Donnerstag , 29. September 2016
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Ein echter Clown lebt mobil: Frako hat sich einen ausgedienten Wagen restauriert, der einst als Kassenhäuschen für einen Zirkus diente. Foto: ff
Ein echter Clown lebt mobil: Frako hat sich einen ausgedienten Wagen restauriert, der einst als Kassenhäuschen für einen Zirkus diente. Foto: ff

Nun wird es ernst mit dem Spaß

ff Lüneburg. In der Schule traf der kleine Franµois immer mal wieder auf Idioten, die ihm die Nase polieren wollten — einfach nur so, aus Spaß an der Gewalt. Gegen solche Grobiane hatte der Junge eine Waffe: seine schrägen Sprüche, sein Humor. Dieser Art von Schlagfertigkeit war nichts entgegenzusetzen. „Ich galt schon immer als Clown“, sagt der Mann, der heute dienstlich eine rote Pappnase trägt und tatsächlich in einem richtigen Zirkuswohnwagen wohnt und zwar am Stadtrand von Lüneburg. Mittlerweile hat Franµois Infray als Clown Frako seine Gesellenprüfung abgelegt — ein Zertifikat als staatlich anerkannter Spaßvogel. Morgen, Freitag, 20 Uhr, ist Frako mit seinem Ensemble im e.novum-Theater zu erleben.

Auch wenn Franµois alias Frako also eine rote Nase (die längst nicht mehr aus Pappe, sondern maßgeschneidert aus Filz hergestellt wird) trägt: Mit dem klassischen Zirkus-Hampelmann, der einen Koffer in die Manege schleppt und dauernd über seine riesigen Schuhe stolpert, hat moderne Clownerie wenig gemeinsam. Eher mit Comedians, die einen bestimmten Typus Mensch darstellen.

Geboren wurde Frako 1963 in Paris. Nachdem er seine Schulzeit einigermaßen unbeschadet überstanden hatte, wollte er einen echten Gegner sehen — einen Russen: „Dafür bin ich nach Berlin gefahren. Das war Mitte der 80er-Jahre, da stand die Mauer ja noch, und da galt der Russe als der Bösewicht überhaupt.“ In Ost-Berlin fand er dann so ein Prachtexemplar, „er trug Uniform und roch nach Leder.“ Franµois Infray blieb zehn Jahre in Berlin und erlernte den Beruf eines Röntgenassistenten. Das wiederum hatte mit seiner Sehnsucht nach Neuseeland zu tun, dort wurden angeblich Einwanderer mit medizinischen Berufen akzeptiert.

Daraus wurde irgendwie nichts, dafür lotsten Freunde ihn und seine Familie 1995 nach Lüneburg. Hier erfüllte sich Röntgenassistent Franµois Infray den Traum vom Clown. Frau und Kinder durften in einem richtigen Haus wohnen — er selbst kaufte sich einen ausgemusterten Zirkuswagen und restaurierte das gute Stück. Dummerweise fehlen vorn die Räder, seltene (und teure) Felgen für Doppelreifen, weshalb das Clownsmobil erstmal auf der grünen Wiese bleiben muss.

Dafür lernte Frako sein Handwerk von der Pike auf, mehr als drei Jahre dauerte die Ausbildung an der Schule für Tanz, Clown und Theater „TuT“ Hannover: Entwicklung von Charakteren, Requisiten, Kostümen, Themen, Szenen, Geschichten — der Azubi spielte einen „gefallenen Engel Luzifers“ mit Flügeln und nacktem, Tattoo-übersäten Oberkörper, den Klischee-Franzosen mit Gauloise und Ringelpullover, einen schüchternen Profikiller und viele Figuren mehr. Hier entwickelte er dann auch seine heutige Erscheinung, eine martialisch wirkende Figur im knallrot lodernden Kostüm. Vor ein paar Monaten kündigte Frako seinen Röntgen-Job am Lüneburger Klinikum und gründete mit fünf Kolleg(inn)en ein eigenes Ensemble, den nach dem griechischen Philosophen der Lebensfreude benannten „Epikur-Express“.

Das Sextett präsentiert morgen im e.novum sein erstes Programm. Für Frako Co. wird es bei der Premiere ernst: Im Publikum hat sich eine Agentur vier Plätze reserviert. Sie könnte den Epikur-Express auf eine lange Tournee schicken. Das wäre für Franµois aus Paris in Lüneburg ein Traumstart im Traumberuf.