ist dafür NIEMANDEM gegenüber verantwortlich und insbesondere an KEINE Aufträge der Wähler, seiner Partei oder seiner Fraktion gebunden, sondern nur an sein Gewissen.

          Ein imperatives Mandat, bei dem ein Abgeordneter an inhaltliche Vorgaben der von ihm Vertretenen oder der ihn entsendenden Partei-Vereinsgliederungen gebunden ist, genauso wie ein förmlicher Fraktionszwang, bei welchem den Abgeordneten im Parlament von der Fraktionsführung ihr Abstimmungsverhalten vorgeschrieben wird, ist in Deutschland verfassungswidrig, da er gegen das Prinzip des freien Mandats verstößt.

          Dass all das (Beispiel „Fraktionssolidarität“, Beispiel „Themenfindung“, Beispiel „Nebentätigkeiten“) in der parlamentarischen Praxis anders auszusehen SCHEINT, ist, wenn, wie SIE selbst schreiben, „unsere Gesellschaft auch auf Vertrauen aufbaut und nicht nur auf den Glauben an Missbrauch“, der freien Gewissensentscheidung jedes einzelnen Mitglieds des Deutschen Bundestages geschuldet. Dass sein Verhalten immer und IN JEDEM FALL das Ergebnis einer skrupulösen Gewissensprüfung und einer gewissenhaften Güterabwägung darstellt, müssen wir jedem Abgeordneten – bis zum Nachweis des Gegenteils – unterstellen.

          Etwas völlig anderes ist es, wenn der leitende Funktionär einer berufsständischen Körperschaft (mit erheblichen Legitimitäts-, Mitbestimmungs- und Transparenzdefiziten), welche die GESAMTE gewerbliche Wirtschaft einer bestimmten Region gegenüber dem Staat „vertreten“ soll, GLEICHZEITIG als Interessenvertreter einer speziellen FRAKTION und das auch nur innerhalb eines lokalen TEILS dieser regionalen Gesamtheit agiert. Interessenkonflikte sind definiert als Gegebenheiten, die ein Risiko dafür schaffen, dass professionelles Urteilsvermögen oder Handeln, welches sich auf ein primäres Interesse bezieht, durch ein sekundäres Interesse unangemessen beeinflusst wird. Wesentlich an der Definition ist, dass der Interessenkonflikt besteht, wenn DAS RISIKO der Beeinflussung besteht und nicht erst, wenn eine solche Beeinflussung tatsächlich auch stattgefunden hat.

          Mit freundlichen Grüßen

          Friederike (Friedel) Danckwardt

          • Hauptsache Wind machen Friedel. Zum einen, gibt es irgendwo eine Funktion oder Position ohne Risiko von Beeinflussung? Ich sehe keine außer beim lieben Gott vielleicht. Zum anderen könnte nach ihren Umschreibungen ein Funktionär, der für das Gesamte zuständig ist nicht mal einen Ausschuss leiten in dem es um Teilinteressen der Gesamtheit geht. In was für einer Welt sind sie eigentlich unterwegs?

    • Jürgen Wagner

      Liebe Frau Bernd,

      hier möchte ich mich kurz einschalten und Ihnen partiell recht geben: Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind konfligierende Interessen zwischen Auftragnehmern und Auftraggebern eher die Regel als die Ausnahme: Interessenkonflikte „sind da“; die Frage ist nur, wie man mit ihnen umgeht. Einen Arzt, der im Nebenberuf ein Bestattungsinstitut leitet, werden vermutlich auch Sie nicht konsultieren wollen. In jedem Fall muss, auch wenn man wie Sie rein ökonomisch argumentiert, eine Abwägung getroffen werden: A) Jeder Interessenkonflikt ist eine potentielle Quelle von Marktversagen mit – vielleicht – kurzfristigen Opportunitätserlösen aber mittelfristig – sicher – unkalkulierbaren Folgekosten; B) jede Eindämmung von Interessenkonflikten durch Verbote und andere Restriktionen seitens der Gesetzgeber und Vertragspartner verursacht (Opportunitäts-)Kosten, also entgangene Erlöse aus nicht genutzten Ressourcen.

      Grundsätzlich birgt jede Kooperation für den Auftragnehmer oder Treuhänder das Potenzial, die Wohlfahrtsposition des Auftraggebers durch inadäquat eigensüchtige Handlungen zu schmälern. Vergleichsmaßstab für die Unangemessenheit einer solchen Schmälerung ist zunächst jene Disposition, die der Auftraggeber, ausgestattet mit der Sachkenntnis und Detailinformation des Auftragnehmers, höchstwahrscheinlich selber getroffen hätte. Hier einige typische Ausprägungen, die vielleicht sogar Ihnen zu denken geben. Die Liste ist weder vollständig, noch sind die einzelnen Elemente in jedem Fall gegeneinander abgrenzbar:

      (i) Geschäfte des Treuhänders mit sich selbst, d. h. in seiner Eigenschaft als Vertreter und als Privatperson (self dealing). Beispiel: Der langjährige CEO einer Gesellschaft räumt seiner Person lebenslange Privilegien aufgrund seiner (unbestrittenen) Verdienste um den Börsenwert des Unternehmens ein, die von der Firma zu gewährleisten sind.
      (ii) Vorteilsnahme/passive Bestechung (accepting benefits). Denken Sie an die FIFA.
      (iii) Eigennützige Einflussnahme (influence peddling): Der Treuhänder nutzt seine Einflussmöglichkeiten aus, um eine dritte Partei, mit der er vertraglich oder auf andere Weise verbunden ist, zu begünstigen. Beispiele: Aufträge ohne Ausschreibung „zuschanzen“. Beispiel: Kurz vor der Übernahme durch Vodafone zahlt der Aufsichtsrat von Mannesmann an aktuelle und ehemalige Vorstandsmitglieder und ihre Angehörigen eine „Anerkennungsprämie“ in Höhe von insgesamt mehr als 100 Mio. €.
      (iv) Private Nutzung von Firmenvermögen (using your employer’s property for private advantage). Denken Sie an den ADAC (oder andere vereinsähnliche Körperschaften öffentlichen Rechts).
      (v) Ausnutzung vertraulicher Information für private Zwecke (using confidential information ). Wichtigstes Beispiel sind hier alle Arten von Insidergeschäften. (Stellen Sie sich nur einmal vor, es gäbe einen großen und als Auftragnehmer von städtischen und öffentlichen Projekten über Jahrzehnte sehr aktiven Bauunternehmer und „Immobilienentwickler“ in Lüneburg und Umgebung, der in derselben Zeit zugleich Stadtrat, Bauausschussmitglied, IHK-Präsident und Sparkassenaufsichtsrat wäre.)
      (vi) Kollidierende Nebenbeschäftigungen (outside employment): Der Treuhänder geht neben seiner Treuhandfunktion einer Beschäftigung nach, die entweder in unmittelbarer Konkurrenz zu seiner Treuhandtätigkeit steht, oder deren Erfolg wesentlich von seiner Treuhänderposition abhängig ist. Beispiele: Ein Hochschullehrer betreibt ein privates Klausurenrepetitorium. Ein Rechtsanwalt vertritt beide Prozessparteien in derselben oder in unterschiedlichen Angelegenheiten während eines schwebenden Rechtsstreits; ein Immobilienmakler steht mit Käufer und Verkäufer gleichzeitig in Geschäftsbeziehungen.
      (vii) Kollidierende Anschlussbeschäftigung (post-employment): Nach Beendigung des Vertretungsmandats nimmt der Treuhänder Beschäftigungen wahr, bei denen er spezifisches Wissen aus seiner Treuhänderfunktion möglicherweise eigennützig verwendet. Beispiele: ƒ Anschlussjob für den EU-Wettbewerbskommissar in einem marktführenden Unternehmen der Telekommunikationsindustrie.ƒ Eine Investmentbank, die über Jahre hinweg ein investor relations-Mandat für ein Unternehmen wahrgenommen hat, berät im Anschluss an das Mandat in einem Übernahmekampf einen Bieter für dieses Unternehmen. ƒVorstandsvorsitzender A wechselt nach Beendigung seines Mandats an die Spitze des Aufsichtsrats.

  2. Berthold Weinrich

    Oh mein Gott, was sich so alles „aus dem Kammerfundus“ des Hauptgeschäftsführers der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg „speist“, — wollen Sie dieses Fass allen Ernstes aufmachen?

    Für eine substantielle Diskussion müssten wir mindestens bis in den Herbst 2008 zurückgehen, in dem die Wahl Zeinerts möglich geworden war, weil das Oberverwaltungsgericht Lüneburg die Abberufung des früheren Hauptgeschäftsführers Wolfram Klein im April jenes Jahres für rechtens erklärt hatte. Dieser hatte gegen seine Freisetzung geklagt. Vor allem über die „Reform der Altersversorgung von Mitarbeitern der Kammer“ war es zum Streit zwischen Klein und dem IHK-Präsidium gekommen.

    Sie, Herr Steiner, schreiben, „Gesamtinteresse“ sei das Zauberwort. Und das im Hinblick auf eine Institution, deren Legitimation und Zweckdienlichkeit vom überwiegenden Teil ihrer Zwangsmitglieder seit mindestens dreißig Jahren vehement in Frage gestellt wird? Haben Sie sich nur einmal die einstellige Wahlbeteiligung zur Vollversammlung angeschaut, welche über die Besetzung von Ämtern und Gremien befindet?

