Mittwoch , 28. September 2016
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So weit, so gut

oc Lüneburg. Es ist der erste Abend, den das Theater Jahr um Jahr bietet, es ist vielleicht der kurzweiligste und in gewisser Weise auch der spannendste. Erste Erkenntnisse liefert er auch, und in diesem Jahr stach bei der Gala zum Abschluss des Theaterfestes ein echtes künstlerisches Highlight heraus. Zwei und eine halbe Stunde führen Katja Stoppa und Friedrich von Mansberg durch den im Handumdrehen ausverkauften Abend.

Kurzweilig ist der Abend, weil er Spots auf das wirft, was in dieser Spielzeit geboten wird zwischen Oper und Musical, Schauspiel und Ballett, großem Haus und Studiobühnen. Manches wirkt schon jetzt perfektioniert, manches erscheint noch mehr oder weniger improvisiert, und das Publikum wird diesmal auch einbezogen, als „Störer“ bei der „Katze auf dem heißen Blechdach“ und als Leiche in Sachen Agatha Christie. Auch so erfüllt sich das Spielzeitmotto „Dein mein unser Theater“.

Spannend ist die Gala vor allem für diejenigen, die sich zum ersten Mal vorstellen. Für Thomas Dorsch, den neuen Musikdirektor, und Olaf Schmidt als neue Spitze des Balletts wird es ein wunderbarer Abend – beide werden herzlich bis enthusiastisch begrüßt. Thomas Dorsch eröffnet den Abend mit den Lüneburger Symphonikern und einer dynamisch ausformulierten, so farbig wie messerscharf und transparent abgestimmten Ouvertüre zur „Zauberflöte“. Dorsch zeigt im Laufe des Abends auch, dass er ein sängerfreundlicher Dirigent ist, die Vokalsolisten jedenfalls rückt er klanglich deutlich ins Licht. Die ersten Kostproben aus dem Ballett mit seinem neuen Chef Olaf Schmidt bekommen ebenso große Zustimmung, und mit Schmidt hängt auch eine der Erkentnisse zusammen, die sich aus dem Abend ziehen lassen.

Karten nämlich dürften schnell knapp werden für „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“. In dem Studiostück spielt Olaf Schmidt – natürlich – einen Tanzlehrer, den sich eine alte Dame (Silvia van Spronsen) engagiert. Auszüge aus dem überwiegend witzigen Stück kamen bei der Trailershow am Nachmittag und kommen nun bei der Gala blendend an. Vorgesehen sind zehn Vorstellungen ab 12. Oktober. Dass auch die „Comedian Harmonists“ das T.NT weiter füllen werden (ab 26. September), das liegt am charmanten Team und natürlich auch daran, dass der Onkel Mumba aus Kalumba ja nur Rumba tanzt – wie der Gala-Gesang beweist.

Auch fürs große Haus kann die Prognose nur lauten: Wann geht’s denn endlich los? Kirsten Darragh, Karl Schneider, Ulrich Kratz, die Chöre – stimmlich sind alle top in Form. Das Schauspielteam sprüht vor Lust loszulegen, ob ernst mit Tennessee Williams oder gagreich in Sachen Agatha Christie. Auf den getanzten „Pinocchio“ alias Kilian Hoffmeyer freuen dürfen sich junge Theaterbesucher, und wer das Schräge mag, wird beim „Struwwelpeter“ in der Fassung der Tiger Lillies fündig. Die Episode vom fliegenden Robert findet schon mal mächtig Anklang.

Es gibt noch vieles mehr, was bejubelt wird, aber nichts so gewaltig wie der Auszug aus „Lucia di Lammermoor“, der Eröffnungspremiere am 21. September. Dabei ist das an diesem Abend der Programmpunkt mit dem Prädikat „schade“. Denn nicht fit ist Ruth Fiedler, die Frau, für die Intendant Hajo Fouquet die Donizetti-Oper in den Spielplan nahm. Dass es trotzdem der musikalische Wahnsinn wird, den es zu hören gibt, liegt an Antje Bitterlich, die vom Nationaltheater Mannheim anreiste und mit ihrem Koloratursopran einen fantastischen, mit Bravosturm und Fußgetrampel bedachten Auftritt hinlegt. Dass dazu Sascha Reckert feinnervige Klänge auf der Glasharmonika spielt, das ist schon als akustischer Luxus abzubuchen. Ganz am Schluss steht als Zugabe noch ein Knüller: der populäre „O Fortuna“-Chor aus „Carmina burana“. Das gesamte Werk folgt im März 2014 mit Tanz und mit allem, was Stimme hat, den großen Kantoreien der Stadt inklusive.

Weiter geht’s – raus aus dem Theater und bis zur Sperrstunde ins Zelt, wo die Nacht immer wärmer wird, was an Philip Richerts Band As You Like It lag, die wunderbar abrockt.