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Wie das Netz durch Posts zum asozialen Ort verkommt

Lüneburg, 19. Oktober 2016

In Lüneburg ist kein Pegida-Ortsverein bekannt, aber der Pegida-Geist weht auch über Markt und Sand. Vor einigen Tagen wurde über einen ekelhaften sexuellen Übergriff im Kurpark berichtet. Zwei „südländisch wirkende Männer“ hätten eine Mutter mit Kind am Ententeich überfallen. Während ein Täter das Kind festgehalten haben soll, soll sich der andere an der Mutter vergangen haben. Das rief bundesweit Empörung hervor. Die Frau zeigte den Übergriff drei Tage nach der Tat an, verweigerte laut Informationen aus Polizeikreisen eine ärztliche Untersuchung. Die Polizei ermittelte weiter, fand aber trotz des öffentlichen Ortes keine Zeugen, keine Hinweise auf die Tat. Auch darüber haben wir berichtet, auch bei Facebook.

Das Zwischenfazit der Polizei passte aber so gar nicht mit den fertigen Urteilen vieler Debatten-Duellanten überein, hier ein paar Posts im Original:.

  • War klar… jetzt werden Straftaten unter den Tisch gekehrt weil die Polizei inkompetent ist.. nix neues..
  • Na klar, die Polizei mal wieder nicht in der Lage die Täter zu finden, dann lügt eben das Opfer.
  • Hat man keine täter ist die tat nie geschehen oder was ?
  • Wie immer! Und dann wundert man sich, warum man die polizei kaum noch um Hilfe bittet!
  • Vertuschen kann man viel
  • Unglaublich! Die Polizei kann nichts ermitteln und die Frau wird als Lügnerin dargestellt. Mal im Ernst wieso sollte eine Mutter das tun???
  • Ich würde der Frau das glauben warum sollte Sie sich das ausdenken?? Ich habe schon öfter beobachtet wie Gruppen in der Stadt Frauen Vollgequatscht haben und die fanden das nicht so lustig! Des weiteren sehe ich viele Alkohol konsumieren das macht ja mutig .

Eine rechte Internet-Kampfseite spitzte das mal kurz so zu:

Gruppenvergewaltigung: Mutter vor Kind brutal durch Islamisten in Kurpark geschändet“

Es geht gar nicht darum, dass es keinen Spaß macht, solche Verschwörungs-Eskapaden zu lesen, es geht darum, dass diese rausgehauenen Vorurteile die Gesellschaft vergiften, Institutionen wie die Polizei bewusst diskreditieren. Und das in einer Zeit, in der im Zusammenspiel zwischen Bürger-Reportern und Journalisten die Wächterfunktion eigentlich stärker denn je ist. Aber auch der Umstand wird mit dem Kampfruf „Lügenpresse“ erfolgreich angegriffen.

Die sozialen Medien sind der Stammtisch 2.0. Nur es gibt kein Bier, es hören auch nicht nur fünf Freunde zu, dafür wird kübelweise Hass in Netz ausgeschüttet, wir kommen manchmal mit dem Löschen nicht hinterher,  Was Leute früher nur gedacht haben, können Trolle unter dem Deckmantel der Anonymität, geschützt durch das Telemediengesetz, unters Volk kippen. Sie machen das Soziale Netz zum asozialen Ort. Das ist Fluch und Segen zugleich. Wir schauen auf die rohen Gedankensplitter von Zeitgenossen, Wir sehen ihre Schattenseiten. Das macht keinen Spaß. Da lobe ich mir den Kneipen-Stammtisch, wo die Debattenschlachten vergessen und verklärt werden können, aber nicht auf ewig durchs Internet spuken.

Hans-Herbert Jenckel

14 Kommentare

  1. Sie machen das Soziale Netz zum asozialen Ort.
    und genau deswegen heißt es flagge zeigen, um diesen,,mitmenschen,, eben nicht das feld zu überlassen. zivilcourage ist dabei sehr hilfreich, aber leider nicht mehr sehr verbreitet. und genau dagegen sollte etwas getan werden. der staat könnte es, wenn er die opfer der zivilcourage besser behandeln würde. leider ist das gegenteil der fall. warum gibt es wohl den weißen ring?

  2. Herr Jenckel, was erwarten Sie? abgehängte werden radikal oder depressiv, oder beides. diese tatsachen sind bekannt. da bei uns der egoismus gepflegt wird und von neo-liberalen auch noch ungestraft befeuert wird, sind diese verhaltensmuster nur das ergebnis des versagens der gesellschaft. und keiner will es gewesen sein. auch die medien sind da nicht ganz unschuldig. wir alle können was dagegen tun. denn wir alle lassen es zu.

