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Über die Freundschaft

ff Lüneburg. Bunte Lichtsäulen schimmern auf Betonwänden, rot, weiß und blau, die Farben von Lüneburg: Es ist noch zu früh für handfeste Exponate im Neubau des Museums, Geschichte wurde hier trotzdem bereits geschildert: Die Auftaktveranstaltung der Niedersächsischen Musiktage warf Schlaglichter auf prägende, folgenreiche Ereignisse in der Stadt, illustriert durch Erzählungen und natürlich durch Konzerte. Nicht vergessen wurde das zentrale Thema der Reihe, die Freundschaft.

Einen Bauhelm trug Moderator Florian Hertweck nur wegen des Symbolgehalts: Hier wird noch, bedingt durch den langen Winter mit einigen Monaten Verzögerung, an dem gewerkelt, was Oberbürgermeister Ulrich Mädge als „Konzept für die Zukunft“ würdigte. Florian Hertweck hatte auch einen gepökelten Fisch mitgebracht: Lüneburg — das ist die Hanse, der Handel mit Salz, das Bündnis mit vielen nordeuropäischen Städten. Der norwegische Akkordeon-Virtuose Stian Carstensen spielte temperamentvolle skandinavische Volkstänze. Sie hätten so oder so ähnlich auch aus Schottland oder aus Ungarn stammen können, auch Kultur ist ein Exportgut und lässt sich wunderbar tauschen.

Das A-cappella-Oktett str8voices führte in den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit, mit Liedern über die Gastfreundschaft etwa von Melchior Frank, Erasmus Widmann und Giovanni Gastoldi. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde in Lüneburg zwischen den Sülfmeistern (zugleich Stadträten) und den Saline-Inhabern, den Geistlichen, der mitunter blutige „Prälatenkrieg“ ausgefochten. Sein Ende mit der Schließung eines Gesellschaftsvertrags bedeutete für die gebeutelte Stadt den Beginn einer wirtschaftlichen Blütezeit.

Ein Kammerquartett um die Harmonium-Spielerin Julia Bartha führte mit fünf Bagatellen von Dvorak in das 19. Jahrhundert, in die Zeit der Industrialisierung und der Emanzipation des Bürgertums von Adel und Kirche. Alle drei Auftritte, liebevoll und hochkarätig interpretiert, ernteten in den ausverkauften Hallen des Museums (das Publikum wechselte ein Mal den Raum) langen Applaus.

Die Gegenwart war dem Leitmotiv der Musiktage gewidmet: Lüneburger berichteten von erlebten Freundschaften — zwischen zwei Frauen beispielsweise, die sich fast 40 Jahre nicht mehr gesehen hatten und nahtlos an alte Zeiten anknüpfen, zwischen einem Mann und einem Hund aus dem Tierheim, zwischen den Kickern des LSK — Abteilung 60plus — die auch Mitspieler aufnehmen, die wohl nie Tore schießen werden. Ein bisschen schade war nur, dass die elf Freunde sich nicht mehr die anderen Erzählungen anhörten und zeitig gingen.

Skulpturen von Schülern über die Freundschaft und eine Soundcollage mit Klängen der Stadt zwischen Bahnof und Rathaus rundeten das Auftaktkonzert ab. Drei weitere Veranstaltungen, in der St. Michaeliskirche und im Kulturforum Gut Wienebüttel, bot das erste Wochenende der Niedersächsischen Musiktage in Lüneburg. Die Berichte folgen.