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Zwei junge Frauen mit viel Stimme: Marina Raffaela Ortega (vorn) und Nina Kutschera. Im Hintergrund Peer Frenzke, der Mann, der die Session verkörpert. Foto: t&w
Zwei junge Frauen mit viel Stimme: Marina Raffaela Ortega (vorn) und Nina Kutschera. Im Hintergrund Peer Frenzke, der Mann, der die Session verkörpert. Foto: t&w

Die klingende Wundertüte

oc Lüneburg. Mal wieder bei der 1st Class Session gewesen. Gar nicht groß schlau gemacht, wen Gastgeber Peer Frenzke eigentlich mitbringt in die Ritterakademie. Ist vielleicht nicht nett, muss aber vielleicht auch nicht sein, denn was lehrt die Erfahrung? Die 1st Class Session ist eine Art Wundertüte, aber eine, die nicht enttäuscht. Es ist sicher nie ganz klar, was an Pop, Rock, Jazz drinsteckt. Aber es ist immer gut bis sehr gut. Ausnahmen bestätigen die Regel. Dieser Abend war keine Ausnahme, sondern ausnehmend gut, rockig, gefühlvoll, und das lag nicht nur, aber besonders an Marina Raffaela Ortega und Nina Kutschera.

Das sind zwei junge Frauen, die den Gesang zur Berufung gemacht haben. Marina Raffaela Ortega ist aus der Schweiz nach Hamburg gezogen, wäre fast Rennfahrerin geworden. Nun bringt sie ihre Dynamik in den Gesang ein, je länger ihre Stimme läuft, desto besser wird sie. Nina Kutschera kommt aus Offenbach, hat sich 2011 mit ihrer warmen, runden Stimme bei „The Voice Of Germany“ bekannt gemacht, trotzt gesundheitlichen Problemen, und wenn sie an diesem Abend oft „Stop!“ ruft, liegt das daran, dass sie sich wohlfühlt und noch was loswerden muss.

Musikalisch geht es durch Pop und Rock, von Rihanna über Ben Howard zu Emily Santé, sessionartig kommt Bob Marley ins Spiel, irgendwann trommelt sich Leo Lazar solo frei, David Alleckna legt permanent per Bass den Grund, Gitarrist Peer Frenzke hält sich als Solist meist zurück, aber seine Klasse findet Raum. Und Bo Heart spielt sich an den Tasten stückweise in den Vordergrund. Er zeigt gegen Ende seine Qualitäten als Sänger, reißt „Birds Flying High“ (Michael Bublé) an, shoutet den Blues-Klassiker „Further On Up The Road“, und alle zusammen schmeißen sie das gehunwillige Publikum mit U 2 raus: „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“.

Wie immer gab es auch eine Vorband, das war My Extasy, einst eine Lüneburger, heute eher eine Hamburger Formation mit einem Lüneburger am Mikro. Jacob Witte hält dank Volumen und Energie in der Stimme den Indie-Rock der Truppe zusammen.

Am Donnerstag, 12. Dezember, stehen Achim Degen und Isaac Roosevelt am Mikro in der Ritterakademie; sie haben schon einen bunten Abend in Schröder’s Garten geboten.