Aktuell
Home | Kultur Lokal | Farben der Geschichte
Wolfgang Korn präsentiert eine Monotypie vom Lüneburger Graalstift. Foto: ff
Wolfgang Korn präsentiert eine Monotypie vom Lüneburger Graalstift. Foto: ff

Farben der Geschichte

ff Lüneburg. Die Häuser der Lüneburger Altstadt sind, wie es der Name schon sagt: alt, in der Regel einige Jahrhunderte. Unzählige Gemälde schildern die großen Kirchen, die noblen Bürgerhäuser und die kleinen, schiefen Unterkünfte in den pittoresken Hinterhöfen. Und oft ist es ein Spiel mit dieser märchenhaften Schönheit, die sich in den Vordergrund der Ansichten drängt. Wolfgang Korn gibt den Mauern und Türmen, den Portalen, dem Holz und Eisen, Felsen und Backstein sein wahres Alter zurück. „Niederdeutsche Architekturportraits“ ist der Titel seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie des Kulturforums Gut Wienebüttel.

Stabil und schief, schrundig, rau und narbig wirken die Fassaden — das ist vom Künstler vielleicht gegenüber der alten Dame Lüneburg nicht besonders höflich. Aber Wolfgang Korn hat nun einmal seine eigene Sicht entwickelt, und vor allem seine eigene Monotypien-Technik. Ein Verfahren also, das jeweils nur einen einzigen Druck zulässt, Flachdruck mit Elementen von Malerei und Grafik, bei dem Glas oder PVC als Farbträger dienen. Entscheidend ist die Konsistenz der Farben, ihre Mischung, der Einsatz von körnigen Substanzen, die den Hausfassaden ihre Struktur geben und auch ihre etwas geisterhaft-gruselige Erscheinung. An den Konturen arbeitet Korn mit Schablonen, zuweilen sind es zwanzig Druck-Schritte bis zum fertigen Werk.

Menschen tauchen in den Portraits nicht auf, sie sind einfach zu flüchtig, zu kurzlebig. Wolfgang Korn geht es darum, große Zeiträume zu erfassen, die Spuren der Geschichte eines Hauses, einer Kirche, eines Gehöftes oder einer Gasse sichtbar zu machen. Ein diffuses Leuchten beherrscht die Szenarien, in denen alle Farben mit Grau durchsetzt sind, und der Künstler wundert sich immer ein wenig, wenn seine Bilder als kühl empfunden werden. Wolfgang Korn spricht von einem Farbklang, den er anstrebt, und der, wenn schon nicht unbedingt für Gemütlichkeit, dann doch für Harmonie sorgt.

Zwischen Jerichow (Sachsen-Anhalt) und Cuxhaven hat Korn rechts und links der Elbe nach Motiven gesucht. Die Ausstellung auf Gut Wienebüttel zeigt insgesamt 57 Arbeiten, darunter zwölf Lüneburg-Portraits, dazu Bilder vom Lande, aus Bardowick und Thomasburg beispielsweise.

Wolfgang Korn selbst wurde 1949 in Dessau geboren. Er studierte in Dresden (Grafik, Malerei und Kunst am Bau) und konzentriert sich seit den Siebziger Jahren auf die Monotypie. Längst kennt er das norddeutsche Land wie seine Westentasche, hier hat er unzählige Ausstellungen gestaltet, in Lüneburg ist er nun zum fünften Mal. Die niederdeutschen Portraits sind bis zum 24. November (freitags/sonnabends 15-18 Uhr, sonntags 11-15.30 Uhr) zu sehen.