    Und „Interessenkonflikt“? Das ist eine Vokabel die im Wortschatz eines IHK-Hauptgeschäftsführers nicht vorkommt, sofern es um seine Kammer geht — bzw. um das, was er und sein Präsident dafür halten. Ist es nicht schon merkwürdig genug, dass IHK-„Dienstleistungen“ im flagranten Wettbewerb mit Betrieben stehen, welche das Gleiche anbieten wie sie, sich aber durch die Beiträge von diesen „Wettbewerbern“ finanzieren lassen?

    Im Übrigen weiß ein Mann wie Zeinert feinsinnig zu differenzieren. Vor seiner Wahl wusch er seine Hände in lauterster Unschuld, als er die Auskunft gab, er kandidiere ja gar nicht als Hauptgeschäftsführer der IHK für das Präsidium des Vereins Lüneburger Kaufleute, sondern als dessen Mitglied.

    Klingt doch ein wenig, als würde Infantino mit treuherzigem Augenaufschlag sagen: „Ich lasse mir den Bau meiner neuen privaten 25-Millionen-Villa nicht in meiner Funktion als FIFA-Präsident vom Weltverband vorfinanzieren, sondern als Mitglied der großen, lieben Fußballfamilie.“

  3. Lieber Herr Steiner,

    tief ist der Brunnen des VLK-Wollens. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?

    Martin Aude, der Kaufmannspräsident der vergangenen neun Jahre, ist stolz darauf, „den Jahresbeitrag seines Vereins seit 2007 bei 150 Euro stabil gehalten“ und, man muss annehmen mit finanziellen Mitteln, nicht zuletzt auch „maßgeblich zur Stabilisierung der Lüneburg Marketing GmbH beigetragen“ zu haben, wo er nach dem Ausscheiden von Dirk Michael Perl-Habor als Interims-Aufsichtsratschef fungierte. In seinen sehr persönlichen Abschiedsworten, die mit „stehendem Applaus“ bedacht wurden, hatte Aude den Mitgliedern sowie seinem Vorstands- und Beiratsteam für die „bereichernde Zeit“ (Honi soit qui mal y pense!) seiner Vereinsführerschaft gedankt und in den Worten von Wilhelm von Humbold seine Überzeugung kundgetan: „Im Grunde sind es doch [oder „immer“ (die einschlägigen Internet-Listen für schmückenden Zitatbedarf schwanken hier)] die Begegnungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben“.
    http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/330212-kaufleute-mit-martin-aude-endet-eine-aera

    Ähnlich harmlos klingt, wenn man liest, der Verein verstehe sich weniger als Interessensverband. Im Vordergrund stehe die Bildung und Pflege von Netzwerken [oder gar „die Bildung“ und dann erst „die Pflege von Netzwerken“]. Dazu werde stets enger Kontakt zu allen wichtigen Organisationen und Verbänden in der Region gesucht.

    Die aktuelle Satzung formuliert die Zielsetzung des Vereins Lüneburger Kaufleute wie folgt: „Der Verein will die unterschiedlichen Interessen und vielfältigen Meinungen der Kaufmannschaft durch geistige und gesellschaftliche Begegnungen, Gedankenaustausch sowie Vorträge koordinieren und zum gegenseitigen Verständnis und zur Förderung untereinander beitragen.”
    http://www.verein-lueneburger-kaufleute.de/Der_Verein

    „Die Lüneburger Kaufleute treffen sich regelmäßig, um den Erfahrungsaustausch untereinander zu forcieren. Die einzelnen Mitglieder lernen sich dabei besser kennen und haben ebenso die Gelegenheit voneinander zu lernen. Zusätzlich zu den jährlich stattfindenden Veranstaltungen (Handelsball und Herrenabend) bietet der Verein seinen Mitgliedern Gelegenheit zur Teilnahme an lehrreichen, kulturellen und geselligen Veranstaltungen.“
    http://www.verein-lueneburger-kaufleute.de/Aktivitaeten

    Kein Business-Egoismus also, kein Wort von Chancenmanagement und informeller Geschäftsanbahnung. Dies ist das Programm eines platonischen Swingerclubs für ökonomische Idealisten: Gut sein und Gutes tun, Gegenseitiges Verständnis fördern, dem Leben durch schöne Begegnungen Wert geben, das Lernen, die Bildung, die Geselligkeit, der Austausch, die Na- und die Kultur und last but not least die Gemütlichkeit: das sind die Bestrebungen einer freien Assoziation merkantiler Vornehmheit, deren „festliches Highlight“ ein „Herrenabend“ ist, mit Bezug auf welchen betont wird, dass „besonders auch Damen“ eingeladen seien.

    Ungewohnt hart und derb und unverhohlen das Decorum des guten Tons, des Ziemlichen missachtend ist erst das Statement des Homo novus in diesem erlesenen Kreis der noblen hanseatischen Handelshoheiten, den Stiftern, Mäzenen und Spendenbrunnenfreunden.

    Michael Zeinert nämlich, lässt Michael Zeinert, als spräche er über jemand anderen, auf der VLK-Website verlauten, „möchte das Präsidentenamt bei den Lüneburger Kaufleuten nutzen, um den Verein als wichtigstes Netzwerk für aktive Entscheider und interessierte Führungskräfte weiter zu stärken und für neue Mitglieder zu öffnen. Inhaltlich treibt ihn vor allem die Stärkung der Lüneburger Innenstadt an. Hier kann der Verein über seine Beteiligung an der Lüneburg Marketing GmbH Einfluss nehmen.“
    http://www.verein-lueneburger-kaufleute.de/Geschichte

    So plump und geradeheraus die Absicht ausplaudernd hat vor dem IHK-Mann Zeinert unter den organisierten Lüneburger Kaufleuten noch niemand gesprochen. „Die Frage, wo sich der Verein zwischen den institutionalisierten Interessenvertretungen und den gesellschaftlichen Klubs von Lüneburg positioniert, ist nicht ganz einfach zu beantworten“, kann man stattdessen auf der Website lesen (http://www.verein-lueneburger-kaufleute.de/Geschichte). Aber immerhin hatte man an gleicher Stelle auch schon eingesehen: „Auf wirtschaftspolitischer Ebene steht der lokale Verein [Lüneburger Kaufleute] sehr viel regionalbezogener und individueller da als die überregionalen Institutionen der Wirtschaft wie z.B. dem [sic!] Arbeitgeberverband oder der [sic!] Industrie- und Handelskammer.“

    Meine Frage, Herr Steiner: In der Spannung zwischen gerade diesem „regionalbezogenen und individuellen Dastehen“ des VLK und dem „überregionalen Institutionssein“ der IHK sehen Sie die Möglichkeit von Interessenskonflikten bei Angehörigen beider Körperschaften und von Gewissenskonflikten im Inneren eines Mannes, dem abverlangt wird, den u. U. unvereinbaren Dienstanforderungen beider jederzeit und überall in vollem Umfang zu entsprechen? Könnten Sie mir (und anderen) vielleicht ein Beispiel geben, das ein solches denkbares moralisches Dilemma in größtmöglicher Tiefenschärfe und mit viel Kontrast so illustriert, dass jedermann erkennen kann, was genau Sie da meinen?

    • Satzung des Vereins Lüneburger Kaufleute = „das Programm eines platonischen Swingerclubs für ökonomische Idealisten“

      Zum Schreien. Ich halte mir immer noch den Bauch vor Lachen.

  4. Karlheinz Fahrenwaldt

    Lieber Herr Steinert,
    kann es aber nicht auch möglich sein, dass die zunehmende derzeitige Prekarisierung des Mittelstands die Auswahl für geeignet gehaltenen Personals für diese gehobenen Positionen stark eingrenzt? Die Suche nach einer geeigneten Nachfolgerin für Frau Scherf ist doch auch bemerkenswert. Die exorbitant hohen Managereinkommen sind zum überwiegenden Teil dieser Tatsache geschuldet und nicht zuletzt ist sicher auch die Personalie Donald Trump als amerikanischer konservativer Präsidentschaftskandidat ein Hinweis darauf, dass der Machtelite das Personal ausgeht.

    • Maximilian Koerber

      Herr Fahrenwaldt, was faseln Sie da? Prekarisierung des Mittelstands? Als „prekär“ bezeichnen die Sozialwissenschaften die soziale Lage von Menschen, die Gefahr laufen, in die Armut und in die damit verbundene soziale Ausgrenzung abzugleiten. Selbst wenn wir zugestehen, dass Armut relativ ist, das heißt, in entwickelten Gesellschaften wie der unseren in Lüneburg keine Frage des physischen Überlebens mehr ist – wie noch in vielen Ländern der sogenannten Dritten oder Vierten Welt –, sondern eine Frage des angemessenen Lebens; wenn wir somit einräumen, dass die Armutsgrenze nicht durch ein physisches, sondern durch ein soziokulturelles Existenzminimum markiert wird und dass sie gleichzeitig auch ein psychisches Phänomen ist, weil materielle Unterversorgung mit der Versagung von allgemein anerkannten Lebenschancen in wesentlichen Bereichen der menschlichen Existenz einhergeht, nämlich mit dem weitgehenden Ausschluss von der Teilhabe am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben, – ich sage, wenn wir alles dies zugestehen, sehe ich gleichwohl nicht, auf wie viele, erkenne ich noch weniger, auf welche, und bezweifle ich rundheraus, dass auf die Mehrzahl oder gar auf nahezu alle der etwas über 400 Mitglieder im Verein Lüneburger Kaufleute eine so beschreibbare Lage zuträfe, so dass dadurch „die Auswahl des für geeignet gehaltenen Personals für die gehobene Position eines Vereinspräsidenten der Lüneburger Kaufleute stark eingegrenzt“ gewesen wäre. Des weiteren glaube ich nicht daran, dass „die exorbitant hohen Managereinkommen zum überwiegenden Teil der Tatsache geschuldet sind“, dass der Lüneburger Mittelstand und seine Kaufmannschaft verelendet. Wobei Sie sich mit Monika Scherf als plausibilisierendem Exempel Ihrer abenteuerlichen Thesen sowieso vergriffen haben, denn erstens ist die ehemalige Kreisrätin nie Kaufleutepräsidentin gewesen und zweitens ist diese Position noch dazu ein Ehrenamt, das unentgeltlich und nicht für eine exorbitant hohe Managervergütung ausgeübt wird. Schleierhaft ist mir überdies, was Sie in diesem Zusammenhang mit Donald Trump wollen. Klar, wie Michael Zeinert es bis zum Abend des 20. Mai im Glockenhaus war, ist nun auch Trump eine Art Präsidentschaftskandidat. Allerdings, wie Sie selbst schreiben, im fernen Amerika. Wieso dieses Faktum „ein Hinweis darauf sein soll, dass der Lüneburger Machtelite das Personal ausgeht“ und dies insbesondere im Verein unserer Kaufleute, verstehe ich nicht.

