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Von falschen und von wahren Freunden erzählt das Musical mit frechen Dialogen und rockigen Songs. Foto: theater/tamme
Von falschen und von wahren Freunden erzählt das Musical mit frechen Dialogen und rockigen Songs. Foto: theater/tamme

Ohne Freunde ist alles nichts

oc Lüneburg. Erin hat erheblichen Grund, komplett mies drauf zu sein. Ihre Eltern lassen sich scheiden. So weit, so schlecht. Nun soll Erin, und das geht gar nicht, auch noch mit ihrer Mutter fortziehen, raus aus dem Herzen von New York, der coolsten Stadt der Welt, raus nach Appleton/Indiana, ins „schlimmste Kaff der Welt“. Dabei steht Erins 13. Geburtstag an. Das heißt: Schluss mit Kindsein, eine ganz schwierige Zeit. Erin muss da nun durch, und das gelingt ihr in der amerikanischen Provinz mit einigen Anläufen – in Jason Robert Browns Musical „13“. Das Stück rockt, hat Witz, ist nicht flach und kommt nun direkt aus dem Bauch und Herzen von 15 jungen Akteuren plus Band im T.3 des Theaters Lüneburg. Eine ganz runde Sache ist das geworden.

Mit „13“ setzen Theater und Musikschule ihre Kooperation fort. Alle Akteure kommen von der Musikschule, die Einstudierer liefert das Theater. Barbara Bloch (Ausstattung) hat eine Brücke über die Band gebaut, somit gibt es zusätzliche, oben etwas enge Spielflächen für angedeutete Zimmer, Straße, Schule, Kino – die Spielorte wechseln laufend. Alles besitzt eine offene Struktur, auch die Übergänge von Spiel zu Tanz, von Dialog zu Song gleiten ineinander. Friedrich von Mansbergs Regie findet den treffenden Rhythmus und gibt den Akteuren Raum, Charaktere zu prägen und das Stück mit ansteckendem Enthusiasmus zu füllen. Heidrun Kugels Choreographien laufen da völlig organisch hinein, sie sind den Akteuren so auf den Leib geschneidert wie die Schulkleidung, bei der jede/jeder versucht, ins unförmig Uniformelle eine eigene Note zu bringen.

Genau darum geht es: Finde heraus, was wirklich gut für dich ist! Das ist nicht leicht. Erin leistet sich beim Schnellstart an neuem Lebensort einige Pannen beim Versuch, sich dem Mainstream, den Machern und Mackern anzupassen. Dabei geht ihr die Dumpfbäckerei von Brett und Gang eigentlich gewaltig auf den Geist. Wer wirklich Freund sein kann, wird sie lernen – bei Patrice, der Außenseiterin, bei Archie, dessen Körper sich nicht normgerecht verhält. Und dann gibt es da die eine oder andere Überraschung.

Musikalisch ist „13“ alles andere als leicht. Rhythmisch und harmonisch verlangt Meister Brown mit seinem Musical-Rock Erhebliches von den jungen Akteuren, und sie sind nun mal keine Profis. Aber sie packen das alle ganz stark an. Alexander Eissele leitet die Band, er hat das Stück musikalisch mit Hye-Yeon Kim einstudiert, auch Anna Schwemmer hat als Vocal-Coach mitgeholfen, sodass ein echtes Team entstanden ist.

Einige stechen heraus, aber sie alle reißen ihr Publikum durch die Bank und über die Brücke mit: Juliana Kratz, alternierend Pia Jauernig (Erin); Anna Sophie von Mansberg, alternierend Lea Wellern (Patrice); Felix Barthelmes (Archie); Calvin-Noel Auer (Brett); Terrenia Brunetto (Lucy); Anna Steckelberg (Kendra); Sabine Rebecca Stöver (Eddie); Marco Kubicki (Malcolm); Carolin Bleumer, alternierend Katharina Gade (Cassie); Lisa Jakobi, alternierend Charlotte Kohlschütter (Charlotte); Maria Kramer (Molly). Und das ist die Band: Luca Weege und Nikolai Huckle an den Tasten, David Nacke und Martin Tege an den Gitarren, Sebastian Brand am Bass und Moritz Constantin an den Drums. Zusammen ergibt sich das Prädikat „sehenswert, hörenswert“.

Bis zum 14. Dezember steht „13“ auf dem Spielplan. Wahrscheinlich tüfteln sie im Theater schon, ob es da noch einen weiteren Termin geben kann. Denn Karten gibt es schon gar nicht mehr viele.