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Die drei großen Klassiker

ff Adendorf. Der Glanz des Joseph Haydn drohte zu ermatten: In London hatte der Komponist einige gute Jahre hinter sich, doch dann machte sich ausgerechnet sein ehemaliger Schüler Ignaz Josef Pleyel daran, ihn in den Schatten zu stellen. Um sich und seine Werke bei der noblen Gesellschaft wieder ins rechte Licht zu rücken, brauchte Haydn nur eine Viertelnote, es ist heute vielleicht die bekannteste der abendländischen Musikgeschichte: ein einziger, im zweiten, langsamen Satz einer Sinfonie aus heiterem Himmel herabdonnernder Paukenschlag.

Die Sinfonie Nummer 94 G-Dur „mit dem Paukenschlag“ (eigentlich: „with a surprise“) stand denn auch im Mittelpunkt der Eröffnung der Adendorfer Serenade 2013/2014 in der Schule am Katzenberg. Katharina Hinz, Pianistin und Künstlerische Leiterin der Reihe, hatte ein ausgewachsenes Orchester eingeladen: die Hamburger Camerata unter der Leitung von Gustav Frielinghaus. Die als Kammerkonzert-Reihe etablierte Serenade bietet eine Neuerungen — sie richtet den Fokus verstärkt auf ein junges Publikum. Das Gastspiel des großen Ensembles zum Auftakt war durch die Sparkasse möglich geworden.

Belohnt wurde dieser Mut nur bedingt: Die Aula der Schule war enttäuschend schwach besucht. Inhaltlich bot der als Konzert für die ganze Familie konzipierte Abend dagegen eine ganze Menge: Moderator Andreas Peer Kähler stellte „die drei großen Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven“ vor, erläuterte den Wandel des gesellschaftlichen Hintergrunds. Haydn stand im Dienste des Adels. Mozart versuchte, sich als freier Komponist durchzuschlagen (und starb als junger Mann völlig ausgebrannt), Beethoven richtete sich an die ganz große Öffentlichkeit und hatte schließlich mehr Erfolg.

Die drei Klassiker standen auch für unterschiedliche Formen der Musik-Präsentation: eine Streicher-Serenade von Mozart als Beispiel für unkomplizierte, gefällige Gebrauchsmusik, die Paukenschlag-Sinfonie als Beispiel für ein klassisches Orchester mit einer von Haydn eingeführten Besetzung, und ein Triple-Konzert von Beethoven für das Spannungsverhältnis zwischen — in diesem Fall drei — Solisten und dem Ensemble. Eine dieser Solist(inn)en war Katharina Hinz. Zusammen mit der Cellistin Olivia Jeremias und dem Violinisten Stefan Wagner setzte sie Glanzlichter in dem klug konzipierten und musikalisch hochwertigen Konzert.

Die Erläuterungen des Moderators waren zwar im Tonfall an Kinder gerichtet, sie dürften aber auch die Erwachsenen interessiert haben. Das nächste Konzert der Adendorfer Serenade führt in den Gemeindesaal der Emmauskirche und richtet sich an noch jüngere Hörer: Am Freitag, 25. Oktober, 15 Uhr, spielt die Pianistin Miaomiao Yu ihr Programm „Bach to Baby“.