      • Maximilian Koerber
        sehe ich gleichwohl nicht
        und da genau liegt ihr problem. ihre ganze argumentenkette ist darauf ausgelegt. wenn man die arbeitslosen relativiert, sind sie gegenüber einem afrikaner im busch reich. wenn man die arbeitnehmer relativiert, die bei uns von ihrer arbeit nicht leben können, sind sie dazu schwer reich usw. was das verelenden der kaufleute angeht, dieses wird wohl kaum passieren, es wird die kaufmannslobby zu verhindern wissen. kennen sie die studie über die nachkommen der elitären gesellschaft? sie ist erschreckend. der volksmund sagt: der großvater hat die firma aufgebaut, der vater hat sie vergrößert ,deren kinder sorgen für die pleite.

      • Karlheinz Fahrenwaldt

        Lieber Maximilian Koerber,
        Sie können oder wollen mich nicht verstehen, da Sie meine Position, dass es derzeit eine verstärkte Prekarisierung des Mittelstandes gibt, nicht teilen. Aber mit persönlichen Beschimpfungen können Sie die Tatsachen nicht ändern. Gehen Sie bitte mit offenen Augen durch Lüneburg und zählen Sie die lehrstehenden oder umgewidmeten Ladengeschäfte im Lüneburger Stadtgebiet. Gehen Sie durch die Lüneburger Industriegebiete und zählen Sie dort die lehrstehenden oder umgewidmeten Läger, Verkaufsstellen und fragen Sie dann beim Jobcenter und der Agentur für Arbeit nach, wie hoch der Prozentanteil der ehemaligen Selbständigen und Akademiker an den gesamten Anspruchsberechtigten ist und wie sich diese Zahlen in der jüngeren Vergangenheit verändert haben. Wo sind die ehemaligen unternehmergeführten Mittelstandsbetriebe wie Loewe-Pumpen, Lüneburger Eisenwerke, Barschee Druckmaschinen, Mohr Druck und jetzt auch Pickenpack Fischfeinkost heute? Ich halte die Kritik von Herrn Steinert für berechtigt und führe diese Ämterhäufung bei vielen Führungspersönlichkeiten der Wirtschaft auf eben diese Prekarisierung des Mittelstands zurück. Das Spitzenmanager heute überdimensionierte Bezüge erhalten können ist doch nach meiner Meinung der Tatsache geschuldet, dass das Angebot an für fähig gehaltenen Konkurrenten so gering ist, dass die Manager fast jede Einkommensforderung unabhängig vom Geschäftsergebnis gegenüber den Aufsichtsräten durchsetzen können.
        Und dass das kein deutsches Problem ist, habe ich am Beispiel Donald Trumps versucht deutlich zu machen; das Personalreservoir von Goldmann und Sachs ist halt nicht unendlich!

        • Maximilian Koerber

          Lieber Herr Fahrenwaldt,

          ob ich kann, weiß ich nicht, aber ich möchte Sie verstehen. Doch wollte ich weder Sie persönlich noch Sie selbst „beschimpfen“. Sollte dieser Eindruck bei Ihnen leibhaftig entstanden sein, möchte ich mich dafür entschuldigen, diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen zu haben. Das Verb „faseln“ war vielleicht flapsig gewählt, aber es ist gänzlich harmlos und bedeutet laut Duden nur leicht „unüberlegt“ oder auch „wirr, weitschweifig und ohne genaue Sachkenntnis von etwas reden oder über etwas schreiben“. An dieser Qualifizierung Ihres vorherigen Posts würde ich aber vermutlich auch dann grundsätzlich festgehalten haben, wenn ich mich für die vornehmere Vokabel „radotieren“ entschieden hätte. Im Übrigen haben Sie recht, Ihre „Position, dass es derzeit eine verstärkte Prekarisierung des Mittelstandes gibt“, teile ich nicht. Aber nicht deswegen nicht, weil ich die aktuellen Erwerbslosenzahlen vernachlässigen, die Ladenleerstände und die Billigkettenmonotonie im Stadtzentrum übersehen und das Verschwinden von Lüneburger Traditionsbetrieben ignorieren würde (unter denen die Schließung von „Pickenpack Fischfeinkost“ auch dann eine Katastrophe ist, wenn es sich weder um einen „unternehmergeführten“ noch um einen „Mittelstands-“ und schon gar nicht um einen hiesigen „Traditionsbetrieb“ handelt), sondern, weil ich eine Schwierigkeit mit dem Begriff „Mittelschicht“ habe.

          Mittelschicht sein, was heißt das eigentlich? Heißt das „Tagesschau“ gucken und wählen gehen – und zwar nie rechts oder links von der Mitte? Heißt das, die Kinder auf die Realschule oder das Gymnasium zu schicken, ihnen die Facharbeiterausbildung oder das Maschinenbau- bzw. Germanistikstudium zu finanzieren? Mittelschicht-Menschen machen Karriere oder auch nicht, aber sie versuchen es in der Regel und haben das Potenzial dazu. Mittelschicht-Menschen engagieren sich in Parteien, kaufen Opernabonnements, helfen im Altenheim aus, spenden an Brot für die Welt, gehen in die Kirche, trennen ihren Müll und halten sich an die Verkehrsregeln. Und weil sie eigentlich alles haben, was sie brauchen, versteuern sie ihr Einkommen in Deutschland und würden ihrem Nachbarn niemals „Bonzen raus“ in den Lack seines Jaguar ritzen. Ist die Mittelschicht also brav, bürgerlich und ein bisschen bieder? Vielleicht. – Vielleicht ist „Mittelschicht“ aber auch nur ein anderes Wort für die staatsbürgerliche Mehrheit. Oder anders gesagt: Als die durch den Alttag hin und herwuselnden fünfundachtzig Prozent ist sie der Garant für sozialen Frieden, ein Reservoir für Wissen und Bildung und das Immunsystem, das politische Extreme minimiert.

          Im ersten Teil des Animationsfilms „Ice Age“ gibt es eine Szene, in der sich ein paar kleine Dinosaurier ohne erkennbaren Grund auf dem Boden wälzen und seltsame Laute von sich geben. Die Dino-Mutter, die das Spektakel beobachtet, fragt mit strenger Stimme, was dieses bizarre Verhalten zu bedeuten hätte. „Wir spielen Aussterben“, antwortet eines der Jungen.

          „Aussterben“, das ist, scheint mir, auch eines der Lieblingsspiele der so beschriebenen „Mittelschicht“. Das ist Aufmerksamkeitsmarketing unter Anspruchsgruppen in Mangelsituationen. Wir produzieren nicht zu wenige, sondern viel zu viele Akademiker, Herr Fahrenwaldt. Wen wundert es, wenn unter den „Anspruchsberechtigten“ von sozialen Leistungen immer mehr Hochschulabsolventen und ehemalige „Entrepeneure“ mit Business-Abschluss sind, wenn zehnmal so viele ausgebildet werden, wie „der Arbeitsmarkt“ absorbieren kann?

          Ja, Herr Fahrenwaldt, wir leisten uns zehn Prozent Abgehängte und wir ertragen fünf Prozent obszön Reiche. Das ist ein Riesenproblem und in vielen Fällen ein Trauma.

          Aber, auch wenn ich, wie Sie, die Kritik von Herrn Steiner am Verhalten von Herrn Zeinert für berechtigt halte, hat eine solche „Ämterhäufung bei vielen Führungspersönlichkeiten der Wirtschaft“ NICHTS mit der von Ihnen frei erfundenen „Prekarisierung des Mittelstands“ zu tun. Und auch, „dass Spitzenmanager heute überdimensionierte Bezüge erhalten können“ ist NICHT „der Tatsache geschuldet, dass das Angebot an für fähig gehaltenen Konkurrenten so gering ist“. Das ist einfach nicht wahr. Das Angebot an geeigneten Personen, die z. B. Herrn Zeinert als Hauptgeschäftsführer der IHK Wolfsburg-Lüneburg schon heute Nachmittag ohne Qualitätseinbuße ersetzen könnten, ist faktisch unüberschaubar.

          Und dennoch: Warum schlonzt ein Rüde immer so ausgiebig an seinem Schniepel, Herr Fahrenwaldt? Fragen Sie den Reppenstedter Hundefreund Klaus Buns! Der Rüde tut es — weil er´s kann.

