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Sven Bergmann (links) ist eher für die Optik der Label-Produkte zuständig, Michael Jaeckel für ihren Klang. Foto: ff
Sven Bergmann (links) ist eher für die Optik der Label-Produkte zuständig, Michael Jaeckel für ihren Klang. Foto: ff

Neben dem Mainstream

ff Reppenstedt. Ein Weilchen wurde im Latein-Wörterbuch geblättert, dann war der Name gefunden: „Conditura“ lässt sich mit „schmackhafte Zubereitung“ übersetzen, so etwas hatten sich Michael Jaeckel und Sven Bergmann als Ziel gesetzt. Sie sind nicht Bäcker, sondern Diplom-Tonmeister beziehungsweise Fachmann für digitale Medien. Beide zusammen bilden also den Kern des Reppenstedter Crossover-Labels „conditura“, das jetzt sein einjähriges Bestehen feierte, und zwar — zunftgerecht — mit einer CD-Release-Party für das frisch gebrannte vierte Album. Und es läuft nicht schlecht für die beiden Unternehmer in der krisengeschüttelten Branche.

Am Anfang war die Idee, Konzerte in Ton und Bild aufzunehmen und möglichst schnell – etwa über USB-Stick — zugänglich zu machen, mit Zusatzinfos, Bonustracks, Interviews und so fort. Das erwies sich zunächst als eine Nummer zu aufwendig. „Wir haben dann den konservativen Weg für ein Label eingeschlagen“, sagt Michael Jaeckel, „und ließen den Dingen Zeit, sich zu entwickeln. Zum Glück fanden wir gute Vertriebswege, das ist ganz wichtig.“

Wichtig ist ein gewisser professioneller Standard, das betrifft neben dem Vertrieb vor allem die Aufnahmequalität, aber auch das ganze Drumherum von der Gestaltung des Booklets bis zum Marketing. Jeder Song bekommt, ähnlich wie die ISBN-Nummer eines Buches, einen eigenen Code. Das macht die Produktion für den Rundfunk und für Konzertveranstalter interessanter und berechenbarer.

Weniger wichtig ist ein eigenes teures Studio. Natürlich gibt es bei conditura records daheim auch einen Technik-Raum, aber hier stehen hauptsächlich flightcases, also robuste Koffer. Mikrophone, Mischpulte und Computer werden dort aufgebaut, wo es gerade am schönsten klingt, also in einer Kirche beispielsweise. Oder es wird bei Kollegen aufgenommen.

Das erste Album — mit dem Quartett des Lüneburger Gitarristen Ulf Manu — wurde in einer Kirche eingespielt, Daniel Ortheys frantic percussion ensemble im e.novum-Theater, und für die in Bremen lebende Harfenistin Assia Cunego fand sich der Saal eines alten Hotels.

Das neue — vierte — Album bietet ein Wiederhören mit der Blockflötistin (und Barockviolinistin) Kerstin de Witt. Sie lebte einige Jahre in Lüneburg, gehört auch zum Manu-Quartett, ist mit Flautando Köln mächtig erfolgreich und spielt jetzt auch bei Trigon mit. CD-Titel: „Vil lieber grüsse süsse“. Zu hören sind Lieder und Instrumentalstücke, die im Schwerpunkt aus dem späten Mittelalter stammen, der Bogen wird über das Barock bis zur Gegenwart, bis zu Peter Michael Riehm geführt. Neben Kerstin de Witt musizieren Holger Schäfer (Gesang, Harfe, Cembalo) und Katrin Krauß (Blockflöten, Tin Whistle).

„Generell liegen unsere Produktionen ein wenig außerhalb des Mainstream“, so Sven Bergmann. Es sind vor allem Projekte zwischen Klassik, Folk, Jazz und Weltmusik, die das conditura-Team im Blick hat. Ein Trigon ist übrigens eine aus der Astrologie stammende Winkelbeziehung zweier Planeten: Gestirne, die sich durch ein Trigon anblicken, stimmen in derselben Kräfteart überein.