  3. Um es gleich mal klar zu machen:

    1. Merkel ist schuld. An allem! Auch an frei erfundenen Kurpark-Geschichten.
    2. Wie alarmistische Hasser und Falschbeschuldiger wollte auch der arme Reichsbürger doch nur das Reich gegen Umvolkung, Flut, Tsunami, Überschwemmung, Invasion oder feindliche Übernahme (alles Begriffe aus dem Blog.jj-Forum) von Nichtreichsdeutschen schützen.
    3. Wenn die linksgrünversiffte bayerische Polizei denn heldenhaften Wahrer des Reichs in seinem Wirken stören will, dann muss er sich halt nun mal verteidigen.
    4. Die System- und Lügenpresse, sowie die GEZ finanzierten Medien werden eine objektive Beurteilung unmöglich machen. Die Hoffnung ruht auf Russia TV.
    5. Gauck, Gabriel, Roth und Maas werden eine ehrliche Aufklärung verhindern.
    6. Greinende, keifende anonyme Nazis sind keine Nazis! Man sollte sie nicht gleich wieder mit der Nazikeule prügeln! Wer das nicht begreift, kriegt die Duisburg-Marxloh-Keule rübergezogen.

    Hab ich was vergessen, liebe Freunde aus der rechten Ecke?
    ;-)))

    • @Kai Albrecht
      Ja, vielleicht nicht vergessen,aber verdrängt. Und zwar das mehrheitlich in Deutschland die Bürger eine ganz andere Meinung haben,als Sie. Selbst im linken Realitätsverweigerer- und Übergutmenschenlager kommt man in der harten Realität an. Wer hätte das gedacht?

      • andy
        ich verstehe nicht, was sie meinen. sie benutzen ein schimpfwort des jahres und erwarten realitätsbestätigungen? realität ist, wer so wie sie fabuliert, gehört zum rechten antidemokratischen rand. wer will ernsthaft mit solchen menschen etwas zutun haben?

      • „…das mehrheitlich in Deutschland die Bürger eine ganz andere Meinung haben…“

        Das glauben Sie! Nur, wer am lautesten krakeelt ist noch lange nicht die Mehrheit.
        Menschen wie Sie scheinen mir dauer -wütend, -enttäuscht, -benachteiligt zu sein, wäre in Ihren Augen nicht Frau Merkel Schuld dann wären es die Flüchtlinge und Migranten oder die EU oder US-Amerikaner oder die Illuminaten.
        Ein weiser Mann sagte einmal:“Das Leben wartet nicht auf dich!“.
        Wenn Sie sich abgehängt fühlen, müssen Sie selbst aktiv werden und etwas ändern – gewaltfrei natürlich!

  4. Für mich hört sich das alles sehr komisch an! Warum geht die Frau erst 3 Tage danach zur Polizei, und warum keine ärztliche Untersuchung? Mich würde interessieren wie sie denn jetzt lebt, ist sie in ein Haus mit Garten umgezogen? Es werden leider immer wieder solche Geschichten erfunden, hab das neulich erlebt in der U-bahn, da wurde ne Frau von 3 Südländern angequatscht, die aber dann weiterzogen. Am nächsten Tag stand in der Lokalen, Übergriff von 3 Asylanten in U-Bahn Station auf deutsche Frau mit Kind!

  5. Leider hat dieser Fall keine Vorurteile bedient, sondern war scheinbar nur ein weiterer Beleg der Lebenswirklichkeit in diesem Land. Die Lebenswirklichkeit besteht leider aus einem erheblichen Gewalt- und Straftatenproblem und einem erheblichen Problem durch sexuelle Übergriffe durch Migranten und zwar nicht nur lokal in Köln sondern bundesweit, selbst im Osten, wo es ja fast keine Migranten geben soll. Von einigen Medien wird dies gerne als Rechte oder Pegida Panikmache verharmlost oder generell als Meldung unterdrückt oder verschwindet im Kleingedruckten. Linke versuchen das Problem leider zu umschiffen, als bedauerliche Einzelfälle abzutun oder unter den Teppich zu kehren, um weiter mit ihren ideologisch geprägten Lebenslügen zurecht zu kommen.
    Gerade diese Desinformationen sorgen dafür das Rechte Zulauf bekommen und sich ein Gerüchte- und Verschwörungsmarkt im Internet bildet.