          • Und dennoch: Warum schlonzt ein Rüde immer so ausgiebig an seinem Schniepel, Herr Fahrenwaldt? Fragen Sie den Reppenstedter Hundefreund Klaus Buns! Der Rüde tut es — weil er´s kann.
            dieses ist in der tat nicht nur bei hunden so. übrigens, die mittelschicht hat es nie gegeben. es ist ein märchen der politik und deren lobbyisten aus der wirtschaft.

          • Karlheinz Fahrenwaldt

            Lieber Maximilian Koerber,
            das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist bei der Mittelstandsforschung nach meiner Kenntnis ganz weit vorne. Zur Einstimmung : http://www.diw.de/de/diw_01.c.100319.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen.html?id=diw_01.c.93556.de.
            Sie stellen hier Axiome auf, wo Beweise nötiger währen. Pickenpack war ein Hamburger Familienunternehmen, das die von Klaus Bruns oben beschriebene sprichwörtliche Entwicklung durchmachte: bevor es ganz pleite war wurde es jedoch mehrfach verkauft. Die gleiche Entwicklung droht auch bei DeVauGe und Werum. Einzig Inpreglion ist durch die Umwandlung in eine AG besser aufgestellt. Den Lokalkolorit und die Tradition haben Sie hier eingeführt! Vergessen hatte ich die ehemalige Weltfirma Lucia Strickmoden! Und wie erklären Sie sich die Tatsache, dass Manager trotz negativer Geschäftsentwicklung in verschiedenen Unternehmen überdimensionierte Bonuszahlungen erhalten?

          • Maximilian Koerber

            Herr Fahrenwaldt, das sehr unergiebige Gerede über Ihre vermeintlichen abstrakten Gesetzmäßigkeiten ermüdet mich. Treiben Sie das bitte mit ihren Astrologenfreunden vom DIW oder mit den Nachhaltigkeitsmagiern von der Leuphana weiter. Für mich ist die Wahrheit vor allem konkret. Und deswegen frage ich mich, aus welchem Grund und zu welchem Zweck ein Verbands-Apparatschik wie Michael Zeinert diesen lachhaften Präsidentenjob übernommen hat und nicht, inwieweit das mit einem globalen Strukturwandel im Inneren eines Theoriegespenstes wie der „Mittelschicht“ zusammenhängt. Die richtige Antwort auf diese Frage vermute ich übrigens eher bei dem hintersinnigen „Herzensangelegenheit“-Hinweis von Herrn Kevin Schnell als bei der platten Nothelfer-Annahme von Herrn Christoph Steiner.

            Wie „konkret“ die Wahrheit in Lüneburg ist, konnten Sie, sofern Sie sich noch etwas Sinn für die Ungeheuerlichkeiten des scheinbar „Normalen“ (Vetternwirtschaft, Begünstigung, Absprachen, Wettbewerbsverzerrung bis hin zur offenen Androhung von Erpressung) erhalten haben, heuer wieder in etwas anderem Zusammenhang in der Landeszeitung lesen: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/334445-hin-und-her-ums-vamos

          • Herr Fahrenwald, ihre Frage an Herrn Koerber:…“wie erklären Sie sich die Tatsache, dass Manager trotz negativer Geschäftsentwicklung in verschiedenen Unternehmen überdimensionierte Bonuszahlungen erhalten?“ erkläre ich Ihnen mal: Das liegt daran, das Haftung und Verantwortung in dieser Gesellschaft nicht mehr zusammen gehören und zwar auf allen Ebenen. Für die Wirtschaft bedeutet das, dass wir wieder echtes Unternehmertum brauchen bei dem kein Manager für Missmanagement noch Bonuszahlungen erwarten kann, sondern gefeuert wird und Unternehmer, die versagen, mit Insolvenz bestraft werden. Im Erfolgsfall dürfen sie dann gerne außerordentlich verdienen.

  5. Hauptamtlicher Kammerfunktionär Zeinert als Präsident der Lüneburger Kaufleute. Ein Kommentar von bffk-Geschäftsführer Kai Boeddinghaus:

    Immer, wenn wir beim Bundesverband für freie Kammern e.V. (bffk) meinen, nun hätten wir an Missständen und Absurditäten in der Kammerorganisation wirklich alles erlebt, lässt sich wieder eine Kammer, ein Kammerfunktionär etwas neues einfallen. Das ist einerseits erfreulich, weil es so nicht langweilig wird. Andererseits haben wir ein großes Interesse, dass sich die Kammerorganisation zum Besseren entwickelt. Mit solch‘ einem Kammerbonzen wie dem amtierenden Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg kann das sicher nicht gelingen.

    Als Hauptgeschäftsführer der IHK ist Michael Zeinert qua Gesetz dazu verpflichtet, das Gesamtinteresse der Wirtschaft im Kammerbezirk ausgleichend und abwägend zu berücksichtigen. Wohlgemerkt, das Gesamtinteresse.

    Nun hat sich Zeinert erst kürzlich zum Präsidenten des Vereins Lüneburger Kaufleute (http://www.verein-lueneburger-kaufleute.de/Home) wählen lassen. Ich will an dieser Stelle nicht über den Zustand eines Vereins von Kaufleuten sinieren, der sich von einem Berufsfunktionär repräsentieren lässt, der persönliches unternehmerisches Risiko nur vom Hörensagen kennt. Da das ein Verein mit freiwilliger Mitgliedschaft ist, können und dürfen die tun und lassen, was sie wollen. bffk-Mitglied des Monats Mai 2016, Aniko Hauch (https://www.bffk.de/wir-ueber-uns/mitglied-des-monats/mitglied-des-monats-mai-2016-anik-hauch.html) hat dazu allerdings ihren Standpunkt mit einem Leserbrief deutlich gemacht (https://www.bffk.de/files/leserbrief_hauch.png).

    Viel spannender ist aber die Frage, wie der Kaufleute-Präsident Zeinert mit dem IHK-Hauptgeschäftsführer Zeinert einen Interessenkonflikt vermeiden will. Denn die Kaufleute – immerhin ebenfalls Mitglieder der IHK – dürfen erwarten, dass ihr Präsident eben die Kaufleute-Interessen vertritt und nichts sonst.

    Ich hege keine Zweifel, dass man weder bei der IHK noch bei Herrn Zeinert Sorge haben muss, dass dort ein Interessenkonflikt gesehen wird. Es braucht ohnehin ein gerütteltes Maß an Schizophrenie, um in einer Zwangsverkammerung eine Stärkung der Wirtschaft zu verorten. Diese Schizophrenie wird auch helfen, den Interessenkonflikt zwischen dem IHK-Funktionär Zeinert und dem Kaufleute-Präsidenten Zeinert geflissentlich zu übersehen.

    In seinem Verein kann sich Herr Zeinert beim „Herrenessen“ (http://www.verein-lueneburger-kaufleute.de/index.asp?tree_id=52) dann jedenfalls von Kolleginnen wie Aniko Hauch erholen, deren Blick auf die Lebensrealität abseits von Funktionärs-Hängematten von einem Selbstverständnis unternehmerischer Verantwortung geprägt ist.

    Quelle: Website Bundesverband für freie Kammern e.V. vom 30. Mai 2016

    URL: https://www.bffk.de/aktuelles/hauptamtlicher-kammerfunktionaer-als-praesident-der-lueneburger-kaufleute.html

  6. wen interessieren gewissenskonflikte in diesen kreisen? hauptsache die eigene geldbörse ist voll. das gefasel von sogenannten wichtigtuern, egal wo sie herkommen, ist so wichtig wie ein kropf. dieses gefasel soll doch nur den status ,,quo,,erhalten, sonst nichts. die ihk hat sich in der vergangenheit tatsächlich um die gesellschaft gekümmert. heute ist sie sauer, weil man ihre rentenansprüche in frage stellt. und dieses aus gutem grund. selbstbedienung ist trumpf. ob herr steiner dem gleichen glauben anhängt, er wäre lieb und wichtig?

    • Rudolf Künne

      „wen interessieren gewissenskonflikte in diesen kreisen?“

      Wer wird denn so hartherzig sein, Herr Bruns?

      Hier möchte ich Sie an den fidelen Wirtschaftspropheten Horst-Opa Schowski erinnern und an sein vorbildliches Mitgefühl, für die, welche es vielleicht schwerer haben als ein glücklich verheirateter LZ-Chefkommentator aus Reppenstedt am Kranken Heinrich: „Auch Reiche“, sprach Future-Horsti am 7. Oktober 2014 im Rahmen des „Gesundheitsforums 2014“ an der Leuphana Universität Lüneburg, wo er „Einen Blick in die Zukunft von Wohlstand, Gesundheit und Lebensqualität in Deutschland“ warf, „[auch Multimillionäre und IHK-Hauptgeschäftsführer] haben Sinnkrisen. Es geht denen besser, die materiell nicht alles haben, [also Ihnen, Herr Bruns] dort besteht noch Luft nach oben.“ (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/luneburg/193643-die-wohlstandswende-kommt)

      Wenn Sie im Jahresabschluss 2015 der IHK Lüneburg-Wolfsburg im Kleingedruckten auf Seite 15 lesen „die Summe der drei höchsten Jahresgehälter“ habe 424.000 EUR, an anderer Stelle aber, „die Summe der Gehälter der Geschäftsführung jedoch 925.000 EUR betragen“, gleichwohl „müsse sich kein Renter der Kammer sorgen um seine Zahlungen machen“, da die diesen Verpflichtungen korrespondierende Finanzanlage „bei der sagenhaften Summe von 37.304.484,30 EUR liege“ (http://www.fietz-medien.de/blog/jahresabschluss-2015-der-ihk-lueneburg-wolfsburg/), dann bekommen Sie bestimmt ein Gefühl dafür, „was man sich da als Einrichtung des öffentlichen Rechts so gönnt“, worauf gegebenenfalls „selbst ein Landesminister etwas neidisch sein“ könnte und vor allem wohl bekommen Sie eine Ahnung davon, wieviel „Luft nach oben“ Sie mit Ihren eigenen Einkünften im Vergleich noch haben und warum Sie folgerichtig zur riesigen Gruppe derjenigen gehören müssen, „denen es“ – gemäß Horst-Opa Schowski – „einfach besser geht“.

