Mittwoch , 28. September 2016
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Ulrich Petersen (rechts) und Lothar Nierenz leiten die Musikschule, die mit neuem Haus und neuen Angeboten attraktiv bleibt. Foto: t&w
Ulrich Petersen (rechts) und Lothar Nierenz leiten die Musikschule, die mit neuem Haus und neuen Angeboten attraktiv bleibt. Foto: t&w

Das klingt doch richtig gut

oc Lüneburg. Der Klagechor wird lauter. „Verkürzte Abiturzeit, Leistungsdruck und Unterricht bis in den Nachmittag sorgen dafür, dass die Kinder und Jugendlichen immer weniger Zeit haben“, heißt der Text, mit dem Niedersachsens Landesmusikrat moniert, dass immer weniger Schüler ein Instrument lernen oder im Chor singen. Das Problem macht vor Lüneburg nicht Halt, obwohl Ulrich Petersen und Lothar Nierenz eigentlich ein Jubellied anstimmen können. „Wir hatten noch nie rückläufige Zahlen“, sagt Musikschuldirektor Petersen. „Wir sind im neuen Haus bis auf Freitagnachmittag sehr gut ausgelastet,“, fügt Lothar Nierenz, Petersens Vertreter, hinzu. Ein Jahr Musikschule an neuem Standort, das hat sich laut Petersen „phantastisch bewährt“.

Das Zeitproblem, mit dem Oberstufenschüler konfrontiert sind, aber ist wie bei den Sportvereinen auch in der Musikschule Lüneburg spürbar. „Wir konnten bisher deutlich mehr Projekte mit dem Orchester machen, manchmal mehrere parallel“, sagt Lothar Nierenz, „das wird immer schwieriger.“ Wegen des schmalen Zeitbudgets der Schüler wird außerdem an der Musikschule verstärkt der Sonnabend für das Streichen und Flöten genutzt.

Die Nachfrage aber stimmt, das liegt am immer breiteren Angebot bis zu Tanz und Tontechnik, an der wachsenden Stadt und an der Zunahme von Angeboten für die Generation 50plus. „Wir waren nie eine Jugendmusikschule, haben uns da nie eingeschränkt“, sagt Petersen. Rund 1900 Schüler nutzen Angebote der Musikschule, dazu kommen die Teilnehmer des Musikalisierungsprogramms des Landes, mit dem schon im Kindergarten Lust auf die Welt der Töne geweckt werden soll.

Das erste Jahr im neuen Haus ist eine Erfolgsgeschichte. Die Nähe zum Theater und zur St.-Ursula-Schule begünstigt Kooperationen, das Forum wird zum gefragten Konzertort, und als im Sommer die Niedersächsischen Frauenmusiktage kamen, war auch die Turnhalle nebenan nützlich. Sie wurde zum Hotel, die Mensa der Grundschule zum Restaurant, und in der Musikschule wurde gesungen und getrommelt. „Das lief optimal, hat Spaß gemacht und zeigte, welche Möglichkeiten wir hier haben“, sagt Ulrich Petersen. Er spricht zugleich von einem Motivationsschub, den der Umzug im Kreis des Kollegiums ausgelöst habe.

Ein Umzug bringt natürlich Probleme mit sich. Die technische Anlage kam mit Verzögerung in Gang, und es fehlten Instrumente, das hat sich „dramatisch verbessert“, meint Nierenz. Irgendetwas fehlt natürlich immer, zurzeit geht es um Mikrofone für Jazz, Rock und Pop, und wenn mehrere Ensemles gleichzeitig proben, wird es schon mal eng bei den Notenständern. Aber das sind eigentlich Kleinigkeiten.

Riesengroß ist die Nachfrage nach dem Forum mit seinen knapp 200 Plätzen, seiner hervorragenden Akustik, seiner guten Infrastruktur. Der Konzertsaal wird häufig genutzt, gerade vom Bachorchester und von der Freien Bühne Wendland, im kommenden Jahr wird der Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ ein Abschlusskonzert nach Lüneburg vergeben, der vorausgehende Regionalwettbewerb findet im Januar ohnehin am St.-Ursula-Weg statt. Das klingt doch gut.