    • Klaus, war es Ihr Wunsch oder konnten Sie einfach nicht anders, als in das trübe Schema hineinzugleiten, das Ihnen Kai Albrecht oben hingehalten hat? (Gibt es denn kein Problem mit sexuellen Übergriffen durch Bio-Deutsche? Und zwar nicht nur lokal in Ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, sondern bundesweit? Selbst in Duisburg-Marxloh, wo es ja fast keine Arier mehr geben soll? Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums von 2004 hat jede vierte in Deutschland lebende Frau mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt gegen sich erfahren müssen, davon etwa die Hälfte durch (Ex-) Partner. Von einigen Medien wird dies gerne als linke oder Anti-Pegida-Propaganda verharmlost oder generell als Meldung unterdrückt oder verschwindet im Kleingedruckten. Rechte versuchen das Problem leider zu umschiffen, als bedauerliche Einzelfälle abzutun oder unter den Teppich zu kehren, um weiter mit ihren ideologisch geprägten Lebenslügen zurecht zu kommen.
      Sind es nicht gerade auch DIESE Desinformationen, Klaus, die dafür sorgen, dass Rechte zwar, anders als Sie wähnen, keinen Zulauf bekommen, aber die extremistischen Hardcore-Hasser unter ihnen sich systematisch in den sie bestätigenden Gerüchte- und Verschwörungsblasen im Internet abkapseln, jeglichen Sinn für Tatsachen und Argumente verlieren und – siehe „andy“ oben – nur noch petrifizierten Aggro-Schwachsinn in die Foren lallen?)

      • Ich gebe Ihnen mal ein paar Tatsachen, zum einen wie sogenannte Linke versuchen mit dem Problem umzugehen und dabei bis zur Selbstverleugnung gehen, um ihre ideologisch geprägten Lebenslügen aufrechtzuerhalten.
        https://www.conne-island.de/news/191.html
        Oder: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2016/Opfer-verschweigt-Vergewaltigung-durch-Fluechtlinge,selin100.html
        Natürlich gibt es kriminelle Biodeutsche aber das sollte kein Grund sein dies permanent zu nutzen die Krimminalität und Gewaltbereitschaft unter Migranten permanent zu verharmlosen. In Berlin lassen sich mittlerweile ein Großteil der Schwerstkrimminalität auf nur wenige Araberclans zurückführen. Müssen wir uns das bieten lassen?
        Ich gebe Ihnen auch noch ein neuerliches Beispiel für die Verharmlosung von Migrantengewalt: Eine der vielen Gewaltakte, die als kleine Lokalmeldung abgetan werden: https://www.welt.de/amp/regionales/hamburg/article158815755/16-Jaehriger-in-Hamburg-getoetet.html

        • Die Ausführungen auf Conne-Island sind echt interessant und lassen einen tief in die Gedankenwelt dieser political correctness blicken. Da soll einfach mal eine Externe Security beauftragt werden, damit die eigene sich nicht die Hände schmutzig macht und die unbequemen Gäste vorm Gartenzaun abgewiesen werden. Nach dem ‚Motto, soll sich doch der Nachbar mit auseinander setzten oder die Bürger auf dem Bautzener Marktplatz. Klasse jeder soll sich also vor seiner eigenen Haustür diesen Menschen entgegenstellen. Da verstehe ich die Linken nicht, warum man diese Kontrolle nicht gemeinsam an der Grenze durchführt und entsprechend durchgreift. Dann wäre allen gedient und die Probleme würden nicht nur im Land rumgereicht, bis sie sich schließlich einen Stadtteil unterworfen haben.

  6. Huuuhu, andy und Klaus

    die amerikanische Schauspielerin Renée Zellweger ist nach eigenen Angaben knapp einem Burn-Out entgangen. Sie habe deshalb sechs Jahre lang keinen Film gedreht, sagte die 47 Jahre alte Zellweger den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Ich habe nämlich damals einen Film nach dem anderen gemacht. Dieser Stress war auf die Dauer sehr ungesund. Also habe ich – kurz vor dem Burn-Out – die Reißleine gezogen.“ Sie habe Zeit gebraucht, um zu sich selbst zurückzufinden. „Wenn man sich sehr lange nur in elektronischen Illusionswelten bewegt, dann ist es wichtig, sich wieder mit dem echten Leben auseinanderzusetzen“, sagte Zellweger. „Ich wollte wieder mal ganz tief durchatmen und mich intensiv um meine Familie und Freunde kümmern.“ (http://diepresse.com/home/leben/mensch/5105851/Renee-Zellweger-stand-kurz-vor-einem-Burnout)

    Also, „andy“ und „Klaus“, ihr beiden lieben kleinen unermüdlichen Forumsracker: Stecker ziehen, Provider kündigen, Laptop in die Schublade und einfach mal fünf, sechs Jahre ohne Thiazi, Facebook, Darknet, Tichy, Altermedia und Rote Rosen auf der Brausebrücke durchatmen — wieder Mensch werden!