      Unten (https://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/333784-333784#comment-69987) lesen Sie außerdem, wie sehr sich IHK-Präsident Olaf Kahle, Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs und IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert über den gewaltig aufklärerischen Blog.jj-Artikel von LZ-Chefredakteur Christoph Steiner gefreut haben, das „Impulsstatement“, welches die Celler Presse angeblich „als einen fulminanten Auftakt“ der Reihe „IHK-kritisches GedankenGut – Netzwerkabende im Jubiläumsjahr“ bezeichnet haben soll.

      Bei „Investitionen“ in dergleichen selbstbeweihräuchrende „Events“ der Eigenreklame ist die Kammer natürlich nicht kleinlich. In 2015 hat die IHK Lüneburg-Wolfsburg für IHK-Veranstaltungen – das sind so Kaminabende, Lesungen, Einladung an Prominente usw. – 756.099 EUR ausgewiesen. Für Wirtschaftsförderprojekte wurde jedoch nur ein Fünftel, nämlich 152.712 EUR ausgegeben. Man könnte meinen, die IHK hat ein wenig den Focus verloren. Was denken Sie?
      ______________

      P. S.: Was halten Sie von dem schönen Reppenstedt-Imagefilm zum Download in mehreren Sprachen (https://www.youtube.com/watch?v=aj9ZOrACsVU), den das Lüneburg Marketing (IHK-finanziert (?)) zur Unterstützung Ihrer Nachbargemeinde angefertigt haben soll?

      Quelle: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/330864-stadtmarketing-im-sparmodus#comment-69990

      • Man könnte meinen, die IHK hat ein wenig den Focus verloren. Was denken Sie?
        ich nehme an, die ihk hat den focus zu oft gelesen. wie war das mit dem krug und dem brunnen?

  7. In seinem Verein kann sich Herr Zeinert beim „Herrenessen“ (http://www.verein-lueneburger-kaufleute.de/index.asp?tree_id=52) dann jedenfalls von Kolleginnen wie Aniko Hauch erholen, deren Blick auf die Lebensrealität abseits von Funktionärs-Hängematten von einem Selbstverständnis unternehmerischer Verantwortung geprägt ist.
    der witz war gut, bitte noch einen.

  8. Sehr geehrter Chefredakteur Christoph Steiner

    Es ist von verschiedenen Kommentatoren (Peter Luths, Thomas Grote, Karlheinz Fahrenwaldt) die Bitte um Verdeutlichung und um exemplarische Konkretisierung Ihrer Sorge ergangen, die Überparteilichkeit, die Fairness, die Unbefangenheit und damit die Seriosität sowie die Korrektheit, die Rechtschaffenheit und die Vertrauenswürdigkeit, kurz: Anstand und Integrität der IHK und ihres Hauptgeschäftsführers Michael Zeinert könnten aufgrund seiner Doppelfunktion als Sachwalter eines Allgemein- und eines Partikularbestrebens gefährdet sein.

    Sie schreiben von der Pflicht „das Gesamtinteresse der knapp 60.000 Gewerbetreibenden und Unternehmen in ihrem Einzugsgebiet wahrzunehmen“ und deuten die Möglichkeit einer „Bevorzugung oder Zurücksetzung einzelner“ an und weisen darauf hin, in heiklen Fällen des Abwägens und Entscheidens „nähre“ der Umstand, dass der Preisrichter Zeinert zugleich der Mitbewerber Zeinert ist, „zumindest außerhalb der Hansestadt Lüneburg den Argwohn, er habe in seinem Zuständigkeitsbereich durchaus Präferenzen“.

    Für eine solche Situation, in welcher der Juryvorsitzende unter anderen zu Recht hoffnungsfrohen Turnern praktisch als Kandidat vor sich selbst hintritt, fehlt ein erhellendes Beispiel.

    Ich frage mich darüber hinaus, woher Sie so „bestimmt“ wissen, wie der IHK-Obere sein Engagement im Kaufmannsverein „gemeint“ haben könnte? Und warum man ihm zubilligen sollte, er habe „es gut gemeint“? Gut für wen? Im Januar 2013, in seiner Rede unmittelbar vor Antritt seines Amtes betonte Michael Zeinerts Boss, der derzeitige IHK-Präsident Olaf Kahle: „“Wir müssen den Kaufleuten eine Herzensangelegenheit werden, damit sie sich mit ihrer IHK identifizieren können. Dafür müssen wir präsenter werden –mit unseren Angeboten, in den Medien und persönlich vor Ort.““ Wie schrieb Grote oben? „Honi soit qui mal y pense!“
    (http://www.wz-net.de/wz_10_110235106-21-_Olaf-Kahle-ist-neuer-Praesident-der-IHK.html)

    Ihre Mutmaßung, Herr Steiner, „der Apparat, den so ein Kaufmannspräsident zur Erfüllung seiner Aufgaben und für die ganze Logistik braucht“, werde sich – „davon ist auszugehen – aus dem Kammerfundus“ speisen, ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, aber im Verhältnis zu der von Ihnen wie von bffk-Geschäftsführer Kai Boeddinghaus ähnlich beschriebenen „Schizophrenie“ doch wohl eine eher zweitrangige „Usance“, wie der Kaufmannsenkel Hans Castorp solche durch Gewohnheit geadelten „Geschäftsgepflogenheiten“ einmal nannte.

    Nicht „spätestens da“, sondern von Anfang an „gesellt sich zur Personalunion der Interessenskonflikt“. Er ist ihr untrennbar eingewachsen. Das ist meine Meinung.

    Von Ihnen hätte ich gerne, wie die drei genannten anderen Herren ebenfalls, ein illustrierendes Beispiel aus der Praxis.

    Wird es noch kommen?

    Oder haben Sie, geehrter Christoph Steiner, das Wesen dieses Blogs missverstanden und sind nicht zum Dialog bereit?

    Der Berg kreißte und gebar eine Maus?

    Das wäre enttäuschend.

    MfG, Kevin Schnell

  9. hallo ihr studierte, ihr wßt was ein holzweg ist? der kaufmann verkauft alles, wo er gewinn machen kann. am vogelfutter kann man erkennen, wo es endet. natürlich könnt ihr intelligenzbestien es nicht verstehen. ihr seid theoretiker. wenn ihr zeit habt und einen garten, schaut mal zu. bei mir gibt es das gleiche futter für alle. nur die häuser sind unterschiedlich groß. im größten trauen sich die kleinen vögel nicht rein. die großen drängeln nun mal gern. dafür wird in den kleinen häusern noch mehr durch kleine gedrängelt. vieles futter fliegt deswegen auf den boden. und was passiert da? es keimt und es wächst schneller als mein rasen. warum? der rasen wurde eben nicht auf wachstum getrimmt. das futter schon. das ende vom lied, die kleinen kriegen sich in die wolle und die großen haben ihre ruhe.

  10. LÜNEBURG / WOLFSBURG / CELLE. Zum Start in das IHK-Jubiläumsjahr hat die Landeszeitung Lüneburg ihren Lesern die Sterne gezeigt: Rund 15.000 Interessierte folgten bisher der Einladung in das Planetarium Blog.jj und erlebten einen fulminanten Auftakt der Reihe „IHK-kritisches GedankenGut – Netzwerkabende im Jubiläumsjahr“.

    „Das war ein wirklich toller Aufschlag“, freute sich Olaf Kahle, der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg. „In unserem Jubiläumsjahr 2016, dem 150. Jahr unseres Überstehens, ist Christoph Steiners Blog.jj-Artikel ein willkommener Anlass, um mit unseren Mitgliedern in den Dialog zu treten.“

    Zu einem der ersten Gratulanten von Steiner gehörte Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs. Er erlebe den LZ-Chefredakteur als angenehmen und angemessenen Interessenvertreter einer aufgeklärten Öffentlichkeit zwischen Lüneburg und Wolfsburg und freue sich auf die weitere gute Zusammenarbeit.

    „Miteinander ins Gespräch zu kommen ist elementar für unsere Arbeit: Mit der Wirtschaft für die Wirtschaft – dieses Prinzip hat sich bewährt und wir freuen uns auf viele weitere tolle Blog.jj-Beiträge von LZ-Chefredakteur Christoph Steiner, Hans-Herbert Jenckel und anderen“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert.

