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Hausmusik anno 1654, dargestellt von Martin Bülck, gedruckt bei den Lüneburger Sternen. Foto: nh
Hausmusik anno 1654, dargestellt von Martin Bülck, gedruckt bei den Lüneburger Sternen. Foto: nh

Im Schatten des Krieges

oc #Lüneburg.# Wer wichtig ist und wichtig war, der hat heute einen Eintrag in Wikipedia, dem virtuellen und größten Lexikon der Welt. Der Lüneburger Michael Jacobi hat so einen Eintrag im Internet — allerdings nur auf Englisch. Das ist etwas merkwürdig. Denn Jacobi, der heute vor 350 Jahren, am 19. Oktober 1663 gestorben ist, war doch eigentlich nur Kantor der Johanniskirche. Der kleine Wikipedia-Eintrag zeigt aber, dass der 1618 in der Altmark geborene Musiker mit seinem Wirken vor Ort hinaus Bedeutsames geleistet hat. Fast das gesamte Leben Jacobis spielte sich im Schatten des Dreißigjährigen Krieges ab. Jacobi, der Violine, Flöte und Orgel beherrschte, tingelte mehrere Jahre als musizierender Soldat über die Schlachtfelder, er studierte Jura in Straßburg, heiratete in Kiel und kam 1651 nach Lüneburg. Hier brachte er das Musikleben der Stadt auf ein — für die schwierige Zeit — erstaunliches Niveau. Überliefert ist, dass Jacobi regelmäßig Passionsmusiken aufführte, was als Neuheit über Lüneburg hinaus wahrgenommen wurde. Jacobi setzte sich außerdem für das Schultheater ein und komponierte zahlreiche Lieder, etwa für „Das friedewünschende Teutschland“ (1647), ein Schauspiel des Norddeutschen Johann Rist, mit dem Jacobi eng befreundet war. Auf den Spuren von Jacobi und Rist findet sich im Internet aktuell die Versteigerung eines Buches, das 1654 bei Johann und Heinrich Stern in Lüneburg gedruckt wurde: „Frommer und gottseeliger Christen alltägliche Haußmusik, oder musikalische Andachten, bestehend in mancherlei und gantz neuen unterschiedlichen Geistlichen Liedern und Gesängen“. Das Buch kommt am 29. Oktober zum Aufruf bei Reiss und Sohn in Königstein, Schätzpreis: 1200 Euro! Aus dem Buch stammt der Kupferstich des Hamburger Buchillustrators Martin Bülck, der eine Familie bei der Hausmusik mit Laute und Spinett zeigt.