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Andreas Meihsies bleibt sich auch im Abgang treu

Lüneburg, 1. September 2016

Der Rückzug auf Raten ist beendet.

Er begann, als  Andreas Meihsies nach Demütigungen der großen politischen Bühne als Landtags- oder Bundestagskandidat den Rücken kehrte. Nach dem Dauer-Hickhack mit grünen Galionsfiguren im Kreis zog er auch die Zugbrücke zur Stadt hoch, Lüneburg wurde seine Öko-Burg.

Da hatte er als Bürgermeister und Fraktionschef im Rat einen Platz in der Tafelrunde des Oberbürgermeisters Ulrich Mädge. Ob ihm das gut getan hat, weiß nur er.

Andreas Meihsies ist, auch wenn er das nicht sagt, tief enttäuscht, ja getroffen. Enttäuscht von den Grünen, enttäuscht vom Oberbürgermeister, enttäuscht von der LZ, enttäuscht von mir persönlich, der ihn dreißig Jahre auf der Bühne der Kommunalpolitik in ganz verschiedenen Funktionen begleitet hat. Am Ende stand da eine große Entfremdung. Oder eben eine große Täuschung darüber, welche Rollen Politiker und Journalisten auch im kleinen Lüneburg haben – grundverschiedene.

In seiner großen Zeit, als er nach einem Machtkampf aus dem Schatten seines Ziehvaters Helmut Dammann trat, zeigte er treffsicher Gespür für Themen wie kein anderer Grüner, er hatte den Draht zur Zeitung . Er vertraute auf das Auf und Ab der Berichterstattung, auf gute und schlechte Schlagzeilen. Sein Bekanntheitsgrad wuchs mit jeder Attacke, und als Stimmenfänger für die Partei war er einsame Klasse. Außerhalb Lüneburgs wurde das nie so richtig honoriert. Politischer Paradiesvogel, ökologischer Heilsbringer, Provokateur vom Dienst, Koalitionspartner. Er hat viele Rollen ausgefüllt. Am besten war er immer in der Opposition, ohne die Fesseln der Macht.

Ganz eigentlich ist er ein guter Kerl, ein sensibler und zugleich fröhlicher Mensch und ein großzügiger. Aber er kann auch den Macho. Am Ende hat er seine grüne Hausmacht überschätzt und andere und deren Leidensfähigkeit unterschätzt. Sie haben ihn abgewählt.

Unterm Strich hätte er einen anderen Abgang verdient, das wäre schön, ist aber nicht sein Ding. Da bleibt er sich treu: Es muss schon knistern, also gibt er auch noch sein Parteibuch zurück. Schade.

Hans-Herbert Jenckel

26 Kommentare

  1. Sir Galahad wird als der „Reine Ritter“ oder der „Makellose Ritter“ bezeichnet. Diese Eigenschaft ermöglicht es ihm, im Gegensatz zu seinem ehebrecherisch liebenden Vater Lancelot, den Heiligen Gral zu finden. Aber Andreas Meihsies gleicht doch mehr Gawain, dem ältesten Sohn von König Lot von Orkney und von Morgause, oder Anna, der Schwester von König Arthur. Wegen seiner von Ritter Cei fab Cynyr bespöttelten Redegabe wurde er der „Goldzüngige“ in der Tafelrunde genannt („… so lange nur deine Zunge und deine schönen Worte dir bleiben, wird dir als Rüstung ein Umhang von dünner Bliantseide [Leinenbatist] genügen, …“ [Peredur fab Efrawg, Vers 32: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/206360-eklat-bei-verabschiedung-des-etats-2015-cdu-verlaesst-ratssitzung%5D)

    Bleiben ihm aber einmal die schönen Worte im Hals stecken, liegt gleich die sehr dünne Haut unter dem luftigen Überwurf blanck.

  2. »Andreas Meihsies bleibt sich auch im Abgang treu«

    Das ist nur bei wirklich großen Jahrgängen der Fall.

