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Die aus Königsberg stammende, in Hamburg lebende Ruth Geede (97) gilt als älteste aktive Journalistin, möglicherweise weltweit. Foto: nh
Die aus Königsberg stammende, in Hamburg lebende Ruth Geede (97) gilt als älteste aktive Journalistin, möglicherweise weltweit. Foto: nh

In Tränen wollen wir nicht baden

oc Lüneburg. Als Ruth Geede ihren ersten Artikel als Journalistin schrieb, war sie gerade 17 Jahre alt, und gerade hatte Adolf Hitler die Macht übernommen. Ihm „verdankt“ die Königsbergerin, dass sie ihre Heimat verlor. Auf einem mit Verwundeten und Flüchtenden überfüllten Minensuchboot kam sie schließlich nach Westen. Flucht und Vertreibung sollten der Schriftstellerin und Journalistin ein Lebensthema werden. Heute zählt Ruth Geede 97 Jahre, sitzt Tag um Tag vor ihrem Computer und hat „wahnsinnig zu tun“. Sie war einmal als jüngste Autorin im Schriftstellerverband registrierte, sie wird heute mitunter als älteste aktive Journalistin weltweit bezeichnet – „aber damit gehe ich nicht auf die Straße“, sagt sie. Ruth Geede hat viel zu erzählen und wird dies am Sonntag, 1. Dezember, um 15 Uhr im Ostpreußischen Landesmuseum tun.

Ruth Geedes Weg nach 1945 ist sehr eng mit Lüneburg verbunden. Zum ersten Ruhepol nach der Flucht wurde Dahlenburg, und als 1947 die Landeszeitung für die Lüneburger Heide gegründet wurde, fand Ruth Geede dort ein Forum. Aus Dahlenburg wurde bald Lüneburg und 1950 Hamburg, wo sie noch heute lebt. Ruth Geede war die Hamburg-Redaktion der Landeszeitung, sie hatte eine Kolumne „Blick nach Hamburg“, und als „Tante Ruth“ war sie auch die Frau für die jüngsten Leser. Daraus resultierten ab etwa 1950 rund 20 Bände „Das Karussell – Kunterbuntes Kinderjahrbuch“. Ruth Geede schrieb zudem Hörspiele und Bühnenstücke, die es bis ins Ohnsorg-Theater schafften.

So viel zur norddeutschen Ruth Geede, die im Herzen immer eine ostpreußische blieb. Das wird besonders in Gedichten und Erzählungen deutlich und im Einsatz für die aus dem Bewusstsein schwindende ostpreußische Mundart. Man kann Ruth Geede sogar bei einem Spot auf dem Internetportal YouTube zuhören. Ihren einstigen Landsleuten ist sie ungebrochen verbunden, nach wie vor pflegt sie in der landsmannschaftlichen Preußischen Allgemeinen Zeitung die Kolumne „Die ostpreußische Familie“, über die sie in vergangenen Jahrzehnten unzählige Zusammenführungen auf den Weg brachte. Jeden Tag kämen Briefe, sagt sie, und gerade habe sie Besuch von einer Frau gehabt, die über Ruth Geede nach 65 Jahren ihren Kinderfreund wiedergefunden hat.

Zu einem Adventsgespräch also kommt Ruth Geede, die unter anderem das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt, nun nach längerer Zeit wieder ins Ostpreußische Landesmuseum. „Ich werde mehr erzählen als lesen“, sagt sie, und dabei wird sie die Lüneburger Zeit besonders im Blick haben. Heiter soll es werden, „in Tränen wollen wir nicht baden.“