Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Kleider müssen nicht aus Stoff sein - Alufolie tut es ebenso: Ana Maria Munoz präsentiert Kreationen aus vielen Materialien. Foto: ff
Kleider müssen nicht aus Stoff sein - Alufolie tut es ebenso: Ana Maria Munoz präsentiert Kreationen aus vielen Materialien. Foto: ff

Auch alte CDs glitzern noch

ff Lüneburg. Pappteller und Plastikflaschen, Luftballons und Trinkhalme — was nomalerweise als Grundausstattung eines Kindergeburtstags dient, wird nun von Models auf dem Laufsteg präsentiert: Ana Maria Munoz inszeniert für Freitag, 6. Dezember, eine Modenschau mit Kleidern, die nicht unbedingt kuschelig sind, aber als reine Avantgarde gelten können. Es geht um Show, um Spaß, um Unterhaltung und noch ein bisschen mehr, denn das Geld, das als Spende und über die Abendkasse im Glockenhaus hereinkommt, ist für ein Kinderprojekt in Chile bestimmt.

Damit wirft Ana Maria Munoz einen Blick auf ihre Heimat. Sie selbst stammt aus Antofagasta, das heißt übersetzt „Dorf am großen Salzsee“ — dieses „Dorf“ im Norden Chiles hat heute allerdings mehr als 300 000 Einwohner. Mit Geld und gebrauchten Instrumenten wird eine Musikschule für Mapuchekinder im Süden Chiles gefördert. „Die Mapuche sind ein stolzes und zurückhaltendes Volk, das immer nur im Einklang mit der Natur leben wollte und deshalb oft Probleme mit der Regierung hatte“, sagt Ana Maria Munoz, „ihr Name ‚Mapuche‘ bedeutet ‚Menschen von der Erde‘. Jetzt ist ihre Heimat durch ein riesiges Staudamm-Projekt bedroht.“

Ana Maria Munoz ist gelernte Grund- und Hauptschullehrerin, außerdem studierte sie Tanz und Kunst. Sie kam viel herum in Lateinamerika, zog durch ihr langgezogenes Heimatland, nach Bolivien und Argentinien, schließlich — vor fünf Jahren — nach Deutschland. Sie lebt in Lüneburg. „Heute arbeite ich vor allem als Künstlerin, meistens mit dem Verein Alltagskultur, mit Jan Balyon und Kurt Bader.“

Im Haushalt von Munoz wird also möglichst wenig weggeworfen. Ausgebrannte Teelichter und CDs, die niemand mehr hören mag, können immer noch Glitzer-Effekte bei den Mode-Kreationen setzen. Aus gebrauchten Stoffen, aus Papier und allerhand Krimskrams sind unter anderem acht Brautkleider entstanden — „ein Hochzeitskleid wird ja auch nur einmal getragen.“

Ihre Tochter Aniken studiert Industriedesign und kennt sich aus mit den Materialien. Die von Musik und Tanz umrahmte Modenschau als Sozialprojekt wurde einst mit Studierenden der Leuphana konzipiert und auf dem Campus, später in Hannover und im Herzberger Schloss gezeigt. Jetzt kehrt sie nach Lüneburg zurück.

Unter dem Titel „Brot und Frieden“ soll es im Glockenhaus zunächst von 12 bis 16 Uhr einen bunten Markt geben. Einlass und Abendmahl ab 19 Uhr, um 20 Uhr ist Programm: Kinder der Heiligengeistschule beteiligen sich; Joscha Blachnitzky ist als Singer/Songwriter zu erleben. Als Tänzer(innen) gehen Nina Stuwe, Ria Kesternich und Roberto Barcena auf die Bühne, Kurt Bader liest eigene Lyrik. Die Modenschau von Ana Maria Munoz wird von Nina Stuwes Tanzschülerinnen präsentiert. Reservierung: anamunoz.arte@gmail.com.