    Alles hat ein Ende, auch die aufregendste Degustation, wenn der Rebensaft mal heruntergeschluckt („abgegangen“) ist. Deshalb freut man sich besonders, wenn die Sinneseindrücke in der Mundhöhle danach noch anhalten („nachhallen“). Gilt gemeinhin als Qualitätskriterium, je intensiver nach Nachhall, desto besser der Wein.

    Wenn der HOLZIG oder KANTIG schmeckt, heißt das, der Winzer wollte unbedingt auf dem Barrique-Trend surfen und Parker-Punkte abstauben, hat darin aber zu wenig Übung. Man spricht hier gern auch von „Biberwein“. Eine Barriquenote hat gefälligst nicht EGOISTISCH hervorzuschmecken, sondern gut eingebunden zu sein. ANIMALISCH sind meist Weine mit einem INTENSIVEN Bouquet mit Moschusnoten. Das gibt es wirklich bei manchen Bordeaux und ist mir sogar schon bei einem deutschen Lemberger begegnet. Ein WUCHTIGER Wein hat meistens einen hohen Alkoholgehalt jenseits von 13 Vol.-%, der EMPFINDLICHEN Verkostern schnell zu Kopf steigt, eine STÄMMIGE Textur und ein hohes Aromenkonzentrat. STÄHLERN ist eine auf den ersten Blick eher lustig klingende Assoziation.Wer aber mal einen tanninbetonten Wein wie einen Chianti Classico oder auch einen KRÄFTIGEN Bordeaux mit hohem Cabernet-Anteil probiert und das darin oft enthaltene PROVOZIERENDE Bittermandel-Aroma erlebt hat, könnte wirklich meinen, ein Stück Eisen abzulecken. MUSKULÖS ist ein körperreicher Wein mit einem DOMINANTEN Tanninspiegel also den Gerbstoffen, die einem Rotwein seinen adstringierenden Charakter verleihen. Sie sind aber nicht zu verwechseln mit dem AUFREIZENDEN Säuregehalt eines Weines. Es dürfte kein Zufall sein, dass vor allem provenzialische Rotweine, die in der Nähe von Rosmarin- und Lavendelfeldern gedeihen, oft eine ausgeprägte KRÄUTERNOTE haben. Das provenzialische Terroir wird halt reich an ätherischen Ölen sein, dem kann sich der Wein kaum entziehen. Sind dann noch RAUCHIGE Röst- bzw. Karamellnoten dabei, weiß man, dass der Winzer nicht nur abgekupfert hat, sondern sein Handwerk wirklich beherrscht.

  3. Da keine offizielle Verabschiedung stattfindet, ich aber noch ein paar Worte zu sagen habe, eine Abschiedsrede hier.

    „Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen“

    Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch, um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben an der Tafelrunde mitzuteilen.

    Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Grünen-Dienst auszuüben
    Um trotzdem das Grüne Schifflein zu steuern und das ewig Grüne zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Grünen-Dienst weiter gut auszuführen.
    Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Grüne-Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebetsmühlen. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Grünen seins, von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen.

    Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Parteibuch das mir durch die Hand der Kardinäle anvertraut wurde, zu verzichten.

    Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler.

    „Was mich selbst betrifft, so möchte ich in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen.“

  4. Tja, wer mit Herrn Jenckel im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihm im Aufzug wieder nach unten.

  5. was soll dieser abgesang ,ihr pfeifen? selbst zu feige, an der front zu stehen, aber rumpupen. politik ist nicht journalismus. der eine muss erst gewählt werden. der andere wird für schmutzige wäsche waschen bezahlt.wie war das noch in unserer gesellschaft? akademiker gegen den rest der welt? im klugscheißen sind die einen wirklich im vorteil. lobbyisten eben. respekt zeigen geht anders. parteibuch? lachhaft. es gibt menschen, die haben einen führerschein und können trotzdem nicht autofahren.

