Mittwoch , 28. September 2016
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Sie singt die Lucia und die Marie, und sie wird auch noch zur "Königin der Nacht": Es läuft das Jahr der Ruth Fiedler am Theater Lüneburg. Foto: t&w
Sie singt die Lucia und die Marie, und sie wird auch noch zur "Königin der Nacht": Es läuft das Jahr der Ruth Fiedler am Theater Lüneburg. Foto: t&w

Sie verzaubert Lüneburg

oc Lüneburg. Plan B? Nein, den hat sie nicht wirklich gehabt. Mit 17, da habe sie mal mit Journalismus geliebäugelt, Texte für den Ostfriesenkurier verfasst. „Aber eigentlich gab es nichts anderes als das Singen. Und als ich in Bremen die Aufnahmeprüfung bestand, war mir klar: Ich habe das Ende des Seils gepackt, jetzt klettere ich hoch.“ Sie ist schon enorm hoch gekommen, die Ruth Fiedler, stimmlich betrachtet ist sie beim Belcanto angekommen. Die Frau mit den hohen Tönen ist in dieser Saison der Star der Musik am Theater Lüneburg, sie war es eigentlich schon vor drei Jahren, als sie das erste Mal hier sang, da war sie die Puppe Olympia. Jetzt heißt sie Lucia und Marie, sie wird noch zur Königin der Nacht — und das Publikum dankt ihr mit Bravostürmen.

„Eine Karriere läuft nicht immer so, wie man sie plant“, sagt Ruth Fiedler. Man dürfe nicht zu eitel sein, müsse sich immer prüfen, auf Dinge hinarbeiten. Das Belcanto-Fach sei ihr nun schneller zugewachsen als gedacht. Mit der Titelpartie der „Lucia di Lammermoor“ ist sie mittendrin, mit der so genannten Wahnsinnsarie hat sie ein Herzstück des virtuosen, reich verzierten Belcanto-Fachs erobert. Ganz unvorbereitet kommt das nicht: Sie habe schon im Jahr vor der „Lucia“ bei den Eutiner Festspielen Donizettis „Liebestrank“ gesungen, sagt Ruth Fiedler, dort unter der Leitung von Urs-Michael Theus, bei dem sie auch ihre Lüneburger Olympia sang.

Nun arbeitet sie mit Theus‘ Nachfolger Thomas Dorsch. Wechsel bereichert sie: „Es ist toll, unterschiedliche Menschen kennenzulernen, es sind völlig verschiedene Musiker, ich habe von beiden viel mitgenommen.“ Mit Dorsch wird sie neben der Lucia auch die Königin der Nacht singen, die „Zauberflöte“ folgt am Ende der Spielzeit und wird vor allem 2014/15 aufgeführt – Ruth Fiedler hat also noch viel zu pendeln zwischen Köln, wo sie lebt, und Lüneburg, wo sie singt.

Sie singt nun fast alles und alles gern. Mit der Alten Musik hat sie angefangen, sie sang Bachs H-Moll-Messe bei Helmuth Rilling. „Das war toll, aber das Theaterspielen fehlte mir dann doch.“ Sie war an der Hochschule die Adele in der „Fledermaus“, sang und spielte beim Opernstudio Köln. 2009 kam sie zum Vorsingen nach Lüneburg. Intendant Hajo Fouquet zog das Talent an Bord, fordert es nun mit der Lucia.

Auch das Leise wie Liederabende liebt sie, „da gibt es keine Auszeit, kein Verstecken“; Richard Strauss, Hugo Wolf, Schumann, Schubert nennt sie, „für Brahms ist meine Stimme noch nicht weich genug, aber ich bin dran“, sagt sie. Und macht demnächst einen Sprung in die Avantgarde: Am 14. Dezember singt sie im Concertgebouw Amsterdam in Detlev Glanerts „Caligula“, mit Live-Übertragung ins Dutch Public Radio. Markus Stenz dirigiert die Oper nach einem Stück von Albert Camus. Ruth Fiedler liest es gerade – „es ist grauenhaft, faszinierend“. Und die Musik? „Horrorfilm, großartig, sehr hoch, genau mein Ding“.

Nirgendwo aber ist ihre Stimme derart zu Hause wie bei Mozart. Das wird bei der „Zauberflöte“ so sein. „Die Oper habe ich in einer Karajan-Fassung schon mit vier Jahren rauf und runter gehört, die Königin war mein Idol, schön und mächtig, obwohl sie ja auch böse ist, das habe ich gar nicht so gesehen.“ Beim Gespräch in der Lüneburger Theaterkantine hat Ruth Fiedler zwei Mozart-Notenbände dabei, aber mit Konzertarien, die sie zurzeit probt: „Dagegen ist alles andere Ponyhof.“ Man müsse verzaubert sein, um da durchzukommen.

Sie wird es schaffen und ihr Publikum verzaubern – beim Weihnachtskonzert des Theaters am 21. Dezember. Vorher singt die Lucia und am 6. Dezember wieder die Marie in „Zar und Zimmermann“ – „das macht einfach Spaß“.

Letzte Frage: Herbst und Winter, schlecht für die Stimme? Nein, da fürchtet sie nichts. „Ich bin ja in Ostfriesland aufgewachsen, mich kann kein Wetter schrecken; aber gut, ich brauche das Klima nicht.“

One comment

  1. Liebe Ruth,

    herzlichen Dank für die mail!!!

    als einer Deiner eher etwas älteren Bewunderer wäre ich gern mit Hanne beim Weihnachtskonzert dabei!

    Alles Gute vom Deich!