    Wir haben uns bewusst dazu entschieden, dieses Jahr zu einem Jahr der Begegnungen mit Blog.jj-Lesern und -Kommentatoren zu machen“, erläuterte IHK-Präsident Olaf Kahle das Prinzip. „Wir sind eine Mitmach-IHK und wissen, wie wichtig der gemeinsame Austausch ist.“

    Vgl.: http://celler-presse.de/2016/01/29/fulminanter-auftakt-in-das-jubilaeumsjahr-ihk-lueneburg-wolfsburg-feiert-in-wolfsburg-den-start-in-das-150-jahr-ihres-bestehens/

  11. Christoph Steiner

    Vielen Dank an alle, die auf meinen Beitrag reagiert haben. Bitte zu entschuldigen, dass ich mich jetzt erst wieder zu Wort melde, war am Wochenende – handyfrei – unterwegs.
    Zuerst ein Wort zum Verein Lüneburger Kaufleute: Da gibt es eine Menge Mitglieder, die durchaus das Präsidentenamt ausfüllen könnten. Kaufleute verweisen allerdings oft auf Zeitmangel, der sie an der Ausübung des Ehrenamtes hindere. Martin Aude, neun Jahre lang Präsident gewesen, sagte mir gegenüber, er habe in dieser Zeit wegen der vielfältigen Verpflichtungen Familie und Hobbies vernachlässigen müssen. Eine Rolle spielt für potenzielle Kandidaten auch, ob sie auf einen Apparat, etwa ein Sekretariat, zurückgreifen können oder nicht. Wie schwierig es ist, überhaupt noch jemanden zu finden, der sich für ein Ehrenam, zumal in einem Vorstand, zur Verfügung stellt, lässt sich vielerorts feststellen und ist kein Exklusivproblem des Kaufleutevereins. In Erinnerung an die Schulzeit ist bei der Klassensprecherwahl nicht selten derjenige gewählt worden, der sich am wenigsten gewehrt hat. Der stationäre Handel in Konkurrenz zum Internet-Handel befindet sich in einer Umbruchsphase. Das macht die Sache nicht einfacher, auch für den Verein nicht auf Kandidatensuche.
    Zur IHK: „Gut gemeint“ hat Herr Zeinert seine Kandidatur m. E., weil er dem Verein aus einer – wie oben beschrieben – Notlage geholfen hat. Diese Notlage entnehme ich dem Umstand, dass im Vorfeld des Führungswechsels bei den Kaufleuten nur ein einziger Name für die Nachfolge Audes gehandelt worden ist. Der Mann sagte jedoch auf LZ-Anfrage, er sei tatsächlich nie angesprochen worden. Die Personalie Zeinert wiederum ist nur durch Zufall im Vorfeld der JHV in der Redaktion bekannt geworden und daraufhin vorab veröffentlicht worden. Abgesehen von einer Leserzuschrift hat dies keinerlei Diskussion ausgelöst. Auch die Wahl selbst verlief dann ohne vorherige Diskussion, obwohl noch vor der Versammlung draußen vor dem Versammlungssaal sich etliche Mitglieder verwundert über die Personalie zeigten. Zwei Gegenstimmen, eine Enthaltung – das war ein glatter Gang.
    Mit einem „illustrierenden Beispiel“ kann ich nicht aufwarten. Allerdings spielt der „böse“ Schein in einer umfassenden Organisation wie der Kammer schon eine Rolle außerhalb Lüneburgs, dem Kammersitz. Dass ihr Wirken kritisch beäugt wird insbesondere in weniger prosperierenden Regionen, dürfte der Kammer selbst gut bekannt sein.

    • Sehr geehrter Chefredakteur Christoph Steiner

      Die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg vertritt nach eigenem Verständnis die Interessen von 65.000 gewerblichen Unternehmen aus den Landkreisen Harburg, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen, Heidekreis, Celle und Gifhorn sowie der Stadt Wolfsburg gegenüber Politik und Verwaltung.

      Meine Frage:

      Wer vertritt die Interessen dieser 65.000 gewerblichen Unternehmen aus den Landkreisen Harburg, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen, Heidekreis, Celle und Gifhorn sowie der Stadt Wolfsburg gegenüber der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg?

      Mark-Stefan Tietze

      • Christoph Steiner

        Das ist eine gute Frage. Gegenfrage: Fänden Sie es besser, statt der Kammern würde der Gesetzgeber deren Aufgaben übernehmen?

        • Sehr geehrter Herr Steiner,

          ihre „Gegenfrage“ habe ich in den vergangenen fast zwanzig Jahren immer wieder als Kammerargument für eine Zwangsmitgliedschaft gehört.

          Da drängt sich mir die Frage auf für wen sie eigentlich tätig sind. Bislang bin ich davon ausgegangen für die LZ. Doch dann sollten sie unabhängig und überparteilich sein. So steht es in der LZ täglich (außer Sonntags) auf der Titelseite. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr ganz sicher ob sie nicht zumindest noch eine, natürlich dann ehrenamtliche, Nebentätigkeit ausüben.

          • Wer selbst an einem Pfannekuchen das Haar in der Suppe findet, der ist bestimmt auch Impfgegner. Daher meine Re-Gegenfrage an Sie:

            Wenn Impfungen sowieso nur Schwindel sind, ein abgefeimtes Spiel der Pharmaindustrie, um uns für dumm zu verkaufen und dabei tonnenweise Geld zu scheffeln, warum gibt es dann noch keine gegen Ebola? Gegen Aids? Gegen ganz normalen SCHNUPFEN?!

            Mark-Stefan Tietze

          • Christoph Steiner

            Hallo, Herr Otto,
            ich verstehe Sie womöglich nicht ganz. Sie unterstellen mir, glaube ich, ich hätte mich für eine Zwangsmitgliedschaft ausgesprochen. Warum sollte ich das tun? Ich habe auf die Frage des Herrn Tietze keine Antwort und mit meiner Gegenfrage erhofft, er könnte in seiner Antwort darauf womöglich einen Lösungsansatz liefern. Über meine Unabhängigkeit und Überparteilichkeit müssen Sie sich keine Sorgen machen. Beste Grüße, cst

        • Sehr geehrter Chefredakteur Christoph Steiner

          Ja!

          Oder besser: teils, teils.

          Da Kammern als Körperschaften des öffentlichen Rechts in Deutschland ohnehin partiell Organ der mittelbaren Staatsverwaltung und keine rein gesellschaftlichen Verbände sind, kann das hoheitliche Quantum der Aufgaben (Ausbildungsstandards, Zertifizierung, Authentifizierung, Akkreditierung, Verifizierung und Autorisierung) im digitalen Zeitalter eine auf wenige Mitarbeiter zusammengeschmolzene Landesbehörde (in Niedersachsen für die vier Regionen etwa mit Dependancen in Braunschweig, Hildesheim, Lüneburg und Oldenburg) übernehmen. Die öffentliche Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen und Gutachtern wird ohnehin bald vollständig durch den EU- Personenzertifizierungsstandard gemäß DAkkS des BMWi abgelöst worden sein.

          Andererseits, um die freiheitssichernde Funktion der Selbstverwaltungsidee zu vermitteln und zu realisieren, benötigen die Gewerbetreibenden und Unternehmen keine berufsständischen Monopolverbände und Kartelle, die sie per Gesetz dazu verpflichten (Es gibt starke und gut begründbare Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Zwangskorporation im Kammerwesen!), Mitglied zu werden, Beiträge zu zahlen und eine Nomenklatura in Divisionsstärke dick- und durchzufüttern, deren (weder nach fachlichen, noch nach demokratischen Gesichtspunkten angemessen selektiertes) Führungspersonal aufgrund dieses ihres angeblich hohen Repräsentationsgrades vermeint, eine starke Stimme gegenüber Politik und Gesetzgeber darstellen zu sollen und – wie der ADAC mit dem fadenscheinigen Argument der Mitgliederstärke – darauf pochen zu können, sie seien im Gesetzgebungsverfahren regelmäßig anzuhören, wenn die vermeintlichen Interessen ihrer Mitglieder tangiert werden. Dabei sind die eigenmächtigen, häufig angemaßten oder nur von einigen dominanten Mitgliedsunternehmen befürworteten Stellungnahmen der IHKn (ohne dass auf Minderheitspositionen von erheblichem Gewicht in der Kammer Rücksicht genommen oder hingewiesen würde) zu sozial-, bildungs-, verkehrs-, energiepolitischen sowie überregionalen und internationalen Themen für sehr viele „Mitglieder“ oft einfach nur inakzeptabel.

          Ja, Herr Steiner, ich meine, die Idee der Selbsthilfe durch Zusammenschluss wäre bei freien, sich freiwillig assoziierenden Betrieben in sich selbst organisierenden berufsständischen Körperschaften oder Interessenverbänden besser aufgehoben als in einem notverkammernden Behördenzwitter, dem es zuallererst um Selbtserhalt zur Sicherung des Einkommenskomforts seines Mitmachpersonals zu gehen scheint, über welchen Umstand mit martialischen Reklamekampagnen in Hannover und wichtigtuerischen Parkettevents in Berlin aber immerzu eifrig hinweg-performed wird.

          Retourfrage: Was denken Sie?

          Mark-Stefan Tietze

          • Christoph Steiner

            Hallo, Herr Tietze,
            interessanter Gedanke, über den es sich nachzudenken lohnt.

          • Wolfgang Hartwich

            Lieber Herr Steiner,

            IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert betonte erst neulich wieder, es sei „absolut elementar für seine Arbeit mit Menschen der Region ins Gespräch zu kommen“.

            Vielleicht laden Sie und Herr Jenckel ihn einfach dazu ein, den nächsten Gastbeitrag für Blog.jj zu schreiben, darin seine Beweggründe zur Übernahme des Ehrenamtes bei den Lüneburger Kaufleuten darzulegen und die nach seinem Dafürhalten wichtigsten Argumente für die Notwendigkeit der Fortexistenz der Industrie- und Handelskammern im offenen Dialog mit interessierten und offenbar auch sehr gut informierten Lüneburgern, Cellern, Wolfsburgern usw. verständlich zu machen?