    • Manno, Klaus Bruns, heut sind Sie wohl mit dem linken Kriegsfuß zuerst aufgestanden? Oder wie kommen Sie dazu, Ihre Gesprächspartner rundweg als Pfeifen zu bezeichnen? Haben Sie Andreas Meihsies hier im LZ-Forum denn nicht über Jahre hinweg selbst unentwegt angegriffen und ihn mit irgendwo bei Böhmermann aufgefundener Hämedichtung beschmissen? Und woher Ihr Affekt gegen die Presse? Sind Sie nicht ebenfalls ein proliferativer Kommentator, Meinungsverstärker, Ansichtenrepititor und Zeitungsmann? Einige in Lüneburg sagen sogar, Sie seien das größte publizistische Genie im westlichsten Fünftel des Repenstedter Dichterviertels seit Martin Luther. Aber nur Sie haben das Recht auf eine entschiedene Meinung? Alle anderen, vor allem die, deren Darstellung Ihnen nicht passt, waschen dreckige Wäsche, sind also Nestbeschmutzer? Nehme ich noch Ihre ewige Akademiker-Schelte hinzu (Ein verdrängter, schwelender Vater-Sohn-Konlikt?) sowie Ihren Argwohn gegenüber Leuten mit legitimen wirtschaftlichen Interessen oder mit formeller Parteizugehörigkeit, dann haben wir das ganze Spektrum populistischer Vorurteile (manipulative Lügenpresse, akademische Klugscheißer, etablierte Systemparteiler, verschlagene Lobbyisten (fehlen nur noch die aufgeworfenen Lippen und die Hakennase)), die Sie als ideale Zielperson autoritär-antidemokratischer Führer- und Gefolgschaftsreklame ausweisen. (Oft halten sich die fanatischsten Herdentiere für die geistig unabhängigsten, da sie – wie sie sich einreden – frei gewählt haben, sich einzureihen.)

      Und gewiss, Klaus Bruns, Politik ist nicht Jounalismus. Aber wenn Politik und Medien in offener Feindschaft leben, wird das im Zweifel beiden wenig nutzen. Allein der Waffenindustrie mag es gefallen. Als im Jahr 1863 der us-amerikanische Zeitungsverleger Horace Greeley, ein berühmter Gegner der Sklaverei und Befürworter des Krieges gegen die Südstaaten, selbst nach Ansicht seiner Anhänger in der von ihm gegründeten New York Tribune seine Ansichten zu radikal verfocht, mobilisierten seine politischen Widersacher den Mob, der das Redaktionsgebäude in Flammen setzte. Die Auseinandersetzung kostete 22 Menschenleben. Seitdem schrieb Greeley seine Leitartikel im Schutz von Schnellfeuergewehren, Bomben lagen bereit, und Angreifern konnte durch einen Schlauch das heiße Wasser einer Dampfmaschine entgegengespritzt werden.

      Wäre Ihnen solche Art der Polarisierung lieber?

    • @Bruns
      Sie vergiften mit ihren Parolen und Beleidigungen das Klima hier. Wir sind hier nicht in Duisburg Marxloh. Arroganter Fatzke.

      • Regine
        das mit dem loben, müssen sie noch üben, so wird das nichts. schmunzel. warum ständig duisburg marxloh? haben ihnen die dortigen geschehnisse so gut gefallen, weil sie es hier ständig wiederholen? rechten passte es doch gut in den kram, oder? wie weit rechts sind sie denn wirklich? parolen und beleidigungen sind doch eure spezialitäten, oder? regine ist übrigens ein netter jungen-name. schmunzel.

