Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Die Autoren Hans Rosenfeldt und Michael Hjorth . Foto: t&w
Die Autoren Hans Rosenfeldt und Michael Hjorth . Foto: t&w

Schreiben muss jeder allein

ele Lüneburg. Es war dunkel und stürmisch an diesem Abend auf dem Weg zum alten, imposanten Gebäude. Der Wind peitschte die letzten Blätter von den Bäumen und wehte das Laub wirbelnd um die Häuser – perfekte Voraussetzung für einen Krimi-Abend. Zu Gast beim vierten Krimi-Festival war in der Wilhelm-Raabe-Schule das schwedische Autorenduo Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt, das den dritten Teil der Reihe um den Kriminalpsychologen Sebastian Bergman mit dem Titel „Die Toten, die niemand vermisst“ vorstellte.

Trotz „Tatort“ war die Lesung ausverkauft. Kein Wunder, denn Hjorth und Rosenfeldt gelten als neue Sterne am skandinavischen Krimi-Himmel, ihre Bücher sind bereits in 23 Sprachen übersetzt worden. 20 Jahre lang arbeiteten die beiden als Drehbuchautoren fürs schwedische Fernsehen, unter anderem für die Henning-Mankell-Verfilmungen („Kommissar Wallander“) mit Rolf LassgÔrd. „Wir haben zuerst zwei Drehbücher um Sebastian Bergman geschrieben, die jedoch keiner haben wollte. Wir glaubten dennoch an dieses Thema und haben deswegen daraus einen Roman gemacht“, erzählte Hans Rosenfeldt und fügte hinzu: „Wir wollten unbedingt mit LassgÔrd weiter arbeiten und haben ihm die Figur des Sebastian Bergman auf den Leib geschrieben. Da er nach Wallander keine Lust mehr hatte, wieder einen Polizisten zu spielen, ist die Hauptfigur ein Kriminalpsychologe geworden.“

Sebastian Bergman ist ein Genie auf seinem Gebiet, sehr talentiert und doch ein Mistkerl: Er ist egoistisch, rücksichtslos, ohne Moral, sexsüchtig, er kennt keine Grenzen und behandelt Frauen schlecht. „Und trotzdem lieben wir ihn“, sagte Michael Hjorth grinsend. „Er ist ein komplizierter Charakter: nicht böse, nur ein sehr narzisstischer Mensch, der oft nicht in der Lage ist, die richtige Entscheidung zu treffen.“

Hjorth und Rosenfeldt erzählten viel und gut gelaunt über ihre Schreibweise und über sich selbst: „Ich bin ein Kontrollfreak“, gab Rosenfeldt zu. „Ich arbeite langsam, bringe alles auf den Punkt und achte auf die Details, während Michael vor Energie und Ideen sprüht, die er sofort und schnell aufs Papier bringt“. Deswegen könnten sie nicht zusammen schreiben. „Am Anfang verbringen wir viel Zeit zusammen, erfinden die Geschichte, reden viel darüber und verteilen anschließend die Kapitel, die wir dann getrennt schreiben. Erst am Ende treffen wir uns wieder und fügen die Texte zusammen“. Hans Rosenfeldt redigiert dann alles, passt Tempo und Stil an und achtet darauf, dass die Geschichte stimmig ist.

Harmonisch, witzig und professionell wirkten Hjorth und Rosenfeldt. Leider konnten Zuhörer, die kaum Englisch sprechen, sehr wenig verstehen, denn die Moderation von Martina Bittermann erwies sich als mangelhaft. Die NDR-„Krimifrau“ übersetzte nur einen winzigen Teil der Gespräche und noch dazu oft fehlerhaft. Die Moderatorin wirkte unvorbereitet, besonders wenn es um die ersten zwei Romane der Bergman-Reihe ging, und oft ließ sie das Mikrofon einfach links liegen, sodass man sie kaum verstehen konnte. Vor allem war sie nicht in der Lage, die Stimmung zu transportieren. Den Abend rettete Schauspieler André Beyer, der sehr überzeugend und professionell die deutschen Übersetzungen las, sich sonst respektvoll zurückhielt. Mehr Präsenz von ihm hätte der Lesung bestimmt gutgetan.

 

Ein weiterer Star der schwedischen Krimiszene kommt heute, Dienstag, in die Ritterakademie: Arne Dahl. Der 50-Jährige stellt den zehnten und letzten Teil seiner zum Teil verfilmten Reihe um das Stockholmer A-Team vor: „Bußestunde“. Den deutschen Part der Lesung übernimmt der Schauspieler Achim Buch, der unter anderem in Hamburg am Thalia Theater und am Schauspielhaus engagiert war. Beginn ist um 20 Uhr. Buch ist auch als Hörbuch-Sprecher aktiv, im November erscheint „Koma“! von Jo Nesbo. lz