            Versuchen sollten Sie es einmal. Immerhin träfe Herr Zeinert, der ja den IHK-Stabsbereich „Marketing und Kommunikation“ nach wie vor höchstpersönlich leitet, bei Blog.jj und seinen vielen tausend wohl überwiegend jungen Lesern mit einiger Wahrscheinlichkeit auf zahlreiche künftige Kammermitglieder. Im schnellen Austausch mit ihnen und anderen könnte er demonstrieren, wie ein moderner, couragierter und digitalaffiner „Innovationsbotschafter“ sein Haus aufrichtig und überzeugend ins rechte Licht zu setzen weiß.

          • Warum nicht Anikó Hauch ...

            … UND Michael Zeinert als Gastautoren?

            Anikó Hauch, die Reppenstedter Dipl.-Wirtschaftsjuristin (FH) und Vorsitzende der Freien Demokratischen Partei (FDP) im Ortsverband Gellersen, hatte in ihrer in der Landeszeitung vom 7. Mai 2016 gedruckten Leserzuschrift als einzige Opponentin innerhalb der verdrucksten kaufmannschaftlichen Zähneknirschermehrheit öffentlich klar und mutig gegen einen in Sachen unternehmerischer „Kundenverpflichtung, Fleiß, Toleranz, Nachhaltigkeit, kritischer Selbstreflexion, aktiver und verantwortungsvoller Aufgabenbewältigung ahnungslosen obersten Zwangsherrscher“ wie den IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert als Präsidenten des VLK Stellung bezogen.

            Michael Zeinert, der Diplom-Volkswirt aus dem Butjadinger Land mit der exekutierenden Kammerherrenerfahrung eines Vierteljahrhunderts wird solche Zuschreibungen, manche anderen (hier auch von verschiedenen Kommentatoren wiederholten) Andeutungen und die ungezählten ausgezeichneten, von Sachkenntnis, Sorge und Realitätssinn geprägten Fragen vieler Blog.jj-Foristen bestimmt nicht unbeantwortet lassen wollen.

            Sollten beide Seiten auf das unter Hanseaten in solchen Lagen leider übliche Abspulen von Schiemannsgarn und auf das Scheppern mit (von ihren Pressesprechern für die „Krisenkommunikation“ bereitgehaltenen) Worthülsen verzichten, könnten ihre beiden kurzen, aber gehaltvollen Pro- und Contra-Stellunggnahmen sicher erneut zu einem ebenso leidenschaftlichen wie für alle Beteiligten (und Betoffenen) lehrreichen Gespräch in Hans-Herbert Jenckels „Online-Forum für Lokalpolitik und Stadtkultur“ führen.

            LG, Gesine Lange (Bienenbüttel)

          • Sehr geehrter Chefredakteur Christoph Steiner

            »IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert betonte erst neulich wieder, es sei „absolut elementar für seine Arbeit mit Menschen der Region ins Gespräch zu kommen“.

            Vielleicht laden Sie und Herr Jenckel ihn einfach dazu ein, den nächsten Gastbeitrag für Blog.jj zu schreiben?«

            Der Vorschlag von Herrn Hartwich gefällt mir. Was halten Herr Jenckel und Sie davon? Die Kontaktdaten von Herrn Zeinert werden Sie doch wohl beide haben?

            Mark-Stefan Tietze

          • Wenn Herr Zeinert etwas schreiben möchte, dann gehe ich fest davon aus, er hätte es schon hier und jetzt getan. Denn ein Kommentar von ihm würde mit Sicherheit zu weiteren Antworten führen. Ein Extra-Beitrag ist da ganz überflüssig. Hier und jetzt — reicht völlig. hhjenckel

          • Hallo Herr Jenckel

            Vielleicht hat IHK-Präsident Olaf Kahle dann Lust, für Blog.jj mal eigenhändig einen Aufsatz zu scheiben? Zum Beispiel darüber wie er und Herr Zeinert zusammen mit Herrn Sönke Feldhusen, dem „Bedarfe-Kooperationen schmiedenden“ Projektleiter der IHK-Zukunftsinitiative „hierjetztmorgen“, unsere ganze große Riesenregion bald schon so richtig dolle weit ins Glück des Richtig-Aufgestellt-Seins „vorangepuscht“ haben werden.

            Weiter oben (https://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/333784-333784#comment-69987) seht doch, dass Präsident Kahle solchen Kontakt ganz arg wünscht:
            (Anm.d.Red. Achtung Fake😎)

            „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, dieses Jahr zu einem Jahr der Begegnungen mit Blog.jj-Lesern und -Kommentatoren zu machen“, erläuterte IHK-Präsident Olaf Kahle das IHK-Dialog-Prinzip. „Wir sind eine Mitmach-IHK und wissen, wie wichtig der gemeinsame Austausch ist.“

            Felix

        • Karlheinz Fahrenwaldt

          Lieber Herr Steiner,
          die Kammern sind Reste des Korporatismus (Kartelle und Monopole sind in der BRD auf Betreiben der Alliierten verboten worden), der in den Augen vieler Historiker ein wesentlicher Grund für das Scheitern der Weimarer Republik war. Eine Zwangsvereinigung in einem sich demokratisch nennenden Gesellschaftssystem ist nach meiner Meinung auch ein Anchronismus. Sollte nicht jeder nach seiner Fason seelig werden? Und ist nicht die eigene Freiheit auch immer die Freiheit eines Andersdenkenden und Andershandelnden?

          • Na, Herr Fahrenwaldt, wieder als Weltweiser unterwegs? Dies oder das war so oder war nicht so, weil es sich in den Augen vieler – aber eben nicht aller – Historiker auf die eine oder die andere Weise darstellte? Haben Sie eigentlich nie eine eigene Ansicht, Herr Fahrenwaldt? Brauchen Sie immer eine autorisierende, mehr oder weniger universelle Tendenz, der Sie sich anschließen können, um etwas zu meinen?

            Sie fragen: „Ist nicht die eigene Freiheit auch immer die Freiheit eines Andersdenkenden und Andershandelnden?“

            Nein, Herr Fahrenwaldt, das ist sie für jedermann offensichtlich nicht. Die Freiheit der Kindergärtnerin ist NICHT die Freiheit ihrer dreijährigen Zöglinge. Die Freiheit des Epidemiologen ist NICHT die Freiheit des hochinfektiösen Patienten auf der Sonderisolierstation im UKE. Und – erkundigen Sie sich bitte – die Freiheit des Obersten Rechtsgelehrten Kim Jong-un ist in der Demokratischen Volksrepublik Korea eindeutig NICHT zugleich die Freiheit seiner 24,9 Millionen Volksgenossen.

            WENN aber IHRE FREIHEIT tatsächlich immer zugleich die Freiheit der Andersdenkenden und Andershandelnden WÄRE, müssten Sie dann nicht auch jenen vielleicht anders als Sie, Herr Fahrenwaldt, denkenden, sicher aber völlig anders handelnden Unternehmerpersönlichkeiten wie etwa dem Baulöwen Eberhard Manzke oder dem Weinfassinhaber, dem Connaisseur, Hobbyönologen und Sommelier Stefan Wabnitz die Freiheit zugestehen, AUS FREIHEIT, also stets FREIWILLIG ihre Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Zwangsvereinigung wie der IHK bejaht und bejahend gutgeheißen zu haben? Sollte man die beiden nicht nach ihrer (und eben NICHT nach Ihrer) Façon selig werden lassen, Herr Fahrenwaldt?

          • Karlheinz Fahrenwaldt

            @Claas,
            lesen Sie den Beitrag von Mark-Stefan Tietze. Seine Ausführungen sind mit meiner Meinung zu diesem Thema völlig identisch!

  12. Sehr geehrter IHK-Vizepräsident Stefan Wabnitz

    Ich erinnere mich gerade an Ihren Blog.jj-Kommentar vom 20. August 2014, den Sie seinerzeit um 09:46 Uhr gepostet hatten. Das Langzeitgedächtnis einer alten, schlaflosen Weinliebhaberin, Sie wissen schon. Dort, in Ihrem Leserbrief, bekannten Sie, in den guten alten Zeiten als Bob Dylan sang: „How does it feel? / To be on your own / To be without a home / Like a complete unknown / Like a rolling stone?“, einen Second Hand Parka besessen zu haben, der „aus Beständen der Bundeswehr kam (natürlich stonewashed und mit abgetrennter Deutschlandfahne), und Hannes Wader habe ich immer gehasst. Ich habe in der Bäckerstraße den Arbeiterkampf verkauft, bin aber trotzdem heute Eigenheimbesitzer mit Vorgarten. Ist das jetzt verdammenswert ?“
    (https://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/184176-und-es-ist-mir-laengst-klar-dass-nichts-bleibt-wie-es-war#comment-7963)

    Nein, das ist es nicht, Herr Wabnitz. Denn Dylan hat ja damals auch gesungen: „The line it is drawn / The curse it is cast / The slow one now / Will later be fast / As the present now / Will later be past / The order is rapidly fadin’ …“

    (Anm.d.Red.: Dort steht zwar Wabnitz, aber nicht Stefan Wabnitz, insofern kann es sich um ein Phantasie-Namen handeln.) Eine Antwort, die Dylan uns bislang schuldig geblieben ist, betrifft die Frage von Christoph Steiner nach der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg und deren Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. Was meinen Sie, Herr Wabnitz, was würde Bob wohl sagen? Würde er dem neuen Präsidenten des Vereins Lüneburger Kaufleute in seiner unausweichlich dräuenden Gewissensnot raten können?