  6. Meihsies, ein Loblied von Ferdinand Schuster

    Von Meihsies – das räumten selbst parteiinterne Rivalen wie Eberhard Manzke (CDU), politische Gegner wie Claudia Schmidt (Bündnis90/Die Grünen) oder eben Feinde vorwiegend aus dem hanseatisch-publizistischen Sektor ein – ging Faszination aus: Der studierte Autodidakt, der sich noch als Mittvierziger eigenhändig zum Ökonomen fortbildete, ist hochintelligent, temperamentvoll, schlagfertig, witzig, rustikal, charmant. Wem in seiner Gegenwart langweilig wurde, dem war nicht zu helfen.

  7. Bruns, „selbst zu feige, an der front zu stehen, aber dumm rumpupen“ ?

    Ist das nicht die genaue Zusammenfassung Ihres eigenen Kommunikationsverhaltens?

  8. oh, meine fans sind aufgestanden. Anonymus, in meinen augen sind sie ein einfaltspinsel. und warum? zu feige den eigenen namen zu nennen. Claas, was soll die künstliche aufregung? ich greife auch an, stimmt, bleibe aber fäir. mir geht es immer um die sache. andreas und ich hatten so manches gespräch, wo fässer aufgemacht wurden. übereinander hergefallen sind wir dabei nie. es liegt wohl daran, wir beide sind keine akademiker.

  9. Andreas Meihsies war nach Uwe Inselmann, mit dem zusammen er 1986 in den Rat gekommen ist, das größte Talent als beigeordneter Bürgermeister. Die Parteizentrale der Grünen möglichst bald „Andreas-Meihsies-Haus“ nennen, ist das wenigste, was seine ehemaligen Untergebenen nun für ihn tun können.

    • Die Persönlichkeit von Bürgermeister Andreas Meihsies und sein verdienstvolles Tätig(gewesen)sein in Lüneburg dadurch zu ehren, dass man einen kostengünstigen, aber bereichernden Prachtbau nach ihm benennt, der unter seiner tatkräftigen Mithilfe zustande gekommen ist, halte ich für eine gute Idee. Klar, dass die charakterlose Schämfassade der B90/Grünen-Geschäftsstelle an der Neuen Sülze 4 nicht in Frage kommt. Da aber für das Mausoleum an der Willy-Brandt-Straße (Dr. Rolf Johannes, Vorsitzender des Museumsvereins für das Fürstentum im Lüneburg elegant wirkender neobarockklassizistischer Stadtvillen) und für das Audimaxraumschiff am Bockelsberg (Holm Keller, von 2006 bis 2016 erster hauptamtlicher Vize-Intendant beim Präsidialschauspiel der Leuphana Universalität) bereits die schalkhafte Ironie der Lokalgeschichte selbst über die Kandidaten entschieden hat, bleibt für den ehemaligen Fraktionschef der Grünen nur die geplante SVG-Volleyball-Halle auf dem Event-Gelände des alten Schlachthofs, was ja zur äußerlich martialischen Wesensart der empfindsamen Spielernatur vom einsturzgefährdeten Ochtmisser Kirchsteig durchaus passen könnte.

      Ich votiere für den Namen ANDREAS-MEIHSIES-ARENA in der Vrestorfer Heide auf Lüneburger Land.

      • Bravo!!

        Nachdem Andreas Meihsies jetzt ja auch persönliche Wahlempfehlungen für die Lüneburger Einheitsparteiliste abgibt (SPD, Holger Nowak als Ex-Grüner), wäre dies die optimale Würdigung von 30 Jahren nachhaltiger Kommunalpolitik in Lüneburg!!

        Darf ich ergänzen?

        Das ganze muß sakraler klingen – nachhaltig = ewig – und muß finanzierbar bleiben und muß dem Herrn dienen:

        ANDREAS-MEIHSIES-SPARKASSEN-ARENA-VON-MÄDGES-GNADEN

        Das wär politisch korrekt.

