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Ringen um die inneren Werte

oc Lüneburg. An diesem Morgen geht es um Sturm und Staub, um Feuer, voranstiebende Mammuts und Neandertaler. Anders gesagt um Ton und bewegte Bilder und präzise darum, wie das Lüneburger Land sich in grauer Vorzeit darstellte. Pläne für Räume, Vitrinen und Kosten, dazu Kopien von Fotos belagern den großen Tisch, zwischen ihnen suchen Kaffeetassen Platz. In zwei Kartons ruhen Lautsprecher, eine Luxusvariante und das Modell Typ Gartenschlauch. Das ist günstiger, das ist robuster, das werden sie nehmen für die Hör-Stationen im neuen Museum Lüneburg. Während draußen die Treppe zum Eingang beklinkert wird, geht es drinnen längst um die Feinheiten – aber draußen wie drinnen immer auch um das Machbare, das liebe Geld.

„Die Planung ist recht weit, jeder Raum der sieben Abteilungen hat schon ein Gesicht bekommen“, sagt Martina Jung vom Büro ikon. Die Frau aus Hannover ist Spezialistin für das Einrichten von Ausstellungen. Sie hat für Museen in Göttingen und Nordhausen gearbeitet, für die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, das Lachs-Infocenter Wöltingerode, und im September startet in Hannover eine Wanderausstellung über 1933 und das Recht.

Lüneburg bietet eine große Aufgabe: Drei Sammlungen drängen in ein Haus, die vom Natur- und vom Fürstentum-Museum, dazu die der Stadtarchäologie. 1200 Objekte haben es in die enge Wahl geschafft, sie werden auf 1700 Quadratmetern verteilt. Dabei gilt oft, aber nicht immer, das Prinzip: Weniger ist mehr. Die Diskussionen mit den Kuratoren des Museums um die richtige Wahl der Exponate seien sehr intensiv, sagt Martina Jung. Ihre Aufgabe ist es, die von den Kuratoren vorgegebenen Inhalte für Besucher fruchtbar zu machen, von der Inszenierung bis zur Information.

Das gilt für jedes Exponat, für jeden Raum, die Abteilungen sollen sich atmosphärisch unterscheiden. Das beginnt damit, einen Raum, der in die Eiszeit führt, weiß und kühl zu designen und führt zu Diskussionen mit Mediengestalter Menno Mennenga, wo Film und wo Ton wie zum Einsatz kommen. Auch über QR-Codes und Hotspots werden Wege der Vertiefung gewiesen.

Weniger ist mehr, was heißt das konkret? Beim Thema Religion werden aus den großen sakralen Schätzen des Museums zwei Altäre gezeigt: der aus Wittfeitzen, zuvor aus dem Kloster Lüne stammende 1000-Märtyrer-Altar mit seiner reichen Bildersprache und der reine Schriftaltar aus der Heiligenthaler Kapelle. Er repräsentiert die Reformation, die den Heiligenkult ablehnte.

Manchmal aber muss es nicht weniger, sondern mehr sein. Etwa, wenn es um die Fundgruben des Mittelalters geht – Kloaken, in denen die Scherben landeten, die Aufschluss über Handel und Wandel geben.

Maximal eine Million Euro kann für das Innenleben des neuen Museums ausgegeben werden. Der Blick auf die Kosten zwingt zur Zurückhaltung. „Wir können die Ausstellung nicht überall so einrichten, wie es ideal wäre, aber immer Lösungen finden, die dem Thema, dem Exponat und dem Raum gerecht werden“, sagt Martina Jung. Außerdem findet sie, dass die Eröffnung eines Museums nicht einen Endpunkt darstellt, sondern immer auch ein Startpunkt ist. Stillstand dürfe es in einem Museum nicht geben.

Museumsdirektorin Dr. Heike Düselder blickt auch schon über die entstehende Dauerausstellung hinaus. Das alte Foyer an der Wandrahmstraße wird künftig zum Ort für wechselnde Präsentationen – „bis 2017 haben wir schon geplant“.