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Musiker sind verstimmt

oc Lüneburg. Eigentlich war gestern ja der freie Tag für die Lüneburger Symphoniker. Aber wenn es um die eigenen Interessen geht, dann müssen Hausputz, Einkäufe und alles, was so ansteht, zurückstehen. Gestern gingen die Musiker auf die Straße, mit Cello, Fagott und Oboe. Die Lüneburger Symphoniker schlossen sich einem bundesweiten Warnstreik an, laut der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) dem „größten seit den 1950er-Jahren in Deutschland“. Es geht um Geld und gegen das Orchestersterben.

„2,2 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst bekommen Tarifsteigerungen, nur seit 2010 die 8500 Orchestermusiker in Ländern und Kommunen nicht, das ärgert uns“, sagt Andreas Bollwinkel als Lüneburger DOV-Delegierter. Auslöser des Warnstreiks, der in Lüneburg ein Streik in der Freizeit war, sind die heute, Dienstag, beginnenden Tarifgespräche zwischen DOV und Deutschem Bühnenverein. Auslöser ist auch ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts, demzufolge Orchester keinen Rechtsanspruch auf Lohnerhöhungen des öffentlichen Dienstes haben.

Darum „stehen die Zeichen auf Sturm“, heißt es aus der DOV. Für die Lüneburger Symphoniker gilt – angelehnt an den gültigen Tarifvertrag – eine Hausvereinbarung mit der Theater GmbH. Die Musiker arbeiten mit 80-Prozent-Verträgen, verdienen also ohnehin weniger – bei entsprechend geringerer Dienstzeit.

Rund 100 Orchester beteiligten sich gestern bundesweit an dem einstündigen Warnstreik, die Lüneburger Musiker machten in der Bäckerstraße mit Handzetteln und Musik auf ihren Protest aufmerksam. Von der Aktion der Symphoniker, die zu 100 Prozent in der DOV organisiert sind, sei die Intendanz in Kenntnis gesetzt worden, sagt Theatersprecherin Dr. Andrea Röber. Die Theaterleitung sei nicht Adressat des Protestes, betont Andreas Bollwinkel, der seine 26. Spielzeit am Theater Lüneburg erlebt.

Der bundesweite Warnstreik hatte ein zweites Thema mit dem Motto „Orchesterland Deutschland. Einzigartig. Erhaltenswert“. Die DOV weist darauf hin, dass in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland 37 Orchester aufgelöst wurden, 131 bestehen noch, manche allerdings sind gefährdet, viele von Stellenkürzungen bedroht. „Unser weltweit einmaliges Kulturerbe ist massiv gefährdet“, heißt es in dem Aufruf.