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Mein Dämon und ich

ff Lüneburg. Gemalt wurde unter freiem Himmel, also im Grünen, bei Wind und Wetter, mit Staffelei, Palette und Koffern voller Farbtuben. Aber die bunte, insgesamt aus fast drei Dutzend Personen bestehende Truppe, die da ihre Utensilien ausbreitete, ist eine besondere: Sie besteht aus Künstler/innen mit und ohne Handicaps. Einige haben geistige oder psychische Probleme, andere nicht. Sie stammen aus Bielefeld und Berlin, jetzt stellen sie gemeinsam in Lüneburg aus: Am Sonntag, 1. September, öffnet die Ausstellung „Unter freiem Himmel — unterwegs“ in der St. Johanniskirche, nach dem Gottesdienst, gegen 11.15 Uhr.

Die Präsentation geht auf zwei Kunst-Workshops in den Jahren 2011 und 2012 zurück, gemeinsam veranstaltet vom Haus Lydda in Bielefeld-Bethel und der Kunsttherapie im Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) in Berlin in der Regie der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Zu sehen sind nun 34 Arbeiten (darunter fünf Skulpturen) von 25 Künstler/innen. Die von einer Jury kuratierte Wanderausstellung startete im März im Europäischen Parlament in Straßburg und tourt jetzt durch die Bundesrepublik. Nach Lüneburg geht es nach Heidelberg, Gelsenkirchen und Berlin.

Dem Projekt steht ein Motto von Paul Klee voran: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“. Das persönliche Erleben steht im Mittelpunkt, manche Maler/innen ließen sich von Sonne und Kälteschauern beeinflussen, andere schildern Hoffnungen, Ängste, Feinde. Ein Bild trägt den Titel „Mein Dämon und ich“, ein anderes heißt „Leponex“, das ist ein Medikament, und es diente dem Maler, wie er es schildert, bei einem langen Sturz in die Tiefe als Fallschirm. Ein Gemälde zieht den Blick des Betrachters in einen bunten Blütenstrudel, ein anderes zeigt einen Tisch, eine Wodka-Flasche, in der fröhlich tanzende Geister gefangen sind. Aber die Hand, die das leere Glas hält, ist ohne Kraft. Inzwischen sind einige der Künstler, und darauf sind die Veranstalter natürlich stolz, im Rahmen eines dreijährigen Pilotprojektes selbst Dozenten an der Fachhochschule Bielefeld.

Die Ausstellung, zu der ein Katalog erschienen ist, läuft noch bis 26. September, die St. Johanniskirche ist montags bis mittwochs von 10 bis 17 Uhr, donnerstags und sonnabends von 10 bis 18 Uhr, freitags von 10 bis 20 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Öffentlichkeitsreferent Uwe Drosselmeier aus Bethel steht am 1. und 2. September für Fragen bereit. Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel betreuen, beraten und fördern jährlich mehr als 185 000 Menschen. Sie sind an rund 250 Standorten in sieben Bundesländern präsent.