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Rasant, witzig und zugleich poetisch geht es zu bei dem Märchen, das Kinder für Kinder spielen. Foto: t&w
Rasant, witzig und zugleich poetisch geht es zu bei dem Märchen, das Kinder für Kinder spielen. Foto: t&w

Natürlich geht alles gut aus

Von Silke Elsermann
Lüneburg. Mit Mutti im Turm – ein Leben lang, das sind keine erbaulichen Aussichten für eine schöne, junge Frau. Als eines Tages nicht Mutti, sondern ein Prinz an Rapunzels Zopf in den Turm kraxelt, ist es um die beiden geschehen. Dumm nur, dass Mutti den Frischverliebten auf die Schliche kommt und sie bestraft. Aber keine Angst: „Am Ende geht’s gut aus. So sind Märchen nun mal“, erklären die Zwillinge Johanna und Johannes dem Publikum. Das Kinderensemble III des theaters im e.novum brachte jetzt seine Weihnachtsmärchen-Premiere auf die Bretter und erntete tosenden Beifall für ein rasantes, witziges und poetisches Märchen. Mit einer Reihe origineller Ideen, wechselnden Perspektiven und einer großen Portion Kreativität hat das Regie-Duo Alexander Krüger und Erika Döhmen (Text und Gesamtleitung: Margit Weihe) das Märchen um die langhaarige Einsame im Turmzimmer aufgepeppt.

Die Zwillinge Johanna und Johannes erzählen die Liebesgeschichte ihrer Eltern – das sind Rapunzel und ihr Prinz – aus ihrer Perspektive. Die zwei, souverän und mit viel Esprit von Nele Rechten und Antonia Schmidt-Jortzig gespielt, fungieren als Lichttechniker und Vorhangzieher, sie kündigen Szenen an („Jetzt kommt das mit dem Turm“), fachsimpeln über die Liebe zu Erbseneintopf, kommentieren das Geschehen und geben ihm eine Prise Lebensklugheit. „Am Ende ist ein anderer Anfang.“ Herrlich empört spitzt „Tausch-Mutti“ Finja Reineke als Frau Gotel ihre Lippen, wenn sie Rapunzel das Leben erklärt: „Alleinsein ist schön.“

Großartig agieren auch die drei Rapunzelchen Carmen Bracho, Rahel Dubke und Pia-Lotta Maaß-Emden, die einen weiteren Auftritt als heiratswütige – und völlig talentlose – Prinzessinnen haben. König und Königin, die von Jakob Richter und Johanne Hobel aus dem Kinder-Ensemble II gespielt wurden, kamen in ihrem begrenzten Wortschatz („Wo isser denn?“) schön einfältig rüber. Und Mia Bromm scheint die Rolle der energischen Frau Prottenmeyer, die als Gouvernante ihre liebe Mühe mit dem eigenwilligen Prinzen hat, auf den Leib geschneidert. Amelie Knölke ist eine überaus glaubhafte Rapunzel und Jakob M. Richter als Prinz ein Riesentalent.

Als die beiden als glückliches Ehepaar ins königliche Schloss einziehen und ihre Zwillinge zur Welt kommen, trifft Rapunzel dort auf ihre leiblichen Eltern: Meta (Johanne Burmeister), die durch ihre hormonbedingte Zickerei die ganze Chose verzapft hat, und Karl (Mathis Freytag), der zu gutmütig für diese Welt ist. Aus dem einsamen Zopfmädchen ist ein Teil einer glücklichen Großfamilie geworden und aus dem Grimm-Klassiker ein witziges, frisches und poetisches Theaterstück. Für den Riesenerfolg mitverantwortlich sind nicht zuletzt das großartige Bühnenbild (Claudia Radowski), die Kostüme (Claudia Radowski und Kirstin Rechten), die Musik (Ulf Man), die Choreographien (Nicole Riemenschneider) und der Gesang (Anastasia Schönfeld).

Die Premiere B folgt – in teilweise anderer Besetzung – am Sonntag, 24. November um 15 Uhr. Vorstellungen gibt es bis zum 9. Dezember.