        Klasse, Herr Schultz, mit Ihnen geht was)

  10. Claas
    heut sind Sie wohl mit dem linken Kriegsfuß zuerst aufgestanden? da ich rechts neben meiner frau liege, stehe ich auch immer mit dem rechten fuß zuerst auf. schmunzel. wieso fabulieren sie von links und rechts und nicht von oben und unten? gewohnheit? wenn gazetten mit der politik unter einer decke stecken , wird dadurch nichts besser, oder glauben sie an schmusekurse? wer was fallsch verstehen will, muss sich nicht erst bemühen, er liest und versteht nur das, was er lesen und verstehen will.

    • Lieber Herr Bruns, Ihr Talent als Alleinunterhalter in allen Ehren. Aber ich bitte um eine Sendepause bei diesem Beitrag.
      Danke fürs Verständnis. LG Hans-Herbert Jenckel

      • Lieber Herr Jenckel

        Gerade lese ich noch, wie Sie den armen Klaus Bruns zurechtweisen und ihn um eine Sendepause bei Ihrem Beitrag von dieser Woche bitten.

        Das finde ich nicht in Ordnung.

        Klaus Bruns ist seit vielen Jahren ein regelmäßiger Schreiber von Leserbriefen und Online-Kommentaren. Vermutlich gibt es keinen zweiten Reppenstedter mit einem derart hohen Bekanntheitsgrad in Lüneburg. Zumindest weiß sicher ausnahmslos jeder Leser der Landeszeitung, was es mit ihm und seinen zahlreichen Zuschriften auf sich hat.

        Ich bin überzeugt, dass auch Herr Meihsies es nicht gutheißt, wenn ihm die (oft nervenstrapazierenden, aber niemals bewusst gemeinen oder gar bösartigen) Anmerkungen von Herrn Bruns auf Geheiß des leitenden Redakteurs vorenthalten werden.

        „Mr. Jenckel, open this gate. Mr. Jenckel, tear down this wall!”

        MfG, Dietmar Garbers

        • Er soll doch nur nicht auf alles und nichts Dampf ablassen. Das wird dann monoton. LG jj

        • mein lieber Dietmar Garbers, lieber arm dran ,als arm ab. schmunzel. sie haben völlig recht, die demokratie sollte es aushalten können. da hier herr jenckel das hausrecht hat, kann er natürlich darüber auch bestimmen. die frage ist immer nur, wie kommt es rüber? dampf ablassen? scheinbar hat da jemand etwas falsc h verstanden. MfG P.S. auf alles und nichts? warum wird nichts hier gebracht?

      • ich hatte nicht vor , hier beim nachtreten behilflich zu sein, dieses überlasse ich gern der sogenannten feinen gesellschaft, sie kann es besser. Sendepause

        • Respekt, Klaus!
          Sei stolz auf das, was Du geleistet hast. Ohne Dich wären die Leserbriefspalten der Lüneburger Landeszeitung nie dorthin gekommen, wo sie sind. Wenn parteipolitische Interessen wichtiger werden als Reppenstedter Kommentare über Menschen und Umwelt, ist es Zeit zu gehen. Schade, dass gerade Andreas sich dafür benutzen lassen muss.