    Mit ganz lieben Grüßen

    Ihre Rita Böttjer

    • Zu Anm.d.Red. zum Schreiben Böttjer

      Ich habe das geprüft. Bob Dylan erwähnt Stefan Wabnitz an keiner einzigen Stelle. Weder auf den Studio-, noch auf den Livealben, nicht auf den Kompilationen, nicht auf den Mitschnitten von The Bootleg Series und auch nicht in den Filmen oder in den Chronicles und Writings kommt der Name des Lüneburger IHK-Vizepräsidenten und Mitglieds im Verein Lüneburger Kaufleute vor.

      Doris

      • Günter Mannfraß

        Hochverehrte Dylan- Expertin!

        Anläßlich von dem Dichter Shakespeare seinen 400. Todestages haben auch wieder einige von Deineßgleichen die Hüppoteke ausgegrahben, daß es gar nicht Shakesbier selber war, der die ganzen Dramen und Sonette gedichtet hat. Das stimmt mit der LZRedaktion ihrer Vermutung über Stefan Wabnitz und Roberto Zimmermann überein: In Wahrheit könnte die Songs nämlich alle ein Mann geschrieben haben, der zufällig denselben Namen hatte.

  13. Vielleicht laden Sie und Herr Jenckel ihn einfach dazu ein, den nächsten Gastbeitrag für Blog.jj zu schreiben,
    Wolfgang Hartwich
    ihre idee ist ausgezeichnet. ich wäre dabei. oder wäre das vielleicht für die herren zu abschreckend?

  14. Wolfgang Hartwich
    Im schnellen Austausch mit ihnen und anderen könnte er demonstrieren, wie ein moderner, couragierter und digitalaffiner „Innovationsbotschafter“ sein Haus aufrichtig und überzeugend ins rechte Licht zu setzen weiß.

    ob da jemandem ein licht aufgeht, darf stark bezweifelt werden. und dieses hat einen profanen grund. warum sollte ein licht aufgehen? für bestimmte herrschaften ist es doch gut, wie es ist. es sollte möglichst viel im dunkeln bleiben. im dunkeln ist gut munkeln. schmunzel

    • Hallo Dieter Aff,

      hier absolut nichts zu sagen haben, aber andere anomym des Rumstänkerns zu bezichtigen, das sind die richtigen. Andere vorschicken und gängeln und selbst nicht mal so viel Arsch in der Hose zu seiner / ihrer Meinung zum Thema hier zu stehen. Was für eine erbärmliche arme Kreatur!!!!!!!!

  15. Sehr geehrter Chefredakteur Christoph Steiner

    Michael Zeinert befindet sich unverkennbar in der Klemme.

    Zwar wird die schon das 1. Buch Mose durchziehende Chef-Erkenntnis – „Wenn du willst, dass etwas erledigt wird, dann mach es selbst!“ –, die seither in ungezählten Hollywoodfilmen die Sequenz einleitete, in welcher der Boss persönlich zur Fünfundvierziger oder zum Hackebeil greift, sich bestimmt auch noch eine ganze Weile hartnäckig in den Häuptlingshirnen der Handelskammererbhöfe halten, – aber der Präsident des Vereins Lüneburger Kaufleute kann sich in dieser Angelegenheit (Ruch der Simonie und der unausgewogenen bzw. übervorteilenden Einflussnahme) nicht vor den IHK-Hauptgeschäftsführer stellen, weil er sich sonst des Vorwurfs der einseitigen, ja, sogar der persönlich interessierten Parteinahme ausgesetzt sähe.

    Drôle de guerre, nicht wahr?

    Was würden Sie dem Mann raten, wie er aus dieser unschönen Lage wieder herauskommt?

    Mit freundlichem Gruße

    Mark-Stefan Tietze

  16. Hannes Jachmann

    Ich nehme an, Herr Zeinert wird, wie es Herr Manzke und Herr Althusmann und viele andere vor ihm konnten und Herr Spoun und Herr Hoppe und mancher außerdem es nach ihm können werden, sich darauf verlassen dürfen, dass die maßgeblichen Lüneburger auch weiterhin der Empfehlung des berühmtesten Kalenderspruchs aus der Feder des mittleren Fontane willfahren (Ja, er stammt von Theodor Fontane und nicht von Konrad Adenauer oder Karlheinz Fahrenwaldt!), den man immer noch in vielen Altenheimen und Aussegnungshallen aufgehängt findet, den man sich aber auch als kunstsinniger Kaufherr mit Organ für das Schmückende, das Erträgliche und das Gemäße nach einem guten, schweren Abendessen, welches etwa anlässlich der Eröffnung des Lüneburger Weihnachtsmarktes ganz entre nous genossen wurde, in gemütlicher Runde beim gespriteten Muscat de Frontignan von Peter Luths oder Friedrich Nesemann, den Kassenprüfern des Vereins, vor dem knackend, knisternden Funkengestöber eines ansonsten schiere Behaglichkeit unaufgeregt flackernd „kommunizierenden“ Kaminfeuers vorlesen oder auswendig aufsagen lässt:

    Erscheint dir etwas unerhört,
    Bist du tiefsten Herzens empört,
    Bäume nicht auf, versuchs nicht mit Streit,
    Berühr es nicht, überlaß es der Zeit.
    Am ersten Tage wirst du feige dich schelten,
    Am zweiten läßt du dein Schweigen schon gelten,
    Am dritten hast du’s überwunden;
    Alles ist wichtig nur auf Stunden,
    Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
    Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

  17. Ein schlechtes Gewissen ist der beste Beweis für ein gutes Gedächtnis. Aber was will man in Lüneburg schon mit einem guten Gedächtnis?
    Anca la coscienza fa el calo, sagt ein Sprichwort im altvenetianischen Dialekt.

  18. Sehr geehrter Chefredakteur Christoph Steiner

    „Michael Zeinert befindet sich unverkennbar in der Klemme“, so hatte ich am 10. Juni 2016 um 16:32 Uhr meine Leserzuschrift an Sie begonnen (https://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/333784-333784#comment-70077).

    Meine Abschlussfrage an Sie, nachdem ich die Zwangsverkammerung des IHK-Hauptgeschäftsführers in von ihm selbstverschuldeter Unmündigkeit noch einmal skizziert hatte, lautete:

    „Was würden Sie dem Mann raten, wie er aus dieser unschönen Lage wieder herauskommt?“

    Sapere aude?

    Darf ich noch mit einer Antwort rechnen?

    Mit freundlichem Gruße

    Mark-Stefan Tietze

  19. Liebe Stadträte Pauly und Petroll,

    LZ-Chefredaktor Christoph Steiner hat IHK-HGF Michael Zeinert als Exponenten eines Verhaltens dargestellt, das, weil es der Maximierung der Wohlfahrt einer größtmöglichen Zahl von Unternehmen innerhalb eines gegebenen Rahmens verpflichtet ist, nicht zugleich die Maximierung der Wohlfahrt eines Teils dieser Unternehmen (oder einer Teilgruppe dieser Gesamtheit) wollen DARF (und bei Lichte betrachtet nicht einmal wollen KANN), da das Nützlichkeitsprinzip eines solchen utilitaristischen Bestrebens, dem ja eine konsequentialistische Ethik zugrunde liegt, immer die möglichen Folgen, Nebenfolgen und realen Wirkungen in der Beurteilung seiner Handlungen eine zentrale Stelle einräumen MUSS. Eine solche (unerwünschte) Folge IN DER BEURTEILUNG, die Zeinerts Pflicht zur Maximierung des Gesamtnutzens (der Mitglieder seines IHK-Bezirks) entgegensteht, ist aber (man macht sich das schnell am Beispiel einer zu verteilenden Torte klar), dass er nicht die Maximierung des Teilgruppennutzens (der Mitglieder des Lüneburger Kaumannsvereins) bewerkstelligen kann, ohne den Gesamtnutzen zu schmälern (da, wenn die Lüneburger dicke Tortenschnitten bekommen, die übrigen Aspiranten sich mit entsprechend dünneren begnügen müssen, wobei zwar immer noch nur die eine Torte verteilt wurde, aber das Gerechtigkeitsempfinden und damit das Vertrauen in den Tortenverteiler – und in Konsequenz davon wieder der Gesamtnutzen – Schaden genommen hat).

    Drei Fragen an Sie Herr Pauly und Herr Petroll: 1) Glauben Sie, dass es sich hier um ein moralisches Dilemma oder wenigstens um ein Problem der Glaubwürdigkeit von Herrn Zeinert und mittelbar somit der IHK handelt? 2) Herr Steiner, der die Sache angestoßen hat, übt sich in Schweigen, daher leite ich Herrn Tietzes Frage an Sie weiter: Was würden Sie Herrn Zeinert raten? Die Kaufmannspräsidentschaft aufgeben? Oder öffentlich das strapazierte dicke Fell von der Stange anziehen, das ihm nicht steht (und auch eigentlich nicht ansteht), und die Sache aussitzen? 3) Meinen Sie, dass es zu ähnlichen Schwierigkeiten in der Beurteilung kommen kann, wenn ein gewählter Kommunalvertreter oder auch ein Wahlbeamter in Aufsichtsräten von Unternehmen sitzt (und dafür Aufwandsentschädigungen erhält), deren geschäftliche Interessen sich nicht immer mit den Interessen des Gemeinwohls decken, das zu wahren und zu mehren diese Vertreter aber allein gewählt wurden? Sind solche Fälle denkbar? In Lüneburg?

    LG, Christa Sörensen