    LG, Agnes Miegel

    • @ Agnes Miegel

      Zitat: „…….wieder Mensch werden!

      Danke für den Tip. Aber, haben Sie den unsäglichen Unsinn ,besser Geschreibsel Ihrerseits mal gelesen? Da warne ich auch vor einem Burnout! Ich hoffe, nicht zu spät.

  7. „es geht darum, dass diese rausgehauenen Vorurteile die Gesellschaft vergiften“

    So ist es, Herr Jenckel. Und nicht einmal nur deswegen vergiften sie die Gesellschaft oder das Gesellige, weil es Vorurteile sind, deren Verbreitung immer einen Mangel an Verantwortungsbewusstsein anzeigt, sondern eben weil sie „rausgehauen“ werden — mit einem Riesenlärm und keinen Widerspruch duldend. Rechthabergeschrei und Hassgebrüll, ob von links oder rechts, ob aus politischen oder religiösen Lautsprechern hallend, ist keine Sprache, ja nicht einmal ein Kommunikationsversuch, sondern eine Form von Gewalt, wie sie von allen Fundamentalisten ausgeübt wird, egal, wer diese sein oder wie sie sich nennen mögen – ob Abend- oder Morgenländer, ob Teufel oder Beelzebub –, und sie geht stets mit höhnischer Abwertung, mit Diffamierung und mit offenen, schändlichen Lügen einher, denn irgendwie muss das Gebrüll ja doch begründet werden.

    Wer erklären will, warum die Sprache von Gedröhne, Getöse und Gepolter übertönt zu werden droht, greift zu kurz, wenn er einzelne Parteien dafür verantwortlich macht. Zwar gibt es Gruppen, die sich das Gebrüll plannvoll methodisch zunutze machen oder auch anheizen, aber diese sind wohl weder die eigentlichen Sprachrohre noch Quellen. Ursprung des Gebrülls in dessen aktueller Gestalt, jener Ort, der ihm sowohl Raum gibt, als auch sein weiteres Anschwellen erlaubt – dieser Ort dürfte das Netz sein, das die User, gerade weil es so gigantisch ist, dazu veranlasst, sich in Rudeln, Rotten und Herden, in Weilern und Dörfern mit weitgehend homogener Bevölkerung zu organisieren: ähnlicher Hintergrund, ähnliche Interessen, Meinungen, Vorlieben und Klamotten.

    In diesen relativ kleinen sozialen Einheiten bestätigt man einander, heizt sich gegenseitig auf, bejubelt Grenzüberschreitungen, definiert sich nicht nur durch Gemeinsamkeiten, sondern auch durch Ab- und Ausgrenzung, bis man am Ende dem Irrglauben erliegt, man sei die Norm und stehe für das Ganze und alle anderen müssten denken wie man selbst, und wenn nicht, tja, dann gibt es eben Zunder. So gesehen fördert das Netz eine Enthemmung, die sich schließlich auch in der konkreten Realität auswirkt, und erzeugt gleichzeitig einen Anpassungsdruck, der durch Sanktionen (Verhöhnung, Mobbing, Verleumdung, Ausgrenzung usw.) jederzeit erhöht werden kann. Ein ebenso perfektes wie perfides Instrument, um andere in Reih und Glied zu prügeln, und, da das Netz in Teilen immer noch unzivilisiert ist, die perfekte Echokammer für ein Gebrüll, das Andersdenkenden die eigene Meinung aufzwingen, sie zum Schweigen bringen soll, was, nebenbei gesagt, von erheblicher Arroganz, Rücksichtslosigkeit, ja, Brutalität und Menschenverachtung zeugt.

    Das Gebrüll versucht, die Sprache des Dialogs zu zerstören, der auf das Zuhören ebenso angewiesen ist wie auf das Sprechen, und weil unser Gemeinwesen – oder unsere Gesellschaft – auf genau diesem friedlichen – geselligen – Austausch, auf diesem Dialog aufbaut, ist das Gebrüll eine Kampfansage an die Werte, Rechte und Freiheiten der Demokratie.