          LG aus Belm

  11. Als wate er im Schlamm, so mühsam ging er; die Fußballschuhe hingen wie mit Blei gefüllt an seinen Beinen. Nur gewaltsam, wie gegen einen Orkan ankämpfend, hielt er die Richtung auf den dunklen, unbewegten Halbkreis vor ihm am Grunde der sich steilenden, von wimmelndem Leben quellenden Stufenwand des Stadions, auf jenen Halbkreis, der der Kabineneingang war. Den steuerte er an, wie ein leckes Schiff bei schwerem Seegang den Hafen. Hinter ihm war das unterbrochene Spiel wieder angepfiffen worden, das lenkte die meisten Augen von seinem Hinausgehen ab. Die aber, die neben und über dem Kabineneingang standen, sahen ihn näher kommen, und je näher er kam, desto mehr Blicke sammelten sich auf ihm; wie eiserne Pfeilspitzen von einem Magneten angezogen, lenkten diese Blicke sich auf ihn, gebündelt stachen sie auf ihn, einen unfreiwilligen Winkelried1, ein. Pfui-Salven, das Knattern zahlloser winziger Hass-Explosionen, herangetragen auf den Wellenlinien greller Pfiffe. Gesichter sah er keine; aber er wusste, dass es dieselben Münder waren, die früher, all die stolzen Jahre lang, allsonntäglich ihren Beifall über ihn ergossen haben, wenn er so spielte, wie sie es gerne sahen. Wenn er, den Ball am Fuß wie unsichtbar angebunden, durch die Reihen der Gegner lief, dann liefen tausend Jubelrufe mit; wenn er den Ball auf den Zentimeter genau übers halbe Spielfeld passte, dann raunte es ringsum voll Ehrfurcht; und wenn er schoss, stockte dem ganzen Stadion der Atem, und dann erst riss es ihnen den Schrei aus der Kehle. O ja, er war ein Spieler gewesen wie nicht bald einer: kein Schwerathlet, der mit seinem Körpergewicht alles niederwalzt, was sich ihm in den Weg stellt, sondern der Artist, der seine Körperkraft nicht spüren, sondern nur wirken lässt. Meistens wurde er als Läufer aufgestellt, aber wenn Not am Manne war, führte er den Angriff oder verteidigte vor dem Tor. Dort, wo er eingesetzt war, gehörte das Spielfeld, so weit er es erlaufen konnte, ihm. Und wenn sein Nebenmann versagte, rackerte er für zwei.
    Und was hatte man ihm, war wieder ein Spiel gewonnen, nicht alles nachgerühmt! Dass er der beständigste Spieler sei, zuverlässig auf jedem Posten, ohne Formkrisen, ohne Launen; kein Star, sondern immer Teil der Mannschaft, ihr Motor und ihre Seele zugleich; und der fairste Fußballer seit langem, die Zeitungen brachten Fotos, wie er über den hechtenden Tormann, um ihn nicht zu verletzen, hinwegspringt; wie er zum Kopfstoß mit regelrecht angelegten Armen hochschnellt; wie er dem Gegenspieler, der im Zweikampf zu Fall gekommen, kameradschaftlich auf die Beine hilft. Und jetzt stapfte er schwankenden Schrittes hinein in die Mauer vor ihm aus Gejohle, Pfiffen und Flüchen. Und alles, was ihn früher über das Spielfeld getragen, was seine Läufe beflügelt, was seinen Einsatz befeuert hatte: der Beifall, der Jubel, diese Woge von einem aufbrausendem Schrei, die aus dem Beton-Oval, einer einzigen Kehle, zum Himmel stieg und alsdann wie ein linder Frühlingsregen erquickend über ihm niederfiel: Das alles kam ihm jetzt, im Nachhinein, unwirklich vor; ja, ihm schien, als habe er sich all die Jahre lang verhört und als vernehme er jetzt erst, was die da oben all die Jahre lang wirklich geschrien hatten und als verstünde er erst jetzt, was dieses Schreien schon damals in Wahrheit bedeutet hatte. So torkelte er, wie ein blindgeschlagener Boxer auf den Schatten seines Gegners, darauf zu, im vernebelten Blick tat sich schwarz, mit jedem seiner Schritte sich in die Tiefe verfinsternd, der überdeckte Gang zu den Kabinen auf: ein brüllendes Maul inmitten einer zuckenden Grimasse. Und dieser Rachen tat sich auf, ihn zu verschlingen auf Nimmerwiedersehen . . .

    Von Herbert Eisenreich

  12. Gedicht von Tane

    „Wer ist Andreas Meihsies?
    Andreas Meihsies war unser Steuermann,
    aushielt er, bis er das Ufer gewann,
    er hat uns geerdet, er trägt die Kron‘,
    wir schieden von ihm, unsre Liebe sein Lohn.
    Andreas Meihsies.“