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Matthias Herrmann spielt in der Komödie Agatha Christie, die große Dame des Krimis. Foto: theater/wege
Matthias Herrmann spielt in der Komödie Agatha Christie, die große Dame des Krimis. Foto: theater/wege

Der Star stirbt auf der Bühne

oc Lüneburg. Es ist ja viel Prominenz unterwegs auf den Bühnen des Theaters Lüneburg. Die Comedian Harmonists singen, Pinocchio tanzt, der Zar erscheint, demnächst tapst Pu der Bär durchs Haus, und jetzt kommt passend und parallel zum laufenden Krimifestival Agatha Christie. Und das höchstpersönlich und auch wieder nicht: Denn die Dame (1890-1976) ist Star einer Krimikomödie, und gespielt wird sie von einem Mann, von Matthias Herrmann. Florian Battermanns Kriminalstück „Agatha Christies Hobby ist Mord“ setzt Martin Pfaff in Szene, Premiere ist am Sonnabend, 2. November, um 20 Uhr im Großen Haus.

Autor Florian Battermann, 1973 in Hannover geboren, ist als Regisseur und Theaterleiter unterwegs und setzt sich oft mit den Genres Komödie und Krimi auseinander. Sein „Agatha Christie“-Stoff kam 2010 heraus und dreht sich um den alternden Starschauspieler Stanley West, den eigentlich keiner mag. Sein Tod bei einer Probe zu Agatha Christies neuestem Kriminalstück sorgt für Aufregung: Herzinfarkt oder Mord? Bis zum Ende der Probe, das sind zwei Stunden, bekommt die berühmte Krimiautorin Gelegenheit, den möglichen Täter zu ermitteln. Erst dann will man die Polizei benachrichtigen. War es der Inspizient? Die Garderobiere? Der Theaterdirektor? Der Gatte? Die Verwirrung ist groß.

Martin Pfaff hat in den vergangenen Spielzeiten für einige der erfolgreichsten und spannendsten Inszenierungen am Theater Lüneburg gesorgt. Er gab dem Kracher „Ladies Night“ Farbe und fand für den „Schimmelreiter“ ein durchdachtes Konzept. Pfaff gibt „Agatha“ einen zusätzlichen Dreh. Er lässt in einer Cross-Besetzung spielen, will heißen: Die Männerrollen werden von Frauen gespielt und umgekehrt. „Sich scheinbar absurd zu verkleiden, sich zu verstellen, bereitet Schauspielern großen Spaß. Wechselt man das Geschlecht dabei, motiviert dies den Schauspieler einerseits zum Ausprobieren von Extremen, wie Groteske oder Karikatur, andererseits aber auch zum sensiblen Ausloten des Fremden: Was ist das überhaupt genau: eine Frau, ein Mann? Wie geht das? Und dem Zuschauer geht es ähnlich. Der Blick auf die Dinge verändert sich, weil die Darstellung unüblich, verfremdet ist. Die Darstellung der gewohnten Theater-Wirklichkeit bekommt einen Sprung“, heißt es in Pfaffs Statement zu seiner Inszenierung.

Neben Matthias Herrmann spielen Heiner Junghans, Claudia Grottke, Thorsten Dara, Ulrike Gronow und Britta Focht. Für die Ausstattung sorgt Katja Turtl. Sie arbeitete unter anderem am Deutschen Theater Berlin und am Staatsschauspiel Dresden, seit diesem Jahr ist sie freiberuflich unterwegs. Bis 24. Januar stehen zehn Vorstellungen auf dem Spielplan.