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Alfons, wie immer in Trainingsjacke, wundert sich immer noch über die Deutschen, besonders über Nacktwanderer. Foto: t&w
Alfons, wie immer in Trainingsjacke, wundert sich immer noch über die Deutschen, besonders über Nacktwanderer. Foto: t&w

Ein guter Freund

sel Lüneburg. Fußgängerampeln sind in Paris eher als „Vorschlag“ gedacht. Sagt Alfons im Kulturforum. Er muss es wissen, denn er stammt aus dem 13. Arrondissement, ist in Paris groß geworden und hat dort zwei Freunde fürs Leben gefunden. Und zwar nachdem er die Fußgängerampel vor seiner Schule passiert hat, natürlich stand sie auf Rot, und er dabei unglücklicherweise von der Politesse mit dem dicken Hintern, liebevoll „Madame Hitler“ genannt, beobachtet wurde.

Also musste Alfons nachsitzen und traf dabei auf zwei weitere „Schwerverbrecher“: Jérome und Jean-Francois. Sie wurden Freunde, spielten Fußball, machten Unsinn und die Bekanntschaft mit dem „Menschenfresser“ Archimedes, der sich als sehr freundlicher und weiser Philosoph entpuppen sollte. „Wiedersehen macht Freunde“ hat der komplett unmodische, aber sehr charmante Franzose sein Programm genannt, das er jetzt einem gut aufgelegten Publikum in der ordentlich besuchten Kulturscheune präsentierte.

Alfons erzählt die Geschichte seiner Kindheit, seines Fußballhelden, seines geliebten Vaters, der ihn im Alter von sechs Jahren verlässt: „Er hat nicht einmal Tschüs gesagt.“ Alfons‘ Geschichte steckt voller Poesie und Momente, die anrühren. Bisweilen kommt sie etwas verzuckert daher, aber man verzeiht ihm den Anflug von „Edelkitsch“. Und glaubt ihm, dass er tatsächlich seine „wahre“ Geschichte erzählt.

Natürlich garniert Alfons das Programm mit Filmen, die ihn mit seinem berühmten Puschelmikrofon beim Befragen deutscher Passanten zeigt. „Was halten Sie von der Emanzipizierung der Frauen? Soll das Wahlrecht für sie wieder abgeschafft werden? Immerhin gab es in der Schweiz lange kein Wahlrecht für Frauen.“ – „Das war auf jeden Fall besser“, lautet die Antwort eines Passanten. „Ich schließ mich an“, ergänzt die Gattin. Alfons hat auch eine Windhunde-Zuchtschau besucht, eine Autotuning-Messe, und er hat einen Nacktwandertrupp begleitet. Ein Hobby, das der Franzose offenbar sehr befremdlich findet. „Bei uns in Frankreich würden wir diese Leute zum Arzt schicken.“ Und wie steht’s um die deutsch-französische Freundschaft? „Die Franzosen haben viele AKW gebaut, vor allem an der deutschen Grenze. Aber die Franzosen hassen nicht die Deutschen. Die Franzosen hassen alle.“ Gut, dass Alfons als Freundschaftsbringer unterwegs ist.